Berliner Schloss – Humboldt Forum (Berlin, Oktober 2023)

Montags sind die Museen geschlossen, und Shopping ist keiner Alternative für uns. Daher wollen wir in das umstrittene Humboldt-Forum gehen und spazieren dafür von ex-West nach ex-Ost, immer am Tiergarten und anschließend die Französische Straße entlang.

Wir kommen am Denkmal für die ermordeten Juden Europas vorbei. Dahinter, in dem hellen Gebäude links, befindet sich die amerikanische Botschaft.

Alle Botschaften der vier Siegermächte finden sich rund um den Pariser Platz hinter dem Brandenburger Tor. Zum Fotografieren stehen wir hier übrigens an der schleswig-holsteinischen Landesvertretung.

Wir passieren mehrere Bundesämter und -ministerien, die in den Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Gebäuden residieren. Die sehen nach den Renovierungen der letzten Jahrzehnte alle sehr schön aus.

In Höhe des Gendarmenmarkts sehen wir den Französischen Dom von hinten. Die Kuppel heißt auf Französisch dôme, daher der Name des Kuppelturms, der 1780-1785 an die Französische Friedrichstadtkirche angebaut wurde.

Das gleiche passierte mit der lutherischen Kirche, heute Deutscher Dom genannt, auf der anderen Seite des Platzes. Und alles nur, um der königlichen Prachtentfaltung und der städtebaulichen Wirkung ein passendes Bild zu geben. König Friedrich II. (der Große) hat‘s bezahlt.

Kurz darauf passieren wir am Werderschen Markt das Auswärtige Amt und sind dann auf der Museumsinsel, die in der Spree liegt. Da prangt auch schon unser Ziel für heute: das Berliner Schloss.

Seit 1443 steht an dieser Stelle die Residenz des Hauses Hohenzollern, die erst Könige in Preußen, dann Könige von Preußen und schließlich deutsche Kaiser waren. 1698–1713 wurde es umgebaut und galt seitdem als Hauptwerk des norddeutschen Barock. Es war damals das größte Gebäude Berlins.

Es sieht ja eigentlich ganz prächtig aus, ist jedoch ein Fake. Im Zweiten Weltkrieg beschädigt, aber durchaus mit erhaltenswerten Teilen, wurde es 1950 im Auftrag der SED gesprengt (auch das schon eine sehr umstrittene Entscheidung, die Akten blieben jahrzehntelang unter Verschluss).

In der Folge wurde an der Stelle ein zentraler Kundgebungsplatz (Marx-Engels-Platz) und später dann der Palast der Republik gebaut. Der wurde nach erfolgter Astbestsanierung dann doch 2006-2008 abgerissen, nachdem der Deutsche Bundestag 2002 beschlossen hatte, das Berliner Schloss wieder aufzubauen. Man hätte ja auch den Palast der Republik durch entsprechende Anbauten umwandeln können. Aber nein, sichtbar sollte für die Zukunft lieber die monarchische Vergangenheit seit. Da kann man durchaus unterschiedliche Auffassungen dazu haben.

Man entschloss sich, die Barockfassaden an drei Außenseiten und den Innenhöfen zu rekonstruieren. Dafür spendeten Menschen aus der ganzen Welt 105 Millionen Euro. Es wird immer noch vom Förderverein gesammelt, z.B. für die Portaldurchfahrten.

Die Ostseite sieht dann so aus, wie es sich auch innen präsentiert. Vielleicht sollte diese Seite an die neuere Architektur im Osten anknüpfen? Wir wissen es nicht.

Von innen strömen Foyer und Treppenhaus den Charme eines langweiligen Flughafens aus. Wir haben tatsächlich keine Fotos davon gemacht (wen‘s interessiert, klickt die links an).

Im insgesamt 667 Millionen Euro teuren Neubau (wir haben’s bezahlt) befindet sich das Humboldt-Forum, in dem neben Restaurants, Cafés und Museumsshops Sammlungen unterschiedlicher Museen Berlins zu sehen sind.

Wir schauen uns eine nett gemachte Videoinstallation zu den 800 Jahren Schlossgeschichte und einen kleinen Teil der Ethnologischen Sammlung an. Dort wird zumindest versucht, etwas kritischer an die Herkunft und Ausstellung der Artefakte heranzugehen.

Im Kellergeschoss werden, medial gut aufbereitet, Ausgrabungsreste gezeigt und erklärt, wie es früher an Ort und Stelle ausgesehen hat und welche Bedeutung die Orte für das herrschaftliche Leben in den Obergeschossen hatte. Auch hier endet die Präsentation mit der Sprengung des Schlosses.

Ein paar der Gründungspfähle aus Kiefer, die vor 300 Jahren zu tausenden zehn Meter tief in den Boden gerammt werden mussten, damit das Schloss überhaupt gebaut werden konnte, sind im Treppenhaus zum Keller zu sehen. Keller und Neubau stehen jetzt auf 40 Meter langen Betonpfählen.

Dann wird es für uns auch wieder Zeit zu gehen. Das schöne, sonnige Wetter lockt nach draußen. Wir gehen Unter den Linden entlang, durch das Brandenburger Tor und den Tiergarten hindurch zurück zum Hotel.