Im Flieger nach Graz duftet es verführerisch, es ist Mittagszeit. Doch die onboard delights stehen einem nur nach Kartenzahlung zur Verfügung. Aber es gibt wieder Wasser und Schokolade (diesmal zwei Stück, der Korb ist noch sehr gut gefüllt). Der Flug vergeht schnell, der Flughafen Graz ist klein, wir gehen zu Fuß vom Flieger zum Empfangsgebäude. Auch die Koffer sind schnell entladen. Als die automatischen Rolltore an den Fließbändern sich wieder schließen, wissen eine ganze Menge Menschen, dass sie vergeblich auf ihre Koffer gewartet haben.
Ich reihe mich in die Schlange am Lost and found-Schalter ein und gebe meine Quittung über den aufgebenden Koffer ab. Auf dem steht, dass ich einen Koffer aufgegeben habe. Im Computer der Dame hinter dem Tresen steht, dass ich zwei Koffer aufgegeben habe, einmal einen normalen schweren Koffer, einmal einen leichteren Handgepäck-Koffer. Ich versuche ihr zu erklären, dass diese Diskrepanz wahrscheinlich entstanden ist, weil ich einen Koffer mit zwei Kofferanhängern beim Einchecken versehen habe. Das hat sie, glaube ich, nicht ganz verstanden, da sie nachfragt, ob dort meine Adresse daraufstellen würde. Zwischen der deutschen Sprache in Deutschland und der deutschen Sprache in Österreich gibt es schon etliche Unterschiede, die nicht sofort auffallen.
Ich bestehe jedenfalls in der kurzen Diskussion allerdings darauf, dass ich nur einen Koffer vermisse und wiederhaben möchte. Dabei freue ich mich, dass ich in weiser Voraussicht meinen Handgepäck-Koffer bei mir habe und dass sich in ihm alles notwendige für einen Tag ohne Koffer befindet.

Ich nehme trotzdem das kleine Päckchen mit, das sich als Kulturtäschchen entpuppt. Neben den üblichen Kosmetikartikeln findet sich dort auch noch ein T-Shirt und etwas Waschmittel für die Notwäsche im Handwaschbecken.
Den nächsten Flughafenbus erreiche ich trotzdem locker. Hier gehe ich auf Nummer Sicherheit und kaufe das Ticket beim Busfahrer, der mir auch sagen kann, dass ich an der Endhaltestelle in die Tram (Straßenbahn) umsteigen muss, um bis zum Jakominiplatz zu kommen. Ich erhalte ein 1h-Ticket. An der Endhaltestelle frage ich noch einmal nach, wohin ich gehen muss. Die Auskunft lautet: „Gleich davorn, wir haben nur eine Straßenbahn!“
Okay, denke ich, aber warum ist es dann die Linie 5?? Der Schaffner in der Tram sitzt in seiner Kabine, damit er nicht von lästigen Passagieren abgelenkt wird. Ich frage ihn trotzdem und er bestätigt mir, dass er am Jakominiplatz hält. Macht er dann auch und die letzten Meter zur Unterkunft gehe ich zu Fuß. Das ist nicht weit und wäre noch schneller gegangen, wenn ich an einer anderen Haltestelle ausgestiegen wäre.
Gewonnen! Ich bin ziemlich müde und erschöpft. Etwas später erhalte ich einen Anruf, dass der Koffer in Frankfurt gefunden wurde und mit der letzten Maschine auch nach Graz kommt. Er würde dann aber erst nach Mitternacht ausgeliefert werden. Da möchte ich allerdings gern schlafen. Wir vertagen die Übergabe auf den nächsten Vormittag am Konferenzort. Mal sehen, ob das klappt.
Ich mache noch einen Abendspaziergang durch die Altstadt. Ich wohne direkt im Inneren Bezirk. Das Speiseangebot der umliegenden Restaurants ist mir zu fleischlastig, und ich bin müde.

Zum Abendessen hole ich mir ein veganes Zitrone-Holundereis des ‚berühmten, originalen Temmel-Eis‘ (s. mein Blogeintrag vom 11. September 2018). Inzwischen kostet die Portion stolze 2,20€! Aber es ist auch einfach lecker!!