Großer Tiergarten – viel Garten, wenig Tier (Berlin, Oktober 2023)

Wenn man während des Urlaubs in Berlin so schön am Tiergarten wohnt, dann spaziert man unweigerlich immer wieder auf unterschiedlichen Wegen darin herum. Dabei sieht man sehr interessante Dinge. Um einige wenige davon geht es in diesem Blogbeitrag.

Einen Tiergarten als Jagdrevier für Regenten wurde bereits in der Mitte des 16. Jahrhunderts angelegt und dann nach und nach durch Landzukäufe erweitert. König Friedrich II. (auch „der Große“ genannt) hatte dann gar nichts mit der Jagd am Hut.

Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Park zu einem „Lustgarten“ umgewandelt und auch für die Untertanen geöffnet. In der Folge wurden im Park eine Vielzahl von Denkmälern aufgestellt.

1980 hatte die Luftverschmutzung und der saure Regen dem meistens verwendeten Mamor so zugesetzt, dass die meisten Denkmäler abmontiert, in Innenräumen gelagert und durch Betonkopien im Tiergarten ersetzt wurden. Inzwischen ist die Luft so viel sauberer geworden, dass die Originale wieder im Park zu sehen sind, wie hier das Standbild der Königin Luise, der Preußen liebste Königin.

Dieses steht auf der Luiseninsel, ein Wassergraben trennt den Bereich vom übrigen Parkgelände ab. Zusätzlich immer geschlossen zu haltende Tore für die Fußgänger schützen die Blumenbeete vor den allgegenwärtigen Kaninchen und ihrem Hunger.

Für Luises Mann, König Friedrich Wilhelm III., gibt es dort natürlich auch ein Denkmal. Das steht aber nicht so prominent sichtbar. Sie war einfach die weitaus beliebtere in der Bevölkerung.

Ganz frisch gereinigt und vergoldet erstrahlt das Denkmal für die drei Komponisten Beethoven, Mozart und Haydn (auf der nicht sichtbaren Seite). Wir wollten es zuerst gar nicht angucken, da wir dafür die mehrspurige B96 hätten überqueren müssen. Doch inzwischen verläuft diese unterirdisch im sogenannten Tiergartentunnel, wir können einfach nur über den Rasen laufen zum „Musikerofen“ (die Berliner haben ein Faible für Spitznamen).

Direkt an der Tiergartenstraße, an der etliche Botschaften vertreten sind, steht das Denkmal für Richard Wagner. Ihm zu Füßen sind Hauptfiguren aus seinen Opern platziert. Dieses Denkmal wird immer noch von einem Dach vor Wettereinflüssen geschützt. Es war (und ist) damals einfach viel zu groß zum Einlagern und für eine Nachbildung aus Beton gewesen.

In der Nähe unseres Hotels, im Schatten von Bäumen und Büschen, finden wir das Denkmal für das Volkslied!

Eine sehr neue Gedenkstätte im östlichen Teil des Tiergartens stellt das „Global Stone Project“ des Künstlers Kraker von Schwarzenfeld dar. Das als Friedensprojekt gedachte Kunstwerk wollte auf jedem Kontinent zwei besondere Steine bzw. Steingruppen finden. Eines sollte dort an einem besonderen Ort verbleiben, das andere nach Berlin kommen. Die geschliffenen Steinoberflächen sollten so ausgerichtet werden, dass zur Sommersonnenwende zwischen allen Steinen auf allen Kontinenten durch Sonnenstrahlen eine Verbindung entsteht.

Der Künstler hat den Steinen Namen gegeben: Erwachen, Hoffnung, Vergebung, Liebe und Frieden. Wir sehen Hoffung und Vergebung, im Hintergrund Erwachen und Frieden. Das sind nur vier Stein (-gruppen), dazu eine leere sandige Fläche. Dort lag der Stein der Liebe. Er kam 1999 aus Venezuela und ist seit 2020 auch wieder dort, in einem Naturreservat eines indigenen Volkes. Der Stein ist für sie ein heiliger Stein und wurde damals ohne ihre Zustimmung abtransportiert. Der Streit darum zog sich bis in Regierungskreise hinein.

Leipzig – Musik und Bildende Kunst (Sommer 2022)

Wir beginnen den Tag mit dem Besuch des Museums für bildende Künste. Der Neubau aus dem Jahr 2004 befindet sich quasi um die Ecke des Hotels. Das Museum selbst gibt es schon seit 1848. 1943 wurde das damalige Gebäude durch einen Bombenangriff komplett zerstört. Seitdem war es in verschiedensten Gebäuden untergebracht, bis es dann nach 61 Jahren in den quaderförmigen Neubau umziehen konnte.

Wir sehen uns nicht alles an und auch nicht alles mit derselben Intensität. Aber die Ausstellung „Unterschätzt. Künstlerinnen in Leipzig um 1900“ ist klasse. Unglaublich, was für Talente schon immer und in allen Bereichen durch die Arroganz der Männer verhindert wurden.

Spannend ist auch das „Berliner Zimmer“ in der Leipziger Fassung von Via Lewandowsky (geb. 1963 in Dresden), das die Teilung Berlins bzw. Deutschlands zum Thema hat: ein komplettes Wohnzimmer einmal durchtrennt. Der Guide auf dem Foto hat uns viel dazu erzählt. Leider ist die Installation nicht ganz komplett. Eine kleines Mädchen hat vor einiger Zeit aus Versehen die andere Hälfte des Papageis auf dem Reststuhl umgerissen. Der Teil ist noch in der Reparatur.

Dieses Bild vom Leipziger Maler Benedikt Leonhardt (geb. 1984) heißt „Ohne Titel (WF-B-QM/V-4)“ (2016), erinnert uns an die Gemälde Rothkos und gefällt uns besser als die Werke von Neo Rauch und Kollegen der „Leipziger Schule“, die einen eigenen Saal belegen.

Nach einer Pause im Museumscafé gehen wir zur Thomaskirche, um rechtzeitig zur Motette da zu sein. Doch das mit der Musik ist schwierig im Hochsommer, es findet wirklich gar nichts statt in Leipzig, was wir besuchen können. Nichts, nicht einmal ein ganz klitzekleines Kirchenkonzertchen. Die Jungs des Thomanerchor machen Sommerferien. Dann fotografieren wir eben einige der berühmten Musiker, die hier gewirkt haben.

Am Seiteneingang zur Kirche steht ein Denkmal für Johann Sebastian Bach, der 27 Jahre als Thomaskantor tätig war, jede Woche ein neues Werk schuf und danach tatsächlich in Vergessenheit geriet. Das Denkmal wurde auf Initiative von Felix Mendelssohn Bartholdy aufgestellt.

Erst Felix Mendelssohn Bartholdy leitete eine Bach-Renaissance ein, als er 1829 die Matthäus-Passion wieder aufführte. Vierzehn Jahre später gründete er in Leipzig die erste Musikhochschule überhaupt in Deutschland. Das Westportal der Thomaskirche wird Mendelssohn-Portal genannt. Er ist seit 1843 Ehrenbürger der Stadt Leipzig.

Gegenüber steht seit 2008 eine Replik des Denkmals für ihn, welches bis 1936 am damaligen Standort des Gewandhauses stand, an dem er Kapellmeister war. Die Nazis ließen es abreißen und die Bronze höchstwahrscheinlich zu Kriegszwecken einschmelzen, allein die Mendelssohn-Figur ist fast drei Meter hoch. Für die Replik wurden alte Abbildungen fotogrammetrisch vermessen, die Realisierung übernahm der Dresdner Bildhauer Christian Schulze. Die Muse der Musik, Euterpe, sitzt dem Komponisten zu Füßen, links und rechts befinden sich musizierende Engel.

Dann wollen wir zumindest noch das Mendelssohn-Haus besuchen, in dem die letzte Privatwohnung erhalten ist. Dafür müssen wir einmal quer durch die Altstadt. Der spätklassizistische Baus war gerade neu erbaut worden, als er dort in den ersten Stock einzog (Neubaubezug). Zwei Jahre später verstarb Mendelssohn dort. Das Museum schließt um 18 Uhr. Der Weg ist weiter gewesen als gedacht, eir kommen drei Minuten vorher an und können nur noch kurz den Garten besuchen.

Dafür haben wir aber noch einige interessante Gebäude bei unserem Stadtrundgang entdeckt:

Die Alte Handelsbörse, das älteste Barockbauwerk in Leipzig, das Versammlungsgebäude der Kaufmannschaft.

Das Messe- und Geschäftshaus der Riquet & Co. AG, erbaut 1908/09. Sie stellten Kakao, Schokolade, Pralinen und Bonbons her und handelten mit Tee und Waren aus China und dem Orient. Sie warben mit einem Elefanten, daher die beiden lebensgroßen Elefantenköpfe aus Kupfer am Eingang. Goethe bezog von hier seine Lieblingsschokolade.

Das Neue Rathaus wurde 1905 nach sechsjähriger Bauzeit eröffnet. Das Gebäudeensemble (das Foto zeigt nur einen kleinen Ausschnitt) ist immer noch der größte Profanbau dieser Art der Welt. Er hat etwas mehr als 1700 abgeschlossene Räume und Deutschlands höchsten Rathausturm.