Skanderborg: Shopping, See und Schlingel (DK, August 2023)

In Graz habe ich von meiner Kollegin aus Dänemark erfahren, dass es in Skanderborg genbrugs butikker mit einer sehr guten Auswahl an hochwertigen Klamotten gibt.

In der Kleinstadt südlich von Aarhus leben viele wohlhabende Menschen, die in Aarhus arbeiten und ihre Freizeit in Skanderborg genießen. Also, auf nach Skanderborg, bereits seit der Steinzeit besiedelt.

Auf dem Weg in die Innenstadt kommen wir an der Schlosskirche vorbei, aber weit und breit ist kein Schloss zu sehen. Ein Blick in die Geschichte zeigt auf, dass die dänischen Könige schon im Mittelalter damit begonnen haben, am See eine Burg zu bauen. Nach und nach wurde diese ab dem 16. Jahrhundert umgebaut und erweitert. Bereits der spätere König Christian IV (1577-1648) hat als kleiner Kronprinz auf dem See das Segeln erlernt.

Die Renaissance-Ausbaustufe des Schlosses sieht auf dem alten Stich sehr imposant aus, doch im 18. Jahrhundert verlor die königliche Familie ihr Interesse am Schloss zu Skanderborg. Im Jahre 1767 wurde das Schloss mit den angrenzenden Gärten an eine bürgerliche Privatperson verkauft und in seinem Auftrag abgerissen. Die Schlosskirche ging jedoch mit allem Inventar an die Stadt und blieb so bis heute erhalten.

Im Vorwege haben wir uns die entsprechenden Adressen in der Innenstadt herausgesucht. Daher fahren wir einen Parkplatz in unmittelbarer Nähe an. Die alte Handelstadt Skanderborg kommt sehr unaufgeregt daher. Das Angebot richtet sich eher an die Bewohner als an Touristen, obwohl die Stadt mit ihrer Lage im Seenhügelland (der dänische Lake District) wirbt. Es sind außer uns auch keine weiteren Touristen zu sehen.

Nach dem Shopping (durchaus sehr erfolgreich) wollen wir noch einen Blick auf den großen Skanderborg Sø werfen. Er ist riesig (8,6 Quadratkilometer) mit einem sehr gewundenen Uferverlauf. Den westlichsten Zipfel haben wir schon oft auf der Autobahn Richtung Norden/Süden überquert. Wir hatten ja keine Ahnung, wie schön der große Rest ist!

Es gibt sogar vier kleine Inselchen im See, der durch das Abschmelzen eines eiszeitlichen Gletschers entstanden ist.

Wir nähern uns dem See aber nicht direkt. Nach dem Einkauf dürstet es uns nach einer Tasse Kaffee, gern auch mit einem Stück Kuchen dabei. Beides finden wir im Kulturhus, direkt am See gelegen.

Außer dem sehr guten Café gibt es hier Ausstellungen, eine Bühne, die Bibliothek, einen Lesebereich für Tageszeitungen und Zeitschriften, der unabhängig von der Bibliothek zu nutzen ist und ein Kino.

An den Außenbereich des Kulturzentrums schließt sich das Stadtbad an. In dem sehr modernen Zweckbau befinden sich Umkleidekabinen etc., und rundherum gibt es mehrere Möglichkeiten, bequem über Treppen oder Rampen zum Baden in den See zu kommen.

Picknickareale und ein Beachvolleyball-Feld sind am Seeufer zu finden und werden fleißig genutzt.

Auf unserem Gang zurück zum Auto kommen wir noch am Sløngel Pladsen vorbei. Das ist ein Kinderspielplatz, der mit Namen und Design an einen der berühmten Söhne der Stadt erinnert, den Kinderbuchautor Ole Lund Kirkegaard (1940-1979). Alle dänischen Kinder kennen und lieben seine Bücher.

Jedes Jahr findet in Skanderborg ihm zu Ehren eine Kinderbuchmesse statt und alle zwei Jahre gibt es noch ein großes Fest zum Sløngeldag, dem Schlingeltag.

Der benachbarte Supermarkt, bei dem wir vor der Rückfahrt noch einkaufen, bietet Kindern in Begleitung eines Erwachsenen kostenlos ein Stück Obst an.

Ob das wohl auch mit der Popularität Ole Lund Kirkegaards zusammenhängt?

Uns hat Skanderborg sehr gut gefallen. Das nächste Mal kommen wir besser Anfang August wieder. Dann wird in der Stadt, aber vor allem im angrenzenden Tierparkgelände ein großes Musikfestival veranstaltet, das Skanderborg Festival.

Radtour Richtung Årø (DK, August 2023)

Nachdem wir die Kirche in Vilstrup besichtigt hatten, geht es weiter mit dem Rad. Das Wetter ist gut, blauer Himmel, wenige Wolken und fast windstill. Warum nicht bis Årøsund fahren? Auch an diesen Hinweisschildern sind wir schon öfter vorbeigekommen. So weit ist es sicherlich nicht. Wir fahren durch die Feldmark und finden immer mal wieder das Camino-Symbol oder auch den Hinweis auf den Ostseeradweg.

In Kelstrup Strand bzw. Hejsager Strand treffen wir wieder auf die Ostsee. Die Wolken sehen nicht sehr vielversprechend aus.

Bevor wir uns Schutz vor den herannahenden Regen suchen, lädt ein kryds og bolle-Spiel auf der Bank am Strand zu einer Partie ein. Die meisten Leser*innen des Blogs werden es als Drei gewinnt oder als Tic Tac Toe kennen.

Die Regenwolke regnet sich dann doch über dem Wasser ab und wir setzen unsere Fahrt fort.

Es geht wieder Richtung Landesinnere. In Øsby sehen wir diese schön bunten Blühstreifen am Feldrand. Das sieht schon attraktiv aus.

Schließlich erreichen wir nach einer langen Fahrt immer nur geradeaus Årøsund.

Wir fahren gleich hinunter zum Hafen, da dort am Fähranleger höchstwahrscheinlich mindestens eine Hotdog-Bude zu finden ist. Außerdem geht es so wunderbar immer nur bergab!

Impressionen:

Die Freude ist groß, als wir das Angebot des Aarøsund Havnegrill entdecken!

Das Eisangebot ist sehr verlockend, die Temperatur und der Sonnenschein passen auch sehr gut. Doch inzwischen ist es schon kurz nach 14 Uhr, und wir haben wirklich großen Hunger.

Wir entscheiden uns für Burger und Pommes, dazu ein leicht alkoholisches Erfrischungsgetränk.

Zwischendurch kommen in schöner Regelmäßigkeit die Fähre und der Bus vorbei und laden immer neue Personen ein bzw. aus.

Nach knapp anderthalb Stunden Pause geht es auf den Rückweg. Der Popo möchte sich gar nicht so gerne wieder auf den Sattel setzen. Es hilft nichts, die Busse können keine Fahrräder mitnehmen. Inzwischen hat der Wind ordentlich zugelegt. Es geht bei Gegen- bzw. Seitenwind immer bergan.

Überall wird auf den Feldern geerntet. Hier auf diesem Feld sind sie noch nicht angekommen. Die Mähdrescher wirbeln sehr viel Staub auf und sind riesig, wenn man mit dem Fahrrad direkt an ihnen vorbeifährt.

Eine gute halbe Stunde später wird es uns zu langweilig, immer nur geradeaus auf der Landstraße zu fahren. Der Popo hat zwar keine Lust mehr, trotzdem entscheiden wir uns für eine etwas längere Strecke auf den kleinen Nebenstraßen.

Hier ist sind sie gerade fertig geworden mit dem Dreschen. Im Hintergrund sind die Ostsee und Årø zu erkennen.

Mit viel Quälerei kommen wir schließlich doch wieder am Campingplatz an. Sehr erschöpft, denn zwischendurch blockierte auch noch die Gangschaltung. Sie schaltete unter Belastung nicht mehr herunter. So mussten wir neben den kurzen Popo-Entlastungspausen auch noch die Räder die eine oder andere Steigung hochschieben.

Eine kleine Überschlagsrechnung ergibt, dass wir ungefähr fünfzig Kilometer gefahren sind (rot hin, blau zurück), ganz ohne Training. Kein Wunder, wenn sich der Körper dann beschwert! Eine schöne Tour war es trotzdem!

Slivsø rundt, aber anders (DK, August 2023)

Den Slivsø in der Nähe des Campingplatzes haben wir schon vor zwei Jahren einmal mit dem Rad umrundet und dabei sehr nasse und matschige Füße bekommen. Hier kann man noch einmal nachlesen, was es mit der Geschichte auf sich hat.

Diesmal machen wir eine kleine Abendtour mit dem Rad. Es ist windstill und warm, schon eine kleine Sensation an sich in diesem Sommer.

Auf dem See rasten jetzt jede Menge Wildvögel.
Einige fliegen bereits weiter.
Auf der Westseite des Sees versammeln sich weiße Schwäne.

Der Weg am See herum ist angenehm zu fahren, es geht dem Sonnenuntergang entgegen.

Wir machen noch einen Abstecher zur Kirche in Hoptrup. Es ist schon zu spät, um sie von innen zu besichtigen. Das Licht der Abendsonne lässt alles wunderschön leuchten.

Und dort hinten, hinter dem Friedhof in dem roten Haus, da wohnt bestimmt eine Cousine von Pippi Langstrumpf.

Mit dem Bau der Kirche wurde bereits im Mittelalter begonnen, man vermutet das Ende des 13. Jahrhunderts als Baubeginn. So nach und nach erhielt die ursprünglich romanische Kirche insgesamt sechs gotische Anbauten:

… zwei Verlängerungen des Kirchenschiffs (1765), zwei Kreuzarme (1839), die Sakristei (1766) und ein Kirchenvorhaus (1766), netterweise alles schön mit den entsprechenden Jahreszahlen versehen.

Nachdem wir die Kirche umrundet haben, fahren wir durch das Dorf weiter und dann wieder über die Hügel zurück zum Campingplatz, den Slivsø unter und hinter uns lassend.

Eine schöne Abendrunde, inklusive Stopps waren wir eine Stunde unterwegs.

Ein Besuch an der Nordsee: Holmsland Klit, Bjerregaard (DK, August 2023)

Das Sturmtief Zacharias zerrt an Bäumen und Büschen, an Vorzelten und an den Nerven. Die Wohnwagen und Camper werden von den starken Windböen durchgeschüttelt. Bei den Nachbarn reißen Seile bzw. brechen Zeltstangen. In der Diernæs Bucht herrscht „Ebbe“, da der Weststurm das Wasser hinausdrückt.

Eine der beiden Zufahrten zum Campingplatz ist gesperrt, da ein Baum über den Weg gestürzt ist.

Wir machen einen Ausflug nach Bjerregaard an die Nordsee, mal sehen, wie das Wetter dort aussieht. Wir besuchen Freunde, die dort im Sommerhaus ihren Sommer-Strand-Urlaub verbringen. Wahrscheinlich benutzen sie die Sauna und den Whirlpool öfter als eigentlich für den Sommer geplant. Wir fahren knapp zwei Stunden einmal quer durch Jütland, von der stark hügeligen Ostseite an die eher flache Nordsee-Seite. Im Auto läuft Musik statt des flatternden Dauertons des Vorzelts. Die Sonne scheint. Erinnerungen an unsere Autofahrten in Pennsylvania kommen hoch, die Landschaften ähneln sich.

Im Ferienhausgebiet angekommen peitscht ein Regenschauer über uns weg, von dem wir am Aussteigen gehindert werden.

Dann gibt es Kaffee und Kuchen, bevor die hohe Dünenkette, die uns vom Meer trennt, überquert wird.

Das Foto gibt es nicht wieder, aber der stürmische Westwind treibt den feinen Dünensand mit einer irren Geschwindigkeit gegen und über uns hinweg.

Ohne Sonnenbrille (die Kinder nutzen einfach ihre Tauchbrillen), Kapuzen und Tücher über Mund und Nase ist ein Spaziergang nicht möglich. Der Sand landet trotzdem im Mund, angenehm ist etwas anderes.

Wir waren schon oft hier, bei jedem Wetter, aber dass wir mit fast geschlossenen Augen und rückwärts (!) die Düne zum Meer hin hinabsteigen müssen, das haben wir in all den Jahren noch nie erlebt.

Der Blick Richtung Norden zeigt, dass die Sonne auch hier scheint, nur gehen wir nach Süden.

Der Spaziergang wird, je länger er dauert, auch nicht angenehmer. Zunächst ist es nur die Gischt, die unsere Kleidung nässt, den Rest übernimmt schließlich ein weiterer Regenschauer. Wir votieren für den nächsten Aufstieg, der Wind im Rücken übernimmt einen Teil der Anstrengung.

Den Nachmittag lassen wir gemütlich im Schutz des Sommerhauses ausklingen, bevor wir uns wieder auf die Fahrt quer durch Jütland machen. Überall sieht es wie frisch gewaschen aus, bis uns kurz vor Haderslev dann doch wieder der Regen erwischt.

Turmbesteigung in Haderslev (DK, August 2023)

Im Sommer kann man an bestimmten Sonntagen den roten, das ist der ältere der beiden Wassertürme (der neuere ist der weiße), besteigen. Das wollen wir am letzten der möglichen Termine machen.

Der 1924 gebaute und ein Jahr später in Betrieb genommene Turm wird wegen seiner roten Ziegelsteine „der rote Wasserturm“ genannt. Er hat, immerhin bis 1991, die Stadt Haderslev mit Trinkwasser versorgt.

Im Innern führt eine Holztreppe in die Höhe. Die einzelnen Etagen des Turmes haben einen Betonboden, das macht den Aufstieg auch für Menschen mit moderater Höhenangst möglich, wenn man nicht auf die Idee kommt, zwischendurch mal durch das „Treppenhaus“ zu gucken.

Die letzten 50 der insgesamt 141 Stufen gehen als Wendeltreppe im Innern des alten Wassertanks weiter. Hier gibt es nur ein Seil und die Wand zum Festhalten.

Von oben hat man einen schönen Rundumblick über Haderslev und Umgebung:

Seit 1980 ist der Wasserturm auch das Wahrzeichen des Kløften Festivals. Die Lichtdekoration hängt das Jahr über am Turm, leuchtet aber wohl nur im Juni, wenn das Musikfestival stattfindet.

Fahrradtour nach Haderslev/ DK, Juni 2023

Am letzten Wochenende hatten wir die Fahrräder mit in Dänemark, um bei dem schönen Wetter eine kleine Fahrradtour zu machen. Ein Ziel zu haben ist gut, wir wollen also nach Haderslev fahren. Mit dem Auto sind die knapp 14 Kilometer schnell gefahren. Aber die Strecke ist nicht zum Radfahren geeignet. Also suchen wir uns eine Route durch die Felder und über die kleinen Dörfer.

Unser Weg führt uns von Diernæs Strand am Slivsø vorbei Richtung Norden, immer geradeaus. Doch im Hintergrund des Fotos ist schon zu erahnen, dass es nicht dabeibleiben wird.

Wir halten uns rechts und fahren den ersten (von gefühlt Hunderten auf dieser Tour) Hügel hinauf. Oben gibt es einen kurzen Stopp, um den Ausblick nach hinten zu genießen:

Als wir weiterfahren, die andere Seite des Hügels hinunter Richtung Vilstrup, sehen wir zwischen den Feldern jede Menge LKWs auf der Straße fahren. Dabei ist das genauso eine kleine Straße wie die, auf der wir unterwegs sind.

Als wir näher kommen, können wir die Lösung sehen: ein Oldtimer-Nostalgi-Lastbil-Konvoi kreuzt unseren Weg. Vom letzten Fahrzeug gelingt dann noch dieses Foto.

Wir kommen an Schweinemastbetrieben vorbei, die hier sogar schön aussehen (und nicht riechen). Es gibt aber auch andere, aber davon macht man normalerweise keine Fotos.

Wir fahren immer entlang der Getreidefelder, die in allen Stadien der Reifung vorhanden sind. Der Raps (ja, ist eine Ölfrucht) trocknet schon vor sich hin; Weizen, Roggen, Gerste und Hafer (ja, ist ein Gras) wechseln sich ab.

Die Abiturienten haben die Schule abgeschlossen und feiern. Die wummernden Bässe können wir schon von weitem hören.

In Dänemark mieten sie Lastwagen mit Bänken und Tischen auf der Ladefläche und lassen sich klassenweise laut hupend von Elternhaus zu Elternhaus kutschieren (hier in Vandling).

Das erklärte Ziel ist, sich möglichst gründlich und vollständig zu betrinken. Wir werden auf unserer Tour von mehreren Lastwagen mit laut grölenden Menschen überholt. Früher wurden einfach Tische und Bänke auf einen Treckeranhänger gestellt, aber mit steigendem Alkoholkonsum wurde das bei den niedrigen Seitenwänden des Anhängers wohl zu gefährlich.

Offensichtlich waren die Straßen früher viel schmaler und die Fahrzeuge viel niedriger. Bei diesem Hof in Sønder Starup wurden kurzerhand Scheune und Wohnhaus auf pragmatische Weise an die modernen Bedürfnisse angepasst. (Wenn man das Foto etwas aufzieht, kann man es besser erkennen.)

Unsere Strecke führt uns quer durchs Land über Sønder Vilstrup, Kelstrup und Vandling, dann irgendwann doch nach Haderslev.

Auf torvet gibt es samstags Livemusik. Aber vor allem gibt es bei Torvet Is ein wunderbares, großes Erdbeer-Vanille-Softeis für jeden.

Der Genuss ist so groß, dass ich erst dann auf die Idee komme, es zu fotografieren, als es schon zur Hälfte verspiesen ist. Und dann ist es leider nicht mehr sehr fotogen.

Für einen Besuch der örtlichen genbrugs-Läden waren wir leider zu spät dran. Dafür kommen frische neue dänische Kartoffeln mit in die Satteltasche, bevor wir uns auf den Rückweg machen. Diesmal wollen wir einen direkteren Weg nehmen. Der führt uns zunächst zu einem großen Kreisverkehr. Interessanterweise besteht die Mitte nicht aus einem mehr oder weniger inspiriert bepflanzten Hügel, sondern ist sozusagen hohl.

Dort, eine Etage tiefer, wir fahren durch kurze Unterführungen, stoßen wir auf den ersten Kreisverkehr unseres Lebens für Fahrräder. Komplett mit aufgezeichneten Richtungspfeilen! Auf der Karte sind die grünen Linien die Fahrradspuren.

Weiter geht es an schönen Villen vorbei hinaus aus Haderslev. Aber was auf dem Hinweg nach unten führte, führt nun bergauf. Die Steigung ist zwar moderat, aber sehr, sehr lang anhaltend.

Ein Blick zurück über die Schulter zeigt, dass Haderslev ungefähr auf Normalnull liegt, alles andere drumherum aber nicht.

Wir kommen wieder an Vilstrup vorbei, diesmal an der Kirche, die zwischen Norder- und Süder-Vilstrup liegt.

Und damit uns auch geglaubt wird, dass wir uns wirklich anstrengen auf unserer Tour: wir fahren einen Teil der 3. Etappe der Tour de France, die im letzten Jahr durch Dänemark führte!

Als wir kurz vor Schluss schon sehr müde und erschöpft sind, erfreut uns nicht nur der blühende Mohn an den Ackerrändern, sondern auch die Flugkünste der Mitglieder des Haderslev RC Modelflyveklub. Kurz vor unserem Ziel liegt ihr Übungsgelände, und wir können im Vorbeifahren die abenteuerlichen Flugmanöver bestaunen.

ein holpriger Camping-Kaltstart, DK (April/ Mai 2023)

In diesem Jahr probieren wir aus, wie es sich als Dauercamper anfühlen wird. Der Wohnwagen soll die Saison über in Dänemark stehen. Als wir den Wohnwagen im frühen Frühjahr auf dem Campingplatz in Vikær aufstellten, war es eisig kalt und der Boden noch total durchgeweicht vom dauernden Regen im Winter. Zuerst setzte sich das Auto im Matsch fest, es ging weder vor noch zurück. Dann versuchten wir es mit dem Wohnwagen, der verfügt über einen Mover. Doch auch das schlug fehl, die Räder des Wohnwagens versanken ebenfalls in der Grasnarbe. Nichts ging mehr, weder vor noch zurück. Alles war matschbespritzt und unsere Laune auf dem Tiefpunkt.

Der Campingplatzbesitzer kam schließlich mit Trecker und Gummimatten zu unserer Rettung (wir waren nicht die einzigen, er hatte an dem Tag gut zu tun). Zuerst schob und zog er den Wohnwagen an Ort und Stelle. Es war faszinierend, wie filigran er mit dem Trecker umgehen konnte. Danach wurde unser Auto auf den Schotterweg gezogen, es musste nach diesem Ausflug ganz dringend in die Waschstraße.

Damit wir das Vorzelt überhaupt aufbauen konnten, wurde eine Baggerschaufel an den Trecker montiert und kurzerhand Sand vom Strand geholt. Diese Schaufel voll Sand kippte er einfach vor dem Wohnwagen aus, und wir konnten mit dem Zeltaufbau beginnen.

Pünktlich mit dem ersten Regen war das Vorzelt komplett aufgebaut. Eigentlich wollten wir zwei Nächte auf dem Platz bleiben und die Campingsaison richtig einläuten. Aber es war noch mehr Regen und Kälte angekündigt. Daher tranken wir noch einen Tee, um uns aufzuwärmen und fuhren dann wieder nach Hause.

Fünf Wochen später (zwischenzeitlich waren wir ja in der Karibik) versuchten wir es wieder mit dem Campen. Diesmal blieben wir, mit reichlich Kuscheldecken ausgestattet, immerhin für zwei Nächte. Das Enkelkind freute sich so sehr darauf, im Wohnwagen zu sein, wir konnten es ihm nicht abschlagen, trotz des anhaltenden Sturms. Das Vorzelt flatterte laut im Wind, der Regen pladderte auf das Dach, die Heizung lief zuverlässig. Die Gasflaschen waren voll. Es war sehr kuschelig im Wohnwagen, doch ab und zu mussten wir einfach mal hinaus in den Sturm zum Auslüften.

Dem Enkel machte die Kälte nichts aus, wir harrten im strammen Ostwind auf dem Spielplatz aus, bis wir unsere Hände und Füße nicht mehr fühlten. Gut, dass wir uns im Wohnwagen aufwärmen konnten.

Doch am letzten Morgen blieb die Heizung kalt. Ein Blick ins Handbuch zeigte, dass die Batterie, die in der Heizung für den Zündfunken sorgt, wohl leer war. Ein Ersatz war nicht an Bord, und so strichen wir nach dem Frühstück die Segel und fuhren nach Hause.