Winston Churchill machte Câmara de Lobos berühmt mit seinem Gemälde, das er dort 1950 malte. Er machte einen Tagesausflug von Funchal aus, wo er im schon damals hochherrschaftlichen Luxushotel Reid‘s wohnte. Der damalige Besitzer lud ihn nach dem Krieg zu Promotionszwecken ein, hat geklappt. Ich habe hier bereits davon geschrieben (Eintrag vom 11.12.2021, wer noch mal gucken möchte).
Im Reid’s, das inzwischen zur Belmond-Kette gehört, zu übernachten, übersteigt bei weitem unser Budget. Also dachten wir uns, zumindest zum afternoon tea dort zu erscheinen, ein absolutes Muss laut allen Reiseführern. Wenn man zudem am Mittwoch oder Sonntag erscheint, kann man zusätzlich ohne weitere Kosten die fast unbeschreiblich schöne Garten- und Parklandschaft besuchen.

Man muss vorher reservieren, trotz Covid-19 und Nachsaison sind die Plätze fast zwei Wochen im Voraus vergeben. Wir werden allerdings, falls wir einen Nachrückerplatz angeboten bekommen, diesen dankend ausschlagen. Erst nach der Anfrage sah ich, dass der afternoon tea (mit den normalen Ingredienzen, nichts besonders, wenn man die Zeremonie schon kennt (tun wir, hatten wir schon öfter)) 36€ kostet, das Glas Champagner dazu noch einmal 19€, pro Person! Dann verschieben wir das Ganze doch auf den Zeitpunkt, wenn wir wieder in London sind. So gut können die Gurken auf den Sandwiches gar nicht sein.
Zurück zum Churchill-Gemälde: In allen Reiseführern steht auch, dass eine Plakette an der Hauswand an das Mal-Ereignis erinnern würde. Doch auf unseren jetzt schon einigen Spaziergängen auf der Seite der Bucht haben wir sie noch nie gesehen. Was wir nicht bedacht haben, ist, dass die Straßen auf der Landkarte sich in Wirklichkeit ganz anders darstellen, da sie aufgrund der Hanglage eher übereinander gestapelt sind.

Hier ist also die Plakette, absolut nicht zu übersehen. Wir sind auf dem Weg zur Bushaltestelle eine Etage höher gestiegen, und schon war die Plakette da, sehr, sehr viel größer als erwartet. Das ändert natürlich auch die Perspektive des Gemäldes etwas. Das Foto, das ich aus der angenommenen Malperspektive Churchills gemacht habe, ist nicht korrekt. Ich stand quasi eine Ebene zu tief. Jetzt also noch einmal: So ähnlich hat er die Bucht gesehen, nur die Bäume im Vordergrund waren vor 70 Jahren kleiner, bzw. noch nicht da. Na ja, und das eine oder andere Haus ist auch nicht mehr so wie früher.

Die Statue von ihm, malend an der Staffelei sitzend, die vor unserem Hotel steht, wird tatsächlich von allen fotografiert. Ein schönes Spektakel, das wir uns ansehen, wenn wir auf der Dachterrasse beim Frühstück sitzen und die ersten Reisebusse der Kreuzfahrtschiffe ihre Gäste für eine halbe Stunde den „pittoresken Fischerort“ besichtigen lassen.












