
In der Nacht setzt das Schiff über an die Festlandsseite. Wir haben einen Ausflug gebucht, um Mayaruinen anzusehen. Costa Maya ist kein wirklicher Ort; hier siedeln Menschen erst, seitdem eine Pier ins Meer gebaut wurde, damit Kreuzfahrtschiffe anlegen können. Und das ist erst zwanzig Jahre her.
Seitdem bringen die Schiffe während der Saison nicht nur jeden Tag tausende von Besuchern auf diesen Teil der Yucatan-Halbinsel, sondern auch tausende von Dollars und damit ein gutes Einkommen für viele Menschen. Es sei denn, ein Hurrikan zerstört die Pier oder eine Pandemie lässt alles ausfallen. All diese Informationen erhalten wir von unserem Guide Luis, der uns auf unserer Fahrt zu den Chacchoben Maya-Ruinen begleitet. Wir fahren im klimatisierten Bus eine knappe Stunde in den Dschungel kurz vor der Grenze zu Belize.

Das Areal von Chacchoben, auf deutsch „Der Platz des roten Mais“, ist heute die Touristenattraktion, die am zweitmeisten Geld für den mexikanischen Staat einbringt. Von dem vielen Geld fließt aber wenig zurück. So sind seit dem 1990ern nur einige Tempel freigelegt worden. Das, was wir auf unserer Tour als grüne Hügel erkennen, sind immer noch überwucherte Tempelruinen, die wahrscheinlich nie restauriert werden.

Luis führt uns zunächst zum Tempel 24. Das gesamte Land hier besteht aus Kalkstein, alle Tempel wurden nur mit manpower errichtet, es gab keine Lastentiere zum Schleppen der Steine. Auch der Zement zum Zusammenfügen wurde aus Kalkstein gebrannt. Der ursprüngliche Tempel wurde mehrmals überbaut und vergrößert, immer wenn ein neuer Herrscher kam oder ein Krieg gewonnen wurde. Die Treppenstufen außen und innen konnten von den Archäologen auf verschiedene Epochen datiert werden.

Die Tempel waren in großen Teilen mit Mörtel verkleidet, der rot bemalt wurde. Im Laufe der Jahrtausende, dieser Ort war bereits um 1.000 vor Christus besiedelt, wurden die aufgegebenen Orte sehr schnell vom Dschungel überwuchert. Luis zeigt uns auf einer Zeichnung, wie die Siedlung damals ausgesehen haben könnte.

Vor dem Tempel befand sich ein großer Platz, umgeben von weiteren Gebäuden (heute mit Bäumen bewachsene Hügel). In der Mitte, der Punkt wurde anhand der Tempelpositionen errechnet, wurde vor einigen Jahren ein neuer „Lebensbaum“ gepflanzt. Dieser war heilig für die Maya. Auf Englisch heißt er Silk Cotton Tree, ein passender Name. Die Früchte sehen aus wie große Baumwollbälle, sie fühlen sich aber weich wie Seide an.
Vom Dorf (Las Vasijas) nebenan ist nichts außer den Fundamenten erhalten. Die Häuser wurden wahrscheinlich aus Holz gebaut, mit einem Dach aus Palmwedeln. In Cozumel haben wir Dachdecker bei der Arbeit gesehen. Wenn es kein Baumaterial in erreichbarer Nähe mehr gab und der Ackerboden ausgelaugt war, wurden die Siedlungen verlassen und die Maya zogen weiter, um woanders erneut zu bauen. Das gesamte ehemalige Siedlungsgebiet der Maya, das sich über mehrere Staaten erstreckt, ist mit überwachsenen Kalksteinhügeln überzogen. Ansonsten ist das Land flach.




Wir gehen weiter und erklimmen Gran Basamento, 31 unebene Stufen hoch und auf der anderen Seite wieder herunter, für einige Mitreisende eine (zu große) Herausforderung.

Oben auf dem großen Fundament steht der Tempel 1, auf einer Linie ausgerichtet mit anderen Tempeln. Die Sonne steht jeweils im März und September genau zwischen den oberen Steinen. Ist sie links davon zu sehen, wird es wärmer; steht sie rechts, wird es kälter im Jahr.
Es ist ganz beeindruckend, die Überreste einer hoch entwickelten Kultur zu sehen, die schon sehr, sehr lange vor uns ein Zahlensystem entwickelte, das eine Null beinhaltet und in der Anlage war, etwas wie ein Buch zu haben, wo andere frühe Kulturen nur einzelne Blätter beschriftet haben. Die spanischen Eroberer verstanden die Errungenschaften nicht, sie waren auf das Gold, Silber und Kupfer der Maya aus. Es dauerte nicht lang, und sie hatten siebzig Prozent der Bevölkerung mit Waffen und Hunden getötet.
Angefüllt mit Informationen und erschöpft vom feucht-heißen Dschungelklima sind wir ganz froh, nach zwei Stunden wieder in den klimatisierten Reisebus steigen und in die Annehmlichkeiten des Schiffes zurückkehren zu dürfen.