Regen, Regen, drus‘ … (DK, Juli 2023)

… Wi sitt hier warm in Hus‘! Ach nee, Klaus Groth, der norddeutsche, plattdeutsch schreibende Dichter, kannte noch keine Wohnwagen. Dort sitzen wir trocken, aber so richtig warm wird uns nur unter der heißen Dusche. Um uns herum, wie überall in Nordeuropa, entlädt sich das Tiefdruckgebiet „Unai“, während es im Süden des Kontinents auf den Inseln brennt.

Dann doch lieber Regen, es gibt ja Regenbekleidung. Pfützen sind sowieso ein wunderbares Spielzeug. Die Sandwege auf dem Campingplatz verwandeln sich im Laufe des Tages in ‚Wasserstraßen‘.

Auf dem Spielplatz sammelt sich Wasser in Töpfen, Förmchen und Pfannen. Das muss gesammelt werden, um daraus eine ‚warme‘ Suppe zu kochen, mit harten Äpfeln, die durch den Wind vor ihrer Zeit vom Baum gefallen sind.

Der Wind drückt den Regen so langsam durch die Kleidung und wir stolpern durch die Pfützenlandschaft zurück zum Wohnwagen. Das Vorzelt wird mit nassen Klamotten vollgehängt. Von unten drückt sich das Wasser langsam aber sicher durch den Teppich. Wir beschäftigen uns drinnen im Wohnwagen mit Brettspielen, Malsachen und Vorlesebüchern, während um uns herum die Welt langsam untergeht.

Nach vierundzwanzig Stunden Dauerregen geben sich die Wolken immer noch imposant, lassen aber nicht mehr unter sich. Auf dem Spielplatz scheint wieder die Sonne und verursacht bei den geduldig ausharrenden Großeltern einen unerwarteten Sonnenbrand.

Es gibt kein schlechtes Wetter, … (DK, Juli 2023)

… nur unangemessene Kleidung!

Inzwischen sind wir wieder in Vikær auf dem Campingplatz und machen Ferien mit dem Enkelkind. So richtig warm ist es nicht, aber der Strand lockt zum Buddeln. Schiffe brauchen schließlich einen sicheren Hafen, falls es noch Sturm geben sollte.

Und mit einem Neoprenanzug kann man auch schwimmen gehen ohne auszukühlen. Das Wasser ist mindestens so warm wie die Luft, wenn nicht sogar etwas wärmer.

Am nächsten Tag drohen dicke Wolken über uns, doch ein Blick auf den Regenradar (wir nehmen extra den von Danmarks Meteorologiske Institut) sagt uns, wann das Regengebiet durchgezogen ist.

Eingepackt in Neopren und bepackt mit Schwimmweste und Buddelzeugs geht es wieder an den Strand. Der Hafen benötigt eine Erweiterung und so nach und nach verändern wir die Küstenlinie.

Die Wolkenberge, die sich zwischenzeitlich über uns auftürmen, haben die Wettervorhersage leider nicht korrekt verstanden. Kurz bevor sie sich entladen, flitzen wir wieder zurück zum Wohnwagen.

Himmelfahrtswochenende in der Diernæsbucht, DK (Mai 2023)

Extralanges Wochenende durch einen Brückentag, wir sind zurück auf dem Campingplatz. Der ist voll belegt, das Wetter tagsüber sonnig, nachts brauchen wir immer noch zwei Decken. Die Heizung funktioniert auch wieder, das Auswechseln der Batterie war leicht.

Wir machen einen Spaziergang an der Bucht entlang bis Sønderballe und von dort durch die Felder zurück zum Campingplatz.

Am Strand können wir sehen, wieviel Land das Meer während des starken Ostwinds vor zwei Wochen von der Steilküste abgeknabbert hat.

Der Landwirt, der das Rapsfeld ausgesät hat, muss auf einen Teil seiner Ernte verzichten.

Ansonsten zeigt sich Dänemark heute von seiner hyggeligsten Seite.

Am Freitag machen wir einen kleinen Ausflug nach Aabenraa zum Einkaufen. Außer den wichtigen Grundnahrungsmitteln finden wir zum Tee ein leckeres Gebäck: Brunsvigerkage, extrem lecker.

Auf dem Weg zurück zum Campingplatz halten wir an der Kalvø Røgeri an, um fürs Abendessen geräucherte Makrele zu kaufen. Auch diese ist später sehr lecker auf Brot, zusammen mit einem Salat.

Unser Spaziergang heute führt uns in die andere Richtung am Strand entlang. Wenige mutige Kinder sind im Wasser, es muss eiskalt sein. Die anderen versuchen durch Buddeln am Strand doch irgendwie das Grundwasser zu erreichen und machen dann mutige Sprünge über die tiefe Grube.

Sonnabend dreht der Wind wieder nach Osten, durch den Wind erscheint es kühler zu sein als es wirklich ist. Zum in der Sonne sitzen ist es draußen zu windig. Aber zum Spazierengehen und Rasenmähen ist das Wetter perfekt.

Den Spindelmäher kann man sich an der Rezeption ausleihen. Als vorübergehende Dauercamper muss man regelmäßig um Wohnwagen und Vorzelt herum mähen.

ein holpriger Camping-Kaltstart, DK (April/ Mai 2023)

In diesem Jahr probieren wir aus, wie es sich als Dauercamper anfühlen wird. Der Wohnwagen soll die Saison über in Dänemark stehen. Als wir den Wohnwagen im frühen Frühjahr auf dem Campingplatz in Vikær aufstellten, war es eisig kalt und der Boden noch total durchgeweicht vom dauernden Regen im Winter. Zuerst setzte sich das Auto im Matsch fest, es ging weder vor noch zurück. Dann versuchten wir es mit dem Wohnwagen, der verfügt über einen Mover. Doch auch das schlug fehl, die Räder des Wohnwagens versanken ebenfalls in der Grasnarbe. Nichts ging mehr, weder vor noch zurück. Alles war matschbespritzt und unsere Laune auf dem Tiefpunkt.

Der Campingplatzbesitzer kam schließlich mit Trecker und Gummimatten zu unserer Rettung (wir waren nicht die einzigen, er hatte an dem Tag gut zu tun). Zuerst schob und zog er den Wohnwagen an Ort und Stelle. Es war faszinierend, wie filigran er mit dem Trecker umgehen konnte. Danach wurde unser Auto auf den Schotterweg gezogen, es musste nach diesem Ausflug ganz dringend in die Waschstraße.

Damit wir das Vorzelt überhaupt aufbauen konnten, wurde eine Baggerschaufel an den Trecker montiert und kurzerhand Sand vom Strand geholt. Diese Schaufel voll Sand kippte er einfach vor dem Wohnwagen aus, und wir konnten mit dem Zeltaufbau beginnen.

Pünktlich mit dem ersten Regen war das Vorzelt komplett aufgebaut. Eigentlich wollten wir zwei Nächte auf dem Platz bleiben und die Campingsaison richtig einläuten. Aber es war noch mehr Regen und Kälte angekündigt. Daher tranken wir noch einen Tee, um uns aufzuwärmen und fuhren dann wieder nach Hause.

Fünf Wochen später (zwischenzeitlich waren wir ja in der Karibik) versuchten wir es wieder mit dem Campen. Diesmal blieben wir, mit reichlich Kuscheldecken ausgestattet, immerhin für zwei Nächte. Das Enkelkind freute sich so sehr darauf, im Wohnwagen zu sein, wir konnten es ihm nicht abschlagen, trotz des anhaltenden Sturms. Das Vorzelt flatterte laut im Wind, der Regen pladderte auf das Dach, die Heizung lief zuverlässig. Die Gasflaschen waren voll. Es war sehr kuschelig im Wohnwagen, doch ab und zu mussten wir einfach mal hinaus in den Sturm zum Auslüften.

Dem Enkel machte die Kälte nichts aus, wir harrten im strammen Ostwind auf dem Spielplatz aus, bis wir unsere Hände und Füße nicht mehr fühlten. Gut, dass wir uns im Wohnwagen aufwärmen konnten.

Doch am letzten Morgen blieb die Heizung kalt. Ein Blick ins Handbuch zeigte, dass die Batterie, die in der Heizung für den Zündfunken sorgt, wohl leer war. Ein Ersatz war nicht an Bord, und so strichen wir nach dem Frühstück die Segel und fuhren nach Hause.

Georgia on our mind, Etappe 2: eine kleine Landpartie, GA, day 45 (USA 2022)

Um auch weiterhin fern von Atlanta zu bleiben, geht es am heutigen Tag quer durch das Land in den Nordosten, kurz vor die Grenze zu South Carolina, und das überwiegend auf kleinen country roads, berghoch und wieder hinunter, entlang des Georgia Scenic Bypass. Wir fahren durch den Oconee National Forest und das überaus bezaubernde Städtchen Madison, überqueren den Apalachee River und umrunden Athens, bevor wir für das letzte Stückchen doch wieder eine Interstate nehmen. Es ist eine sehr farbenfrohe Tour trotz der dicken Wolken, aus denen ab und zu auch genügend Tropfen fallen, um den Scheibenwischer kurz zu betätigen. Die Wälder bestehen hier überwiegend aus Laubbäumen, die in allen Varianten der hellgrünen Farbpalette schimmernden. In den Gärten blühen die Azaleen in Schattierungen von hellrosa bis dunkelrot. Auf den Weiden stehen Milchkühe oder Pferde. Zwischendurch ist die dunkelrote Erde Georgias zu sehen und scharlachrote Kardinalvögel kreuzen unseren Weg. Einige der vielen Kirchen hier sind mit violetten Bannern oder Schleifen geschmückt, Ostern nähert sich. Insgesamt erinnert uns die Aufteilung der Landschaft an Europa, kleine Felder, umsäumt von Knicks, kleine Orte mit richtigem Stadtzentrum.

Da wir die nächsten zwei Nächte auf einer Halbinsel in einem riesigen See sein werden, wollen wir vorher noch unsere Lebensmittelvorräte aufstocken. Da wir unbedingt zu Aldi wollen, müssen wir mal eben nach South Carolina fahren. Unser dämliches Androidtelefon besitzt inzwischen eindeutig ein Eigenleben. Das Navi führt uns die kleinstmöglichen Straßen Richtung Aldi, entscheidet sich zwischendurch selbstständig, die weiter entfernte Filiale anzusteuern.

So überqueren wir den Lake Hartwell mit seinen Seitenarmen und Zuflüssen so oft, dass wir das Gefühl haben, immer im Kreis zu fahren. Am Ende geht es mit 15 Meilen pro Stunde durch eine Anwohnerstraße, bevor wir seitlich auf dem Parkplatz der Mall ankommen.

Das Gute daran ist, nebenan finden wir unseren neuen Koffer und eine günstige Tankstelle. Eine Dreiviertelstunde später steht das Wohnmobil auf dem Campingplatz mit Blick auf den See.

Georgia on our mind, Etappe 1: Cracker Barrel und KOA, GA, day 44 (USA 2022)

Wir wollen in den Nordwesten von North Carolina. Dafür muss man durch Georgia hindurch. Und alle, wirklich alle Interstates führen durch Atlanta. Da wollen wir auf keinen Fall noch einmal hin (s. Beitrag vom 05.01.2016). Für unsere erste Etappe nehmen wir zuerst noch die Interstate 75 und übernachten auf dem KOA-Campingplatz in Forsyth, etwas nördlich von Macon.

Auf der Hälfte des Weges legen wir eine Pause in einer Cracker Barrel – Filiale ein. Die Kette wurde uns von etlichen RVern empfohlen, da sie hinter dem Gebäude große Parkplätze für die Gespanne vorhalten, auf denen man auch umsonst übernachten kann. Bevor wir das irgendwann einmal machen, wollen wir zunächst die location selbst erkunden.

Die eine Hälfte des Gebäudes enthält den Old Country Store, der hübsche Dekosachen, Kleidung und Spielsachen verkauft. Nichts, was man unbedingt braucht, aber vieles, was eigentlich ganz niedlich ist, z.B. Salz- und Pfefferstreuer in der Form kleiner Gartenzwerge. Auch die Schaukelstühle auf der Veranda kann man kaufen.

Die andere Hälfte besteht aus dem Restaurant, eingerichtet wie zu den „guten alten Zeiten“ auf dem Lande, als das Leben noch nicht so hektisch war. Man kann den ganzen Tag über Frühstücksgerichte bekommen. Aber das hatten wir ja schon zweimal.

Ich entscheide mich für das lunch special, Chicken ´nˋ Dumpling mit Hashbrown Casserole. Kay wählt aus der Dinner-Sektion Southern Fried Chicken mit Steak Fries und ebenfalls Hashbrown Casserole. Letztere schmeckt uns beiden sehr gut, Kays Essen mundet ihm, ich werde im weiteren Leben auf amerikanische Dumplings verzichten. Aber der Kaffee hier ist sehr gut!

Nachdem wir uns auf dem Bypass von Macon vorbeigestaut bzw. vorbeigeschlichen haben, werden wir in Forsyth auf dem KOA-Campground sehr freundlich empfangen. Gut, dass wir schon vor einer Woche reserviert haben, alles ist ausgebucht. An der Rezeption bekommen wir einen Müllbeutel ausgehändigt mit der Aufforderung, ihn am nächsten Morgen gefüllt einfach auf dem Platz liegen zu lassen. Der wird dann abgeholt, ein netter Service.

Etwas später klopft es an der Tür. Wir bekommen zwei große, wirklich sehr große Chocolate Chip Cookies, noch warm, zur Begrüßung. Sie sind sehr, sehr lecker. Wie in Point South gibt es hier auch einen Pizza-Lieferdienst. Aber nach dem kalorienhaltigen Mittagessen wollen wir nicht noch mehr fast food essen. Wir essen zum Abendbrot Vollkornbrot von Aldi, aus Deutschland importiert, zwischendurch eine nette Abwechslung. Morgen folgt die nächste Etappe.

Gulf Shores State Park, AL, day 33 (USA 2022)

Wir sind noch etwas weiter westlich gezogen. Den Strand mit den Dünen und dem sugar sand haben wir beibehalten, ebenso das smaragdgrüne Wasser. Allerdings befinden wir uns inzwischen im Staat Alabama und campen in einem state park. Es ist herrlich hier, so viel ruhiger und so viel mehr Platz.

Der Campingplatz ist riesig und nimmt dabei nur einen kleinen Teil des state parks ein. Dieser umfasst Waldgebiete, Dünen und einen vier Meilen langen Strandabschnitt, drei Seen und viele trails zum Wandern und Fahrrad fahren.

Fahrräder zur Benutzung im state park kann man sich für drei Stunden kostenlos ausleihen. Leider gibt es keine Station in unserer unmittelbaren Nähe. Auf dem Bild ist im Hintergrund ein kleiner Teil des Campingplatzes zu sehen.

Wir wollen den Strand des state parks erkunden. Ein Weg führt über diesen Holzweg auf Stelzen. Der führt nicht nur über die Wasserläufe, sondern auch über das sumpfige Gebiet. Erhöht, damit man nicht unverhofft eine Begegnung mit einem Alligator macht.

Wenn der Highway überquert ist, führt der Weg an vielen, für die Amerikaner notwendigen Gebäuden vorbei, um den Besuch in der Natur angenehm zu machen: ein großer Parkplatz, ein Zentrum, in dem die Natur um einen herum erklärt wird, mehrere Unterrichtsräume, Toiletten und Duschen, ein Strandpavillion und weiteres.

Dieses Gebäude ist der Strandpavillion, in der Mitte ein völlig überdimensionierter offener Kamin.

Wie schon in Navarre Beach ist die Strandseite der Straße mit hohen Hoteltürmen bebaut, bis exakt zur Grenze des Naturparkgeländes. Wir sind uns sicher, dass sie weiterbauen würden, wenn der folgende Abschnitt nicht geschützt wäre.

Der Strand ist auch am Nachmittag noch gut besucht. Wir laufen so lange, bis wir den Zuckersand für uns alleine haben, setzen uns hin und genießen die Ruhe.

Das Meer hier ist etwas tiefer als an der Küste Floridas. Deshalb gibt es hier noch mehr Muscheln zu finden. Leider bleibt es wieder bei Bruchstücken. Diese Muschel war beinahe fußgroß.

Auf dem Rückweg fliegen ein paar Pelikane über uns rüber, faszinierende Vögel.

Navarre Beach Camping Resort, FL, day 30 (USA 2022)

Wir sind inzwischen weiter nach Westen gereist und an der Emerald Coast gelandet. Das ist immer noch Florida, aber nun am Golf von Mexiko. Unser Campingplatz in Navarre liegt am äußersten Ende des Florida Panhandle, östlich von Pensacola.

Nachdem wir stundenlang die sehr langweilige Interstate 10 West gefahren sind, beschließen wir, die letzten 80 Meilen an der Küste entlangzufahren. Wir biegen bei DeFuniak Springs ab, fahren direkt auf den Golf von Mexiko zu, um der Küstenlinie dann östlich auf dem Parkway zu folgen. Die Straße ist abwechselnd zwei- oder dreispurig. Wir überqueren den Sund mehrmals über Brücken. Dann kommen die Orte. Zum Strand hin stehen hohe Hotelanlagen, zur Landseite hin Shopping Malls, Freizeitparks, Restaurants, Shopping Malls, Freizeitparks, Restaurants usw. Wir haben den Feierabendverkehr nicht auf der Rechnung gehabt. So rollen wir mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 33 km/h unserem Ziel entgegen. Dafür sehen wir irgendwann auch die Dünen mit dem für hier charakteristischen weißen Sand. Es ist definitiv die interessantere Strecke, aber wir kommen zwei Stunden später als geplant an.

Der Campingplatz ist privat betrieben und wirklich schön gemacht, ein schmales Stückchen Land, sehr langgestreckt zwischen Highway und Santa Rosa Sound mit einem kleinen privaten Mini-Strand. Die Stellplätze sind recht schmal. Wir stehen auf Strandsand unter Palmen und Lebens-Eichen (live oaks) und beobachten die flinken grauen Eichhörnchen. Alles ist in bunten Pastellfarben gehalten, die kleinen Hütten sind gut gebucht. Es ist gerade Spring Break, Ferienzeit in den Monaten März und April, und entsprechend schwierig wird es, an den Küsten Campingplätze zu halbwegs moderaten Preisen zu finden.

Hier gibt es sehr viele Richtlinien und Hinweise zu beachten, um den Aufenthalt für alle möglichst angenehm zu machen. Unter anderem benötigen wir für unsere Abwasserleitung eine Unterstützung, um den Ablauf zu beschleunigen. Sonst haben wir sie immer auf dem Boden liegen lassen. Wir können einen solchen support entweder am nächsten Tag im Shop des Campingplatzes kaufen oder kurz zu Walmart hinübergehen (ca. eine Viertelstunde zu Fuß). Viel Lust zum Einkaufen haben wir nicht, aber ein bisschen laufen tut nach der langen Fahrt auch ganz gut. Vorher drehen wir noch eine Runde über den Platz und erkunden die Umgebung. Im Clubhaus beginnt gerade ein cornhole-Tunier, und wir werden freudig als weitere Teilnehmer begrüßt. Als wir ablehnen und erzählen, dass wir noch zu Walmart müssen, bietet einer der Teilnehmerinnen, Michelle aus Syracuse, NY uns ihren zweiten support an. Das ist supernett, wir sparen uns den Fußmarsch und 40 Dollar! Der Platz gefällt uns, wir werden vier Nächte hier bleiben.

Stephen Foster Folk Culture Center State Park, FL, day 27 (USA 2022)

Wir sind in den Norden Floridas gefahren und campen zum ersten Mal in einem State Park. Endlich zurück in der Normalität. Es ist wieder grün um uns herum. Man kann Kindergeschrei hören.

Unser Platz ist riesig, komplett mit Picknickbank, Grill und Feuerring. Hier gibt es Wasser- und Stromanschluss, den Abwassertank müssen wir entleeren, wifi gibt es nicht, das Badehaus ist einfach. Zur Abwechslung ist das alles wirklich schön.

Der Campingplatz nimmt nur einen Teil des Parks ein, genauer gesagt, den hinteren Teil. Der State Park selbst liegt am Suwannee River. Stephen Fosters Lied „Old Folks at home“ ist eher bekannt als „Way down upon the Suwannee River“ und die offizielle Hymne des Staates Florida.

Das Diorama befindet sich im Carillon Tower. Im Erdgeschoss werden Faksimiles von Fotos, Noten und anderen Handschriften, sowie Instrumente des Komponisten ausgestellt. Der Turm selbst ist 61 Meter hoch. Oben befindet sich das weltgrößte (Anzahl der Röhren) Glockenspiel aus 97 Röhrenglocken, das mit einer Klaviatur gespielt wird.

Normalerweise werden Fosters Lieder den ganzen Tag über von dem Glockenspiel gespielt. Muss sich hübsch anhören. Leider ist die Elektrik 2017 während eines Sturms zerstört worden und Wasser in das Gebäude eingedrungen. Inzwischen haben sie genügend Spenden eingesammelt, um den ersten Teil der Renovierung einzuläuten. Bei dem Tempo wird es noch Jahrzehnte dauern, bis das Instrument wieder erklingen kann.

Stephen Foster (1826-1864) war zu seiner Zeit der bekannteste Komponist in den USA. Das Museum, in dem sein Leben und Werk geehrt wird, ist wegen Instandhaltungsarbeiten geschlossen. Genauso wie der Souvenirladen und das kleine Areal, wo traditionelle Handwerke demonstriert werden. Ich webe ein bisschen weiter an dem auf der front porch hängenden Webstück.

Nirgendwo finden wir Hinweise darauf, ob und wann hier wieder etwas geöffnet haben wird. Vielleicht erst wieder im Mai, wenn das größte Folk Festival Floridas hier stattfindet. Aber auch dazu finden wir keine Hinweise. Die Anlagen, im Bild das Amphitheater, sehen aus, als wenn sie schon seit ein paar Jahren nicht mehr genutzt worden sind. Wahrscheinlich ist das der Preis von Covid-19.

Es sind außer uns auch nicht viele Camper da, dafür ist die Ruhe himmlisch. Nur Gopher läuft uns über den Weg, wobei „läuft“ vielleicht nicht ganz das richtige Verb ist. Meet famous Florida gopher tortoise!

Pot Luck Dinner, FL, day 22 (USA 2022)

Wir sind in diesem 55+ RV-Resort gelandet, weil Freunde von uns hier seit zwei Jahren dauerhaft wohnen, um in der Nähe ihrer Eltern zu sein. Zwischen ihrem Haus (park model) und dem nächsten sind zwei Rasenplätze frei, auf einem davon stehen wir. Nach der langen Fahrt zur Werkstatt und zurück (fünf Tage on the road) genießen wir das sorgenfreie Leben hier. Wir können Laurie und John bei allen Dingen fragen.

Sie helfen bei Problemen aus, zum Beispiel mit super glue, wenn der Rahmen der Plastiklesehilfe bricht.

Wir müssen unser Motorhome nicht bewegen, um einkaufen zu fahren, weil wir uns zu viert in deren Truck quetschen. Gut, dass die Damen „petite“ sind, so passen sie auf die hintere Bank.

Und wir nehmen an deren soziale Aktivitäten teil, die Einladung von Freunden zum cook out wird auf uns ausgedehnt. Zu diesem pot luck dinner bringt jedes Paar etwas zu essen mit. Wir tragen mit Hilfe von Lauries Backofen und Auflaufform mit einem Kartoffel-Bohnen-Tomaten-Auflauf dazu bei. Das Essen kommt auf die front porch. Die Getränke und Stühle bringt jeder selbst mit, Pappteller und Plastikbesteck wird von den Gastgebern gestellt.

Dann sitzt man in einem großen Kreis in der Sonne, trinkt alkoholfreie Getränke und viel lieber noch Bier oder Rotwein und erzählt sich die wildesten Dinge. Wir sind natürlich interessant, weil wir aus Deutschland kommen.

Etliche der Männer waren schon mal da, und wir werden gefragt, ob es noch dieses oder jenes gibt. Ob zum Beispiel immer noch Bratwurst mit einem Klecks Senf an den Bahnhöfen verkauft wird. Wir, und nur wir, bekommen ein originales Hofbräuhaus-Bier angeboten.

Und ganz plötzlich kommt ein golfcart angebraust und ein riesiges Huhn steigt aus, bewaffnet mit einem kleinen Abspielgerät, aus dem der Ententanz erklingt. Das Huhn tanzt, versucht einige der Anwesenden zum Mittanzen zu animieren und erfreut die ganze Gemeinschaft.

Nach ein paar Minuten ist der Spuk (für uns) bzw. die gelungene Unterhaltung (für die anderen) vorbei, alle applaudieren und das Huhn verabschiedet sich wieder.

Ich treffe die Frau später noch einmal. Sie fand, wir hätten, so wie wir da zusammen saßen, ein bisschen entertainment verdient. Andere sagen später, sie hätte schon zwei shots gehabt. Wie auch immer.

Nach drei Stunden ist allgemeiner Aufbruch angesagt, die Reste des opulenten Buffets werden verteilt. So haben wir noch den ganzen nächsten Tag zu essen, ohne großartig kochen zu müssen. Endlich hat auch unsere eingebaute Mikrowelle einen Nutzen für uns.