Busfahren, ein zweiter Versuch, diesmal nach Calheta (Madeira 22)

Ein Tag mit Dauerregen ist angekündigt, wie gemacht, um einen Museumsbesuch zu machen. (Spoiler: Dort, wo wir uns aufhalten, regnet es nicht einen einzigen Tropfen während des Tages! Es stürmt bei 20 Grad.) Madeiras Museum für zeitgenössische Kunst (MUDAS, Bericht dazu später) befindet sich in Calheta (Bericht dazu auch später), im Westen der Insel, ca. 37 km von Funchal entfernt. Um mit dem ÖPNV zügig dorthin zu kommen, empfiehlt sich ein Bus, der die Schnellstraßen nimmt.

Wie auf dem Kartenausschnitt gut zu sehen ist, liegt Câmara de Lobos südlich der Schnellstraße. Wir müssen also zunächst mit dem lokalen Bus eine gute halbe Stunde nach Funchal hineinfahren, um dort umzusteigen.

Der Busschaffner verkauft uns eine Fahrkarte von seinem Abreissblock, der Busfahrer reißt einen kleinen Teil davon ab, und schon geht es über die kleinen Straßen nach Funchal.

Was sind schon zehn Minuten im Angesicht der Ewigkeit? Der Busfahrer nimmt sich alle Zeit, um Fahrgästen alle Infos zu geben, die sie benötigen. Wir zeigen ihm den Zettel, den die hilfsbereite Dame an der Hotelrezeption uns mitgegeben hat. Dort steht der Ortsteil von Calheta drauf, wo das Museum ist. Sie hat im Vorwege auch extra dort angerufen, um Öffnungszeiten und Zutrittsbedingungen herauszufinden. Am Vorabend waren wir in Câmara de Lobos im kommunalen Testzentrum, um einen Schnelltest zu machen. Der gilt für sieben Tage und mit unseren Impfungen stehen uns nun alle Museen (wird immer kontrolliert) und die Innenräume von Cafés und Restaurants (wird eher nie kontrolliert) offen.

Nach einer Stunde und 45 Minuten kommen wir (trotz der Schnellstraßen) in Vila Calheta an, sollen aber noch nicht aussteigen. Der Busfahrer hat uns nicht vergessen. Es geht die Hügel hinauf, bis das Museum in Sicht kommt. Wir drücken den Halteknopf, der Bus hält, wir wollen aussteigen, aber sie lassen uns nicht. Der Busfahrer fragt, wo wir denn hinwollen. „To the museum!“ antworte ich und zeigt auf das ca. 100 Meter (!) entfernte Gebäude. Sowohl der Busfahrer als auch der Passagier auf der ersten Bank bedeuten uns, uns wieder hinzusetzen. Es sei nicht die richtige Haltestelle! Kaum angefahren stoppt der Bus wieder, und nun dürfen wir endlich aussteigen, direkt gegenüber des Museums. Man läuft hier einfach nicht, wenn es eine Busverbindung gibt.

Am weißen Gebäude ist die Haltestelle, der Neubau des Museums schmiegt sich links davon in den Hang.

Die Rückfahrt später mit dem Bus gestaltet sich wieder nur halb wie geplant. In der Touristinformation fragen wir, wo die Haltestelle für den Rückweg ist. Laut unserem Gesamtbusplan fährt der Bus dort um 17:45 Uhr ab. Auf dem Plan an der Haltestelle steht allerdings 17:30 Uhr. Okay, dann sind wir eben früher da. Der Bus Richtung Funchal (steht auf der Anzeige) kommt, der Busfahrer stempelt das Ticket zusätzlich zum Abreißen ab und informiert uns, dass wir in Ribeira Brava umsteigen müssen. Hm, man fragt sich, warum, wenn er doch nach Funchal fahren soll, steht ja dran. Eine Minute später parkt der Bus rückwärts ein und verkündet eine 10-minütige Pause. So kommen wir der Abfahrtszeit unseres Planes schon näher. Als der Bus dann startet, fährt er zu unserem Erstaunen in die andere Richtung, nämlich wieder nach Westen. Warum nur?

Er fährt von unserer Einstiegsstelle (Bleistiftspitze) die gelben Strecken: erst die ER101 und die ER224 nach Westen hoch in die Lombo-Ortschaften, dann die ER222 komplett bis nach Ribeira Brava. Wir machen eine Inselrundfahrt über die alten Straßen!

Wir schrauben uns auf fast 500 Meter über dem Meeresspiegel hoch und wieder runter und wieder hoch und wieder runter. Manchmal hilft nur noch, die Felsen auf der linken Seite anzugucken und sich am Vordersitz festzuhalten vor lauter Adrenalin. Eine Stunde und 15 Minuten sind wir (erst) in Ribeira Brava, werden vom dortigen Schaffner in den richtigen Bus geleitet und fahren gleich darauf weiter die alten Straßen Richtung Funchal.

Die ER229 führt über Câmara de Lobos, so dass wir ohne den Umweg über Funchal direkt oberhalb des Hafens aussteigen können. Das hatten wir so nicht geplant, sind aber für die Änderung sehr dankbar. Inzwischen ist es noch eine Stunde später und sehr dunkel. Wir sind froh, dass die letzte Fahrt mit dem viel älteren Bus und dem viel jüngeren Busfahrer nun zuende ist. Er fuhr recht rasant; gut, dass wir nur noch die Lichter draußen an den Hügeln bewundert konnten. Aber wir bleiben dabei, mit dem öffentlichen Bus zu fahren, ist interessanter, als mit einem Mietwagen schnell von A nach B zu kommen. Wir haben ja Zeit.

Morgen kommt der zweite Teil des Ausflugs.

Bananen, Bananen, Bananen (Madeira 22)

Eigentlich mag ich gar nicht so gerne Bananen essen. Es gab wohl vor Jahren zuviele davon in einem viel zu reifen Zustand. Aber wie schon öfter erwähnt, sind die Bananen von Madeira etwas ganz anderes. Dabei wachsen sie hier auch erst seit 100 Jahren. Man suchte einen alternativen Wirtschaftszweig, nachdem Zucker und Schnaps aus Zuckerohr billiger aus der Karibik importiert werden konnte und Schädlinge die Weinstöcke zerstört hatten.

Auf Madeira wachsen die Bananen ausschließlich an der Südküste (da, wo wir sind) bis zu einer Höhe von maximal 300 Metern. Ab einer Höhe von ungefähr 200 Metern wird der Ertrag zunehmend geringer. Madeira exportiert seine Bananen ausschließlich auf das portugiesische Festland, wo sie sehr teuer sind. Das liegt an den arbeitsintensiven Handarbeit und den kleinen Anbauflächen. Hier sind sie sehr günstig zu haben, wir essen sie gern als kleinen Mittagsimbiss oder einfach nur so.

Auf einer unserer Touren sind die Bilder entstanden, die folgendes verdeutlichen:

Auch kleinste Flächen zwischen der dichten Bebauung werden für den Bananenanbau genutzt.
Kleine Treppchen führen von den schmalen Fußpfaden auf die Terrassenfelder.
Die Bewässerung wird durch ein ausgeklügeltes, Jahrhunderte altes System aus Bewässerungsrinnen gewährleistet.
Die Reife wird durch Plastiktüten beschleunigt, die über die Staude gezogen wird.
Die Blütenblätter enthüllen neue kommende Bananenfrüchte.

Wind, Wetter, Wellen, Teil 2 (Madeira 22)

Gestern (Montag) fühlten sich die 19 Grad etwas kühler an, da es stark bewölkt ist und auch viel windiger. Nun merken wir auf eine andere Weise, dass Madeira mitten im Atlantik liegt. Hier entwickeln sich gern mal die atlantischen Sturmtiefs, die dann das Wetter in Festlandseuropa bestimmen. Und wir scheinen gerade in so einem sich entwickelnden Sturm zu sitzen, der auf dem Wasser für Wellenhöhen von 12 Metern und mehr sorgen kann.

Die wenigen Fischerboote, die sonst in der Bucht liegen, sind schon am Freitag auf‘s Land gezogen worden. Am Sonnabend ist das Schiff, das zunächst noch auf der Slipanlage lag, noch weiter hochgezogen worden. Gute Idee, denn die Wellen schlagen bis nach oben hoch. Gestern sind auch die Zugänge zur Mole und zur Strandpromenade in Câmara de Lobos abgesperrt worden. Die Brandung scheint noch stärker als die vergangenen Tage zu sein.

Wir machen trotzdem einen Spaziergang Richtung Funchal. Und was soll man sagen, die Wellen und Brecher sind wirklich noch einmal höher als vorgestern. Zum Größenvergleich: auf den nächsten beiden Fotos sieht man einen Mann in den Klippen (unterhalb der Sturmmöwe) bzw. zwei Männer, die auf dem Schiff links arbeiten.

Diesmal schlagen die Wellen an einigen Stellen über den Promenadenweg, an den Stellen, wo er über das Geröll führt, hinweg. Erstaunlicherweise ist dieser Weg (noch) nicht abgesperrt worden.

Es ist ein großer Spaß, zu versuchen, die „perfekte“ Welle zu fotografieren. Ein bisschen Einsatz muss man schon zeigen, wir werden an den Unterschenkeln etwas nass.

Beim anschließenden Kaffee verspricht Kay, sich für das „perfekte“ Foto unter den Spray zu stellen. Gesagt, getan. Der vermutete Spray fühlt sich allerdings so an, als wenn man mehrere Eimer kaltes Wasser über den Kopf bekommt.

Die Frau hat es unfreiwillig erwischt. Aber sie hatte einen Regenmantel an.

Kay wird tatsächlich bis auf die Haut nass (ich nur bis zu den Oberschenkeln), und wir laufen zügigen Schrittes zurück zum Hotel, um uns trockene Kleidung anzuziehen. Am nächsten Tag ist der lang angekündigte Regen wirklich bei uns in der Bucht angekommen. Wir verbringen den Tag im Hotel. So haben die Klamotten Zeit genug, wirklich zu trocknen.

Wind, Wetter, Wellen, Teil 1 (Madeira 22)

Wir sind ja im Moment auf Madeira, um hier im milden Frühlingsklima zu überwintern, bevor es für uns hoffentlich weiter nach Amerika geht. Die Temperaturen sind wirklich sehr mild, immer zwischen 17 und 21 Grad, äußerst angenehm für uns Norddeutsche. Und die Sonne scheint, der Himmel ist blau, ein Traum. Auf unserem Ausflug nach Ribeira Brava am Freitag brannte die Sonne ungehindert vom Himmel, es wehte ziemlich kräftig. Lustigerweise blieb das Meer fast unbewegt, bis auf ein paar niedliche kleine Schaumkrönchen.

Am Sonnabend bescherte uns die Sonne tatsächlich einen kleinen Sonnenbrand. Auf unserem Spaziergang zur Praia Formosa entlang der Küste zeigte das Meer den Effekt des gestrigen Windes, die Wellen brachen sehr schön an den Felsen und Wellenbrechern.

Gestern war der Himmel sehr bewölkt, das Meer brüllte und schäumte in den Hafen, dabei war es warm (19 Grad) und fast windstill oberhalb des Wassers. So etwas haben wir bisher noch nicht erlebt. Auf unserem Spaziergang gingen wir auf die Jagd nach den höchsten Brechern. Hier ist eine kleine Auswahl aus den knapp 200 Fotoversuchen.

Dieses faszinierende Wetter bleibt uns noch etwas erhalten. Morgen kommen noch spektakulärere Fotos!

Wie wir mit dem Bus nach São Vicente gefahren und in Ribeira Brava gestrandet sind (Madeira 22)

Es ist schon etwas besonders, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in Madeira unterwegs zu sein. Inzwischen können wir verstehen, dass man entweder ein Auto mietet, um irgendwo hinzukommen. Allerdings sind die Straßen meistens so eng und serpentinenmäßig, dass einem schon als Buspassagier schwindelig wird. Oder man bucht eine geführte Tour, um dort anzukommen, wo man ursprünglich hin möchte. Wir mögen aber gern mit dem ÖPNV fahren. Man sieht so ein bisschen mehr von Land und Leuten. Dann muss man auch ungeplante Veränderungen in Kauf nehmen.

Die erste Veränderung beginnt schon an der Bushaltestelle. Wir sind sehr rechtzeitig da (Empfehlung der Hotelrezeption). Ein bordeauxfarben gewandeter Angestellter der Busgesellschaft geht von Wartendem zu Wartender und verkauft Tickets wenn gewünscht. Für unsere Route hat er kein Ticket. Er spricht kein Englisch, wir kein Portugiesisch; trotzdem wird deutlich, dass der Bus, den wir wollen, nicht kommt und wir noch eine gute halbe Stunde länger warten müssen. Der Rest ist für uns nicht zu entschlüsseln.

Als der richtige Bus kommt, bespricht er unseren Zielwunsch mit dem Busfahrer, der uns dann auch das Ticket verkauft. Auch der Busfahrer kann kein Englisch, wir immer noch nicht genug Portugiesisch. Der Bus ist älter und hat auf der linken Seite Dreierbänke, auf der rechten Zweierplätze. Wir machen uns auf einer Dreierbank breit.

Wir fahren in die richtige Richtung, in Serpentinen immer eher bergauf, um die Hügel, Felsen und Schluchten herum und halten alle paar Meter an, um Menschen ein- oder aussteigen zu lassen. Manche der Haltestellen, Paragem, sind für uns nicht als solche zu erkennen. Die Schilder sind klein, oft verwittert und hängen nicht immer an Masten. Man muss die Hand ausstrecken, um dem Busfahrer zu signalisieren, dass man mitfahren möchte. Nach den Bananen wechselt die landwirtschaftliche Bebauung zu Wein. Hier an der Südküste gibt es die Hauptanbaugebiete für Bananen und Wein.

Wir sind ziemlich lang unterwegs und schaffen nur wenige Kilometer, wenn man in Luftlinien denkt. Auf dem nächsten Foto sieht man die neue Schnellstraße unten im Tal. Die nimmt man als Mietwagen mietender Tourist natürlich, um die in den Reiseführern beschriebenen Touren auch in der angegebenen Zeit zu schaffen. Dann wäre man in zwanzig Minuten da, es sind nur ca. 15 Kilometer.

Wir kommen dagegen nach gut einer Stunde Fahrt in Ribeira Brava an. Während der Busfahrt ist noch ein Schaffner in bordeauxfarbener Uniform dazugestiegen und hat unsere Tickets abgeknipst. Der kann wenige Worte auf Englisch. Als alle aus dem Bus gestiegen sind, erklärt er uns, dass der nächste Bus nach São Vicente in etwas mehr als drei Stunden abfahren würde, es aber an diesem Tag keine Möglichkeit für uns geben würde, von dort aus wieder zurück nach Câmara de Lobos oder Funchal zu kommen. Nach einer Weile haben wir es auch tatsächlich verstanden, dass wir hier in Ribeira Brava gestrandet sind. Na dann, dann machen wir doch das Beste daraus. Dazu mehr im nächsten Eintrag.

Der namensgebende Fluß Ribeira Brava

Câmara de Lobos und Winston Churchill (Madeira 22)

Winston Churchill machte Câmara de Lobos berühmt mit seinem Gemälde, das er dort 1950 malte. Er machte einen Tagesausflug von Funchal aus, wo er im schon damals hochherrschaftlichen Luxushotel Reid‘s wohnte. Der damalige Besitzer lud ihn nach dem Krieg zu Promotionszwecken ein, hat geklappt. Ich habe hier bereits davon geschrieben (Eintrag vom 11.12.2021, wer noch mal gucken möchte).

Im Reid’s, das inzwischen zur Belmond-Kette gehört, zu übernachten, übersteigt bei weitem unser Budget. Also dachten wir uns, zumindest zum afternoon tea dort zu erscheinen, ein absolutes Muss laut allen Reiseführern. Wenn man zudem am Mittwoch oder Sonntag erscheint, kann man zusätzlich ohne weitere Kosten die fast unbeschreiblich schöne Garten- und Parklandschaft besuchen.

Man muss vorher reservieren, trotz Covid-19 und Nachsaison sind die Plätze fast zwei Wochen im Voraus vergeben. Wir werden allerdings, falls wir einen Nachrückerplatz angeboten bekommen, diesen dankend ausschlagen. Erst nach der Anfrage sah ich, dass der afternoon tea (mit den normalen Ingredienzen, nichts besonders, wenn man die Zeremonie schon kennt (tun wir, hatten wir schon öfter)) 36€ kostet, das Glas Champagner dazu noch einmal 19€, pro Person! Dann verschieben wir das Ganze doch auf den Zeitpunkt, wenn wir wieder in London sind. So gut können die Gurken auf den Sandwiches gar nicht sein.

Zurück zum Churchill-Gemälde: In allen Reiseführern steht auch, dass eine Plakette an der Hauswand an das Mal-Ereignis erinnern würde. Doch auf unseren jetzt schon einigen Spaziergängen auf der Seite der Bucht haben wir sie noch nie gesehen. Was wir nicht bedacht haben, ist, dass die Straßen auf der Landkarte sich in Wirklichkeit ganz anders darstellen, da sie aufgrund der Hanglage eher übereinander gestapelt sind.

Hier ist also die Plakette, absolut nicht zu übersehen. Wir sind auf dem Weg zur Bushaltestelle eine Etage höher gestiegen, und schon war die Plakette da, sehr, sehr viel größer als erwartet. Das ändert natürlich auch die Perspektive des Gemäldes etwas. Das Foto, das ich aus der angenommenen Malperspektive Churchills gemacht habe, ist nicht korrekt. Ich stand quasi eine Ebene zu tief. Jetzt also noch einmal: So ähnlich hat er die Bucht gesehen, nur die Bäume im Vordergrund waren vor 70 Jahren kleiner, bzw. noch nicht da. Na ja, und das eine oder andere Haus ist auch nicht mehr so wie früher.

Die Statue von ihm, malend an der Staffelei sitzend, die vor unserem Hotel steht, wird tatsächlich von allen fotografiert. Ein schönes Spektakel, das wir uns ansehen, wenn wir auf der Dachterrasse beim Frühstück sitzen und die ersten Reisebusse der Kreuzfahrtschiffe ihre Gäste für eine halbe Stunde den „pittoresken Fischerort“ besichtigen lassen.

Kalk und Salz, Câmara de Lobos‘ vergangene Industrie (Madeira 22)

Câmara de Lobos wird in den Reiseführern immer als pittoresker Fischerort beschrieben, was auch zutrifft. Es gibt jedoch auch Spuren aus längs vergangenen Industriezweigen, z.B die Herstellung von gebranntem Kalk für die Bauindustrie.

Forno da Cal, von hinten

Beim Verbrennen des Kalksteins entsteht gebrannter Kalk, der mit Wasser weiter verarbeitet wird zu Kalkfarbe und Kalkmörtel. Der 1874 von Roque Teixeira de Agrela, einem Sohn der Stadt, erbaute Brennofen erhielt 1914 seine heutige Form. 1960 wurde er grundlegend renoviert.

Noch voll funktionsfähig wurde die Kalkbrennerei aber in den 1970ern aufgegeben. Die Anwohner störten sich massiv am Geruch und dem ständigen Qualm aus dem Ofen, der für Smog sorgte. Und gebrannter Kalk konnte inzwischen per Schiff eingeführt werden. Heute ist der Ofen als lokales Kulturerbe anerkannt. Das hilft ihm aber auch nicht wirklich weiter. Es schützt ihn nur vor dem Abriss. Ansonsten gibt es nicht einmal ein Hinweisschild, um was es sich hier handelt.

Unterhalb des Brennofen befindet sich die Salinas Badeanstalt. Sie erhielt ihren Namen nach den alten Salzpfannen, in denen Meersalz gewonnen wurde und nach den Trockenplätzen für Fisch, speziell Katzenhai.

Hier kann man sich die Salzpfannen noch gut vorstellen.

Geplant vom Architekten Paolo David wurde sie 2004 fertiggestellt. Unterhalb der Befestigungsmauer entstanden die Schwimmbecken für Erwachsene und Kinder und die Bar. Die notwendige Infrastruktur wie Umkleideräume und Duschen sind hinter der Mauer verborgen.

Mit einem Fahrstuhl kommt man auf das Straßenniveau und von dort aus in den Park und in das Restaurant. Paolo David hat dafür einige Preise gewonnen.

Aber von der einstigen Schönheit ist kaum noch etwas zu erkennen. Seit Ausbruch von Covid-19 ist das Schwimmbad geschlossen, was dem Gelände nicht unbedingt zuträglich ist. Auch das Restaurant oberhalb ist geschlossen, es ging im Laufe der Epidemie bankrott. Davor gehörte es zu den besten Restaurants am Ort. Eine ausgiebige Recherche im Internet ergab, dass wohl geplant ist, in dem Komplex ein neues Hotel zu eröffnen. Davon ist noch nichts zu sehen. Es war auch kein konkretes Datum angegeben. Wir bleiben gespannt.

Wanderung zum Pico da Torre (Madeira 22)

Wir wollen eigentlich die Kirche Paróquia de Santa Cecília auf der Ostseite des Picos besichtigen. Dafür geht es immer steil bergan, gut, dass es recht bewölkt ist. Schließlich liegt sie vor uns.

Sie wurde am 11. September 2011 eröffnet. Der moderne Bau stellt ein Boot dar.

Leider ist der Komplex mit Zäunen abgesichert wie Fort Knox und nicht zu besichtigen. Wir stecken das Handy durch die Gitterstäbe, um jedenfalls ein Foto vom Kirchplatz zu machen.

Da wir schon fast oben sind, wandern wir weiter zum Pico da Torre. Von dort aus hat man einen schönen Rundumblick von 205 Metern Höhe aus.

Außer einem Kreuz steht noch der Weihnachtsbaum, den wir im Dezember haben leuchten sehen, und viele Mobilfunkmasten oben drauf. Für welchen Anlass das Kreuz errichtet wurde, ist nicht sicher zu recherchieren. Der Anlass ist auch egal, wir genießen den schönen Ausblick.

Wir sind über die Süd- und Ostseite auf den Pico da Torre gekommen. Hinunter geht es über die Nord- und Westseite. Der Vereda do Pico da Torre führt uns im Norden bis auf ca. 100 Meter bergab, dabei knickt er jeweils um 90 Grad ab. Ich habe nach jedem Knick ein Foto gemacht (außer da, wo das junge Liebespaar intensiv knutschte). Ohne es zu merken, überqueren wir auch den Tunnel, in dem die Schnellstraße nach Funchal läuft.

Westlich geht es etwas später den Caminho de São Bernadino hinab, und wir überqueren den Tunnel noch einmal. Bevor der Pfad nur noch aus einer Treppe besteht, fahren offenbar auch Autos darauf. Wir ahnen nicht, wie das gehen soll, aber in den Auffahrten der Häuser stehen Autos.

Im Café Paraíso do Ambrósio gibt es eine Stärkung.

Câmara de Lobos, wieder da (Madeira 22)

Wie schön, wieder hier zu sein. Und wie schön, dass auch das Hotel sich freut, dass wir wieder da sind. Im Zimmer werden wir von einer kleinen Aufmerksamkeit begrüßt: bolo de mel, der leckere Honigkuchen, frische Erdbeere und eine kleine Flasche Wein.

Es ist ein bisschen so, als wären wir gar nicht weg gewesen. Sogar die Weihnachtsbeleuchtung hängt noch und wird am Abend eingeschaltet (letztes Mal, wie wir am nächsten Abend feststellen werden).

Unsere Koffer sind immer noch auf Reisen, sie übernachten wohl in Lissabon. Wir erhalten per Mail ab und zu Statusmeldungen und holen uns an der Rezeption ein dental health kit ab: Zahnbürste und Zahnpasta.

Am nächsten Nachmittag werden unsere Koffer aufs Zimmer geliefert, wenn die erzählen könnten. Wahrscheinlich standen sie die meiste Zeit in irgendeiner Ecke herum und warteten auf den nächsten Transportschritt. Aber nun sind sie da, und wir können endlich die Sommerkleidung anziehen. Es ist sonnig bei leichter Bewölkung und 19 Grad. Es gibt auch Touristen, die im Atlantik baden:

Wanderung nach Funchal (Madeira 21)

Wir starten bei strahlendem Sonnenschein am Hafen von Câmara de Lobos und wandern Richtung Osten. Der Weg nach Funchal führt immer am Wasser entlang, das haben wir bereits bei unserem ersten Besichtigungsspaziergang hier gesehen. Die Beinmuskeln haben sich nach der Kap-Bezwingung noch nicht ganz wieder erholt.

Schon bald sind wir in São Martinho. Hier wird gerade Flüssiggas verladen, Stickstoff wabert über den Boden. In den drei Türmen dahinter wird Zement, der vom portugiesischen Festland per Schiff kommt, eingelagert. Für die vielen (Hotel-) Neubauten, aber auch für den Küstenschutz wird viel davon benötigt.

Riesige Betonquader schützen die Küste, hier vor Câmara de Lobos.

Weiter geht es, gemeinsam mit anderen Spaziergängern und Joggerinnen, auf dem sehr angenehm verlaufenden Weg am bzw. über dem Wasser.

Im Hintergrund sind schon die unzähligen Hotelanlagen Funchals zu sehen. Wir kommen an einem Strandabschnitt vorbei, der nach unseren Vorstellungen tatsächlich ein Sandstrand ist, nur eben ganz in schwarz.

Wer hier einen endlosen gelben Sandstrand sucht, wird es vergeblich tun. Den findet man nur auf Porto Santo, man kommt mit dem Schiff von Funchal aus dahin.

Wir treffen auf die ersten Strandbars. Doch für eine Pause ist es noch zu früh, wir sind ja erst eine gute halbe Stunde unterwegs.

Bald darauf ist der Weg direkt am Wasser zu Ende, wir gehen hoch zur Bebauung. Und dann, oh nein, sagen die Waden, kommt die erste Treppe.

Natürlich macht sie eine Kehre, um danach weiter aufwärts zu führen. Die Wadenmuskeln schreien leise, aber vernehmlich, auf.

Als wir um die nächste Ecke biegen, wird klar, dass das rot-weiße Flatterband, das sich vorher dekorativ am Boden entlang schlängelte (auf der einen Seite am Eisengeländer, auf der anderen Seite an einem dicken Schilfhalm befestigt, der ebenfalls auf der Erde liegt; er steckte wohl mal in einem Loch in der gegenüberliegenden Wand), doch etwas zu bedeuten hat.

Das nächste Flatterband ist quer über den Weg gespannt, doppelt sogar. Nicht nur wir, auch die beiden einheimischen Joggerinnen, sind etwas konsterniert. Aber umdrehen ist keine Option, dafür sorgen schon die sich zusammenkrampfenden Muskeln. Gemeinsam pfeifen, rufen, klatschen wir vier in die Hände, doch die Maschinen sind lauter. Wir klettern unter dem Flatterband hindurch, die Madeirenserinnen fragen, ob wir passieren können – na klar, so tiefenentspannt, wie hier alle sind – und schon befinden wir uns wieder auf dem richtigen Weg.

Der führt uns an großen Anlagen überwiegend mit Eigentumswohnungen vorbei. Vom Landesinnere aus kommt Wetter auf uns zu, später wird auch noch Regen fallen. Wir Norddeutsche würden dieses Naß aber allenfalls als Nieselregen bezeichnet.

Wir kommen an DEM Shoppingparadies vorbei, dem Forum Madeira, die Hälfte des Weges ist geschafft.

Auf der Grenze zum Stadtteil passieren wir das Grandhotel Reid, eine weitläufige Anlage, die rosafarben auf einer Klippe thront. Anlässlich der Wiedereröffnung nach dem zweiten Weltkrieg wurde Churchill zu Promotionszwecken eingeladen, sein Gemälde von Câmara de Lobos begründete dessen Bekannntheit.

Bald darauf erreichen wir das Spielcasino mit angrenzendem Hotel, einem Bau des brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer von 1966, dessen Arbeit wir schon in Le Havre bewundert haben. Hier stand übrigens vorher die Quinta, in der Kaiserin Sissi während ihres Aufenthalts verweilte.

Zuerst machte der europäische Hochadel Madeira als erquicklichen Erholungsort bekannt, bevor dann bald der Geldadel nachzog. Wie schön, dass wir jetzt auch hier sein können.

Und dann endlich, nach knapp 2,5 Stunden und ca. acht Kilometern erreichen wie den Teil Funchals, der auf unserem Gratisstadtplan als Innenstadt vergrößert dargestellt ist.