Madeira, Portugal, cruise day 16 (Jewel of the Seas, 2022)

Hurra, wir sind wieder auf dieser tollen Insel! Während sehr viele Mitreisende mit Reisebussen Teile der Insel erkunden, fahren wir mit dem Linienbus nach Câmara de Lobos. Wir müssen einfach wieder dahin, der Ort ist zu schön. Wir machen einen Spaziergang durch die bekannten Gassen, trinken hier und da einen Kaffee (wir wissen ja noch, wo es freies wifi gibt) und kaufen beim Pingo die leckeren lokal angebauten Bananen. Es sind immer noch die wohlschmeckendsten der Welt.

Es ist Mai, der beliebteste Reisemonat für Madeira. Alles blüht, es ist sehr warm. Im Mai findet das berühmte Blumenfestival statt, und heute Nachmittag zieht der Blumencorso mit geschmückten Wagen und Fußgruppen durch Funchal. Die Absperrungen und Tribünen säumen schon die Straßen. Der Wagenumzug findet allerdings erst statt, nachdem wir schon wieder auf dem Schiff sein müssen.

Doch wir haben in Câmara de Lobos Glück, dort steht nicht nur der örtliche Umzugswagen bereit, sondern wir können in der Bootshalle nebenan auch einen Blick auf die Reifröcke aus Blüten erhaschen, von denen es später Hunderte zu sehen geben wird. Alle Blüten sind echt, sie werden regelmäßig mit einer Sprühflasche gewässert.

In Funchal selbst steht ein Pavillon am Wasser, in dem die preisgekrönten Blumen, Gestecke und Arrangements ausgestellt werden. Es ist bereits das 67. Blumenfest, das immer in den ersten drei Maiwochen stattfindet.

Obwohl es Sonntag ist, ist auch die Innenstadt voller Menschen. Wir sehen fantastisch gestaltete Blumenteppiche. Die Verkaufsbuden, die wir schon in der Vorweihnachtszeit gesehen haben, sind auch wieder aufgebaut worden, diesmal erstrahlen sie in frischem Frühlingsdekor. Poncha kann man wohl immer trinken.

Wir flanieren noch ein wenig durch die wunderschönen Parks, bevor es zurück zum Schiff geht. Wir müssen unbedingt bald wieder für eine längere Zeit hierher zurückkehren, Madeira bleibt ein Lieblingsort.

Auf möglichst baldiges Wiedersehen (Madeira 22)

Madeira ist ein wunderbarer Ort, um zu überwintern. Für uns ist es angenehm warm, auch wenn die Einheimischen darauf bestehen, dass es kalter Winter ist (17 Grad). Aber irgendwann ist auch die Zeit abgelaufen, und wir müssen wieder abreisen. Das Wetter macht es uns nicht so schwer, es ist sehr diesig.

Früher als sonst auf der Terrasse zum Frühstück, im Hafenbecken ist Ebbe.

Wir werden sehr rechtzeitig vom Shuttlebus am Hotel abgeholt. Nachdem wir weitere Reisende (Dänen, sie sind immer da, wo wir sind) in Funchal eingesammelt haben, geht es wie immer in rasender Fahrt Richtung Airport, auf der Autobahn grundsätzlich auf der linken Überholspur.

Wir fliegen über München zurück und treffen bei der Gepäckaufgabe entsprechend auf jede Menge Bayern, die noch früher als wir am Flughafen waren und nun laut, ungeduldig und drängelig sind. Letzteres wird resolut von den groundforce-Mitarbeiterinnen unterbunden. Nachdem wir die schweren Koffer, aber kein Übergewicht, wie zunächst befürchtet, losgeworden sind, gehen wir noch einmal für eine halbe Stunde nach draußen und genießen in Ruhe die Sonne, die trotz des Dunstes schon sehr warm scheint. Nach Passieren der Sicherheitskontrolle, auch hier haben die Menschen die Ruhe weg, ist noch Zeit für einen letzten bica auf der Außenterrasse mit Blick auf die Start- und Landebahn.

Wie schon auf dem Hinflug fliegen wir mit einem Airbus Neo zurück.

Das Flugzeug ist ziemlich voll. Wir haben Glück und haben die Dreierreihe für uns. Die aufgeregten Bayern sitzen natürlich genau vor uns, sind offensichtlich noch nicht so oft geflogen und klatschen nach der Landung in München. Fremdschämen kann so einfach sein. Es gibt übrigens keine Reihe 13 im Flugzeug, der Aberglaube reicht bis über die Wolken, hinein in die unendlichen Weiten des Weltalls.

Sonntag abends ist auf dem Münchener Flughafen nichts los, wir haben sogar noch Zeit, etwas zu essen.

Dann fliegen wir mit vielen Hamburgern, die am Wochenende anscheinend beim Skifahren waren, weiter in den Norden. Dort ist es kalt, feucht und windig. Wie schön und angenehm es doch auf Madeira war. Wir kommen bestimmt bald wieder.

Tempus fugit – Die Zeit vergeht (Madeira 22)

Ende Januar wird immer noch daran gearbeitet, die aufwendige Weihnachtsbeleuchtung in allen Orten anzubauen. Die Lichter leuchteten am 10. Januar das letzte Mal. Zwischenzeitlich hatten wir schon überlegt, ob die Lichterketten einfach hängen bleiben, zumindest die in den Bäumen. Aber nein, so nach und nach kommen Arbeiter und klettern auf Leitern oder kleinen Hubwagen hoch und takeln ab. Es scheint hier nur eine Firma zu geben, erkennbar an ihren Sweatshirts. Wenn sie alles erledigt haben, können sie wohl schon wieder von vorne beginnen. Irgendetwas wird hier immer gefeiert.

Die Weihnachtsdekorationen waren etwas schneller wieder verpackt. Nun könnte man den bandstand im Ort auch wieder nutzen. Aber im Winter ist es den Leuten hier mit 17 Grad einfach zu kalt und manchmal auch zu naß , um sich draußen zu treffen.

Rund um den Hafen verstärken sich die Aktivitäten. An den Schuppen wird gehämmert und gesägt. Und schwups, da steht ein neuer Schuppen rechts von den anderen; und es sieht aus, als wäre er schon immer da gewesen.

Beim Vergleich der Bilder bemerkt man auch, dass die vielen kleinen Boote doch bewegt werden. Es werden auch wieder mehr zu Wasser gelassen. Die an Land verbleibenden werden neu gestrichen.

Wir wandern regelmäßig zur Praia Formosa, trinken einen Espresso und starren eine halbe Stunde auf den Atlantik und in die Sonne, bevor es wieder zurück geht. Nach dem Sturm kommen wieder vermehrt Menschen an den Strand. Es wird auch wieder gebadet. Einige bauen immer mal mit an dieser Skulptur:

Lokale Spezialitäten auf Madeira, Teil 2 (Madeira 22)

Wir haben natürlich nicht nur Fisch gegessen. Inzwischen haben wir uns auch an die lapas, die Schnecken, herangetraut. Gegrillt, mit Zitronensaft überträufelt schmecken sie wie Muscheln, sehr fest im Fleisch. Diese lapas kommen von der Nordküste Madeiras.

Fleischgerichte stehen auch auf der Speisekarte. Huhn möchten wir hier nicht gern essen. Die Einheimischen lieben es, da es günstig ist. Leider kommen alle Hühner zwar von der Insel, aber aus Massentierhaltung. Schweine- und Rindfleisch muss vom Festland, oder wie sie hier sagen, aus Portugal, importiert werden. Berühmt sind die Rindfleischstücke am Spieß (espetada), am besten auf einem vom Lorbeerbaum. Wirklich Baum; die Stöcke sind immer mindestens dick wie mein kleiner Finger, aber viel länger, bestimmt 30 cm.

Unser Hotel stellt aus einem Stück Rindfleisch auch den Churchill Burger her. Ich bin mir sicher, der alte Churchill hat nie in seinem Leben einen gegessen. Dieser hätte ihm gemundet, kein aus Hackfleisch geformter Patty, sondern ein feines, ca. 2 cm dickes Steak, auf den Punkt gegart. Köstlich!

Allerdings schmeckt das Fleisch vom portugiesischen schwarzen Schwein (porco preto) auch sehr lecker. Sie wachsen in der Gegend von Alentejo auf (da machen sie auch guten Wein) und ernähren sich von den Eicheln der dort wachsenden Korkeichen.

Die Menschen auf Madeira lieben Süßigkeiten, sehr gern auch mit Maracuja oder Ananas. Wir beginnen den Tag mit den köstlichen kleinen Pasteten oder bolo de mel und dem genauso köstlichen Kuchen vom Frühstücksbüffet. Nachmittags gibt es manchmal eine Leckerei aus der Bäckerei. Und als Nachtisch beim Abendessen steht gern mal der wunderbare Maracuja-Cheesecake vor uns.

Auf Madeira werden auch Weintrauben für Tischwein produziert, welcher durch die vulkanische Erde und die salzhaltige Luft ein ganz eigenes Aroma hat. Zudem werden die Trauben bis in Höhenlagen von 700 Metern angebaut. Zur besseren Unterscheidung vom Likörwein wird der Tischwein Wein von Madeira genannt. Die Trauben dafür, in der Mehrzahl weiße, sind erst seit den 1990ern auf der Insel heimisch.

Eine der Sorten ist die Arnsburger-Traube, eine Neuzüchtung aus Müller-Thurgau und Gutedel aus dem Rheingau, benannt nach dem Kloster Arnsburg in der Wetterau/ Hessen. Sie wird nur wenig angebaut, in Deutschland und Madeira, aber auch in Italien und in Neuseeland. Beide Weine von der Insel, die wir probiert haben, sind sehr lecker, wenn auch viel teurer als die vom portugiesischen Festland.

In Câmara de Lobos gibt es außerdem auch viele Kneipen und Bars, eigentlich immer mit einem Fernseher ausgestattet, auf dem immer ein Sportereignis übertragen wird. Außer sehr gutem Espresso, dem Bica, für kleines Geld wird mit Einbruch der Dunkelheit auch gern Alkohol getrunken. Zwei Mischgetränke sind hier am Ort erfunden worden, Poncha und Nikita.

Poncha wird nach unterschiedlichen Rezepten zubereitet. Immer enthalten sind Zuckerrohrrum, Zuckerrohrhonig und frischer Zitronensaft. Je nach Geschmack kommen dann verschiedene Säfte, beispielsweise Orange oder Maracuja dazu. In Calheta probierten wir die Variante der Zuckermühle. Die schmeckte uns so schlecht, dass wir uns bisher noch nicht wieder zu einem Versuch durchringen konnten.

Nikita entstand hier 1985, inspiriert von Südamerika in seinen Zutaten und von Elton Johns gleichnamigen Lied für seinen Namen. Auch dieses Getränk kann man in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen bestellen. Das Original besteht aus Ananaseis, Ananas, Ananassaft und hellem Bier (alternativ auch Weißwein). Es klingt sehr speziell, alle Reiseführer schreiben, es schmeckt gut. Und was soll man sagen, der Selbsttest kommt zu dem gleichen Ergebnis: sehr lecker!

Unser Fazit: auf Madeira schmeckt alles, und überall sehr gut, sowohl in den Kneipen und Snackbars als auch in den teureren Restaurants.

Curral das Freiras – Wanderung zum Gehege der Nonnen, Teil 2 (Madeira 22)

Rechts vom Hotel unterhalb des Eira do Serrado beginnt der Abstieg ins Tal. Das englische Ehepaar startet vor uns, wir überholen irgendwann, am Picknickplatz überholen sie, am Ende treffen wir uns an der Bushaltestelle wieder. Doch da sind wir jetzt noch nicht.

Wir kommen durch einen Kastanienwald, der jetzt natürlich nicht belaubt ist. Es handelt sich um Esskastanien, aus denen hier alles mögliche hergestellt wird, von Bonbons über Likör und Suppe zu allen Arten von Gebäck. Die Bäume wurden im 17. Jahrhundert neben anderen Obstsorten von den Nonnen angepflanzt, um etwas Einkommen zu generieren. Für den Zuckerrohr- und Bananenanbau war das Tal nie geeignet, da die Ernte nicht abtransportiert werden konnte.

Unser Wanderweg (wenn man genau hinsieht, kann man einige Abschnitte sehen) war bis 1959 der einzige Zugang zum Ort, genutzt von Fußgängern und Ochsenschlitten. Dann wurde die (jetzt alte, wegen Steinschlaggefahr nicht mehr zu befahrende) Straße gebaut, die sich den Berghang rechts der Schlucht hinuntermäandert. Am Baum zwischen den beiden Graten sind wir gestartet und haben jetzt die Hälfte des Abstiegs geschafft.

Auf dem kleinen Felsvorsprung in der Bildmitte machen wir Pause. Das Frühstücksteam hat uns wieder eine leckere Lunchbox zusammengestellt, um die uns Engländer beneiden, wie sie uns später beim Warten auf den Bus erzählen.

Der Wanderweg ist gut ausgebaut, die unterschiedlich hohen Stufen und die Feuchtigkeit machen manche Stellen etwas anstrengend. Gut, dass wir die Stöcke dabei haben, denn 11% Gefälle ist nur ein Durchschnittswert. Der Weg ist an einer Stelle gerade erst notdürftig repariert worden. Ein Erdrutsch hat vor kurzem große Teile des Hanges und mit ihm auch den Weg weggerissen.

Curral, also Pferch, wurde der Talkessel schon immer genannt, da es hier ausgedehnte Weiden für das Vieh gab. Die Nonnen hatten hier nicht nur ihre Ländereien, sondern fanden auch zu Zeiten der Piratenüberfälle auf Funchal eine schützende Zuflucht. In den Fremdsprachen bürgerte sich der Name Tal der Nonnen, Nuns Valley ein.

Da das Tal viele Jahrhunderte kaum zugänglich war, siedelten hier auch nicht viele Menschen. Den Anfang machten im 15. Jahrhundert Hirten und entlaufene oder freigelassene Sklaven. Den jetzt namensgebenden Nonnen wurden die Ländereien Ende des 15. Jahrhunderts überlassen, da zwei Enkeltöchter des Inselentdeckers Zarcos im Konvent des Santa Clara Klosters in Funchal lebten (oder vom Vater dorthin „entsorgt“ wurden, in Ermangelung standesgemäßer Verheiratung).

Links im Bild ist die Stromleitung zu sehen. Elektrizität kam erst 1962 ins Tal, also erst seit 60 Jahren. Die Berge rundum sind so hoch, Fernsehgucken ging noch viel länger nicht. Erst seit 1985 sind Programme zu empfangen. Das ist heute fast nicht mehr vorstellbar, wir haben im Tal Telefonempfang und Wifi gibt es auch.

Curral das Freiras liegt ca. 20 Kilometer nördlich von Funchal, gehört verwaltungstechnisch aber zum 29 Kilometer entfernten Câmara de Lobos. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörten die Menschen der Kirchengemeinde von Santo António im Norden Funchals an. Da sie aber aufgrund der abgeschieden Lage nicht hinreichend genug kirchlich betreut werden konnten, wurde die Kirchengemeinde selbstständig.

Die Bushaltestelle liegt praktischerweise direkt gegenüber von einem Café. Der Regen wird stärker, der Kellner hat die Abfahrtzeiten im Kopf und gibt uns rechtzeitig Bescheid. Auf der Rückfahrt können wir noch einmal die Fahrtkünste der hiesigen Busfahrer bewundern. Zuerst geht es noch ein bisschen weiter durch das nördliche Tal, in dem die Regenfälle zu starken Hangabbrüchen geführt haben.

Hier wird die Straße gesichert und erneuert.

Dann geht es auf gleicher Strecke zurück und bald zügig durch den fast zweieinhalb Kilometer langen Tunnel aus dem Tal heraus, noch ein Schlenker zum Eira do Serrado und dann wieder auf die Serpentinenstraße Richtung Funchal. Natürlich kommt uns wieder ein Bus entgegen. Diesmal ist die Stelle sehr eng. Beide Busse stoppen vor und zurück, noch ein bisschen und noch ein Versuch. Als beide Außenspiegel ganz weggeklappt werden, passen wir aneinander vorbei.

In Funchal genießen wir den Sonnenschein und wärmen uns ein bisschen auf. Das Wetter war zwar nicht so ideal zum Wandern, es hat trotzdem Spaß gemacht. Am nächsten Morgen zeigt uns der Kellner Fotos vom höchsten Gipfel im Zentralmassiv. Dort ist der Niederschlag in der Nacht als Schnee heruntergekommen. Amazing!

Curral das Freiras – Wanderung zum Gehege der Nonnen, Teil 1 (Madeira 22)

Die Wanderstöcke warten bereits seit zweieinhalb Wochen im Koffer. Das aktuelle Wetter Ende Januar empfiehlt eine lange Bergwanderung nicht. Wir entscheiden uns für eine leichte Bergab-Wanderung aus unserem Reiseführer und machen die längere Variante. Die hört sich in der Beschreibung gut machbar an für unsere untrainierten Gelenke.

Zunächst müssen wir zum Startpunkt kommen. Wir fahren mit dem Bus zunächst nach Funchal und steigen dann in den Bus der Linie 81. Wir zeigen dem Fahrer die Karte, damit er weiß, wo wir aussteigen wollen. Es geht hoch in die Berge, nach der dichten städtischen Bebauung fahren wir auf Serpentinen durch Wälder.

Vor dem neuen Tunnel wollen wir aussteigen. Der Busfahrer ist leicht verwirrt, er möchte uns gern zum Start des Abstiegs fahren. Nicht jeder Bus der Linie fährt den Umweg zum Eira do Serrado, dieser tut es. Wir möchten aber zum Berg wandern. So steigen wir aus.

An der Südküste haben wir eigentlich immer Sonnenschein oder mal leichte Bewölkung. Die dunklen Regenwolken dräuen immer nur über den Bergen des Zentralmassivs. Nun sind wir hier, zwar am Rand, aber doch im (leichten) Regen.

Die folgenden knapp zweieinhalb Kilometer wandern wir auf der Straße entlang, dem Bus sozusagen hinterher. Zwischendurch kommt er uns wieder entgehen, und der Fahrer winkt uns freundlich zu.

Schon die Ausblicke auf die Ausläufer des Zentralmassivs sind beeindruckend:

Nach Überwindung von 70 Höhenmetern, einem Blick auf die alte Straße, die wegen Steinschlags schon sehr lange gesperrt ist, und einigen Kurven erreichen wir wieder die Zivilisation mit Parkplatz, Hotelanlage und großen Souvenirläden. Im Café ist der Espresso willkommen, aber sehr teuer.

Die letzten 75 Höhenmeter bis zum Gipfel des Eira do Serrado sind über den ausgebauten Weg schnell überwunden, der Ausblick ist trotz Regens phänomenal.

Und dann geht es auf zum eigentlichen Ziel, hinab nach Curral das Freiras. Im nächsten Eintrag gibt es noch überwältigende Fotos zu sehen!

Ein bisschen was zum Madeirawein (Madeira 22)

Madeira exportiert bereits seit fast 600 Jahren Wein nach Europa. Die Portugiesen begannen recht zügig nach der Entdeckung hier Weinstöcke anzupflanzen. Die Malvasia-Traube wurde z.B. von Kreta importiert. Heute ist die Insel bekannt für ihren Likörwein in fünf unterschiedlichen Süß-Stärken, der berühmte Madeirawein.

Der Likörwein wird bereits seit Jahrhunderten von Staatenlenkern geschätzt. Zum Beispiel wird der Tag, an dem ein amerikanischer Präsident neu gewählt wird, mit einem Glas Madeira gefeiert. Diese Tradition wird auf den ersten Präsidenten George Washington zurückgeführt, der auf die Erklärung der Unabhängigkeit der USA mit einem Glas dieses Weines anstieß. Die Queen lässt bei Staatsbanketten ebenfalls Madeira zum Dessert servieren.

Madeirawein ist überall in Europa bekannt. Und das seit langer Zeit, selbst in Shakespeares Stücken findet er Erwähnung: der Bruder des zukünftigen Königs Richard III soll hingerichtet werden und wählt den Tod durch Ertrinken in einem Fass Malvasia, der süßesten Sorte, die es gibt. Was für ein Gedanke!

Nach der Lese (alles in Handarbeit, da auch der Wein auf Madeira auf kleinsten Parzellen angebaut wird) und der Traubenpressung wird die Maische fermentiert. Die Fermentation wird durch die Zugabe von Weinalkohol gestoppt, hier entscheidet sich, ob der Wein süßer oder trockener wird. Nun gärt der Wein für ungefähr drei Monate in Edelstahlfässern, bevor er in andere Fässer umgefüllt wird. Am Anfang wird er auf 45 Grad erhitzt, danach kühlt die Flüssigkeit langsam auf Raumtemperatur ab.

Je nach gewünschtem Alter reift der Madeirawein für drei Jahre in Stahlfässern oder für fünf, zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahre (oder noch länger) in Eichenholzfässern. Diese lagern im obersten Stock der Produktionsanlage, da dort die Raumtemperatur höher ist.

Man kann die dreijährigen Sorten umsonst probieren, für die älteren muss man etwas Geld bezahlen, dafür ist die Portion auch größer. Wir beginnen mit zwei Sorten des dreijährigen Weins, eine davon heißt ‚Rainwater’. Dazu gibt es eine schöne Geschichte:

Vor langer Zeit, aber historisch verbürgt, verbrachten aus Versehen einige Fässer Madeirawein die Nacht auf dem Pier in Funchal, statt schon im Laderaum des Schiffes. Ausgerechnet in der Nacht regnete es sehr heftig, und etwas Regenwasser drang in die Fässer ein. Sie wurden am nächsten Tag trotzdem verladen und schipperten in die Staaten. Der amerikanische Importeur probierte die frische Ladung und war begeistert vom Geschmack. In den Augen der Madeirer war der Wein verdorben, doch der Importeur orderte genau diesen Wein nach. Was der Kunde will, soll er haben, eine neue Weinsorte entstand. Er schmeckt wirklich etwas dünn im Vergleich mit einem anderen dreijährigen Wein.

Danach gehen wir zu den besseren Sorten über, zur zehn- und zur fünfzehnjährigen Boal-Traube (halbsüß) und zur zehnjährigen Malvasia-Traube (süß). Sie schmecken uns alle recht gut, erstaunlicherweise macht dann aber der Malvasia das Rennen (wir können ja nicht sooo viele Flaschen in den Koffer packen, der war schon voll, als wir ankamen).

Sie haben auch sehr, sehr alte Weinflaschen im Verkauf. Einen Wein von 1894 für 1010,00€ könnte man vor dem Kauf auch probieren, für 75€ das Gläschen.

Levada-Wanderung in der Stadt (Madeira 22)

Laut Reiseführern ist eine Wanderung entlang der Bewässerungsrinnen (Levadas) ein Muss auf Madeira. Zu den meisten beschriebenen Touren muss man jedoch mit dem Bus oder Auto anreisen. Wir wollen nur gehen. Da in Câmara de Lobos die Bananen auch in der Stadt wachsen, gibt es auch hier Levadas. Auf geht’s!

Auch oberhalb des Hafens gibt es noch jede Menge zu investieren. Aber die öffentlichen Grünanlagen werden regelmäßig bearbeitet. Jetzt, Ende Januar, blühen schon merklich mehr Pflanzen.

Wir steigen erst einmal im Osten des Hafenbeckens aufwärts und kommen zu einem weiteren Aussichtspunkt, dem Miradouro do Salão Ideal, eine Etage über unserem Küstenfußweg zum Strand. Vom Bus aus ist uns der Aussichtspunkt noch nie aufgefallen.

Unsere Karte (maps.me) sagt uns, dass links die Travessa do Ferreira abgeht. Es sieht zuerst ein bisschen wie ein Privatweg aus, geht aber rechts weiter. Dann sieht es aus wie die Zufahrt zur Garage des Gebäudes. Links davon führt dann der schmale Pfad zwischen den Häusern in die Höhe.

Diese schmalen Gassen kürzen die Serpentinenstraßen für Fußgänger ab, ganz praktisch eigentlich. Meistens sind sie ganz sauber und gepflegt, immer dann, wenn Einzelhäuser angrenzen. Etwas anders sieht es aus, wenn die Bebauung aus Sozialwohnungsblöcken besteht oder ganz fehlt. Dann scheint sich niemand zuständig zu fühlen und die eine oder andere Ecke wird zur Müllentsorgung aller Art genutzt.

Über die sich anschließende Travessa das Encruzilhadas kommen wir auf die Rua Padre Pita Ferreira. Am Polizeigebäude, das einen neuen Anstrich gut vertragen könnte, geht es rechts hoch den Caminho Velho da Palmeira. Die Straße führt sehr steil nach oben, ein Blick zurück zeigt, wie hoch wir schon gestiegen sind.

Dann biegen wir wieder links in einen Pfad, Travessa da Pedreira, der uns erst einmal kurz treppab Richtung einer Sozialbausiedlung führt, dann aber fast 250 Meter lang treppauf in die Höhe geht. Ein Blick zurück verdeutlicht die überwundenen Höhenmeter. Die Treppe beginnt am Zebrastreifen, der in der ungefähren Bildmitte zu sehen ist (Tipp: Bild aufzoomen).

Nun geht es nur noch einen kleinen Anstieg eine Treppe hoch, an der Ruine links vorbei und schon sind wir auf der Levada do Pico da Torre, an der Südflanke des Hausberges entlang. Doch schon nach einer Kurve ist die Enttäuschung groß. Der weitere Weg ist gesperrt, die komplette Umrundung des Picos wird uns verwehrt. Dabei ist die Aussicht von dieser Seite auf den Ort und das Meer so schön!

Na gut, dann eben Plan B, wir gehen zum anderen Ende der Levada do Pico da Torre ein paar Straßenecken weiter auf der Nordseite und beginnen den Weg dort. Eine kurze Treppe hinunter, an der Grundstücksmauer geht es nach einem Blick auf die Karte links entlang.

Die Bewässerungsrinne wird hier nicht mehr benötigt und ist mit Betonplatten abgedeckt. Auf den ehemaligen Feldern stehen Wohnhäuser. Unerwartet tauchen doch noch Bananen auf.

Plötzlich scheint der lange Weg ins Leere zu führen. Geht es da vorne noch weiter? In den Reiseführern wird bei Levadawanderungen in den Bergen wegen der Tunnel immer auf die Mitnahme einer Taschenlampe hingewiesen. Doch es ist nur eine Überbauung des Weges. Bevor wir die Taschenlampenfunktion des Mobiltelefons finden, treten wir schon wieder ans Tageslicht.

Eine kleine Treppe hinab, die andere wieder hinauf und schon kommen wir zu den Parzellen mit Bananen und einer offenen Wasserrinne.

Nach einer Weile finden wir die Absperrung auf dem anderen Ende der Südflanke und biegen ab auf die Escadinhas de São Bernardino (Treppen), die uns zum Caminho de São Bernardino bringen. Hier waren wir schon mal. Das Sträßlein ist auch für Anwohner zu befahren. Es ist schmal und steil, wenn man in die Auffahrt der Grundstücke fahren möchte, muss man das auf einer Schrägen in einem 90-Grad-Winkel tun. Aber es scheint zu funktionieren, wie die Bilder zeigen. Das Auto parkt links unter der Pergola.

Der Caminho de São Bernardino ist eine Sackgasse und mündet in einer Treppe, die uns direkt hinunter zur Kirche führt. Okay, das war nun keine Levada-Wanderung im klassischen Sinn, aber ein sehr schöner Spaziergang von gut einer Stunde. In der Nähe liegt der Weinkeller von Henriques&Henriques. Auf zur Weinprobe, davon im nächsten Blogbeitrag mehr.

Lokale Spezialitäten auf Madeira, Teil 1 (Madeira 22)

Während unseres Aufenthaltes versuchen wir, viele lokale Gerichte und Getränke zu probieren. Manchmal gibt es auch Brot, Käse von den Azoren oder Brie, Oliven und portugiesischen Wein vom Festland oder seltener auch von hier auf dem Balkon. Man mag einfach nicht immer abends auch noch ausgehen.

Die Caldo verde, übersetzt heißt sie grüne Suppe, ist tatsächlich grün. Das liegt am Grünkohl, der das Hauptgemüse der Suppe darstellt. Der herzhafte Geschmack wird verstärkt durch die mitgekochte Knoblauchwurst. Sie schmeckt sehr gut und mit dem traditionellen Brot Bolo do Caco ist es durchaus sättigend. Der Teig (bolo) besteht aus Weizenmehl und Süßkartoffeln und wird auf einer Basaltplatte (caco) gebacken, sehr gut auch mit Knoblauchbutter.

Gefüllt wird aus dem Brot unter anderem ein Prego no Bolo do Caco, ein Steak-Sandwich. Wir essen die Spezial-Variante, dort ist auch noch Salat, Tomate, Bacon, Käse drauf, und alles wird gekrönt mit einem Spiegelei. Was für ein cooles Street Food! Eigentlich ist es für das schnelle Mittagessen gedacht. Wir essen es als Abendessen in der Bar an der örtlichen Markthalle, zusammen mit einem Coral Bier, ebenfalls auf Madeira hergestellt.

Madeiras Brauerei wurde bereits 1872 gegründete und gehört heute, wie auch unser Hotel, zur Pestana-Gruppe. Das Bier schmeckt sehr gut, ebenso wie Brisa. Diese Limonade wird ebenfalls auf Madeira in verschiedenen Geschmacksrichtungen hergestellt. Am besten schmeckt uns die Maracuja-Variante.

Câmara de Lobos ist bekannt für seine vielen Fischrestaurants. Espada preta, der schwarze Degenfisch, steht überall auf der Speisekarte und wird auf die unterschiedlichsten Arten zubereitet. Die Fischer ziehen den Tiefseefisch aus zwei Kilometern Tiefe mit hakenbesetzten Angelschnüren heraus. Er kommt im ganzen Nordatlantik vor und ist für Madeira der wichtigste Speisefisch. Es gibt sogar ein spezielles Degenfisch-Festival im August. Allerdings sollte man davon nicht zuviel essen, da er recht viele Schwermetalle enthält. Und wie alle beliebten Fischarten droht auch der schwarze Degenfisch überfischt zu werden.

Der andere Tiefseefisch hier ist der Thunfisch, der in verschiedenen Varianten von Anglern aus dem Meer gezogen werden kann. Man kann von den Hafenmolen aus angeln, aber auch eine der angebotenen Hochseeangeltouren buchen. Beides ist nicht unser Hobby, aber wir essen Fisch wirklich sehr gern.

Das Bild zeigt Bife de Atum com milho frito, Thunfischsteak mit gebratenen Stücken aus Maisgrieß.

Die Fischsuppe hier auf Madeira ist sehr sämig und wird mit Tomaten und Kartoffeln gekocht. Etwas stückiger im Erscheinungsbild gibt es auch noch einen Fischeintopf, den haben wir aber hier in Câmara de Lobos noch nicht entdeckt.

Wetter-Update Mitte/Ende Januar (Madeira 22)

Der seit gut einer Woche die Insel umbrausende Sturm hat sich endlich verzogen. Irgendwann hat man alle atemberaubend hohen Brecher mehrmals fotografiert. Auf unseren Spaziergängen entlang der Küste zur Praia Formosa nahmen wir zwischenzeitlich die Regenjacken mit, gegen die über die Wege schlagenden Brecher und gegen den Wind an den Außenplätzen des Cafés.

Der Sturm hat an der Praia Formosa ordentlich Strandsubstanz mitgenommen und eine richtig hohe Abbruchkante hinterlassen.

An Baden im Atlantik war in der letzten Woche nicht zu denken. Andere Strandgänger haben die Chance genutzt, aus dem Treibgut etwas zu bauen und zu ergänzen.

Es blieb die ganzen Tage trotz heftigen Sturms warm bei 19 Grad. Die Einheimischen bleiben dabei, es ist Winter und wirklich kalt, sie tragen Pudelmützen. Doch jetzt können wir seit zwei Tagen wieder auf der Außenterrasse des Hotels frühstücken, den Sekt in der Sonne genießen und anschließend die Sonnenliegen am Pool nutzen. Das Thermometer steigt wieder und der Wind schläft ein. Das Wasser im Pool ist allerdings noch eiskalt.

Auch die Fischer lassen ihre Boote wieder ins Hafenbecken und fahren hinaus zum Fischen. Andere bleiben an Land und schneiden Napfschnecken (patella candei) von den nun wieder zugänglichen Felsen im Hafenbecken. Die lapas (auf portugiesisch) stehen in allen Restaurants als Vorspeise auf den Speisekarten. Man isst sie wie Austern. Wir haben uns noch nicht an sie heran angetraut.

Es gibt auch wieder Sonnenuntergänge zu sehen. Sie sind jedoch noch nicht wieder so schön wie im Dezember.