Auf zur nächsten Kreuzfahrt (Oktober 2023)

Wir machen uns auf den Weg zur nächsten cruise, wieder einmal über den Atlantik, diesmal von Southampton, England aus. Der Reisetag wird lang, und wir wechseln die Verkehrsmittel häufig. Wir starten morgens um 8:30 Uhr mit dem PKW zum Flughafenbus und mit dem weiter nach Hamburg. Alles funktioniert gut, auch die elektronischen Tickets können eingelesen werden. In Hamburg sind die Bordkarten schnell ausgedruckt und die Koffer abgegeben. Für die Sicherheitskontrolle am Flughafen haben wir uns diesmal einen Slot&Fly gebucht, aber dann doch nicht genutzt. Die Wartezeit in der regulären Schlange ist kürzer als die bis zum Slot-Beginn.

Da Großbritannien nicht mehr in der EU ist, müssen wir durch die Passkontrolle, doch Dank unserer Pässe geht es durch das eGate. Danach füllen wir die Wasserflaschen auf und laufen schon mal zum Abfluggate. Diesmal fliegen wir mit Eurowings, leider hebt der Flieger mit einer Dreiviertelstunde Verspätung Richtung London ab. Das bringt nicht nur unseren Zeitplan durcheinander. In Heathrow gelandet, kommen die Koffer recht schnell, wieder geht es durch das elektronische Tor bei der Passkontrolle. Und ab da ist Geduld angesagt. Den gewünschten Bus für die Weiterfahrt nach Southampton verpassen wir so gerade eben. Der nächste Bus (sie fahren alle zwei Stunden ab) ist schon ausgebucht. Es wird also der um 20:00 Uhr Ortszeit (21 Uhr bei uns) werden.

Wir lassen uns häuslich bei Cafè Nero nieder, die haben guten Kaffee und gutes WLAN. Immerhin müssen wir hier vier Stunden verbringen. Als ich den Kaffee bezahlen will, wir haben noch £100 Bargeld in Scheinen dabei vom letzten GB-Aufenthalt, erfahre ich, dass die Scheine seit drei Jahren nicht mehr gültig sind! Wie gut, dass wir auch über Kreditkarten verfügen.

Am Geldwechselschalter erkundige ich mich später, ob die die alten Scheine vielleicht gegen neue einwechseln können – leider nein! Wir müssen zu einer Bank gehen, die natürlich am Wochenende (heute ist Freitag) geschlossen haben. So ein Pech, ich werde Britisch höflich angemessen bedauert. Das gute Internet wird dann genutzt, um schon mal die Bustickets zu buchen, wir können ja nun nicht mehr Cash bezahlen. Wir vertreiben uns die Zeit mit lesen (am Hamburger Flughafen lagen noch Papierzeitungen herum) und spielen. Vier Stunden können sehr langsam vergehen, aber der Cafe Mocha ist echt gut!

Nach gut drei Stunden beschließen wir, uns schon mal auf den Weg zum Busbahnhof zu machen. Im Café war zuletzt immer weniger los, von daher überrascht uns der Andrang auf die Fahrstühle doch etwas. Es ist voll, aber dann kommen wir doch in einem Fahrstuhl abwärts hinein. Dann geht es mit allen anderen immer den Hinweisschildern Richtung Busse, U-Bahn und Parkplätzen hinterher. Wir müssen dann mit einem Fahrstuhl wieder hinauffahren und dort erwartet uns Dunkelheit, Regen und wiederum viele Menschen, die mit den Bussen weiter fahren wollen.

Es ist Freitagabend um zwanzig Uhr. Unser Bus kommt, der Fahrer kontrolliert das online-Ticket und lädt dann die Koffer ein. Dann kommen doch noch zwei Personen mit sehr viel Gepäck und ohne zusätzliches Ticket. Der Fahrer (und wir im Bus) wartet, bis der Mann im Busbahnhof das extra Ticket für das Mehrgepäck besorgt hat und lädt es anschließend ganz in Ruhe ein. Wir fahren mit einer Viertelstunde Verspätung ab.

Vor uns liegen etwas mehr als zwei Stunden Fahrt. Die erste Stunde verbringen wir damit, vom Flughafenterminal 2+3, wo wir eingestiegen sind, erst zum Terminal 4 und dann zum Terminal 5 zu kommen. Jedesmal steigt der Fahrer aus, kontrolliert die Tickets. Der Flughafen London-Heathrow ist riesig! Danach geht es aber sofort auf die vierspurige Autobahn, wir hatten kurz in the middle of nowhere an einem Park&Ride Parkplatz in der Nähe von Winchester, wo tatsächlich Menschen aussteigen. Dann erreichen wir auch schon Southampton und sind pünktlich um 22:15 Uhr am Busbahnhof, ohne dass der Fahrer gehetzt wirkte. Nur einmal wurde er ungehalten, als sich Fahrgäste trotz seiner wiederholten Aufforderung, sich zu setzen, dem nicht nachkamen, denn er darf nur fahren, wenn alle Passagiere sitzen. Daran hält er sich strikt. Und alle Passagiere schnallten sich nach seiner Aufforderung auch an, denn it‘s the law. Auch das ist faszinierend zu beobachten.

Nach einer kleinen Orientierung und einem kurzen Fußweg durch die Innenstadt, die gut gefüllt mit Partygängern ist, erreichen wir unser AirBnB-Appartement, dessen Tür mit einem Yale-Schloss gesichert ist, das einen Zahlencode erfordert. Den haben wir, und wir wissen ihn trotz Müdigkeit auch auswendig. Doch das Zahlenfeld, um ihn einzutippen, erscheint nur, wenn die Fläche zunächst von der ganzen Hand vollständig verdeckt wird (und auch dann nicht sofort). Wir sind müde, hungrig, ungeduldig, benötigen sehr viele Versuche, aber schließlich klappt es doch. Wir sind drin, das Appartement ist gut ausgestattet. Wir verzehren unsere Sandwiches mit Bier (der Tesco Express in der Nähe hatte noch bis 23 Uhr geöffnet) und fallen kurz nach Mitternacht local time völlig fertig ins Bett.

Curral das Freiras – Wanderung zum Gehege der Nonnen, Teil 2 (Madeira 22)

Rechts vom Hotel unterhalb des Eira do Serrado beginnt der Abstieg ins Tal. Das englische Ehepaar startet vor uns, wir überholen irgendwann, am Picknickplatz überholen sie, am Ende treffen wir uns an der Bushaltestelle wieder. Doch da sind wir jetzt noch nicht.

Wir kommen durch einen Kastanienwald, der jetzt natürlich nicht belaubt ist. Es handelt sich um Esskastanien, aus denen hier alles mögliche hergestellt wird, von Bonbons über Likör und Suppe zu allen Arten von Gebäck. Die Bäume wurden im 17. Jahrhundert neben anderen Obstsorten von den Nonnen angepflanzt, um etwas Einkommen zu generieren. Für den Zuckerrohr- und Bananenanbau war das Tal nie geeignet, da die Ernte nicht abtransportiert werden konnte.

Unser Wanderweg (wenn man genau hinsieht, kann man einige Abschnitte sehen) war bis 1959 der einzige Zugang zum Ort, genutzt von Fußgängern und Ochsenschlitten. Dann wurde die (jetzt alte, wegen Steinschlaggefahr nicht mehr zu befahrende) Straße gebaut, die sich den Berghang rechts der Schlucht hinuntermäandert. Am Baum zwischen den beiden Graten sind wir gestartet und haben jetzt die Hälfte des Abstiegs geschafft.

Auf dem kleinen Felsvorsprung in der Bildmitte machen wir Pause. Das Frühstücksteam hat uns wieder eine leckere Lunchbox zusammengestellt, um die uns Engländer beneiden, wie sie uns später beim Warten auf den Bus erzählen.

Der Wanderweg ist gut ausgebaut, die unterschiedlich hohen Stufen und die Feuchtigkeit machen manche Stellen etwas anstrengend. Gut, dass wir die Stöcke dabei haben, denn 11% Gefälle ist nur ein Durchschnittswert. Der Weg ist an einer Stelle gerade erst notdürftig repariert worden. Ein Erdrutsch hat vor kurzem große Teile des Hanges und mit ihm auch den Weg weggerissen.

Curral, also Pferch, wurde der Talkessel schon immer genannt, da es hier ausgedehnte Weiden für das Vieh gab. Die Nonnen hatten hier nicht nur ihre Ländereien, sondern fanden auch zu Zeiten der Piratenüberfälle auf Funchal eine schützende Zuflucht. In den Fremdsprachen bürgerte sich der Name Tal der Nonnen, Nuns Valley ein.

Da das Tal viele Jahrhunderte kaum zugänglich war, siedelten hier auch nicht viele Menschen. Den Anfang machten im 15. Jahrhundert Hirten und entlaufene oder freigelassene Sklaven. Den jetzt namensgebenden Nonnen wurden die Ländereien Ende des 15. Jahrhunderts überlassen, da zwei Enkeltöchter des Inselentdeckers Zarcos im Konvent des Santa Clara Klosters in Funchal lebten (oder vom Vater dorthin „entsorgt“ wurden, in Ermangelung standesgemäßer Verheiratung).

Links im Bild ist die Stromleitung zu sehen. Elektrizität kam erst 1962 ins Tal, also erst seit 60 Jahren. Die Berge rundum sind so hoch, Fernsehgucken ging noch viel länger nicht. Erst seit 1985 sind Programme zu empfangen. Das ist heute fast nicht mehr vorstellbar, wir haben im Tal Telefonempfang und Wifi gibt es auch.

Curral das Freiras liegt ca. 20 Kilometer nördlich von Funchal, gehört verwaltungstechnisch aber zum 29 Kilometer entfernten Câmara de Lobos. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörten die Menschen der Kirchengemeinde von Santo António im Norden Funchals an. Da sie aber aufgrund der abgeschieden Lage nicht hinreichend genug kirchlich betreut werden konnten, wurde die Kirchengemeinde selbstständig.

Die Bushaltestelle liegt praktischerweise direkt gegenüber von einem Café. Der Regen wird stärker, der Kellner hat die Abfahrtzeiten im Kopf und gibt uns rechtzeitig Bescheid. Auf der Rückfahrt können wir noch einmal die Fahrtkünste der hiesigen Busfahrer bewundern. Zuerst geht es noch ein bisschen weiter durch das nördliche Tal, in dem die Regenfälle zu starken Hangabbrüchen geführt haben.

Hier wird die Straße gesichert und erneuert.

Dann geht es auf gleicher Strecke zurück und bald zügig durch den fast zweieinhalb Kilometer langen Tunnel aus dem Tal heraus, noch ein Schlenker zum Eira do Serrado und dann wieder auf die Serpentinenstraße Richtung Funchal. Natürlich kommt uns wieder ein Bus entgegen. Diesmal ist die Stelle sehr eng. Beide Busse stoppen vor und zurück, noch ein bisschen und noch ein Versuch. Als beide Außenspiegel ganz weggeklappt werden, passen wir aneinander vorbei.

In Funchal genießen wir den Sonnenschein und wärmen uns ein bisschen auf. Das Wetter war zwar nicht so ideal zum Wandern, es hat trotzdem Spaß gemacht. Am nächsten Morgen zeigt uns der Kellner Fotos vom höchsten Gipfel im Zentralmassiv. Dort ist der Niederschlag in der Nacht als Schnee heruntergekommen. Amazing!

Curral das Freiras – Wanderung zum Gehege der Nonnen, Teil 1 (Madeira 22)

Die Wanderstöcke warten bereits seit zweieinhalb Wochen im Koffer. Das aktuelle Wetter Ende Januar empfiehlt eine lange Bergwanderung nicht. Wir entscheiden uns für eine leichte Bergab-Wanderung aus unserem Reiseführer und machen die längere Variante. Die hört sich in der Beschreibung gut machbar an für unsere untrainierten Gelenke.

Zunächst müssen wir zum Startpunkt kommen. Wir fahren mit dem Bus zunächst nach Funchal und steigen dann in den Bus der Linie 81. Wir zeigen dem Fahrer die Karte, damit er weiß, wo wir aussteigen wollen. Es geht hoch in die Berge, nach der dichten städtischen Bebauung fahren wir auf Serpentinen durch Wälder.

Vor dem neuen Tunnel wollen wir aussteigen. Der Busfahrer ist leicht verwirrt, er möchte uns gern zum Start des Abstiegs fahren. Nicht jeder Bus der Linie fährt den Umweg zum Eira do Serrado, dieser tut es. Wir möchten aber zum Berg wandern. So steigen wir aus.

An der Südküste haben wir eigentlich immer Sonnenschein oder mal leichte Bewölkung. Die dunklen Regenwolken dräuen immer nur über den Bergen des Zentralmassivs. Nun sind wir hier, zwar am Rand, aber doch im (leichten) Regen.

Die folgenden knapp zweieinhalb Kilometer wandern wir auf der Straße entlang, dem Bus sozusagen hinterher. Zwischendurch kommt er uns wieder entgehen, und der Fahrer winkt uns freundlich zu.

Schon die Ausblicke auf die Ausläufer des Zentralmassivs sind beeindruckend:

Nach Überwindung von 70 Höhenmetern, einem Blick auf die alte Straße, die wegen Steinschlags schon sehr lange gesperrt ist, und einigen Kurven erreichen wir wieder die Zivilisation mit Parkplatz, Hotelanlage und großen Souvenirläden. Im Café ist der Espresso willkommen, aber sehr teuer.

Die letzten 75 Höhenmeter bis zum Gipfel des Eira do Serrado sind über den ausgebauten Weg schnell überwunden, der Ausblick ist trotz Regens phänomenal.

Und dann geht es auf zum eigentlichen Ziel, hinab nach Curral das Freiras. Im nächsten Eintrag gibt es noch überwältigende Fotos zu sehen!

Busfahren, ein zweiter Versuch, diesmal nach Calheta (Madeira 22)

Ein Tag mit Dauerregen ist angekündigt, wie gemacht, um einen Museumsbesuch zu machen. (Spoiler: Dort, wo wir uns aufhalten, regnet es nicht einen einzigen Tropfen während des Tages! Es stürmt bei 20 Grad.) Madeiras Museum für zeitgenössische Kunst (MUDAS, Bericht dazu später) befindet sich in Calheta (Bericht dazu auch später), im Westen der Insel, ca. 37 km von Funchal entfernt. Um mit dem ÖPNV zügig dorthin zu kommen, empfiehlt sich ein Bus, der die Schnellstraßen nimmt.

Wie auf dem Kartenausschnitt gut zu sehen ist, liegt Câmara de Lobos südlich der Schnellstraße. Wir müssen also zunächst mit dem lokalen Bus eine gute halbe Stunde nach Funchal hineinfahren, um dort umzusteigen.

Der Busschaffner verkauft uns eine Fahrkarte von seinem Abreissblock, der Busfahrer reißt einen kleinen Teil davon ab, und schon geht es über die kleinen Straßen nach Funchal.

Was sind schon zehn Minuten im Angesicht der Ewigkeit? Der Busfahrer nimmt sich alle Zeit, um Fahrgästen alle Infos zu geben, die sie benötigen. Wir zeigen ihm den Zettel, den die hilfsbereite Dame an der Hotelrezeption uns mitgegeben hat. Dort steht der Ortsteil von Calheta drauf, wo das Museum ist. Sie hat im Vorwege auch extra dort angerufen, um Öffnungszeiten und Zutrittsbedingungen herauszufinden. Am Vorabend waren wir in Câmara de Lobos im kommunalen Testzentrum, um einen Schnelltest zu machen. Der gilt für sieben Tage und mit unseren Impfungen stehen uns nun alle Museen (wird immer kontrolliert) und die Innenräume von Cafés und Restaurants (wird eher nie kontrolliert) offen.

Nach einer Stunde und 45 Minuten kommen wir (trotz der Schnellstraßen) in Vila Calheta an, sollen aber noch nicht aussteigen. Der Busfahrer hat uns nicht vergessen. Es geht die Hügel hinauf, bis das Museum in Sicht kommt. Wir drücken den Halteknopf, der Bus hält, wir wollen aussteigen, aber sie lassen uns nicht. Der Busfahrer fragt, wo wir denn hinwollen. „To the museum!“ antworte ich und zeigt auf das ca. 100 Meter (!) entfernte Gebäude. Sowohl der Busfahrer als auch der Passagier auf der ersten Bank bedeuten uns, uns wieder hinzusetzen. Es sei nicht die richtige Haltestelle! Kaum angefahren stoppt der Bus wieder, und nun dürfen wir endlich aussteigen, direkt gegenüber des Museums. Man läuft hier einfach nicht, wenn es eine Busverbindung gibt.

Am weißen Gebäude ist die Haltestelle, der Neubau des Museums schmiegt sich links davon in den Hang.

Die Rückfahrt später mit dem Bus gestaltet sich wieder nur halb wie geplant. In der Touristinformation fragen wir, wo die Haltestelle für den Rückweg ist. Laut unserem Gesamtbusplan fährt der Bus dort um 17:45 Uhr ab. Auf dem Plan an der Haltestelle steht allerdings 17:30 Uhr. Okay, dann sind wir eben früher da. Der Bus Richtung Funchal (steht auf der Anzeige) kommt, der Busfahrer stempelt das Ticket zusätzlich zum Abreißen ab und informiert uns, dass wir in Ribeira Brava umsteigen müssen. Hm, man fragt sich, warum, wenn er doch nach Funchal fahren soll, steht ja dran. Eine Minute später parkt der Bus rückwärts ein und verkündet eine 10-minütige Pause. So kommen wir der Abfahrtszeit unseres Planes schon näher. Als der Bus dann startet, fährt er zu unserem Erstaunen in die andere Richtung, nämlich wieder nach Westen. Warum nur?

Er fährt von unserer Einstiegsstelle (Bleistiftspitze) die gelben Strecken: erst die ER101 und die ER224 nach Westen hoch in die Lombo-Ortschaften, dann die ER222 komplett bis nach Ribeira Brava. Wir machen eine Inselrundfahrt über die alten Straßen!

Wir schrauben uns auf fast 500 Meter über dem Meeresspiegel hoch und wieder runter und wieder hoch und wieder runter. Manchmal hilft nur noch, die Felsen auf der linken Seite anzugucken und sich am Vordersitz festzuhalten vor lauter Adrenalin. Eine Stunde und 15 Minuten sind wir (erst) in Ribeira Brava, werden vom dortigen Schaffner in den richtigen Bus geleitet und fahren gleich darauf weiter die alten Straßen Richtung Funchal.

Die ER229 führt über Câmara de Lobos, so dass wir ohne den Umweg über Funchal direkt oberhalb des Hafens aussteigen können. Das hatten wir so nicht geplant, sind aber für die Änderung sehr dankbar. Inzwischen ist es noch eine Stunde später und sehr dunkel. Wir sind froh, dass die letzte Fahrt mit dem viel älteren Bus und dem viel jüngeren Busfahrer nun zuende ist. Er fuhr recht rasant; gut, dass wir nur noch die Lichter draußen an den Hügeln bewundert konnten. Aber wir bleiben dabei, mit dem öffentlichen Bus zu fahren, ist interessanter, als mit einem Mietwagen schnell von A nach B zu kommen. Wir haben ja Zeit.

Morgen kommt der zweite Teil des Ausflugs.

Ein ungeplanter Ausflug nach Ribeira Brava (Madeira 22)

Nun sind wir also in dieser kleinen Handelsstadt gelandet, die an der Mündung des namensgebenden Flusses liegt. Was machen wir nun? Erst einmal gehen wir zur Strandpromenade, setzen uns ins erstbeste Café und lassen bei einem Espresso den Schock sacken. Der Name Ribeira Brava bedeutet ‚wilder Fluss‘. Er sieht überhaupt nicht so aus in seinem Betonbett, hat aber in der Vergangenheit so manches Haus in seinen Fluten mitgerissen, wenn es starke Regenfälle in den Bergen gibt.

Vor der Promenade liegt der typische schwarze Strand, vom Meer geschützt durch eine gewaltige Anlage von Wellenbrechern. Auf die kann man ja mal hinauf steigen. Gesagt, getan. Die Betonklötze sind viel, viel größer und steiler als gedacht, und wir sind ja keine jungen Hüpfer mehr. Die Betonklötze sollen ja auch das Meer abhalten. Der Blick von oben ist prima.

Blick auf den Leuchtturm, hinter dem Felsen liegt der Hafen, rechts im Bild die Betonklötze.

Zurück auf der Promenade finden wir die Touristinformation in einem alten Wachturm, den man auch besteigen kann. Der datiert noch aus der Zeit der Piratenüberfälle auf die Insel. Später diente er als Gefängnis. Doch die Zellen im Keller sind inzwischen zugeschüttet worden.

Sehr enge und niedrige Wendeltreppe, sehr kleine Tür auf sehr stummeligem Turm, keine Piraten in Sicht!

Ich erhalte jede Menge Informationsmaterial und die kompletten Busfahrpläne der Insel. Die nette Frau versucht noch, eine Busverbindung nach São Vicente zu finden, kann aber auch nur konstatieren, dass es nahezu unmöglich ist, den Ort an ein und demselben Tag mit dem Bus zu erreichen und auch wieder zu verlassen. Dann steigen wir über eine Wendeltreppe an der Felswand hoch zum farol. Die mit Kieseln gepflasterte Treppe führt bis zum Leuchtturm. Von dort hat man einen schönen Blick auf die Innenstadt.

Dann wandern wir entlang der neu angelegten Promenade (gut angelegtes EU-Geld) immer am Wasser entlang Richtung Westen bis zum nächsten kleinen Ort, Tabúa. An drei Stellen ist der Weg überdacht, damit man vor eventuellem Steinschlag geschützt ist.

Das Rathaus mit seinem auffälligen rosa Putz ist in einem ehemaligen Landhaus untergebracht, das von einem kleinen Park umgeben ist. Hier kann man sich gut ein Weilchen ausruhen und den Schatten unter den alten Gummibäumen genießen.

Die Kirche Igreja de São Bento gehört zu den ältesten Kirchen auf Madeira und zeugt mit ihrer Innenausstattung vom damaligen Reichtum der Stadt. Während der Mittagspause ist sie geschlossen, und die Pause dauert an, solange wir in der Stadt sind. So können wir sie nur von außen bewundern, mit ihrer Turmspitze aus blauen und weißen Kacheln, gekrönt von der symbolischen Darstellung einer Armillarsphäre, früher Weltmaschine genannt. Man findet die Armillarsphäre auch in der portugiesischen Flagge als Hinweis auf die Seefahrertradition.

Die weißen Punkte, die sich im Hintergrund den Hang hinauf schlängeln, markieren übrigens die Straße, über die wir ins Tal gekommen sind.

Gegenüber der Kirche befindet sich ein Relief, das an ein örtliches Wunder erinnert. Als wieder einmal der Fluss über die Ufer zu treten drohte, trugen die Bewohner die Statue des heiligen Benedikt in einer Prozession zum Fluss und der Priester warf den Bischofsstab der Statue in die tosenden Fluten. Der Ort entging der Überschwemmung und der Stab wurde später 500 Meter entfernt auf dem Kirchplatz liegend gefunden. Dies konnte nur das Werk des Heiligen Benedikt gewesen sein. Jedes Jahr zu seinen Fest am 11. Juli legt die Prozession einen Stopp an der Stelle ein.

Auch das Volkskundliche Museum Madeiras, das sich in Ribeira Brava befindet, können wir nicht besuchen. Das hat geöffnet, aber es gilt die 2G+-Regel. Wir sind zwar geboostert, haben aber keinen aktuellen Testnachweis. Die Schlange vor den Test-Hütten an der Promenade ist lang und wird die ganze Zeit nicht kürzer. So muss auch das Museum unbesucht bleiben. Wir gehen zurück zur Promenade, essen ein Käsesandwich und gehen zurück zum Bus.

Auf der Rückfahrt erhalten wir schöne Ausblicke auf Câmara de Lobos, Funchal und Umgebung. Für die Nerven ist es manchmal allerdings beruhigender, auf die Felswand zu schauen und nicht bergab.

Wie wir mit dem Bus nach São Vicente gefahren und in Ribeira Brava gestrandet sind (Madeira 22)

Es ist schon etwas besonders, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in Madeira unterwegs zu sein. Inzwischen können wir verstehen, dass man entweder ein Auto mietet, um irgendwo hinzukommen. Allerdings sind die Straßen meistens so eng und serpentinenmäßig, dass einem schon als Buspassagier schwindelig wird. Oder man bucht eine geführte Tour, um dort anzukommen, wo man ursprünglich hin möchte. Wir mögen aber gern mit dem ÖPNV fahren. Man sieht so ein bisschen mehr von Land und Leuten. Dann muss man auch ungeplante Veränderungen in Kauf nehmen.

Die erste Veränderung beginnt schon an der Bushaltestelle. Wir sind sehr rechtzeitig da (Empfehlung der Hotelrezeption). Ein bordeauxfarben gewandeter Angestellter der Busgesellschaft geht von Wartendem zu Wartender und verkauft Tickets wenn gewünscht. Für unsere Route hat er kein Ticket. Er spricht kein Englisch, wir kein Portugiesisch; trotzdem wird deutlich, dass der Bus, den wir wollen, nicht kommt und wir noch eine gute halbe Stunde länger warten müssen. Der Rest ist für uns nicht zu entschlüsseln.

Als der richtige Bus kommt, bespricht er unseren Zielwunsch mit dem Busfahrer, der uns dann auch das Ticket verkauft. Auch der Busfahrer kann kein Englisch, wir immer noch nicht genug Portugiesisch. Der Bus ist älter und hat auf der linken Seite Dreierbänke, auf der rechten Zweierplätze. Wir machen uns auf einer Dreierbank breit.

Wir fahren in die richtige Richtung, in Serpentinen immer eher bergauf, um die Hügel, Felsen und Schluchten herum und halten alle paar Meter an, um Menschen ein- oder aussteigen zu lassen. Manche der Haltestellen, Paragem, sind für uns nicht als solche zu erkennen. Die Schilder sind klein, oft verwittert und hängen nicht immer an Masten. Man muss die Hand ausstrecken, um dem Busfahrer zu signalisieren, dass man mitfahren möchte. Nach den Bananen wechselt die landwirtschaftliche Bebauung zu Wein. Hier an der Südküste gibt es die Hauptanbaugebiete für Bananen und Wein.

Wir sind ziemlich lang unterwegs und schaffen nur wenige Kilometer, wenn man in Luftlinien denkt. Auf dem nächsten Foto sieht man die neue Schnellstraße unten im Tal. Die nimmt man als Mietwagen mietender Tourist natürlich, um die in den Reiseführern beschriebenen Touren auch in der angegebenen Zeit zu schaffen. Dann wäre man in zwanzig Minuten da, es sind nur ca. 15 Kilometer.

Wir kommen dagegen nach gut einer Stunde Fahrt in Ribeira Brava an. Während der Busfahrt ist noch ein Schaffner in bordeauxfarbener Uniform dazugestiegen und hat unsere Tickets abgeknipst. Der kann wenige Worte auf Englisch. Als alle aus dem Bus gestiegen sind, erklärt er uns, dass der nächste Bus nach São Vicente in etwas mehr als drei Stunden abfahren würde, es aber an diesem Tag keine Möglichkeit für uns geben würde, von dort aus wieder zurück nach Câmara de Lobos oder Funchal zu kommen. Nach einer Weile haben wir es auch tatsächlich verstanden, dass wir hier in Ribeira Brava gestrandet sind. Na dann, dann machen wir doch das Beste daraus. Dazu mehr im nächsten Eintrag.

Der namensgebende Fluß Ribeira Brava