Leipzig – Musik und Bildende Kunst (Sommer 2022)

Wir beginnen den Tag mit dem Besuch des Museums für bildende Künste. Der Neubau aus dem Jahr 2004 befindet sich quasi um die Ecke des Hotels. Das Museum selbst gibt es schon seit 1848. 1943 wurde das damalige Gebäude durch einen Bombenangriff komplett zerstört. Seitdem war es in verschiedensten Gebäuden untergebracht, bis es dann nach 61 Jahren in den quaderförmigen Neubau umziehen konnte.

Wir sehen uns nicht alles an und auch nicht alles mit derselben Intensität. Aber die Ausstellung „Unterschätzt. Künstlerinnen in Leipzig um 1900“ ist klasse. Unglaublich, was für Talente schon immer und in allen Bereichen durch die Arroganz der Männer verhindert wurden.

Spannend ist auch das „Berliner Zimmer“ in der Leipziger Fassung von Via Lewandowsky (geb. 1963 in Dresden), das die Teilung Berlins bzw. Deutschlands zum Thema hat: ein komplettes Wohnzimmer einmal durchtrennt. Der Guide auf dem Foto hat uns viel dazu erzählt. Leider ist die Installation nicht ganz komplett. Eine kleines Mädchen hat vor einiger Zeit aus Versehen die andere Hälfte des Papageis auf dem Reststuhl umgerissen. Der Teil ist noch in der Reparatur.

Dieses Bild vom Leipziger Maler Benedikt Leonhardt (geb. 1984) heißt „Ohne Titel (WF-B-QM/V-4)“ (2016), erinnert uns an die Gemälde Rothkos und gefällt uns besser als die Werke von Neo Rauch und Kollegen der „Leipziger Schule“, die einen eigenen Saal belegen.

Nach einer Pause im Museumscafé gehen wir zur Thomaskirche, um rechtzeitig zur Motette da zu sein. Doch das mit der Musik ist schwierig im Hochsommer, es findet wirklich gar nichts statt in Leipzig, was wir besuchen können. Nichts, nicht einmal ein ganz klitzekleines Kirchenkonzertchen. Die Jungs des Thomanerchor machen Sommerferien. Dann fotografieren wir eben einige der berühmten Musiker, die hier gewirkt haben.

Am Seiteneingang zur Kirche steht ein Denkmal für Johann Sebastian Bach, der 27 Jahre als Thomaskantor tätig war, jede Woche ein neues Werk schuf und danach tatsächlich in Vergessenheit geriet. Das Denkmal wurde auf Initiative von Felix Mendelssohn Bartholdy aufgestellt.

Erst Felix Mendelssohn Bartholdy leitete eine Bach-Renaissance ein, als er 1829 die Matthäus-Passion wieder aufführte. Vierzehn Jahre später gründete er in Leipzig die erste Musikhochschule überhaupt in Deutschland. Das Westportal der Thomaskirche wird Mendelssohn-Portal genannt. Er ist seit 1843 Ehrenbürger der Stadt Leipzig.

Gegenüber steht seit 2008 eine Replik des Denkmals für ihn, welches bis 1936 am damaligen Standort des Gewandhauses stand, an dem er Kapellmeister war. Die Nazis ließen es abreißen und die Bronze höchstwahrscheinlich zu Kriegszwecken einschmelzen, allein die Mendelssohn-Figur ist fast drei Meter hoch. Für die Replik wurden alte Abbildungen fotogrammetrisch vermessen, die Realisierung übernahm der Dresdner Bildhauer Christian Schulze. Die Muse der Musik, Euterpe, sitzt dem Komponisten zu Füßen, links und rechts befinden sich musizierende Engel.

Dann wollen wir zumindest noch das Mendelssohn-Haus besuchen, in dem die letzte Privatwohnung erhalten ist. Dafür müssen wir einmal quer durch die Altstadt. Der spätklassizistische Baus war gerade neu erbaut worden, als er dort in den ersten Stock einzog (Neubaubezug). Zwei Jahre später verstarb Mendelssohn dort. Das Museum schließt um 18 Uhr. Der Weg ist weiter gewesen als gedacht, eir kommen drei Minuten vorher an und können nur noch kurz den Garten besuchen.

Dafür haben wir aber noch einige interessante Gebäude bei unserem Stadtrundgang entdeckt:

Die Alte Handelsbörse, das älteste Barockbauwerk in Leipzig, das Versammlungsgebäude der Kaufmannschaft.

Das Messe- und Geschäftshaus der Riquet & Co. AG, erbaut 1908/09. Sie stellten Kakao, Schokolade, Pralinen und Bonbons her und handelten mit Tee und Waren aus China und dem Orient. Sie warben mit einem Elefanten, daher die beiden lebensgroßen Elefantenköpfe aus Kupfer am Eingang. Goethe bezog von hier seine Lieblingsschokolade.

Das Neue Rathaus wurde 1905 nach sechsjähriger Bauzeit eröffnet. Das Gebäudeensemble (das Foto zeigt nur einen kleinen Ausschnitt) ist immer noch der größte Profanbau dieser Art der Welt. Er hat etwas mehr als 1700 abgeschlossene Räume und Deutschlands höchsten Rathausturm.