Madeira, Portugal, cruise day 16 (Jewel of the Seas, 2022)

Hurra, wir sind wieder auf dieser tollen Insel! Während sehr viele Mitreisende mit Reisebussen Teile der Insel erkunden, fahren wir mit dem Linienbus nach Câmara de Lobos. Wir müssen einfach wieder dahin, der Ort ist zu schön. Wir machen einen Spaziergang durch die bekannten Gassen, trinken hier und da einen Kaffee (wir wissen ja noch, wo es freies wifi gibt) und kaufen beim Pingo die leckeren lokal angebauten Bananen. Es sind immer noch die wohlschmeckendsten der Welt.

Es ist Mai, der beliebteste Reisemonat für Madeira. Alles blüht, es ist sehr warm. Im Mai findet das berühmte Blumenfestival statt, und heute Nachmittag zieht der Blumencorso mit geschmückten Wagen und Fußgruppen durch Funchal. Die Absperrungen und Tribünen säumen schon die Straßen. Der Wagenumzug findet allerdings erst statt, nachdem wir schon wieder auf dem Schiff sein müssen.

Doch wir haben in Câmara de Lobos Glück, dort steht nicht nur der örtliche Umzugswagen bereit, sondern wir können in der Bootshalle nebenan auch einen Blick auf die Reifröcke aus Blüten erhaschen, von denen es später Hunderte zu sehen geben wird. Alle Blüten sind echt, sie werden regelmäßig mit einer Sprühflasche gewässert.

In Funchal selbst steht ein Pavillon am Wasser, in dem die preisgekrönten Blumen, Gestecke und Arrangements ausgestellt werden. Es ist bereits das 67. Blumenfest, das immer in den ersten drei Maiwochen stattfindet.

Obwohl es Sonntag ist, ist auch die Innenstadt voller Menschen. Wir sehen fantastisch gestaltete Blumenteppiche. Die Verkaufsbuden, die wir schon in der Vorweihnachtszeit gesehen haben, sind auch wieder aufgebaut worden, diesmal erstrahlen sie in frischem Frühlingsdekor. Poncha kann man wohl immer trinken.

Wir flanieren noch ein wenig durch die wunderschönen Parks, bevor es zurück zum Schiff geht. Wir müssen unbedingt bald wieder für eine längere Zeit hierher zurückkehren, Madeira bleibt ein Lieblingsort.

Atlantiküberquerung – heading east, cruise day 11-15 (Jewel of the Seas, 2022)

Bis wir auf Madeira ankommen, müssen wir insgesamt fünf mal die Uhr um eine Stunde vorstellen. Im Gegensatz zur Atlantiküberquerung mit der Navigator of the Seas, wo die Uhr immer mittags von 12 auf 13 Uhr vorgestellt wurde, wird sie diesmal nachts vorgestellt. Und es ist ganz egal, wann wir zu Bett gehen, wir sind an den folgenden Tagen morgens immer ganz groggy, auch wenn unser head waiter der Meinung ist, das wäre alles nur im Kopf. Beim Frühstück im Restaurant benötigen wir immer einen extra Becher Kaffee. In der Zwischenzeit wird unsere Kabine aufgeräumt und gesäubert. Wenn wir abends wieder zurückkehren, ist noch einmal aufgeklärt worden und an einigen Tagen sitzt ein aus Handtüchern gefaltetes Tierchen auf unserem Bett.

Die Tage vergehen mit schöner Regelmäßigkeit: schlafen, essen, Unterhaltung und ein bisschen sportliche Betätigung. Bei den angebotenen Sport- und Fitnesskurse machen wir nicht mit. Dafür walken wir nach dem Frühstück unsere Runden auf dem Joggingpfad auf Deck 12. Ich mache in der Kabine Yoga, die ist groß genug dafür. Das ist lustig, wenn das Schiff plötzlich ein bisschen mehr schaukelt. Insgesamt ist der Ozean aber eher glatt, eine sehr angenehme Überfahrt.

Bewegung tut Not, am Abend werden wir mit extra Portionen indischen Essens verwöhnt. Insgesamt ist das Essen überall sehr gut. Einige Menschen planen tatsächlich ihren Tag um die ausgedehnten Mahlzeiten herum, treffen sich dort und essen, essen, essen. Man kann sehen, wo sie das alles lassen. Alkohol kostet relativ viel, ein kleines Glas Wein zum Abendessen schlägt mit fast 13 Dollar zu Buche, genau so viel wie ein Bier und da ist die Größe egal, eine kleine Flasche oder eine Dose mit einem Dreiviertelliter Inhalt.

Das Wetter ist nicht mehr ganz so gut, wie noch an den ersten Tagen der Überquerung, wobei die Einschätzung relativ ist. Es reicht nicht mehr für stundenlanges Abhängen am oder im Pool. So wird das Unterhaltungsprogramm angepasst, es gibt Shows auch schon nachmittags und zusätzliche Kinovorstellungen bereits am Morgen und auch mittags.

Nur die täglichen Bingo-Sessions an den Seetagen finden nicht mehr in dieser Regelmäßigkeit statt. Ich gehe noch einmal hin und bin diesmal rechtzeitig da, um einen Platz an einem Tisch zu bekommen. Doch die Beteiligung ist so gering, dass lange nicht sicher ist, ob überhaupt gespielt wird. Langsam wird es voller. Am Ende findet ein einziges Spiel statt, diesmal bekommt jeder Papierkarten und digitale Karten auf dem Tablet, damit die Verteilung des Zufalls größer ist. Trotzdem gewinne ich die 500 Dollar Preisgeld (wieder) nicht. Ich hatte mich schon ein wenig auf den Handtaschen-Sale gefreut. Pech gehabt!

Am Tag bevor wir Madeira und damit offiziell Europa erreichen gibt es am Nachmittag eine Atlantic Crossing Celebration Party. Die erfolgreiche und sichere Überquerung soll gefeiert werden. Alle (1120 Passagiere) sind eingeladen, viele sind in Abendgarderobe, da gleichzeitig auch formal night angesagt ist. Wir feiern von Deck 8 aus. Die Party-Band spielt, es gibt ein Glas Sekt (und wenn man die Kellner noch einmal trifft, dann noch ein Glas), der Kapitän und die anderen Offiziere (the Stripes) halten jeweils ein Grußwort auf der Showtreppe und dann geht der Countdown los. Bei null werden die Ballons heruntergelassen, Cracker mit buntem Flitter werden geknallt, alle stoßen auf die Ankunft in Europa an. Auf der Tanzfläche startet ein Kindergeburtstag, die älteren Herrschaften treten mit Wonne auf die Luftballons, um sie platzen zu lassen. Den Rest erledigt anschließend das Putzgeschwader mit Besen, Feger und Staubsauger. Nach einer halben Stunde ist von dem Fest nichts mehr zu sehen, alle widmen sich dem Abendessen.

Und wenn nur wenig Wolken da sind, sind die Sonnenuntergänge auf dem Atlantik spektakulär, das Foto gibt den Wow!-Faktor nur unzureichend wieder.

Auf dem Atlantik… und plötzlich Bermudas, cruise day 8-10 (Jewel of the Seas, 2022)

Vor uns liegen jetzt sieben Tage nur auf dem Atlantik, und es wird einfach nie langweilig. Notfalls könnte man ja immer noch mal zwischendurch schlafen, denn insgesamt fünf Nächte sind jeweils eine Stunde kürzer, damit wir die europäischen Zeitzonen rechtzeitig erreichen. Außer Schlafen und Essen (egal, wann, was und wo man isst, es ist immer sehr, sehr gut) gibt es jede Menge Programm.

Vormittags kann man sich unter anderem künstlerisch betätigen. Ich besuche in der Schooner Bar eine jewelry making class. Der Anleiter (ja, ein Mann, hilft nicht wirklich) bringt jede Menge Material mit, wobei nicht alle Päckchen das vollständige Material beinhalten. Das Austeilen dauert sehr lange, da sehr viele Frauen teilnehmen möchten. Das anschließende Erklären, was und wie man etwas machen soll, gestaltet sich auch schwierig, da der Instrukteur mit einem starken spanisch gefärbten Akzent spricht und nicht über das notwendige Fachvokabular im Englischen verfügt – klassische Fehlbesetzung. Die Frauen helfen sich gegenseitig, ich fädele mir ein Armband auf, das geht auch ohne Anleitung und macht Spaß.

Den ganzen Tag über gibt es viele Quizshows, Ratespiele, Live Musik und vieles mehr. Und dann gibt es manchmal private functions, bei denen nur ausgewählte Teilnehmerinnen und Teilnehmer hinein dürfen. Wer möchte da nicht gerne hinein? Wir gehören dazu, da wir sozusagen eine Bonuskarte der Reederei haben. Inzwischen sind wir in eine Stufe aufgestiegen, die uns den Zutritt verschafft, aber auch andere kleine Vergünstigungen. Bei den fünf Freigetränken pro Tag sind wir allerdings noch nicht angekommen. Wir bekommen auf dieser Veranstaltung ein Glas Sekt und erhalten eine Privatvorstellung des argentinischen Tangotanzpaares, das in einer Show am Abend auftritt.

Noch ist das Wetter so schön, dass der Poolbereich gut besucht ist. Allerdings ist es nicht mehr so übervölkert wie auf der Karibik-Fahrt. Wir finden eigentlich immer einen Platz auf den Liegen und lesen, bis das musikverstärkte Animationsprogramm auf der Außenbühne einsetzt. Das ist ein guter Zeitpunkt, sich mit mehr Getränken oder gar Essen zu versorgen.

Abends gucken wir uns das Showprogramm an. Bisher haben wir schon einen polnisch-amerikanischen Multiinstrumentalisten, der vorzüglich elektronisches Vibraphon spielt und dazu eine Kalimba und ein Theramin, gesehen. Die „Barricade Boys“ erfreuen uns bei vierstimmigem Satzgesang und Orchesterbegleitung mit Musicalsongs. Auch die schiffseigne Produktion mit Orchester, Sängern und Tänzern in tollen Kostümen ist ganz gut. Oder wir gehen ins Kino.

Und dann werden wir eines Morgens sehr unsanft durch eine Durchsage vom Kapitän geweckt. Aufgrund eines medizinischen Notfalls müssen wir die Bermudas anlaufen. Auf der Karte ist ein sehr abrupter Kurswechsel zu sehen. Irgendwann in der Nacht drehte das Schiff um 90 Grad von Ost nach Nord.

Um acht Uhr ankern wir vor der Küste Hamiltons. Der Patient muss mit einem Boot übergesetzt werden. Das Ganze dauert länger als gedacht, erst nach drei Stunden fahren wir wieder los. Natürlich spekuliert man, was wohl passiert ist. Aber dazu gibt es keine weiteren Durchsagen, nur, dass alles gut geklappt hat und wir Madeira in der geplanten Zeit erreichen werden. Bei den vielen alten Menschen an Bord muss man wohl mit solchen Zwischenfällen rechnen.