Atlantiküberquerung – heading east, cruise day 11-15 (Jewel of the Seas, 2022)

Bis wir auf Madeira ankommen, müssen wir insgesamt fünf mal die Uhr um eine Stunde vorstellen. Im Gegensatz zur Atlantiküberquerung mit der Navigator of the Seas, wo die Uhr immer mittags von 12 auf 13 Uhr vorgestellt wurde, wird sie diesmal nachts vorgestellt. Und es ist ganz egal, wann wir zu Bett gehen, wir sind an den folgenden Tagen morgens immer ganz groggy, auch wenn unser head waiter der Meinung ist, das wäre alles nur im Kopf. Beim Frühstück im Restaurant benötigen wir immer einen extra Becher Kaffee. In der Zwischenzeit wird unsere Kabine aufgeräumt und gesäubert. Wenn wir abends wieder zurückkehren, ist noch einmal aufgeklärt worden und an einigen Tagen sitzt ein aus Handtüchern gefaltetes Tierchen auf unserem Bett.

Die Tage vergehen mit schöner Regelmäßigkeit: schlafen, essen, Unterhaltung und ein bisschen sportliche Betätigung. Bei den angebotenen Sport- und Fitnesskurse machen wir nicht mit. Dafür walken wir nach dem Frühstück unsere Runden auf dem Joggingpfad auf Deck 12. Ich mache in der Kabine Yoga, die ist groß genug dafür. Das ist lustig, wenn das Schiff plötzlich ein bisschen mehr schaukelt. Insgesamt ist der Ozean aber eher glatt, eine sehr angenehme Überfahrt.

Bewegung tut Not, am Abend werden wir mit extra Portionen indischen Essens verwöhnt. Insgesamt ist das Essen überall sehr gut. Einige Menschen planen tatsächlich ihren Tag um die ausgedehnten Mahlzeiten herum, treffen sich dort und essen, essen, essen. Man kann sehen, wo sie das alles lassen. Alkohol kostet relativ viel, ein kleines Glas Wein zum Abendessen schlägt mit fast 13 Dollar zu Buche, genau so viel wie ein Bier und da ist die Größe egal, eine kleine Flasche oder eine Dose mit einem Dreiviertelliter Inhalt.

Das Wetter ist nicht mehr ganz so gut, wie noch an den ersten Tagen der Überquerung, wobei die Einschätzung relativ ist. Es reicht nicht mehr für stundenlanges Abhängen am oder im Pool. So wird das Unterhaltungsprogramm angepasst, es gibt Shows auch schon nachmittags und zusätzliche Kinovorstellungen bereits am Morgen und auch mittags.

Nur die täglichen Bingo-Sessions an den Seetagen finden nicht mehr in dieser Regelmäßigkeit statt. Ich gehe noch einmal hin und bin diesmal rechtzeitig da, um einen Platz an einem Tisch zu bekommen. Doch die Beteiligung ist so gering, dass lange nicht sicher ist, ob überhaupt gespielt wird. Langsam wird es voller. Am Ende findet ein einziges Spiel statt, diesmal bekommt jeder Papierkarten und digitale Karten auf dem Tablet, damit die Verteilung des Zufalls größer ist. Trotzdem gewinne ich die 500 Dollar Preisgeld (wieder) nicht. Ich hatte mich schon ein wenig auf den Handtaschen-Sale gefreut. Pech gehabt!

Am Tag bevor wir Madeira und damit offiziell Europa erreichen gibt es am Nachmittag eine Atlantic Crossing Celebration Party. Die erfolgreiche und sichere Überquerung soll gefeiert werden. Alle (1120 Passagiere) sind eingeladen, viele sind in Abendgarderobe, da gleichzeitig auch formal night angesagt ist. Wir feiern von Deck 8 aus. Die Party-Band spielt, es gibt ein Glas Sekt (und wenn man die Kellner noch einmal trifft, dann noch ein Glas), der Kapitän und die anderen Offiziere (the Stripes) halten jeweils ein Grußwort auf der Showtreppe und dann geht der Countdown los. Bei null werden die Ballons heruntergelassen, Cracker mit buntem Flitter werden geknallt, alle stoßen auf die Ankunft in Europa an. Auf der Tanzfläche startet ein Kindergeburtstag, die älteren Herrschaften treten mit Wonne auf die Luftballons, um sie platzen zu lassen. Den Rest erledigt anschließend das Putzgeschwader mit Besen, Feger und Staubsauger. Nach einer halben Stunde ist von dem Fest nichts mehr zu sehen, alle widmen sich dem Abendessen.

Und wenn nur wenig Wolken da sind, sind die Sonnenuntergänge auf dem Atlantik spektakulär, das Foto gibt den Wow!-Faktor nur unzureichend wieder.

Auf dem Atlantik… und plötzlich Bermudas, cruise day 8-10 (Jewel of the Seas, 2022)

Vor uns liegen jetzt sieben Tage nur auf dem Atlantik, und es wird einfach nie langweilig. Notfalls könnte man ja immer noch mal zwischendurch schlafen, denn insgesamt fünf Nächte sind jeweils eine Stunde kürzer, damit wir die europäischen Zeitzonen rechtzeitig erreichen. Außer Schlafen und Essen (egal, wann, was und wo man isst, es ist immer sehr, sehr gut) gibt es jede Menge Programm.

Vormittags kann man sich unter anderem künstlerisch betätigen. Ich besuche in der Schooner Bar eine jewelry making class. Der Anleiter (ja, ein Mann, hilft nicht wirklich) bringt jede Menge Material mit, wobei nicht alle Päckchen das vollständige Material beinhalten. Das Austeilen dauert sehr lange, da sehr viele Frauen teilnehmen möchten. Das anschließende Erklären, was und wie man etwas machen soll, gestaltet sich auch schwierig, da der Instrukteur mit einem starken spanisch gefärbten Akzent spricht und nicht über das notwendige Fachvokabular im Englischen verfügt – klassische Fehlbesetzung. Die Frauen helfen sich gegenseitig, ich fädele mir ein Armband auf, das geht auch ohne Anleitung und macht Spaß.

Den ganzen Tag über gibt es viele Quizshows, Ratespiele, Live Musik und vieles mehr. Und dann gibt es manchmal private functions, bei denen nur ausgewählte Teilnehmerinnen und Teilnehmer hinein dürfen. Wer möchte da nicht gerne hinein? Wir gehören dazu, da wir sozusagen eine Bonuskarte der Reederei haben. Inzwischen sind wir in eine Stufe aufgestiegen, die uns den Zutritt verschafft, aber auch andere kleine Vergünstigungen. Bei den fünf Freigetränken pro Tag sind wir allerdings noch nicht angekommen. Wir bekommen auf dieser Veranstaltung ein Glas Sekt und erhalten eine Privatvorstellung des argentinischen Tangotanzpaares, das in einer Show am Abend auftritt.

Noch ist das Wetter so schön, dass der Poolbereich gut besucht ist. Allerdings ist es nicht mehr so übervölkert wie auf der Karibik-Fahrt. Wir finden eigentlich immer einen Platz auf den Liegen und lesen, bis das musikverstärkte Animationsprogramm auf der Außenbühne einsetzt. Das ist ein guter Zeitpunkt, sich mit mehr Getränken oder gar Essen zu versorgen.

Abends gucken wir uns das Showprogramm an. Bisher haben wir schon einen polnisch-amerikanischen Multiinstrumentalisten, der vorzüglich elektronisches Vibraphon spielt und dazu eine Kalimba und ein Theramin, gesehen. Die „Barricade Boys“ erfreuen uns bei vierstimmigem Satzgesang und Orchesterbegleitung mit Musicalsongs. Auch die schiffseigne Produktion mit Orchester, Sängern und Tänzern in tollen Kostümen ist ganz gut. Oder wir gehen ins Kino.

Und dann werden wir eines Morgens sehr unsanft durch eine Durchsage vom Kapitän geweckt. Aufgrund eines medizinischen Notfalls müssen wir die Bermudas anlaufen. Auf der Karte ist ein sehr abrupter Kurswechsel zu sehen. Irgendwann in der Nacht drehte das Schiff um 90 Grad von Ost nach Nord.

Um acht Uhr ankern wir vor der Küste Hamiltons. Der Patient muss mit einem Boot übergesetzt werden. Das Ganze dauert länger als gedacht, erst nach drei Stunden fahren wir wieder los. Natürlich spekuliert man, was wohl passiert ist. Aber dazu gibt es keine weiteren Durchsagen, nur, dass alles gut geklappt hat und wir Madeira in der geplanten Zeit erreichen werden. Bei den vielen alten Menschen an Bord muss man wohl mit solchen Zwischenfällen rechnen.

Miami, Florida, cruise day 7 (Jewel of the Seas, 2022)

Als consecutive cruiser, die, die eine Reise nahtlos an die andere hängen, haben wir eine Reihe von Vorteilen. Schon vor einigen Tagen bekamen wir für das Abendessen das Angebot vom Oberkellner, bei der Transatlantik-Überquerung einen Tisch am Fenster zu bekommen. Das haben wir natürlich gern angenommen. Unser Gepäck wird von heute von der alten in die neue Kabine transportiert. Dabei können alle Hemden, Anzüge und Kleider auf den Bügeln hängen bleiben, sehr praktisch. Da wir vor Reisebeginn zum Einchecken wieder einen negativen Covid-Test vorweisen müssen, organisiert das Schiff den Test, der für uns kostenlos ist. Wir haben uns über einen QR-Code registriert und werden einen Tag vorher morgens zum Test gebeten, das Ergebnis erhalten wir abends ausgedruckt (da wir hier kein Internet haben) beim Guest Service.

Am Aus- bzw. erneuten Eincheck-Tag verzögert sich der gesamte Prozess (natürlich, muss man leider sagen). Wir 75 Personen, die „back-to-back“ fahren, warten im oberen Bereich des Restaurants und erhalten Getränke und pastries. Allerdings müssen wir warten, bis alle anderen mehr als anderthalb Tausend Passagiere von Bord gegangen sind, und das dauert. Wir amüsieren uns trotzdem. Vor bereits mehr als zwei Wochen erhielten wir eine Email, in der wir aufgefordert wurden, uns über die unterschiedlichen Einreisebestimmungen der europäischen Häfen zu erkundigen und ggf. die entsprechenden Formulare online auszufüllen. Solche Emails scheinen keinerlei Eindruck auf Amerikaner zu machen, oder aber sie verstehen inhaltlich nicht, was von ihnen erwartet wird. Nun stellt sich heraus, dass Belgien ein ausgefülltes Formular mit einer anschließenden Bestätigung inklusive eines QR-Codes vor Antritt der Kreuzfahrt erwartet. Die Aufregung hier bei den zumeist alten Menschen steigt, auch die Panik, und die sonst so reserviert auftretenden Menschen in den teuren Kabinen beginnen zu schreien.

Nach anderthalb Stunden warten wir immer noch, weil die immigration officers so zügig arbeiten wie sie hier halt arbeiten. Zügiges Arbeiten hat in Amerika eine komplett andere Bedeutung als in Deutschland; die Übersetzungen, die das Wörterbuch anbietet, haben wir in Arbeitszusammenhängen noch nie gehört. „We‘re working hard.“ ist mit „schwer arbeiten“ übrigens komplett falsch übersetzt! Wir warten darauf, dass es keine Warteschlangen mehr gibt, bevor wir hinunter eskortiert werden. Einige Passagiere werden so nervös, dass sie allein losziehen. Wir finden es viel besser, hier in bequemen Sesseln bei Verpflegung auszuharren, als mit Hunderten stehend in einer Halle zu warten.

Dann geht es ganz plötzlich doch los, von Personal eskortiert, im Gänsemarsch, langsam, da die fußlahmen Personen, die nicht im Rollstuhl geschoben werden, das Tempo bestimmen. Und dann wird es komplett surreal!! Unsere lange Schlange läuft irgendwann links an einer geöffneten Tür vorbei, um in die nächste geöffnete Tür hineinzugehen. Dann kommt die Schlange aus der ersten Tür wieder heraus, um denselben Gang weiterzugehen. Da sich an der Kreuzung der zwei Schlangenenden alles komplett mischt, und kurz bevor orientierungslose Menschen den Ablauf komplett durcheinander bringen, wird die restliche Schlange gestoppt (wir), um den ersten Teil durchzulassen, der dann an unserer rechten Seite weiterläuft. Was passiert nun genau hinter den beiden Türen? Die Menschen kommen viel zu schnell wieder heraus. Immerhin haben wir Reisepass, Impfnachweis, negativen Testnachweis, neue Bordkarte und eine kleine Karte in der Hand, die besagt, dass wir in transit sind. Die Auflösung: Dort steht ein Officer, dem wir den geöffneten Reisepass vor das Gesicht halten, zwei Sekunden maximal! Und dann gehen wir wieder aufs Schiff. Das ist lächerlich! Sie lassen 75 Menschen anderthalb Stunden warten, um sie dann innerhalb einer halben Stunde von Bord, ins Gebäude und gleich wieder an Bord zu führen. Der eine Officer hätte auch auf das Schiff kommen können, und wir wären dort an ihm vorbei defiliert. Was für ein unorganisiertes und umständliches Land!

Wir erholen uns beim Lunch, extra für uns 75 Reisende, sitzen dann noch in der Sonne, bis unsere Kabine fertig ist. Wir sind jetzt auf Deck 8, die Kabine ist ein ordentliches Stück größer. Nun kann das relaxte Leben an Bord weitergehen.

Fazit der Atlantiküberquerung mit der QM2 (2022)

Das war nun unsere dritte Atlantiküberquerung, und sie war im Februar genauso herausfordernd vom Wetter her wie im Oktober/November. Insgesamt kommen wir trotzdem, wie geplant, sehr viel entspannter und ausgeruhter in den USA an, kein Jetlag wie beim Flug. Die sechs Stunden Zeitunterschied werden gar nicht wahrgenommen. An sechs von neun Tagen wurden die Uhren nachts um eine Stunde zurückgestellt, das fällt dem Organismus nicht auf, wenn man sowieso ausschlafen kann.

Der Transfer zum bzw. vom Schiff weg wird von Cunard sehr gut organisiert. Deren Website-Präsenz ist jedoch noch ausbaufähig, sie ist nicht gut zu handhaben. Wahrscheinlich buchen die meisten Reisenden (überwiegend sehr alte Menschen) ihre Fahrt immer noch über ein Reisebüro oder direkt telefonisch (die Telefone waren voll ausgelastet, die Zeit in der Warteschleife betrug immer mehr als 10 Minuten, als ich vor Reiseantritt mehrmals dort anrufen musste).

Hat es uns nun gefallen? Schwer zu sagen. Das Essen an Bord war überragend gut. Bei allen anderen Dingen müssen wir Abstriche machen. Die Mehrheit der Passagiere sieht das wahrscheinlich anders, also liegt das Problem wohl eher bei uns. Auf der Wikipedia-Seite der QM2 steht „Die Queen Mary 2 ist das Flaggschiff der Cunard-Flotte und erinnert sowohl in ihrem Erscheinungsbild als auch durch die Gepflogenheiten an Bord an die Transatlantikliner des frühen 20. Jahrhunderts.“

Was das wirklich bedeutet, wurde uns erst nach und nach an Bord klar. Und es wurde auch deutlich, dass das nichts für uns ist. Wir möchten uns nicht in einem living museum aufhalten und ständig den Hauch der glorreichen Vergangenheit einatmen müssen. Auf den ersten Blick ist alles sehr elegant, doch schnell fallen die Alterserscheinungen eines knapp zwanzig Jahre alten Schiffs im Dauerbetrieb auf: durchgesessene Polster, nur mäßig gut ausgeführte Reparaturen in der Kabine, Handläufe, die man nicht gern anfasst. Das steht im krassen Widerspruch zum Image des Luxusschiffs, das auf der Website und auf dem Schiff vermittelt wird.

Vielleicht stellt es sich ganz anders in den Bereichen ab Deck 8 dar, wer weiß. Wir waren ja gebucht in der „Brotklasse“ (mit den günstigen Kabinen der dritten und vierten Klasse für die Immigranten aus Europa verdiente Cunard früher das meiste Geld) und durften uns auch nur in den dazugehörigen Restaurants und Promenadendecks aufhalten. Die allermeisten Passagiere buchen die höherpreisigen (und damit auch höherwertigen?) Außenkabinen ab Deck 8. Viele bleiben nach dieser Überfahrt auch an Bord und reisen in die Karibik weiter, 28 Tage Kreuzfahrt von Southampton und zurück (bzw. 32 Tage von und nach Hamburg). Für uns nicht vorstellbar.

In allen Treppenhäusern und Gängen wird auf großen Tafeln die Geschichte der Cunard Line und ihrer großartigen Schiffe und deren großartigen Kapitäne und ihren illustren Gästen dargestellt. Die dargestellte Geschichte endet in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Wie es die Tradition auch gebietet, hängen überall Porträts der königlichen Familie. Ebenso werden Trophäen und Memorabilia ausgestellt. Wir leben inzwischen im 21. Jahrhundert, davon würde man auf dem Schiff nichts bemerken (es sei denn, man kauft das Internet-Paket, das nicht zuverlässig funktioniert).

Die Kellner wechseln zu jeder Mahlzeit ihre Livreen, der Afternoon Tea wird sogar mit weißen Handschuhen serviert. Im Gegensatz dazu steht die Qualität des Services. Die Aufmerksamkeit hängt stark von der Einzelperson ab und ist nicht überall gleich hoch, was manchmal sehr irritiert. Der Afternoon Tea im Queens Room, der jeden Tag um 15:30 Uhr stattfindet, war ernüchternd. Die Sessel stehen eng an eng, die Kellner müssen sich mit ihren Tabletts ordentlich durchquetschen.

Das Essen wird nicht auf Etageren serviert, die Kellner kommen für die einzelnen Gänge mit Tabletts vorbei. Der Tee wird aus großen Kannen nachgeschenkt, wenn denn ein Kellner mit voller Kanne vorbei kommt. Nach jeweils anderthalb Runden mit den drei Tabletts (Sandwiches, Scones, Süßes) wird damit begonnen, die ersten Tische abzuräumen (nach einer halben Stunde). Das Ganze ist in keinerlei Weise stilvoll, sondern eine notwendige Massenabfertigung. Wir waren nur einmal dabei.

Wir möchten nicht noch einmal in einem Museum mit staubigen Traditionen und einer großen geriatrischen Abteilung fahren, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Den Atlantik weiterhin mit dem Schiff und nicht mit dem Flugzeug überqueren, wenn es die Zeit zulässt, das wollen wir schon, auch wenn es eine Herausforderung für das Gleichgewichtsorgan darstellt.

On Sea, Day 9 (Cruise Queen Mary 2)

Nun ist die Überfahrt bald zuende. Die Zeichen mehren sich. Nach dem Frühstück steht der zweite obligatorische Antigen-Test (mit Attest, das dann später bei der Einreise gar nicht kontrolliert wird) an. Gestern kamen schon die Kofferanhänger und die Anweisungen für das Einreisen in die USA. Die aus der Bibliothek ausgeliehenen Bücher müssen zurück.

Es fühlt sich schon ein bisschen komisch an, alles nun ein letztes Mal zu machen, beginnend mit dem Frühstück im Restaurant. Endlich kann ich wieder alles essen, das Schiff fährt ruhig, der Sturm ist vorbei. Allerdings haben wir durch das Umfahren der Stürme Zeit verloren. Wir segeln zwar jetzt mit 25 Knoten im Schnitt, werden aber trotzdem mit drei Stunden Verspätung in New York ankommen. Wir finden das nicht schlimm, so können wir morgen doch noch in Ruhe im Restaurant frühstücken (doch nicht heute das letzte Mal).

Nachmittags packen wir das meiste ein (die Koffer sollen möglichst früh zum Abholen auf den Gang gestellt werden), anschließend trinken wir die Flasche Premium-Sekt aus der Minibar (375ml, complementary) beim Film gucken in der Kabine. Dann geht es vier Runden spazieren ums Schiff bei Sonnenschein und Wind auf dem Promenadendeck, bevor wir uns wieder dem Essen widmen.

Am Abend hören wir im Golden Lion Pub bei Whisky bzw. Guinness Livemusik von Shane und Cameron. Die anschließende Tanzshow auf der Theaterbühne beginnt schon so piefig, die alten Zeiten beschwörend und uninspiriert, dass wir sie nach zwei Nummern wieder verlassen. Im Pub findet in der Zeit ein Musik-Trivia-Spiel mit dem Schiffs-DJ (im Anzug) um eine Flasche Weißwein statt.

Das gesamte Unterhaltungsprogramm (Shows, Vorträge, Animationen, klassische Musik, Jazzmusik) auf dem Schiff ist handwerklich wirklich ordentlich, aber für unsere Ansprüche (Sind sie zu hoch?) einfach zu unambitioniert, zu simpel, zu sehr auf altes Publikum zugeschnitten. Das ist enttäuschend, denn auf den Schiffen von Royal Caribbean haben wir es anders erlebt. Morgen ist es zuende, ist auch nicht weiter schlimm.

On Sea, Day 6 – 8 (Cruise Queen Mary 2)

In der folgenden Nacht ist das Schiff extra langsamer und mit ausgefahrenen Stabilisatoren gefahren. Wir passieren das nächste Sturmzentrum zwar 500 Kilometer südlich, geraten aber in den ca. 1000 Kilometer langen Ausläufer. Wenn soweit weg der Wellengang so heftig war, dann möchte ich nicht da sein, wo der Sturm an Land fällt. Kein Wunder, dass sie in Irland und Wales entsprechende Vorsichtsmaßnahmen ergriffen haben.

Heute steht der erste von zwei Antigentests an, die wir für die Einreise in die USA benötigen. Dieser ist noch kostenlos, da kein Attest ausgestellt wird. Der zweite mit Attest kostet dann 25 $ pro Person, und beide Tests sind verpflichtend zu machen. Wir verzichten auf das Frühstück und reihen uns in die lange Warteschlange ein. Sie mäandert vom Flur aus durch die Kunstgalerie mit ihren dekorativen, aber künstlerisch wenig aussagekräftigen Werken hin zum Queens Room, wo auf der Tanzfläche sechs mobile Teststände aufgebaut sind. Wenn die Lautsprecheranlage später Paare namentlich bittet, in ihre Kabine zurückzukehren und purser‘s desk anzurufen (hab ich zweimal gehört), dann ist der Schnelltest wohl positiv. Alles wird hier sehr professionell und diskret gehandhabt.

Das lange Anstehen bei dem Wellengang ist so anstrengend, dass ich für den Rest des Tages ebenfalls auf die meisten Mahlzeiten verzichte. Am nächsten Tag ist der Wellengang zuerst nur noch drei bis vier Meter hoch, wird aber zum Abend hin stärker, das dritte Tiefdruckgebiet naht. Um die Mittagszeit herum befinden wir uns auf einer Höhe mit der Normandie südlich der Ostspitze Neufundlands in zwanzig Grad warmen Wasser und haben etwas mehr als die Hälfte der Atlantiküberquerung geschafft. Ab und zu essen wir, aber die meiste Zeit bleiben wir in unserer Kabine, lesen, gucken Filme oder schlafen.

Der fünfte Sturmtag beginnt morgens um sechs Uhr mit dem Passieren der letzten Ruhestätte der Titanic, etwa 40 Seemeilen südlich davon. Ein komisches Gefühl, da wir immer noch in sehr unruhigen Gewässern unterwegs sind. Wir haben inzwischen das dritte Tiefdruckgebiet erreicht. Der Kapitän versucht, auch dieses südlich zu umfahren, aber die Ausläufer sorgen für Orkanböen und rauhe See.

Das Wasser in den Pools ist inzwischen abgelassen worden, die Restaurants sind spärlich besucht, Tanzshows und Planetariumsvorführungen werden weiterhin abgesagt, die Außendecks bleiben abgeschlossen, obwohl wir dort 18 Grad hätten, Frühling, Golfstrom! Wir vertreiben uns die Zeit weiterhin mit dem Lesen dicker Schmöker vorwiegend im Bett, Essen ab und zu, Kinofilm im Fernsehen gucken und auch mal schlummern. So gehen die Tage herum.

On Sea, Day 4 – 5 (Cruise Queen Mary 2)

Mit dem Passieren der Western Rocks haben wir offiziell den Atlantik erreicht. Ich weiß wirklich sehr viel über Großbritannien, aber von den Western Rocks habe ich noch nie etwas gehört. Die Handvoll Felsen liegen westlich von Land’s End, und einige davon sind tatsächlich bewohnt. Nun fahren wir etwas weiter südlich als geplant, um den insgesamt drei stürmischen Tiefdruckgebieten über dem Atlantik auszuweichen. Der Seegang ist zunächst noch moderat, im weiteren gibt es Wellen bis zu 7 Meter hoch. Die Queen Mary 2 ist für diese Anforderungen konzipiert worden, Rumpf und Aufbauten bestehen ausschließlich aus Stahl. So liegt das Schiff relativ ruhig im Wasser. Aber eben nur relativ, je höher man sich aufhält, desto schaukeliger. Das Frühstück auf Deck 2 ist gut auszuhalten, lesen mittschiffs auf Deck 7 schon weniger, lesen in der Bibliothek vorne auf Deck 8 gar nicht. Am besten geht es im Liegen in der Kabine. Dann kann man auch immer mal schlafen.

Am nächsten Morgen (day 5) erscheinen schon weniger Personen zum Frühstück. Etliche der ca. 1400 Passagiere (Eigentlich fasst die Queen Mary 2 gut 3.000 Passagiere, wegen Covid-19 dürfen noch nicht so viele an Bord; allerdings ist die Besatzung von ca. 1300 Personen vollzählig an Bord.) bleiben auf ihren Kabinen. Das mit Teak ausgelegte Bootsdeck, auf dem man in zwei Runden 1,1 Meilen zurücklegen kann, ist wegen des starken Windes mit Böen von 8 bis 9 gesperrt.

Wir finden dennoch einen Weg, ein bisschen an die frische Luft zu kommen. Wir gehen zu den Hundezwingern auf Deck 12 (ja, es fahren auch Hunde und Katzen mit). Da kann nicht abgeschlossen sein, denn die Hunde benötigen ja Auslauf. Von dort aus kommen wir achtern über die Treppen bis auf Deck 7 hinunter.

In den Swimmingpools kann man im Kleinen sehr gut die Höhe des Wellengangs erkennen, das Wasser schwappt ordentlich in dem Becken. Da wir um die Mittagszeit draußen sind, können wir auch die vier Schiffshörner tuten hören, die, wenn auf See, immer um diese Zeit getestet werden. Eines der Typhone stammt noch vom Schiff Queen Mary. Hier wird viel Wert auf die Traditionen gelegt. Immerhin ist es so umgebaut worden, dass es nicht mehr mit Dampf betrieben wird.

Es ist nicht gemütlich genug für einen längeren Aufenthalt draußen. Alle Außentüren auf Deck 7 sind tatsächlich abgeschlossen, nicht nur mit einem Absperrband innen gesperrt. Wir müssen auf Deck 8 steigen und finden dort die zweite Möglichkeit, auch bei Sturm hinaus zu kommen: als Raucher-in. Draußen sind es angenehme 15 Grad, sowohl Luft als auch Wasser (sagt der Kapitän), aber es schauert doch ab und an aus den Wolken. Wir nähern uns dem Tiefdruckgebiet Eunice (Zeynap in Deutschland) vor uns mit knapp 20 Knoten. In Wales haben sie schon den Zugverkehr für den nächsten Tag abgesagt, wenn der Sturm dort auf das Land fällt.

Wir befinden uns im Moment auf der Höhe von Kap Finistere in Nordspanien und halten Kurs auf die Südspitze von Neufundland. Am Abend geht es mir wirklich nicht mehr gut, das Schaukeln im Kino gibt meinem Magen den Rest. Das angekündigte Tiefdruckgebiet hat uns erwischt, wenn auch nur am Rand. Das reicht schon vollkommen aus. Kay sieht den Film ganz an und freut sich dann auch, dass er sich hinlegen kann.

Southampton (UK), Day 3 (Cruise Queen Mary 2)

Heute müssen wir früh aufstehen, um uns noch vor dem Frühstück mit Reisepass der britischen Passkontrolle in persona zu präsentieren. Einmal kurz die Maske abnehmen, ein Blick in die Papiere und schon haben wir die kleine grüne Karte in der Hand, die es uns erlaubt, später an Land zu gehen. Die digitale Anmeldung (passenger locator form) mussten wir schon vor Fahrtantritt zuhause ausfüllen.

Nach dem Frühstück kommen wir auf unserem Weg zur Gangway an diesem traditionellen roten englischen Briefkasten vorbei. Die Queen Mary 2 heißt mit vollem Namen RMS Queen Mary 2, wobei die Abkürzung für Royal Mail Ship steht. Sie befördert immer noch Post der britischen Royal Mail. Wenn man die passenden Briefmarken dabei hätte, könnte man also etwas in den Briefkasten hineinwerfen.

Wir werden von einem Doppeldecker-Shuttlebus zum West Quai Shopping Centre gebracht, in dem die meisten Mitreisenden schnell verschwinden. Kein Wunder, es regnet. Wir wollen auch ein bisschen shoppen, besuchen aber zunächst die City Art Gallery und genießen die Kunst aus den Sammlungen. Die nächste Sonderausstellung wird leider noch aufgebaut.

Danach ist der Regen eher stärker geworden, wir trocknen uns in einem Café mit Wifi, um gleichzeitig den letzten Beitrag von Europa aus zu posten. Anschließend bummeln wir durch einige charity shops, von denen es weniger gibt als noch vor sechs Jahren. Wir entdecken die ersten starken Anzeichen vom bevorstehenden Frühling, zumindest hier in der Nähe des Golfstroms.

Der Regen hört einfach nicht auf, wir gehen früher als gedacht zurück zur Bushaltestelle des Shuttles. Wir durchqueren das West Quay Shopping-Center, aber auch dort es hält uns nicht weiter. Wir lassen uns zum Schiff zurückfahren.

Während wir zu Abend essen, bricht das Schiff zu seiner 336. Transatlantiküberquerung auf. Die Lichter des Hafens ziehen an uns vorbei, wir genießen dabei das sehr gute Essen. Danach ist Showtime: Zuerst erfreuen uns die MacDonald Bros. mit (im weitesten Sinne) schottisch-irischer Musik, danach gehen wir wieder ins Kino und gucken uns The Protégé an. Die Liveauftritte an Bord sind alle handwerklich gut, das Repertoire allerdings für den sehr breiten Massengeschmack. Ein bisschen etwas hören und sehen wir uns immer an, aber wir bleiben nie lang an einem Ort.

On Sea, Valentine’s Day, Day 2 (Cruise Queen Mary 2)

Das Schiff fährt wunderbar ruhig durch die Nordsee Richtung Großbritannien und ist nur mäßig ausgelastet, rund 300 Passagiere sind in Hamburg zugestiegen. Die anderen haben einen Kurztrip von Southampton nach Hamburg (Was macht man an einem Sonntag in Hamburg, wenn die meisten Personen Shopping als Freizeitbeschäftigung ansehen?) und zurück gebucht und werden am nächsten Tag wieder aussteigen. Wir nutzen die Schiffsreise als das, was es bis kurz vor unserer Geburt einmal war, die einzige Möglichkeit, von Europa nach Amerika zu kommen. Von den Schiffen, die heute noch über den Atlantik fahren, ist die Queen Mary 2 der einzig verbliebene echte Transatlantikliner, weil als solcher gebaut.

Das Frühstück wird unter anderem à la carte im Britannia Restaurant serviert. Wir bekommen einen Fensterplatz und genießen die große und sehr leckere Auswahl an Speisen.

Anschließend suchen wir uns einen ruhigen Platz um zu lesen. Schon gestern haben wir uns Bücher aus der beeindruckenden Bibliothek ausgeliehen, auch so ein Ort, der nicht einfach zu erreichen ist. Es gibt unglaublich viele Bücherschränke, deren Glastüren alle am Abend wieder geschlossen werden, dazu Sofas und Sessel in quiet zones zum Lesen, aber auch Computerarbeitsplätze.

Wir finden zuerst einen Platz am Rande der Selbstbedienungsrestaurants. Das hat den Vorteil, dass man auch etwas zu trinken bekommen kann, wenn ein Kellner vorbei kommt. Wegen Covid-19 darf man sich nichts mehr selbst nehmen. Der Nachteil ist, gerade beim Lesen, dass es sehr unruhig ist. Je näher lunchtime rückt, desto lauter wird es. Auf dem Büffet steht heute am Valentinstag das Süße im Mittelpunkt. Die Arbeit der Patisserie-Abteilung ist fantastisch. Alle fotografieren, auch der Chef selbst.

Wir nutzen die Chance und essen noch das eine oder andere Teilchen und suchen uns anschließend einen neuen Platz zum Lesen.

Den finden wir in der Bibliothek mit Blick auf das Meer. Hier bleiben wir etliche Stunden, bis es Zeit wird, sich für das erste Galadinner der Reise umzuziehen. Wegen Wartungsarbeiten musste für zwei Stunden das Wasser auf einigen Decks abgestellt werden. Leider gab es keine Anweisung, wie anschließend wieder heißes Wasser aus der Dusche kommt. Auch findet sich das versprochene Kärtchen mit unserer Tischnummer für das nahende Abendessen nicht. Nun haben wir eine luxuriöse Überfahrt mit dem Flaggschiff der traditionsreichen Cunard Line gebucht. Der Preis ist hoch und damit auch die Erwartungen an die Leistung.

Die Diskrepanz empfinden wir inzwischen als viel zu hoch und laden unseren Frust am purser‘s office ab. Am Ende hat der sehr geduldige Steward uns einen (wieder nur vorläufigen) Tisch im Restaurant (und zur späteren Zeit) gebucht, den Installateur angerufen (Wasser fünf Minuten laufen lassen) und unsere aufgebrachten Nerven mit zwei Flaschen Wein auf Schiffskosten beruhigt. Die Queen Mary 2 besitzt mit 17.000 Flaschen/ 200 Sorten den weltweit größten Weinkeller, der an Bord eines Schiffes zu finden ist. Da fallen zwei Flaschen weniger auch nicht auf.

Das exzellente Dinner (jetzt mit Tischwein) und die anschließende Show im Theater versöhnen uns wieder mit der Schiffswelt hier. Wir beschließen, von nun an die Dinge so hinzunehmen, wie sie uns erscheinen und das Schöne, das wir erleben, zu genießen. So schläft es sich gleich viel besser ein.

Hamburg Fortsetzung, Day 1 (Cruise Queen Mary 2)

Der vorherige Bericht bildet die ersten Erlebnisse an Bord nur unzureichend ab, daher kommt jetzt eine ausführlichere Schilderung. Unsere Kabine ist in der Tat an etlichen Stellen etwas abgewohnt. Das Schiff ist seit 2004 in Betrieb. Ich hätte erwartet, dass man bei einer solch traditionsreichen Linie wie Cunard mehr Wert auf ein makelloses Erscheinungsbild legen würde. Vor allem, weil die glorreiche Vergangenheit hier auf Schritt und Tritt thematisiert und bebildert wird.

Der erste Abend im Restaurant beginnt weniger erfreulich. Auf einem Kärtchen in unserer Kabine stand die Tischnummer für die gesamte Überfahrt. Zur angegebenen Zeit erscheinen wir am Eingang, zeigen die Karte vor und werden von einem Kellner zu unserem Tisch begleitet. Nur war der leider schon von einem anderen Paar besetzt, was eigentlich bei einem computergestützten Buchungssystem nicht möglich sein sollte. Wir werden gebeten, ein wenig zu warten, bis das Problem gelöst wäre.

Da stehen wir nun inmitten herumflitzender Kellner und speisender Gäste und stehen und stehen. Eine geschlagene Viertelstunde lang! Das ist gar kein gutes Gefühl. Am Ende findet sich ein Tisch (Wieso kann es so lange dauern bei dem computergestützten Buchungssystem?), und das Essen, wir entscheiden uns für vier von fünf möglichen Gängen, ist sehr, sehr gut. Das Bild zeigt den Appetizer. Zum Abschluss gibt es Kaffee und Petit Four und das Versprechen, dass das Tischproblem gelöst werden würde.

Auf dem Weg ins Kino im Planetarium kommen wir an den verschiedenen Bars und Lounges vorbei, in denen Livemusik aller Art dargeboten wird. An einigen kommen wir auch mehrmals vorbei, denn die Navigation auf dem Schiff fällt uns noch nicht leicht. Im Moment sieht alles noch ähnlich aus, besonders die insgesamt vier Treppenhäuser. Die müssen jedoch unbedingt unterschieden werden, um bestimmte Bereiche des Schiffes erreichen zu können. Wir sind aber rechtzeitig genug da, genießen noch etwas die Ruhe und dann eine Kinovorführung von F9 – the Fast Saga für uns ganz allein in dem großen Saal.

Der erste Tag an Bord endet dann doch ganz versöhnlich, die Kabine ist bei Rückkehr schon bettfertig gemacht, inklusive ein Stückchen Godiva-Schokolade, und wir schlafen sehr gut.