Quinta Magnólia, Funchal (Madeira 22)

In Funchal und Umgebung gibt es viele tolle Gärten, die man besichtigen kann, die meisten nur gegen Eintritt. Die Quinta Magnólia kostet keinen Eintritt, da die Anlage eine öffentliche Freizeiteinrichtung mit Sportanlagen (Tennis und Squash, ein putting green), Kinderspielplatz, Cafeteria, unterschiedlichen Gärten und Wegen ist. Nach der Renovierung 2019 befindet sich im Haupthaus eine neue Galerie für Kunst mit wechselnden Ausstellungen.

Erbaut wurde die Quinta Anfang des 19. Jahrhunderts von Howard March, einem amerikanischen Kaufmann und Konsul, bevor sie in den 1930er Jahren vom British Country Club übernommen wurde. 1980 übernahm die Regionalregierung das Gebäude und machte Garten und Park der Öffentlichkeit zugänglich. Zeitweise befand sich hier die Hotelfachschule, in die man Punkt 13 Uhr zum Mittagessen erscheinen konnte. Die sogenannte Ausländerbibliothek, die hier laut Reiseführer sein soll, konnten wir nicht finden. Es gab oder gibt hier aber eine Bibliothek für Fremdsprachen. Der Rosengarten ist nach der ehemaligen Leiterin der Bibliothek benannt worden.

Im Januar blühen noch einige Rosen.

Im August 2019 wurde die gesamte, ca. 40.000 Quadratmetern große Anlage nach einer umfassenden Renovierung wieder eröffnet.

Der weitläufige Rasen bedeckt einen Großteil der Quinta.

Im Januar blüht nur etwa ein Drittel der Pflanzenarten auf Madeira, die im Mai zum berühmten Blumenfest in Blüte stehen, aber einige Blumen finden wir zum Fotografieren.

Am beeindruckendsten sind allerdings die zum Teil sehr alten, exotischen Bäume, von denen wir einige in wesentlich kleinerer Ausgabe aus den heimischen Wohnzimmern und Wintergärten kennen. Wie alt wohl einige Exemplare sind, bei der Höhe und der Stammdicke?

Im Haupthaus gibt es eine Ausstellung (O Espólio) mit Werken des madeirischen Künstlers António Aragão (1921-2008). Hinein geht es nach dem bereits bekannten Procedere (Impfnachweis, Testergebnis, Fieber messen).

Dann schaltet die Aufsicht erst einmal alle Lampen ein und geht mit uns nach oben. Wir besichtigen die Exponate von Raum zu Raum, die Aufsicht folgt uns ebenfalls von Raum zu Raum.

Am Ende gehen wir wieder nach unten, und die Aufsicht schaltet alle Lampen wieder aus. Der Mann, der sie unten am Tresen vertreten hat, bittet uns, etwas ins Gästebuch zu schreiben. Er kann ein paar Wörter auf deutsch, da er wohl an einem Austauschprogramm in der DDR teilgenommen hatte. So genau ist es aufgrund des starken Akzents im Englischen nicht zu verstehen.

Am Abend findet noch ein soziales Event statt, irgendetwas mit Bezug zum Motorsport. Es wird entsprechend aufgebaut.

MUDAS – Museu de Arte Contemporânea da Madeira (Madeira 22)

Die Stadt Funchal veranstaltete in den Jahren 1966 und 1967 Wettbewerbe für plastische Kunst. Die dort eingereichten Kunstwerke bildeten den Kernbestand einer zunächst städtischen Sammlung, die mit weiteren Ankäufen der Regionalregierung seit 1986 in der Quinta Magnólia in Funchal ausgestellt wurden. 1992 zog die Sammlung in die von der Militärverwaltung übernommen Festung São Tiago um, das Museum für zeitgenössische Kunst wurde gegründet. 2015 zog das Museum in den bereits 2004 eingeweihten und preisgekrönten Neubau von Pablo David in Calheta ein.

Das Bauprojekt umschloss damals nicht nur den spektakulären Neubau, sondern auch die Renovierung des vorhandenen Gebäudes aus dem 16. Jahrhundert, das bereits als Haus der Kultur genutzt wurde.

Mit dem Neubau steht nun eine überdachte Fläche von 12.000 Quadratmetern für die Kunst zur Verfügung. Man nähert sich dem Eingang des Museums quasi vom Dach aus und hat das Gefühl, hoch über dem Atlantik zu schweben.

Die einzelnen, als Kuben gestalteten Ausstellungsräume sind mit Basalt verkleidet und bilden die oberste (Erdgeschoss) von insgesamt vier Etagen (werden mit einem – davor bezeichnet: -1 etc.). Sie erinnern an die tiefen Schluchten, von denen es hier auf der Insel viele gibt.

Wir zeigen unsere Impfnachweise und Schnelltests vor, bekommen Fieber gemessen, zahlen 4€ Eintritt pro Person und bekommen zwei Sonderausstellungen, einen Einblick in die ständige Sammlung, großartige Räume und spektakuläre Ausblicke zu sehen. Alle Eindrücke sind im folgenden thematisch zusammengefasst.

Der Besuch ist die lange Anreise per Bus definitiv wert gewesen, ein tolles Gebäude mit spannenden Exponaten. Das Herrenhaus ist leider geschlossen, als wir wieder an die Erdoberfläche zurückkehren. Dann machen wir jetzt eine Mittagspause. Unsere Hotelküche hat uns extra ein Lunchpaket für den Ausflug zusammengestellt, mit Kakao, Sandwiches, Eiern, Bananen und Apfel und zwei kleinen süßen Törtchen. So nett und so lecker, da stört auch der stürmische Wind nicht beim Verzehr.

Ein ungeplanter Ausflug nach Ribeira Brava (Madeira 22)

Nun sind wir also in dieser kleinen Handelsstadt gelandet, die an der Mündung des namensgebenden Flusses liegt. Was machen wir nun? Erst einmal gehen wir zur Strandpromenade, setzen uns ins erstbeste Café und lassen bei einem Espresso den Schock sacken. Der Name Ribeira Brava bedeutet ‚wilder Fluss‘. Er sieht überhaupt nicht so aus in seinem Betonbett, hat aber in der Vergangenheit so manches Haus in seinen Fluten mitgerissen, wenn es starke Regenfälle in den Bergen gibt.

Vor der Promenade liegt der typische schwarze Strand, vom Meer geschützt durch eine gewaltige Anlage von Wellenbrechern. Auf die kann man ja mal hinauf steigen. Gesagt, getan. Die Betonklötze sind viel, viel größer und steiler als gedacht, und wir sind ja keine jungen Hüpfer mehr. Die Betonklötze sollen ja auch das Meer abhalten. Der Blick von oben ist prima.

Blick auf den Leuchtturm, hinter dem Felsen liegt der Hafen, rechts im Bild die Betonklötze.

Zurück auf der Promenade finden wir die Touristinformation in einem alten Wachturm, den man auch besteigen kann. Der datiert noch aus der Zeit der Piratenüberfälle auf die Insel. Später diente er als Gefängnis. Doch die Zellen im Keller sind inzwischen zugeschüttet worden.

Sehr enge und niedrige Wendeltreppe, sehr kleine Tür auf sehr stummeligem Turm, keine Piraten in Sicht!

Ich erhalte jede Menge Informationsmaterial und die kompletten Busfahrpläne der Insel. Die nette Frau versucht noch, eine Busverbindung nach São Vicente zu finden, kann aber auch nur konstatieren, dass es nahezu unmöglich ist, den Ort an ein und demselben Tag mit dem Bus zu erreichen und auch wieder zu verlassen. Dann steigen wir über eine Wendeltreppe an der Felswand hoch zum farol. Die mit Kieseln gepflasterte Treppe führt bis zum Leuchtturm. Von dort hat man einen schönen Blick auf die Innenstadt.

Dann wandern wir entlang der neu angelegten Promenade (gut angelegtes EU-Geld) immer am Wasser entlang Richtung Westen bis zum nächsten kleinen Ort, Tabúa. An drei Stellen ist der Weg überdacht, damit man vor eventuellem Steinschlag geschützt ist.

Das Rathaus mit seinem auffälligen rosa Putz ist in einem ehemaligen Landhaus untergebracht, das von einem kleinen Park umgeben ist. Hier kann man sich gut ein Weilchen ausruhen und den Schatten unter den alten Gummibäumen genießen.

Die Kirche Igreja de São Bento gehört zu den ältesten Kirchen auf Madeira und zeugt mit ihrer Innenausstattung vom damaligen Reichtum der Stadt. Während der Mittagspause ist sie geschlossen, und die Pause dauert an, solange wir in der Stadt sind. So können wir sie nur von außen bewundern, mit ihrer Turmspitze aus blauen und weißen Kacheln, gekrönt von der symbolischen Darstellung einer Armillarsphäre, früher Weltmaschine genannt. Man findet die Armillarsphäre auch in der portugiesischen Flagge als Hinweis auf die Seefahrertradition.

Die weißen Punkte, die sich im Hintergrund den Hang hinauf schlängeln, markieren übrigens die Straße, über die wir ins Tal gekommen sind.

Gegenüber der Kirche befindet sich ein Relief, das an ein örtliches Wunder erinnert. Als wieder einmal der Fluss über die Ufer zu treten drohte, trugen die Bewohner die Statue des heiligen Benedikt in einer Prozession zum Fluss und der Priester warf den Bischofsstab der Statue in die tosenden Fluten. Der Ort entging der Überschwemmung und der Stab wurde später 500 Meter entfernt auf dem Kirchplatz liegend gefunden. Dies konnte nur das Werk des Heiligen Benedikt gewesen sein. Jedes Jahr zu seinen Fest am 11. Juli legt die Prozession einen Stopp an der Stelle ein.

Auch das Volkskundliche Museum Madeiras, das sich in Ribeira Brava befindet, können wir nicht besuchen. Das hat geöffnet, aber es gilt die 2G+-Regel. Wir sind zwar geboostert, haben aber keinen aktuellen Testnachweis. Die Schlange vor den Test-Hütten an der Promenade ist lang und wird die ganze Zeit nicht kürzer. So muss auch das Museum unbesucht bleiben. Wir gehen zurück zur Promenade, essen ein Käsesandwich und gehen zurück zum Bus.

Auf der Rückfahrt erhalten wir schöne Ausblicke auf Câmara de Lobos, Funchal und Umgebung. Für die Nerven ist es manchmal allerdings beruhigender, auf die Felswand zu schauen und nicht bergab.

Wanderung nach Funchal (Madeira 21)

Wir starten bei strahlendem Sonnenschein am Hafen von Câmara de Lobos und wandern Richtung Osten. Der Weg nach Funchal führt immer am Wasser entlang, das haben wir bereits bei unserem ersten Besichtigungsspaziergang hier gesehen. Die Beinmuskeln haben sich nach der Kap-Bezwingung noch nicht ganz wieder erholt.

Schon bald sind wir in São Martinho. Hier wird gerade Flüssiggas verladen, Stickstoff wabert über den Boden. In den drei Türmen dahinter wird Zement, der vom portugiesischen Festland per Schiff kommt, eingelagert. Für die vielen (Hotel-) Neubauten, aber auch für den Küstenschutz wird viel davon benötigt.

Riesige Betonquader schützen die Küste, hier vor Câmara de Lobos.

Weiter geht es, gemeinsam mit anderen Spaziergängern und Joggerinnen, auf dem sehr angenehm verlaufenden Weg am bzw. über dem Wasser.

Im Hintergrund sind schon die unzähligen Hotelanlagen Funchals zu sehen. Wir kommen an einem Strandabschnitt vorbei, der nach unseren Vorstellungen tatsächlich ein Sandstrand ist, nur eben ganz in schwarz.

Wer hier einen endlosen gelben Sandstrand sucht, wird es vergeblich tun. Den findet man nur auf Porto Santo, man kommt mit dem Schiff von Funchal aus dahin.

Wir treffen auf die ersten Strandbars. Doch für eine Pause ist es noch zu früh, wir sind ja erst eine gute halbe Stunde unterwegs.

Bald darauf ist der Weg direkt am Wasser zu Ende, wir gehen hoch zur Bebauung. Und dann, oh nein, sagen die Waden, kommt die erste Treppe.

Natürlich macht sie eine Kehre, um danach weiter aufwärts zu führen. Die Wadenmuskeln schreien leise, aber vernehmlich, auf.

Als wir um die nächste Ecke biegen, wird klar, dass das rot-weiße Flatterband, das sich vorher dekorativ am Boden entlang schlängelte (auf der einen Seite am Eisengeländer, auf der anderen Seite an einem dicken Schilfhalm befestigt, der ebenfalls auf der Erde liegt; er steckte wohl mal in einem Loch in der gegenüberliegenden Wand), doch etwas zu bedeuten hat.

Das nächste Flatterband ist quer über den Weg gespannt, doppelt sogar. Nicht nur wir, auch die beiden einheimischen Joggerinnen, sind etwas konsterniert. Aber umdrehen ist keine Option, dafür sorgen schon die sich zusammenkrampfenden Muskeln. Gemeinsam pfeifen, rufen, klatschen wir vier in die Hände, doch die Maschinen sind lauter. Wir klettern unter dem Flatterband hindurch, die Madeirenserinnen fragen, ob wir passieren können – na klar, so tiefenentspannt, wie hier alle sind – und schon befinden wir uns wieder auf dem richtigen Weg.

Der führt uns an großen Anlagen überwiegend mit Eigentumswohnungen vorbei. Vom Landesinnere aus kommt Wetter auf uns zu, später wird auch noch Regen fallen. Wir Norddeutsche würden dieses Naß aber allenfalls als Nieselregen bezeichnet.

Wir kommen an DEM Shoppingparadies vorbei, dem Forum Madeira, die Hälfte des Weges ist geschafft.

Auf der Grenze zum Stadtteil passieren wir das Grandhotel Reid, eine weitläufige Anlage, die rosafarben auf einer Klippe thront. Anlässlich der Wiedereröffnung nach dem zweiten Weltkrieg wurde Churchill zu Promotionszwecken eingeladen, sein Gemälde von Câmara de Lobos begründete dessen Bekannntheit.

Bald darauf erreichen wir das Spielcasino mit angrenzendem Hotel, einem Bau des brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer von 1966, dessen Arbeit wir schon in Le Havre bewundert haben. Hier stand übrigens vorher die Quinta, in der Kaiserin Sissi während ihres Aufenthalts verweilte.

Zuerst machte der europäische Hochadel Madeira als erquicklichen Erholungsort bekannt, bevor dann bald der Geldadel nachzog. Wie schön, dass wir jetzt auch hier sein können.

Und dann endlich, nach knapp 2,5 Stunden und ca. acht Kilometern erreichen wie den Teil Funchals, der auf unserem Gratisstadtplan als Innenstadt vergrößert dargestellt ist.