At sea, cruise day 15 (Anthem, Oktober 2023)

Unser letzter Tag auf See! Wir sind schon fast da, am Ende werden etwas mehr als 5000 nautische Meilen „auf dem Tacho“ stehen. An diesem Morgen haben wir das mit der Zeitumstellung gar nicht richtig hinbekommen.

Wir gehen nach dem Ausschlafen zur Abwechslung ins Silk-Restaurant zum Frühstück. Dort ist ein Buffet aufgebaut, aber man hat feste Plätze, an denen auch der Kaffeenachschub gut funktioniert. Wir freuen uns, dass es so leer ist und wundern uns, als sie uns kurz darauf sagen, dass das Buffet bald abgeräumt wird. Die Auflösung: unsere Uhren zeigen die aktuelle Zeit eine Stunde zu spät an! Macht nichts, wir werden trotzdem satt. Den Rest des Vormittags lesen und schlafen wir. Wir müssen den intensiven Ausflug in Halifax verarbeiten.

Der letzte Tag auf See ist auch der fast letzte Tag unserer Reise. Nach dem Lunch im Windjammer steht das große Kofferpacken auf dem Plan. Alles außer dem Handgepäck muss bis zum Abend vor der Kabinentür stehen, damit es von den fleißigen Arbeitsbienen in der Nacht in den unteren Schiffsbauch geschleppt werden kann. Und einiges muss leider hierbleiben.

Am Abend steht noch einmal eine Show im Theater an. Diesmal ist es eine farewell variety show, unter anderem mit dem amerikanischen comedian Jim David. Das ist tatsächlich richtig lustig.

Er macht diesen Job schon sehr lange auch auf Kreuzfahrtschiffen und verfügt so über eine große Sammlung von Originalunterhaltungen zwischen Passagieren und dem Guest Service. Ein Gast hat sich zum Beispiel einmal über die viel zu langen Flure zur Kabine hin beschwert. Die Frau am Guest Service reagierte sehr souverän mit: „I will take to maintenance about it.“ Oder aber der Passagier, der sich über die unzureichende Matratze und die daraus resultierenden schlaflosen Nächte beschwerte und die Matratze umgehend ausgetauscht haben wollte. Allerdings nicht vor zehn Uhr morgens, denn vorher würde er noch schlafen!

Nach dem Theaterbesuch gehen wir noch einmal auf die andere Seite des Schiffes, um unsere ausgelesenen Bücher zurück in die Library zu bringen. Dort im two70 tritt gerade der Chor auf, alle Mitglieder sind Passagiere, die sich im Laufe der Reise immer einmal wieder zur gemeinsamen Probe mit dem Cruise Director Danny getroffen haben.

Wir hören noch ein bisschen zu, bevor wir uns noch mit Bekannten auf ein letztes Bier im Pub treffen und uns dort von Livemusik des Gitarristen Greg Fiedler unterhalten lassen. Dann geht’s aber auch ins Bett, denn am nächsten Morgen müssen wir schon um acht Uhr die Kabine geräumt haben.

Ankunft Bayonne/ NJ, USA, cruise day 16 (Anthem, Oktober 2023)

Natürlich bekommen wir zu wenig Schlaf! Ich wache davon auf, dass das Schiff so leise ist und schaue aus dem Fenster. Wir drehen uns gerade im Wasser, um rückwärts in Bayonne „einzuparken“. Es ist noch stockfinster und es nieselt, viel ist nicht zu sehen, außer dicken Regenwolken. Ich schlafe noch ein bisschen weiter.

Zum Frühstück, viel zu früh für uns, aber man muss ja etwas essen, gehen wir ins Windjammer. Auf die Idee sind ungefähr tausende Mitreisende auch gekommen. Wir finden nur beim zweiten Mal herumgehen einen Platz an einem Tisch. Dann holen wir unsere restlichen Siebensachen aus der Kabine und gehen ins Theater.

Jersey City, Manhattan und Brooklyn unter Regenwolken

Dort treffen sich um acht Uhr alle, die eine shore excursion gebucht haben. Nach den schlechten Erfahrungen vor acht Jahren hier in Bayonne (das ist eine kleine unbedeutende Stadt von nur rund 72.000 Einwohnern und liegt südlich von Jersey City) haben wir diesmal die ultimative Kombi gebucht: Manhattan‘s Highlights and Transportation to Airport. Unsere schweren Koffer fahren mit uns im Bus und am Ende landen wir automatisch am richtigen Flughafen.

Die Verantwortlichen auf dem Schiff entwerfen immer einen ausgeklügelten Plan, wer wo wartet und wann von Bord geht, damit es keine Staus etc. gibt. Und jedes Mal, wenn wir auf US-amerikanischem Gebiet ankommen, wird der Plan, an den sich alle auf dem Schiff halten, von Custom and Border Protection an Land über den Haufen geworfen.

Also kommen wir nicht um 8 Uhr von Bord, sondern später. Anschließend finden wir unsere Koffer und schlängeln uns aufreizend langsam durch die Halle, in der man natürlich auch nicht fotografieren darf. Ich habe vorher noch Fotos vom Schiff aus gemacht, es hat sich doch deutlich etwas an der Bebauung (vor acht Jahren war hier nichts) getan.

Denen ist es völlig egal, wie lange und wo man vor der Einreise warten muss. Und genügend Personal ist auch nie da, um alle booths zu besetzen. Das geschieht dort unten in der dunkelgrauen Halle.

Diese Skulptur heißt im Volksmund Tear of Grief, offiziell To the Struggle of World Terrorism. Sie ist ein Geschenk der russischen Regierung an die Vereinigten Staaten zum Gedenken an die Opfer des Anschlags vom 11. September 2001. Die zwölf Meter lange Träne aus Stahl, die zwischen den Säulen hängt, ist auf meinem Foto nur schwer zu sehen, falscher Winkel. Unten auf der Bodenplatte sind alle Namen der Opfer eingraviert.

2006 wurde das Denkmal in Gegenwart von Bill Clinton und Wladimir Putin eingeweiht. Im letzten Jahr entfernte die Stadt Bayonne Putins Namen in Folge seines Angriffskrieges gegen die Ukraine.

Als wir dann endlich durch und draußen sind, können wir noch einen letzten Blick auf „unser“Schiff werfen. Schön war die Zeit auf der Anthem of the Seas. Doch das nächste Mal werden wir wieder ein kleineres Schiff buchen.

Wir gehen immer in Richtung wartende Busse, freundliche Menschen weisen uns den Weg. Glücklicherweise warten die gecharterten Busse auf uns, und dann auch noch länger, bis schließlich die letzte gebuchte Person im Bus ist. Los geht’s!

At sea, cruise days 11-12, (Anthem, Oktober 2023)

Nach drei Tagen haben wir uns genügend ausgeruht. Nun können die sportlichen Aktivitäten ausprobiert werden.

Wir gehen (mit den neuen spanischen Sportschuhen) ins Sea Plex (eine zweistöckige indoor-Halle für unterschiedliche Angebote) zum Bogenschießen. Vier Versuche, dann muss man sich wieder in die Schlange der Wartenden einreihen. Aber man rückt zügig wieder vor. Es gibt vier Plätze und der Andrang ist nicht so groß.

Wir versuchen es insgesamt vier oder fünf Mal mit wechselndem Erfolg und großem Spaß. Kay isst am Dog House noch einen Hot Dog, bevor es wieder zu Tee und Beschäftigung auf die Kabine geht. Es ist einfach so schön ruhig dort und wir haben einen Wasserkocher, was will man mehr.

Abends gehen wir rechtzeitig ins Theater, nachdem wir am Nachmittag schon keinen Platz bekamen. Die Mitreisenden scheinen langsam einen Lagerkoller zu bekommen, ihnen fehlt die Abwechslung in der Bespaßung. Wir wollen uns das Musical „We will rock you“ ansehen und vertreiben uns die Dreiviertelstunde des Wartens mit lesen. Die Buchauswahl in der library ist wirklich gut, vor allem, weil alle Reisenden ihre ausgelesenen Taschenbücher ebenfalls dort ablegen. Die Vorstellung von We will rock you ist fantastisch, die Musik sowieso, die Story ist gut ausgedacht und die Kostüme sind sehr schön. Die Sängerinnen und Sänger sowie die Musiker sind supergut. Was für eine gute Unterhaltung!

Am nächsten Tag verbringen wir die meiste Zeit lesend draußen am Heck. Das Wetter ist immer noch schön (18 Grad), es schaukelt etwas stärker als sonst (wir fahren nun ja nach Nordwesten), ich habe wieder meine Armbänder um. Es ist bewölkt, aber ab und zu kommt die Sonne durch. Wir genießen diese großartige Verlängerung des Sommers.

Als ich das ausgelesene Buch zurück in die Bücherei und ein neues mit genommen habe, stelle ich fest, dass meine Lesebrille am Rahmen gebrochen ist. Das ist doof, da ich sie zum Lesen brauche. Ich habe zwar noch eine zweite Brille mit, aber ich möchte die andere trotz repariert haben. Also auf zum Guest Service, aber die geben mir nur die Auskunft, dass Maintenance die Brille aus Sicherheitsgründen nicht kleben darf, da diese Kontakt mit dem Auge hat. Ja, die Brille sitzt bei mir auf der Nase, der Rahmen sitzt nicht im/am/ höchsten in der Nähe des Auges. Was soll’s, sind halt amerikanische Verhältnisse.

In den Shops an Bord gibt es weder Superglue noch Lesebrillen zu kaufen, aber die nette Dame dort versucht immerhin, den Rahmen mit Tesafilm zu kleben. Geht natürlich nicht, aber ich lasse sie trotzdem machen. Meine letzte Hoffnung ist Beni, unser Stateroom Attendent. Er kann tolle Tiere aus Handtüchern falten. Vielleicht kann er mir auch den Kleber besorgen. Dann mache ich es selbst.

Beim Abendessen machen die waiter in ihren flowery shirts wieder eine gute Figur und eine Parade und führen anschließend den Macarena-Tanz für uns auf. Wir tanzen nicht mit, sondern genießen lieber unser zartes Steakfleisch.

Danach geht es wieder ins Royal Theater. Eigentlich steht das Musical wieder auf dem Programm, aber aufgrund technischer Probleme wird es zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

Stattdessen gibt es eine variety show unter dem Titel Anthem‘s got talent. Crew members zeigen ihr Können: viel Gesang, aber auch Jonglage von zwei Barkeepern und eine fantastische Tanzeinlage von einem Menschen, der sonst an den Bügelautomaten arbeitet. Das ist alles sehr unterhaltsam.

At sea, cruise day 5 (Anthem, Oktober 2023)

Die letzten beiden Tage mit Landgängen fordern ihren Tribut: Wir schlafen morgens länger, wir schlafen über Mittag, wir ruhen am Nachmittag. Draußen ist es sonnig und warm, aber sehr, sehr windig. Wir gehen später noch auf Deck 15 einmal ums Schiff herum, aber vorne ist wegen des starken Windes schon gesperrt.

Das Softeis, das es auf dem Pooldeck gibt (orangener Sonnenschirm), müssen wir sehr schnell essen, bevor es uns wegweht! Auch der Zugang zum Außenbereich auf Deck 5 ist für Gäste komplett gesperrt.

Nach dem wieder sehr guten Abendessen (Lachs und Weißwein für mich, Kay bleibt beim Curry und dem Heineken Bier) schauen wir uns zwei sehr unterschiedliche Shows an.

Zunächst sehen wir Spectra‘s Cabaret im Two70 (im Bug), sehr spektakulär, jede Menge Videoprojektionen auf dem gesamten Hintergrund und den beweglichen Schirmen davor in der Mitte. Dazu kommen der Conférencier und Sänger Spectra, zwei Sängerinnen, zehn Tänzer und Tänzerinnen sowie ein Saxofonist und eine Percussionistin zusätzlich zur Musik aus der Konserve.

Alle Personen wechseln häufig ihre Kostüme und die Plätze auf den vielen beweglichen Bühnenelementen. An drei Stellen befinden sich Lifts in den Bauch des Schiffes, wo alle Menschen mal auf- oder auch wieder abtauchen. Wir verleben eine sehr beeindruckende Dreiviertelstunde.

Zwei Stunden später sitzen wir im Royal Theatre, um die Show The Gift zu sehen. Das Setting spielt im viktorianischen England, Kulissen und Kostüme sind sehr steampunkig gestaltet. Sowohl Bühnenbild, als auch Effekte und Gesang sind herausragend gut. Wir fühlen uns wunderbar unterhalten.

Morgen geht es wieder an Land, wir segeln weiter nach Süden und werden dann die Kanarischen Inseln erreicht haben.