Amsterdam, Niederlande, cruise day 21 (Jewel of the Seas, 2022) – und die wilde Bahnfahrt nach Hause

So ein richtiger Kreuzfahrttag ist es ja nicht mehr. Nach 5292 nautischen Meilen, das entspricht ungefähr 9.790 Kilometern, sind wir nach 14 Nächten im Zielhafen angekommen. Wir frühstücken noch einmal ausgiebig, bevor wir schon gegen 8:20 Uhr von Bord müssen.

Das Auschecken und Koffer einsammeln geht so reibungslos, dass wir noch bis halb zehn im Terminal sitzen bleiben, um das wifi zu nutzen. Doch eine Stunde später werden die Tore geschlossen und wir müssen gehen.

Unser Zug fährt erst um 15 Uhr ab. Wir haben also viel Zeit. Zu Fuß ist der Hauptbahnhof nur maximal 15 Minuten zu Fuß entfernt, der Weg ist ganz glatt, perfekt zum Kofferrollen. Da sie so schwer sind, müssen wir sie ziehen. Dann werden die Arme auch nach einer Viertelstunde lang und schwer.

Im Bahnhof landen wir schnell bei einen Starbucks und trinken einen Mocha mit einem extra Schuss Espresso. Das tut not und gut. Wifi gibt es nicht, die Metallstühle draußen sind eisig am Hintern, so dass wir ständig auf die Toilette müssen. Deren Benutzung kostet jedes Mal siebzig Cent, wobei die Maschine in unregelmäßigen Abständen mehr Münzen möchte, bevor sie die Sperre frei gibt. Dafür stört sich niemand daran, dass wir bei Starbucks viereinhalb Stunden sitzen und nur einen Kaffee trinken. Irgendwann taucht noch ein amerikanisches Ehepaar vom Schiff auf, dem wurden für den kurzen Fahrweg mit dem Taxi 40 Euro abgeknöpft. Auch unsere Bekanntschaft Marc kommt vorbei und lässt sich nieder. Mit ihm verbringen wir die Zeit recht kurzweilig. Er erzählt uns unglaubliche aber wahre Geschichten aus den Staaten.

Wir kaufen im Supermarkt noch Verpflegung für die Fahrt ein und gehen rechtzeitig zum Bahnsteig. Der Lift funktioniert nicht, aber es gibt eine Rolltreppe. Wir erkundigen uns beim Wagenstandsanzeiger, wo unser Wagen halten wird, gehen dort hin und wärmen uns in der Sonne ein bisschen auf. Dann fährt der Zug ein, leider genau anders herum aufgestellt. Wir rennen mit dem Gepäck den Bahnsteig entlang, erreichen gerade eben noch unser Abteil, das wir für uns haben. Kay wuchtet alle Koffer hoch in die Ablage und wir können uns entspannen. Wir essen Sushi und Honigwaffeln zum späten Lunch. So weit, so gut.

Es gibt wifi und wir erfahren, dass unsere Zugverbindung ab Hamburg nicht mehr funktionieren wird, da dort nach einem Kabelbrand alles lahm liegt. Die App zeigt dann auch noch, dass zusätzlich der Anschluss-ICE von Osnabrück aus vier Stunden Verspätung haben wird! So würden wir, aber auch nur eventuell, gegen 2 Uhr morgens in Kiel ankommen. Und nun wird die Reise abenteuerlich.

In Osnabrück gibt es (ohne Ankündigung) die Möglichkeit, in den EC nach Bremen zu steigen. Die Schaffnerin sagt es uns nach einigen Minuten, nachdem bereits viele Menschen an uns vorbeigerannt sind. Wir „eilen“ hinterher, es gibt keinen Fahrstuhl, nur zwei Treppen hoch. Kay muss nacheinander drei der Koffer hochschleppen, wir wissen nicht genau, ob es wirklich der Zug ist, ist er aber. Dann rennen wir, soweit man mit 50 Kilo im Schlepp rennen kann, zum Wagen der 1. Klasse und wuchten die Koffer hinein. Gerade noch rechtzeitig. Die Koffer blockieren nur ganz wenig den Fluchtweg, aber es ist einfach kein anderer Platz für die dicken Dinger da außer direkt neben der Tür.

Nachdem sich das Herz beruhigt hat, versuchen wir, neue Zugverbindungen herauszufinden. Glücklicherweise gibt es auch hier wifi. Wir werden von Bremen nach Hamburg-Harburg fahren und von dort die S-Bahn über die Elbe nach Hamburg-Altona nehmen. In Bremen müssen wir den Bahnsteig wechseln, aber es gibt hier Fahrstühle. Die werden allerdings auch von anderen frequentiert, so dass wir schließlich vor dem nächsten Zug Richtung Hamburg stehen und auf den Türöffner drücken, aber es passiert für eine halbe Minute nichts und dann fährt er los. Ohne uns!

In einer Stunde fährt der nächste Zug. Die Wartezeit wollen wir in der DB-Lounge verbringen, also von Gleis 10 in den Fahrstuhl, hinunterfahren ins Erdgeschoss und bis zum Anfang des Bahnhofs gehen (mit Gepäck). Die Lounge befindet dann allen Ernstes im ersten Stock! Noch bevor wir einen Fahrstuhl finden, fragen wir an der Information nach, wann der nächste Zug nach Hamburg fahren wird. Der kommt schon in zwanzig Minuten (wird dann aber auch sechzig Minuten Verspätung haben, aber das wissen wir da noch nicht). Wir drehen um, gehen den Weg zu Gleis 10 zurück, nehmen den Fahrstuhl nach oben und treffen auf weitere Fahrgäste, die auf dem Weg von Amsterdam nach Hamburg sind. Von einer Mitreisenden erfahren wir, dass ein anderer Zug zum Hamburger Hauptbahnhof durchfahren wird. Dann nehmen wir doch den, spart uns ein erneutes Umsteigen und die Fahrt mit der S-Bahn. Der Zug kommt und fährt mit wenigen Minuten Verspätung tatsächlich los. Nun muss sich der Nachbar, der sich bereiterklärt hat, uns statt von Kiel nun von Hamburg abzuholen, beeilen, denn wir werden tatsächlich früher ankommen. Wer hätte das gedacht. Die Fahrgastbegleiterin weiß nicht sicher, ob wir wirklich in Hamburg bis zum Hauptbahnhof durchkommen, aber der Lokführer hätte ihr gesagt, dass er bis dahin fahren will. Wir kommen dann tatsächlich gegen 21:45 Uhr im Hauptbahnhof an, warten anschließend noch eine Weile auf unser „Taxi“ und sind zweieinhalb Stunden später nach fast 16 Sunden Rückreise wieder zuhause. Wie gut, dass wir uns vorher drei Wochen auf dem Schiff erholt haben.