Caribbean Cruise, day 8, St. Kitts & Nevis 🇰🇳 (April 2023)

Heute legen wir in Basseterre, der Hauptstadt von St. Kitts and Nevis an. Basseterre ist eine der ältesten Städte in der östlichen Karibik und wurde bereits 1627 von Franzosen gegründet. Wir waren vor sieben Jahren schon einmal hier.

In der Zwischenzeit hat sich am Hafen eine Menge getan, es wurde viel Geld in die Touristenversorgung investiert, denn der Tourismus ist inzwischen die wichtigste Einnahmequelle der Insel.

Vom Hafen aus kommt man zu Fuß nicht weit, das wissen wir noch vom letzten Besuch. Daher haben wir diesmal einen Ausflug in den Regenwald gebucht. Unsere Gruppe wird auf offene Busse verteilt, wobei die Fahrer jeweils auch als Tourguides agieren.

Auf der kleinen Sightseeingtour verstehen wir die vielen Informationen über das Land nur, wenn wir einen Stopp einlegen. Wir sitzen in der ersten Reihe, und der Dieselmotor des Toyotas übertönt den Lautsprecher am rückwärtigen Ende des Busses eindeutig. Das ist aber auch nicht so schlimm, denn die letzen Tage lieferten einen Überfluss an Informationen.

White cattle egris, die sonst die Parasiten von den Kühen picken, beschützen hier auf dem Baum ihre Brut vor den Mangusten, ihren Fressfeinden.

Auf dem Weg kommen wir an einem 400 Jahre alten Mahagoni-Baum vorbei. Die frischen Schnittstellen (eine ist auf dem Foto zu sehen) leuchten tiefrot.

Der hinter der Wolke noch sichtbare Berggipfel ist Mount Liamuiga ein Vulkan und der höchste Gipfel der Insel, ca. 1360 Meter hoch. Man kann ihn besteigen.

Auf diesem Hügel liegt das alte Brimstone Hill Fortress, an der einzigen Stelle, an der man von der Atlantikseite aus auf die karibische Seite zum Anlegen kommen konnte. Jedes Schiff war von weither sichtbar. Es ist das größte Fort, das in der westlichen Karibik erbaut wurde.

Die Früchte des Brotfruchtbaums sind sehr nahrhaft. Der Baum wurde von den Sklavenhaltern zur Ernährung der Sklaven in die Karibik importiert, da er sehr viele Früchte trägt, die satt machen. Dass die Früchte auch eine Menge Steroide enthalten, damit die Sklaven länger arbeiten ohne die Schmerzen zu spüren, ist eine gern wiederholte Legende.

Wir fahren (hier herrscht Linksverkehr) durch Old Road Town, dem Heimatort unseres Guides Sil (sein eigentlicher Vorname ist länger und besteht aus den jeweils ersten Silben seines Vaters und seiner zwei Großväter, witzige Idee). Gefühlt jede zweite Person an der Straße wird hier durch Hupen gegrüßt.

Wir nähern uns unserem Ziel, dem Central Forest Reserve National Park und können schon von weitem einen mehr als 400 Jahre alten Baum sehen (die schön geschwungene Baumkrone in der Mitte des Bildes), der Name geht leider im Getöse des Automotors unter.

Zum National Park gehört alles Land auf der Insel, das mehr als 300 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Der Regenwald versorgt die gesamte Insel mit 65% des benötigten Trinkwassers. Auf unserem Trail müssen wir nicht nur auf die Baumwurzeln, sondern auch auf die Wasserleitungen achten.

Nach einer kurzen restroom Pause geht es los. Bevor der eigentliche hike durch den Regenwald beginnt, sehen wir uns noch einige Überreste der Windfield Estate an. Sie war die erste Zuckerrohrplantage auf der Insel.

Einst führte eine Eisenbahn rund um die Insel und verband die Felder der Plantagen mit der Zuckermühle. Inzwischen wird kein Zuckerrohr (im Hintergrund links am Ende der Schiene) mehr angebaut, die Schienen sind überflüssig geworden und werden nur noch auf der Westseite als Touristenattraktion genutzt.

Lemongrass, kennen wir eigentlich nur als Tee, ist tatsächlich eine Grasart und riecht sehr intensiv zitronig.

Philodendron, bei uns eine Zimmerpflanze, hier mit so großen Blättern, dass die Pflanze auch Elefantenohr genannt wird. Die Blätter kann man gut als Regenschirm bei den kurzen Schauern hier nutzen.

Sandbox Tree, auch Intimidation Tree (Einschüchterungsbaum) genannt, bei Ungehorsam wurden die Slaven an diesen Baum mit seiner stacheligen Rinde gebunden und mit der neunschwänzigen Katze ausgepeitscht. Abgesehen davon ist der Baum giftig. Wenn das Gift durch die Stacheln in den Blutkreislauf gelangt, stirbt man auf lange Sicht. Es bleibt für uns unvorstellbar, wie Menschen mit anderen Menschen umgegangen sind, nur weil sie denen das Menschsein absprachen!

Unser Guide Sil macht seinen Job außerordentlich gut. Welche enormen Kenntnisse er über die Flora und Fauna der Insel hat. Wir hören und sehen wilde Affen im Regenwald. Liebe/r Leser/in dieses Blogeintrags: wer von euch wusste z.B, dass männliche Affen mastubieren und weibliche Affen menstruieren?

Angefüllt mit bemerkenswerten Informationen und tollen Sinneserlebnissen kommen wir zurück und probieren noch einen Saft (meiner ist dunkelrot und schmeckt säuerlich) und ein Stück Kuchen. Im Bus zurück verteilt Sil noch Zuckerrohrstücke zur Stärkung.

Dann geht es mit dem Bus ohne weitere Stopps zurück zum Hafen, wo unser Schiff auf uns wartet. Wir haben diesmal neben einem sehr hässlichen Hochhausschiff festgemacht.

Tschüss, St. Kitts, heute hast du uns gut gefallen!

Caribbean Cruise, day 7, Bridgetown, Barbados 🇧🇧 (April 2023)

Heute legen wir sehr früh auf Barbados an, wir werden von den Geräuschen des Anlegemanövers geweckt. Barbados ist die östlichste Insel der Kleinen Antillen. Geographisch befinden wir uns schon in Mittelamerika. Barbados ist nicht vulkanischen Ursprungs, sondern eine Koralleninsel, deren unterseeische Riffkalke in die Höhe wuchsen. Die Strände sind auf der Westseite am Karibischen Meer weiß-rosa gesprenkelt.

Deshalb haben wir keine Tour gebucht, sondern wollen heute zu Fuß zum nächsten erreichbaren Strand gehen. So ungefähr wissen wir, wo es längs gehen soll. Aber mit einem kleinen Stadtplan fühlt man sich doch wohler. Hinter dem Duty Free-Gebäude fragt uns ein Anbieter für Taxitouren, ob ich eine Karte der Insel haben möchte. Klar möchte ich, allerdings muss ich ihn dann erst einmal langwierig abwimmeln. Er würde uns gern eine Tour über die Insel zu den tollsten und verschwiegensten Stränden verkaufen. Er hat auch recht damit, dass die Einwohner von uns Touristen leben und sie, wenn wir ihnen kein Geld dalassen, es schwierig haben, Essen auf den Tisch zu bekommen, aber trotzdem… Wir möchten heute so gern ganz auf uns gestellt zu Fuß gehen. Er rückt die Karte dann heraus, zeichnet den Strand ein und schreibt die Entfernung dazu, zweieinhalb Kilometer!

Reine Abschreckung, denn wir kommen nach zwanzig Minuten an einem schönen, und vor allem leeren Strandabschnitt an. Der Weg dahin führt uns immer am Wasser entlang.

Hier im Zentrum trägt der Fluß den Namen Careenage, da die Holzschiffe hier früher kielgeholt wurden, um Muscheln u.a. von den Rümpfen zu entfernen. Das heißt auf Englisch careening (britische Stadtgründung!).

Am Ende des Yachthafens geht es über eine Fußgängerbrücke, dann noch ein kleines Stückchen die Straße entlang, und schon können wir den Strand sehen.

Brownes Beach ist ein Strand, zu dem die Einheimischen mit dem Auto hinfahren, ein genauso toller weiß-rosa gesprenkelter feiner Sandstrand und glasklares Wasser wie überall, nur eben ohne Sonnenliegen, Sonnenschirme, Spielsachen und Jet-Ski-Anleger! Wir benötigen keinen möblierten Strand, wir wollen den feinen Sand spüren und schwimmen. Vormittags ist es wunderbar leer.

Himmlisch, und sehr erfrischend bei der Hitze (27 Grad) und der hohen Luftfeuchtigkeit. Wir gehen abwechselnd hinein, schwimmen und lassen uns anschließend von der Sonne und dem leichten Wind trocknen. Dann wird es uns zu heiß, dabei ist es noch nicht einmal 12 Uhr mittags, und wir machen uns auf den Rückweg.

Das historische Bridgetown, mit seiner Garnison seit 2011 UNESCO Weltkulturerbe, wurde 1628 von britischen Siedlern gegründet. Wir erkunden Downtown ein bisschen auf unserem Rückweg vom Strand zum Schiff, entdecken Fußgängerzonen, überall ist es sehr voll und laut.

Ein bisschen Sightseeing fällt auch noch ab, obwohl es sehr warm ist, 27 Grad schon vor 12 Uhr mittags, mit einer hohe Luftfeuchtigkeit.

Gebäude des Parliament von Barbados, komplett mit einem kleinen Glockenturm wie Big Ben
Independence Square (Barbados wurde 1966 unabhängig, blieb aber Mitglied des Commonwealth, seit November 2021 ist Barbados eine Republik)
Anlieferung auf dem Marhill Street public market
Old Fire Brigade House, die erste fire company in Bridgetown wurde 1840 gegründet.
Town Hall (Rathaus) and Gaol (Gefängnis), 1730 erbaut, das unterirdische Gefängnis wurde 1876 aus humanitären Gründen aufgegeben.
Das Carnegie Gebäude dient heute als öffentliche Bücherei.
Die Nidhe Israel Synagoge und der jüdische Friedhof, erbaut 1654, beinhaltet die einzige Mikwe, das Ganzkörpertauchbad für die rituelle Reinigung von Personen und Gegenständen.
St. Mary‘s Church von 1825; schon 1660 wurde hier eine Kirche erbaut.
auf dem Weg zurück zum Schiff

Ziemlich verschwitzt kommen wir schließlich wieder beim Terminal an und genießen die Ruhe auf dem Schiff, bevor die Passagiere der gebuchten Touren wieder ankommen.

Abends kommen die angenehmen Temperaturen der Karibik voll zur Geltung: am Pooldeck werden jetzt abends Kinofilme auf der großen Leinwand gezeigt. Das macht in der Wärme sehr viel mehr Spaß. Der tropische Regenguss zwischendurch stört nicht, wenn man unter einem Dach sitzt.

Caribbean Cruise, day 9, Philipsburg, St. Maarten 🇸🇽 (April 2023)

Wir legen an unserer letzten Insel der Cruise an, in Philipsburg auf der niederländischen Seite der Insel St. Maarten/ St. Martin, die kleinste Landmasse auf der Welt, die zwei Staaten regiert wird.

Kolumbus sah sie als erster Europäer zuerst am 11. November 1493 und benannte sie nach dem Heiligen des Tages, St. Martin von Tours. Die Insel war schon viel früher entdeckt und bewohnt worden. Archäologen haben Siedlungsspuren entdeckt, die bis nach 2000 vor Christus zurückreichen!

Fast 200 Jahre nach Kolumbus’ Ankunft und nach einem 80 Jahre lang währenden Krieg mit den Niederländern gaben die Spanier die Insel auf, zu deren Territorium sie bis dahin gehörte. Niederländer und Franzosen ergriffen die Chance und kamen von den ihnen schon gehörenden jeweiligen Nachbarinseln.

Sie stritten sich erst einmal gehörig, sahen aber schnell ein, dass keine der beiden Parteien nachgeben würde und beschlossen die mehr oder weniger friedliche Koexistenz.

St. Maarten/ St. Martin ist bis heute als einzige Insel zweigeteilt, aber ohne sichtbare Grenze. Der südliche Teil gehört seit 2010 als autonomes Land dem Königreich der Niederlande an, ist aber nicht Teil der EU. Der nördliche Teil gehört seit 2007 zu Frankreichs Überseegebieten, die gemeinsam ein eigenes Département bilden und zur EU gehören. Bezahlt wird dort mit dem Euro. Davor war die Insel Teil der niederländischen Antillen.

Im 17. Jahrhundert begannen die holländischen Siedler mit der Salzgewinnung in dem Binnensee von Philipsburg und verschifften das weiße Gold nach Europa.

Den ‚salt pickers‘ wurde ein großes Deckmal am Binnensee gesetzt, der große Verkehrskreisel stellt den Binnensee dar, drauf die salt pickers.

Wir spazieren noch ein bisschen durch downtown, wo einige Straßen und Gassen immer noch holländische Namen tragen. Neben Englisch ist die zweite Amtssprache Niederländisch. Uns haben Einwohner erzählt, dass der obligatorische Niederländisch-Unterricht an den Schulen bereits vor acht oder zehn Jahren eingestellt wurde. Langsam wird es uns einfach zu heiß, wir brauchen eine Abkühlung.

Der Strand ist in weiten Teilen mit Sonnenschirmen und Strandliegen bestückt, beides wird gern im Paket mit einem Getränk und freiem wifi an die Amerikaner vermietet. Wir finden einen Teil des Great Bay Beach mit seinem feinen Sand für uns und genießen noch ein letztes Mal das tolle karibische Salzwasser. Es ist einfach zu schön, man möchte gar nicht mehr heraus aus dem Wasser.

Um das Vergnügen noch ein bisschen zu verlängern, gehen wir immer am Wassersaum zurück, solange es geht. Dann geht es zurück zum Schiff, etwas essen und auf den Sonnenliegen am Pool ausruhen.

Auf Wiedersehen, Karibik! Bis zum nächsten Mal.

Caribbean Cruise, day 5, at sea, Caribbean, here we come (April 2023)

Wir sind inzwischen in der Karibik angekommen. Es ist warm, zwar immer noch sehr windig, aber eben auch sehr warm. Der Pool wird geöffnet, sobald die life guards ihre Schicht beginnen.

An der tiefsten Stelle ist der Pool 1,70 Meter tief, geschwommen wird nicht, alle stehen im Wasser herum, außer in den vielen whirlpools. Dort sitzt man. Die meisten Amerikaner können nicht schwimmen. Daher müssen die life guards, in Schwimmweste und mit einem Rettungsbrett unter dem Arm am Rand stehen. Sie stehen immer, sitzen ist keine Option. Und sie müssen dort auch stehen, wenn niemand im Wasser ist, how boring! Aber es könnte ja jemand kommen, hineinsteigen und ertrinken.

Wir sitzen auf dem Pooldeck im Schatten und lesen. Die anderen bevölkern die Liegen rund um den Pool und lassen sich so langsam knusprig rot braten. Unsere Cruise Director nennt das am Abend „crispy lobster“! Heute hätten wir eigentlich auf Antigua sein sollen. Unser gebuchter Ausflug dort hätte uns an drei unterschiedliche Strände zum Baden geführt, what a pity, dass die Sturmfront dazwischen kam.

Das Geld wurde schon auf unser Bordkonto zurückgebucht. Da das Geld bereits ausgegeben war, wird ein Teil heute beim Bingo aufs Spiel gesetzt. Wer weiß, vielleicht ist das Glück uns hold, und wir gewinnen noch etwas dazu. Das Spiel beginnt erst am Nachmittag, der Vorverkauf der Karten startet schon am späten Vormittag. Der Bingo Host entpuppt sich als Jake, der im letzten Jahr auf der Jewel in der Bingo Crew gearbeitet hat. Ich erkenne ihn an seiner Stimme. Wir unterhalten uns noch ein bisschen, er ist gerade mit der Symphony of the Seas über den Atlantik gekommen und wurde von der Enchantment of the Seas angefragt, da sie hier einen Bingo Host brauchten. Spannend, jemanden aus der Reisevergangenheit wiederzutreffen.

Glück bringt es jedoch am Nachmittag nicht, nicht einmal ein Dollar bei den Crack-it-Losen ist drin.

Dafür habe ich auf einem anderen Wege Glück. Bei meinem Abendschuh löst sich die Sohle ab. (Im ersten Blogbeitrag dieser Reise steht, warum wir nicht ein zweites Paar Abendschuhe mitgenommen hatten.) Am Customer Service Desk, wo ich schon die Tabletten gehen Seekrankheit bekommen hatte, haben sie leider kein superglue für eine Sofortreparatur. Stattdessen kommt die nette Frau auf die Idee, den Schuh an maintenance zu geben, um ihn dort kleben zu lassen. Wir vertrauen da mal drauf, und schon am späten Nachmittag kommt der Schuh wieder zurück in die Kabine. Extra gebracht, einfach so!

Caribbean Cruise, day 4, at sea, Mr and Mrs Grumpy (April 2023)

Endlich schaukelt es nicht mehr so sehr. Das Frühstück im Restaurant schmeckt nun auch wieder ohne vorherige Einnahme der Sea-Sick-Tablette. Dafür scheint entweder das Geschaukel oder die Aussicht auf noch einen weiteren Tag auf See einigen Leuten so gehörig auf den Magen zu schlagen, das nimmt im weiteren Verlauf skurrile Ausmaße an.

Immer zum Abendessen treffen wir wieder auf Mike und Summer sowie auf Hannah und Thomas. Die ersten Abende haben wir uns trotz der großen Altersunterschiede immer ganz angeregt unterhalten. Mike ist Mitte 70 und auf einer Farm aufgewachsen. Daher weiß er alles über Pflanzen und Tiere (Dieser für ihn unumstößliche Fakt wird später noch wichtig werden.). Mit 25 Jahren ist er mit der Army nach Korea gegangen, nicht ohne die Anweisung seines Vaters, auf keinen Fall dort zu heiraten. Diese Anweisung hat er dann, als einzige natürlich jemals in seinem Leben, nicht befolgt. Es dauerte nicht lang, da war er nicht nur verheiratet, sondern hatte auch einen Sohn. Sicherheitshalber ist er erst danach wieder in die Staaten zurückgekehrt und bei seinem Vater vorstellig geworden.

Der war entzückt von Enkel und Schwiegertochter, obwohl diese gut 10 Jahre älter als sein Sohn ist. Nun sind die beiden schon mehr als fünfzig Jahre verheiratet und er ist voll des Lobes, wieviel Glück er im Leben mit seiner Frau hatte. Summer spricht stets sehr, sehr leise, und ihr Englisch ist eigentlich nicht zu verstehen. So spricht Mike immer, und das meint genau das: immer, ständig, quasi ununterbrochen, sich dabei wiederholend.

Dieses Mal jedoch herrscht Mike die Kellnerin an und lässt sein bestelltes Essen zurückgehen. Die Kellnerin reagiert cool, sie informiert ihren superviser, der sich um die wütenden Gäste kümmert. Was genau das Problem sein soll, bekommt auch der nicht heraus, denn genau das Essen hatten sie bestellt. Anschließend sind beide auffallend still und schaufeln das alternative Essen mehr oder weniger in sich hinein, maulen herum und verschwinden, bevor wir mit dem Hauptgang fertig sind. Man wundert sich.

Ab dem Abend bestellen sie nur noch New York Strip Steak, denn alle anderen Gerichte mit den komischen Namen könne man nicht essen. Schließlich sei man auf einem amerikanischen Schiff. Seid zwanzig Jahren würde es kontinuierlich abwärts gehen mit den Menüs. Jedem das seine! Uns anderen gefällt die abwechslungsreiche Speisekarte sehr gut. Wir sind auch in der Lage, Begriffe wie Carpaccio, Risotto, vegan spaghetti, Flan Catalan usw. zu dekodieren. Der Oberkellner (unsere head waitress verweigert den Kontakt zu Mike) erkundigt sich während des Essens bei Mike: „How is your steak, Sir?“ und erhält die kurzangebundene Antwort: „It‘s a piece of meat.“ Allen anderen bleibt nicht nur die Luft weg, sondern fast auch der Bissen im Halse stecken ob dieser grob unhöflichen Antwort.

An den nächsten Abenden tauchen die beiden glücklicherweise nicht mehr an unserem gemeinsamen Tisch auf. Es ist auch keiner wirklich traurig darüber. Die Unterhaltungen sind gleich viel lockerer und witziger.

Und dann sind sie plötzlich wieder da, komplett ausgewechselt und wieder fröhlich. Es steht eine Flasche Wein im Weinkühler an Mikes Seite. Und er ist happy to share it mit uns anderen am Tisch. Der Wein ist gut. Bekommen hat er sie, da er (nun folgt seine Sicht der Dinge) endlich mal Tacheles mit dem Restaurantchef geredet hätte, dass die Menüauswahl so wirklich nicht gehen könne. Der Chef hätte das total eingesehen und ihm als Zeichen seines guten Willens die Flasche Wein zukommen lassen.

Wer‘s glaubt! Unsere head waitress darf ihn nun auch wieder bedienen. Sie erzählt uns später ihre Sicht: Mike hätte sich wiederholt (wie eigentlich auf jeder Kreuzfahrt) beschwert und um ihn zu beruhigen, hätte man ihm den Wein gegeben. Wie auch immer, es scheint geholfen zu haben. Die restlichen Abende sitzen Mike und Summer wieder am Tisch, haben recht gute Laune und essen nun auch andere Dinge als ausschließlich das New York Rib Steak.

Caribbean Cruise, day 6, St. Lucia 🇱🇨 (April 2023)

Hurra, heute geht es an Land! Wir sind an den „Inseln über dem Wind“ angekommen, die den nördlichen Teil der Kleinen Antillen bilden.

Für den Aufenthalt auf St. Lucia haben wir einen Ausflug gebucht, St. Lucia Wonders of Nature, unser Guide heißt Ricardo. Wir fahren mit dem Minibus, und unser Fahrer David fährt uns sicher durch die engen Straßen und Serpentinenstraßen hoch und runter quer über die Insel.

150 Jahre lang führten England und Frankreich Krieg auf und um die Insel, beide Länder waren jeweils sieben Mal siegreich. St. Lucia gehörte zuletzt lange zu den Britischen Jungferninseln, seit 1979 ist sie unabhängig, aber Mitglied im Commonwealth of Nations.

Daher ist das Staatsoberhaupt König Charles III., der durch einen Generalgouverneur vertreten wird, welcher hier hinter dem Tor residiert.

Wir starten in der Hauptstadt Castries, in der als einziger Hauptstadt der Welt zwei Nobelpreisträger geboren wurden, Arthur Lewis (1979, Wirtschaft) und Derek Walcott (1992, Literatur). Unsere Tour führt uns zunächst auf den Morne Fortune (258 Meter) zum ehemaligen Fort Charlotte, in dem das einzige College der Insel untergebracht ist (was den Guide zu dem Wortspiel ‚St. Lucia’s highest education‘ veranlasst.

Den ersten Fotostopp legen wir oberhalb der Marigot Bay ein, deren innerer Teil auch Hurricane Hole genannt wird, da hier kein Wind weht, auch nicht während eines Hurrikans. Die Franzosen versteckten sich hier erfolgreich hinter dem Sichtschutz aus Palmen vor den Engländern.

Die Insel ist aufgrund der vulkanischen Erde ein Garten Eden für Früchte, Nüsse, Gemüse, Gewürze und Kaffee und natürlich für Rum. Die Bewohner aromatisieren den Rum mit allem möglichen, an diesem Stopp kann man 40 unterschiedliche Sorten probieren, nur 1$ pro Gläschen. Wir kaufen eine Dose mit Zimtstangen.

Eines der Wahrzeichen der Insel sind die Pitons, quasi Ventile zweier schlafender Vulkane, aus denen das Material entwich, um dann diese beiden Kegel zu formen.

Das ist schon lange her, der letzte Ausbruch war im Jahr 1766. Auf dem Weg in die Vulkanumgebung hinein (UNESCO Weltnaturerbe) kommen wir durch das Fischerdorf Anse la Raye und das Künstlerdorf Canaries.

Wir lernen etwas über die Frucht der Kakaopflanze, orange, links im Bild (rechts liegen Kokosnüsse). Jede Frucht enthält 45 Kakaobohnen, die von einer weißen Schicht umhüllt sind. Diese Schicht wird abgelutscht (schmeckt ziemlich gut, wir probieren es aus), die Bohne darunter ist bitter und muss vor der Weiterverarbeitung zu Kakao erst fermentiert werden.

Wir fahren weiter in den Krater hinein, und man kann sogar durch die geschlossenen Fenster des Busses die heißen Schwefelquellen riechen. Ein Bad in ihnen soll einen gleich zehn Jahre jünger erscheinen lassen. Wie gut, dass auf dieser Tour keine Zeit für ein Ausprobieren bleibt.

Unser Ziel ist der Tet Paul Nature Trail, ein community project. Privatleute haben das Land kaufen und den Naturpfad anlegen können.

Unser Guide dort heißt Raoul, und er führt uns über Stock und Stein immer weiter hinauf, um schließlich einen 360-Grad-Blick über den Süden der Insel zu erhalten.

Hier erklärt Raoul, wie die Cassava-Wurzel, uns besser bekannt als Maniok, essbar gemacht wird. Im Rohzustand ist sie giftig. Bearbeitet stellt sie ein Grundnahrungsmittel dar.

Dies ist ein Pavillon für Hochzeiten und andere Gelegenheiten, die Pitons immer im Blick. Allerdings nicht auf diesem Foto, sie befinden sich links davon.

In der vulkanischen Erde bauen sie Gemüse an, komplett ökologisch, weder Dünger noch Pestizide werden hier benötigt.

Wenn ich groß bin, reise ich vielleicht nach Deutschland, sagt die kleine Ananasfrucht. Die erste Fabrik, denen das Eindosen von Ananas gelang, stand übrigens ins Baltimore, Maryland (Ende des 19. Jahrhunderts).

Die Frucht am Cashew-Busch (unten rechts im Bild) enthält nur zwei Cashewnüsse. Daher ist die Ernte mühsam, weil zeitintensiv.

Ein Panoramafoto der beiden Pitons, beide Gipfel liegen etwa 3 Kilometer auseinander.

Dann geht es wieder hinunter. Dieser Trail gilt bei den Amerikanern als strenuous, als anstrengend. Entsprechend langsam ist das Gehtempo.

Unten wieder angelangt, werden uns Kostproben des Landes gereicht, im Uhrzeigersinn Ananas, frische Kokosnuss, Zuckerrohr (muss man kauen und den Saft aussaugen, sehr lecker), Wassermelone, Guave (man ist die gesamte Frucht, sehr erfrischend) und ein Stück Kokoskuchen. Im Becher ist Saft der grünen Mango, auch sehr gut.

Dann geht es hinunter in die Bucht, ins Fischerdorf Soufrière, einstmals die Hauptstadt der Insel. Am Hummingbird Beach haben wir Zeit, um baden zu gehen. Erstaunlicherweise nutzen nur wenige diese Gelegenheit. Dabei hat das Wasser Badewannentemperatur.

Während die Amerikaner wieder nur im Wasser stehen (die wenigsten können anscheinend schwimmen), ziehen wir ein paar Bahnen quer zur Küste.

Danach geht es ohne weiteren Stopp zurück in den Nordwesten nach Castries und zu unserem Schiff zurück. Uns steht nicht der Sinn nach Duty Free Shopping, das ist überall gleich. Die Insel, ihre überbordende Vegetation und die extrem freundlichen Menschen haben einen tollen und nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Den wollen wir nicht durch Konsum, Konsum, Konsum überlagern lassen.

Wir gehen zurück aufs Schiff, genießen die relative Leere der Sonnendecks, machen es uns auf den Liegen gemütlich und genießen die Wärme. Wir bleiben oben und beobachten das Ablegemanöver (und den Sonnenuntergang) und sehen auch noch zwei Flugzeuge auf dem kleinen Flughafen landen. Der internationale Flughafen befindet sich im Süden der Insel, wir konnten ihn vom Nature Trail aus sehen.

Caribbean Cruise, day 3, at sea, Shop til you drop (April 2023)

Es ist ja nicht unsere erste Cruise mit Royal Caribbean. Wir haben schon eine Menge der Freizeitangebote mitgemacht, unter anderem auf der allerersten Fahrt die Champagne Art Auction, nicht einmal der Sekt schmeckte! Mit leichtem oder auch mittelschwerem Grusel gucken wir uns auch jetzt noch manchmal die ausgestellte und zu erwerbende „Kunst“ an. Jedes Mal sind wir am Ende einer Cruise wieder entsetzt, an welchen Objekten ein „sold“-Schild hängt. Wer Lust hat, der schaut mal bei Wikipedia unter ‚Thomas Kinkade‘ nach, Amerikaner lieben ihn. Der für mich schönste Satz dort im Wikipedia-Eintrag lautet: „Die Kunstkritik lehnt Kinkades Werk übereinstimmend als irrelevant ab.“

Was wir allerdings noch nie mitgemacht haben, ist eine Port & Shopping Show. Man soll dort alles wissenswerte über die Häfen erfahren, die wir anlaufen. Außer dass man Diamand-Ohrstecker gewinnen kann (haben wir natürlich nicht), erhält man auch free port maps, free VIP cards, free coupons and much more. Darüberhinaus bekommt everyone attending einen Kettenanhänger for free, dazu später mehr.

Aus reinem ethnographischen Interesse nehmen wir teil und sind erstaunt, wie viele Menschen zum angegebenen Zeitpunkt im Theater auftauchen. Die Hütte ist gut gefüllt. Die Informationen über die zollfreien Einkaufsmöglichkeiten auf den Inseln, die man während der Kreuzfahrt anlaufen wird, könnte man sich auch erlesen, man hält ja das entsprechende Papier in der Hand. Währender Show wird alles, wirklich alles mindestens dreimal wiederholt.

Ganz wichtig für amerikanische BürgerInnnen ist folgende Botschaft: Die Welt da draußen ist gefährlich, man bleibt nach dem Verlassen des Schiffs besser gleich am Hafen bei den lizensierten (duty free) Läden. Dann wird man auch nicht beschubst: Shop in the shops on the map, where you are covered by Royal Caribbean. Denn nur so bekommt man all die Ermäßigungen, die einem zustehen: We are giving you all the discounts you deserve! Und dann sollte man beim Einkauf besonders von Schmuck all die wichtigen Hinweise beachten: The mere you collect the more you save. Whenever possible, buy pairs or sets.

Und da die Schmuckgeschäfte in jedem Hafen die gleichen sind, natürlich immer mit leicht unterschiedlichem Angebot, gibt es folgende tolle Möglichkeit: Man entscheidet sich, sagen wir mal, für einen Diamantring und muss dafür 600 Dollars bezahlen (keine Angst, ist nicht so viel, denn man bekommt ja vorher noch den VIP voucher über 200 Dollars). Im nächsten Hafen findet man im Geschäft derselben Kette einen Ring, der einem noch viel besser gefällt. Der kostet nun vielleicht 800 Dollars. Kein Problem, dann gibt man den ersten Ring zurück, legt noch mal 200 Dollars auf den Tisch (die hat man ja vorher gespart, also quasi über) und schwupps, schon hat man den besseren Ring an der Hand.

Für die ganz wagemutigen wird dann noch eine Shopping Safari auf St. Maarten angeboten, für die es nur 60 Plätze gibt. Man glaubt es kaum, betreutes Einkaufen, man bleibt die ganze Zeit auf der Pier in den lizenzierten Läden. Man muss die Einkäufe nicht einmal selbst auf das Schiff zurücktragen. Das erledigt das Shopping Team Diego and Lesley-Ann für einen. Die nehmen dafür Rollkoffer mit an Land. Die Bambusmatrazen, Bambusbettbezüge, Bambuskissen und Bambushandtücher werden auch bequem in die USA verschifft. Die Gratis-Socken, die man bei einem solchen Großeinkauf erhält, trägt man dann stolz selbst zurück aufs Schiff.

Dann gibt es auf der Veranstaltung noch jede Menge Werbefilmchen der beteiligen Firmen zu sehen und natürlich eine Verlosung (raffle). Ohne das geht in Amerika nichts. Viele Preise sind es nicht, natürlich hat hier niemand etwas zu verschenken. Den glücklichen Gewinnern wird applaudiert, allerdings jedes Mal mit der etwas perfiden Ansage: Let‘s pretend to be happy for our friends! Denn eigentlich ist die Gesellschaft hier so strukturiert, dass alles nur einem selbst zusteht, und das bitte auch noch sofort. Applaudiert wird dann pro forma.

Es ist entsetzlich langweilig und langwierig, aber wir harren aus bis zum Schluss (alle Veranstaltungen an Bord dauern nur 45 Minuten). Auf dem Weg aus dem Theater geht man an Lesley-Ann vorbei, in der Hoffnung, den versprochenen Kettenanhänger zu erhalten. Doch nein, es gibt nur einen entsprechenden Gutschein, der in einem der Geschäfte an Land einzulösen ist. Kay wollte Lesley-Ann eigentlich gar keinen Gutschein geben, aber er bestand darauf.

Und ja, wir haben später versucht, die Gutscheine einzulösen. Für den ersten gab es einen grünen Anhänger aus geschliffenem Glas. Aus Jux fragte ich nach, was für ein Stein das wäre und bekam die wirklich erstaunliche Antwort: ein grüner Achat. Völliger Blödsinn! Im zweiten Laden gab es nicht einmal das geschliffene Glas, sondern wortlos nur einen versilberten (?) Anhänger, den es auch ohne die „VIP-Karte“ gegeben hätte. Solchen Verkäufern würde ich im Traum keinen Schmuck mit ‚Diamanten‘ besetzt abkaufen, aber sie machen stets ein sehr gutes Geschäft mit den Kreuzfahrtgästen.

Caribbean Cruise, day 2, at sea, Easter (April 2023)

Wir haben eine Fahrt in den Süden gebucht, und nun steht der Schiffskurs steht auf Nordost! Der Kapitän lässt das Schiff mit nur drei bis vier Knoten fahren, um nicht in ein sehr schweres Sturmtief auf dem Atlantik zu kommen, das sich bis in die Karibik erstreckt.

Mittags kommt die Durchsage, dass die Bullaugen in den Kabinen auf den Decks drei und vier sind aus Sicherheitsgründen geschlossen wurden. Die Pools sind gesperrt, Deck 10 mit dem Joggingtrack ebenfalls. Doch die für uns wirklich traurige Nachricht ist, dass der Tag auf Antigua gestrichen wird, da wir die Insel aufgrund des Ausweichmanövers nicht mehr rechtzeitig erreichen werden. So werden wir nur vier Inseln besuchen, wie schade!

Während die Sperrungen und die Kursänderung in der Durchsage eher beiläufig erwähnt werden, kommt anschließend die wirklich wichtige Nachricht des Tages: der Osterhase ist auf dem Weg ins Centrum!! Man ist nie zu alt, um ein Foto mit dem Osterhasen zu machen! Unfassbar! Und dann geht tatsächlich auch noch Oster-Kindermusik vom Band los, kurz bevor der Osterhase ankommt! Das Centrum bricht in lauten Jubel aus und Menschen allen Alters stehen Schlange für ein Foto! Unbelievable!!

Von den sehr vielen alten Menschen, die an Bord sind (an einigen Orten des Schiffes kommt man sich vor, als sei man in einem Seniorenheim zu Besuch), tragen wiederum erstaunlich viele Haarreifen mit Hasenohren in allen vorstellbaren Pastell- und Glitzerfarben – es ist schließlich Ostersonntag! Etliche Kabinentüren sind ebenfalls dekoriert.

Für Familien mit Kindern gibt es eine Oster-Schatzsuche, überall auf dem Schiff sind Ostereier versteckt. Aber man kann auch Enten finden: The ducks are on the loose. Wenn man eine findet, kann man sie entweder behalten oder an einer anderen Stelle wieder verstecken. Ich finde eine im Krankenschwester-Outfit und behalte sie als Erinnerung.

Die Schaukelbewegungen des Schiffes sind nicht ohne. Ich hole mir Tabletten, die ziemlich gut wirken, man wird nur sehr müde. Das ist nicht so schlimm, denn im Bett lässt es sich für mich am besten aushalten. Am Abend dreht der Kapitän das Schiff auf seinen eigentlichen Kurs nach Südwest und erhöht das Tempo. Es geht endlich in den Süden, und es schaukelt ordentlich.

Let’s cruise – Anreise mit Hindernissen, Teil 3: nach Baltimore, USA

Da zwischenzeitlich weitere Flieger am Flughafen angekommen sind, dauert es ein bisschen, bis die Busse kommen, die uns zum Flughafengebäude bringen sollen. Der Sturm ist trotz seiner Abschwächung noch ziemlich stark und erwischt uns auf der Treppe. Im Flughafengebäude geht es flotten Fußes Richtung Abflughalle für die Amerikaflüge, und wir stauen uns mit Hunderten anderen vor den drei Schaltern der Passkontrolle, wir verlassen ja die EU.

Weiter geht es, durch verwaiste shopping malls und an verpassten duty free Angeboten vorbei, bis zum richtigen Gate. Hier ist es noch voller, da alle Flüge versuchen, gleichzeitig zu boarden. Wir warten dann wieder auf den Bus, es ist ja immer noch windig, und wir müssen vom Rollfeld aus wieder einsteigen. Zehn Stunden nach Abflug in Berlin geht es endlich weiter, vor uns liegen gut fünf Stunden Flugzeit über den Atlantik.

Der zweite Flug verläuft unspektakulär, die Maschine holt sogar noch etwas Zeit auf. Customs and Border Control bei der Einreise in die USA geht zügig, obwohl für uns Ausländer nur ein Schalter besetzt ist, schließlich ist es fast Mitternacht hier in Baltimore. Der officer möchte nur wissen, warum wir denn überhaupt ein zehnjähriges Visum besitzen. Die Koffer sind auch da, und der Hotel-Shuttlebus kann noch angefordert werden (er macht von Mitternacht bis vier Uhr morgens eine Pause).

Im Hotel Country Inns & Suites by Radisson bekommen wir ein riesiges Zimmer (eigentlich für vier Erwachsene gedacht) mit großem Bad. Kaffee, Tee und gratis wifi gibt es dort auch, wir versuchen uns, ein wenig von den Strapazen zu entspannen. Gegen ein Uhr Ortszeit geht es nach 24 Stunden auf den Beinen zu Bett, todmüde, denn im Flieger konnten wir nicht schlafen, zu eng.

Morgens gibt es in dem Hotel Frühstück mit allem, was die Einheimischen so mögen, inklusive jeder Menge Plastikmüll am Ende. Wir essen bacon and eggs, oatmeal und waffles, yoghurt und bagels. Und alles, wirklich alles ist in Plastik verpackt, sogar die Bagels einzeln in Tütchen. Getoastet sind sie mit cream cheese sehr lecker. Becher, Teller und Besteck sind natürlich auch aus Plastik.

Alles wie gewohnt in den Staaten, aber so werden wir die Welt nicht mehr retten können vor der endgültigen Klimakatastrophe. Wir blenden das mal kurz aus, denn wir sind inzwischen wirklich sehr, sehr hungrig. Die letzte Mahlzeit war das Frühstück in Berlin vor mehr als 30 Stunden.

Der Concierge der Tagesschicht ist außerordentlich hilfsbereit bei Problemen mit der ATM (kommt für uns kein Geld raus – no credit? – No, Anwendungsfehler!) und der eventuellen Bereitstellung des Telefons, weil unser deutscher Anbieter ein bisschen zickt im nichteuropäischen Ausland. Er wird noch freundlicher, als er erfährt, dass wir aus Deutschland kommen. Er war vor 20 Jahren längere Zeit im Kölner Raum und liebte es dort. Wir benötigen ein Taxi zum Cruise Terminal (nur 15 Minuten entfernt, natürlich nur mit dem Auto erreichbar), und Taxen gibt es in unmittelbarer Hotel nicht mehr, seitdem der Markt von Uber quasi übernommen und plattgemacht wurde. So kommt er auf die Idee, dass der Hotelshuttle uns zum nächsten Bahnhof fahren könnte, da dort immer Taxen warten würden.

Gesagt, getan! Auch der Shuttlefahrer freut sich über deutsche Gäste, da die immer so fantastisch Englisch sprechen können. Er lässt es sich am Bahnhof nicht nehmen, den Taxifahrer über unser Ziel zu informieren, bevor wir aus seinem Bus aussteigen dürfen. Der Taxifahrer wiederum ist begeistert über deutsche Ingenieurskunst und träumt von einem Mercedes 600 SLE aus den Jahren vor der Jahrtausendwende. Ohne einen zu besitzen, könne er nicht in Rente und dann zurück nach Ghana gehen. Auch der Shuttlebus-Fahrer, der sein gesamtes Arbeitsleben in den USA verbracht hat, zieht mit Eintritt in die Rente zurück nach Jamaika. Beide erzählen unabhängig voneinander, dass Schwarze es in den USA nicht gut hätten (und dabei befinden wir uns gerade in Maryland und nicht in den Südstaaten). Traurig.

Caribbean Cruise, day 1, Baltimore (April 2023)

Wir erreichen Maryland Cruise Terminal weit vor der gebuchten Ankunftszeit (14 Uhr), geben die Koffer ab und brauchen nun wirklich einen funktionierenden Geldautomaten, denn der Taxifahrer bekam unser letztes Bargeld. Im Terminal selbst gibt es keine ATM, so die Auskunft der freundlichen Einweiser.

Wahrscheinlich aber wohl dort hinten und zeigen in Richtung Interstate, auf der anderen Seite der I 95, die die Stadt durchteilt. Auf der sind wir im letzten Jahr nachts durch Baltimore gefahren. Nun sollen wir einfach den anderen Leuten folgen, Mitgliedern der Crew, die wüssten den Weg.

Niemand sonst geht hier zu Fuß, wir flitzen also hinterher, damit wir die Menschen nicht aus dem Blick verlieren. Es geht unter der Autobahnbrücke hindurch, gleich darauf eine kleine Treppe hoch und schon ist eine Bank zu sehen. Leider hat sie neue Öffnungszeiten, heute geschlossen. Nicht nur wir sind konsterniert, auch die Frau, die gerade aus ihrem Auto steigt. Sie bestätigt, dass die Bank sonst immer geöffnet hatte.

Gegenüber gibt es einen Harris Teeter food store, kennen wir noch nicht, aber in solchen Geschäften steht immer eine ATM, so auch hier. Wir nutzen die Gelegenheit, uns noch mit Wasser einzudecken, bevor es zum Schiff zurück geht. Wir nehmen dasselbe Tor wie kurz zuvor, doch nun steht dort jemand, der unseren Ausweis sehen möchte. Diesen Weg benutzen eben nur Crewmitglieder, aber er ist dann ganz zufrieden mit unseren Personalausweisen.

Wir sind immer noch viel zu früh zum Einchecken da, beschließen jedoch, es wie die Amerikaner zu tun: Anweisung ignorieren und einfach machen. Und – es klappt! Es ist wenig los, alle sind noch entspannt und wir sind fix wie nix an Bord – schön, wieder hier zu sein.

Die Enchantment of the Seas ist eine Klasse kleiner als das Schiff unserer letzten Cruise und auch schön älter, aber immer noch gut in Schuss. Das Schiff wurde auf der Kværner Masa Werft in Helsinki gebaut und 1997 in den Dienst gestellt. Sie war ursprünglich kürzer. 2005 wurde sie aufgeschnitten und in der Mitte um ein 22 Meter langes Segment erweitert. Dadurch gehört sie der Vision-Klasse an (Infos, die man so nebenbei erzählt bekommt).

Unsere Kabine ist noch nicht bezugsfertig, aber im Windjammer-Restaurant gibt es Lunch, sehr gut, auch gleich mit der ersten Bekanntschaft, Roger and his wife Ada (from Cuba). Das ist das, was wir an den amerikanischen Schiffen lieben. Man kommt sofort in Kontakt mit anderen Menschen. Anschließend erkunden wir das Schiff, machen die ersten, für Amerikaner sehr wichtigen, Aktionen mit (Collect your free charm/ drink/…! Take part in our free raffle! Guess the prize of the …!), gehen draußen spazieren, essen Eis, trinken Kaffee. Um 14 Uhr sind die Kabinen fertig, unsere 2508 ganz vorne ist klein, wirkt gleich i irgendwie vertraut, die Koffer kommen später. Nach dem Auspacken geht es unter die Dusche und dann auch schon zum Abendessen, second seating um 19:45 Uhr. Wir schaffen es so gerade und haben damit auch schon die erste Show verpasst, egal!

Beim Essen haben wir einen Zehner-Tisch bekommen, heute Abend nur zur Hälfte besetzt. Wir lernen Mike und Summer (aus Südkorea) im Alter unserer Eltern und Thomas und Hanna, die unsere Kinder sein könnten, kennen, ein richtiger Mehrgenerationentisch. Dann gibt es ein leckeres Drei-Gänge-Menü, aber keinen Kaffee hinterher wie auf der Jewel. Es ist schon einiges anders hier, aber das meiste ist beruhigend gleich. Wir fühlen uns sofort wohl und wie zuhause (als wenn unser Sabbatjahr gar nicht zuende wäre).

Das Schiff muss nach dem Ablegen unter der Francis Scott Key Bridge hindurchfahren. Wie immer sorgt dies für Fotoalarm und vielen Oohs und Aahs, wenn das Schiff dann doch tatsächlich hindurch passt.

Dann geht es in die Chesapeake Bay, bis wir später in der Nacht den Atlantik erreichen. Vorher schon, auf der Höhe von Annapolis, der Hauptstadt des Staates Maryland, fahren wir noch unter einer sehr langen Brücke hindurch, die sich dann als zwei Brücken entpuppt, für jede Fahrtrichtung eine eigene Brücke.