Etwas Abkühlung, Vikær/ DK, Juni 2023

Für den nächsten Vormittag sind Regen und Gewitter angesagt, also werden am Abend vorher die Wände des Vorzeltes geschlossen. Der Regen ist jedoch noch nicht da, als wir aufstehen und im Zelt herrscht wieder bullige Hitze. Die „Fenster“ werden wieder geöffnet, damit wir im Vorzelt frühstücken können.

Bald danach beginnen die Nachbarn, die beim Abbau sind, sich hektischer zu bewegen. Die können schon die Gewitterwolken sehen, die von Westen auf uns zukommen. Wir schließen die Fenster wieder und holen die restliche Wäsche von der Wäscheleine herein.

Dann beginnt auch schon der Regen, mit Macht! Plötzlich ruhen Auf- und Abbau um uns herum, alle verziehen sich in die Autos oder Vorzelte.

Nach zehn Minuten ist alles vorbei, der Regen stoppt, das Donnergrollen ist nur noch von weitem zu hören. Wir öffnen alle Fenster im Wohnwagen und Zelt wieder, aber von kühler Luft ist noch nichts zu merken.

Eine Stunde später kommt noch einmal richtig viel Wasser herunter. Das Spiel beginnt neu: alle Fenster wieder zu, im Vorzelt sind Gespräche nur schreiend möglich, so laut prasselt es auf‘s Dach.

Wir ziehen die Mittagsstunde vor und lassen uns von den Regentropfen, die auf das Dach schlagen, in den Schlaf lullen.

Danach wird es hier tatsächlich wesentlich kühler und der Wind frischt ordentlich auf.

Nach einer Stärkung mit Zimtteilchen und Kaffee treten auch wir den Heimweg an.

Fahrradtour nach Haderslev/ DK, Juni 2023

Am letzten Wochenende hatten wir die Fahrräder mit in Dänemark, um bei dem schönen Wetter eine kleine Fahrradtour zu machen. Ein Ziel zu haben ist gut, wir wollen also nach Haderslev fahren. Mit dem Auto sind die knapp 14 Kilometer schnell gefahren. Aber die Strecke ist nicht zum Radfahren geeignet. Also suchen wir uns eine Route durch die Felder und über die kleinen Dörfer.

Unser Weg führt uns von Diernæs Strand am Slivsø vorbei Richtung Norden, immer geradeaus. Doch im Hintergrund des Fotos ist schon zu erahnen, dass es nicht dabeibleiben wird.

Wir halten uns rechts und fahren den ersten (von gefühlt Hunderten auf dieser Tour) Hügel hinauf. Oben gibt es einen kurzen Stopp, um den Ausblick nach hinten zu genießen:

Als wir weiterfahren, die andere Seite des Hügels hinunter Richtung Vilstrup, sehen wir zwischen den Feldern jede Menge LKWs auf der Straße fahren. Dabei ist das genauso eine kleine Straße wie die, auf der wir unterwegs sind.

Als wir näher kommen, können wir die Lösung sehen: ein Oldtimer-Nostalgi-Lastbil-Konvoi kreuzt unseren Weg. Vom letzten Fahrzeug gelingt dann noch dieses Foto.

Wir kommen an Schweinemastbetrieben vorbei, die hier sogar schön aussehen (und nicht riechen). Es gibt aber auch andere, aber davon macht man normalerweise keine Fotos.

Wir fahren immer entlang der Getreidefelder, die in allen Stadien der Reifung vorhanden sind. Der Raps (ja, ist eine Ölfrucht) trocknet schon vor sich hin; Weizen, Roggen, Gerste und Hafer (ja, ist ein Gras) wechseln sich ab.

Die Abiturienten haben die Schule abgeschlossen und feiern. Die wummernden Bässe können wir schon von weitem hören.

In Dänemark mieten sie Lastwagen mit Bänken und Tischen auf der Ladefläche und lassen sich klassenweise laut hupend von Elternhaus zu Elternhaus kutschieren (hier in Vandling).

Das erklärte Ziel ist, sich möglichst gründlich und vollständig zu betrinken. Wir werden auf unserer Tour von mehreren Lastwagen mit laut grölenden Menschen überholt. Früher wurden einfach Tische und Bänke auf einen Treckeranhänger gestellt, aber mit steigendem Alkoholkonsum wurde das bei den niedrigen Seitenwänden des Anhängers wohl zu gefährlich.

Offensichtlich waren die Straßen früher viel schmaler und die Fahrzeuge viel niedriger. Bei diesem Hof in Sønder Starup wurden kurzerhand Scheune und Wohnhaus auf pragmatische Weise an die modernen Bedürfnisse angepasst. (Wenn man das Foto etwas aufzieht, kann man es besser erkennen.)

Unsere Strecke führt uns quer durchs Land über Sønder Vilstrup, Kelstrup und Vandling, dann irgendwann doch nach Haderslev.

Auf torvet gibt es samstags Livemusik. Aber vor allem gibt es bei Torvet Is ein wunderbares, großes Erdbeer-Vanille-Softeis für jeden.

Der Genuss ist so groß, dass ich erst dann auf die Idee komme, es zu fotografieren, als es schon zur Hälfte verspiesen ist. Und dann ist es leider nicht mehr sehr fotogen.

Für einen Besuch der örtlichen genbrugs-Läden waren wir leider zu spät dran. Dafür kommen frische neue dänische Kartoffeln mit in die Satteltasche, bevor wir uns auf den Rückweg machen. Diesmal wollen wir einen direkteren Weg nehmen. Der führt uns zunächst zu einem großen Kreisverkehr. Interessanterweise besteht die Mitte nicht aus einem mehr oder weniger inspiriert bepflanzten Hügel, sondern ist sozusagen hohl.

Dort, eine Etage tiefer, wir fahren durch kurze Unterführungen, stoßen wir auf den ersten Kreisverkehr unseres Lebens für Fahrräder. Komplett mit aufgezeichneten Richtungspfeilen! Auf der Karte sind die grünen Linien die Fahrradspuren.

Weiter geht es an schönen Villen vorbei hinaus aus Haderslev. Aber was auf dem Hinweg nach unten führte, führt nun bergauf. Die Steigung ist zwar moderat, aber sehr, sehr lang anhaltend.

Ein Blick zurück über die Schulter zeigt, dass Haderslev ungefähr auf Normalnull liegt, alles andere drumherum aber nicht.

Wir kommen wieder an Vilstrup vorbei, diesmal an der Kirche, die zwischen Norder- und Süder-Vilstrup liegt.

Und damit uns auch geglaubt wird, dass wir uns wirklich anstrengen auf unserer Tour: wir fahren einen Teil der 3. Etappe der Tour de France, die im letzten Jahr durch Dänemark führte!

Als wir kurz vor Schluss schon sehr müde und erschöpft sind, erfreut uns nicht nur der blühende Mohn an den Ackerrändern, sondern auch die Flugkünste der Mitglieder des Haderslev RC Modelflyveklub. Kurz vor unserem Ziel liegt ihr Übungsgelände, und wir können im Vorbeifahren die abenteuerlichen Flugmanöver bestaunen.

Badespaß in der Ostsee, Vikær/ DK, Juni 2023

Die Wochenenden verbringen wir, zu zweit oder mit dem Enkelkind zusammen, wenn es sich zeitlich einrichten lässt, im Wohnwagen an der Ostsee in Dänemark. Mitte Juni war es am Wochenende ziemlich warm, die Wassertemperatur beträgt inzwischen 21 Grad in unserer Badebucht. Es sind aber noch nicht viele Wochenendurlauber auf dem Platz und damit auch nicht am Strand.

Das Enkelkind macht den ersten Versuch ins Wasser zunächst noch in Neopren gehüllt, stellt aber schnell fest, dass das Wasser sehr angenehm temperiert ist, zumindest nach Kindergefühl.

Bei anderen Wasserratten steht stand up paddling hoch im Kurs. Das Wasser ist so flach, dass man gut üben kann, das Gleichgewicht zu halten. Die meisten Menschen bewegen sich dann auch eher sitzend fort.

Zur Mittagszeit wird es etwas voller am Strand. Wir haben vom vielen Plantschen inzwischen Hunger und gehen zum Wohnwagen zurück. Am Nachmittag lockt dann das Minigolf spielen mehr als das Wasser.

Am nächsten Tag geht es dann für das Enkelkind ohne Neopren, sondern nur mit Badehose bekleidet, ins Wasser. Es möchte gern genauso lange wie beim vorherigen Mal im Wasser bleiben. Doch ohne Neopren kühlt so ein kleiner Körper wirklich schneller als gedacht aus. Gut, dass einen die Sonne (und das Handtuch) anschließend schnell wieder aufwärmt.

Heringstage in Kappeln, D (Mai 2023)

Auf dem Rückweg von Dänemark machen wir am Sonntag Halt in Kappeln.

Dort werden gerade die Heringstage veranstaltet, ein viertägiges Volksfest mit viel Livemusik, Jahrmarktsbuden und jeder Menge guter Laune. Wegen Corona fiel das Fest die letzten Jahre aus, nun ist der Nachholbedarf groß.

Der Anlass für das Fest ist der Kappelner Heringszaun in der Schlei. Die Heringe nehmen die Holzkonstruktion als natürliches Hindernis im Wasser wahr und schwimmen einfach weiter. Am Ende verjüngt sich der Zaun, die Fische kommen nicht mehr zurück und können leicht abgefischt werden.

Der Heringszaun ist der letzte seiner Art, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Auf dem Foto ist er schlecht zu erkennen (der Zaun im Wasser hinter dem Segelboot). Besser sieht man ihn hier. Dort steht auch etwas mehr zur Geschichte.

Kappeln erstreckt sich auf beiden Seiten der Schlei. Eine andere Attraktion ist da natürlich die Klappbrücke, die die beiden Landschaften Angeln und Schwansen miteinander verbindet.

Einmal pro Stunde warten Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger mehr oder weniger geduldig vor den Schranken, wenn die Klappbrücke das tut, weswegen sie ihren Namen trägt.

Dann haben Segelschiffe und Ausflugsdampfer Vorfahrt auf der Schlei und fahren entweder weiter bis nach Schleswig oder aber in die andere Richtung in die Ostsee hinein.

Wir sind jedoch nicht nur wegen Fischbrötchen, Burger und den Karussells nach Kappeln gekommen, sondern hauptsächlich wegen der Musik.

Das ganze Drumherum ist wirklich sehr gut organisiert. Die Künstler haben einen Backstage- Bereich, der den Namen verdient und sogar einen eigenen Toilettenwagen.

Und dann wird es noch einmal sehr voll vor der wirklich großen Bühne. Kay beschließt die Heringstage mit einem gelungenen Auftritt und alle gehen bzw. fahren beschwingt und sehr zufrieden nach Hause.

Himmelfahrtswochenende in der Diernæsbucht, DK (Mai 2023)

Extralanges Wochenende durch einen Brückentag, wir sind zurück auf dem Campingplatz. Der ist voll belegt, das Wetter tagsüber sonnig, nachts brauchen wir immer noch zwei Decken. Die Heizung funktioniert auch wieder, das Auswechseln der Batterie war leicht.

Wir machen einen Spaziergang an der Bucht entlang bis Sønderballe und von dort durch die Felder zurück zum Campingplatz.

Am Strand können wir sehen, wieviel Land das Meer während des starken Ostwinds vor zwei Wochen von der Steilküste abgeknabbert hat.

Der Landwirt, der das Rapsfeld ausgesät hat, muss auf einen Teil seiner Ernte verzichten.

Ansonsten zeigt sich Dänemark heute von seiner hyggeligsten Seite.

Am Freitag machen wir einen kleinen Ausflug nach Aabenraa zum Einkaufen. Außer den wichtigen Grundnahrungsmitteln finden wir zum Tee ein leckeres Gebäck: Brunsvigerkage, extrem lecker.

Auf dem Weg zurück zum Campingplatz halten wir an der Kalvø Røgeri an, um fürs Abendessen geräucherte Makrele zu kaufen. Auch diese ist später sehr lecker auf Brot, zusammen mit einem Salat.

Unser Spaziergang heute führt uns in die andere Richtung am Strand entlang. Wenige mutige Kinder sind im Wasser, es muss eiskalt sein. Die anderen versuchen durch Buddeln am Strand doch irgendwie das Grundwasser zu erreichen und machen dann mutige Sprünge über die tiefe Grube.

Sonnabend dreht der Wind wieder nach Osten, durch den Wind erscheint es kühler zu sein als es wirklich ist. Zum in der Sonne sitzen ist es draußen zu windig. Aber zum Spazierengehen und Rasenmähen ist das Wetter perfekt.

Den Spindelmäher kann man sich an der Rezeption ausleihen. Als vorübergehende Dauercamper muss man regelmäßig um Wohnwagen und Vorzelt herum mähen.

ein holpriger Camping-Kaltstart, DK (April/ Mai 2023)

In diesem Jahr probieren wir aus, wie es sich als Dauercamper anfühlen wird. Der Wohnwagen soll die Saison über in Dänemark stehen. Als wir den Wohnwagen im frühen Frühjahr auf dem Campingplatz in Vikær aufstellten, war es eisig kalt und der Boden noch total durchgeweicht vom dauernden Regen im Winter. Zuerst setzte sich das Auto im Matsch fest, es ging weder vor noch zurück. Dann versuchten wir es mit dem Wohnwagen, der verfügt über einen Mover. Doch auch das schlug fehl, die Räder des Wohnwagens versanken ebenfalls in der Grasnarbe. Nichts ging mehr, weder vor noch zurück. Alles war matschbespritzt und unsere Laune auf dem Tiefpunkt.

Der Campingplatzbesitzer kam schließlich mit Trecker und Gummimatten zu unserer Rettung (wir waren nicht die einzigen, er hatte an dem Tag gut zu tun). Zuerst schob und zog er den Wohnwagen an Ort und Stelle. Es war faszinierend, wie filigran er mit dem Trecker umgehen konnte. Danach wurde unser Auto auf den Schotterweg gezogen, es musste nach diesem Ausflug ganz dringend in die Waschstraße.

Damit wir das Vorzelt überhaupt aufbauen konnten, wurde eine Baggerschaufel an den Trecker montiert und kurzerhand Sand vom Strand geholt. Diese Schaufel voll Sand kippte er einfach vor dem Wohnwagen aus, und wir konnten mit dem Zeltaufbau beginnen.

Pünktlich mit dem ersten Regen war das Vorzelt komplett aufgebaut. Eigentlich wollten wir zwei Nächte auf dem Platz bleiben und die Campingsaison richtig einläuten. Aber es war noch mehr Regen und Kälte angekündigt. Daher tranken wir noch einen Tee, um uns aufzuwärmen und fuhren dann wieder nach Hause.

Fünf Wochen später (zwischenzeitlich waren wir ja in der Karibik) versuchten wir es wieder mit dem Campen. Diesmal blieben wir, mit reichlich Kuscheldecken ausgestattet, immerhin für zwei Nächte. Das Enkelkind freute sich so sehr darauf, im Wohnwagen zu sein, wir konnten es ihm nicht abschlagen, trotz des anhaltenden Sturms. Das Vorzelt flatterte laut im Wind, der Regen pladderte auf das Dach, die Heizung lief zuverlässig. Die Gasflaschen waren voll. Es war sehr kuschelig im Wohnwagen, doch ab und zu mussten wir einfach mal hinaus in den Sturm zum Auslüften.

Dem Enkel machte die Kälte nichts aus, wir harrten im strammen Ostwind auf dem Spielplatz aus, bis wir unsere Hände und Füße nicht mehr fühlten. Gut, dass wir uns im Wohnwagen aufwärmen konnten.

Doch am letzten Morgen blieb die Heizung kalt. Ein Blick ins Handbuch zeigte, dass die Batterie, die in der Heizung für den Zündfunken sorgt, wohl leer war. Ein Ersatz war nicht an Bord, und so strichen wir nach dem Frühstück die Segel und fuhren nach Hause.

Let‘s cruise – Abreise, Teil 2: Reykjavik – nach Hause (April 2023)

Der Rest der Reise ist schneller erzählt als erlebt.

Der Zwischenstopp auf Island ist wieder viel zu kurz. Wir können grad noch einen Kaffee kaufen (hier ist es 5:30 Uhr morgens). Während des Toilettengangs ertönt schon der last call fürs Boarding. Wir flitzen mit dem noch gefüllten Kaffeebecher an Bord und entspannen uns die nächsten vier Stunden.

In Berlin erwarten uns die Auswirkungen des Bahnstreiks. Keiner der Züge, für die wir Platze gebucht hatten, fährt. An den Autovermiet-Stationen am Flughafen bilden sich lange Schlangen. Wir diskutieren bei einem weiteren Kaffee, ob wir uns dort einreihen sollen, beschließen aber, unser Glück zu versuchen. Die Regionalbahn Richtung Hauptbahnhof fällt wegen einer Baustelle aus, aber die S-Bahn fährt.

Am Hauptbahnhof angekommen, fahren demnächst nur Nahverkehrszüge Richtung Norden, wir müssten mit den Koffern bis zu sieben mal umsteigen. Das wollen wir nicht. So suchen und finden wir schließlich große Schließfächer und einen funktionierenden Geldwechsler, werden die Koffer los und nutzen den Sonnenschein aus.

Am Hamburger Bahnhof (ein Kunstmuseum) setzten wir uns in die Sonne zum Lesen. Der Eintritt zur Ausstellung ist uns für die Kürze der Zeit zu hoch. Dann geht es zurück zum Hauptbahnhof, denn am späten Nachmittag soll ein ICE eingesetzt werden, der alle gestrandeten Passagiere nach Hamburg bringen soll.

Wir kaufen noch etwas Proviant, bevor es zum Zug geht. Dort breitet sich Unsicherheit aus, denn im Zug wird angezeigt, dass das Ziel Nürnberg sein soll. Die Ansage des Zugpersonals versichert uns aber, dass wir nach insgesamt sieben Stunden tatsächlich weiter nach Norden fahren werden.

In Hamburg fahren alle Anschlusszüge planmäßig, so dass wir am Ende nur mit dreistündiger Verspätung nach mehr als 30 Stunden am späten Abend wieder zu Hause sind. Eine sehr abwechslungsreiche Kreuzfahrt mit anstrengenden An- und Abreisetagen liegen hinter uns.

Let‘s cruise – Abreise, Teil 1: Baltimore – Reykjavik (April 2023)

Wir hatten im Vorwege ground transportation gebucht und waren gespannt, wie das klappen wird. Sehr gut! Nach einem letzten ausgiebigen Frühstück geht es zügig von Bord, zügig durch die Kontrollen, die Koffer stehen in der Halle bereit, die bestellten Minibusse vor der Halle auch. Alles geht so schnell, dass ein letztes Foto vom Schiff nur noch aus dem Auto heraus möglich ist.

Um 10 Uhr vormittags sind wir bereits im Flughafengebäude und nutzen das wlan aus, lesen, spazieren herum und warten, dass die Zeit vergeht. Die Koffer werden wir leider erst ab 16 Uhr los. Das macht einem möglichen kurzen Ausflug in die Stadt hinein unmöglich.

Es ist unglaublich ruhig und sauber in diesem Teil des Flughafens, international departures sind an den heutigen Tag nicht so nachgefragt. Beim Aufgeben der Koffer, es sind vier Schalter offen, wir sind die ersten in der Warteschlange, geraten wir nicht nur an den neu Anzulernenden und den leeren Drucker für die Bordkarten. Wir lernen auch, dass die Kennzeichnung unserer Ausweise DEU lautet, der Mann hat solche noch nie in der Hand gehabt. Es dauert alles etwas länger, aber wir haben ja nichts weiter zu tun.

Die Ausweiskontrolle und die Sicherheitskontrolle gegen dann so schnell wie noch nie, trotz Verzögerung beim Fotografieren des Gesichts und Ausziehen der Schuhe. Nach weniger als einer halben Stunde sind wir durch mit allem. Bevor wir zum concourse E gehen, holen wir uns etwas warmes zu essen und zu trinken. Die Wasserflaschen können wir am Wasserspender auffüllen.

Wir laden im Wartebereich noch etwas Strom in unsere Geräte und schon geht das Boarding los. Wir können den Flughafen BWI nur wärmstens empfehlen, es kommt uns vor, als würden wir uns schon wieder in Europa befinden.

Während des Fluges kommt es wieder zu Turbulenzen, sodass wir nicht zwischendurch aufstehen dürfen. Das superbequeme Nackenhörnchen, das ich mir gerade auf dem Flughafen gekauft habe, harmoniert nicht so gut mit den steilen Lehnen, wie schade. So ziehen sich die ersten sechs Stunden Flug sehr in die Länge.

Caribbean Cruise, day 12, last day at sea (April 2023)

Unser letzter Tag auf See, und das Frühstück im Restaurant schmeckt auch wieder sehr gut. Komischer Krankheitserreger, der sich ein Weilchen bei uns wohl fühlte. Wir hatten im Restaurant um etwas frischen Ingwer für unseren Aufguss gebeten und ein volles Schälchen bekommen. So können wir heute noch das letzte Ingwerwasser trinken und unserem Immunsystem etwas gutes tun.

Es ist immer noch schön warm für unsere norddeutschen Verhältnisse. Daher können wir es uns auch draußen auf den Liegen gemütlich machen und lesen. Zwischendurch suchen wir uns neue Schattenplätze und entdecken das erste Mal das Guckloch im Fußboden des Pooldecks. Zehn Stockwerke über dem Meeresspiegel, wie gut, dass es Sicherheitsglas gibt!

Vor dem Abendessen gibt es noch eine Flaggenparade im Centrum. Sie möchten zeigen, wieviele Nationen hier auf dem Schiff arbeiten (Menschen aus 62 Nationen) und diese wertschätzen. Deren Flaggen werden von Repräsentanten hereingetragen und die Nationen werden von Cruise Director Carly vorgelesen. Einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steuern kleine Showeinlagen bei, unterhaltsamer als zuvor gedacht.

So kommen wir reichlich verspätet zum letzten Abendessen. Das junge Paar taucht gar nicht auf, beide sind inzwischen krank. Mike redet dafür ziemlich ununterbrochen. Er erzählt uns mehrmals die Geschichte, wie er an seinen goldenen (okay, vergoldeten) Cartier-Stift gekommen ist. Als er in den 1970er Jahren in Südkorea stationiert war, vertrieb er sich abends die Zeit damit, Poker zu spielen. Ein ihm völlig unbekannter Mensch drängte ihm diesen Kugelschreiber von Cartier auf. Er hätte ihn den ganzen Abend nur Unglück gebracht, nun sei er völlig pleite und wolle das Unglück unbedingt loswerden.

Mike dagegen gewann danach und hatte, so sagt er, fürderhin immer nur Glück im Leben. Wenn das Leben man wirklich so simpel wäre. Nun ist der Stift schon fast fünfzig Jahre bei ihm, und so langsam gibt die Mine auf. Leider gelang es ihm bisher nicht, dafür eine passende Ersatzmine in den USA (und auch nicht in Frankreich) zu finden.

Wir bauen den Stift auseinander, und siehe da: deutsche Qualitätsarbeit! Die Mine ist von Faber-Castell, made in Germany, darum hält sie schon fünfzig Jahre. Wir geben Mike die Webadresse. Vielleicht gelingt es ihm ja, auf diesem Wege eine Ersatzmine zu erhalten. Wir werden es wohl nie erfahren, denn wir wollen auf keinen Fall auf einer späteren Kreuzfahrt mit ihm wieder an einem Tisch sitzen.

Nach dem Abendessen steht nur noch das Kofferpacken auf dem Plan. Diese müssen rechtzeitig vor die Kabinentür gestellt sein, damit morgen beim Ausschiffen auch alles klappt.

Caribbean Cruise, days 10+11, at sea and sick (April 2023)

Wir fahren nun straight nach Nordwesten und verbringen die nächsten drei Tage wieder auf See. Uns hat nacheinander ein merkwürdiges Virus (?) ergriffen, hohes Fieber und wenig Stimme.

Da hilft nur im Bett bleiben, schlafen oder lesen. und vom jeweilig gesünderen Partner versorgt zu werden, zum Beispiel mit heißem Ingwerwasser. Das wirkt Wunder, bald ist die Stimme wieder da, etwas tiefer als gewöhnlich. Helfen tun auch die süßen Leckereien, mit denen wir plötzlich auf der Kabine überrascht werden.

Wir sind nicht die einzigen an Bord, denen es so ergeht. Die Tische abends im Restaurant sind merklich leerer. Abends erfreut uns die Handtuchfalterei unseres Kabinenstewards Mario, wenn wir vom Abendessen wiederkommen.