Gestern waren wir auf einer deutschen Weihnachtsfeier, komplett mit Spekulatius und Kerzen auf den Tischen, Glühwein und Kartoffelsalat und Weihnachtsliedern. Wie wir dahin gekommen sind, ist schon eine Geschichte.
Am Mittwoch waren wir in Downtown Lafayette, kamen an einem Friseurgeschäft vorbei und gingen kurzerhand hinein, da Kay dringend eine Auffrischung seiner neuen Kurzhaarfrisur benötigte. Walk-ins were welcome, er musste nur ein bisschen warten. Wir machten es uns mit Kaffee und Zeitschriften gemütlich, unterhielten uns und beobachteten, wie es so bei einem amerikanischen Friseur funktioniert. Davor waren wir nur in barber shops gewesen. Als nächstes kam eine alte Dame hinein, die einen Termin hatte. Auch die setzte sich zu uns in die Sitzecke. Als Kay zum shampooing ging, sprach sie Martina an mit den Worten:“Bitte sounds German to me.“ Es stellte sich heraus, dass sie ursprünglich aus Deutschland kam, aber bereits seit 1962 in den USA lebt. Daraus entwickelte sich ein angeregtes Gespräch in einem stetigen Wechsel der Sprachen über Reiseverlauf, Besonderheiten der USA, Sehenswürdigkeiten der Gegend, das wir nach dem Friseurbesuch bei einem Becher Kaffee im gegenüberliegenden Café fortsetzten. Therese, 85 Jahre jung, erzählte uns dann von der deutschen Weihnachtsfeier am Freitag, zu der wir doch mitkommen müssten, sie werde das mal regeln. Wir tauschten Telefonnummern aus und verabschiedeten uns voneinander.
Sie rief am nächsten Abend tatsächlich an und hatte mit der Gastgeberin Anja gesprochen, wir sollten definitiv kommen. Gestern dann sind wir wieder in die Innenstadt gefahren, haben den Van am Ende der Partymeile geparkt, sind zu Therese ins Auto gestiegen und los ging’s. Alte Leute können nachts nicht mehr sehr gut gucken, deshalb fanden wir die Straße nicht gleich, Therese gefiel die Gegend auch nicht so besonders gut. Aber schließlich kamen wir an und sahen die deutsche Flagge am Zaun hängen.
In Lafayette und Umgebung gibt es etliche Deutsche aus allen Teilen der Bundesrepublik. Ein Teil, alles Frauen, hat sich zum German Club zusammen geschlossen. Sie treffen sich einmal im Monat, meistens in Restaurants, und eben zur Weihnachtszeit bei einer von ihnen zuhause. Jeder brachte etwas zu essen für das Büffet mit, ein Weihnachtsgeschenk, die eigenen Getränke und evt. Kinder und den Mann, der Amerikaner ist. Es gab so leckeres Essen, unglaublich gut gewürzt, unter anderem Chili aus Reh-Hackfleisch (They cooked Bambi!), Rehbraten und Truthahn, gefüllte Paprika, Salate, Erdbeeren mit Schokolade überzogen, sandwiches und noch viel mehr. Da das Wetter gut war (25 Grad am Abend), stand das Essen drinnen und die Feier war draußen. Auf ein Cajun-Chili, egal ob aus Reh oder anderem Fleisch, gehört geriebener Cheddar und dazu isst man Chips bzw. Nachos. Ein ordentlich großes Lagerfeuer durfte nicht fehlen, da standen eher die Männer drum herum. Wir hatten statt Essen die Gitarre und Weihnachtslieder mitgebracht und nach dem Essen wurden deutsche Weihnachtslieder geschmettert. Kay sang immer alle Strophen, der „Chor“ war, wie eigentlich immer bei solchen Anlässen, besonders bei der jeweils ersten Strophe sehr aktiv dabei. Dann kamen die Geschenke, die vorher unter dem Weihnachtsbaum lagen, auf den Tisch (innen war es einfach zu warm). Das Spiel heißt Bad Santa. Jeder, der ein Geschenk mitgebracht hatte, durfte eine Nummer aus der Wichtelmütze ziehen. In dieser Reihenfolge wurde dann nacheinander ein Geschenk aus dem Stapel ausgesucht, ausgepackt und herumgezeigt. Das hieß aber nicht, dass man es ohne weiteres behalten konnte. Die nachfolgenden Personen durften es, statt ein Geschenk auszuwählen, auch stehlen. Insgesamt durfte ein Geschenk bis zu dreimal gestohlen werden, bis es dem letzten schließlich gehörte. Das gab ein großes Hallo unter den Frauen, favorisierte Dinge wie ein Gewürzregal, eine große Wanduhr oder ein Bademantel und viel Spaß für uns beim Zuschauen.
Nach sehr netten Gesprächen über Deutschland, Amerika und die Welt mit Deutschen und Amerikanern, Bedauern, dass wir schon am Sonntag abreisen werden, vielen guten Tipps für die nächsten Aufenthalte hier und dem Angebot der kostenfreien Übernachtung, verließen wir die Germans in Acadiana wieder mit dem Wissen, etwas ganz besonders erlebt zu haben.


















































