Deutsche Weihnachtsfeier in Lafayette

Gestern waren wir auf einer deutschen Weihnachtsfeier, komplett mit Spekulatius und Kerzen auf den Tischen, Glühwein und Kartoffelsalat und Weihnachtsliedern. Wie wir dahin gekommen sind, ist schon eine Geschichte.

Am Mittwoch waren wir in Downtown Lafayette, kamen an einem Friseurgeschäft vorbei und gingen kurzerhand hinein, da Kay dringend eine Auffrischung seiner neuen Kurzhaarfrisur benötigte. Walk-ins were welcome, er musste nur ein bisschen warten. Wir machten es uns mit Kaffee und Zeitschriften gemütlich, unterhielten uns und beobachteten, wie es so bei einem amerikanischen Friseur funktioniert. Davor waren wir nur in barber shops gewesen. Als nächstes kam eine alte Dame hinein, die einen Termin hatte. Auch die setzte sich zu uns in die Sitzecke. Als Kay zum shampooing ging, sprach sie Martina an mit den Worten:“Bitte sounds German to me.“ Es stellte sich heraus, dass sie ursprünglich aus Deutschland kam, aber bereits seit 1962 in den USA lebt. Daraus entwickelte sich ein angeregtes Gespräch in einem stetigen Wechsel der Sprachen über Reiseverlauf, Besonderheiten der USA, Sehenswürdigkeiten der Gegend, das wir nach dem Friseurbesuch bei einem Becher Kaffee im gegenüberliegenden Café fortsetzten. Therese, 85 Jahre jung, erzählte uns dann von der deutschen Weihnachtsfeier am Freitag, zu der wir doch mitkommen müssten, sie werde das mal regeln. Wir tauschten Telefonnummern aus und verabschiedeten uns voneinander.

Sie rief am nächsten Abend tatsächlich an und hatte mit der Gastgeberin Anja gesprochen, wir sollten definitiv kommen. Gestern dann sind wir wieder in die Innenstadt gefahren, haben den Van am Ende der Partymeile geparkt, sind zu Therese ins Auto gestiegen und los ging’s. Alte Leute können nachts nicht mehr sehr gut gucken, deshalb fanden wir die Straße nicht gleich, Therese gefiel die Gegend auch nicht so besonders gut. Aber schließlich kamen wir an und sahen die deutsche Flagge am Zaun hängen.

In Lafayette und Umgebung gibt es etliche Deutsche aus allen Teilen der Bundesrepublik. Ein Teil, alles Frauen, hat sich zum German Club zusammen geschlossen. Sie treffen sich einmal im Monat, meistens in Restaurants, und eben zur Weihnachtszeit bei einer von ihnen zuhause. Jeder brachte etwas zu essen für das Büffet mit, ein Weihnachtsgeschenk, die eigenen Getränke und evt. Kinder und den Mann, der Amerikaner ist. Es gab so leckeres Essen, unglaublich gut gewürzt, unter anderem Chili aus Reh-Hackfleisch (They cooked Bambi!), Rehbraten und Truthahn, gefüllte Paprika, Salate, Erdbeeren mit Schokolade überzogen, sandwiches und noch viel mehr. Da das Wetter gut war (25 Grad am Abend), stand das Essen drinnen und die Feier war draußen. Auf ein Cajun-Chili, egal ob aus Reh oder anderem Fleisch, gehört geriebener Cheddar und dazu isst man Chips bzw. Nachos. Ein ordentlich großes Lagerfeuer durfte nicht fehlen, da standen eher die Männer drum herum. Wir hatten statt Essen die Gitarre und Weihnachtslieder mitgebracht und nach dem Essen wurden deutsche Weihnachtslieder geschmettert. Kay sang immer alle Strophen, der „Chor“ war, wie eigentlich immer bei solchen Anlässen, besonders bei der jeweils ersten Strophe sehr aktiv dabei. Dann kamen die Geschenke, die vorher unter dem Weihnachtsbaum lagen, auf den Tisch (innen war es einfach zu warm). Das Spiel heißt Bad Santa. Jeder, der ein Geschenk mitgebracht hatte, durfte eine Nummer aus der Wichtelmütze ziehen. In dieser Reihenfolge wurde dann nacheinander ein Geschenk aus dem Stapel ausgesucht, ausgepackt und herumgezeigt. Das hieß aber nicht, dass man es ohne weiteres behalten konnte. Die nachfolgenden Personen durften es, statt ein Geschenk auszuwählen, auch stehlen. Insgesamt durfte ein Geschenk bis zu dreimal gestohlen werden, bis es dem letzten schließlich gehörte. Das gab ein großes Hallo unter den Frauen, favorisierte Dinge wie ein Gewürzregal, eine große Wanduhr oder ein Bademantel und viel Spaß für uns beim Zuschauen.

Nach sehr netten Gesprächen über Deutschland, Amerika und die Welt mit Deutschen und Amerikanern, Bedauern, dass wir schon am Sonntag abreisen werden, vielen guten Tipps für die nächsten Aufenthalte hier und dem Angebot der kostenfreien Übernachtung, verließen wir die Germans in Acadiana wieder mit dem Wissen, etwas ganz besonders erlebt zu haben. 

 

Martina sitzt neben Therese, die von allen nur Oma genannt wird
  
Geschenke auf amerikanisch verpackt: in Schachteln oder Tüten gesteckt, mit buntem Tissuepapier abgedeckt
 

Spice up your life in Arcadiana

Cajun ist ja nicht nur Musik, sondern auch gut gewürztes Essen. Rund um Lafayette gibt es da so einiges zu sehen. Wir sind zur Tabasco-Fabrik auf Avery Island gefahren. Von dort kommt das gesamte Kontingent der verschiedenen Tabasco-Soßen, die wir auch zuhause kaufen können (okay, dort wahrscheinlich nicht alle Varianten). Sie bauen zwar gerade um und ein Museum neu dazu, und daher gab es keine guided tour. Aber wir haben einen Film gesehen und Informationen zum Herstellungsprozess bekommen. Und sie waren freigiebig mit den samples: es gab eine kleine Flasche Original Pepper Sauce und einige Proben der anderen, dazu konnten wir leckeres Chili und ein paar Soßen probieren. Zum Teil waren die einfach zu scharf für unsere Gaumen. Aber die Schärfe wurde anschließend gemildert durch die Kostproben von Jalapeno-Eis, sehr lecker! Das wird zuhause ausprobiert, wenn wir wieder da sind.  

auf dem Fabrikgelände von Tabasco, Avery Island
die Chilischoten werden gemahlen, mit Essig gemischt und in Jack Daniels Whiskeyfässern drei Jahre gelagert

   

Hier in der Gegend wird auch Reis angebaut. Dafür wird das Feld wird eingeebnet und gewässert. Dann wirft ein Flugzeug Saat und Dünger ab. Nach dem Keimen wird das Feld mehrmals abwechselnd unter Wasser gesetzt und wieder trocken fallen gelassen. Schädlinge gibt es nicht in den Feldern, da Flusskrebse ausgesetzt werden, die sich unter den Boden verziehen, wenn das Feld grad mal trocken ist. Das praktische ist, dass man außer Reis auch gleichzeitig Krebse ernten kann. Wie der Reis anschließend behandelt wird, haben wir auf einer Tour durch die älteste noch arbeitende Reismühle in New Iberia erfahren, die seit mehr als hundert Jahren nach dem gleichen Prinzip arbeitet, nur dass heutzutage die Maschinen nicht mehr mit Dampfmaschinen angetrieben werden, sondern auf Elektrizität umgestellt wurden. Im company store von Konriko konnten wir Reis, Reiscracker, verschiedene Soßen probieren und alles mit Kaffee herunterspülen und natürlich auch einkaufen.

 

Conrad rice company in New Iberia
  
die Reismühle – the rice mill
  
inside the mill, more than 100 years old and still working
  
packing the rice
 
Auch Zuckerrohr wird hier rund um Lafayette angebaut, und sogar im Stadtgebiet haben wir Zuckerrohrfelder gesehen. Es gibt sie abgeerntet, mit kleinen, mittelgroßen oder ganz großen Pflanzen zu sehen. Im Moment läuft gerade die Ernte. 

 

kleine Zuckerrohrpflanzen – small sugar cane plants
  
große Zuckerrohrpflanzen – big sugar cane plants
  
keine Zuckerrohrpflanzen mehr – no more sugar cane plants
  
Erntewagen – harvesting vehicles
 
Abends haben wir unsere Einkäufe aus den company stores gleich ausprobiert. Es gab geschmortes Gemüse der Saison, gewürzt mit Tabasco und Creole Seasoning, dazu Reis. Sehr schön spicy!!

 

cajun food feeling
 
We drove to Avery Island to visit the Tabasco plant. The factory tour was closed, but we got information how the sauce is made via a film and the free samples. Some sauces were soooo hot, the following ice cream was really soothing. Jalapeño ice cream is delicious. After that we headed towards New Iberia to see the oldest still working rice mill Americas. Konriko’s company store was well stocked, too, so we could try free samples and buy some rice and seasoning. Water-seeding rice is the traditional method of seeding rice in Southwest Louisiana. Airplanes drop the seed together with fertiliser over flooded fields. They put crawfish into the fields as well, which crawl into the soil, when the fields are dry. So they can harvest rice and crawfish, quite smart. On our way back we saw cane sugar fields, some still green in several states of growth, some were harvested. In our camper van we tried out our purchases and cooked a very nice dish out of vegetables and rice, seasoned with Tabasco sauce and creole seasoning. 

 

Ein guter Hirte -A good shepherd

Nachdem wegen der Unfallschädenbeseitigung immer noch keine Nachricht vom Autovermieter gekommen ist, dann schon letzten Freitag vorne unter dem Auto auf dem Walmart-Parkplatz eine große Wasserpfütze zu sehen war, danach am Sonntagmorgen das Abwasser nicht abzulassen war, waren wir gestern Abend mit den Nerven reichlich am Ende: beim Auffüllen des Frischwassertanks lief irgendwo dort hinten unten links Wasser heraus. Heute morgen stellte sich heraus, dass der Abwassertank leckte. Das brachte das Fass mit all den vielen kleinen Unzulänglichkeiten des alten Vans buchstäblich zum Überlaufen. Nachdem wir daraufhin mit der Vermietung telefoniert hatten, schickten wir in einer Email eine lange Mängelliste nach Peekskill. Gegen Mittag riefen sie an (die Email war nicht gelesen worden, wie wohl auch einige vorher nicht) und gaben die Adresse eines RV Repair Shops durch, zu dem wir dann schnurstracks aufbrachen. Unser Campground hat ja Wilderness schon im Namen, aber es ging noch weiter hinein in dieselbe. (Wir erfuhren später, dass ungefähr gleich hinter der Werkstatt das riesige Sumpfgebiet anfängt, in dem die Fische (Kays catfish) und Krokodile (Martinas gator sausage) gefangen werden, die sie hier im Süden gern verspeisen.) An etlichen weiteren RV- und einem Dinosaurierpark (könnte auch eine passende Bezeichnung für einige der RV-Bewohner sein) vorbei, kamen wir dann bei Good Shepherd RV Services an. Nach unserer Odyssee durch Savannah wegen der Schrankreparatur waren wir gespannt, was uns diesmal erwarten würde. Wir sind ja angewiesen auf den Van, er ist für uns nicht nur Fortbewegungsmittel, sondern bedeutet für uns auch ein Zuhause, eine Rückzugsmöglichkeit aus diesem riesigen, uns oft unmöglich erscheinenden Land. Daher ist es für uns wichtig, dass alles (wenn auch manchmal nur halbwegs) gut und zuverlässig funktioniert. Was wir dann erlebten, wäre uns nicht einmal im Traum eingefallen. Eine Freundlichkeit und Zugewandheit des gesamten Personals, tiefes Verständnis für unser Bedürfnis, ein funktionierendes Zuhause zu haben, aufrichtiges Interesse an uns und unseren Geschichten erwarteten uns. Der Besitzer Mitch regelte alles telefonisch mit der Vermietstation, erklärte uns immer, was gemacht wurde. Die benötigten Ersatzteile wurden per Kurier gebracht. Alles wurde repariert, auch die nervigen Kleinigkeiten wie die fehlende Abdeckung an einem Lichtschalter  oder das lose Schanier an der Herdabdeckung. Der Abwassertank stellte sich als verstopft heraus (einfach zu lösen), das leckende Kühlwasser als Kondenswasser der Klimaanlage (ist normal). Vielleicht wäre eine ausgiebige Erklärung des Wohnmobils bei der Übergabe ganz sinnvoll gewesen. Die Bezahlung regelten sie ebenfalls untereinander. Die nette Tina am Empfang versorgte uns während der Wartezeit mit Ausdrucken über Lafayette, geschichtlichen, politischen, kulturellen Informationen. Die Mechaniker erzählten uns während ihrer Zigarrettenpausen von ihren Auslandserfahrungen (auch in Deutschland) während ihrer Armeezeit. Eine skurrile Anekdote am Rande: Das gute Flensburger Bier wird hier im Süden der USA nur in Houston verkauft. Von dort bringt ein Kumpel dem Freund des einen Mechanikers immer einige Flaschen nach Lafayette mit. Er wusste genau, was wir mit dem ‚Plopp‘ meinten! Die Arbeiter, die über der Werkstatt ein Apartement ausbauen, kamen vorbei, um sich mit uns zu unterhalten. Alles in allem haben wir ungefähr drei ganz überaus angenehme Stunden dort verbracht und konnten in den hellblau-rosanen Sonnenuntergang hinein wieder zum Campground zurück fahren, glücklich und dankbar, dass der gute Hirte da ganz oben uns einen irdischen guten Hirten zur richtigen Zeit geschickt hat. 

  
Several minor issues, water dripping down from somewhere in the motor block and a leakage in the grey water tank in our rented campervan brought us to Good Shepherd RV Services. It was just amazing how they took care of us, being from Germany and not familiar with all vocabulary and terms. Mitch phoned the rental station to work out what had to be done. Everything was done at once. After a few hours, which we spent there enjoying the friendliness and helpfulness of everybody there, we could drive back to our campground. Everything was working fine again and, in addition to that, we took home several good ideas for visiting places in the area. Thank you so much!

Nikolaus in Gummistiefeln

Dieses Land, in dem wir uns seit ein paar Tagen aufhalten, der Süden von Louisiana, ist gar kein Land. Das ist in Wirklichkeit nur verkleidetes Wasser. Schaut es mal auf einer Landkarte an. Die Küstenlinie ist total amorph, sie löst sich einfach in kleine und kleinste feste Bestandteile auf und verschwindet dann im Golf von Mexiko. Heute ging es von New Orleans über Baton Rouge, wo wir den Mississippi River überquert haben, nach Lafayette und das eigentlich die ganze Zeit mehr oder weniger auf Brücken über Sümpfe, Seen und Flüsse. Und nun sind wir auf einem Campground gelandet, der Bayou Wilderness heißt und wo es auch ziemlich feucht ist. Dafür hatten wir aber blauen Himmel mit 22 Grad.

 

Interstate 10 west, Anfahrt auf Baton Rouge
  
Mississippi River bei Baton Rouge
   
Bridges are a very useful invention when driving through the south of Louisiana. We drove from New Orleans via Baton Rouge, where we crossed the Mississippi River, to Lafayette and all we saw was water. Water in rivers, water in lakes, water in swamps. But fortunately no water from above, but lovely blue sky with 72 degrees.

New Orleans – City of Jazz and Krewes of Jingles

In New Orleans zu sein und nicht das French Quarter zu besuchen, wäre ja fahrlässig. Deshalb haben wir heute den vom RV-Park angebotenen Shuttle-Service genutzt und uns direkt dorthin fahren lassen. Morgens um halb elf waren schon eine Menge Touristen im French Quarter unterwegs und gleichzeitig lagen noch etliche Schnapsleichen auf den Straßen herum. Uns wurde erzählt, dass morgens die Straßen alle gründlich gereinigt und mit einem Duft besprüht werden, damit man es dort nach den Partyexzessen der vergangenen Nacht überhaupt aushalten kann. Es stimmte, überall war und roch es sauber, glücklicherweise. In diesem Teil der Stadt sah es so aus, wie wir es aus Funk und Fernsehen kennen. Alles ist nach dem Hurrikan Katrina wieder (für die Touristen) aufgebaut worden. Aber wenn man an den Fassaden nur etwas höher als bis zum ersten Stock schaut, dann weiß man, was mit dem Begriff ‚morbider Charme‘ gemeint sein kann. Unten blinkt und glitzert es, vor allem in der Dunkelheit, weiter oben interessiert es keinen, denn damit wird kein Geld gemacht. Auf dem Weg in die Innenstadt waren durchaus noch etliche Spätfolgen des Hurrikans zu sehen, obwohl das inzwischen zehn Jahre her ist und es sich nicht um den berühmt-berüchtigten Lower 9th Ward handelt.

   
 Rund um den Jackson Square standen die Maler wie in Frankreich und stellten ihre Werke am Zaun aus. Vor der St. Louis Cathedral hatten die witches, Tarot-Kartenleserinnen und palm reader ihre Tische und Requisiten aufgestellt und beschäftigten sich mangels Kundschaft mit ihren Smartphones. 

 

Kunst am Jackson Square
  
St. Louis Cathedral
  
a lot of voodoo
 
Im Louis Armstrong Park waren den lokalen Größen des Jazz und des Mardi Gras Statuen gewidmet, außer Satchmo waren u.a. Mahalia Jackson, Sidney Bechet, Buddy Bolden repräsentiert.

Den St. Louis Cemetry No. 1 wollten wir uns natürlich auch anschauen. Daraus wurde leider nichts, denn dort darf mit nur mit einem offiziellen Tourguide hinein. Das war uns zu blöd und the final resting place of Voodoo Queen Marie Laveau war dann auch nicht attraktiv genug, um 25$ pro Person zu zahlen, damit wir zwei Stunden im Schneckentempo durch die Straßen spazieren und den sturzbachartigen Erklärungsschwallen der guides anhören können. Also sind wir lieber durch die Bourbon street gebummelt und haben uns rechtzeitig einen guten Platz auf der Canal Street gesichert, um uns Krewes of Jingles, eine Weihnachtsparade mit marching bands, Tanzgruppen, Paradewagen und Stelzenläufern,  anzusehen. Das hat Spaß gemacht, die Kinder hatten einen Riesenspaß, statt ‚Kamelle‘ wurden rotweiß gestreifte candy canes und Kaugummi geworfen und vor allem Ketten. Mit denen haben wir erst uns und später unseren Wagen weihnachtlich dekoriert. Auf Kays Facebook-Seite sind davon noch mehr Fotos zu sehen. 

Santa is here!
  
geschmückter Weihnachtsbaum
 
Irgendwann mussten wir auch mal etwas essen, natürlich mit live Jazzmusik. Aus all den regionalen Leckereien (Gumbo, Jambalaya, seafood, poboys, beignets), die uns im Vorwege empfohlen wurden, haben wir uns für die poboys entschieden, einmal mit catfish und einmal mit alligator sausage gefüllt. Beides sehr lecker!

 

poboy with alligator sausage
  
poboy with catfish

 Nachdem wir dann auch den Mississippi mit den Schaufelraddampfern und eine der street cars gesehen hatten, wurde es Zeit, zum Campervan zurückzukehren.

   
 
French Quarter, a must see in New Orleans, although it looked like as we already knew it from telly and movies. Everything looked nice again after Katrina, at least until the second floor. We couldn’t visit the famous St. Louis Cemetry No. 1, because they allow only people with guided tours inside, but we attended a Christmas Parade, The Krewes of Jingle. That was really fun, carnival floats, dancing schools, cars and trucks, stilt walker, all dressed up according to the season, to this marching bands and pickups with huge PA systems and everything really loud, even the audience. We were pelted with necklaces, candy sticks, bubble gum and cuddly toys, well, the last item only went to children. We had a wonderful late lunch with poboys filled with catfish resp. alligator sausage, delicious, and a glimpse on the Mississippi River before we went back.

4 auf einen Streich: Florida, Alabama, Mississippi, Lousiana

Nach einer langen Fahrt sind wir in New Orleans, LA angekommen, morgens bei ungefähr 6 Grad losgefahren, abends bei 17 Grad angekommen, der Pool und der hot tub waren noch geöffnet, wir aber zu erschöpft, um das Angebot noch zu nutzen. Ab Holt, FL sind wir wieder den Highway 90 immer nach Osten und so parallel zur Küste des Golfs von Mexico entlang gefahren. Der Highway war leer, der Himmel leuchtend blau und im Radio lief nonstop Weihnachtsmusik. Und wieder gab es links und rechts viel interessantes zu sehen: noch mehr Baumwollfelder, auch correctional facilities und dazu diesmal etliche kleine airfields mit kleinen Propellermaschinen darauf. In Pensacola, FL haben wir den Scenic Highway 90 genommen, der die Escambia Bay entlang führt. Es macht definitiv mehr Spaß, die Highways entlang zu fahren, aber es kostet enorm viel Zeit. Das fällt während der Fahrt gar nicht auf, weil es links und rechts so spannend ist. Aber spätestens bei der Fahrerwechselpause nach ungefähr zwei Stunden und einem Blick auf die Karte sieht man, wie wenig Strecke gefahren wurde und wieviel noch vor einem liegt. Alabama haben wir nonstop durchquert, dabei die Mobile Bay auf Brücken überquert und in Pascagoula, MS eine längere Pause auf einem Walmart-Parkplatz eingelegt. Bis hierhin betrug die Durchschnittsgeschwindigkeit 30 Meilen pro Stunde und es war bereits 15 Uhr, als wir wieder losfuhren! Deshalb haben wir ab da doch die Interstate 10 genommen, um mit der untergehenden Sonne in New Orleans anzukommen. Die Fahrt über den östlichen Zipfel des Lake Pontchartrain war spektakulär und bestimmt fünf Meilen lang. Es gibt auch eine mautpflichtigen Straße quer über den See, die ist 30 Meilen lang! Uns reichten schon die fünf Meilen auf der vierspurigen Straße, auf der uns alle, auch die großen Trucks mit 60 Meilen Höchstgeschwindigkeit von links und von rechts überholten und den Van mit ihrem Fahrtwind zum Schaukeln brachten. 

 

Mobile Bay
  
auf der Interstate 10
  
Sumpf links und rechts der Interstate
  
Crossing Lake Pontchartrain towards New Orleans
 
Today we drove from Florida to Lousiana and had to cross Alabama and Mississippi. This was quite a ride and too long to stay on Highway 90, even if it’s always much nicer to look around. This time we saw several small airfields, more cotton fields and again big correctional facilities in Santa Rosa County. It seems that all not that bad bad guys have stay some time in the northwest of Florida. We took the scenic Highway 90 in Pensacola and had beautiful views over Escambia Bay and crossed Mobile Bay on bridges. But all this led to an average of 30 mph! So we took the Interstate 10 in Pascagoula and drove through swampy areas, crossed a lot of rivers and more swamps and finally Lake Pontchartrain to reach our RV park in New Orleans just after sunset.

River’s Edge am Yellow River in Holt im Okaloosa County im Nord-Westen Floridas

Zweiter Tag nur fahren. Den Unfall gestern haben wir noch nicht ganz verdaut, aber das Auto fährt. Die Dellen bieten jedenfalls Gesprächsstoff für die ihre Hunde Gassi führenden Rentner auf dem Platz. Und aus dem einen Teil der Tür können wir immer noch ein-und aussteigen. Von Valdosta in Georgia ging es auf Highways Richtung Florida, das wir in dem schön klingenden Ort Chattahoocha erreichten, und damit auch eine neue Zeitzone. Ansonsten ist dieser Teil von Florida anscheinend eher das Armenhaus des Staates. Die Interstates wollten wir vermeiden, dort ist es immer sehr voll und alle wollen nur möglichst schnell weiter und weg. Die von uns heute befahrenen Highways hatten wir zu großen Teilen für uns allein. Immer, wenn sich links und rechts die merkwürdigsten churches mit den seltsamsten Namen ankündigten, wussten wir, dass ein Ort in der Nähe sein müsste, auch wenn auf unserer Landkarte nichts eingezeichnet war. Aber auch wenn der Ort verzeichnet war, bestand er aus nicht viel mehr als aus einer Tankstelle, einer KFZ-Werkstatt, einem kleinen Supermarkt, vornehmlich der Kette Dollar General und vielleicht noch einem Diner. Die zum Ort gehörigen Wohnhäuser waren häufig gar nicht zu sehen, oder aber sie befanden sich schon vorher entlang des Highways unter Bäumen, und dann waren es auch meistens mobile homes in den verschiedensten Stadien des Verfalls. Es erscheint uns zum Teil unglaublich, dass in einigen der Behausungen Menschen wohnen. Waren die Orte nur etwas größer, dann gab es immer auch self storage solutions. Die sehen aus wie viele Fertiggaragen am Stück, genauso groß oder halb – bzw. viertelsogroß, immer ein Rolltor davor. Was die Menschen da wohl alles drin lagern?? Ansonsten gab es einige correctional centers zu sehen und auch wieder state prisoners beim Grünstreifenreinigen, zum Teil fünfstellige Hausnummern entlang des Highways und links und rechts rote Tomatenfelder, weiße Baumwollfelder und gelbe Raps-oder Senffelder. 

Inzwischen haben wir auch ein bisschen weihnachtlich geschmückt. Nachdem die Idee eines kleinen Mini-Weihnachtsbaumes aus Platz-und vor allem Kitschgründen (es gibt schon fertig geschmückte Plastikweihnachtsbäume) verworfen wurde, haben wir ein bisschen seasonal highlights am Rückfenster und Lichterketten am Auto, die dann auch noch den Zweck der Beleuchtung erfüllen. Nur an unserer Befestigungsstrategie müssen wir noch arbeiten. Im Moment setzen wir auf Saughaken, aber die wollen nicht so recht halten. Die anderen Wohnmobile haben meistens Markisen, die ausgefahren sehr gut als Lichterkettenhalterungen funktionieren. 

 

Merry Christmas
   
 
On the road again today. We’re still recovering from the accident yesterday, but the car is working. One part of the double door on the side is blocked, we can still use the other part to get in and out while on the campsite. We avoided the interstates and took highways instead to get from Valdosta, GA to the north western part of Florida, a very remote area. We entered the next time zone in Chattahoocha, the name sounds much nicer than the intersection looked like. Then we were in Florida and it was getting colder. That was a surprise, so tonight we’ll have to use our additional duvets. The cities alongside the highway were quite interesting to look at from our perspective. The appearance of several churches of the different somethings were the signal that the next town would come. The next things were the signs „xy city limits“ and speed reductions and then … a filling station, a car body shop, a General Dollar store and maybe a diner. That’s it. We couldn’t figure out where the people in those towns lived. There were lots of mobile homes (static caravans) before and after the intersections, mostly hidden under trees, sometimes a few houses without hidden tyres beneath them. And the shapes of the mobile homes were often so bad that we just couldn’t imagine that people actually live inside them, but they did. Every few miles there was the possibility to store your belongings in self storage units. Who on earth is hiring all these spaces and what the heck do they keep in them?? What else was remarkable to see today? Two correctional centers and again state prisoners cleaning the highway shoulders; house numbers with five digits; a lot of fields, red tomatoes, white cotton, yellow rape seed or mustard seed.

According to the festive season we decorated our campervan. We skipped the idea of a Christmas tree, because even the smallest version was too big for our van. So we just lit it up and put some ornaments on the rear window although the instructions told us, that we shouldn’t use them on car windows.

Too close an encounter

Nun hat es uns doch schneller erwischt, als gedacht: bei der Einfahrt zum Übernachtungscampingplatz krachte es. Müde nach der Autofahrt von Tybee Island nach Valdosta, das andere Auto rechts von uns im berüchtigten toten Winkel, Lenkrad nach rechts rübergezogen und Peng! Knacks! Knirsch! Laute Schreie vom Beifahrersitz! Innerhalb von ein paar Sekunden war alles geschehen und glücklicherweise nur Blechschäden an beiden Autos, keine Personenschäden (außer natürlich den Schockzuständen, die sich gleich in Tränen oder erst nach und nach in Kopfschmerzen und Erschöpfung bemerkbar machen). Ein weiterer Wagen, deren Fahrerin den Unfall beobachtet hatte, fuhr ebenfalls auf den Parkplatz und redete uns gut zu und beruhigte uns. Der Unfallgegner rief die Polizei an und tauschte dann mit Kay die Versicherungs- und Personendaten aus. Fotos wurden gemacht. Kay buchte uns inzwischen im Campingplatz ein, der andere telefonierte mit seiner Frau und vertröstete sie, denn es dauerte ziemlich lange, bis die Polizei kam. Der Polizist, der super freundlich und hilfsbereit war, musste dann den Reisepass mit dem Visum sehen, weil Kay ja Ausländer ist. Nachdem alle Daten aufgenommen waren, auch das dauerte, ging es mit Polizeieskorte zum headquarter, um den Strafzettel gleich zu bezahlen. Gut, dass wir über eine liquide Kreditkarte verfügen. Sonst hätten wir morgen vor Gericht erscheinen müssen, und wir sind ja nur auf der Durchreise und wollen nur in Valdosta übernachten. Außerdem musste noch eine Kopie des Mietvertrages angefertigt werden. Der Polizeibericht, den wir für die Versicherung benötigen, wird allerdings erst in drei bis fünf Werktagen fertig sein. Den bekommt man nur, wenn man einen an sich selbst adressierten Rückumschlag an das headquarter schickt. Glücklicherweise haben wir stabiles wifi auf dem Campingplatz, so konnten wir gleich die ersten Dinge mit der Verleihfirma regeln, Fotos hinübersenden und so. Der Notruf zum ADAC klappte dafür gar nicht, alle angegebenen Telefonnummer-Varianten funktionierten nicht. Und als wir endlich die korrekte Vorwahl herausgefunden hatten, war die Verbindung so dermaßen schlecht, dass wir die Nachfrage lieber per Email geschickt haben. Nun müssen wir warten, was weiter passiert, was wahrscheinlich dauern wird, wenn man das allgemeine Tempo hier zugrunde legt. Nun versuchen wir erst einmal, den Schock, der sich dann nach einigen Stunden doch in seinen Auswirkungen bemerkbar machte, zu verarbeiten. 

 

das andere Auto
  
unser Auto, der linke Türflügel ist blockiert
  
… und dann kam auch schon die Polizei
  
Reisepass liegt noch im Polizeiwagen, Geld ist noch nicht bezahlt
  
Strafzettel wegen improper lane change, $ 112
 
Today we had our first and hopefully only accident. Nobody was hurt, only the two cars involved are damaged. But both of them could still drive afterwards. The police came and checked very carefully Kay’s identity and fined him on the spot. The officer, who was very friendly and helpful, escorted us to the police headquarter to pay the ticket at once. Otherwise we would have a date with the court the next day, which is definitely not what we wanted. We’re just passing through Valdosta on our way to New Orleans.

Was wir so sehen …

… ein vorübergehend aufgestelltes Schild an der Straße von Tybee Island hinein nach Savannah: State Prison work. Bald darauf eine Kolonne ausschließlich schwarzer Gefangener, in weiß gekleidet, die den Seitenstreifen des Highway 80 vom Müll befreien, gefolgt von einem weißen Gefängnisbus, der im Schritttempo hinter ihnen her fährt.

… am Strand zwischen den Möwen einen grauen Pelikan, der über die Brandung fliegt und dann erfolgreich einen Fisch fängt. 

… in den restrooms der Geschäfte sehr genaue und detaillierten Anleitungen zum Händewaschen, wann, warum, weshalb, wie und wie lange.

… kleine, niedliche, lebendige gators, die im Teich am Restaurant schwimmen und die man füttern darf, wenn man vorher Tierfutter gekauft hat. Dort stand auch kein Alligatorfleisch auf der Speisekarte.

… lustige Ortsnamen, im Moment ist Okefenokee der Favorit.

… weiße Baumwollfelder und weiße Ibisse entlang des Highways. 

   
 

Savannah, Georgia

Nun haben wir es auch endlich geschafft, uns den historic district von Savannah anzusehen. Wie immer sind wir zunächst ins Visitor Center gefahren, um einen Stadtplan und Informationen zu erhalten. Sehr praktisch war es auch hier, dass der Parkplatz gleich mit angeschlossen ist, und dann auch noch günstig war. Ansonsten ist es immer schwierig, für den Bus einen Platz zu finden, da viele Parkplätze mehrstöckige Garagen mit einer zu niedrigen Einfahrtshöhe sind. Im Center sagten wir, dass wir drei bis vier Stunden Zeit hätten und gern zu Fuß gehen würden. Daraufhin bekamen wir einen Rundgang in den Stadtplan eingezeichnet, der die meisten Sehenswürdigkeiten  und inklusive einer Pause exakt die angegebene Zeit umfasste. Savannah wurde planmäßig angelegt, der Straßenverlauf ist rechtwinklig und in regelmäßigen Abständen von kleinen Parks unterbrochen. Das gefiel uns sehr gut. Die Parks, von den 21 haben wir fast die Hälfte gequert, verschaffen Kühle und sind umsäumt von Villen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Die hätten uns als Wohnsitz gut gefallen können. Dazu hatten wir auch 24 Grad beim Besuch. Aber es ist dann doch zu weit weg von zuhause, außerdem fehlt das nötige Kleingeld. Überall fällt man über Hinweistafeln zu den Ereignissen während des Unabhängigkeits- und des Bürgerkrieges, in jedem Park erinnert eine Statue oder ein Brunnen an jemanden wichtigen aus der vergangenen Zeit. Savannah’s waterfront liegt am Fluß (unsere schöne Insel Tybee wird gern als Savannah’s beach bezeichnet). Ende November war da nichts mehr los und wir haben die Zeit lieber genutzt, im Funky Brunch Café lecker zu Mittag zu essen und ein bisschen Schaufensterbummel zu machen.

 

Cathedral of St. John the Baptist
  
der eigentliche Eingang zum Haus befindet sich unter der Treppe
  
Monterrey Square
  
Forsyth Park
  
river boat on Savannah River
  
Afro American Families Monument
  
lecker Essen!
  
selbst die Hochhäuser waren schön
 
Dann gab es noch dieses schöne Beispiel für Effizienz: 
typische Baustelle?
 

Als wir an der road work vorbei gingen, schippte Nr. 3 ein paar Schaufeln Mischung auf die Steine. Nr. 7 sehen wir hier mit Hingabe das Material in die Fugen zu pressen, nachdem Nr. 6 gefegt hat. Und dann braucht es ja noch Fahrer für die beiden Fahrzeuge und welche, die den Überblick behalten usw. 
Wir haben uns ja schon öfter über die Langsamkeit hier im Lande geäußert. Es geht auch anders. Wir waren Essen in The Crab Shack auf Tybee Island, lecker Devil Crab plates und Lousiana Crawfish. Die Quittung war sehr aufschlussreich: Aufnahme der Bestellung 18:06 Uhr, Druck der Rechnung 18:41 Uhr. Da bekommt das Wort fastfood eine ganz neue Bedeutung. 

 

Devil Crab plate with cole slaw and potatoes
 
Savannah is a real beauty, everywhere in the historic district are small parks to relax under trees and next to azalea and magnolia. Every statue or fountain in these parks is referring to the War of Independance or the Civil War. The houses surrounding the parks just looked grande, we thought about living in one of them. Could be great, if only our purse would be bigger! Savannah has a big art and design college and there were a lot of galleries and museums. We saw some fantastic works of graduates. 

And we watched seven workers on this little road work spot. What are they all doing there? Just the one on the right was doing something. A picture you wouldn’t observe in Germany.

Even the word fast food got a new meaning: we ate crab and crawfish on the island, which was really delicious. The time the order was booked in was 6:06 p.m., check-out time was 06:41 p.m., and they didn’t rush us!