Bath, Somerset, part 1

Here be dragons – hic sunt leones (ein Songtitel von Kay) … und das in Bath! Zufällig besuchten wir wieder eine Sonderausstellung mit Illustrationen für Kinderbücher, diesmal im Victoria Art Museum, hier standen Drachen im Fokus. Nicht alle Drachen erscheinen dort niedlich und nett.
Und sie vermehren sich sogar im Museum! Für die Kinder waren überall, auch in der ständigen Ausstellung, Dracheneier versteckt, die sie suchen und zeichnen mussten.

Ein Besuch der Stadt ohne Besuch der Römischen Bäder wäre nichts wert. Der Eintrittspreis ist zwar saftig, aber dafür bekommt man einiges geboten. Das fängt schon damit an, dass man die „kilometerlange“ Schlange umgehen kann, wenn man ein Ticket hat (YEAH, ein super Gefühl!). Die Audioguides bieten außer den normalen Tonspuren auch welche für Kinder, die oft interessanter erzählen und eine von Bill Bryson gesprochene mit seinen Eindrücken. Die ausgegrabenen Fundstücke sind toll in Rekonstruktionen und Videoprojektionen eingebunden. Man erhält einen sehr guten Eindruck vom gesellschaftlichen Badeleben zu Zeiten der Römer. Die waren wirklich ganz weit vorn mit Körperpflege, Saunieren und es sich im kalten britannischen Klima Wohlergehen lassen. 

Auch der Geist kam nicht zu kurz in den angeschlossenen Tempelanlagen. Der Tempel war Minerva geweiht, der Göttin der Heilkunst. Die gesamte Bade- und Tempelanlage war größer als ein Fußballfeld. 


Die heiße Quelle sprudelt auch heute immer noch zuverlässig mit 46,5 Grad und das große Schwimmbecken ist dank ausgefeilter Bautechnik auch nach 2000 Jahren noch wasserdicht. Nur das Sonnenlicht färbt das Wasser grünlich. Die Römer hatten ein Dach darüber gebaut. Das gibt es schon lange nicht mehr. 

A39 von Cornwall über Devon nach Somerset

Wenn man in England mal etwas erleben möchte, muss man einfach nur die A39 entlang fahren. Diese Straße entpuppte sich als noch herausfordernder als die A30, über die schon in einem früheren Beitrag berichtet wurde. Wir stießen auf sie auf unserer Fahrt nach Tintagle. In Cornwall nennt sie sich auch Atlantic Highway, obwohl man vom Meer meistens nicht viel sieht.
Schließlich landeten wir doch am Wasser und zwar in Westward Ho!, das Ausrufezeichen gehört zum Ortsnamen. Der Ort wurde nach dem gleichnamigen Buch von Charles Kingsley, erschienen 1855, benannt. Wir haben aber nicht herausgefunden, warum das geschah. Unsere AirBnB-Gastgeberin Alison konnte sich noch erinnern, dass sie das in der Schule gelernt hatte, es lag aber schon zu lang in der Vergangenheit. Und es war wohl auch nicht der spannendste Teil der Lokalgeschichte, den sie lernen musste.


Es war gerade Ebbe und der Strand erstreckte sich kilometerlang, fast so wie in St. Peter-Ording zuhause, nur dass hier der Sand überall naß blieb. Man konnte sich nicht mit dem Badelaken in die Sonne legen. Sie hat uns aber auch so ordentlich erwischt. Wie bisher überall hier am Atlantik ist auch Westward Ho! ein Paradies für Surfer.


Wir übernachteten im Nachbarort Northam. Zum Essen empfahl uns Alison die Restaurants in Appledore, gleich nebenan.


Dort feierten sie an dem Tag ihren jährlichen Karneval, aber der Umzug war leider gerade vorbei als wir ankamen. Die TeilnehmerInnen trafen wir, immer noch bunt kostümiert, im Beaver Inn wieder, wo wir sehr lecker zu Abend gegessen haben.


Am nächsten Tag sollte es wieder auf die A39 gehen, aber Alison hatte noch einen lohnenden Ausflugspunkt für uns. Wir fuhren einen kleinen Umweg, um in Ilfracombe die mehr als 20 Meter hohe Bronzefigur Verity von Damien Hirst anzusehen, die dort auf der Pier steht, nach Westen blickend. Die Skulptur stellt eine Allegorie auf Wahrheit und Gerechtigkeit dar, sehr beeindruckend. Das Parkticket gab uns anschließend noch ein bisschen Zeit, um das älteste und bekannteste Seebad in North Devon, ein bisschen zu erkundigen. Wir fanden auch wieder charity shops in der High Street.


Die A39 verlief dann im Norden des Exmoor National Park und wurde zum richtigen Abenteuer. Zuerst fuhren wir durch eine tiefe Schlucht, die Glen Lyn Gorge, die uns hinunter in den Küstenort Lynmouth brachte. Aber man muss ja alles, was man bergab gefahren ist, auch wieder hinauf. Das folgte zugleich, zunächst 25% Steigung, die dank vieler PS immerhin im zweiten Gang zu bewältigen waren, daran sich anschließend 12% im dritten Gang. Belohnt wurde diese Tat mit Weitblicken über den Bristol Channel bis hinüber nach Wales, leider was es sehr dunstig.


Die A39 schlängelte sich weiter, meist kurvig und schmal, nach Porlock, wo es dann wieder hinunterging, schön abgestuftes Gefälle: 13%, dann 20%, schließlich 25%, der Fuß wollte gar nicht mehr von der Bremse. Zeit für eine kleine Pause:


Die Straße blieb kurvig und schmal, als wir ins Landesinnere abbogen, um Richtung Bath zu fahren. Inzwischen war das Navi eingeschaltet, um das nächste Quartier zu finden. Kurz vor Glastonbury verließen wir die A39, nur um dann später doch wieder auf sie zu stoßen, Nach dieser langen und kurvenreichen Fahrt kam das Gerät nämlich auf keine bessere Idee, als uns querfeldein durch richtiges Moor- und Heidegebiet zu schicken, auf Wegen, die schmaler als single roads waren. Am Ende der Fahrt erreichten wir unser nächstes Quartier in der Nähe von Bath, erstaunlicherweise ganz ohne Kratzer im Lack, aber sehr erschöpft und mit etwas schwächeren Nerven.

Tintagle, Cornwall 

Wie einfach sich Kindheitsträume erfüllen lassen, durch einen Besuch von Tintagle, dem sagenumwobenen Ort, allen bekannt durch „Die Nebel von Avalon“. Ja, manchmal besuchen wir auch Orte, die English Heritage (das sind die mit den Ruinen; die Anwesen mit intaktem Dach gehören alle dem National Trust, so ein geflügeltes Wort hier in GB) unterhält. 
Schon die Anfahrt war spannend, die schmalen Straßen lassen nicht vermuten, dass täglich viele Tausende mit Autos und Reisebussen hier einfallen. Noch spannender war die Suche nach ‚dem’ Parkplatz. Im Ort sind massiv Parkplätze gegen saftige Gebühren vorhanden. Wir wollten aber auf den des National Trust, und die sind meist gut ausgeschildert. Meistens, eigentlich immer. Nur heute nicht. Das Navi war keine Hilfe, Google Maps und Maps.Me mussten ran. 


Damit fanden wir die kleinste und unscheinbarste Zufahrtsstraße, die schmaler und schmaler werdend erst hinab und dann hinauf auf die Steilküste führte. Am Ende stand Tintagle Church. Ein Blick um die Ecke zeigte, dass der Weg keineswegs zuende war, sondern immer noch etwas weiter ging, inzwischen höchstens Wanderwegbreite aufweisend und der Atlantik in Sichtweite. Und dann wurde genau eine Lücke frei für unser Auto. Geschafft!!

 
Wir spazierten auf der Steilküste entlang , die Ruinen immer im Blick und das Camelot Castle Hotel, einem Klotz von Hotel, das Ende des 19. Jahrhunderts erbaut wurde. Da flammte der Kult um King Arthur gerade mal wieder richtig auf, den Gedichten von Lord Tennyson geschuldet. 


Die Burganlagen wurden links und rechts einer Schlucht erbaut, das bedeutete zunächst, viele steile Stufen hinab in die Schlucht, anschließend über eine kleine Brücke, auch schon stufig gebaut, dann 89 Stufen hoch auf die Insel. Und das mit sehr vielen anderen Erwachsenen, kleinen Kindern und Hunden, alle von Zeit zu Zeit überfordert von Hitze, Luftknappheit, Steilheit und Enge einiger Passagen und den damit verbundenen kleinen Staus. 


Aber dann waren wir oben auf der Insel, sahen viele bauliche Überreste von Häusern, Torbögen, Brunnen, dazu Infotafeln und König Artus himself.


Der hat die Burg gar nicht gebaut, konnte er gar nicht, ist ja nur eine Legende, und nach der wurde er hier gezeugt. Auch die Legende von Tristan und Isolde, der in der walled garden Ruine gehuldigt wird, spielte schon hier auf dem Felsen. Beide Legenden waren der Grund, warum Richard, Earl of Cornwall genau dort sein Domizil errichtet haben wollte. Als Halbbruder von King Henry III hätte er wohl gern, dass etwas von den Mythen und der damit verbundenen Glorie auf ihn abfärben würde. Das war um 1230 herum. Ältere Siedlungsspuren datieren bis in das 4. Jahrhundert zurück. Zu der Zeit gab es noch einen mehr ‚ebenerdigen’ Zugang vom Festland. 


Im frühen 15. Jahrhundert stürzte einiges ein, so dass die Schlucht entstand. Auch die Great Hall der Burg musste immer mal wieder, und dann jeweils kleiner, neu aufgebaut werden, weil Teile des Berges abbrachen. Earl Richard hat dann auch die Entwicklung des Dorfes vorangebracht, da er ihm Marktrechte verlieh. Das Dorf hieß bis 1900 übrigens Trevena. Mit dem oben schon erwähnten Wiederaufflammen des Kults um König Artus wollten die Einwohner doch gern ein bisschen mehr Kapital heraus schlagen und nannten ihr Dorf kurzerhand um in Tintagel. Gut gemacht, funktioniert bis heute!

 
Wir schauten uns noch das alte Post Office im Dorf an, das aus einem mittelalterlichen Langhaus entstanden ist. Klein, verhutzelt, pittoresk, aber zwei Schlafzimmer im Obergeschoss. Und den Schlafboden für die Mädchen und jungen Frauen, um sie von den Männern zu separieren, im Bild die vier Stufen hoch bzw. im anderen Bild hinter der schwarzen Holzverkleidung. Dort schliefen sie auch, wenn sie zu alt waren, um noch verheiratet zu werden. Man vermutet, dass daher der Ausdruck ‚left on the shelf‘ (auf dem Regal liegen geblieben) herkommt. Gut, dass jetzt andere Zeiten herrschen und auch im Deutschen nicht mehr von alten Jungfern gesprochen wird.

Having Cream Tea in Cornwall or in Devon

Cream Tea, eines unserer Lieblingsgerichte am Nachmittag, besteht immer aus scones, clotted cream, jam und einer Kanne Tee. Scones sind kleine bis mittelgroße Teeküchlein, hier im Südwesten Englands gibt es immer zwei pro Person, das ersetzt dann schon das Mittagessen. Clotted cream ist etwas schwieriger zu beschreiben, denn so etwas gibt es bei uns in Deutschland nicht. Es ist fette Sahne, die die Konsistenz von weicher Butter hat. Sie muss aufgeschlagen sein, denn sie ist nicht flüssig, aber Schlagsahne ist es nicht. Dazu kommt dann Konfitüre, meist aus Erdbeeren. Und der Tee ist schwarz und stark, daher gern mit Milch verdünnt. 


Es stellte sich für uns immer die Frage, in welcher Reihenfolge cream und jam nun aufs Brötchen kommt. In Cornwall fanden wir die Antwort: es gibt zwei einzig richtige Wege, es kommt nur darauf an, wo man sich grad befindet! In Cornwall kommt zuerst die cream, denn man befindet sich schließlich nicht in Devon, wo die es genau anders herum machen.


Praktischer ist es auch, denn die Konfitüre lässt sich besser zuerst verstreichen. 


Aber mit Hilfe eines Löffels und genügend jam funktioniert es auch anders herum ganz gut. Im restlichen britischen Land gibt es die clotted cream immer haltbar abgepackt direkt aus der Kühlung. Da stellt sich die Frage der Reihenfolge nicht mehr, denn ihr Streichverhalten und ihre Konsistenz erlaubt nur die Verwendung analog zu Butter, also zuerst.

Manchmal gibt es aber auch Kuchen 😄

Enjoy your seaside day in St. Ives!

And we did!! Ein perfekter Strandtag entpuppte sich aus 14 Grad und tiefhängenden Nieselwolken am Morgen, wer hätte das gedacht. Pullover und Fleecejacke hingen bald am Arm und landeten später im Rucksack. Nachmittags war Niedrigwasser und fast alle Urlauber waren am Strand oder im Wasser. Martina war zumindest mit den Füßen drin und weiß jetzt, warum ein Neoprenanzug nicht die schlechteste Idee für ein ausgiebiges Badevergnügen ist. Das Atlantikwasser war a….kalt! 


Der Tidenhub ist hier so gewaltig, dass wir quer durch das Hafenbecken, von einem Pier zum anderen auf dem Meeresboden gehen konnten. Faszinierend, denn vor zwei Tagen lagen die Fischerboote direkt unterhalb der Pier. Sogar der Seehund bekam seinen Teil vom Fang ab.


Barfuss zur Promenade und Cornish pasties für den Mittagsimbiss holen, diesen dann an der Pier in der prallen Sonne sitzend zu verzehren, so fühlt sich Sommerurlaub am Meer an. Der Verdauungsspaziergang führte uns auf einem schmalen Pfad zu einer kleinen Kapelle hoch, wo wir wieder einmal eine Hochzeitsgesellschaft beobachten konnten. 



Anschließend ging’s wieder hinab in das Gewimmel von kleinen Gassen, bis wir einen niedlichen Tea Room fanden, der uns noch kurz vor Ladenschluss um 17 Uhr Cream Tea servierte.

Kunst in St. Ives, Cornwall

Wir sind hauptsächlich auf die Idee gekommen, Cornwall zu besuchen, weil wir gern das ehemalige Atelier von Barbara Hepworth mit ihren Skulpturen im Garten im Original ansehen wollten, nachdem wir in der Tate Modern vor einigen Jahren einen Dokumentarfilm darüber gesehen hatten. „Die Tate“ unterhält insgesamt vier Museen, in London die Tate Britain und die Tate Modern (das ist die, in der wir oft sind), im Norden die Tate Liverpool (dort waren wir vor zwei Jahren) und im Westen die Tate St. Ives. Nun haben wir alle zusammmen,Tate St. Ives liegt direkt am Meer in einem sehr eindrucksvollen Gebäude. Leider hat man diesen Eindruck nur von nahem und von innen. Vom Strand aus betrachtet wird es von den umliegenden Appartementgebäuden, Surfschulen und Restaurants unschön eingerahmt. Die strahlend weiße Farbe des Gebäudes hat sich inzwischen durch das rauhe Meeresklima in grau verwandelt (auf der Internetseite, s.u. kann man in früherem Zustand und bei Sonnenschein bewundern). Und gebaut wird auch, im Oktober wird der Erweiterungsbau eröffnet.

Aber im Museum erwartete uns eine Entdeckung. Es wurden zwei Ausstellung gezeigt. Die Keramikausstellung, die auf bestimmte Studios fokussierte, bestand aus mehr als nur Tontöpfen aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts (für uns eher langweilig). Interessant waren die frei, ohne Scheibe, getöpferten Objekte aus Kalifornien aus den 1950er bis 1980er-Jahren und die britischen Objekte aus der Troy Town Art Pottery in London, entstanden zwischen 1960 und heute. Witzige, ironische Skulpturen, die wir gern länger anschauten. Fotografieren war verboten, wer einen Eindruck bekommen möchte, klicke hier: Artists and the Ceramics Studio, 1920-today. Die andere Hälfte der Ausstellungsräume war Jessica Warboys gewidmet, die bereits vor fünf Jahren auf der Documenta 13 zu sehen war. Dort haben wir sie allerdings in der überbordenden Vielfalt von Eindrücken nicht wahrgenommen. Grandios waren ihre Sea Paintings, die sie direkt am Strand ‚malt’, riesige Leinwände, die mit Farbpigmenten bestreut dem Meer zur weiteren Ausgestaltung überlassen werden. Für die Ausstellungen collagiert sie aus den Leinwänden raumgreifende Bilder, die hier akustisch untermalt wurden von Morten Norbye Halverson. Drei ihrer Filme wurden ebenfalls gezeigt, dazu die Gegenstände, die in den Filmen auftauchen. Eine ganz spannende Entdeckung für uns.
Das Barbara Hepworth Museum mit dem Skulpturengarten wird ebenfalls von der Tate unterhalten und liegt nur ein paar Schritte über den Hügel, am Friedhof vorbei, hinter einer sehr hohen Mauer, aber Dank der Wegweiser gut zu finden. Die Künstlerin zog 1939 mit ihrer Familie nach Cornwall, um den Auswirkungen des Krieges in London zu entgehen. Zehn Jahre später fand sie auf der Suche nach einem Atelier dieses Anwesen inklusive Garten als showroom für ihre Werke, wenn potentielle Auftraggeber sehen wollte, wie sie arbeitet. Sie blieb dort auch wohnen, als sie schon sehr erfolgreich war. Unten Küche und Esszimmer, oben ein großer Atelierraum für Holzarbeiten, in dem sie auch wohnte und schlief, nebenan zwei kleine Ateliers für Stein- bzw. Gipsarbeiten. Und dann das eigentliche Schmuckstück, der Garten, den sie so anlegte, dass ihre Skulpturen bestens zur Geltung kamen. Seht selbst:

Wir haben uns auch noch diverse Galerien mit zeitgenössischer Kunst angesehen, denn St. Ives zieht immer noch Künstler in Scharen an. Es war einiges an schönen Werken dabei, aber unser Portmonnaie war zu leer und unser Kofferraum schon zu voll.

St. Ives, Cornwall

Wir haben inzwischen die Küste gewechselt und sind am nordwestlichen Ende Cornwalls angekommen, in St. Ives, benannt nach der Heiligen Ia aus dem 13. Jahrhundert, die der Legende nach das Meer von Irland aus nach Cornwall auf einem Blatt überquerte, weil sie das Boot verpasst hatte, um dann auch noch vor ihm anzukommen. Wie gut, dass wir heutzutage Schiffe für solche Aktionen haben. Aber so wird natürlich auch kein Ort nach uns benannt, geschweige denn eine Kirche geweiht.Seitdem die Eisenbahn im 19. Jahrhundert hierher gebaut wurde, erfreut sich St. Ives, oder auch Porth Ia, großer Beliebtheit bei den Feriengästen. Wir sind mitten in der Hochsaison hier, und es ist schon immer wieder einen Hingucker wert, wie die Autos sich durch die engen Gassen der Altstadt schlängeln oder quetschen. 

 

Die Altstadt weist gleich zwei Strände auf, ideal zum Schwimmen (nahezu alle tragen Neoprenanzüge dafür) oder zum Surfen lernen (ebenfalls in Neopren, macht auch gleich viel schlanker). 


Auch Künstler wurden schon immer von diesem Ort angezogen. Berühmt ist das Atelier der Bildhauerin Barbara Hepworth, die hier viele Jahrzehnte gearbeitet hat oder das vom Töpfer Bernard Leach, an dessen ehemaliger Wirkungsstätte, die jetzt ein Museum ist, jeden Tag auf unserem Gang vom Ferienquartier in die Altstadt vorbei gehen. Rosamunde Pilcher ist in einem Ortsteil von St. Ives geboren, das in ihren Romanen Porthkerris heißt.

Die Sonne macht sich äußerst rar während unseres Aufenthaltes, darum nutzen wir die Zeit für Museumsbesuche, Shopping in den charity shops, Essen und Wäsche waschen. Von 8:30 bis 13:00 Uhr ist der Waschsalon auch mit einer Person besetzt, die Wäsche im Auftrag wäscht, Geldscheine in Münzen wechselt, sehr hilfreich ist und auch mit Ausflugszielen nicht spart. Er hat sogar einmal als Statist in einer Rosamunde-Pilcher-Verfilmung mitgespielt: als eine Hauptrolle eine Herzattacke erlitt, musste er sich entsetzt die Hände vor den Hund schlagen. Er machte es sehr anschaulich vor. Nachdem die Wasch-und Trockenmaschinen unglaublich viele Pfundmünzen gefressen hatten, war unsere Wäsche sauber und trocken. Im Kleiderschrank der Unterkunft hängt ein kleines Tisch-Bügelbrett, das wurde anschließend ausprobiert, klappte gut.


Der ‚Wäscher‘ (in der Tür zu sehen) erzählte auch, dass die Gegend hier eher arm ist. Wenn die Sommertouristen weg sind, gibt es nahezu keine Einnahmequellen mehr. Wahrscheinlich wird deshalb jeder zur Verfügung stehende Raum vermietet, die kleinste Hütte und auch der Raum über der Toreinfahrt. 


Unsere Unterkunft liegt ca. 15 Gehminuten (wenn wir bergab gehen, sonst mehr) vom Stadtzentrum entfernt, ist ein Neubau (sehr gute sanitäre Ausstattung), aber ohne Verpflegung, dafür mit einem kleinen Kühlschrank und Weingläsern, um den Weißwein angenehm zu temperieren, für uns kein adäquates Frühstück. Wir haben uns erst einmal Picknickschüsselchen und Müsli gekauft, und löffeln das Müsli jetzt jeden Morgen schön langsam mit dem Teelöffel aus. Wir sind ja im Urlaub und haben Zeit. 

Das ist der Blick aus unserem Zimmer:

Lizard Point, Cornwall 

Nachdem wir oben in Schottland vor zwei Jahren bereits den nördlichsten für Zivilisten erreichbaren Punkt mit seinem Leuchtturm besucht haben, durfte der südlichste Punkt des britischen Festlands natürlich nicht fehlen, wenn man schon in der Nähe ist. Also auf nach Lizard Point, früher berüchtigt für viele Schiffsunglücke, aber seit 1752 gibt es den Leuchtturm mit einem der stärksten Leuchtfeuer der Welt, der nun alle drei Sekunden über den stark befahrenen Ärmelkanal blinkt. Die Containerschiffe sahen aus der Entfernung klein aus, gehörten aber zu den ganz großen. Direkt unter der Küste waren viele Segler unterwegs.

Rechts vom Leuchtturm ging es die steile Küste hinab zu einem (aufgegebenen?) kleinen Hafen. Dort bestand der dunkle, fast schwarze ‚Sand‘ aus feingemahlenem Felsgestein. 


Links vom Leuchtturm aus ging es auf einem sehr steilen Pfad hinunter in eine wunderbare Bucht mit Sandstrand und karibisch-türkisfarbenen Wasser. Wir haben es nicht ausprobiert, aber schätzungsweise war das Atlantikwasser nicht ganz so warm wie in der Karibik.

Etwas weiter entlang auf dem Küstenpfad immer auf der Steilküste befindet sich die Lizard Wireless Station. In dieser kleinen Hütte fand das Ereignis statt, mit dem Marconi die Welt veränderte, die ersten transatlantischen Funkverbindungen. Schon als Teenager war der Italiener begeistert von Physik und dachte sich die ersten Geräte aus, die als Vorläufer des Radios gelten konnten. In Italien fand er für seine Ideen keine Unterstützung (ganz im Gegenteil, einige wollten ihn ins Irrenhaus eingeliefert sehen), so ging er als 21jähriger nach Großbritannien (der Heimat seiner Mutter). Dort fand er sogleich staatliche Institutionen als Arbeit- und Auftraggeber. Am Lizard Point wurden 1900 die ersten großen Antennen aufgebaut, um über den Atlantik zu funken. Drei Jahre später wurden täglich Funktelegramme zwischen hier und der Ostküste Kanadas übertragen (immerhin eine Entfernung von fast 4000 km). Den Passagieren und der Besatzung der Titanic hat die Erfindung dann allerdings noch nichts genützt, da die Funker an Bord damit beschäftigt waren, die privaten Telegramme der Passagiere zu senden, statt eingehende Eisbergwarnungen an die Brücke weiterzugeben. Nach dem Untergang wurde eine einheitliche Notruffrequenz eingeführt mitsamt einer Abhörpflicht rund um die Uhr.

Wir konnten uns leider nicht zum Parkplatz zurück beamen und mussten deshalb die ganze Wegstrecke zurück laufen. Die kleine Wanderung und auch schon der Weg mit dem Auto hin auf diese Halbinsel erinnerten uns an unsere Urlaube in Jütland. Die Landschaften sind sich sehr ähnlich. Nur die Breite und der Kurvenreichtum der Straßen war wie in Schottland. Wenn uns ein LKW entgegen kam, half es nur noch, anzuhalten und im Schneckentempo aneinander vorbei zu schleichen. Besser als abgefahrene Außenspiegel und tiefe Kratzer im Lack. Nur Kay braucht starke Nerven. Er sitzt auf dem Beifahrersitz und zieht dann sehr scharf die Luft ein (oder Nacht gleich die Augen zu).

The Lost Gardens of Heligan, Mevagissey, Cornwall


Ein weiteres Gartenprojekt, The Lost Gardens of Heligan, ist ganz in der Nähe vom Eden Project, diesmal handelt sich es um das größte Restaurierungsprojekt des Landes oder sogar Europas. Das gesamte Anwesen von Heligan, ca. 81 Hektar groß (riesig!), mehr als 400 Jahre im Familienbesitz, im 18. und 19. Jahrhundert so ausgereift, dass die gesamte Gemeinde fast autark leben konnte, versank nach dem Ersten Weltkrieg vollständig unter Brombeerhecken in einen Dornröschenschlaf und wurde erst Ende des letzten Jahrhunderts wieder erweckt. Wie konnte das geschehen? Mindestens 13 der angestellten Gärtner, Zimmerleute und Arbeiter zogen in den Krieg, neun von ihnen bezahlten das mit ihrem Leben. Der Eigentümer Heligans konnte das nicht verwinden, zog weg und vermietete das große Herrenhaus, das später verkauft und in einzelne Wohnungen unterteilt wurde. Dadurch wurde es von den es umgebenden Ländereien abgetrennt und letztere „versanken“ in den Dornröschenschlaf.

Zu Beginn der 1990er zeigte der Erbe das verwilderte Gelände einem befreundeten Archäologen. Mit Hilfe von anderen enthusiastischen Freunden, ohne Geld, aber mit einer Vision, begannen sie, das Gelände nach und nach frei- und neu anzulegen, die verfallenen Gebäude zu restaurieren, um die Anlage in altem Glanz erstrahlen zu lassen. Sie wollten mit der Anlage nicht die sonst übliche Geschichte der reichen Großgrundbesitzer erzählen, sondern die harte Arbeit der Arbeiter würdigen. 


Das gelingt: Wir sind über eine Borneo-Hängebrücke über den Dschungel gegangen, haben die alten, halb im Morast versunkenen Skulpturen entdeckt (siehe Fotos am Anfang) und gelernt, wie man zu viktorianischen Zeiten, als man alles exotische besonders hoch schätze, Ananas in eine Art Gewächshaus zog (links und rechts des eigentlichen Hauses werden die Pflanzen den Winter über mit Pferdemist beheizt, im Foto unter den Holzklappen). Als nach einigen Jahren des Ausprobierens die ersten zwei Früchte erntereif waren, wurde die zweite Ananas der Königin zur Goldenen Hochzeit geschickt. Die erste aßen die Gärtner selbst, um sicher zu gehen, dass sie nicht nach Pferdemist schmecken würde.


Wir liefen über Felder und Wiesen, sahen die Tiere, den Obstgarten mit dem Federvieh darin, den Küchengarten und den Blumengarten und noch ganz viel mehr und uralte Rhododendrenbäume, unter denen man Spazierengehen konnte. Eine Theatergruppe hatte dort etliche Szenen eingerichtet.

Im Land der Strippenzieher – Badefreuden

Dieser Beitrag informiert euch diesmal über Badezimmer in England. Das ist kein so langweiliges Thema, wie es euch vielleicht erscheinen mag, die ihr von Normwasserhähnen, Mischbatterien und Zentralheizung, wie wir es inzwischen in unseren unterschiedlichen Behausungen gewohnt sind, verwöhnt seid.Hier schwankt es zwischen hochmodernen Features bei gleichzeitigem Glücksspiel, wie gut die Wasserspülung des Klosetts funktionieren wird. 

Diesmal müssen wir drei unterschiedliche Strippen ziehen, um etwas zu erreichen. Die erste Strippe hängt gleich links neben der Tür und schaltet das Deckenlicht ein. Damit verbunden ist aber auch die Belüftung (nicht überall, aber hier in diesem Beispiel). Das macht den Aufenthalt im Bad zu einer lauten Angelegenheit. Deshalb gibt es auch ein kleineres Licht am Spiegel. Hier kommt nun high tech ins Spiel (ich habe so etwas tatsächlich noch nie in Deutschland gesehen, kein gängiger Baumarktartikel): in der Spiegelfläche befindet sich ein Sensor (der kleine grüne Punkt). Die Berührung mit dem Finger schaltet die kleinen LEDs ein. Das ist cool! 


Das Wasser im Waschbecken kommt, wie überall hier, aus zwei getrennten Wasserhähnen für warm und kalt. Solche bei uns eher in Vergessenheit geratenen Accessoires wie Waschlappen können hier gut zum Einsatz kommen, wenn man denn welche dabei hat. Die nächste Strippe hängt etwas höher und kann leicht übersehen werden. Dabei kann sie in den englischen Sommern sehr nützlich sein, denn es handelt sich um die Heizung, wie vieles hier elektrisch (im Spiegel zu sehen). Der Stromverbrauch einer vierköpfigen Familie muss enorm sein. Die Heizung brauchen wir aber heute nicht (nicht weil es draußen warm wäre, nein, weit davon entfernt), denn nun geht es in die Dusche. 

In jeder Dusche, die wir bisher in England benutzt haben, kommt das Wasser aus dem Brausekopf. Aber bis es soweit ist, benötigt man in nahezu jedem Badezimmer eine neue Einführung in den Gebrauch. Für diese hier muss natürlich zuerst an einer Strippe gezogen werden. Sonst passiert hier gar nichts. 


Am Kästchen in der Duschkabine wird die Temperatur des Wassers eingestellt. Dabei ist es relativ egal, an welcher Stelle das Rädchen steht, es kommt immer eine Mischung aus eiskalt, kochendheiß und angenehm temperiert heraus. So bleibt das Leben spannend. Die Stop-Position lässt den Wasserstrahl versiegen. Und dann die Badehandtücher, groß wie Bettlaken, das ist klasse.