Auf nach Málaga Ciudad

Heute geht es mit dem Bus M-210 immer an der Küste entlang nach Málaga, durch sympathisch aussehende Vororte, noch weitgehend ohne sonnenhungrige Touristen. Das Tief, das die Einheimischen in ihren gesteppten Winterjacken, aber nicht in Winterstarre verharren lässt, bringt für uns angenehme 17 Grad Celsius und einen bewölkten Himmel mit sich.

Unser Erkundungsgang in Málaga führt uns zunächst durch die älteste Weinstube am Platz. Hinter dem Tresen stehen große Fässer mit verschiedenen Weinen und ältere Herren in weißen Kitteln, die Weine in kleinen Gläsern an ältere Herren ausschenken, die vor dem Tresen stehen. Leider riecht es heute zu sehr nach Schwimmbad, sodass wir nur durchschlendern, um in der nahen Markthalle in das reichhaltige Angebot an Obst und Gemüse, Fisch, Fleisch und Geflügel einzutauchen. Die ersten Erdbeeren sind schon da, wir kaufen aber Nisperos (Japanische Wollmispel) zum Probieren, die kennen wir nicht, haben sie aber gestern in Frigiliana gesehen.

sehr feste Schale, etwas uneindeutig im Geschmack – gibt nettere Früchte!

Dann finden wir einen Stand, an dem wir uns durch Oliven, Salzmandeln und kleine halbgetrocknete Feigen durchprobieren. Letztere kommen auch mit. Zum Abschluss gibt es noch leckere Scampi-Spieße, frisch zubereitet.

Auf der Haupteinkaufsstraße, der Calle Marqués de Larios ist für uns schon der rote Teppich ausgerollt. Die Farbe zusammen mit den cremefarbenen Hausfassaden durch die entsprechende Sonnenbrille betrachtet, lässt einen sofort gut drauf kommen! Der rote Teppich macht Werbung für das demnächst stattfindende Filmfest mit ausschließlich spanischen Filmen. Daher ist es nicht so schlimm, dass wir dann schon nicht mehr hier sein werden.

An der Plaza de la Merced wartet Picasso vor seinem Geburtshaus und wunderbarer schwarzer Kaffee in der nächsten Bar auf uns, garniert mit sehr professioneller Straßenmusik, einmal das Real Book hinauf und hinunter. Da bleiben wir doch gern etwas länger sitzen.

Das Eckhaus hinten rechts ist Picassos Geburtshaus

Dann wird es doch zunehmend kühler und auch nasser, so dass wir uns in das Museo Picasso Málaga begeben. Picasso wurde in Málaga geboren, aber die Stadt besaß bis 2009 nur wenige Frühwerke von ihrem berühmten Sohn, der bereits mit zehn Jahren wegzog. Durch eine großzügige Stiftung seiner Schwiegertochter und seines Enkels konnte das Museum eröffnen und wir erhalten einen Überblick über seine gesamte Schaffensperiode. Die berühmten und wohlbekannten Werke werden dort natürlich nicht gezeigt, aber auch nicht vermisst. Der Künstler schuf durchgängig großartige Werke. Dazu gibt es in der Sonderausstellung „und Fellini träumte von Picasso“ wurden Zeichnungen und Filmausschnitte von Fellini den passenden Werken von Picasso gegenüber gestellt. Begegnet sind sich die beiden nie, aber sie Beschäftigten dich beide mit den gleichen Themenbereichen ‚weibliche Archetypen‘, ‚Mythologie des Mittelmeers‘ und dem Zirkus.

Ein kleiner Tipp für den Besuch: die Security weist einen in die bestehende Schlange ein. Man sollte jedoch freundlich lächelnd an der Schlange vorbei die Treppe hinauf steigen. Hinten rechts befindet sich die Kasse. Die Schlange führt zur Garderobe mit den Schließfächern. Es ist aber nicht notwendig, seine Sachen dort abzugeben.

Danach geht es durch schöne Parkanlagen zum Hafen.

Dort werden Wind und Regen stärker, da ist Essen immer eine gute Idee. Nach einer wirklich riesigen Pizza bei „O Mamma Mia“ am Muelle Uno und nur noch nassen 14 Grad schaukelt uns der Bus M-260, müde wie wir sind, langsam durch den sich zurückziehenden Regen zurück.

Blick über den Hafen Richtung Muelle Uno

 

Ab in die Berge

Eine halbe Autostunde entfernt vom Flughafen besuchen wir eine Freundin in Benajarafe, direkt am Strand der Costa del Sol. Und, sagen wir es mal so, ein Tiefdruckgebiet hier ist deutlich wärmer und freundlicher als bei uns im Norden Deutschlands. Nach einem ersten Orientierungsspaziergang durch Olivenhaine und über grüne Hügelchen und einer Siesta geht es auf eine kleine Rundtour durch die Berge.

Wir starten in Frigiliana, einem außerordentlich hübschen Bergdorf mit schmalen Gassen nur für Fußgänger in der Altstadt. Das Auto wird man auf einem der vielen Parkplätze gut los. Dann geht es treppenweise immer höher hinaus, bis wir schließlich an einem Aussichtspunkt landen. Da noch nicht einmal Nebensaison ist, ist das Café leider noch geschlossen. Also noch ein Stückchen weiter, schon wieder bergab, bis zu einem Restaurant, dessen   Küche zwar geschlossen hatte, das aber Getränke auf der Terrasse mit einer wunderbaren Aussicht über den Ort bis nach Nerja und das Mittelmeer serviert.

Anschließend geht es weiter in die Berge, immer am Rande des Nationalparks der Sierras von Tejeda, Almijara und Almara entlang. Dieser westliche Teil, auch bekannt unter dem Namen Axarquía, besticht durch viele kleine Dörfer inmitten von terrassenförmig angelegten Obst- und Gemüsegärten (jetzt gerade blühen die Avocadobäume). Eines wollen wir genauer erkunden. So fahren wir nach Cómpeta hinein. Irgendwo gibt es einen schönen Vorplatz an der örtlichen Kirche, also hinein in die schmalen Gassen. Leider fahren wir ohne Navi und biegen eher auf Verdacht ab. So landen wir schließlich an einer Mauer, von der im 90-Grad-Winkel eine Gasse und eine Treppe abbiegen, beide weniger als zwei Meter breit.

Links hinter der gefliesten Wand liegen sowohl Gasse als auch Treppe. Noch steht das Auto nicht parallel zur weißen Wand, aber gleich! Und danach das ganze wieder retour!!

Unser Seat Mii ist nur 1,65 m breit, eine Passantin bestätigt, dass die Gasse schmal ist aber ‚posible’ ist. Aber trotz vielem Hin und Her würden wir nicht ohne Lackschaden an der metallverstärkten Hauskante vorbei kommen. Also rückwärts am Berg um fast 90 Grad zurückgestoppt und in die nächste Gasse hinein. Die endet in einer doppelten Haarnadelkurve, die gefühlt fast senkrecht in die Tiefe geht, natürlich auch wieder extrem schmal. Da stecken wir nun: hinunter trauen wir uns nicht, zurück gegen den Berg machen Kupplung, Auto und Fahrerin nicht mehr mit, die Handbremse ist kurz vor dem Versagen.

Glücklicherweise kommt ein deutsches Ehepaar, das seine Hunde ausgeführt hat, Bewohner des Dorfes, des Weges, versteht unsere Not und der Mann bietet uns an, den Wagen hinunter und auf die Hauptstraße zu fahren, während seine Frau uns dorthin zu Fuß führt. Das Angebot nehmen wir gern und erleichtert an und kurze Zeit später ist das Leben wieder unser Freund!

… und schwupp, weg ist es, aber ohne uns!

Auf diesen Schreck hin verzichten wir auf Kirchen- und Vorplatzbesichtigung und verlassen Cómpeta zügig wieder.

Cómpeta: der braune Kirchturm ist gut zu erkennen. Nicht weit davon steckten wir fest.

Wir fahren weiter nach Algarrobo zum Essen in einem kleinen familiengeführtem Restaurant, die „Bar Cano Benito“, sehr zu empfehlen. Mutti kocht, Sohnemann macht die Bar, die Tochter den Service und Papa kümmert sich um die Gäste. Es gibt lecker Fisch: frittierte und gegrillte Rosada, frittierten Kabeljau, dazu Tomaten-Zwiebel-Avocado-Salat und Pommes, und das alles für sehr wenig Euros. Zum Nachtisch gibt es das Champions League Spiel Real Madrid gegen Juventus Turin, zusammen mit spanischen Zuschauern. Als die Italiener zur Halbzeit führen, fahren wir müde und erschöpft, aber satt und glücklich nach Hause.

Auf nach Málaga

In den letzten Jahren haben wir; wer den Blog fleißig verfolgt hat, der weiß das; vielfältige Reiseerfahrungen mit diversen Automobilen gesammelt. Da wir in diesem Reisejahr immer nur ein paar Tage Zeit am Stück haben, müssen wir unseren ökologischen Fußabdruck etwas breiter werden lassen: wir fliegen fast alle Strecken.

Den Beginn macht Norwegian Airlines ab Hamburg. Ein Abflug am Abend gewährt eine zügige Anreise über eine staufreie Autobahn. Ein Blick auf die Abflugtafel sagt uns, dass der Flug nicht ausfällt, sondern nur 20 Minuten später abfliegt als geplant. Die Menschen bei der Sicherheitskontrolle sind freundlich, ja fast entspannt. Alle relevanten Gegenstände landen in den schwarzen Schalen, auch wirklich alle Jacken (Zwiebelprinzip wegen der zu erwartenden Temperaturunterschiede). Der Ganzkörperscanner tut nicht weh.

Und dann kommt eine der beiden Handgepäckstasche doch nicht über das Rollband zu uns gerutscht. Was könnte da drin und übersehen worden sein, was in der anderen Tasche nicht ist? Das Rätsel löst sich auf für uns überraschende Weise: Sie haben eine volle Wasserflasche gefunden, die natürlich nicht mit durch die Kontrolle darf. Die hatten wir komplett vergessen!

Aber austrinken dürfen wir dort am Ende des Förderbands auch nicht. Das möchten wir aber gern, denn prompt setzt stressmäßig ein ungemeiner Durst ein. Da wir noch Zeit bis zum Abflug haben, passt einer auf das gesamte Gepäck auf, die andere wird von dem Sicherheitspersonal, das auch die Flasche trägt, wieder vor die Sicherheitsschleusentür geleitet. Dort wechselt die Flasche wieder die Hände und wird in wenigen Minuten ausgetrunken. Nach Aufruf durch das nette Personal („die Frau mit der Flasche, bitte!“) wird die nun etwas längere Schlange umgangen, noch einmal gescannt (natürlich ohne Jacke, die mit der leeren Flasche wieder in der Schale des Sicherheitspersonals liegt) und schließlich landen alle Dinge wieder in den richtigen Händen.

Wer nun denkt, was die ganze Geschichte eigentlich soll; das gehört ja inzwischen zum Allgemeinwissen beim Fliegen, dass volle Flaschen nicht durchgehen. Tja, auch im anderen Handgepäck befindet sich eine volle Wasserflasche, die allerdings nicht entdeckt wurde. Wir haben dann auch lieber nichts gesagt, um nicht doch noch den Flieger zu verpassen.

Norwegian ist ebenfalls ein Billigflieger. Allerdings sitzen wir in einer neuen Boeing 737 mit Bildschirmen und free wifi an Bord. Das macht den Flug ganz angenehm, auch wenn es Getränke und Snacks nur gegen Bares gibt. Dafür kommen wir für knapp 40€ pro Nase bis nach Málaga, wo noch ein Unwetter tobt. Wir sind gespannt auf die Landung!

Das Heck unserer Maschine, die Rückenflosse, ziert ein Foto von Wenche Foss, einer sehr berühmten und häufig ausgezeichneten und geehrten norwegischen Schauspielerin, die bereits 2011, allerdings 93jährig, gestorben ist. Als die überhaupt erst fünfte Frau in Norwegen erhielt sie ein Staatsbegräbnis.

Reise, Reise, auch wenn das nächste Sabattjahr noch in weiter Ferne liegt

Wenn man einmal ein Sabattjahr genommen hat und auf den Geschmack gekommen ist, möchte man immer mehr davon. Aber so schnell geht es nun doch nicht. Erst in gute drei Jahren wird es wieder so weit sein.

Aber bis dahin wollen wir nicht warten und werden in diesem Jahr den einen und anderen Kurztrip durch Europa machen.

Anfang des Jahres waren wir schon in Dänemark, um uns in einem netten Sommerhaus am Ringkøbingfjord zu erholen. Morgen geht für ein paar Tage nach Andalusien/ Spanien.

Stay tuned!

Being the Ringmaster – Badefreuden 2

Inzwischen ist unsere diesjährige Reise nach Großbritannien beendet, wir wollen aber nicht die letzten Eindrücke vorenthalten. 
Eine Fährüberfahrt von Dover nach Calais oder Dunkirque gegen 14 Uhr zu buchen, erwies sich als eine sehr gute Idee: die Fähre war nicht so voll, auf der Rückfahrt kamen wir um fast alle Feierabendverkehrsverdichtungen auf den Autobahnen herum und auch die Baustellen waren gut passierbar. Zu Beginn der Nacht zu fahren war auch deutlich angenehmer als von der tiefen Nacht in den Morgen hinein.
Aus der Studentenbude haben wir sehr früh und ohne zu duschen ausgecheckt. Das Badezimmer sollte ab acht Uhr morgens renoviert werden (das war auch bitter nötig). Wir wurden darüber zwar am Abend vorher per Mail informiert (hatten wir nur nicht gelesen), aber das Mädel, das zurzeit in der Wohnung wohnt, anscheinend nicht. Morgens stand die (sehr unwirsche) Wohnungsbesitzerin mit ihrem Handwerker unangekündigt im Flur, polterte herum und weckte so die arme, die am Abend zuvor gearbeitet hatte. Sie musste dann auch noch flugs ihr Zimmerchen leer räumen, weil dort der Schimmel an der Wand übergestrichen werden sollte. Auch laut britischer Vermieter entsteht Schimmel natürlich nur, weil Mieter Einrichtungsgegenstände an die Wand stellen (!!). Wir fragen uns nur, wo sonst Bett, Schrank und Tisch hingestellt werden sollen bei der durchschnittlichen Zimmergröße, die im Vergleich zu unseren Wohnungen winzig ist. An uns wurde das größte Zimmer vermietet. Wahrscheinlich verdienen sich die Studentinnen aus Bulgarien so etwas dazu, um die Miete zu reduzieren. Wir waren definitiv froh, dass wir zuhause studieren konnten.

Der Dusche trauten wir diesmal gar nicht über den Weg, nachdem uns erklärt wurde, dass bei blau das heiße Wasser heraus kommt und bei rot das kalte. Außerdem stand die Badewanne unter der Dachschräge, bequemes duschen sieht anders aus.

Aber die übrigen Duschen wollen wir noch zeigen.


Bei diesem Exemplar zieht man nicht an Strippen, sondern dreht an Ringen. Der vordere Ring regelt die Wassermenge, der hintere Ring die Temperatur. Der Ring über dem Schlauch schaltet entweder die normale Dusche oder aber die Regenschauerdusche an.

Dieser Boiler ist quasi selbsterklärend: großer Knopf für an und aus, Knebel für das Mischen der Temperatur, den oberen Knebel haben wir ignoriert. 

Hier sind die Ringe seitlich angebracht: an/ aus links, Temperaturwahl rechts.


Und dann hatten wir noch eine Wanne ohne Duschvorhang mit je einem Hahn für warmes und kaltes Wasser, das in die Wanne lief. Bei genügend Wasserdruck kam es jedoch auch nach Umlegen des Hebels aus dem Duschkopf heraus.

Alles in allem sind wir sehr zufrieden mit dem Standard, der uns zuhause erwartete.

Canterbury, Kent

Auf unseren Fahrten von Dover nach London und zurück fuhren wir immer an den Hinweisschildern nach Canterbury vorbei. Diesmal planten wir einen Besuch fest ein mit einer Übernachtung in einer StudentinnenWG in einem (ehemaligen?) council flat, durchaus etwas anderes als bei den just retired Hausbesitzern, bei denen wir sonst übernachtet haben. Es war ein bisschen so, als hätten die Mädels halbwegs überraschend Besuch von ihren Eltern erhalten: schnell aufgeräumt und etwas sauber gemacht und sich ansonsten lieber verzogen. Nein, so war es nicht ganz, die Mädels müssen in ihren Semesterferien jobben.

Die Innenstadt ist zu Fuß gut zu erreichen und auch am Sonntag haben die meisten Geschäfte geöffnet. Dementsprechend geschäftig ging es in den mittelalterlich geprägten Gassen zu.

Alle, die jemals in ihrem Leben zumindest ein bisschen Englisch studiert haben, haben auch von den berühmten Canterbury Tales gehört oder sie sogar gelesen. Die Statue des Verfassers, dem Londoner Geoffrey Chaucer, lief uns fast als erstes über den Weg, umgeben von Gebäuden, die sich im Namen alle irgendwie auf die pilgrims bezogen. Kurzer Exkurs als Erinnerungsauffrischung: Eine Gruppe Pilger aus London (Chaucer stammt aus London) macht sich auf den Weg nach Canterbury zum Grab des Heiligen Thomas (Becket, dem Schatzkanzler König Heinrichs des Zweiten, der sich, nachdem er gegen seinen Willen vom König zum Erzbischof von Canterbury ernannt wurde, gegen den König stellte, später von königlichen Soldaten in der Kathedrale ermordet und drei Jahre später (!) vom Papst heilig gesprochen wurde). Die Reisenden erzählen sich gegenseitig Geschichten (tales), um sich die Zeit zu vertreiben, die beste davon soll prämiert werden. Auch Chaucer hatte diese Pilgerreise zum Schrein Beckets gemacht. Dieser ist während der Reformation zerstört, die Gebeine verbrannt und die Asche verstreut worden. Durch auch heute noch kommen Pilger aus aller Welt in die Kathedrale (heute waren welche aus Rochester, Amerika da).

Der Dramatiker Christopher Marlowe, ein Zeitgenosse Shakespeares, hat es nicht so nett getroffen. Natürlich ist das örtliche Theater nach ihm benannt worden, aber auch eine recht neue Shopping Arcade! Das geschieht wohl, wenn man die Stadt bereits als 17jähriger zum Studieren verlässt und in London berühmt wird. Orlando Bloom machte es genau so, bereits als 16jähriger – und: keine Spur von ihm in der Stadt entdeckt.
Die berühmte Kathedrale bestimmt nicht nur die Stadtsilhouette, sondern auch den Stadtkern, denn ein riesiges Areal ist in Besitz der Kirche, inklusive etlicher Geschäfte.


Die Domfreiheit betraten wir durch das Christ Church Gate, ein architektonisches Meisterstück aus dem Jahr 1517. Leider ist die Kathedrale außen (und innen) eingerüstet, sodass sich kein schönes Fotomotiv bot. Aber nach 600 Jahren Bauzeit ab ca. 1200 fallen ein paar wenige Jahre mit Gerüsten nicht wirklich ins Gewicht. 


Wir wollten die Kathedrale sowieso nicht ausgiebig von innen besichtigen, sondern zum Abendgottesdienst, dem Evensong, gehen, dieser besonderen Form mit den liturgischen Chorgesängen. Anglikanisch (naja, nicht weit weg von katholisch), aber sehr schön, man sitzt oder steht nach Anweisung im Programm (grobe Richtlinie für geübte Besucher von evangelischen Gottesdiensten: immer, wenn man dort sitzt, muss man hier stehen und umgekehrt). Netterweise gibt es für die vielen Besucher ausführliche Ablaufbeschreibungen mit allen Texten; und diesmal auch ein Gesangbuch, ein Lied durften wir mit dem Chor zusammen singen (währenddessen lief die Kollekte). Wir kamen gerade noch rechtzeitig, uns wurden die letzten Plätze vorne auf den Bänken zugewiesen, direkt am Chor.


Nach so viel Kultur (und shopping, um ehrlich zu sein), hatten wir Hunger, American Style in good old England:

Shakespeare’s King Lear, 2017

Shakespeare rules!

In dieser Saison schaffen wir tatsächlich drei verschiedene Aufführungen – gute Planung!

Auch King Lear haben wir hier vor einiger Zeit schon einmal gesehen. Der König ist alt und des Regierens müde. Daher möchte er sein Königreich gerecht an seine drei Töchter verteilen. Sie müssen ihm nur erklären, wie sehr sie ihn lieben. Leider weiß er die Klugheit seiner jüngsten und Lieblingstochter nicht zu schätzen und glaubt lieber den Schmeicheleien der beiden älteren. Die jüngste erhält nichts und wird des Landes verwiesen. Die älteren erhalten auch noch ihren Anteil, berauben ihren Vater natürlich prompt seines Reichtums und Gefolges und verjagen ihn schließlich bettelarm vom Hof. Nachdem der König von seinen ältesten Töchtern aus dem Haus gejagt wurde, zeigt er zunehmend Anzeichen von Demenz und muss als Obdachloser schmerzlich erfahren, wie die andere Seite der Gesellschaft, zu der er bisher keinen Kontakt hatte, lebt. Am Ende seines Lebens gelingt es King Lear zwar, seinen Irrtum einzusehen, helfen tut ihm dass allerdings nicht mehr, denn zum Schluss sind alle Hauptpersonen tot.


Diesmal ist das Bühnenbild sehr modern gehalten, alles eingerüstet und mit weißen Planen abgehängt, wie in den Bezirken einer Stadt, in denen keiner mehr lebt. Die SchauspielerInnen kommen als Heimat- und Obdachlose gemeinsam auf die Bühne und nehmen diese in Besitz. Am Ende gibt es auch nur einen minimalen Tanz, um allen Zuschauern zu signalisieren, dass die Menschen nicht wirklich tot sind. Dann gehen alle wieder geschlossen mit ihren Habseligkeiten als Heimat- und Obdachlose von der Bühne. Sehr eindrucksvolle Vorstellung mit, wie bei Mr. S. üblich, mit durchaus lustigen Einlagen.

Shakespeare’s Much Ado About Nothing, 2017

… bzw. 1914, die diesjährige Aufführung im Londoner Globe Theatre siedelt das Setting der Komödie innerhalb des mexikanischen Bürgerkriegs an. Die beiden Revolutionäre Claudio und Benedick kehren gerade siegreich unter Don Pedro von der Schlacht bei Zacatecas zurück und werden von Heros Vater eingeladen, sich für eine zeitlang bei ihm in der Villa in Monterey zu erholen. Claudio will Hero (wegen der hohen Mitgift??) heiraten, Benedick ist verliebt in Heros Cousine Beatrice (und umgekehrt, aber keiner von beiden will das eingestehen). Nur die Intrigen der anderen führen dazu, dass die beiden einander ihre Liebe eingestehen können. Natürlich findet die Hochzeit zwischen Claudio und Hero nicht so einfach statt, auch die müssen eine Bewährungsprobe bestehen, angezettelt von Donna Juanna, der bösen, eifersüchtigen Schwester Don Pedros, bevor sich alles zum Guten wendet.Bilder, 

„It droppeth as the gentle rain from heaven.“
Umbaupause

Die Aufführung war schön, bunt und lebhaft, die Musik sehr gut, ein Revolutionslied zum Abschluss. Mit dem Wetter hatten wir diesmal nicht so viel Glück, denn zwischendurch regnete es immer mal wieder. Wir hatten unser Glück ein bisschen zu sehr auf die Probe gestellt und trotz Vorhersage keine Regenklamotten eingepackt. Und da wir wieder Tickets als groundlings hatten, gab es auch kein Dach über uns, denn groundlings sind die, die im Innenhof stehen. Das kann bei knapp drei Stunden Spielzeit (inklusive der Pause, in der man sich auf den Boden setzen und picknicken darf) etwas anstrengend werden, lohnt sich aber. Bei Ticketpreisen, die für Sitzplätze zwischen 20 und 45 Pfund liegen, liegt der Preis für den Innenhof bei 5 Pfund. Das macht den Besuch mehrerer Aufführungen per Saison möglich. Und wir groundlings dürfen auch durch das viel schönere Eingangstor gehen.

Avebury, Wiltshire 

Auf dem Rückweg nach London legten wir einen Zwischenstopp in Avebury ein. Jede/r kennt Stonehenge, zumindest von Bild- oder Filmaufnahmen. Dabei gibt es Steinkreise (Henge), die noch viel älter und größer sind, aber eben nicht so prominent und allein in der Landschaft herum stehen wie Stonehenge. Hier in Avebury (die Überreste des weltgrößten Steinkreises) kann man sogar ein ganzes Dorf finden, das von einem Steinkreis umgeben ist, inklusive Pub und Kapelle. Dazu ist der Steinkreis nach außen durch einen mächtigen Erdwall abgeschirmt. 


Innerhalb des Kreises gibt es weitere Steinkreise. Die Steine sind nicht behauen wie in Stonehenge. Ausgrabungen haben gezeigt, dass es vom Dorf eine von Steinen gesäumte Allee gegeben hat, die zu einem über eine Meile entfernten Hügel führte. Anders als in Stonehenge darf man zwischen den Steinen herum gehen. Viele Menschen nutzen das schöne Sommerwetter auch für ein Picknick im Schatten eines der riesigen Steine.
Im Manor House hatten wir unerwarteterweise sehr viel Spaß. In einer Kooperation des National Trust mit der BBC wurden die Zimmer wieder hergerichtet, wie sie zu bestimmten Perioden ausgesehen haben könnten, von der Tudorzeit bis hin zu den 1930ern. Die BBC plante eine Serie (2011 ausgestrahlt) über die Restaurierung von solch alten Gebäuden und suchte ein „Versuchskaninchen“, um zu zeigen, wie die Menschen zu unterschiedlichen Zeitrn in solchen Gebäuden gelebt haben. 


Nach dem Abdrehen der Serie ist alles so in den Räumen geblieben. Und nun kommt das gute daran: da alles Repliken sind, darf man alles anfassen und sich sogar in das Bett einer Königin legen (dafür müsste man allerdings die Schule ausziehen, das haben wir nicht gemacht) oder ihre Toilette benutzen (naja, sich zumindest darauf niederlassen). 

 
Aber Kay schlüpfte in die Rolle eines Grafen, der leider allein lebte und so im großen Speisezimmer ganz allein essen musste. Andere spielten eine Partie Snooker, Kinder hatten in der Küche Spaß daran, Getreide in einer Kaffeemühle zu Mehl zu mahlen.


Verkleiden konnte man sich auch, aber das hatten wir ja bereits in Bath gemacht. Das witzigste war das chamber horse, das Zimmerpferd, eine Art Stuhl mit eingebauter Ziehharmonika unter dem Sitz, um darauf hoch und runter zu hüpfen, wie beim Reiten auf einem echten Pferd. Nach einer Weile schwankte dann beim Absteigen auch der Boden unter den Füßen.


Zur Entspannung hätten wir noch einen Tee im Tearoom des Hauses einnehmen können. Wir zogen aber die deck chairs im Garten vor.

Bath, Somerset, part 2

Bei unserem Herumstrolchen durch die Innenstadt kamen wir an dieser, exponiert an einer Straßenecke liegender Kirche vorbei und sahen das verlockende Schild ,Church and Cafe open’. 
Eine gute Idee: Kaffee trinken in der Kirche St. Michael’s Without. Ein lustiger Name für eine Kirche, Sankt Michael Ohne, … ohne was? Eines Infotafel gibt Auskunft. Sie lag bei der Erbauung außerhalb (auch eine Bedeutung von without) der Stadtgrenzen. Plötzlich hört sich der Name völlig logisch an. Der Kuchentresen und der Servicebereich dahinter sind in einem Kirchenflügel untergebracht, die Tische und Stühle rahmen das Taufbecken ein, christliche Popmusik untermalt die Unterhaltungen. Die einheimischen älteren Bewohner treffen sich hier zum gemeinsamen Lunch. Eine ganz wunderbare Atmosphäre für eine kurze Verschnaufpause. 

Dadurch kamen wir etwas zu spät ins Orgelkonzert in der Bath Abbey, Orgel-Matinee immer mittwochs um 13:10 Uhr, Eintritt frei, Spende erbeten. Wir hörten uns schöne ältere und neuere Musik an und konnten uns schon mal im Sitzen die aufwändig gestalteten Deckengewölbe und Kirchenfenster ansehen, bevor wir sie uns nach dem Konzert noch einmal aus der Nähe anguckten.


Anschließend ging es in die Assembly Rooms, die mehrere, unterschiedlich große Säle (Ballsaal für bis zu 1000 Personen, Tearoom für die Einnahme von Erfrischungen für die rastlosen TänzerInnen ab 21 Uhr, ein achteckiger Saal für Karten- und Glücksspiele (außer sonntags, da war Glücksspiel verboten und man lauschte einem Orgelkonzert) für alle möglichen Events vorhalten, und das schon seit 1771. Damals wurden die Damen und Herren der High Society dort per Sänfte hingetragen, bei den damaligen Straßen-und Schmutzverhältnissen und der Kleidung, die zu solchen Events getragen wurde, eine sehr gute Idee. Dort tanzten, spielten, tranken und aßen die Menschen dann die ganze Nacht, und in jedem Raum gab es die passende Livemusik. Auch heute kann man die Räume noch mieten, z.B. für die Hochzeitsfeier, vielleicht nicht mit ganz so vielen Gästen.


Aber das eigentliche Ausflugsziel war das Fashion Museum, das im Untergeschoss beheimatet ist. Dort wurde die Geschichte der Mode der letzten 400 Jahre in 100 Objekten gezeigt und dazu eine Sonderausstellung zur Verwendung von Spitze in der Mode. Sehr interessante Objekte, zum Beispiel Handschuhe, die von Zeitgenossen Shakespeares getragen wurden, Designerbeispiele direkt vom Catwalk und prämierte Uni-Abschlussarbeiten vom letzten Jahr. 


Großen Spaß machte es auch, sich anschließend zu verkleiden.