Eine Bahnfahrt die ist lustig; eine Bahnfahrt, die Bahnfahrt, die macht froh …

Wir wollen nach Frankfurt/ Main und nehmen zur Flugabwechslung mal die Deutsche Bahn. Man muss den eigenen ökologischen Fußabdruck ja nicht noch mehr vergrößern.

Unser schönes nördlichstes Bundesland ist ja ein klein wenig abgeschnitten von der großen Verkehrswelt. Daher geht es zuerst mit dem Regionalexpress nach Hamburg, um von dort einen ICE zu nehmen. Das Vorhaben lässt sich gut an, der Zug fährt pünktlich ab, das Abteil der ersten Klasse ist leise, die Aussicht über die blühenden Rapsfelder wunderbar, weil wir im Doppelstockwagen oben sitzen.

Da bereits kurz vor Hamburg deutlich wird, dass wir mit wenigen Minuten Verspätung im Hauptbahnhof einlaufen werden, beschließen wir, den RegionalExpress bereits in Hamburg-Dammtor zu verlassen. Hier können wir vom selben Bahnsteig einsteigen, im Hauptbahnhof hätten wir einige Gleise überbrücken müssen, sehr ambitioniert angesichts des Zeitplans. Also raus aus dem komfortablen Zug hinein auf den sehr zugigen Bahnhof. Wir kommen im Abschnitt A an und fahren unsere Koffer bis zum Abschnitt E-F spazieren, da dort die Wagen der ersten Klasse halten sollen. Auf dem Weg dorthin erfahren wir, dass der ICE 15 Minuten Verspätung haben wird, wir müssen also noch ein bisschen weiter frieren. Mit der Verspätung hätten wir auch bis zum Hauptbahnhof durchfahren können.

Als nächstes kommt die Ansage, dass der ICE gar nicht über Dammtor fahren wird, sondern erst am Hauptbahnhof eingesetzt wird! Na toll, wir hätten wirklich gleich durchfahren sollen! Wir entern den nächst besten IC, der hält. Das gibt uns auch die Chance, während der kurzen Fahrt noch schnell die Toilette zu besuchen. Am Hauptbahnhof an Gleis 11 angekommen, fragen wir den Zugbegleiter, von wo der ICE abfährt. „Gleich von gegenüber!“ heißt es, stimmt aber leider nicht. Der ICE fährt von Gleis 14 ab. Also zur Rolltreppe, hochfahren, sich in den Menschenstrom einfädeln, nächste Rolltreppe wieder runter. Der Wagenstandsanzeiger gibt Auskunft, wo sich die Wagen der ersten Klasse befinden: in den Abschnitten A-B, wir befinden uns im Abschnitt D. Unsere Rollkoffer folgen uns brav auf dem Fuße. Kaum im Zielabschnitt angekommen, inzwischen wird eine Verspätung von 20 Minuten angezeigt, kommt die Durchsage, dass sich durch die Verspätung die Wagenreihenfolge komplett ändert. Unsere ersehnten Wagen werden in den Abschnitten E-F halten! Inzwischen kennen die Koffer den Weg und übernehmen die Führung durch die sich langsam aufbauenden Menschenmassen, wir haben bereits 30 Minuten Verspätung.

Mit uns warten inzwischen viele Menschen. Etliche überlegen, in den nächsten IC zu steigen, der auch in Frankfurt halten wird, damit sie überhaupt weg kommen. Manche tun es wohl auch. Andere versuchen, ihrer DB Navigator App nützliche Informationen zu entlocken, da es keinerlei Durchsagen gibt. Die elektronische Anzeigetafel verwirrt mehr als sie informiert, denn zwischenzeitlich verschwindet unser ICE ganz von der Anzeige, was zu einer kleinen Panik bei allen führt – und zu ersten Verschwörungstheorien und Wahnvorstellungen (der Zug fällt ganz aus, ich komm hier nie wieder weg!!!). Wir halten aber geduldig aus, die App spricht von 40 Minuten Verspätung, die Anzeigetafel sagt lieber gar nichts mehr dazu.

Plötzlich erschallt eine ungewöhnlich laute Durchsage – leider, leider wird der Zug von Gleis 11 abfahren! Ein kollektiver Aufschrei entlädt sich über Gleis 14, verbunden mit panikartigem Ansturm auf alle zur Verfügung stehenden Treppen, Rolltreppen, Fahrstühle. Angekommen auf Gleis 11 überkommt uns ein kleines Deja Vu, denn genau dort sind wir doch vorhin angekommen! Egal, Hauptsache, der ICE kommt bald mal. Immerhin taucht er wieder auf der Anzeigetafel auf, mehr passiert aber trotzdem erst einmal nicht. Als er dann wirklich einläuft, sind sich nicht alle Mitreisenden sicher, ob sie nun wirklich in diesen Zug einsteigen sollen.

Wir tun das, suchen uns einen nicht reservierten Platz im Abteil und schauen uns die nächste Stufe des Chaos im Sitzen an: Es wurde ein komplett anderes Zugmodell eingesetzt, da der ursprüngliche Zug anscheinend kaputt gegangen ist. Man fragt sich, wie das so plötzlich auf der kurzen Strecke zwischen Hamburg-Altona und Hamburg-Dammtor, wo er ja nie angekommen ist, geschehen konnte. Jedenfalls stimmen die Sitzplatzreservierungen (wir haben keine) nicht mit der veränderten Wirklichkeit überein. Die überwiegend älteren Menschen sind sehr verwirrt, suchen trotz besseren Wissens ‚ihren‘ Platz, damit alles seine Ordnung hat, hilft aber nicht. Zur Abfahrt des Zuges sitzt jeder irgendwo und wir haben 45 Minuten Verspätung!

Die bringen natürlich jeden Fahrplan durcheinander. Wir kommen bis nach Hannover, dort muss unser Zug erst einmal außerhalb des Bahnhofs warten, da das Einfahrtgleis noch von einem anderen Zug belegt ist. Inzwischen ist nur noch ein leises Aufstöhnen der Mitfahrer zu hören. Die Zugestiegenen diskutieren, ob sie wohl den richtigen Zug bestiegen haben, denn genau eine Stunde nach uns fährt der nächste ICE in dieselbe Richtung. Wir haben inzwischen 59 Minuten Verspätung, und es fehlen 200 Sitzplätze, da wir ja nicht in dem ursprünglich geplanten Zugmodell sitzen. Man fragt sich, wie die Bahn die nicht ganz billigen Fahrpreise gerechtfertigt.

Immerhin funktioniert das Wifi-Netz sehr gut, zumindest in der ersten Klasse. Ab Göttingen wird nicht mehr viel über das Chaos gesprochen; es gibt nur sehr wenige, die denken, dass sie im Zug nach Zürich sitzen und früher ankommen. Doch der nachfolgende ICE hat natürlich auch Verspätung, da wir ja immer auf den Haltestellen das Gleis blockieren. Kurz vor Frankfurt kommt dann doch noch eine Bahnmitarbeiterin und verteilt Gummibärchen. Die nehmen wir noch mit und steigen dann am Frankfurter Hauptbahnhof aus.

Unser Hotel liegt direkt gegenüber des Nordausgangs, wie praktisch. Das Fleming‘s war mal das InterCity Hotel, nun aber lifestylish aufgeprömmelt:

Zum Zimmer gehört auch noch ein ÖPNV-Ticket für die Dauer unseres Aufenthalts. Dann kann es ja losgehen mit der Erkundung!

Pizze, Pasta, Pomodori

Italienisches Essen ist lecker. Italienisches Essen in Italien ist leckerer.

Wir probieren einige Restaurants aus, von einer Enoteca

über eine traditionelle Pizzeria

bis hin zu einem klassischen Restaurant.

Das Essen ist überall klasse, alles andere variiert. Die Enoteca besticht durch ihr umfassendes Weinangebot und das Ambiente; die Pizzeria durch ihre sehr günstigen Preise und die Lautstärke, das Restaurant punktet mit dem super Service, dem tollen Preis-Leistungsverhältnis und dem Ambiente.

Während wir in Deutschland es gewohnt sind, vielleicht eine Vorspeise, auf jeden Fall ein Hauptgericht mit allen Beilagen oder einem Salat zu essen und vielleicht auch noch ein Dessert zu bestellen, gestaltet sich das in Italien etwas anders. Die Speisekarte ist unterteilt in Vorspeisen, also Antipasti, Salate, Bruschetta, o.ä., dann folgt ein erster Hauptgang, vielleicht Pizza oder Pasta oder ein Risotto. Anschließend kommt das zweite Hauptgericht, Fleisch oder Fisch, und auf dem Teller liegt dann genau das und nur das! Beilagen wie Kartoffeln und/oder Gemüse werden immer extra bestellt. Und dann folgt natürlich noch Dulce, etwas süßes zum Dessert, Tiramisu, Pannacotta oder auch Eis. Ein Caffe, d.h. Espresso passt immer noch obendrauf.

Weicht man von dieser Reihenfolge ab, weil man die Mengen gar nicht bewältigen kann, muss man genau sagen, was wann auf den Tisch kommen soll. Zu zweit ist das noch problemlos. Wenn man in einer größeren Gruppe unterwegs ist, kann es sein, dass die gewählte Beilage als Vorspeise gereicht wird, oder dass diejenigen, die nur etwas aus dem Secondo Piatti gewählt haben, sehr lange auf ihr Essen warten müssen. Die einheimischen Gruppen lösen das wie folgt: alle essen und trinken das gleiche und einer zahlt für alle.

Natürlich essen wir die Klassiker der italienischen Küche, aber ein bisschen anders darf es doch gern sein, wenn man schon mal im Mutterland ist.

Pizza zum Beispiel: belegt mit Zucchiniblüten und Anchovis oder aber mit Ruccola und rohem Schinken. Bei beiden fehlt glücklicherweise die bei uns übliche Grundlage aus Tomatensoße. Auch der Gouda zum Überbacken fehlt, ohne dass wir ihn vermissen!! Pecorino ist viel besser.

Pasta zum Beispiel: Tonnarelli cacio e pepe con carciofi, das sind Nudeln mit Pecorino, Pfeffer und Artichoken.

Und dann gibt es ja auch noch so leckere Dinge wie Scaloppine, kleine Schnitzel oder Salate, hier ein Insalata di Mare mit superfrischen Tintenfischen und Muscheln.

Egal, wo wir gegessen haben, hinterher sind wir immer satt und sehr zufrieden.

Rom by day and night

So einige Sehenswürdigkeiten mehr kann man schon noch vertragen.

Eine kurzweilige Fahrt mit der Straßenbahn bringt uns in Richtung Vatikan. Auf den Schienen fahren Waggons der unterschiedlichsten Altersklassen, wir erwischen eine Bahn, die auch schon in der DDR hätte fahren können, rasselnd und klappernd gehen die Türen auf und als erstes muss man vier Stufen erklimmen und sich schnell auf einen Sitz fallen lassen, bevor es rasselnd und klappernd weiter geht.

Auf dem Petersplatz ist gar nicht so viel los, allerdings schlängeln sich die potentiellen Besucher des Doms am Außenrand herum. Da wir die prognostizierten anderthalb Stunden nicht warten wollen (es muss ja auch noch was für den nächsten Rom-Besuch übrig bleiben), machen wir Fotos auf dem Petersplatz. Außer den Gebäuden ist definitiv eine Wallfahrtsgruppe in voller Tracht aus Bayern fotogen.

Das aus weißem Marmor erbaute Nationaldenkmal Monumento Nazionale a Vittorio Emanuele II ehrt den ersten König des neugegründeten Königreichs Italien. Der verwendete schneeweiße Mamor hebt sich sehr von der eher erdfarbenen Umgebung ab, dass der Volksmund das Gebäude auch gern mal als Hochzeitstorte oder Schreibmaschine bezeichnet. Allerdings kann man an der Mamorfassade auch den Luftverschmutzungsgrad ablesen.

Berninis Elefant steht als Teil des Obelisks der Minerva seit 1677 auf der Piazza della Minerva. Zwölf Jahre zuvor wurde in einem Garten ein vergrabener ägyptischer Obelisk gefunden, für den der Bildhauer und Architekt Bernini einen Sockel bauen sollte. Bernini war schon lange zuvor von Elefanten fasziniert gewesen, wahrscheinlich hatte er 1630 einen echten Elefanten in Rom gesehen und von dem bereits viele Studien angefertigt.

Berninis Werk inspirierte wiederum den Dänen Carl Jacobsen zum Entwurf des Elefantentores am Hauptgebäude der Carlsberg Brauerei in Kopenhagen, da waren wir auch schon mal.

Das Pantheon ist ein ehemaliger römischer Tempel, inzwischen natürlich eine Kirche, in der u.a. zwei italienische Könige begraben sind. Das Gebäude ist kreisrund mit einem säulengestützten Eingang, eines der best erhaltenen antiken Gebäude in Rom, da es über die Jahrhunderte hinweg immer in Gebrauch war.

Im MAXXI haben wir in der Architekturausstellung gelernt, dass der jetzige Termini Hauptbahnhof auch ein Meisterwerk seiner Zeit ist. Also sehen wir uns den noch einmal genauer an. Das Hauptgebäude ist 1948 bis 1951 komplett im Stil des ‚Neuen Bauens‘ errichtet worden, 128 Meter lang und 32 Meter breit. Links am Haupteingang kann man man die Überreste der Servianischen Stadtmauer aus dem 4. Jahrhundert vor Christus zu sehen (es geht in Rom offensichtlich immer noch älter). Die Verkleidung aus Aluminium glänzt seit der umfassenden Renovierung des Bahnhofs Jahr 2000 anlässlich des Heiligen Jahres wieder sehr schön. Im Inneren ist die geschwungene Decke aus Stahlbeton ein Hingucker.

Zu Weihnachten 2006 ist der Bahnhof Johannes Paul II. gewidmet worden, eine Plastik schmückt den Vorplatz.

Einen ganz besonderen Zauber entfaltet diese alte Stadt in der Dämmerung und nachts, wenn die grandiosen Gebäude angestrahlt werden, entweder vom weichen Licht der Abendsonne oder vom den Strahlern.

Aber auch die Vögel werden von dem Licht erfasst und erzeugen eine magische Atmosphäre.

Ein Stadtrundgang macht abends besonders Spaß, wenn es nicht kälter als 20 Grad wird.

Bei diesem Wetter ist es auch nicht verwunderlich, dass sich die Plätze umso mehr füllen, je länger die Nacht voran schreitet. Es ist laut und bunt, die Getränke werden aus den umliegenden Bars geholt, Mehrweg ist hier unbekannt.

Etliche Eisdielen haben bis nach Mitternacht geöffnet. Hier genießen wir Ingwer-Kastanienhonig-Zitrone und Basilikum-Walnuss-Honig (rechts) bzw. Blueberry-Cheesecake und Schoko-Minze (links).

Villa d‘Este, Tivoli

Die Römer, zumindest die, die es sich leisten konnten, fuhren an heißen Tagen gern in die nahegelegenen Albanischen Berge östlich der Stadt. Dort war die Luft einfach besser. Das machen wir auch, in Ermangelung einer eigenen Sommerfrische-Villa wollen wir die Villa d‘Este in Tivoli besuchen.

Dafür geht es mit der blauen Metro Richtung Rebbibia (Linie B, die andere ist rot markiert) bis zur letzten Haltestelle vor der Endstation namens Ponte Mammolo. Noch gilt der Rom-Pass. Im Kiosk am Ausgang gibt es dann die Bustickets nach Tivoli, 2,20€ pro Fahrt; sehr günstig, denn anschließend fahren wir ca. eine Stunde durch ziemlich heruntergekommene Vororte, dann anschließend serpentinenartig langsam den Berg hinauf (wir sitzen in einem Doppeldecker oben – gute Aussicht), bis wir in Tivoli ankommen.

Wir können vom Bus auch gut die Steinbrüche sehen, in denen der Travertin abgebaut wird.

Ein kurzer, gut ausgeschilderter Fußweg führt uns in Tivoli zur Villa. Der Palast mit den dazugehörigen Gärten ist seit 2001 ein UNESCO-Weltkulturerbe, da der Palast eines der herausragendsten Bespiele für die Renaissancekultur darstellt. Die Gestaltung der Gärten hatte zudem einen massiven Einfluss auf die Gartenarchitektur in Europa.

Die Bauarbeiten begannen Mitte des 16.Jahrhunderts und dauerten, mit Unterbrechungen, ein ganzes Jahrhundert. Neben vielen anderen Titeln wurde Kardinal Ippolito II. d‘Este 1550 auch Statthalter von Tivoli. Eigentlich wollte er immer Papst werden, aber das klappte nicht, obwohl er auf mehreren Konklaven der Kandidat der Franzosen war. Vielleicht auch deshalb ließ er dann auf einem ehemaligen Benediktinerkloster eine sehr standesgemäße Villa erbauen, die Wände und Decken der Räume mit Fresken der bedeutendsten Maler der Zeit gestalten und einen wunderbaren Garten anlegen. Dafür wurden dann auch ein großer Anteil des Ortes geräumt und planiert.

Die Entwurfszeichnungen für Gärten und Brunnen wurden ebenfalls als Fresken festgehalten. Zudem ist in jedem Raum, und davon gibt es viele im Palast, mindestens sein Wappen, umrahmt von Putten, in den Wandecken verewigt; einem Zimmer auch die Insignien eines Papstes, um seine Ambitionen zu betonen.

Durch die Villa hindurch geht es in die Gärten, die sich von der unteren Etage des Hauses einen recht steilen Hang herab erstrecken.

Die mehr als 500 Brunnen, Wasserspiele und Grotten kühlen die Luft auf‘s Angenehmste, die hohen Bäume und Lorbeerhecken spenden Schatten. Die Hanglage des Grundstücks sorgt ganz ohne elektrische Pumpen (die gab es ja damals noch gar nicht) dafür, dass überall Wasser sprudelt und Fontänen die die Luft spritzen.

An einer der Querachsen mit den Fischteichen liegt links eine Aussichtsplattform, die einen wunderbaren Blick in das Tal bietet. Rechts wird die Achse von zwei übereinander gestaffelten Brunnenanlagen begrenzt, vom Neptunbrunnen und vom Orgelbrunnen, einer Wasserorgel, die vom Wasser „bespielt“ wird.

Auf dem Weg zurück erwischt uns, glücklicherweise bereits im Bus sitzend, das schon lange angekündigte Gewitter in Form eines gewaltigen Wolkengusses. Blitzartig stehen die Straßen unter Wasser. Wir fahren bergab, einige Fahrgäste werden nass, da es trotz geschlossener Scheiben hineinregnet, bzw. der Regen durch die Verkleidung hinein drückt. Die entgegenkommenden Autos fahren durch reißende Bäche, einige Wagen schaffen das nicht und bleiben im Wasser stecken, was zu einem veritablen Stau führt.

Zurück an der U-Bahnhaltestelle spuckt der Automat ein Ticket zu 1,50€ aus, der fast leere Zug bringt uns in einer Viertelstunde zurück und im Innenstadtgebiet Roms scheint wunderbar die Sonne.

MAXXI – maximale Architektur trifft Kunst

Es geht in den Stadtteil Flaminio ins Kunstmuseum. Man könnte auch sagen, wir wollen uns ein sehr gelungenes Konversionsprojekt anschauen. Das knapp 30.000 Quadratmeter große ehemalige Kasernengelände Montello ging zur Jahrtausendwende in die Hände des Kulturminsteriums über, das dort ein spektakuläres Gebäude der leider viel zu früh verstorbenen Architektin Zaha Hadid erbauen ließ. Zehn Jahre Bauzeit vergingen, ebenso sechs Regierungen, die immer wieder aufs Neue von den Ausgaben überzeugt werden mussten. Aber schließlich wurde es 2010 eröffnet, nachdem 150 Millionen Euro ausgegeben waren, das Dreifache der ursprünglich geplanten Bausumme.

Das Nationalmuseum, MAXXI genannt (Museo Nazionale delle Arti del XXI Secolo), zeigt zeitgenössische Kunst des 21. Jahrhunderts, aber liegt gar nicht in Laufweite des alten Innenstadtkerns, dafür haben wir ja den Roma-Pass. Vom Bahnhof Termini nimmt man die U-Bahn A Richtung Norden, steigt an der Piazza del Popolo um in die Straßenbahn Nr.2 bis zur Haltestelle Apollodoro. Ab da ist es ein kurzer Fußweg zum Museum, das sich als erstes mit einem weiten einladenden Vorplatz präsentiert. Das Gebäude integriert sich in das Stadtbild, wirkt nicht abgeschlossen, sondern wirkt durchlässig, die Grenzen zwischen öffentlichem und privatem Raum verschwimmen. Der hellgraue Sichtbeton scheint horizontal über dem alten, vertikal ausgerichteten Quartier zu schweben. Dieser Eindruck verstärkt sich noch im Inneren.

Die fünf Galerien erstrecken sich über drei Etagen, fließen aber ineinander über, so dass man stets neue Ein- und Ausblicke erhält. Wir fahren mit dem Fahrstuhl ganz nach oben und lassen uns dann von diesem genial entworfenen Gebäude gemächlich nach unten ziehen bzw. fließen in ihm in die Kunst und Architektur hinab. Hohe schräge Wände in glattem, hellen Sichtbeton formen geschwungene Bereiche, frei schwebende schwarze Stege und offene Treppen, die auch zu schweben scheinen, durchqueren das gesamte Gebäude. Ab und zu lassen große verglaste Fassaden Blicke hinaus auf den Vorplatz.

Jetzt im Frühjahr zeigt das MAXXI u.a. einen Schwerpunkt auf Werke, die sich mit Beirut in allen Facetten auseinandersetzen. Dafür wurden mobile Wände eingezogen, die die Luftigkeit des Innenraums etwas beschränken. Wir erhalten vielfältige und interessante Einblicke in die Verarbeitung der Folgen des Bürgerkriegs mit den unterschiedlichsten künstlerischen Mitteln, manches verstörend, manches gut nachvollziehbar, immer alles vielschichtig.

Eine verdiente Pause gibt es im Museumscafé mit integriertem Shop, das in einer der alten Militärbaracken, die in das Gebäude integriert wurden, untergebracht ist, architektonisch ebenfalls genial gelöst. Strahlend weiße Decken und Wände mit kreisförmigen Schallschluckern, die Möblierung nimmt die reduzierte Farbigkeit der Ausstellungsräume auf: hellgrau, weiß und schwarz. Es gibt die Möglichkeit, die elektronischen Geräte aufzuladen, beim sehr guten Caffe Americano (1€) zu bloggen oder sich einfach zu entspannen.

Kirchen und Kolosseum

Ein Spaziergang Richtung Altstadtquartier Monti führt uns in einige schöne Kirchen, u.a. in die Santa Maria Maggiore. Sie ist die größte Marienkirche zusätzlich mit dem höchsten Glockenturm in ganz Rom.

Sie ist eine der 7 Gründungskirchen der urchristlichen Gemeinden und eine der Kirchen, in die der Papst zu jeder Zeit kommen und unangekündigten predigen kann. Im vierten Jahrhundert erbaut, das kann man zwar nicht von außen erkennen, aber von innen ist die Basilikaform noch gut zu erkennen, die jetzt innen stehenden Säulen bildeten damals die Aussenmauer.

Innen haben sich Mosaiken aus dem 5. Jahrhundert erhalten. Die mit Mosaiken reich geschmückte Apsis stammt aus dem beginnenden 13. Jahrhundert. Die Kassettendecke wurde mit dem Gold der Konquistadoren vergoldet, irgendwo mussten die erbeuteten Reichtümer ja hin, zur Ehre Gottes ist dann immer eine gute Idee gewesen. Die Beichte kann auch während des Besuchs abgelegt werden, in verschiedenen Sprachen, das Licht zeigt heutzutage an, ob der Beichtstuhl besetzt ist oder nicht. Wenn der Priester in der geöffneten Tür zu sehen ist, kann man seitlich eintreten.

Es ist eine wirklich sehr prächtige Kirche und eine Besichtigung wert, auch wenn wir in der Sonne anstehen mussten, um unsere Taschen durch einen Sicherheitsscanner zu schieben.

Wir besichtigen natürlich das Kolosseum, eines der Wahrzeichen Roms. Erbaut als Ort für eher grausige Veranstaltungen bei freiem Eintritt, ist es heute eine Ruine, die sich gut bezahlen lässt. Die Tickets sollten lieber im Vorwege gebucht werden, um die langen Warteschlangen vor dem Eingang zu umgehen.

Wir haben schon zuhause online einen Rom-Pass gekauft. Der hat den Vorteil, dass dort gleichzeitig die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel enthalten ist. Man bucht den Pass, wahlweise für 48 oder für 72 Stunden gültig, und holt sich dann bei Ankunft in Rom die Karte an einem der zahlreichen Touristinfos ab. Mit dem Pass kann man dann alle Warteschlangen umgehen, ein schönes Gefühl!

Das Kolosseum ist, obwohl schon fast 2000 Jahre alt, immer noch das größte je gebaute Amphitheater der Welt. Begonnen im Jahr 72, wurde die Arena acht Jahre später mit einer hunderttägigen Feier eingeweiht.

Zu Trajan Siegesfeier über die Dakia wurden 10.000 wildeTiere (Tiger, Löwen, Rhinos, Elefanten, Flusspferde) und 11.000 Gladiatoren eingesetzt. So ein typischer Tag begann am Morgen mit der Vorstellung aller menschlichen und tierischen Teilnehmer. Anschließend wurden die wilden Tiere gejagt, gern in Kulissen, die ihr natürliches Habitat nachahmten. In der Mittagspause wurden die nackten und unbewaffneten Verurteilten von den wilden Tieren in Stücke gerissen (so haben wir das Wort Mittagspause bisher nicht interpretiert), während der anderen Pausen traten Jongleure, Akrobaten und Zauberer auf. Gern wurden auch antike Mythen nachgespielt. Am Nachmittag traten dann die Gladiatoren gegeneinander an. Christliche Märtyrer starben hier, entgegen aller verbreiteten Theorien, nicht.

Seit 1999 dient das Kolosseum, eine schöne Wendung der Geschichte, als Monument gegen die Todesstrafe. Immer wenn ein Todesurteil ausgesetzt wird oder ein Staat dieser Welt die Todesstrafe abschafft, wird das Kolosseum 48 Stunden lang in bunten Farben angestrahlt.

Eine Pause darf natürlich zwischendurch nicht fehlen:

Auf dem Rückweg liegt dann noch die Kirche San Clemente, eher unauffällig von außen, dafür ist im Innenraum das sehr, sehr alte Mamorinterieur erhalten (Fotos machen ist leider verboten). Die Kirche stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist dem befreiten Sklaven Clemente geweiht, der unter Diokletians Regime den Märtyrertod starb. Im 19. Jahrhundert begannen unter der Kirche Ausgrabungen, die man besichtigen kann. Unter der Kirche ist die bereits im 4. Jahrhundert erste Basilka gefunden worden, später noch darunter ein Gebäude aus den 1. Jahrhundert. Das ist ein faszinierender Gedanke, dass man eine Marktanlage oder eine Produktionsstätte sehen kann, zwei Stockwerke unter der Kirche, die damals auf dem gleichen Level wie das Kolosseum und in Sichtweite stand. Wieviel Schutt der Zeit sich im Laufe der Jahrhunderte anhäuft und das Straßenniveau ständig ansteigen lässt.

Auf dem Weg nach Roma, Italia

Wir sind in Rom, der Ewigen Stadt! Außer mit Appetit auf viel Kultur auch auf der ewigen Suche nach sonnigem Wetter im Süden Europas – es regnet! Aber erst am Abend.

Die Anreise ist lang: mit dem Flughafenbus Kilius nach Hamburg, von dort über München nach Rom, wieder in einen Airport Shuttle von Terravision und nach neun Stunden sind wir da.

Wir übernachten im Hostel Generator, fußläufig zum Kolosseum gelegen, zwischen dem Bahnhof Roma Termini und der Piazza Vittorio Emanuele II in einem Gebäude aus dem 19. Jahrhundert. Es gibt dort auch Gemeinschaftsschlafzimmer, aber dafür sind wir inzwischen wirklich zu alt. Wir haben für unseren 5-tägigen Aufenthalt lieber ein Doppelzimmer mit eigenem Bad gebucht. Es stellt sich als klein heraus mit einem häßlichen Ausblick auf einen schlauchförmigen Hinterhof, dafür aber mit einem neuen Bad, einer sehr guten Matratze und einer ruhigen Lage. Wir wollen hier ja auch nur schlafen.

Diesmal fliegen wir mit Lufthansa, das ist zwar um einiges teurer als die Billigflieger (die schon ausgebucht waren), aber auch deutlich komfortabler. Auf den kurzen Flugstrecken gibt es Schokowaffeln bzw. ein Sandwich und Getränke, sogar Bier oder Wein, wenn man es möchte. Das Check-In gestaltet sich entspannter; und als der Flieger verspätet in München ankommt, sind wir bereits im Flugzeug über das weitere Prozedere informiert und werden vom Bodenpersonal in die richtige Richtung geleitet (mit der Aufforderung „Beeilen Sie sich!“). Laufen müssen wir dann doch selbst, wir hatten schon auf eine Fahrt mit den kleinen Elektrowägelchen spekuliert.

In Rom Fiumicino sind die Bushaltestellen gut zu finden. Mit dem Bus in die Innenstadt zu fahren ist wesentlich günstiger als den Expresszug zu nehmen. Und mit ca. 40 Minuten Fahrt auch gut erträglich. So verstopft wie überall im Netz beschrieben, sind die Straßen nicht, und mit einem italienischen Busfahrer zu fahren ist auch ein Erlebnis.

Der Bus hält am Bahnhof Termini und gleich nebenan ist ein Tourist-Infopoint, an dem wir die vorher online gebuchten Rom-Pässe abholen, geht ganz einfach. Mit dem Rompass haben wir nun freie Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, ein Museum frei und Rabatt bei weiteren Attraktionen.

Den werden wir demnächst im Kolosseum aktivieren. Dort soll es auch einen extra Eingang für Passinhaber geben.

An der Costa del Lluvia

Schon wieder zurück in Hamburgo. Nett, wie wir sind, haben wir den Sonnenhungrigen an der Costa del Sol den strahlend blauen Himmel und das Haut und Seele wärmende Himmelsgestirn gelassen und geben uns mit norddeutschem Schmuddelwetter bei nicht einmal acht Grad zufrieden. Muss ja! Immerhin blühen die Narzissen. Mit ihrem strahlenden Gelb wärmen sie das Herz.

Abflug aus Málaga, 9:20 Uhr, strahlend blauer Himmel

Diesmal flogen wir mit Iberia Express einen Inlandsflug nach Madrid und anschließend mit Iberia weiter nach Hamburg. Beide Flüge unspektakulär, auch hier gibt es ohne Extrabezahlung keine Verpflegung. Unsere belegten Brote waren eine gute Idee. Da es auch sonst keine Unterhaltung an. Bord gibt, empfehlen sich unterschiedliche elektronische Ablenkungen oder das gute alte Buch. Im direkten Vergleich schneidet Norwegian besser ab als Iberia. Bei letzteren ist das Boarding allerdings wesentlich angenehmer. Sie teilen alle beim Check-in in Gruppen ein (und ziehen das auch konsequent durch). So staut es sich nicht im Flieger und man gerät weniger in Stress.

gelandet in Madrid, schon etwas bewölkter; in der Mitte des Fotos, die Tragflächenspitze zeigt drauf, das neue Stadion von Atlético Madrid: Wanda Metropolitano

Dass der Madrider Flughafen zu den größten in Europa zählt, haben wir gemerkt. Wir sind das gesamte Terminal 4 abgeschritten, und das ist lang! Gelandet am einen Ende, weitergeflogen am Anderen. Entworfen vom britischen Stararchitekten Richard Rogers besticht es durch eine besonders schöne Dachkonstruktion. Der Neubau war vor seiner Eröffnung im Jahr 2006 die größte Baustelle Europas.

Bildergebnis für Fotos Flughafen MAdrid

Trotz dem Dauerregen

Inzwischen hat sich das Tief über uns festgesetzt, es regnet und hat frische 14 Grad. Eine gute Gelegenheit, um lange zu schlafen und dann einzukaufen. Es geht nach Torre del Mar, einem Küstenstädtchen und populärem Badeort im Sommer.

Zuerst geht es in den Supermercado am Ortseingang. Wir lieben es, in fremden Ländern durch alle Regalgänge zu flanieren, um das lokale Angebot zu studieren und neue Wörter zu lernen. Außerdem sind Lebensmittel auch gute Mitbringsel. Sie stehen nicht herum und setzen Staub an, sondern landen über kurz oder lang im Magen (außer der Lavendelseife natürlich, die diesmal mit im Wagen landet). Was kommt sonst noch mit: Dulce de Membrillo ist ein eingedicktes Quittenmus als Brotaufstrich, süß und lecker; Almendra Frita Marcona sind gesalzene Mandeln zum Knabbern, auch sehr lecker.

Torre del Mar selbst ist ein richtig netter Ort, kleine schmale Straßen mit interessanten Geschäften münden auf kleinen Plätzen, auf denen sich die Bewohner die Parkplätze streitig machen.

Und natürlich gibt es viele Lokale zum Tapas essen. Wir landen im Café Venecia, essen gut, nutzen das WLAN und sitzen die Regenschauer aus.

Dann zieht es uns doch noch an den Strand, den wir mehr oder weniger für uns haben. Die Strandpromenade ist sehr schön gestaltet, viele Kunstobjekte sind während eines Festivals entstanden. Und alles sieht schön frisch gewaschen aus, da sich inzwischen alle Regenschauer zu einem Guss zusammen getan haben!

Dann haben wir doch genug und fahren zurück in die trockene Unterkunft, die sich mit mobilen Elektroheizkörpern aufwärmen lässt. Sehr hilfreich für das Wohlbefinden sind auch starker Kaffee und die Einkäufe aus der lokalen Panaderia.