Mini-Kreuzfahrt nach Oslo

Man darf ja fast gar nicht mehr erzählen, dass man eine Kreuzfahrt macht, aus Umweltgründen und so. Schaut man einmal andersherum: unter welchen Umständen werden die Rohstoffe für die Batterien der Elektroautos erworben? Da kommt auch irgendwie keine Antwort bei heraus, die einem ein Leben ohne Gewissensbisse möglich macht.

Uns haben die Kreuzfahrten, die wir im Rahmen unseres Sabbatjahres gemacht haben, außerordentlich gut gefallen (Wer möchte, kann ja noch einmal die entsprechenden Blogeinträge lesen.) Und wir würden so gern wieder einmal fahren, aber das wird sich aus Zeit- und Geldgründen wohl erst im nächsten Sabbatjahr ermöglichen lassen. Also nutzen wir unsere Lage hier oben am Wasser und fahren mit der Fähre von Kiel nach Oslo. Die fährt im Linienverkehr jeden Tag um 14 Uhr hin und kehrt am übernächsten Morgen um 10 Uhr zurück. Dazwischen liegen jede Menge Wasser und vier Stunden Landgang in Oslo. Die Reederei Colorline bewirbt diese kleinen Auszeiten durchaus mit dem Wort Mini-Kreuzfahrt. Wir verlängern das Vergnügen um ein paar Übernachtungen in Oslo.

Wir fahren mit der Bahn nach Kiel. Vom Hauptbahnhof sind es nur 10 Minuten zu Fuß bis zum Fährterminal der Colorline. Netterweise spendiert uns die Bahn die Tickets, denn Kiel richtet in diesem Jahr die Feierlichkeiten zur Deutschen Einheit aus und der Nahverkehr in die Landeshauptstadt ist aus dem Anlass kostenlos. Und es wird reichlich genutzt! Die Züge sind alle länger als sonst, die AKN fährt sogar mit einem Oldtimer-Zug, und die Menschen stapeln sich in den Waggons. Wir haben Glück und ergattern beide einen Sitzplatz.

Da liegt sie schon bereit, die Color Magic.

Vom Bahnhof aus ist es nur ein kurzer Fußweg über die Hörnbrücke, dann zur Brücke zum Norwegenterminal und schon stehen wir vor dem Self-Check-In. Schwupps den Buchungscode eingegeben und wir halten die ausgedruckten Bordkarten in der Hand. Hier wartet die nächste Überraschung: wir haben eine Außenkabine mit Platz, weil für drei Personen, erhalten. Gebucht hatten wir die günstigste, Doppelbett Innenkabine. Doppel-Upgrade auf Deck 9. Das Glück ist uns hold, mal sehen, wie lang sich diese Strähne erstrecken wird.

Glückslos

Pünktlich fährt das Schiff ab und wir flitzen nach außen, um uns Kiel von der Wasserseite aus anzusehen.

An Land sind Menschenmengen unterwegs zur Kiellinie, wo die Bundesländer ihre Zelte aufgebaut haben. Bigbandsound weht zu uns hinüber.
Im Schifffahrtsmuseum (Gebäude mit der schwarzen Kogge davor) trugen sich am Vormittag unter anderem Angela Merkel und Frank-Walther Steinmeier in das Goldene Buch ein.

Trotz Anfang Oktober sind noch einige Segelschiffe unterwegs, auch die Platessa aus Eckernförde. Mit der sind wir auch schon unterwegs auf der Schlei und der Ostsee gewesen. Auf dem Bild sieht es so aus, als wenn sie gleich von der StenaLine-Fähre gefressen wird.

Kalt ist es draußen auf den Wasser. Deshalb erkunden wir das Schiff von innen. Es hat alles, was ein sehr großes Kreuzfahrtschiff auch hat. In unseren Augen wirkt es etwas puppenstubenhaft im Vergleich zu den Schiffen von Royal Caribbean. Der Shop für den zollfreien Einkauf ist allerdings riesig und wird von den norwegischen Passagieren weidlich genutzt.

Wir trinken einen Kaffee im Orient Café und ruhen uns anschließend bis zum Abendessen in unserer tollen Kabine aus.

Abends genießen wir das riesige Herbstbüffet. Auch dort haben wir Glück und bekommen einen ruhigen Platz. Wir schlemmen uns durch die verschiedenen Meeresspezialitäten, probieren Elch- und Rentierwurst, essen Hirschbraten und sind bald ziemlich satt, obwohl wir lange nicht alles probiert haben. Trotzdem passt noch ein kleines bisschen vom Nachtisch- und vom Kuchenbuffet hinein, ein Kaffee hilft bei der Verdauung. Dann sind wir so satt, dass das Bordprogramm mit Musik und Shows ohne uns stattfinden muss. Wir gehen ins Bett.

Abschied

Am letzten Tag schlägt das Wetter wieder um, wir haben wunderbaren Sonnenschein und machen einen Spaziergang durch Lønstrup. Zuerst werden die Pfandflaschen abgeben, das Pfandgeld reicht fast für zweimal zwei Kugeln Eis in der Waffel, Salzkaramell und Lakritze bzw. Blaubeer und Vanille sind superlecker!

Dann gibt es noch einige Glasbläsereien und Gallerien zu besichtigen, bevor es noch ein letztes Mal an den Strand geht. Dort ist es viel windiger als gedacht, die Wellen schlagen mit Wucht an die Buhnen.

Zweimal kurz überlegt, ob Handtücher wirklich notwendig sind, um baden zu gehen, aber dann ist das Meer doch zu einladend, trocken wird man auch anders, und wir gehen noch einmal wellenbaden.

Abschied

Ausflug nach Løkken

Zugegeben, es gibt nicht nur Sonnentage hier oben, sondern auch ein, zwei regnerische Tage. Bevor einem dann die Decke auf den Kopf fällt, bietet sich ein Ausflug nach Løkken an. Auch hier gibt es viele Veränderungen. Die erste ist durchaus positiv, die Parkplätze sind mehr geworden. Der zweite eher nostalgisch: auf dem Weg ins Centrum roch es früher wegen der zwei Bäckereien dort immer so verführerisch nach frisch Gebackenem. Das gibt es nicht mehr.

Wir gehen zunächst zur Mole, die im jetzigen Zustand für uns neu ist. 2014-15 wurde sie renoviert und aufgewertet, für Erwerbs- und Freizeitfischerei, aber auch für die Touristen, die am Ende der Mole einen Sonnenbadeplatz bekommen haben.

Vom Sonnenplatz aus kann man sich auf einem abgegrenzten Plateau kurz ins Meer tauchen, genannt „der kalte Schauer“.

das überspülte Plateau des „kolde gys“
Die Fischerboote sind noch am Strand, aber es sind nicht mehr so viele wie früher.

Und auch von der Küstenlinie ist viel weniger übrig, ein schmaler Streifen Sand nördlich der Mole. Die meisten charakteristischen weißen Badehäuschen stehen inzwischen südlich der Mole. Dort ist auch der Strand noch breiter.

Zurück in die Ortsmitte, die aufgrund des Wetters sehr aufgeräumt wirkt.

Aber ein Eis aus der alten Meierei kann man auch bei Regen unter dem „Sonnen“-schirm genießen, hier ist es leckeres Kastanieneis, darunter versteckt sich noch Lakritzeis.

Dann wird es auch uns ungemütlich, wir kaufen noch ein und machen dann im Sommerhaus ein Pfannkuchen-satt-Essen (soul food).

Wanderung zum Rubjerg Knude Fyr

Dass Mårup Kirke bereits von der Steilküste verschwunden ist, hatte ich schon in einem der vorherigen Beiträge geschrieben. Jahrzehnte begleitete ihr Anblick hoch oben an der Küstenlinie unsere Ferienaufenthalte. Von Mal zu Mal wurde der Abstand zwischen der Kirchenmauer und der Abbruchkante kürzer und das Interieur im Innern weniger, bis Mårup Kirke schließlich im Jahr 2008 nur noch 8-10 Meter vom sicheren Absturz entfernt war und man mit einem stufenweisen Rückbau des Gebäudes begann. 2015 wurden dann die inzwischen nur noch zwei Meter hohen Mauern abgetragen.

Heute ist nur noch die Apsis im Boden zu erkennen.
Der Anker der englischen Fregatte The Crescent steht noch, allerdings nun an anderer Stelle.
Die Grabsteine des alten Friedhofs rund um die Kirche, die noch nicht ins Meer gestürzt sind, wurden eng zusammengestellt.
Aber für uns ist es ein ungewohnt leerer Anblick, 2019.

Und so werden wir sie in Erinnerung behalten (2004), Wikipedia sei Dank:

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/2b/Maarup_Kirke_-_Loenstrup_ubt.jpeg

Der Parkplatz vor der Kirche ist der Ausgangspunkt unserer Wanderung quer durch die Schaf- und Kuhweiden, entlang der Steilküstenabbruchkante, aber immer in sicherer Entfernung von ihr.

Alle Gebäude rund um den Turm selbst sind inzwischen verschwunden. Vor vielen vielen Jahren haben wir im dortigen Café noch Kaffee, Kuchen und Eis bekommen, inzwischen nicht mehr vorstellbar. Wir sahen die Nebengebäude in den unterschiedlichsten Stadien ungefüllt, teilgefüllt und vollständig unter Sand begraben. Aber nun ist gar nichts mehr übrig außer dem Turm und viel Schuttreste, mit dem die Besucher sehr kreativ umgehen:

Dafür kann man jetzt ohne Eintritt bezahlen zu müssen, auf den Turm zum ehemaligen Leuchtfeuer hochklettern. Es führt eine Eisentreppe mit gelöcherten Trittstufen hinauf, glücklicherweise mit einem Handlauf an beiden Seiten, doch auch so schon ein Weg, auf den man sich konzentrieren muss. Auf den Wänden finden sich Reminiszenzen an den Leuchtturm:

Oben wird der Aufstieg mit einen tollen Rundumblick belohnt:

Inzwischen ist der Turm ebenfalls vom Absturz bedroht. Weil er aber eine sehr beliebte Touristenattraktion und ein markantes Wahrzeichen der Gegend ist, wird er in diesem Herbst „umziehen“. Das Fundament wird mit Stahlträgern verstärkt, der Turm anschließend auf eine Art „Rollschuhe“ gesetzt. Mit Hilfe von Hydraulikpressen wird er dann über Schienen zu seinem neuen Standort 80 Meter weiter ins Land hinein gebracht und soll dann frisch geweißt in neuem, alten Glanz erstrahlen.

Hier wird der prognostizierte Beginn der Rubjerg Knude Düne in 13 Jahren sein. Im Hintergrund rechts oben ist die Spitze des Leuchtturms zu erkennen.

Am Strand

Wenn man so die Steilküste anschaut, könnte man den Eindruck gewinnen, als sähe sie aus wie immer. Aber tatsächlich frisst das Meer/ der Sturm jedes Jahr sehr viel von der Steilküste weg.

Blick Richtung Dorf

Am eindrücklichsten sieht man den Rückgang an den markanten Gebäuden direkt an der Küstenlinie, Mårup Kirke (eine Kirche) und Rubjerg Knude Fyr (ein Leuchtturm). Beide Gebäude konnte man früher nicht vom Strand aus sehen. Inzwischen ist die Kirche schon verschwunden, der Leuchtturm ist klar zu sehen, im Foto ganz rechts zu erkennen.

Blick zum Leuchtturm

Wir wollen diesmal in der Brandung baden, der Wind blies tagsüber ordentlich, das führt dann zu schönen Wellen.

Hin zum Strand kommen wir mit dem Rad. Da wir nicht genug Räder von zuhause mitnehmen konnten, müssen wir auf Leihräder ausweichen. Diese gibt es am Parkplatz kostenlos auszuleihen, bereitgestellt von der Kommune Hjørring. Man benötigt nur ein 10- oder 20-Kronenstück oder einen Euro und dann funktioniert es wie bei den Einkaufswagen beim Supermarkt: Geldstück in den Schlitz, Kette abziehen und ab zum Strand, Reifendruck kontrollieren nicht vergessen.

Der Hund hat diesmal mehr Spaß, immer in sicherem Abstand zur Wasserlinie.
Aber die Neugier siegt.
Von Kay lässt sie sich aber doch zum Rennen am Wassersaum animieren.

Wanderung zur Vennebjerg Kirke

Wir wollen querfeldein zu einem Aussichtspunkt wandern, mit maps.me und/ oder auf Sicht, denn die Kirche von Vennebjerg liegt in der eher flachen Landschaft recht hoch. Sie wurde zu Seefahrerzeiten als Landmarke bei der Navigation genutzt.

Da wollen wir hin, die Kirche ist ziemlich genau in der Mitte des Fotos zu sehen. Der Weg geht immer an den Feldrändern entlang.
Auf einem Feld wachsen Futtererbsen. Die alten Bauerngehöfte, an denen wir vorbei kommen, sind zwischenzeitlich umgebaut zu schönen Wohnanlagen.
Die Erbsen aus den dünnen Schoten schmecken als Wegzehrung ganz akzeptabel.
Eine ganz schlimme Massenkarambolage auf dem Feldweg, glücklicherweise ohne Schwerverletzte.
Blühende Landschaften am Wegesrand
Die Kirche kommt dann doch näher.
Und hier ist sie in schönstem Sonnenlicht!
Nebenan liegt ein Hügel mit dem obligatorischen Flaggenmast darauf.
Von dort hat man eine wunderbaren Aussicht auf die Küste. In der Bildmitte kann man den Rubjerg Knude Leuchtturm sehen.

Am Fuß des Hügels finden wir einen Gedenkstein für Lehrer Larsen, der 48 Jahre lang Lehrer in Vennebjerg war. In Erinnerung an sein gutes Wirken und seine Berufung sowohl in der Schule als auch in der Kirche, wo er den Kindern die Macht des Gesangs nahegebracht hatte, wurde er mit diesem Stein geehrt.

Auf dem Rückweg nach Lønstrup kommen wir an Vennebjerg Mølle vorbei, seit 1861 bis 1962 als Kornmühle in Gebrauch. Die original erhaltene Mühleneinrichtung kann man nur einmal in der Woche besichtigen, aber nicht heute, darum fällt das für uns aus.

Der Maler Johannes Hofmeister zog 1966 in die alte Müllerwohnung ein und lebte und arbeitete dort bis zu seinem Tod 1990. Inzwischen ist dort ein Café eingerichtet, aber wir wollten weiter.

Ein kurzes Stück bergab kommen wir am Verkaufsstand des Gemüsebauern vorbei. Den gab es an der Stelle quasi schon immer. Aber auch hier wird mit der Zeit gegangen. Die Verkaufsfläche ist verfünffacht worden, die Preise allerdings nicht. Es gibt immer noch die Kasse, in die man das Geld auf Vertrauensbasis hinein wirft. Aber es ist inzwischen auch möglich, mobil zu bezahlen, charmanterweise steht die Information dazu handschriftlich auf einem Pappschild.

Sommer in Dänemark

Die letzte Woche der Ferien in Zusammenhang mit Kays Geburtstag ist einfach perfekt für einen kurzen Sommerhausurlaub in Lønstrup mit der ganzen Familie. Kay wusste von all dem nichts, die dreiwöchigen Planungen blieben im Geheimen, und erst in Vejle auf dem Rastplatz lüftete sich der Schleier. Wir waren angeblich auf einem Tagesausflug nach Vejle, mussten auf dem Rastplatz einen Pinkelpause einlegen und trafen wir dort, geplant für uns, völlig unerwartet für Kay, auf die Kinder mit Baby und Hund. Am Sommerhaus angekommen erwartete uns dort bereits die andere Schwiegermutter.

… und dann gab es sogar noch Geschenke zum Auspacken!

Danach mussten wir unbedingt noch an‘s Meer. Unser letzter Lønstrup-Aufenthalt liegt bereits elf Jahre zurück, und das war im Winter! Das letzte Mal im Sommer waren wir vor 21 Jahren hier, gar nicht vorstellbar!!

Die Rettungsstation steht verlässlich am Strand, mit frisch gemalten Dannebros.
Die kleinen Fischkutter sind auch noch da, allerdings ist die Mole für uns neu.

Das Meer frisst immer mehr von der Steilküste weg. Im Hintergrund ist der Rubjerg Knude Leuchtturm zu sehen, sehr ungewohnt aus dieser Perspektive.

Blick über Lønstrup und die Nordsee

Und am späten Nachmittag ist das Wasser immer noch „warm“ genug, um ein bisschen baden zu gehen. Nur der Hund ist kein echter Seehund, er findet schwimmen immer noch blöd.

Zu Besuch in Lübeck

Wir besuchen gern UNESCO Weltkulturerbe-Stätten, denn es ist immer verläßlich viel schönes zu entdecken. Die Altstadt Lübecks gehört auch dazu. Doch bevor wir uns dem Kunstgenuss hingeben, fahren wir erst noch zum Frühstück nach Travemünde. Das ist ein Lübecker Stadtteil, etwa 20 km nordöstlich der Stadtmitte gelegen. Die Travemünder fühlen sich nicht unbedingt als Lübecker, tatsächlich befindet sich Travemünde bereits seit 1329 im Eigentum der Hansestadt.

Wir hatten uns zum Frühstück mit Kays Cousin und seiner Frau verabredet. Das hört sich ganz normal an, ist es aber nicht, denn Kay hat seinen Cousin erst einmal zuvor getroffen, dabei sind beide bereits Anfang/ Mitte fünfzig. Und dessen Frau kennt Kay gar nicht. Ich wiederum kenne seine Frau, wir haben uns bereits öfter in Arbeitszusammenhängen getroffen, aber ihren Mann (Kays Cousin) nicht. Das Frühstück verlief sehr lecker und äußerst kurzweilig, die Stunden verflogen in gemeinsamen Gesprächen. Am späten Mittag verließen wir die beiden, nicht ohne das feste Vorhaben, uns in Zukunft öfter zu sehen.

In Lübecks Altstadt war es sehr voll, die Einheimischen hatten Urlaub, deren Kinder Ferien, dazu kamen wir Touristen in Scharen. Es war warm, aber kein ausgeprägtes Strandwetter, vielleicht lag auch noch das eine oder andere Kreuzfahrtschiff im Hafen. Zwar waren, wie in den letzten Tagen auch, Gewitter und Regen angekündigt, aber das wurde von Tag zu Tag auf den jeweils nächsten Tag verschoben. Wir hatten sicherheitshalber unsere neuen Regenjacken aus Bonn (quasi eine Art Notkauf wegen des dort angekündigten Regens, der dann auch nicht kam) dabei.

Diesmal hielt sich Petrus aber an die Wettervorhersagen (Ob er da oben auch über Wlan und entsprechende Apps verfügt?) und schickte ein ordentliches Donnerwetter mit einem mächtigen Regenguss zu uns herunter. Im Gegensatz zu Kays Jacke war meine zwar sehr hübsch (rot mit hellen polkadots), aber keine echte Regenjacke. Ich war blitzschnell quietschnass, nicht ganz so schlimm, da es gleichzeitig warm war. Im Museum offenbarte sich dann das ganze Drama. Meine weißes Strickjäckchen darunter war nicht nur nass, sondern an vielen Stellen rosarot verfärbt. Das helle Oberteil, das ich darunter trug, zeigte genauso rosa Verfärbungen. Meine Stimmung rutschte auf einen ungeahnten Tiefpunkt, die Hoffnung lag da noch auf Fleckenmittel, aber selbst die Chemie konnte später zuhause nichts mehr korrigieren.

In der St. Annen Kunsthalle wollten wir uns Werke von Jonathan Meese ansehen, einem sehr bekannten und durchaus polarisierenden Künstler. Das gesamte Ausstellungsprojekt trägt den Titel „Dr. Zuhause: K.U.N.S.T. (Erzliebe)“, für das die Kunsthalle (Schwerpunkt Mutter/ Evolution) mit der Overbeck-Gesellschaft (Schwerpunkt Vater/ Liebe), dem Günter Grass-Haus (Schwerpunkt Großvater/ Gold), der St. Petri-Kirche (Schwerpunkt Großmutter/ Macht) und der Kulturwerft Gollan (Schwerpunkt Kind / Schlaf) kooperieren.

Bereits in St. Annen hängen und stehen so unglaublich viele Werke zum Thema Wohnen des Menschen und die Geborgenheit mit der Mutter, dass wir schon zu Beginn gleich beschlossen, nur diese Ausstellung anzusehen.

Während Kay ganz begeistert von der Ausstellung ist, kam bei mir der Kunstgenuss zu kurz, was meine Stimmung noch weiter senkte (Nach einem Tiefpunkt können immer noch mehr kommen!). Zu viel, zu beliebig, zu doof, das einzig Amüsante waren für mich die Titel zu den Bildern. Kay verwendete in unseren Diskussionen über die Bild- und Formsprache und Meeses Kunstbegriff komplett andere Adjektive. Es kommt äußerst selten vor, dass wir so gegensätzlicher Meinung sind. Mit den folgenden Fotos kann sich jede/r eine eigene Meinung machen.

Nicht einmal die ausliegende Beschreibung half mir beim Verständnis der Werke.

In Bamberg lässt es sich gut aushalten.

Essen und Trinken sollen bei einem Besuch in Oberfranken nicht fehlen, denn gemessen an der Einwohnerzahl gibt es in Oberfranken die meisten Bäcker- und Konditoreien, die meisten Metzgereien und die meisten Brauereien der Welt. Na dann! Die Hörnla lassen wir mal aus, denn die wachsen bei uns im Garten, Bamberger Hörnchen sind Kartoffeln.

Allein in der Stadt Bamberg befinden sich 9 Privatbrauereien, das macht eine Brauerei auf gute 8500 Einwohner! Von der Rauchbierbrauerei Schlenkerla erzählt Kay mir schon seitdem wir uns kennen, denn dort hat er annodazumal während einer Klassenfahrt als Minderjähriger das berühmte Rauchbier getrunken. Das war bereits im letzten Jahrhundert, darum steht „heuer“ eine Wiederholung an. Wir kommen genau rechtzeitig im schattigen Biergarten an, um noch einen freien Tisch für uns allein zu finden, bevor die Busladung amerikanischer Touristen aufläuft.

Rauchbier als Getränk ist gesetzt, allerdings in der Variante mit weniger Alkohol, ist ja schließlich noch früh am Nachmittag. Für das Essen wird die Kellnerin um Übersetzung gefragt. Das nützt nicht viel, denn Dämpfkraut ist halt Dämpfkraut, weil das Kraut gedämpft wird. Okay, dann übersetzen wir es eben beim Probieren ins Norddeutsche. Es handelt sich um Schmorkohl. Eigentlich auch klar, heißt ja bei uns auch Schmorkohl, weil der Kohl geschmort wird, schmeckt hier im Süden allerdings ganz anders.

Hansla („kleiner Hans“) mit niedrigem Alkoholgehalt, dazu Bratwürstchen mit Dämpfkraut und Rauchbierbrot.
Kay freut sich über eine anständige Brotzeit, mit Johannisbeerschorle, damit die Farbe im Glas zumindest gleich ist.

Der rauchige Geschmack des Bieres kommt vom speziellen Darrverfahren für die Braugerste. Diese muss vor dem Brauen getrocknet (gedarrt) werden. Normalerweise geschieht das durch einfache Hitze. Bei den Rauchbieren (Es gibt nur noch ein weiteres Rauchbier auf der Welt.) wird die Gerste über brennende Buchenscheite getrocknet, der Rauch zieht durch sie hindurch und verleiht dem Bier den Geschmack nach frisch Geräuchertem. Heraus kommt dann ein untertäniges Märzenbier mit 13,5% Stammwürze und einem Alkoholgehalt von 5,1%. Zwei Flaschen davon kommen dann in der Handtasche für zuhause mit, kleines Handgepäck sozusagen.

Das Schlenkerla heißt nicht etwa so, weil die Gäste nach dem Biergenuss einen unsicheren Gang aufweisen, sondern weil ein früherer Wirt „a wengla mit seina Orm gschlenkert hot“.

Aber auch die verschiedenen Cafés sind eine Freude. In einer Nebengasse (auf der Rückseite von C&A) landen wir im Café Haberkamp, sehr zu empfehlen. Der Inhaber Tommy backt selbst, und wir kommen in den Genuss einer Eigenkreation, der Vampirtorte:

Das Tortenstück ist riesig, getreu Tommys Motto: Kuchenstücke unter 300 Gramm nennt man Kekse!
Im Café Leander gibt es leckere vegane Pfannkuchen schon zum Frühstück.

Der Bamberger Dom

Die grünspanigen Türme gehören zum Dom.

Es gibt hier in Bamberg so viel zu besichtigen, für diesen Besuch entschieden wir uns für den Dom, oder wie er korrekt heißt, für den Dom St. Peter und St. Georg, oder auch Kaiserdom zu Bamberg.

Letztere Bezeichnung trifft die Einzigartigkeit am besten, denn der erste Dom wurde Anfang des 11. Jahrhunderts vom heiligen Kaiserpaar Heinrich II. und Kunigunde zusammen mit dem Bistum gestiftet. Der jetzige Dom stammt aus dem 13. Jahrhundert, der Innenraum wurde aber im Laufe der Zeit mehrmals umgestaltet, heute ist im Wesentlichen die neuromanische Ausstattung zu sehen, die im 19. Jahrhundert eingerichtet wurde.

Der Bamberger Reiter ist das bekannteste und bedeutsamste Kunstwerk im Dom, stammt aus dem 13. Jahrhundert und stellt einen königlichen Reiter dar, der unbewaffnet in das Heiligtum einreitet.

Der Reiter hängt sehr weit oben und fällt daher nicht sofort ins Auge der Besucher. Anders sieht es mit dem Hochgrab des Heiligen Kaiserpaares aus, geschaffen 1513 vom berühmten Holzschnitzer Tilman Riemenschneider. Auf der Deckplatte sind Heinrich und Kunigunde zu sehen. An den Seiten befinden sich fünf Reliefs, die Szenen aus dem Legendenleben des Paares erzählen.

Deckplatte des Hochgrabs
Relief mit der Pflugscharprobe der Kaiserin Kunigunde

Teile des Doms waren aufgrund von Restaurierungsarbeiten nicht zugänglich. Auch den Westchor durfte man nicht betreten, daher sahen wir das Papstgrab, auch ein Hochgrab, von Clemens II. auch nicht von nah. Der Bamberger Bischof Suitger war 1046/47 gleichzeitig Papst Clemens II. in Rom, gilt als erster deutscher Papst in Rom und behielt als erster seine Bischofswürde bei. Er liebte Bamberg so sehr, dass er sich wünschte, im Bamberger Dom begraben zu werden. Dieser Wunsch wurde erfüllt, und somit finden wir hier nun das einzig erhaltene Grab eines Papstes nördlich der Alpen.

Wie alle katholischen Kirchen finden sich auch hier jede Menge Altäre neben dem Hauptaltar. Der Marienaltar (1520-23) des Nürnberger Holzschnitzers Veit Stoß war einmal der Hochaltar der Karmeliterkirche in Nürnberg. Als die Stadt protestantisch wurde, holte der Sohn des Schnitzers, der inzwischen Prior der Karmeliten in Bamberg geworden war, 1530 das Altarbild nach Bamberg. Geht ja auch nicht, dass man Papas Werk den Umstürzlern überlässt! Hier im Dom steht es als Dauerleihgabe der Oberen Pfarre.

Im Zentrum steht die Geburt Jesu, im linken Seitenflügel wird oben die Flucht Marias und Josefs mit dem Kind dargestellt, unten die Anbetung durch die heiligen drei Könige. Im rechten Seitenflügel sieht man oben die Geburt Marias, darunter eine Szene aus Jesus im Tempel.
Die Orgel ist noch recht neu, erst 1976 eingeweiht, und hat rund 6000 Pfeifen und wird mit 77 Registern auf vier Manualen und Pedal gespielt.

Eigentlich waren wir mit der Besichtigung schon fertig, aber beim Hinausgehen fielen uns gegenüber des Informationstisches die Prophetenreliefs auf, denn an der Ecke trägt eine Person seinen Kopf unter dem Arm.

Sankt Dionysius, u.a. Helfer bei Leiden des Kopfes (ach was!)

Wir erkundigten uns bei der alten Dame (Sie war wirklich einiges über 80 Jahre alt.) nach dem Grund. Sie sagte, die Geschichte würde etwas länger dauern, dafür bräuchte sie Zeit. Die hatten wir. Die eigentliche Frage war dann nach wenigen Minuten beantwortet: Es handelt sich um einen der 14 Nothelfer, zu denen man als Schutzpatrone je nach Anlass und Situation im Leben betet, eine oberfränkische Spezialität, wie Frau Taylor uns immer wieder erläuterte. Ihre Abneigung gegen die Bayern (Das Königreich Bayern kaufte Oberfranken Anfang des 19. Jahrhunderts von Napoleon ab. Danach brachten sie die wertvollen Domschätze nach München.) sitzt sehr sehr tief.

Der Heilige Dionysius ist der Patron ganz Frankreichs und der Stadt Paris. Er kam im 3. Jahrhundert von Rom aus als Missionar nach Gallien und wurde der erste Bischof von Paris. Der Legende nach wurde er auf Anweisung des römischen Statthalters auf dem Montmartre enthauptet. Wie bei uns im Norden der Freibeuter Klaus Störtebeker (der mit der Aktion so viele seiner Kameraden wie möglich retten wollte, indem er an ihnen vorbei lief) sammelte Dionysius seinen Kopf auf und lief und lief (alles Land, das er ablief, sollte Kirchenbesitz werden) bis zum Standort der heutigen Kirche nördlich von Paris. Ort, Kloster und Kathedrale dort heißen nach ihm Saint-Denis. In der Kathedrale wurden die französischen Könige begraben.

Frau Taylor wies uns dann noch auf die Darstellung einer Schwangeren und auf den lächelnden Engel hin, ebenfalls recht ungewöhnlich für die Innenausstattung einer katholischen Kirche:

Im angeschlossenen Diözesanmuseum gibt es natürlich auch einzigartiges zu sehen: die aus der Zeit der Bistumsgründung (1007) erhaltenen Kaisermäntel von Heinrich und Kunigunde, aber auch der Ornat Clemens aus dem Papstgrab. Dazu kommen dann noch die üblichen Kunstschätze aus Gold und Elfenbein, Gemälde und Skulpturen aus dem Hochmittelalter bis zur Neuzeit. Für die hatten wir allerdings nicht mehr so viel Elan.

Diözesanmuseum neben dem Dom