Und was ist mit Medelby?

Unser Campingplatz Mitte liegt am westlichen Ende des Dorfes auf dem Sonnenhügel, gegenüber der Grundschule und nahe der dänischen Schule. Aber wir haben auch einen Spaziergang durchs Dorf gemacht, zumindest bis zur Dorfmitte, da wir einkaufen wollten.

Medelby liegt auf der schleswigschen Geest, irgendwie im Nirgendwo, zwar nur ungefähr 20 km westlich von Flensburg, zwischen B199 und der Grenze, gerade noch im Kreis Schleswig-Flensburg, aber es reicht, um das Gefühl zu erzeugen, man befindet sich im Niemandland. Aber sie haben es schlau angestellt. Zusammen mit den umliegenden Dörfern Holt, Weesby, Böxlund, Jardelund und Osterby haben sie das Kirchspiel Medelby gebildet. So waren sie (und sind vielleicht immer noch) in der Lage, eine Menge Fördergelder des Landes bzw. der EU zu erhalten und gleichzeitig mit einer geringen Gewerbesteuer sehr viele Gewerbe anzusiedeln (z.B. den Campingplatz, immerhin fünf Sterne, mit einem kleinen Hallenbad und auch Freibad, beides Einrichtungen, die die Dorfbewohner gern mit nutzen dürfen. Das eigene Freibad musste aufgegeben werden.)

romanische Feldsteinkirche St. Matthäus aus dem 12. Jahrhundert

Die Fördergelder haben auch die Anlage des Kirchspielparks unterhalb der St. Matthäus-Kirche ermöglicht, komplett mit neugestaltetem Ehrenmal für die im Krieg Gefallenen aus den Dörfern, einem Bibelgarten, einer Boulebahn (leider schon lange ungenutzt), einem Infopoint und abschließbaren Fahrradgaragen. Ein Einwohner, mit dem wir uns über sein Haus (unten mehr dazu) unterhielten, erzählte uns, dass die Gemeindevertretung genau wusste, auf welche Punkte es bei der Antragstellung ankommen würde.

Gegenüber des Parks befindet sich das „Versorgungszentrum“: Tankstelle (immer offen dank Kartenlesegerät, sehr praktisch), Versicherungsmakler (brauchten wir nicht) und (ganz wichtig) der EDEKA-Frischemarkt mit einer super guten und reichhaltigen Auswahl, fußläufig vom Campingplatz aus gut zu erreichen (ansonsten sind Aldi/ Lidl und Co. auch nur 6 km entfernt in Schafflund).

Lorenzen‘s Gasthof, in unserem Radwanderführer noch als eine der beiden zentralen Übernachtungsmöglichkeiten für eine Sterntour angegeben, ist inzwischen geschlossen, weil die Nachfolger fehlten. Die Gaststätte soll aber reanimiert werden, irgendwann. Das Gebäude wurde von drei Einheimischen gekauft, die es schafften, auch als Privatpersonen öffentliche Fördergelder (immerhin 200.00€) zu erhalten (wegen irgendwas mit Stärkung des dörflichen Lebens im Kirchspiel). Es waren auch schon Renovierungsarbeiten zu erkennen, als wir die Baustelle besuchten, ruhte allerdings die Arbeit komplett.

Schräg gegenüber stand die Meierei, die erst kürzlich abgerissen worden sein muss, der Bauzaun sah noch neu aus. Hoffentlich kommt da nicht so ein geschmackloses Häuserensemble hin wie im Hintergrund des Fotos zu sehen ist.

Woher wissen wir nun all dieses Insiderwissen? Na, von dem schon erwähnten netten Mann, den wir ansprachen, weil uns sein Haus so gut gefiel und wir wissen wollten, wer früher in so einem repräsentativen Gebäude gewohnt hat.

Das Haus heißt ganz einfach „Die Villa“. Der größte und erfolgreichste Bauer am Ort, der neben der Landwirtschaft auch den Gasthof nebenan (heute ist das ganze Gebäude zu viele Wohnungen umgebaut) und weitere erfolgsversprechende Gewerbe betrieb, ließ die Villa für seine zwei unverheirateten Schwestern bauen. Dazu beauftragte er einen Baumeister aus der großen Stadt (Flensburg) und ließ alles, was es damals an modernster Technik gab, einbauen. Er wollte den Dorfbewohnern ein für alle Mal zeigen, wo der Hammer hängt, so die Aussage des jetzigen Eigentümers. Die Heizkörper, das Parkett und anderen Inneneinrichtungen sind auch heute noch intakt und in Betrieb, 100 Jahre alt, eben damals schon vom Feinsten. Der Landwirt, dessen Namen wir leider vergessen haben, lebte selbst bis 1950 in der Villa. Während der Nachkriegszeit diente das Gebäude als Offizierskasino der Briten. Kein Wunder, es ist einfach das repräsentabelste Gebäude an der Hauptstraße. Die unteren Ränge wurden im Gasthof nebenan einquartiert.

Auf dem Rückweg zum Campingplatz kamen wir an diesem unscheinbaren Schild vorbei:

Die Geschichte wird im nächsten Blogeintrag erzählt.

Versuch einer kurzen Fahrradtour durch das Jardelunder Moor

Das Wetter ist inzwischen sehr hochsommerlich. Als es uns auf dem Campingplatz sogar im Schatten zu brütig heiß wurde, wollten wir uns auf einem kurzen Ausflug ins nahegelegenen Moor vom Fahrwind abkühlen lassen. Wir hatten zwar wieder die Fahrradkarte dabei, aber haben uns an den entscheidenden Stellen auf unseren Spürsinn verlassen. Das ist nicht immer die beste Idee! Bis Jardelund kamen wir noch ohne Probleme. Mit Hilfe der dort aufgestellten Infotafel und maps.me fuhren wir dann weiter und landeten erst einmal im Wald. Wir bogen ab und etwas später überquerten wir mal wieder die Grenzstraße (immer noch viel Verkehr) und fuhren gerade aus in einen Weg, der uns sehr vielversprechend erschien.

Auf dem Foto sieht der Weg noch ganz malerisch aus. Kurze Zeit später wuchsen Gräser, Brennnesseln und Brombeerranken bereits kniehoch. Als die Treckerspur auf ein Feld führte, wäre der Weg nur noch zu Fuß, mit langen Hosen und einer Machete in der Hand machbar gewesen. Also umdrehen und wieder ein Stück auf der Grenzstraße radeln, bis wir schließlich zu einem schön kurz gemähten Weg kamen.

Und schwups, da war sie, die gesuchte Infohütte.

Das grenzüberschreitende Frøslev-Jardelunder Moor steht schon seit 1985 unter Naturschutz.

Wir folgten dem Weg durch das Hochmoor und kamen an ein paar Infotafeln vorbei. Im Reiseführer war von einem 2,5 km langen Erlebnispfad durch das Moor die Rede. Den haben wir wohl nur gestreift (ich sag ja, Kartenlesen ist eine Kunst).

Dafür haben wir die versprochenen Kraniche gesehen! Sehr elegante Flieger. Nach der nächsten Abzweigung waren wir dann auch schon wieder raus aus dem Moor (letztendlich haben wir nur das nördlichste Zipfelchen durchfahren) und beschlossen, den nahen Grenzübergang in Fehle/Sofiedal anzugucken. Vielleicht würden wir dort ja über die Grenze kommen können.

Tja, es wäre gegangen, mit dem Fahrrad an den Sandsäcken vorbei, die Einheimischen machten es auch. Aber dann schreckte uns die Zeit, der Rückweg, der nahende Hunger und wohl auch die vielen Überwachungskameras auf der dänischen Seite davon ab, den verlockenden Wunsch in die Tat umzusetzen.

Ohne Corona scheint das Leben auf der Ecke ganz nett zu sein. Es gibt keine Grenzanlagen, die Bebauung geht ineinander über. Wir unterhielten uns mit einem Dänen, der auf der deutschen Seite wohnt. Sein Auto hat ein deutsches Kennzeichen, es parkt aber zur Zeit hinter den Betonpollern auf dänischer Seite. Zwischen seinem Haus und dem Auto steht dieser schöne Stein:

So kann man einen ausgedienten Gülletank auch verschönern. Der steht an der (ansonsten unsichtbaren) Grenze an der Y-Kreuzung, damit man weiß, wo man hinfährt.

Wir machten uns auf den Rückweg, immer geradeaus, eigentlich langweilig. Aber auf unserem Weg lag noch folgendes:

ein Resthof, in dem ein neuvermähltes Paar wohnt, die Haustür schmückten zudem zwei Puppen, eine mit Zylinder, eine mit Schleier
Überreste der Torfgewinnung, im Sonnenschein sehr idyllisch anzuschauen (der Torf wurde damals übrigens nach Flensburg zum Heizen verkauft)

Und dann natürlich wieder Jardelund, das alte Dorf liegt komplett auf einem Hügel (man merkte es beim Radfahren). Früher haben sie, wenn alle Männer auf den Feldern arbeiteten, das Dorf ganz schnell an vier Toren gegen Viehdrift abriegeln können.

Nach gut 20 km waren wir wieder zurück auf dem Platz, und es war genauso brütig-heiß wie zuvor.

Preisfrage: dänisches oder deutsches Feld?

Fahrradtour hin und her über die Grenze

Durch Medelby laufen sowohl der Nord-Ostsee-Radweg als auch die Grenzroute. Für beide gibt es einen schönen Deutsch-dänischen Radwanderführer, der schon lange unbenutzt im Regal lag. Eine gute Gelegenheit, eine der kürzeren Rundtouren auszuprobieren, von Medelby und Weesby über die Grenze nach Lille Jyndevad und Rens, dann wieder nach Deutschland und über Bramstedtlund und Holt zurück nach Medelby, gute 30 Kilometer lang.

Bestes Wetter zum Fahrradfahren, kein Wind und keine Steigung entlang der Route, was will man mehr.

bereit zur Abfahrt

Gleich am Anfang sind wir schon falsch abgebogen und haben den direkten Weg nach Weesby genommen. Die Straße ohne Radweg mussten wir uns mit schnellen Autos und großen Landmaschinen teilen. Der Überholabstand konnte wegen der schmalen Straße nicht eingehalten werden.

Dorfteich in Weesby, und überall findet man Infotafeln zu den Routen

Aber danach ging es nur auf Feldwegen weiter, nahezu kein Verkehr. Weesby überraschte uns mit wirklich sehr großen und großzügigen, relativ neuen Häusern. Hier scheint man gut Geld zu verdienen, u.a. wohl mit großen Bürgerwindparks, von denen es einige gibt.

Bald darauf überquerten wir die stark befahrene Grenzstraße, die Höchstgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern wird von vielen (bis den meisten, je nach Tages- oder Nachtzeit) überschritten. Auf der anderen Seite wollten wir bei Bögelhuus die Grenze überqueren. Aber daraus wurde nichts. Die erste Absperrung, noch auf deutschem Staatsgebiet, umfuhren wir beherzt, weil es ging.

Aber der direkte Übergang nur ein paar zehn Meter weiter war dicht; Corona macht unmöglich, was Schengen nur 19 Jahre früher ermöglicht hatte.

Dänemark, so nah und doch so fern
Die Scheidebek tut ihrem Namen alle Ehre: sie scheidet uns voneinander.

Vor dem Schengener Abkommen war dieser kleine Grenzübergang auch schon für die Allgemeinheit gesperrt. Nur Bewohner aus einem Umkreis von fünf Kilometern durften ohne Kontrolle passieren, hatten aber innerhalb von 48 Stunden auf dem gleichen Wege wieder zurückzukehren. Sie bekamen dafür einen Eintrag in ihren Pass. Auch Arbeitspferde erhielten individuelle Pässe, Kühe jedoch nicht.

Dazu eine schöne Geschichte aus den 1950er Jahren. Einem Bauern in Bögelhuus kam damals eine Kuh abhanden, man fand sie schließlich auf dänischer Seite wieder. Der dänische Zöllner führte sie eigenhändig zurück zur Grenze. Der deutsche Zöllner befand jedoch, dass, wenn schon mal so etwas außergewöhnliches geschah, man dieses dem Vorgesetzten melden sollte. Die Kuh blieb also beim dänischen Nachbarn in Quarantäne (gab‘s da auch schon, schien schon damals, zumindest für eine Kuh, eine Reise ins Risikogebieten gewesen zu sein), bis der deutsche Zollkommissar und der dänische Oberzöllner angereist kamen, um die Sache zu klären. Am Ende bekam der Bauer seine Kuh ohne Probleme zurück und der deutsche Zöllner einen Rüffel: so etwas banales bitte nie wieder melden.

So könnte die Situation damals in der Amtsstube ausgesehen haben.

Heutzutage kommen auch ohne Zöllner keine Wildschweine nach Dänemark rein. Wie entlang der gesamten deutsch-dänischen Grenze verläuft auch hier der Wildschweinzaun gegen die Einschleppung der afrikanischen Schweinepest ins Königreich.

Wir waren zwar im Besitz gültiger Ausweisdokumente, die nützten uns aber hier nichts. Wir drehten also ab und fuhren quer durch die Feldmark Richtung Grenzstraße, um den nächstgelegenen Übergang Pepersmark auszuprobieren. Dafür mussten wir leider vier Kilometer gemeinsam mit den Rasern (s.o.), den auch nicht gerade langsam fahrenden Wohnmobilen und den LKW-Gespannen auf der Fahrbahn fahren, kein gutes Gefühl. Zumindest überholten uns die meisten mit großem Abstand.

Da wollen wir hin.
… grad mal kein Verkehr zu sehen.

Dann waren wir plötzlich im Kreis Nordfriesland und am Grenzübergang. Der war offen. Hier kommen zwei Fotos, das erste aus unserem Reiseführer, das zweite von unserem Ausflug, finde die Unterschiede!

Eine Pop-up-Grenzanlage bestehend aus einem Schlagbaum (Autos können abends/nachts nicht passieren, dann wird abgeschlossen), einem Zelt (heute gegen Sonne, sonst wahrscheinlich eher gegen Wind und Wetter), ein paar Baken zum Absperren und zwei dänischen Grenzern (sehr freundlich), die wirklich jeden Ausweis kontrollierten. Den leistungsstarken Generator dahinter kann man auf dem Foto nicht sehen.

Wir kamen am Gut Pebersmark vorbei und freuten uns schon auf ein Eis in dem kleinen Örtchen Rens. Da gab es aber nicht viel, eine Schule, ein Frisör, ein Museum, weit und breit kein Kaufmann. Standen deshalb ausschließlich dänische Wagen auf dem Parkplatz des Grenzhandels in Neupepersmark auf deutscher Seite (z.Zt. ist sicherlich auch der Mehrwertsteuerunterschied von 9% ein weiterer Anziehungspunkt)?

Museum, Café und Archiv im ehemaligen Spar-Supermarkt

Wir beschlossen, im Museum nachzufragen, wo wir denn unser Eis kaufen könnten, bevor wir weiter durch den Ort irren würden. Zu unserer großen Überraschung gab es aber kein Eis (obwohl wir das auch hätten bekommen könnten), sondern das Angebot, Kaffee und Kuchen zu erhalten. Denn bevor man in die eigentliche Ausstellung kommen konnte, betrat man zuerst das Café des Museums. Dem Angebot konnten wir nicht widerstehen, es war bereits beste Kaffeezeit am Nachmittag. „Dagens hjemmebag“ war diesmal eine Biskuitrolle gefüllt mit Sahne, Melone, roten Johannisbeeren und karamellisierten Pekannüssen und Sonnenblumenkernen, sehr lecker!!

Dann haben wir uns noch die kleine Ausstellung angesehen zur Geschichte der Landschaft zwischen der Königsau im Norden und der Eider im Süden. Über die verschiedenen Kriege und die Volksabstimmung 1920 wussten wir schon viel. Genauer hat uns diesmal die Geschichte der Kolonisten beschäftigt, die der dänische König Frederik V im 18. Jahrhundert mit dem Versprechen eines besseren Lebens aus Baden-Württemberg, der Pfalz und Schwaben in den Norden gelockt hatte. Für sehr viele Kolonisten wurde dieses Versprechen nie eingelöst, es kamen zu viele zu schnell in eine noch nicht vorbereitete Umgebung. Die Arbeit war hart, zu Essen gab es zu wenig. Viele verhungerten oder zogen weiter nach Russland (die Versprechen der Zarin Katharina waren noch verheißungsvoller, im Wolgagebiet angekommen war das Leben dann ungleich härter, aber von dort kam man nicht mehr so leicht weg).

Die zukünftigen Kolonisten mit ihrer Habe, mehr als 800 km zu Fuß bis in den Norden

Dinge aus der lokalen Geschichte werden auch ausgestellt, hier kommt eine kleine Auswahl:

Ein alter Spritzenwagen von 1907 aus der preußischen Zeit, die Gemeinde hatte damals als einzige eine freiwillige Feuerwehr.
Das Gerät hinter den beiden Leuchten war eine „Waschmaschine“, mit der man die Wäsche im Bottich stampfen konnte, gleichzeitig schäumte sie das Wasser auf.
Die beiden kleinen Behälter aus Blei wurden einer Kuh über die Hörner gestülpt. Mit den Lederriemen konnte man die Wuchsrichtung der Hörner „korrigieren“ (erinnerte mich an Zahnspangen aus meiner Kindheit).

Zwischendurch führten wir immer mal wieder informative Gespräche mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern in einem schönen Gemisch aus dänisch und deutsch. Anschließend ging es ohne Ausweiskontrolle auf dem gleichen Weg zurück nach Deutschland und dann vorbei an alten Kiesgruben und Maisfeldern, an einzelnen Gehöften, einige noch betrieben, viele zu Wohnungen umgewandelt, über Bramstedtlund zurück nach Medelby (den Schlenker über Holt ersparten wir uns, wir waren müde und hungrig). Ein sehr schöner Ausflug mit unerwarteten Erlebnissen.

Jungfernfahrt mit dem Wohnwagen, Teil 2

Die nächsten anderthalb Tage harrten wir bei Sturm und Regen und sporadischem Sonnenschein im Wohnwagen aus, genug zu lesen hatten wir eingepackt. Mit dem Wohnwagen mitgekauft hatten wir auch ein leichtes Reisevorzelt („keine Gewähr für die Funktionsfähigkeit“). Nun wollten wir gern wissen, in welchem Zustand es ist und wie der Aufbau klappen würde. Dafür musste nur der stürmische Wind mal nachlassen.

Es gab keine Aufbauanleitung für das Zelt. So hatte ich mich vorher schon mal im Internet schlau gemacht. Auch dort fand sich keine schriftliche Anleitung, aber bei YouTube baute so ein cooler Macker genau unser Modell zur Probe auf. Der stellte sich dabei selten dämlich an, vielleicht gehörte es zur performance, denn die likes attestierten ihm ein gelungenes Video. Warum man dafür sprachlich entgleisen muss, erschließt sich mir nicht ganz, ich habe die ganz doofen Stellen vorgespult und trotzdem einen guten Eindruck erhalten, wie der Aufbau in etwa gelingen könnte.

Das war im Frühjahr. Beim Auspacken des Packtascheninhalts kamen so nach und nach die Erinnerungen wieder. Recht zügig, trotz der gelegentlichen Windböen, stand das Vorzelt und ist in tadellosem Zustand. Wahrscheinlich wurde es von den Vorbesitzern nur einmal aufgebaut, vielleicht verzweifelt an den vielen Strippen und der fehlenden Anleitung. Unser „Zeltteppich“ aus dem Sabbatjahr passt hervorragend hinein. In dem Zuge fanden auch die Wäscheleine und die Lichterkette ihren Platz.

Beim Wühlen in der Kramkiste fand sich dann auch noch der fehlende Stromadapter wieder. Wir hätten den Adapter also vor zwei Tagen nicht panikmäßig im Campingplatz-Shop kaufen müssen. Netterweise konnten wir ihn wieder zurück geben. Das Abendessen im Vorzelt schmeckte danach noch mal so gut.

ein bisschen Glamping ist schon schön

Jungfernfahrt mit dem Wohnwagen, Teil 1

Seit dem Frühjahr sind wir stolze Besitzer eines Wohnwagens, bereits im Januar ausgesucht in Erwartung eines tollen Reisefrühlings/ ~sommers. Wir wollten ihn (und unseren Umgang damit) ausgiebig prüfen, bevor in einem Jahr die nächste große Reise (zweites Sabbatjahr ist zwischenzeitlich in erreichbare Nähe gerückt) ansteht.

Nun ja, dann kam Corona. Der Wohnwagen bekam einen wunderschönen Standplatz auf unserem Grundstück, wir schliefen auch schon mal eine Woche drin (es schläft sich sehr gut, festes Bett, kein Umbau mehr). Auch als Gästewohnung fand der Wohnwagen Zuspruch. Inzwischen waren die Sommerferien angebrochen, die Campingplätze an Schleswig-Holsteins Küsten wurden von den anderen Touristen überrannt, und wir konnten uns nicht entscheiden, wo wir denn hinfahren sollten. Also blieben wir auf der heimischen Scholle, bis wir genug von Unkraut jäten und Holz streichen hatten.

Wir brauchten dringend noch etwas Tapetenwechsel.

Die Wahl fiel auf den Campingplatz Mitte in Medelby, ganz oben im Norden an der Grenze zu Dänemark, genau in der Mitte von Nordsee und Ostsee gelegen (hence the name). In der Ecke waren wir noch nie (das kann einem auch keiner verdenken), für die Jungfernfahrt ist es nicht wirklich weit weg von zuhause (was sich schnell als positiv entpuppen sollte) und, mit dem Kauf des Wohnwagens bekamen wir zwei Übernachtungen auf genau diesen Platz geschenkt (was will man mehr).

Abfahrt naht, nur noch eine halbe Stunde warten, bis der Wagen der Kanalreinigung nicht mehr die Straße versperrt.

Wir fuhren über Nebenstrecken, damit sich das richtige Urlaubsfeeling sofort einstellte; erprobten auch gleichzeitig das neue Zugfahrzeug (beim alten gab die Kupplung kurz vorher auf, Reparatur lohnte sich altersmäßig nicht mehr (das erinnerte uns an den Start ins erste Sabbatjahr: schnell neues gebrauchtes Auto anschaffen, denn die Fährüberfahrt war schon gebucht)) und hatten uns im Internet einen extra großen Stellplatz ausgesucht, damit wir coronamäßig auf der sicheren Seite waren.

Anderthalb Stunden später waren wir da, der Wohnwagen bekam eine schöne Südausrichtung (dem Mover sei Dank, damit fährt das schwere Teil ganz allein wie von Zauberhand in jede gewünschte Position) … und dann war das Elektrokabel schlicht zu kurz, oder aber der Abstand zum Stromkasten zu groß. An letzterem konnten wir nichts ändern, die Betreiber hatten bereits alle Adapter an andere Tüffel ausgeliehen, aber im Shop gab es den passenden Adapter, um mit einer (noch zu erstehenden) Kabeltrommel die Distanz zu überbrücken. Der nächste Baumarkt war nur 15 km entfernt.

Sogar das Wetter spielt mit, schleswig-holsteinischer Sommer

Tja nun, zuhause stand unsere Kabeltrommel im Schuppen, über die Autobahn wäre man in einer Stunde dort und das neue Auto wollte auch gern im Hochgeschwindigkeitsbereich getestet werden. Und außerdem hatten wir uns wegen genau solcher Fälle für einen Platz in der „Nähe“ entschieden. Also ab nach Hause, vorher noch den Kühlschrank im Wohnwagen auf Gasbetrieb umgestellt. Schnell die Kabeltrommel eingepackt, auch gleich noch etwas Bargeld (hatten wir auch vergessen, aber vier Brötchen am Morgen zahlt man ungern mit der Karte) und wieder zurück. Inzwischen war es dann doch so gegen 18 Uhr, seit dem Frühstück hatten wir nichts gegessen. Also hielten wir bei famila an, kauften die letzten belegten Brote und vertilgten sie gleich auf dem Parkplatz (nur acht Kilometer von zuhause weg, komisches Gefühl).

Ciabatta mit Käse und Tomate bzw. Fladenbrot mit Pute und Krautsalat, dazu heißen Kaffee

Zurück auf dem Campingplatz stellten wir fest, dass auch der Kühlschrankbetrieb mit Gas richtig zu erlernen ist (gut, dass eine Betriebsanleitung im Wohnwagen liegt). Die Milch nahm trotzdem keinen Schaden, der Stromanschluss klappte und etwas später am Abend hatten wir auch den Herd erfolgreich ausprobiert. Nun konnte der Urlaub richtig beginnen.

überwiegend Melamin an Bord wegen des Gewichts, aber Besteck aus Edelstahl muss schon sein; es gab Mangold-Möhrengemüse auf Basmatireis

VardeGarten

Sonnabends ist Bettenwechsel in den Sommerhäusern, schon immer gewesen, obwohl die Familien nebenan schon am Freitag wechselten. Aber die große Mehrheit fährt am Sonnabend zur mehr oder weniger gleichen Uhrzeit Richtung Süden. Erst am Kreisel Richtung Autobahn verdünnt sich der Verkehrsfluss, wenn man selbst an der Westküste weiter zur Grenze fährt.

Bis dahin verging aber noch einige Zeit, es begann sich schon nördlich von Varde zu stauen. Deshalb fuhren wir in die Stadt hinein, um einen Kunstgarten anzusehen. VardeGarten (wobei die Buchstaben ART fett geschrieben werden), eröffnet 2018, ist nicht so einfach zu finden. Das Navi lotste uns direkt neben der Fußgängerzone in eine schmale Gasse. Das konnte eigentlich nicht richtig sein, denn wir erwarteten einen Park. Aber es war richtig und unser Auto wurden wir da nicht los.

der eine Eingang

Glücklicherweise sind die dänischen Sprachkenntnisse gut und zufälligerweise stand am Eingang eine nette Dänin herum, so dass der Weg zum nächsten Parkplatz leicht zu finden war.

Der Parkplatz befindet sich hinter dieser Grünanlage, vor den roten Häusern.

Der Kunstgarten liegt tatsächlich mitten in der Stadt und hat einen zweiten Zugang von einer Shopping Mall aus.

Links unterhalb der bunten Streifen geht es durch die Mall zur Fußgängerzone.
der andere Eingang

Marktplatz, Rathaus und Kirche liegen gleich nebenan.

Die Kunstwerke, meist von namhaften dänischen Künstlern, aber auch von internationalen Künstlern, gruppierten sich rund um eine riesige Blutbuche herum und werden von einer gemeinnützigen Stiftung angekauft. Die Skulpturen und Reliefs aus Mamor, Bronze, Granit, Keramik und Stahl werden immer mal wieder umgestellt oder auch ausgetauscht.

federleicht wirkende Mamorplatten schwingen im Wind

Den Pavillon kann man für Veranstaltungen mieten. Essen und Trinken gibt es im Kro nebenan mit dem schönen Namen „Von Lügenhals“.

So ein Gartenareal hätte auch für uns zuhause genau die richtige Größe, ebenso wie die ausgestellten Werke. Schade, dass wir keine Stiftung in der Hinterhand haben, die uns so ein Kleinod finanzieren würde.

Wir haben noch einen kleinen Rundgang durch die Fußgängerzone gemacht, wollten dann aber auch weiter nach Hause fahren. Gleich hinter Varde stauten wir uns mit den später abgefahrenen Sommergästen bis zum besagten Kreisel und entschieden uns dann aufgrund der Staumeldungen auf der Autobahn dazu, über Ribe gen Süden zu fahren.

Bis bald, schönes Dänemark.

Großes Glück im kleinen Hundewald

Diesmal sind wir von der Nehrung heruntergefahren, Richtung Süden, damit unser Enkelhund sich mal richtig austoben kann. Kurz hinter Nymindegab gibt es einen kleinen Hundewald, der auch für das Enkelkind ein großer Spaß ist, da es sich stets entscheiden durfte, welchen Weg wir als nächsten einschlagen sollen. Der Hund wurde nicht gefragt, der trottet immer hinterher, das Kind zu beschützen.

Natürlich stolpert man auch ab und zu über eine querliegende Baumwurzel. Das wird flugs umgedeutet zu: oh, was liegt denn dort spannendes zum Aufsammeln? Der Eimer will schließlich gefüllt werden.

Der Wald ist zwar klein, aber doch abwechslungsreich in Vegetation und Anlage. Man kann sich sogar leicht mal aus den Augen verlieren.

Auch der Hund kam zu seinem Recht. Treffen mit Arno.
Waldheidelbeeren, fast alle noch grün, die blaue schmeckte gut
ein Abenteuerspielplatz für Kind und Kegel

Lyngvig Fyr, zweiter Versuch

Um es gleich vorwegzunehmen: es wird irgendwann auch noch einen dritten Versuch geben. Diesmal hatten wir keinen Regen. Wir waren früh genug da, so dass der Andrang sehr übersichtlich war. Auch der Eintritt in den Leuchtturm (Ich hatte mich schon sehr auf die Wendeltreppe im Innern gefreut.) war auf die Hälfte reduziert.

Blick vom Parkplatz aus

Aber: der Aufenthalt in Dänemark an der Küste im Sommerhaus ohne Masken vor dem Gesicht lässt einen schnell vergessen, dass da ja noch was mit Corona war. Auch die Desinfektionsmittel im Eingang der Geschäfte kommen zierlich in hübschen Behältern auf einem Beistelltisch daher.

Für den Aufgang zum Leuchtturm mit seiner Aussichtsplattform musste man also ein zeitlich gebundenes Ticket kaufen und sich dann erst einmal anstellen. Etliche Familien konnten dort in der Warteschlange schon nicht so gut mit den Sicherheitsabständen umgehen (freundlich formuliert). Oben auf der Plattform drängte und schob es sich dann im Kreis.

im Hintergrund der Ringkøbing Fjord

Dazu hatten wir überhaupt keine Lust. Deshalb beschlossen wir, lieber schöne Fotos von unten zu machen und spazierten über die Düne Richtung Strand.

auf der Düne
und schon wieder runter
am Strand entlang, mit den Füßen im Wasser, Ausschau nach schönen Steinen halten, macht in Corona-Zeiten nochmal mehr Spaß
und leer ist es (dafür mit ein bisschen mehr Farbe)

Lynvig Fyr ist der jüngste der dänischen Leuchttürme, 1906 erbaut. Schiffsunglücke gab es rund um Jütland schon immer zuhauf. 1903 strandete das Dampfschiff Avona, und es kamen 24 Seeleute um. Diesmal intervenierte die norwegische Regierung und drängte auf den Bau eines Leuchtturms. 38 Meter hoch ist er und gewinnt noch etwas an Höhe, da die Düne selbst auch noch 17 Meter mitbringt.

er ist einfach markant in der Landschaft

1965 wurde das Leuchtfeuer automatisiert. Davor wohnten der Leuchtturmwärter mit zwei Gehilfen und deren Familien ziemlich einsam auf dem Gelände. Nur einmal jährlich wurden sie von Kopenhagen aus versorgt. Alles andere mussten sie selbst anbauen oder fischen. Was für eine Vorstellung! In den Gebäuden sind heute u.a. ein kleines Museum, ein Shop und ein Café untergebracht.

Blick von den umliegenden Gebäuden aus

Ausflug nach Hvide Sande

Holmsland Klit, also die Düne von Holmsland ist heutzutage sehr dicht mit Sommerhäusern bebaut. Bevor wir Touristen uns an der schönen Landschaft erfreuten, waren schon ganz andere „Sommergäste“ auf dem Dünenstreifen, nämlich das Vieh der Landwirte von Holmsland. Die grasten dort den Sommer über, so wie jetzt wieder die schottischen Hochlandrinder, die wir sahen. Außerdem wurden Kartoffeln und Hafer angebaut, frisch gefangene Fische ergänzten den Speisezettel. Nicht sehr üppig, das Leben damals auf der Nehrung. Das „Menschenvieh“ heutzutage bringt natürlich viel mehr Geld ein und sorgt für Wohlstand. Die Rindviecher werden zur Touristenattraktion.

Postalisch gehört der ganze Bereich des Holmsland Klit zu Hvide Sande, aber es gibt ja noch den kleinen Ort selbst, ziemlich genau in der Mitte der Nehrung gelegen. Sehr viel Aufregendes ist dort nicht zu sehen oder zu tun. Aber es gibt den Hafen, der heute zu den wichtigsten Fischereihäfen an der Nordsee zählt. Bei unserem Besuch war davon allerdings nicht viel zu erkennen. Wir waren auch schlicht zur falschen Uhrzeit da, die Fischauktion findet schon um 7 Uhr morgens statt.

ein Schiff für die Hafenrundfahrt
ein Schiff, auf dem geschweißt wird
immerhin ein großer Fisch im Ort, wenn auch aus Stein

Hvide Sande wurde 1931 gegründet, nachdem der Durchstich durch die Düne beendet war. Die Durchfahrt für Schiffe wanderte in den Jahrhunderten immer weiter nach Süden und drohte zu versanden. Damit wäre der Ringkøbing Fjord zu einem Binnenmeer geworden. Daher wurde beschlossen, einen Durchstich genau in der Mitte der Nehrung vorzunehmen. Er wird durch zwei Schleusen gesichert. Die Entwässerungsschleuse reguliert den Wasserstand und den Salzgehalt im Fjord. Dann gibt es noch eine Schiffsschleuse. Beide liegen unterhalb der Klappbrücke in der Ortsmitte.

Blick Richtung Fjord
Blick Richtung Nordsee
Luftbildaufnahme auf einem Infoschild

Nördlich der Klappbrücke gibt es ein kleines Fischereimuseum. Wir blieben in den Außenanlagen, vor allem, weil es dort einen Kinderspielplatz gibt. Außerdem hatten wir wirklich gutes Wetter erwischt.

jede Menge Erinnerungen an vergangene Zeiten
neuzeitliche kleine Krabbe in Reusenschaukel

Auf der anderen Seite der Durchgangsstraße liegt der Troldbjerg mit dem Signalmast. Dieser diente bis 1989 dazu, den einfahrenden Fischern die Wasserstandshöhe im Kanal anzuzeigen. Schwarze Drei- und Vierecke wurden in festgelegten Reihenfolgen gehisst. Zwei lange Vierecke in gleicher Höhe bedeuteten z. B., dass der Meerwasserstand über oder gleich dem mittleren Wasserstand war.

alle Signaltafeln hängen unten, im Vordergrund Überreste eines Bunkers aus dem 2. Weltkrieg

Für den Sohnemann interessant war das Brauhaus in Hvide Sande, seit 2018 wird in einem alten Fischpackhaus wieder Bier gebraut. Eine Führung mit Verkostung wollten wir nicht mitmachen, wir mussten ja noch Auto fahren. Dafür gab es im Supermarkt alle zur Zeit erhältlichen Standard- und Saisonbiere zu kaufen.

die Verkostung findet allerdings zu Hause mit Freunden statt
die in Dänemark beliebten Aludosen gibt es natürlich auch noch, inzwischen wird Verpackungsmüll eingespart, indem die Sechserpacks zusammengeklebt werden, nur ein Tragegriff aus Plastik ist dann noch dran

Mit dem Rad durch die Dünen

Nachdem wir einen Tag lang das komfortable Sommerhaus genossen haben (windgeschützte Ecken, das bisschen Sonne ausnutzen, lesen, schlafen, spielen), ging es heute mit den Fahrrädern los.

Vestkystruten mit der Nummer 1 führt von der deutsch-dänischen Grenze bei Rosenkranz/Rudbøl immer an der Nordsee entlang bis nach Skagen, insgesamt 560 km lang. Ein paar wenige Kilometer davon sind wir heute gefahren, bis zu einer Bake südlich von Hvide Sande.

unser Abschnitt, eine gut zu fahrende Schotterpiste
Da kommt unser Ziel in Sicht.

Der Radweg schlängelt sich quer durch das Dünengebiet, manchmal um höhere bewachsene Sandhügel herum, manchmal auch hoch und runter drüber, mal durchquert er Sommerhausareale.

Auch an den schottischen Hochlandrindern kamen wir wieder vorbei, diesmal grasten sie auf der anderen Seite des Weges. Vom stürmischen Wetter der letzten Tage war nichts mehr zu spüren, so kamen wir bei leichtem Gegenwind gut voran.

Da ist die Bake. Jetzt nur noch zu Fuß hoch.
Dahinter ist die Nordsee.
Nordsee glitzert in der Sonne und der Radweg ist immer zu sehen.

An der Bake genossen wir den wunderschönen Rundumblick und machten eine Pause in einer windgeschützten Mulde in den Dünen, bevor es auf den Rückweg ging.

Pause
Pausenausblick