Der Vorteil des Campingplatzes liegt in seiner Lage, direkt an der alten Brücke über den Kleinen Belt. Perfekt, um auch mal eben mit dem Fahrrad hin und her zu fahren, um tolle Fotos zu machen. Der Abend nach der Autobahntour bot sich dafür an, auch um noch ein bisschen Bewegung zu bekommen.
Die Alte Kleine-Belt-Brücke war die erste feste Verbindung zwischen Jütland und Fünen. Davor gab es sowohl Auto- als auch Eisenbahnfähren. Zehn Jahre, von 1925 bis 1935, haben sie gebaut, um die ein Kilometer lange Strecke zu überbrücken, die schmalste Stelle des Beltes. Nun führen ein Radweg, eine zweispurige Straße und zwei Bahngleise auf der Brücke über das Wasser.
Nur dreißig Jahre später begann schon der Bau der neuen Beltquerung, die als Autobahn mit drei Spuren in jede Richtung über das Wasser führt, mit einer Spannweite von ca. 600 Metern.Blick auf das Stadtzentrum von Middelfart
Beim „Bridgewalking“ (sehr große Attraktion hier) kann man in Gruppen und angeseilt oben auf die Gamle Lillebæltsbro klettern und die Aussicht in 60 Metern Höhe genießen. Als wir unter der östlichen Querverstrebung (eine schmale Brücke zwischen den Eisenstreben) hindurch fuhren, stieg gerade eine Gruppe ab. Für Kay war schon die Radtour die knapp 1,2 km hin und wieder zurück eine kleine Herausforderung.
Auch aus dieser Höhe war der Blick nach unten sehenswert.
Beim Weingummi-Naschen (Kirschgeschmack) hatte ich plötzlich das Gefühl, auf einen Kirschkern zu beißen. Das konnte ja nicht sein, war es auch nicht. Das Weingummi hatte ein Inlay von meinem Zahn gezogen.
Es tat nicht weh, wir waren grad in Bogense, also kein akuter Handlungsbedarf notwendig. Bogense hat auf den ersten Blick auch mehr Tierärzte in prominenter Lage als andere Ärzte.
Abends suchten wir im Internet nach Zahnärzten und kamen schließlich zu dem Schluss, dass es aus versicherungstechnischen Gründen einfacher wäre, kurz mal nach Deutschland zu fahren. Als Kay das Gleiche in England geschah, wurde die Zahnarztrechnung, die wir vor Ort in bar bezahlen mussten, später nur in Teilen erstattet. Auch hier in Dänemark scheint ein Zahnarztbesuch eine kostspielige Angelegenheit zu sein, da es südlich der Grenze etliche Zahnärzte gibt, die auf dänische Kunden spezialisiert sind.
Am nächsten Morgen also den Wecker gestellt und die Zahnärzte in Handewitt und Harrislee abtelefoniert. Die meisten hatten so wie wir Sommerferien und nur den Anrufbeantworter laufen. Eine Praxis konnte für den nächsten Tag einen Termin anbieten. Dafür war das Loch nun aber doch zu unangenehm geworden. Dann endlich, am Ende der Liste, ein freundlicher Mann, der mir mit dänischem Akzent sprechend einen Termin um 15:15 Uhr bei Inga in Harrislee anbot.
Wenn man eher auf der linken Spur der Autobahn fährt, kann man in einer guten Stunde an der Grenze sein. In Harrislee fanden wir uns schließlich vor einer dänischen Zahnarztpraxis wieder, mit einer dänischen Ärztin, dem dänischen Mitarbeiter am Telefon und zwei weiteren Assistentinnen aus der dänischen Minderheit. Wir beschlossen zusammen, zur Abwechslung deutsch miteinander zu sprechen. Ansonsten behandelt die Praxis fast nur Patienten aus Dänemark.
Die Praxis erinnert eher an ein sehr modern eingerichtetes Sommerhaus.
Treppauf geht es entweder in den Behandlungsraum oder in den (weitaus größeren) Aufenthaltsraum für die Angestellten.
Nach ungefähr 20 Minuten war mein Inlay wieder festgeklebt inklusive ein wenig Kariesentfernung. Die Rechnung kommt irgendwann per Post. Wir kauften noch schnell etwas ein, ein Mehrwertsteuersatz von 25% in Dänemark macht sich schon bemerkbar. Dann wieder Richtung Grenze, noch bevor die Bundesregierung uns ihren Hinweis auf die Quarantänebestimmungen geschickt hatte, und knapp dreieinhalb Stunden nach Aufbruch saßen wir schon wieder im Wohnwagen und tranken Tee.
Sie kam im Sommer 2005 zu uns auf unserer „Straße der Freundschaft-Tour“ durch die fünf (auch damals nicht mehr so) neuen Bundesländer. Nach einem sehr lustigen Frühstück in Neukloster/ Mecklenburg zu Beginn der Tour ist sie einfach mitgekommen und bei uns geblieben. Manchmal kam sie tatsächlich als Eierbecher zum Einsatz, aber die meiste Zeit verbrachte sie später bei uns im Küchenschrank. Sie war eben eigen und einzigartig und in Wirklichkeit ein Touring-Huhn.
Als wir im letzten Frühjahr unseren Wohnwagen bekamen, war sie sofort und ohne Zögern bereit, im dortigen Küchenschrank einzuziehen. Auf den Fahrten gibt es zwar auch keine gekochten Eier zum Frühstück, aber sie freut sich über Bonbons oder Tabletten in ihrem Bauch. Dann kann sie immer mal für ein paar Stunden auf dem Tisch stehen und in die Welt gucken. Trotzdem fühlte sie sich latent ein bisschen allein in ihrer Einzigartigkeit.
Auf unserer vergeblichen Suche nach einem offenen Café in Bogense kamen wir an einem Genbrugsladen von Kirkens Korshær vorbei und mussten dringend unsere Laune durch ein Schnäppchen verbessern. Und nun geschah nun das absolut Unwahrscheinliche: Wir fanden nach 16 Jahren tatsächlich einen Kompagnon für Louise!
„Gestatten, mein Name ist Viggo. Ich weiß nicht mehr genau, wie ich in in diesen Shop von Kirkens Korshær in Bogense gekommen bin. Ich hatte nicht einmal ein Preisschild an mir. Vielleicht hat mich ein Kunde auch einfach hier im Regal ausgesetzt und ich bin ein Findelschaf! Ich erinnere mich nicht mehr. Trotzdem koste ich fünf Kronen, das ist wohl der Mindestpreis für Dinge, die keiner mehr braucht. Die Frau, die mich heute fand, freute sich jedenfalls wie Bolle über mich.“
Viggo gefiel es sofort bei uns im Wohnwagen als er/sie (Das ist nicht ganz klar, Viggo kann am besten als divers bezeichnet werden.) Louise traf. Sie kommen gut miteinander aus und haben sich im Küchenschrank wahrscheinlich eine Menge zu erzählen, was ihnen so in den letzten 16 Jahren ohne einander widerfahren ist.
Auf dem Campingplatz erzählte einer unserer Nachbar von Bogense im Norden der Insel. Dort sollte es sehr schön sein. In der Nähe steht ein Renaissance-Schloss, Harridslevgaard Slot, das wir uns auch ansehen wollten, wenn wir schon mal da in der Gegend sind. Es hat den größten Rittersaal Dänemarks, der in Privatbesitz ist. Aber zunächst nach Bogense. Das Auto zu parken ist in Dänemarks Kleinstädten immer einfach und im Zentrum möglich. Durch einen kleinen Bogengang erreichten wir eine zentrale Einkaufsstraße, die uns Richtung Hafen führte. Auf dem Weg dorthin trafen wir diesen netten kleinen Fahrradfahrer:
Manneken Pis
Die Ähnlichkeit ist nicht zufällig. Es ist eine exakte Kopie des Manneken Pis aus Brüssel, 1934 als Geschenk eines reichen Kopenhagener Konsuls an die Stadt, der bei seinen Großeltern in Bogense aufwuchs. Die Tradition, ihn anzuziehen, begann 1953. Er trug schon viele unterschiedliche Dinge, anlässlich des Besuches der Königin und des Prinzgemahls sogar einen Smoking.
Das schmale Hafenbecken war gut besucht, nicht nur von Segelschiffen. Die MS Castor läuft zum Piratenausflug aus.Die Bude links verkauft prima Räucherfisch.
Dieser merkwürdige Turm aus Beton am Rande des Hafenbeckens wurde 1942 erbaut. Unsere erste Vermutung war daher, dass er ein Überbleibsel aus der Besatzungszeit wäre, für Geschütze oder so was. Aber nein! Es war Dänemarks erste Gleichstrom produzierende Mühle und hatte drei Flügel mit einer Spannweite von 24 Metern. Sie gehörte zu den vier großen, dazu wurden noch 25 kleinere zweiflüglige Mühlen in Dänemark gebaut, um während der Besatzung die Knappheit an Brennstoff auszugleichen. 1953 schwenkten die örtlichen Stadtwerke auf Wechselstrom um und die Mühle wurde außer Dienst gestellt.
Wir spazierten wieder Richtung Innenstadt zurück, uns packte der Kaffeedurst und der Kuchenhunger. Am Hafen gab es eine Vielzahl von Möglichkeiten, allerdings auch mit einer Vielzahl an Menschen. Mit denen wollten wir angesichts von Covid nicht zu kleine Innenräume teilen.
Hier gab es laut Prospekt eine Menge Cafés. Deshalb ließen wir Bogense Hotel links liegen. Das gegenüberliegende Café war leider geschlossen. Etwas weiter längs gab es Café Kysten, überall Werbung, aber auch leider geschlossen. Na, macht nichts, ein paar Schritte zurück und zum Café Onkel, hübsch gelegen in einem Innenhof. Die Bedienung wischte den Tisch sauber, gab uns die Speisekarte und …
Weitere Gäste wurden bedient, es wurde abgeräumt, andere bekamen eine Speisekarte. Leider kam sie nie wieder zu uns zurück und es gelang uns nicht, sie zu uns zu rufen. Nach einer Weile verließen wir ziemlich verärgert den Hof.
Noch in Erwartung leckerster Torten …
Dann zum nächsten Café, dem Café Solo. Was soll ich sagen: gerade an diesem Tag wegen eines Todesfalls geschlossen. Ein bisschen Fußweg weiter liegt Bogense Bageri. Dann eben Coffee to go und Gebäck dazu, vielleicht auch noch ein schön belegtes Sandwich. Ich schwelgte schon in Plänen, die Uhr zeigte 16:22 Uhr und bäm!! Geschäftsschluss um 16 Uhr. An einem ganz normalen Wochentag. In der Saison. Es blieb uns nichts anderes übrig, als im naheliegenden Supermarkt die Reste im Backwarenregal zu kaufen und im Auto zu verzehren. Sehr frustrierend!!!
Zum Schloss kamen wir dann natürlich auch nicht mehr. Ehe wir da sein würden, hätten die bestimmt auch schon die Zugbrücke hochgezogen.
Stattdessen fuhren wir noch etwas an der Küste weiter, am Gyldensteen Strand vorbei, dem größten Renaturierungsprojekt auf Fünen. Hier wurde der 1872 gebaute Deich (um die landwirtschaftlich zu nutzenden Flächen zu vergrößern) 2014 wieder entfernt. Seitdem belebt sich die Vogelwelt sichtbar. Wir bogen jedoch landeinwärts ab und wurden vom Navi quer durch die Getreidefelder, auf denen die Ernte in vollem Gang war, geleitet. Unser Ziel war Glavendruplunden. In diesem Hain stehen Gedenksteine aus der Bronze-, der Wikinger- und der Neuzeit (Grundgesetz, Wiedervereinigung, Befreiung 1945). Die berühmtesten Anlagen sind jedoch die aus der Wikingerzeit: die Schiffssetzung und der große Runenstein.
Flinthøj und Rævehøje aus der BronzezeitSchiffssetzung, eine 50 Meter lange bootförmige Reihung aus 28 aufrecht stehenden Steinen
Ein Grab wurde nicht gefunden, die Schiffsssetzung wurde zum Gedenken an Alle errichtet. Alle war ein Adeliger, der auch eine Priesterfunktion inne hatte, also eine sehr hochgestellte Persönlichkeit. Der Runenstein wurde von seiner Frau Ragnhild und den Söhnen errichtet. Dies weiß man vom Runenstein, der Dänemarks längste Runensteininschrift trägt.
Die Inschrift schließt mit einer Warnung: Wer den Stein zerstört oder ihn entfernt, dem wird es übel ergehen. Eine Warnung, die offensichtlich schon sehr lange beherzigt wird.
Durch das malerische Nordfünen ging es, konsequent das Navi ignorierend, das uns immer auf die Autobahn führen wollte, wieder zurück nach Middelfart.
Heute ging es aufs Festland. Wir hatten vorher überlegt, die knapp 20km mit dem Fahrrad zu fahren. Es war aber sehr windig. Als wir die Steigungen mit dem dazugehörigen Gefälle sahen, waren wir echt froh über unsere Entscheidung, doch das Auto zu nehmen.
Unser Ziel war Trapholt (endlich mal wieder ein Kunstmuseum besuchen), das eine große Arne Jacobsen Ausstellung präsentiert. Zutritt gab es nur mit Test oder Impfzertifikat. Die Kontrolle erfolgte noch vor dem Gang zur Kasse. Zusätzlich gab es Beschränkungen bei der maximalen Besucheranzahl in den Räumen (Aber wann ist es in Museen schon so voll?) und überall die Möglichkeit, sich die Hände zu desinfizieren. Masken mussten nicht getragen werden. Wir hielten entsprechend Abstand zu anderen.
„Arne Jacobsen – Designer Danmark“ lautet der vollständige Titel der Ausstellung, schön mehrdeutig, könnte auch ‚Arne Jacobsen entwirft Dänemark’ heißen. Wie kein anderer hat er die Wohn- und Arbeitskultur des Landes geprägt. Wer schon mal in Kopenhagen war, hat das SAS-Hotel (hat jetzt einen anderen Namen) am Rathausplatz gesehen, bei dem er nicht nur das Gebäude, sondern auch das gesamte Interieur bis hin zu Porzellan und Besteck entworfen hat.
Er entwarf auch öffentliche Gebäude wie Schulen und Rathäuser (auch das in Mainz), Fabrikgebäude, Textilien und Tapeten und natürlich seine berühmt gewordenen Stühle und Sessel.
Für die Kantine eines Unternehmens entwarf er z.B. ‚myren‘ (die Ameise) mit nur drei Beinen, um Platz zu sparen und, ganz neuartig damals, Sitz und Lehne aus Sperrholz. Der Möbelfabrikant wollte den Entwurf nicht in Serie gehen lassen, unverkäuflich seiner Meinung nach. Bei einem Besuch im Atelier erkundigte sich der Unternehmer nach den Stühlen. Jacobsen zeigte ihm den Prototyp und fragte: „Wie viele Stühle sagtest du noch mal, bräuchtest du?“ Mit der genannten Zahl ging Jacobsen zum Möbelbauer, die Produktion ging los, der Rest ist Geschichte.
Hier sitzt Kay auf einer gigantisch großen Ausgabe der Ameise.
Und wer kennt sie nicht, oder hat sie gar zuhause, die ikonischen zylindrischen Thermoskannen der Firma Stelton. Auch die hat Jacobsen entworfen, gemeinsam mit noch vielen anderen Dingen bilden sie die Serie ‚Cylindra‘.
Ganz avantgardistisch erschien der Fachwelt das ‚Kubeflex‘-Haus, das 1970-71 zum ersten Mal auf einer Fertighaus-Messe vorgestellt wurde.
Die jeweils 11 Quadratmeter großen Kuben können sich je nach den Bedürfnissen der Bewohner zusammenstellen lassen. Dieses später von der Familie genutzte Sommerhaus ist das einzige Exemplar, das verwirklicht wurde, da Arne Jacobsen unerwartet im März 1971 starb.
Es besteht aus Wohn- und Esszimmer, Küche, Bad und zwei Schlafzimmern; 6 Kuben, „aneinandergeklickt“, von der Decke aus beheizt, mit einem Kamin im Wohnzimmer als einziger sichtbarer Wärmequelle und unterschiedlichen Möglichkeiten, die Fassaden zu gestalten. Alles in Modulbauweise, damals undenkbar, heute immer noch modern.
Wohnzimmer und EssbereichKücheSchlafzimmer
Nach einer Pause mit Kaffee und Torte ging es noch durch die anderen Ausstellungen. Besonders interessant fand ich diese Installation aus Stickereien, die mehr als 750 Menschen, überwiegend nördlich der Grenze wohnend, anlässlich der 100-Jahr-Feier der Grenzziehung 2020 angefertigt haben. Aus dänischer Sicht heißt das Ereignis Wiedervereinigung.
Und dann gab es noch eine auf den ersten Blick willkürlich zusammen gestellte und gestopft volle Ausstellung aus der Trapholt-Sammlung.
Der Clou daran war, die Ausstellung heißt „Deine Ausstellung“, dass man mit einem kleinen Puck diverse Computerterminals aktivieren konnte, um aus seinen elf Lieblingsstücken die eigene Ausstellung zu kuratieren. Diese wurde dann über eine große Leinwand in einem Extra-Kabinett allen zugänglich gemacht.
Nach viereinhalb Stunden fuhren wir wieder, endlich einmal wieder aufgefüllt mit herausfordernden visuellen Erlebnissen, aber auch sehr erschöpft.
Unser Campingplatz hat seinen Namen vom naheliegenden Schloss samt gleichnamigem Tiergehege, nur den sprichwörtlichen Katzensprung entfernt. Gleich nachdem wir durch die Pforte kamen, gab es Bewegung rechts im Wald. Kurz darauf überquerten jede Menge Rehe mit ihren Kitzen die Straße, um zur großen Herde zu kommen.
Nachzügler, die Herde gab schon LautDas Hauptgebäude des Schlosses Hindsgavl, links und rechts stehen noch zwei Gebäudeflügel, Kavaliersflügel links und Frauenflügel rechts.
Damals waren die Damen und Herren wohl noch getrennt untergebracht. Heutzutage beherbergt der Frauenflügel ein Restaurant Namens ‚Die weiße Dame‘, in den anderen Gebäudeteilen außer im Hauptgebäude, sind Hotelzimmer. Zur Weihnachtszeit kann man hier echte dänische julehygge erleben, ab 605 Euro pro Person/ Tag im Doppelzimmer. „Ab“ bedeutet wohl nicht die Unterbringung hier, sondern eher in den umgebauten Ställen im dreiseitigen Wirtschaftsgebäude gegenüber.
links der ehemalige Kuhstall, gegenüber der Schweinestall (nicht im Bild), in der Mitte noch ein Restaurant
Das Restaurant „Die weiße Dame“ hat seinen Namen nach dem schlosseigenen Gespenst erhalten. Der Sage nach verunglückte eine junge Braut auf dem Weg zur Hochzeit auf Schloss Hindsgavl mit der Kutsche, weil die Pferde plötzlich scheuten. Die Kutsche stürzte ins Wasser, die Braut wurde zwischen Sitz und Reisegepäck eingeklemmt und ertrank. Der Bräutigam rief noch lange vergeblich nach seiner Braut und meinte oft beim Spaziergang durch den Park, einen weißen Schatten ihrer Selbst zu erblicken.
Gerade jetzt findet auf dem Gelände die 53. Ausgabe des gleichnamigen Kammermusikfestivals statt. Daher war viel los auf den Parkplätzen, aber leider keine Musik draußen zu hören. Deshalb sind wir durch den Schlosspark spaziert, mit wunderschönen Ausblicken auf den Fænø Sund. Die weiße Frau haben wir nicht getroffen, sie soll auch immer nur abends in Erscheinung treten.
Die Aussichtspunkte haben mit der Umgestaltung des Gartens 1815 alle Namen im Geiste der damaligen Zeit erhalten. Dieser heißt ‚das Ende der Welt‘.Dieser Punkt mit kleinem Pavillon heißt ‚Sorgenfrei‘, nach Schloss Sanssouci in Potsdam. Es heißt, dass H.C. Andersen hier saß und eine Strophe auf den damaligen Kronprinz Christian gedichtet hat.der größere von insgesamt drei Teichen im Gartendie Gartenseite des Hauptgebäudes
Der Kranich auf dem Schild war das Wappentier einer früheren Eignerfamilie. Er hält einen Stein in der einen Kralle. Wenn er einschläft, lässt er den Stein fallen, der dann auf der anderen Kralle landet und ihn wieder aufweckt.
Dieser Rest einer Eiche stand ursprünglich an der Straße von Middelfart nach Hindsgavl. Der Stamm teilte sich irgendwann einmal und wuchs später wieder zusammen. Früher gab es den Volksglauben, dass Kranke und Unfruchtbare geheilt werden würden, wenn sie um Mitternacht durch einen solchen „Lochbaum“ klettern oder durchgezogen werden würden. Wenn man allerdings die falsche Richtung einschlug, hätte die Prozedur die gegenteilige Wirkung.
Zurück geht es durch die Hindsgavl Allee und wir sehen noch eine zweite Herde Sikawild. Beeindruckende Geweihe haben auch die. Gut, dass wir keines gefunden haben, das hätten wir sofort abliefern müssen.
Zum Abschluss der kleinen Tour gibt es sehr leckere Burger mit gekräuterten Pommes im Street-Food-Restaurant ‚Kitzchen‘, gebraten in einem alten amerikanischen Schulbus.
Kaum ein dänischer Wohnwagen kommt ohne ein Isabella-Vorzelt aus, je größer desto besser. Außer einem (oder nach Platzangebot auch zwei) Tisch und zwei bis vier bis acht Hochlehnern muss auch eine zweite Küchenzeile Platz haben, inklusive einer mannshohen Kühlgefrierkombination.
Bisher dachten wir, dass dieser große Anbau nur bei Dauercampern Usus ist. Jedoch sind heute die Nachbarn von gegenüber abgefahren. Der Rasen unter ihrem Vorzelt ist noch vorhanden und auch noch grün. Solange können sie daher nicht dagewesen sein. Ihr Außen-Kühlschrank passt so gerade eben in den Kofferraum des S-max.
Man benötigt halt sehr viel Kühlraum für Bier, Wein etc. bei hochsommerlichen Temperaturen. So ab Mittag kommen die ersten entsprechenden Getränke auf den Tisch. Der Konsum ist ziemlich hoch.
Das ist nur einer von zwei riesigen Containern nur für Glas. Der zweite ist genauso voll.In diesen großen Säcken sind nur Getränkedosen aus Alu.
Unsere Variante der Küchenzeile im Vorzelt sieht so aus:
Die Stromaufnahme im Wohnwagen sollte nicht über 1000 Watt sein. Deshalb wird der Wasserkocher direkt an die Kabeltrommel angeschlossen. Das Tischchen für die Bequemlichkeit haben wir im ersten Sabbatjahr in Schottland erstanden.
Nebenan wird gesaugt, anhaltend und ausdauernd (großer Wohnwagen, allerdings mit einem ungewöhnlich kleinen Vorzelt). Dann kommen auch mal die Teppiche zum Lüften raus. So einen kleinen Zelt-Schuppen wie rechts im Bild haben sie auch fast alle, allerdings immer in neuerer Variante als dieses.
Wir dagegen schleppen unseren Basilikum mit. Zuhause wäre er eingegangen. Also durfte er mit, bekommt regelmäßig Wasser und wird an den Reisetagen ein paar Stunden in den dunklen Schrank gesperrt. Das kann man inzwischen an einigen leicht gelben Blättern erkennen, aber ansonsten geht es ihm gut.
Fast jeder Dauercamper hat auch einen Rasenmäher im Gerätezelt. Der kommt hier grundsätzlich Sonntags zum Einsatz.
Inzwischen sind wir im Westen von Fünen gelandet, in Middelfart, wieder mit Brückenblick, diesmal gleich auf zwei Brücken, die alte und die neue Brücke über den kleinen Belt. Den Blick haben wir allerdings nur, wenn wir das kurze Stück vom Campingplatz aus zur Küste gehen.
Alte LillebæltsbroenNeue Lillebæltsbroen
Hier auf dem Platz sind wir die absoluten Ausnahmen, es ist ein kleiner Platz nur mit Dänen. Und uns. Wir wurden am Waschraum sogar schon gefragt, ob wir überhaupt hier auf dem Platz wohnen würden. Okay, wir trugen Helm und schoben die Räder, es war schon abends. Mal eben schnell ganz eloquent auf dänisch geantwortet: Ja! und die Fragende (Kay taufte sie Campingplatz-Blockwart, ein späterer Vergleich mit dem Prospektbild ließ aber vermuten, sie ist die Eigentümerin.) fragte nichts weiter. Bei einem späteren Treffen grüßte sie freundlicher.
Zwischenzeitlich waren wir mal kurz zuhause, um all die Sachen einzupacken, die wir vergessen hatten und um ein paar Dinge zu erledigen. Dann schnell wieder über die Grenze, bevor Dänemark zu einem Hochrisikogebiet wird.
Die soeben erworbenen Auffahrkeile können wir auch sofort nutzen. Der Stellplatz unter den Obstbäumen ist zur Hecke hin abfallender als zunächst wahrgenommen. Die hochsommerlichen Temperaturen machen den Boden zu einer Herausforderung für das Heringe einschlagen, die Erde ist steinhart gebacken. Bei weit mehr als 30 Grad und Windstille wird das Aufbauen des Vorzeltes zu einer mehr als schweißtreibenden Angelegenheit und geht nur langsam voran.
Als alles steht können wir vor Erschöpfung nicht entscheiden, ob es im Wohnwagen, im Vorzelt oder doch draußen im Schatten kühler für das Ausruhen ist. Selbst das mitgebrachte Wasser ist lauwarm. Ich entscheide mich für eine liegende Position mit einem feuchten Tuch auf der Stirn. Erst am Abend machen wir noch eine kleine Erkundungstour mit den Rädern in die Stadt hinein.
Wir haben den Ort gewechselt, aber hier lassen sie sich das Wlan gut bezahlen: knapp 5 Euro pro Tag. Dafür könnten wir eine Menge Dinge im Genbrug erstehen. Oder Kekse, oder Eis.
Daher kommen die Berichte demnächst en bloc, wenn wir irgendwo gratis WiFi haben. Das Datenvolumen des Mobiltelefons neigt sich leider jetzt schon dem Ende entgegen. Das Hochladen der Bilder verbraucht wohl ziemlich viel.
Unsere „Sprit-Tour“ beginnt ganz heilig und wird sehr weltlich enden.
Den Beginn macht ein Ausflug zur Regisse Kilde (Quelle), einer von vielen Quellen in Dänemark, deren Wasser am Johannisabend besondere Heilkräfte zugesprochen wurde. Hans Christian Anderen besuchte die Regisse-Quelle bereits als Kind mit seiner Mutter, wohl mehrmals, denn in seinen Roman „Nur ein Spielmann“ fließt die Quelle samt Treffen um Johannis ein.
Diese heilige Quelle hat gleich drei Sagen zu ihrem Ursprung zu bieten: Regisse musste mit ansehen, wie ihre Kinder getötet wurden, danach entsprang die Quelle; Regisse diente einem sie schlagenden Bauern, die Quelle entsprang an der Stelle, wo sie zu Boden fiel; Regisse predigte das Christentum und wurde dafür getötet, die Quelle entsprang aus dem blutgetränkten Boden. Sucht euch die aus, die euch am besten gefällt.
Bei unserem Besuch fließt das Wasser nur sehr zaghaft durch sein etwas schlammiges Bett zwischen den Granitsteinen. Der Platz wurde vor knapp 30 Jahren neu gestaltet und könnte etwas Pflege vertragen. Wie es um die Heilkräfte bestellt ist, haben wir trotz Sonnenbrand und Mückenstichen, die man gut hätte behandeln können, nicht herausfinden wollen. Johannis ist ja auch schon drei Wochen her.
Nicht weit von der Abzweigung zur Quelle liegt das Weingut Frørup Vingård (www.froerupvingaard.dk). Wir haben uns zwar nicht telefonisch angemeldet, aber das Glück, dass der Eigentümer Dennis sich etwas Zeit für uns nimmt und unsere mehr oder weniger qualifizierten Fragen beantwortet. Vor 10 Jahren begannen er und seine Frau Lene damit, 800 Weinstöcke anzupflanzen, weitere 400 sollten noch folgen. Das Ganze entstand, nachdem Lene bei einem Fest auf einem dänischen Weingut sagte: „Das können wir besser!“
Inzwischen produzieren sie ca. 1500 Flaschen pro Jahr. Zwei davon kaufen wir nach einer kleinen Probe des äußerst köstlichen Weins aus der Solaristraube und aus der Johannitertraube.
Das heißt, ich trinke Wein mittags bei 24 Grad, Kay spielt mit dem Hund Alfred. Von so einem kleinen Weingut kann man natürlich nicht leben. Daher beliefern sie ganz Dänemark und auch Norwegen per Webshop mit Weinstöcken und Zubehör, um selbst Wein zu keltern (und haben auch ein Baugeschäft, das wird wohl das meiste Geld abwerfen).
Zubehörvorne neue Flaschen, hinten neue Fenster, Hauptsache Glas
Dennis erzählt, dass auch in Südnorwegen sehr guter Wein, der schon Preise gewonnen hat, angebaut wird. Der Boden auf dem Fjell ist nährstoffreich, die Triebe werden auf den Felsen entlang geführt statt horizontal an Drähten. Die Steine heizen sich auf und die Trauben reifen sozusagen auf einer natürlichen Heizung.
Nach dem Weingeist führt uns der Weg nur ca. fünf Kilometer weiter nach Refsvindinge. Ein bisschen außerhalb des Ortes liegt die gleichnamige Brauerei (www.bryggerietrefsvindinhe.dk). Sie sieht ein bisschen unscheinbar aus, besteht aber bereits seit 1885 und ist immer noch in Familienbesitz.
Wir wollen ein paar Sorten für den Sohn kaufen, der sich zu einem ausgewiesenen Bierkenner entwickelt. Die Verkaufshalle sieht unspektakulär aus, bis uns klar wird, dass in den Kästen ausschließlich das eigene Bier zum Verkauf steht.
vorne Verkauf, hinten Abfüllanlage
Nun stellt sich nicht mehr die Frage danach, ob wir das Geschenkset mit drei oder acht Flaschen mitnehmen. Kurze Nachfrage an der Kasse, ob es okay ist und dann einen leeren Bierkasten mit je einem Exemplar aller möglichen Sorten bestückt. Die Auswahl erfolgt rein nach Namen und Aussehen des Etiketts. Schwups, und schon sind 20 Flaschen im Kasten (von 36 Sorten). Das wird wohl mehr als einen Beer-tasting-Abend für Mutter und Sohn geben.
Diese Sorten gibt es zurzeit.Die sind bezahlt :-))
Dazu gibt es nach dem Bezahlen noch zwei Gratisflaschen gut gekühlt drauf zu, passend zum nahenden frokost (Mittagessen). Daher wird auf die Bierprobe vor Ort verzichtet.
Ende der 1990er zum besten Bier Dänemarks gewählt.
Die Brauerei bietet noch eine andere Geschenkidee an: BBB, beer, bed & breakfast. Bierverkostung, Brauerei- und Mälzereibesichtigung, Übernachtung in einer Hütte mit Frühstück am nächsten Tag.
Jetzt ist noch Platz für eine weitere Sorte Sprit im Auto, wir müssen in Ørbæk tanken. Das war der eigentliche Grund, warum wir mit dem Auto losgefahren sind. Weingut und Brauerei liegen in guter Fahrradentfernung vom Campingplatz entfernt. Allerdings hätten wir nicht so viele Köstlichkeiten in die Packtaschen verstaut bekommen.