Vitra. zum ersten – Architektur

Die Beine waren etwas schwer am Morgen nach den Wanderungen. Daher kam nun die Konus-Gästekarte zum Zuge, wir fuhren nach Weil am Rhein. Zum Bahnhof nach Rheinweiler ging es zu Fuß immer bergab, bevor uns an Schule und Kindergarten eine kurze, aber heftige Steigung kurzzeitig aus dem Tritt brachte. Die Züge in Richtung Basel fuhren von Gleis 2, zu erreichen durch die Unterführung, kein Fußweg, nur enge Straße. Der Zugang zu Gleis 2 war dann wegen Bauarbeiten gesperrt, alle Züge nutzten Gleis 1. Witzig! Gut, dass wir rechtzeitig da waren. Wieder zurück durch die Unterführung und hoch zu Gleis 1. Zwanzig Minuten später waren wir in Weil.

Unser Ziel war das Vitra Design Museum und der Campus mit den Gebäuden preisgekrönter Architekten(büros). Der Weg dahin war gleich ausgeschildert. Wir wollen aber auch die Innenstadt anschauen (lohnt nicht wirklich) und wählten den längeren Weg (den langen, den immer länger und länger werdenden durch ein Neubaugebiet und um den halben Campus herum). Dabei trafen wir auf diesen kleinen Gesellen, der wie wir auch dabei war, seinen Weg zu finden.

Als wir dann endlich, endlich an einem Zugang auch für Fußgänger angekommen waren, gingen wir schnurstracks zum Café im VitraHaus, „Lunchtime!“, um wieder zu Kräften zu kommen.

Der Airstream-Kiosk im Park hat nur im Sommer auf. Auf der Terrasse in der Sonne war es sehr schön.

Das VitraHaus selbst (2010, Herzog & de Meuron) ist eine Art riesiger showcase für die Produkte der Firma und ihnen verbundener Designer.

VitraHaus von der Gartenseite

Man könnte auch von oben bis unten durchgehen, eine Liste mit den gewünschten Möbeln und Accessoires anfertigen und sie anschließend ordern oder noch im Atelier nach den eigenen Wünschen konfigurieren lassen.

Interior Studio mit Farb-, Stoff- und Holzproben

Neben dem nötigen Geld fehlen uns einfach auch die geeigneten Räumlichkeiten („Ich brauche ein Schloss!“), um all die schönen Dinge aufzubauen. Daher begnügten wir uns mit der Besichtigung der Ausstellungen und machten Fotos. Hier kommt eine kleine Auswahl.

Loft im obersten Stock, wird jedes Jahr von bekannten Interior-Designern für fiktive Bewohner gestaltet
Nachbau des Coworking-Space im komplett mit Vitra-Produkten eingerichteten Hauptsitz des größten koreanischen Kosmetikunternehmens Amorepacific in Seoul. Das Sofasystem heißt Soft Work.
Modellbeispiele des Eames Shell Chairs, nebenan im Show-Montagebereich kann man die Endfertigung des Möbelklassikers des 20. Jahrhunderts beobachten.

Da das Wetter geradezu unglaublich schön war, immerhin ist es Mitte Oktober, schlenderten wir als nächstes durch den Oudolf Garten (2020, Piet Oudolf). Auch in seinem Herbstflor war er sehr schön anzusehen.

von der Terrasse des Lofts aus fotografiert

Selbst die Bienen wohnen hier auf dem Campus in schönen Bienenstöcken, sechs Völker, rund 100.000 Bienen, werden in der kombinierten Wildbaumethode gehalten und von zwei auch als Imker ausgebildeten Mitarbeitern betreut.

Wir beschlossen, an diesem sonnigen Tag den Rundgang durch das Außengelände weiterzuführen. In das Museum gehen wir an einem anderen Tag.

Blockhaus (2018, Tobias Schütte), Unterstand und Wasserzapfstelle für Touristen
Vitra Slide Tower (2014, Carsten Höller)

Die Skulptur, Uhr, Aussichtsplattform und Rutsche in einem, zog uns magisch an. Bei unserem letzen Besuch in Bonn sind wir bereits vom Dach der Bundeskunsthalle auf einer Rutsche von Höller heruntergesaust. Diese hier war eindeutig viel höher! Also mit Rutschunterlage hoch, oben schwankte der Turm etwas. Bevor die Angst überhand nahm (dann doch keine Fotos), lieber schnell in die Röhre und mit einem Affenzahn nach unten. Das ging so rasant schnell, schneller, als davon zu schreiben!

Noch etwas benommen spazierten wir zur ehemaligen Feuerwache.

Fire Station (1993, Zaha Hadid)

Nach einem großen Brand auf dem Werksgelände sollte eine eigene Werksfeuerwehr her. Die wurde nach einigen Jahren, weil zu klein, wieder abgeschafft, nun hat man ein großes Ausstellungsgebäude mehr. Hinein und aufs Dach wären wir aber nur mit einer geführten Tour gekommen.

Im Depot Deli, am Ende des Rundgangs, war dann wieder eine Pause angesagt, bevor es auf dem kurzen Weg zum Bahnhof zurück ging.

Den überaus leckeren Kichererbsensalat darunter kann man nur erahnen.

In Rheinweiler fanden wir am Rande der Bahngleise das Auto von Dornröschen. Wenn sie wieder aufwacht, wird sie es sicherlich abholen.

Das Wandern ist des Menschens Lust …

… wir sind ja keine Müller und heißen auch nicht so.

Das Wetter meint es so gut mit uns, dass wir gleich zwei Wanderungen an einem Tag durchführten. Vor dem Mittagessen und so zum Warmwerden mit der Landschaft ging es auf einen vier Kilometer langen Rundweg über den Stationenweg oberhalb von Bamlach und Rheinweiler. Von der Kirche St. Peter und Paul in Bamlach ging es über Wirtschaftswege zum 1,5 km langen Stationenweg mit 14 Bildstöcken aus bunten Glasmosaiken, die den Leidensweg Christi darstellen.

Kirche St. Peter und Paul
„Beim 1. Wegkreuz biegen Sie rechts ab.“ Wir Flachland-Protestanten hätten uns fast schon zu Beginn verlaufen, weil wir das Wort Wegkreuz mit dem Wort Wegkreuzung verwechselten.
III. Station: Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz.
IIX. Station: Jesus begegnet den weinenden Frauen.
An den Bäumen der Streuobstwiesen hingen noch ein paar Äpfel.

Weiter ging es auf Feldwegen, noch schnell ein paar Walnüsse aufgesammelt, bis wir wieder auf die Teerstraße stießen und der Rhein in Sichtweite war.

Der Rhein ist das Gewässer rechts im Bild und hier nicht schiffbar. Die Schiffe fahren links auf dem Grand Canal d‘Alsace.

Am Nachmittag hängten wir noch eine Wanderung von gut acht Kilometern dran, diesmal auf einem Rundweg im Rheinvorland. Um zum Rheinuferweg zu kommen, mussten wir zuerst Eisenbahnschienen und Autobahn unterqueren. Der Weg führte oberhalb des Flusses entlang. Es gab aber immer mal eine Gelegenheit, bis zur Uferkante zu kommen.

Blick Richtung Norden
Kanueinsatzstelle

Der Wasserstand des Alt-Rheins hier ist sehr niedrig, da viel Wasser für die Wasserkraftwerke auf französischer Seite gebraucht wird. Frankreich erhielt durch den Versailler Vertrag das Recht zum Bau des Rheinseitenkanals mit fünf Wasser-Kraftwerken. Der Kanal, auf französisch Grand Canal d‘Alsace, ging in den 1950ern in Betrieb. Seitdem sank der Wasserspiegel des Rheins entlang des Elsass.

Auch eine weitere Folge des Ersten Weltkrieges ist hier am Rheinufer dokumentiert:

Auf diesen Betonfundamenten stand der Drahtseilständer der „fliegenden Fähre“ über den Rhein zwischen Bellingen und Klein-Landau im Elsass. Die Fähre wurde 1885 in Betrieb genommen, damit die Bellinger Bauern mit ihren Fuhrwerken zu ihren linksrheinischen Feldern kommen konnten. Diese fielen nach dem verlorenen Weltkrieg wieder an Frankreich, und die Fähre musste 1922 gemäß des Versailler Vertrages abgebaut werden.

Ansonsten war der Weg recht langweilig (immer gerade aus, breit befestigt, Bäume und Büsche rechts und links), bis wir zum Sportplatz und der Sportgaststätte in italienischer Konzession kamen, die mit großen Schildern für Eis warb. Die Vorfreude war groß und währte kurz; nichts mehr drin in der Eistheke, die Saison ist vorbei.

Wenige Meter weiter kamen wir allerdings zum Lieferantenzugang der Autobahnraststätte Bad Bellingen West, und zu Fuß waren die Absperrungen kein Hindernis. Deren Eistruhe war gut gefüllt, den Autobahnaufpreis waren wir mehr als bereit zu zahlen.

Frisch gestärkt kürzten wir den vorgeschlagenen Weg ab, um noch mehr Langweiligkeit (Rheinauenweg durchs Wasserschutzgebiet) zu entgehen und gingen gleich Richtung Kurpark.

Leider war dann der Verbindungsweg zwischen Kurpark und Abzweigung nach Bamlach gesperrt. Dort wird ein Regenrückhaltebecken gebaut. Da keine Bauarbeiter mehr zu sehen waren (die hatten schon lange Feierabend), umgingen wir die Absperrung und waren kurz darauf auf der anderen Seite.

Den restlichen langweiligen und steilen Weg die Straße entlang nach Bamlach hoch nahmen wir auch nicht mehr. Wir schlugen uns in die Weinberge. Der Weg führte entlang kleiner Nutzgartenabschnitte und Obstbaumwiesen, wir sammelten noch ein paar Walnüsse und Äpfel auf. Die Eisenbahnschienen unterquerten wir in diesem Tunnel:

Er war ziemlich eng, aber mit Bewegungsmeldern ausgestattet. Danach folgten viele Treppenstufen bergauf (20 Höhenmeter auf kürzester Strecke), bis wir schließlich am Rande der Weinstöcke wieder in Bamlach ankamen.

Im südwestlichen Zipfel Deutschlands

Vom Lipperland in NRW sind wir inzwischen im Markgräflerland (BW) angekommen und haben den kleinen Campingplatz-to-be gegen einen großen Fünf-Sterne-Platz mit Schwimmbad und einem Sanitärgebäude, das keinen Vergleich mit einem Fünf-Sterne-Hotel scheuen muss, eingetauscht.

Einen Zwischenstopp legten wir bei Verwandten in Ingelheim bei Mainz ein. Der Wohnwagen parkte auf dem noch nicht bebauten Grundstück nebenan, und wir wurden im warmen Haus lecker versorgt. Vielen Dank an Eva und Uwe!

Bei einem Spaziergang durch die abgeernteten Weinberge fanden wir zusätzlich noch ein bisschen Wegzehrung.

… und sehr süß!

Am nächsten Tag ging die Fahrt weiter, ab Karlsruhe durch das Rheintal, links den Schwarzwald immer im Blick, gemütlich ohne viel Verkehr und Steigungen. Während der Rast kamen wir noch an diesen beiden Porsches vorbei, die auf einer Testfahrt waren:

Jetzt stehen wir auf dem Platz ‚Lug ins Land‘ und wir lugen ins Frankenland hinüber, die südlichen Vogesen in Sichtweite, den Schwarzwald im Rücken. Den werden wir in den nächsten Tagen näher erkunden, in der Rezeption gab es viele Wander- und Radtourenvorschläge.

Und etwas, was wir ziemlich großartig finden: wir bekamen für die Dauer unseres Aufenthaltes die KONUS-Gästekarte ausgehändigt, mit der man den gesamten ÖPNV im Schwarzwald kostenlos nutzen kann! Das Auto wird also überwiegend am Wohnwagen stehen bleiben, der nächste Bahnhof ist 1,5 km entfernt, die nächste Bushaltestelle gleich im Ort.

Alle lila und gelben Strecken dürfen wir nutzen, also alle hier!

UNESCO-Welterbe Corvey

Hierher kamen wir so ganz ohne braunes Hinweisschild an der Autobahn, vielleicht weil wir die nicht genommen haben, um hierher zu kommen. Corvey gehört zur Stadt Höxter, rund zwei Kilometer entfernt vom Stadtzentrum, leicht zu erreichen über den Weser-Radweg (in Teilen gesperrt, s. vorheriger Blog-Eintrag, außerdem hatten wir die Räder grad nicht zur Hand), zu Fuß (och, nööö) oder in der Sommersaison auch einmal täglich mit dem Schiff (einmal täglich!!!, war auch grad kein Sommer mehr). Mit dem Auto im Anschluss an unseren Stadtrundgang ging es auch ganz gut, die baumbestandene Corveyer Allee führte direkt auf den von zwei orientalisch anmutenden Kriegerfiguren bewachten Eingang zu.

Eigentlich hatten wir keine Lust, die Geschichte der ehemaligen Benediktinerabtei und des späteren Schlosses (ca. 1250 Jahre!) anzusehen. Wir wollten gern die Parkanlagen und die Sonne genießen. Allerdings durfte man gleich nach dem Eingang nur mit einem Ticket weiter. Das berechtigt dann aber zum Besuch des gesamten Areals. Da das Westwerk und die Abteikirche wegen einer Hochzeit gesperrt waren, gab es die Eintrittskarten etwas ermäßigt (statt 12€ immerhin noch 9,50€; dafür, wie sich später herausstellte, mit kleinen Einblicken in eine katholische Hochzeit türkischstämmiger Familien).

Entweder kommen die Turmspitzen aufs Foto oder die Braut…

Das Westwerk als alleiniges Überbleibsel aus dem 9. Jahrhundert konnten wir also nur von außen ansehen. Es war der ehemaligen Klosterkirche als eigenständiges Gebäude vorgelagert. Im unteren Teil unter den Rundbögen, noch original aus karolingischer Zeit, wartete die Braut mit ihrem Vater auf ihren Einzug. Die Gebäudeteile darüber stammen aus dem 12., die Dächer aus dem 16. Jahrhundert.

Wir gelangten zusammen mit den Musikern und dem Catering-Service in das Hauptgebäude und konnten den Rundgang im Kreuzgang hinter der Kirche beginnen. Die Geschichte des Klosters war dann doch gar nicht so uninteressant, denn wir trafen auf einen alten Bekannten aus unseren Urlauben in Dänemark wieder. Als sich das Reich Karl des Großen Richtung Osten ausdehnte, machte er seinen Herrschaftsanspruch deutlich, indem die neuen Untertanen den katholischen Glauben annehmen mussten. Dafür wurden Mönche aus dem französischen Corbie ausgeschickt, ein neues Kloster (Corbeia nova) zu gründen, um von dort die Missionierung der Sachsen (und Friesen, Sorben, etc.) voranzutreiben. Das taten sie im Laufe der Jahrhunderte ziemlich erfolgreich. Und unser alter Bekannter war der heilige Ansgar, der nicht nur bei uns zuhause die Wikinger in Haithabu missionierte, sondern auch immer wieder ausgedehnte Reisen mit derselben Absicht nach Skandinavien führte. So wurden als Ergebnisse seiner Reisen unter anderem die Kirchen in Schleswig (D), Ribe (DK) und Birka (S) erbaut. Es schien ihm gut zu gefallen im Norden, denn später wurde der gute Ansgar Bischof von Hamburg-Bremen.

Auf die Hochzeiten des Klosters folgten wirtschaftliche und religiöse Niedergänge, die berühmte Klosterbibliothek brannte während des Dreißigjährigen Krieges ab. Schließlich wurde die Klosteranlage säkularisiert und Anfang des 19. Jahrhunderts fiel der gesamte Besitz in fürstliche Hand. Die alten Domherren und Kirchendiener behielten ein lebenslanges Wohnrecht, sodass erst Mitte des Jahrhunderts die Familie der Herzöge von Ratibor das ganze Schloss für sich allein hatten.

Der Rundgang führte weiter durch die Repräsentationsräume, die im Stil des Spätklassizismus und des Biedermeiers eingerichtet sind:

der blaue Salon mit den französischen Originaltapeten aus dem frühen 19. Jahrhundert, kostbaren Stoffen nachempfunden, aber aus Papier
der Kaisersaal, früher der Repräsentationsraum der Äbte, heute Konzertraum oder für andere kulturelle Veranstaltungen genutzt, hier festlich dekoriert für die Hochzeitsfeier
einige der 200 Bücherschränke für die ca. 74.000 Bücher der fürstlichen Bibliothek

Diese repräsentative Bibliothek ist in 15 Sälen untergebracht und wurde von einem sehr prominenten Bibliothekar zusammengestellt, Hofmann von Fallersleben, dem Dichter des Deutschlandliedes. Der fiel ob seiner freiheitlichen Dichtungen und politischen Lieder zuhause in Ungnade und wurde des Landes verwiesen. 1860 stellte der damalige Herzog ihn als Bibliothekar ein, diese Stellung behielt er bis zu seinem Tod im Jahre 1874. Sein Grab mit der überlebensgroßen Porträtbüste konnten wir leider nicht besuchen (und fotografieren), da der Zugang zum Friedhof nur durch die Kirche möglich ist, und da fand ja die Hochzeit statt. Stattdessen kommt hier ein Foto seines Arbeitszimmers, hinter den niedrigen Bücherschränken steht sein Sofa.

Auf dem Weg zum Ausgang kamen wir an dem Hochzeitsbuffet vorbei, sehr beeindruckend groß und im finalen Endaufbau, leider kein Foto, unsere Besuchszeit lief ab und draußen wartete die Hochzeitsgesellschaft darauf, eingelassen zu werden. Glücklicherweise schien die Sonne.

Da müssen wir wohl noch einmal nach Höxter zurückkehren, um auch den Rest zu besichtigen. Es lohnt sich tatsächlich.

Kennen Sie eigentlich Höxter?

Mit dieser Frage begann vor vielen Jahren ein kleines Gespräch mit einem älteren Mann, der sein Belohnungsbier in der Sonne vor der Jugendherberge in Hann. Münden trank, in der wir, aber nicht er, übernachteten. Er bewegte sich weserabwärts mit seinem Wohnmobil auf der Straße und seinem Kajak auf dem Wasser Stück für Stück Richtung Heimatstadt, Wohnmobil voran, mit dem Bus oder Taxi zum Kajak zurück, auf dem Wasser wieder zum Wohnmobil.

„Kennen Sie eigentlich Höxter?“ fragte er in dem nicht wirklich lang währenden Gespräch mehrmals. Seitdem sahen wir überall, wo wir unterwegs waren, Autos mit dem Kennzeichen HX. Überall und in einer solchen Menge, dass wir schon überlegten, ob wohl alle aus dem Kreis Höxter lieber woanders sind als zuhause.

Nun ist Höxter nur eine Autostunde vom Campingplatz entfernt. Was liegt näher, als Huxaria, das Zentrum des Weserberglandes endlich einmal kennenzulernen. Der Weg führte uns bei blauem Himmel und Sonnenschein bergauf/ bergab durch schon beginnende Herbstfärbung bis ins Zentrum von Höxter. Netterweise hat der Bürgermeister verfügt, dass man dort an Samstagen kostenfrei parken kann. Das war doch schon mal ein guter Einstieg. Der zweite gute Einstieg war das Bäckereicafé kurz vor Beginn der Fußgängerzone, wo wir uns noch einmal für den Ausflug stärken könnten:

„Hundeknochen“ zum Nachtisch (vorne links)

Und endlich, endlich, nach weiteren Hinweisen auf die Straße der Weserrenaissance am Wegesrand lüftete sich auch deren Geheimnis.

So sehen die Häuser dann aus:

Historisches Rathaus
Dechanei
Schäferhaus

Mehr oder weniger erfolgreich haben Architektenbüros im vergangenen Jahrhundert versucht, Stilelemente der noch erhaltenen alten Häuser aufzunehmen und in die Moderne zu integrieren:

Am Markt, ein Turm der St. Kiliani-Kirche im Hintergrund

Die St. Nikolaikirche am Markt feierte ihr 250 jähriges Kirchweihjubiläum mit einer interessanten Ausstellung in der Kirche.

Dafür, dass die halbe Fußgängerzone gerade aufgerissen war, kann Höxter ja nichts.

Wir trafen sogar noch die Hexe, die versucht, Hänsel und Gretel in ihr Knusperhäuschen zu locken.

Am Weserufer spazierten wir, soweit es die Baustellen dort zuließen, zurück zum Auto. 2023 findet in Höxter die Landesgartenschau statt, die baulichen Vorbereitungen für die dann längste Bank Nordrhein-Westfalens laufen bereits.

Neues Zelt – neues Glück

Der Campingplatz, auf dem wir hier gelandet sind, heißt Waldesruh. Von einem Wald ist weit und breit nichts zu sehen. Eigentlich liegt der Platz mitten in einem Maisfeld. Der Maishäcksler gibt sich alle Mühe, auch die Ruh’ nicht stattfinden zu lassen. Doch jedes Feld ist irgendwann abgeerntet. Danach ist es wirklich sehr still.

Der Wald ist in der Zeit allerdings nicht nachgewachsen. Wir sind umgeben von immergrünen Lebensbäumen und haben das Gefühl, in einer Kleingartenkolonie zu stehen.

Hier steht der Wohnwagen hinter der Hütte, Holzhütte statt Vorzelt.
Kein Kommentar!

Groß ist der Platz nicht, und viele der jetzt noch bewohnten Wagen sind mit Dauercampern belegt, die auch wirklich dauernd hier wohnen.

Insgesamt strahlt der Platz etwas sehr abgerocktes aus. Man fährt auf ein aufgegebenes Bauerngehöft zu, so der erste Eindruck. Nur der Schlagbaum kennzeichnet den Campingplatz, der wohl auf der ehemaligen Hauskoppel eingerichtet wurde. Die Betreiber haben ihn erst vor zwei Jahren übernommen und werkeln nach Feierabend nach ihrem normalen Job so vor sich hin. Im Moment wird das Sanitärgebäude (hellgelb) von außen gedämmt. Innen sind sie fertig und man bekommt einen Eindruck davon, wie es insgesamt werden könnte. Aber so lange wollen wir hier nicht bleiben.

Heute Vormittag ging es zum Händler nach Bad Salzuflen, um unser neues Vorzelt zu holen. Wir haben es bei eBay-Kleinanzeigen gefunden, ein Ausstellungsstück mit ein paar kleinen Macken zum Selbstabbau. Dafür gibt es das gute Stück 30,76% günstiger, und: es ist ein Vorzelt von Isabella! Die größere Macke, ein Loch in einer der „Fensterscheiben“, wurde schon im Vorwege zur Reparatur nach Dänemark geschickt. Ob das Paket rechtzeitig wieder da sein würde, war aber nicht sicher. Der zweite Mängel ist mit dem Allzweck-Panzer-Klebeband gut und fast unsichtbar selbst zu beheben.

Dann mal los! Eine Mitarbeiterin half uns mit Tipps und Tricks zum Abbau weiter (und passte sicherlich auch auf, dass wir nur die Dinge einpackten, die zum Gesamtpaket gehören). Nach 50 Minuten war alles abgebaut und verpackt – und das beste: das Paket aus Dänemark war morgens schon geliefert worden! Das Zelt bekamen wir also komplett mit. Welch ein Glück, denn so müssen wir nicht so viele Tage auf dem Campingplatz verbringen und auf die Post warten.

Zurück auf dem Platz begann das Puzzle erneut, diesmal ohne hilfreiche Worte, sodass wir nach den ersten vergeblichen Ratespielchen („Gehört die Stange jetzt nach links oder nach rechts? Was ist eigentlich das hier?“) doch die bebilderte Aufbauanleitung aus der Info-Mappe zu Hilfe nahmen. Nach zwei Stunden (inklusive alles noch mal von vorn) stand das Zelt in all seiner Pracht, sogar die Gardinen waren schon angeknöpft.

noch ohne Gardinen

Jetzt haben wir Platz, so viel Platz! Wir wissen gar nicht, was wir da alles hinstellen sollen. Morgen fahren wir noch einmal zum Laden, um einen passenden Zeltboden zu kaufen, unser inzwischen weitergereiste und zuverlässige Boden, den wir vor sechs Jahren auf unserer Tour in Schottland gekauft hatten, ist leider zu klein.

Unterwegs!

Nachdem wir ein paar Tage länger als gedacht zuhause verbracht haben, sind wir nun wieder unterwegs und erst einmal in der Nähe von Bad Salzuflen angekommen. Wir reisen ja selten mit einer konkreten Route im Kopf, sondern nur mit einer ungefähren Richtung. Die wies in den Südwesten Deutschlands, solange das Wetter noch mitspielen würde. Zwischenzeitlich erwarben wir aber fernmündlich ein neues Vorzelt für den Wohnwagen, das zu günstigen Konditionen eben in Bad Salzuflen steht. Das wollen wir, quasi auf dem Weg, abholen und damit weiterfahren. Unser „leichtes Reisevorzelt“ hat die letzen Sturmtage in Dänemark etwas beschädigt überstanden, wurde schon repariert, aber gleichzeitig für zu klein empfunden. Wenn die Gelegenheit günstig wäre, wollten wir es austauschen. Dass die Gelegenheit so schnell günstig sein würde, hätten wir auch nicht gedacht. Nun ist es zuhause geblieben, und wir durchqueren kurz mal den halben Norden (Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen), um schließlich in Nordrhein-Westfalen ein neues Zelt zu kaufen.

Wir haben das Weserbergland durchquert und unser Auto zog brav den Wohnwagen bergauf und bergab hinter sich her, immer schön auf der rechten Spur in Kolonne mit den Lastwagen. Am Berg konnten wir manchmal einige überholen, bergab waren sie dann wieder dran, uns zu überholen. Und immer erinnerten uns die braunen Schilder daran, dass wir im Weserbergland unterwegs waren.

Über Land führte uns die Bundesstraße meist durch Felder oder Industriegebiete am Rande der Städte. Ganz, ganz kleine braune Schilder, niedrig am Straßenrand platziert, gaben nicht auf, für die Straße der Weserrenaissance zu werben. Allerdings sah die Umgebung wirklich nicht nach Renaissance aus. Mal sehen, was die nächsten Tage an Ein- und Ansichten so bringen.

Saisonende in Vikær

Ende September ist die Campingsaison auf dem Platz beendet. Alle (okay, fast alle, es gibt wohl Ausnahmen für Alteingesessene) Vorzelte werden abgebaut und die Wohnwagen auf dem Platz winterfest gemacht oder in die Winterlager verholt. An den letzten Wochenenden machte sich Aufbruchstimmung (oder sollte man eher von Abbruch sprechen?) breit. Überall hämmerte es (die Vorzelte der Dauercamper haben einen festen Holzfussboden) und die mit Tischen, Stühlen, Kühlschränken und sonstigen Dingen beladenen Anhänger pendelten quasi im Dauertakt zwischen Campingplatz und Lager. Auch die Boote in der Bucht wurden an Land gebracht, einige überwintern auf einem Wohnwagenstellplatz. Der Dünenstreifen und die Steilküste müssen komplett geleert werden, wir vermuten, aus Gründen des Naturschutzes.

Unter der Plane befindet sich der Holzboden. Einige werden aber auch abgebaut und eingelagert.

So nach und nach wurde es immer weniger, die Dauercamper verabschiedeten sich voneinander ‚bis zum nächsten Jahr‘. Ein bisschen überkam uns auch die Wehmut, da dieser Platz einfach bezaubernd ist. Aber für uns geht es ja noch weiter. Nach einem kurzen Ausrüstungsstop zuhause fahren wir in den Süden Deutschlands und nach Österreich, so ist zumindest der Plan. Wie immer, werden wir es etwas vom Thermometer abhängig machen, wo wir uns in den nächsten Monaten aufhalten werden.

Abschiedsfoto Diernæsbucht: „Vi ses igen!“

Unsere Pläne passen sich ja stets neu an. Seit kurzem wissen wir, dass wir wieder in die USA einreisen dürfen. Yeah! Die ersten Ideen für das Überwintern dort sind uns schon in den Sinn gekommen. Das Jahr bleibt spannend, die Berichte hier auch. Stay tuned!

Farvel! Farewell! Auf in den Süden!

Kolding

Die meisten von Koldings Top-Attraktionen, fast alle liegen nicht im Innenstadtbereich, haben wir bereits gesehen. Aber noch nicht die Innenstadt, nur einmal haben wir uns in ihr verfahren, als wir auf der Durchfahrt waren. Diesmal also hinein, ausgerüstet mit einer Liste von Genbrugs-Läden. Die meisten liegen zwar auch nicht in der Innenstadt, aber mit irgendeinem Anhaltspunkt muss man ja arbeiten.

So gegen 11 Uhr kamen wir los. Wir hätten uns noch mehr Zeit lassen können, denn die ersten angefahrenen Läden öffneten erst um 13 Uhr. Danach verfranste sich das Navi in der kürzlich erfolgten Umgestaltung der Straßenverläufe und das recht gründlich. Danach beschlossen wir, lieber der Parkplatzausschilderung in die Innen-Innenstadt zu folgen. Das funktioniert erfahrungsgemäß gut.

Wir landeten auf einem Platz mitten in der Altstadt, quasi der Hinterhof des umliegenden Karrees. Das Parken war kostenpflichtig und das Erlangen einer Erlaubnis spannend. An dem Gerät musste zuerst angegeben werden, ob man das Parken beginnen oder beenden möchte. Dann sollte das Nummernschild eingetippt werden. Bei einem dänischen Kennzeichen wird anschließend die Marke und der Typ zum Abgleich angezeigt. Unser Nummernschild war dementsprechend falsch, man konnte aber versichern, dass man korrekt getippt hatte. Ein Abgleich mit der Datenbank der zentralen Zulassungsstelle ergab natürlich, dass unser Wagen nicht dort registriert war. Wir durften trotzdem parken und als nächsten Schritt die Kreditkarte einführen. Die wurde angenommen und uns bestätigt, dass wir kein Papierticket benötigen würden. Der Erkundigung der Innenstadt stand nichts mehr im Wege.

Kolding besitzt eine sehr kleinteilige Innenstadt mit einigen schön erhaltenen Gebäuden aus der Renaissance.

Borchs Hof, 1595 als Apotheke und Wohnhaus gebaut, gilt als eines der großartigsten Stadthäusern der Renaissance in Dänemark. Nach deutschem Vorbild erbaut, wurde das Giebelhaus reich mit Schnitzereien verziert.

Das älteste Stadthaus Koldings steht nicht weit entfernt. Es wurde 1589 als Werkstatt und Wohnhaus für einen Schuhmacher gebaut und blieb bis 1915 im Eigentum der Familie. Auch dies ein Giebelhaus nach norddeutschem Vorbild, allerdings finden sich nur einzelne Schnitzereien zwischen den Fenstern.

Hinter dem Haus befindet sich heute ein kleiner öffentlicher Bürgergarten. So konnten wir auch die Kanonenkugel im Giebel entdecken (vierte Gefachreihe, zwischen den beiden Fenstern). Die stammt aus dem Kampf um Kolding im April 1849 und wurde dort eingemauert.

Die Süderbrücke über die Kolding Au war ursprünglich aus Holz und diente als Zollstelle zwischen dem dänischen Königreich und dem Herzogtum Schleswig. Um dem steigenden Verkehrsaufkommen Rechnung zu tragen, der Hauptverkehrweg zwischen Deutschland und Dänemark lief bis 1942 hier drüber, wurde die Holzbrücke 1808 durch eine Granitbrücke ersetzt.

Kolding wurde bereits 1231 das erste Mal urkundlich erwähnt und liegt erst seit der Grenzziehung 1920 nicht mehr am direkten Rand des Königreichs. Kolding Hus wurde im 13. Jahrhundert als Verteidigungsburg gegen die Herzogtümer aus dem Süden angelegt, wurde aber im 16. Jahrhundert zu einem der bevorzugten Wohnschlösser der Königsfamilie umgebaut, bis es 1808 in einem Feuer zerstört wurde. Nachdem das Schloss als Ruine zu verfallen drohte, wurde es umfassend renoviert und beherbergt heutzutage Teile der königlichen Kunstsammlung.

Der Burgsee im Hintergrund wurde im 16. Jahrhundert angelegt. Die Nutzung war ausschließlich dem jeweiligen König vorbehalten. Allerdings lag immer ein Ruderboot bereit, falls einem der königlichen Gäste nach einer kleinen Bootsfahrt zumute war. Auf den vier Ecken des ebenfalls Ende des 16. Jahrhunderts errichteten Turms standen früher vier Statuen aus der griechischen und römischen Mythologie, Hannibal, Scipio, Hektor und Herkules. Jeder hielt ein Wappen eines der wichtigen Länder im Besitz des Königs. Heutzutage steht nur noch Herkules mit dem schwedischen Wappen oben auf dem Turm und blickt in die Welt.

Nach einer Umrundung des Gebäudes trieb der Hunger uns zurück zu unserem Auto und dem bereits oben erwähnten Parkautomaten. Diesmal wurde auf ‚Parken beenden‘ gedrückt, das Autokennzeichen eingegeben und nach Aufforderung die Kreditkarte eingeschoben. Schwupps, verparkten Betrag abgebucht, Kreditkarte wieder raus, und wir konnten ab ins Auto und zurück zum Campingplatz fahren. Easy!!

Slivsø rundt

Seitdem wir Vikær Strand Camping kennen, warten wir auf das perfekte Wetter (Sonnenschein und relative Windstille), um den nahen Slivsø (ein See) mit dem Fahrrad zu umrunden.

Nun, am Ende des Sommers, war es endlich soweit. Es konnte losgehen. Es gibt zwei Wander- bzw. Fahrradrouten, die, wenn man sie verknüpft, eine Rundtour von ca. 9 km ergeben (plus der An- und Abfahrt vom Platz). Kurz nachdem wir den Campingplatz verlassen hatten, wies ein Hinweisschild uns auf den Fahrradweg hin. Wir fuhren auf einem kleinen Deich durch das Sommerhausgebiet von Diernæs und erreichten schließlich die Teerstraße, die uns nach einer kurzen bergauf-Fahrt nach rechts abbiegend zu einem der Info-Punkte am See führte.

Von dort wollten wir den See gegen den Uhrzeigersinn umrunden. Der Anfang war prima, der Weg war gut zu fahren. Nach recht kurzer Zeit waren wir am ehemaligen Pumpwerk, das nun als Aussichtsplattform dient.

Der Slievsø war ganz früher ein kleiner Fjord mit einer Verbindung zur Ostsee. Die Strömung schwemmte immer mehr Sand davor, bis eine Art Deich entstand. Gleichzeitig führte die Hoptrup Au immer mehr Pflanzenreste mit sich, so dass der Fjord stetig flacher und flacher wurde und sich zu einem Süßwassersee wandelte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Bedarf an Lebensmitteln in Dänemark so hoch, dass es wirtschaftlich erschien, jede mögliche Ackerfläche zu nutzen. So wurde der See in den 1950ern mit Hilfe von Kanälen und Pumpstationen trockengelegt, um die fruchtbare Erde als Äcker zu nutzen. Ein verstärkter landwirtschaftlicher Anbau ging allerdings einher mit einem Anstieg im Stickstoffdüngerverbrauch, der wiederum die Wasserqualität in der Diernæsbucht beeinträchtigte. 2003 war dann Schluss mit der Ackerei und ein Jahr später begannen die Renaturierungsarbeiten, die auch dazu führten, dass in die Diernæsbucht und den Kleinen Belt jährlich 90 Tonnen weniger Stickstoff eingetragen werden. Nun ist der Slievsø der drittgrößte See im Süden Jütlands mit einer beeindruckenden Vogelwelt (ungefähr 190 Arten). Mit einer entsprechenden Erlaubnis, die man beim Kaufmann in Hoptrup kaufen kann, darf man auch am See angeln.

Die Wege sind auf der Karte gut zu erkennen, allerdings sollten wir das Kartenlesen noch wieder üben. Wir begannen auf der rechten Seeseite. Wenn man die Karte genauer betrachtet, ist schon ein grafischer Unterschied zwischen beiden Wegen zu erkennen. Der fiel uns jedoch nicht wirklich auf. Den Unterschied sollten wir aber noch sehr stark spüren.

Doch zunächst wurden wir am Ende des ersten Teils (oder an seinem Anfang, je nachdem, von wo aus man startet) in Hoptrup von einer schön gestalteten Freizeitanlage empfangen, komplett mit Info-Tafeln, Toiletten, Grillplatz, Shelter zum Übernachten, Spiel- und Grillmöglichkeiten.

Uns zog es aber zum Kaufmann und dort zum integrierten Bäcker, um leckeres Gebäck für das Kaffee- und Kuchengelage am Ende der Tour zu kaufen. „Leider“ passte der Kuchen nicht in voller Länge in die Packtasche, sodass wir einen Teil gleich am Parkplatz verzehren konnten. Schmeckte auch mit Wasser gut!

Auf zum zweiten Teil, der kürzeren Teilstrecke. Fast hätten wir die Einfahrt verpasst.

So bequem ging der Weg leider nicht weiter. Nachdem uns zwischen Feldrand und Hecke Brennnesseln und Brombeeren den Platz streitig machten, ging es anschließend durch mannshohen Schilf. Gefahren waren wir da schon länger nicht, auch das Schieben des Rades wurde schwieriger.

Mannshoch ist nicht übertrieben, wie man an Kay erkennen kann.

Wo Schilf wächst, muss es feucht sein. An den Stellen, an denen es nicht nur feucht, sondern wirklich nass wurde, waren vor langer Zeit einmal Holzgitterplatten ausgelegt worden. Wenn man Glück hatte, konnte man sie rechtzeitig unter dem überwachsenden Grünzeug sehen. Dann musste nur noch entschieden werden, ob die Schuhe oder das Fahrrad einen etwas leichteren Weg hatten. Für beide reichte es nicht. Der Schilf und die Brennnesseln, ebenfalls reichlich hoch gewachsen, wickelten sich zusätzlich um Pedale und in Speichen. Schön war das alles nicht! Dafür schweißtreibend, denn die Sonne meinte es sehr gut mit uns.

Wie auf der Karte (s.o.) zu sehen ist, führte der Pfad (wenn man ihn denn so nennen kann) um einen Bauernhof herum. Einfacher wäre natürlich der Weg über deren Grund und Boden gewesen, der war aber durch eine Kette abgesperrt. Der nächste Abschnitt sollte anders schweißtreibend werden, es ging am Feldrand entlang, wir konnten etwas fahren. Dann aber führte der Weg ziemlich steil hügelaufwärts, die Räder mussten erneut mehr getragen als geschoben werden.

Ein kleiner Lohn für die Mühen waren Brombeeren und der tolle Ausblick auf den See.

Dann folgten viele Treppenstufen hinab in das tief eingeschnittene Autal, über eine Brücke quer drüber und dann wieder treppauf. Natürlich mussten die Räder getragen werden, beide von Kay, ich konnte einfach nicht mehr.

Nach einer wohlverdienten und notwendigen Pause war der restliche Weg ein Kinderspiel, trotz Feldrand durchgängig befahrbar, weil gemäht. Hier scheint ein anderer Landwirt die Verantwortung für den Erhalt des Wanderwegs zu haben.

Als wir rechtschaffen müde und hungrig auf dem Campingplatz waren, ließen wir uns den mitgereisten Kuchen schmecken. Wir hatten erfolgreich den See umrundet, den Radweg genutzt und den Wanderweg erfolgreich mit schwerem Gepäck gemeistert. Nur das genauere Kartenlesen sollten wir beim nächsten Mal beherzigen.