Bärchen-Alarm

Auf dem Campingplatz im Badischen fragten sie uns etwas irritiert, was wir denn bloß in Bonn wollten. Okay, unser aktueller Platz kann wirklich nicht mit dem Lug-ins-Land-Platz mithalten. Die Dauercampingplätze haben in ihrer piefigen Kleingartengestaltung eher Ähnlichkeit mit dem Platz im Lipperland, zum Duschen benötigt man eine Duschmünze für vier Minuten warmes Wasser (wobei vier Minuten viel länger sind als gedacht), und nachts (nach 22 Uhr) gibt es kein heißes Wasser mehr.

Dafür gibt es in Bonn ja Beethoven, viele Kunstmuseen und die bedeutenden Gebäude unserer westdeutschen Demokratie. Und – es gibt den Hans Riegel aus Bonn, uns allen besser bekannt durch die Produkte mit seinen Anfangsbuchstaben: Ha Ri Bo. Genau, Haribo wird hier hergestellt, und es gibt in Bad Godesberg einen Fabrikverkauf.

Zu Kunst und Kultur passen Gummibärchen doch irgendwie auch. Im Laden sind wir vom Angebot etwas überwältigt. Das gesamte Angebot in kleinen und großen Tüten und in noch größeren Töpfen. Dazu bestimmte Naschis, die es nur in Dänemark (Lakritzpflaumen), Frankreich, Spanien und anderen europäischen Ländern zu kaufen gibt. Und Gummibärchen in ausschließlich einer Farbe im Kilopaket (Wer ist auch schon gern die weißen?).

In sogenannten Überraschungskisten zu drei oder sechs Kilo gibt es eine bunte Mischung der Produkte. Da wir das meiste Gummizeugs nicht mögen, trauen wir uns nicht, so eine braune Black Box zu kaufen.

Wir nehmen ein bisschen Konfekt und ein paar Schnecken mit und etwas von dem jahreszeitlich wechselnden Angebot und ein bisschen hiervon und davon. Unser Einkaufswagen ist trotzdem nicht so voll wie die der anderen Personen. Und wir wollen ja auch gar nicht alles alleine aufessen!

Reste von „Hariween“ standen auch noch herum.

BTHVN 2021

Nachdem das Beethoven-Haus bei unserem Besuch 2019 wegen Renovierung geschlossen hatte und 2020 die Jubiläumsfeierlichkeiten (und unser Besuch) wegen Corona ausfielen, wollten wir nun 2021 hin. Es ist Montag, alle Museen in Bonn haben montags geschlossen – nur das Beethoven-Haus nicht. YEAH!

Im Vorwege ein Zeitfenster-Ticket zu buchen war auch nicht notwendig. Sind nicht mehr so viele Besucher unterwegs im November, und die, die da sind, machen wohl eher Pre-Christmas-Shopping.

Die Weihnachtsbeleuchtung wird auch hier schon installiert; in der Sternstraße leuchten sogar schon die Sterne.

Beethoven entgeht man nicht in Bonn, überall steht er herum. Ein stilisierter Kopf findet sich sogar auf den grünen Ampeln. Das folgende Denkmal haben „musikalisch interessierte Kreise“ (u.a. Franz Liszt) anlässlich des 75. Geburtstags gestiftet. Eingeweiht wurde es mit königlicher Anwesenheit (Preußen und England) und einem dreitägigen Musikfest, dem ersten Bonner Beethovenfest.

Das Museum mit allerlei Gegenständen, die sein Leben bebildern, befindet sich in seinem Geburtshaus, wobei, seine Eltern bewohnten nur das Hinterhaus. Unter dem Dach war ihr Schlafzimmer, jetzt steht da gerade eine tolle Videoinstallation (leider darf man in den Häusern nicht fotografieren). Wahrscheinlich (oder hoffentlich, für Mutter und Kind) ist Beethoven aber in der Küche im Erdgeschoss zur Welt gekommen, schließlich war es Dezember und nur in der Küche geheizt.

Vorderhaus von vorne
Vorderhaus und Hinterhaus (rechts)

Im Garten darf man Fotos machen, natürlich guckt einen der Meister auch hier von überall her an.

Der Verein hat das Haus nebenan (Nr. 18) ebenfalls gekauft und im Zuge der langjährigen Renovierung neue Räume installiert. Unten in der „Schatzkammer“ sind originale Handschriften ausgestellt, die mehrstufige Arbeitsweise Beethovens wird multimedial sehr anschaulich vermittelt. Im „Musikzimmer“ wird die Mondscheinsonate auf dem Hammerklavier gespielt, während man der Handschrift per Präsentation genau folgen kann.

links Haus Nr. 18

Das Beethoven-Haus hat kein Café (mehr), es lief schon vorher nicht so gut, und Corona brachte dann das (vorläufige) Aus. Aber wir wissen noch vom letzten Besuch, wo man sehr guten Kuchen und Kaffee bekommen kann, bei Fassbender (Dreieck, Ecke Sternstraße). Heute gibt es einen Weckmann (gibt es nur im November, im Dezember hat er noch eine Wichtelmütze auf), den letzten, er ist nur noch einäugig. Die Verkäuferin fasst es nicht, dass wir Weckmänner nicht kennen! Unsere im Norden heißen halt Stutenkerle, das erzählen wir ihr aber nicht, denn sie wird nicht müde, uns von den Weckmännern zu erzählen. Und nur die bei Fassbender haben Butterstreusel (Soll es der Bart oder der Pfeifenrauch sein?) oben drauf, das wiederholt sie mehrmals. Die Verkäuferin pult mit der Kuchenzange noch eine Rosine aus dem Apfelstrudel nebenan heraus, und mein Weckmann blinzelt mich wieder aus beiden Augen an.

Weckmann mit „Glasauge“.

Er mundet mir ungemein, und die Tonpfeife nehme ich mit. Die gilt zwar als „Männlichkeitssymbol“, ist mir aber egal. Heiße Schokolade aus Zartbitterschokolade am Stiel passt sehr gut dazu.

Aufbruch und Reisetag

So langsam wird es Zeit, das Markgräflerland wieder zu verlassen. Wie schnell doch die Zeit vergehen kann. Wir haben viel gesehen und leckere Dinge gegessen und getrunken.

Der Ahornbaum, unter dem wir stehen, zeigt uns deutlich, wie die Zeit vergangen ist.

11.10., noch mit grünem Laub,
29.10., inzwischen gelbe Herbstfärbung,
02.11., das Laub am Baum wird deutlich weniger,
06.11., und weniger!

Am letzten Abend bleibt unsere Küche kalt, es gibt Wildbratwurst und Hirsch-Pils im Campingplatzrestaurant.

Nun geht es aus dem Südschwarzwald und dem Oberen Rheingebiet wieder Richtung Norden, wir fahren an die Goldene Meile links des Rheins ins Mittlere Rheingebiet.

Die Fahrt geht sehr gemütlich mit Tempomat über die A5, bis wir plötzlich und sehr unerwartet Richtung Frankreich abbiegen sollen. Okay, wir vertrauen dem Navi und finden uns kurze Zeit später auf der französischen Autobahn links des Rheins wieder. Auch hier ist nichts los. Wir gewöhnten uns grade an die französische Beschilderung und unterhielten uns über die Maginot-Linie, an der wir entlang fahren (nur das braune Hinweisschild, alte Bunker oder so etwas sehen wir nicht), da kommen schon die alten und ziemlich heruntergekommenen Grenzanlagen in Sicht. Schon sind wir wieder in Deutschland, hatten aber ein kleines Teilstück abgekürzt. Weiter geht es über wenig befahrene Autobahnen (bis auf die Sonntagsfahrer, die unbedingt ihre hochmotorisierten Boliden ausfahren mussten), durch einige Baustellen, über den Hunsrück, durch das terrassierte Moseltal, und schließlich hinunter an den Rhein. Bevor die Sonne ganz hinter den Wolken verschwindet, sind wir am nächsten Campingplatz angekommen, warten nur kurz auf den Platzwart, denn ab November ist die Rezeption nur noch auf Zuruf besetzt, und schon richten wir uns auf den Stellplatz direkt am Rhein ein.

Die kurze Geschichte, wie wir anstelle einer Rheinüberquerung um die Schweiz zu sehen auf einem Berg im Breisgau gelandet sind, um den Schnee zu sehen

Nach den vielen Regentagen sollte es heute zwar kalt, aber trocken bleiben; beste Bedingungen für einen Ausflug. Wir wollten mit der Bahn nach Bad Säckingen am Hochrhein fahren, ca. 35 km flussaufwärts. Dort gibt es eine gut 200 Meter lange, gedeckte Holzbrücke (die längste dieser Art in Europa), die in die Schweiz führt. Schon seit tausend Jahren steht an dieser Stelle eine Brücke, immer mal wieder wurde sie zerstört und dann wieder aufgebaut.

Um die Einleitung kurz zu halten: Wir verpassten den Zug, der nur alle zwei Stunden in die Richtung fährt, um 30 Sekunden. Wir sind uns nicht sicher, ob der Zug überhaupt gefahren ist, denn wir müssen zweimal durch die Bahnunterführungen gehen. Wir hätten doch etwas hören müssen. Dass die farbbesprühten Lärmschutzwände so gut schützen, ist kaum vorstellbar.

Egal, der Zug war nicht da, als wir da waren. Was tun? Der nächste Zug würde nach Freiburg fahren, zwanzig Minuten später. Da die Sonne schien, warteten wir. Wir warteten dann noch einmal fünfzehn Minuten länger, dieser Zug hatte Verspätung. Nein, wir waren nicht übermäßig genervt. Der Zugführer erzählte später, dass er den Zug kurz vor der Abfahrt in Basel umsetzen musste, da sich ein ICE quer über alle Weichen gestellt hatte. Da ist man dann doch froh, dass man mit der Konus-Gästekarte nur die RB benutzen darf.

Kurz vor Freiburg begann es in Strömen zu gießen, wir waren, da wir ja eigentlich in die andere Richtung fahren wollten, auf trockenes Wetter mit Sonnenschein eingestellt. Doch als wir aus dem Hauptbahnhof traten, war ein blaues Himmelsloch über uns. Perfekt, dann vielleicht statt des Museumsbesuches doch eine kleine Wanderung.

Die Straßen sind noch nass vom Regen, und die Weihnachtsbeleuchtung wird schon aufgehängt.

Doch zunächst benötigten wir eine kleine Stärkung. Das kleinste Freiburger Wahrzeichen ist die „Lange Rote“, die Münsterwurst. Sie wird auf den Münstermarkt verkauft und schmeckte uns gut.

Laut Prospekt ein „absolutes Muss für jeden Freiburg-Besuch“, und zu lang für‘s Brötchen, wird schon gleich zerteilt.

Dann ging es weiter Richtung Schlossberg. Wir wollten ganz nach oben zum Aussichtsturm. Die Schilder führten uns mehr oder weniger, wenn sie nicht besprüht, eingewachsen oder an einigen Weggabelungen schlicht nicht montiert waren.

Ganz früher, also seit dem 11. Jh. stand oben drauf auch eine Burg, die Burghaldenschloss genannt wurde. In der wechselhaften Geschichte Freiburgs wurde sie befestigt, erobert, in eine Festung einbezogen, um dann Mitte des 18. Jh. doch komplett zerstört zu werden. Vom Kanonenberg auf gefühlt der halben Strecke hat man schon einen sehr schönen Ausblick. Wir mussten nur den vielen Schlammpfützen ausweichen und dem sehr jungen Liebespaar, das die einzige Bank knutschend besetzte.

Blick in den südlichen Schwarzwald
Blick auf Freiburg, natürlich mit Münster
auch Freiburg, diesmal mit der Brauerei Ganter (gelbe Gebäude) im Zentrum

Vor 150 Jahren wurde damit begonnen, den Schlossberg als Naherholungsgebiet zu gestalten. Es gibt viele Wege von breit bis schmal und Treppen, so dass man auf unterschiedlichen Wegen unterwegs sein kann. Wir schlängelten uns die Wege bergauf, manchmal in Serpentinen, manchmal etwas querfeldein, Hauptsache, der Pfad führte bergauf. Insgesamt stiegen wir in relativ kurzer Zeit ca. 53 Höhenmeter hinauf. Da war er endlich zu sehen, der Turm:

Natürlich wollten wir da auch noch hinauf, um den Rundumausblick zu genießen und die schneebedeckten Berge des Schwarzwalds zu fotografieren. Gesehen hatten wir sie schon aus dem Zugfenster bei der Hinfahrt. Aber unser Kreislauf machte nur bis zum ersten Plattformring mit. Für ein Foto reichte es, dann mussten wir schnell wieder hinunter.

Bergab geht es ja immer schneller, es blieb nicht einmal Zeit für Fotos. Unten am Schwabentor kamen wir wieder in die Altstadt.

Nach einer weiteren Stärkung traten wir wieder den Heimweg an.

Wir hatten Glück, während unseres gesamten Aufenthalts in Freiburg blieben wir trocken.
Übrigens war Erasmus von Rotterdam auch in Freiburg für eine Weile ansässig. Kein Wunder, Freiburgs Universität wurde bereits 1457 gegründet. Erasmus wohnte von 1529 bis 1531 hier im Haus zum Walfisch mit dem auffälligen spätgotischen Portalerker.

Kandern hat ´nen Macke

Kein Schreibfehler, es handelt sich um August Macke. Der verbrachte bis zu seinem frühen Tod viel Zeit in Kandern: „Ich kenne keinen Ort, der derart klassische Motive aufzuweisen hätte wie dieses herrliche Kandern“, schrieb er in einem Brief an seine zukünftige Frau. Aus diesem Grund gibt es in dem Ort einen August-Macke-Rundweg, und aus diesem Grund sind wir hier. Und weil wir einen der allerletzten warmen Tage ausnutzen wollten für einen kleinen Spaziergang in der Sonne.

Wir sind mit dem Auto gefahren, die historische Dampfeisenbahn, s’Chanderli, fährt nur in der Saison und die Busverbindung ist recht dürftig. Um die Schilder des Rundwegs zu finden, muss man an vielen Stellen pfadfinderisch begabt sein, so klein und versteckt sind sie manchmal angebracht. Dafür führt uns der Weg durch Ecken von Kandern, die wir ohne den Rundweg niemals gefunden hätten.

Einen Plan aus Papier gibt es auch, doch dort ist der Weg sehr idealisiert eingezeichnet.

Schon als Jugendlicher hielt Macke sich in Kandern auf. Er wohnte bei seiner älteren Schwester, die den Wirt des Gasthauses „Krone“ geheiratet hatte, fuhr mit der Kutsche Gäste durch das Markgräflerland, zeichnete und schrieb.

Später zog seine Mutter ebenfalls von Bonn nach Kandern und wohnte bei ihrer Tochter im Gasthaus. Beide Frauen sind auf dem hiesigen Friedhof beigesetzt. Die Gräber liegen natürlich auch auf dem Rundweg.

Macke hielt Ansichten der Stadt und der Umgebung in seinen Gemälden fest. Heute gibt es zahlreiche Gebäude zwar nicht mehr, aber an einigen Stellen kann man die Motive noch gut nachvollziehen.

Vielleicht stand an dieser Stelle die Staffelei für das Bild „Wäsche im Garten in Kandern“ von 1907.
So ähnlich sieht es auf dem Bild „Straße mit Kirche in Kandern“ von 1911 aus.

August Macke zog dann, wie so viele junge Männer und Malerfreunde damals, freiwillig und begeistert in den I. Weltkrieg. Total bescheuert und schade um die Bilder, die nicht mehr gemalt werden konnten. Nach der Tunisreise 1914 hielt er sich noch einmal einige Wochen mit seiner Familie in Kandern auf und malte eine letzte Serie von Aquarellen mit Ansichten der Umgebung.

Dieser Blick stand Motiv für „Kandern IV“ von 1914.

Zurück in Bonn, seinem Heimatort, zog er in den Krieg und fiel gleich im selben Jahr in Frankreich, 27-jährig. Er hinterließ eine Frau und zwei kleine Kinder. Auch nach dem Tod des Ehemanns/Vaters kamen die drei immer wieder zu Besuch nach Kandern, die Schwiegermutter und Schwägerin lebten dort weiterhin.

Der Rundweg führte zum Teil an dem Flüsschen Kander entlang.
Gleich sind wir auf der Holzbrücke.
Das Krebsschutzblech auf der oberen Stufe verhindert, dass invasive Signalkrebse flussaufwärts wandern und die heimischen Arten Dohlenkrebs und Edelkrebs mit der Krebspest infizieren und aussterben lassen.

Die örtliche Sekundarschulen heißt, wen sollte es verwundern, August-Macke-Schule. Sie liegt nicht nur wegen ihres Namens auf dem Rundweg, sondern weil die Schülerinnen und Schüler einen Wandfries mit Motiven Mackes gestaltet haben, was das Gebäude wirklich aufwertet.

Nach dem Rundgang hat Kandern für uns aber nicht mehr viel zu bieten. Auf einen Besuch des Keramik- und Heimatmuseums verzichten wir. Das wäre vielleicht noch interessant gewesen, denn Kandern gilt als Keramikstadt und auch Macke gestaltete selbst Keramiken. Uns genügt der Blick auf das Haus des Keramikmeisters Hakenjos auf dem Rückweg zum Auto. Es wurde auch langsam kühl.

31. Oktober 2021

Da die Internetverbindung hier im Rheintal, sagen wir mal freundlich, bescheiden ist, kommen viele Beiträge etwas zeitversetzt.

Hier in real time mein Beitrag zum heutigen Reformationstag:

Gerade eben kam aber auch schon das erste Halloween-verkleidete Kind, eine kleine Hexe, am Vorzelt vorbei und sprach: „Süßes oder Saures!“ Wie gut, dass wir gestern noch einkaufen waren.

Basel 3 – d Mäss

Gerade jetzt läuft die traditionelle Herbstmesse in Basel, ein Ereignis, das seit dem Mittelalter immer stattfindet, es sei denn, die Pest, die Cholera, die Spanische Grippe oder Covid-19 lässt sie ausfallen. Wir würden für den Teil der Mäss, die diesmal zum 550-Jahr-Jubiläum in der Innenstadt auf sieben Plätzen gleichzeitig stattfindet, Jahrmarkt sagen. Es handelt sich um die größte und älteste Vergnügungsveranstaltung in der Schweiz, über 500 Jahre alt.

Hääfelimäärt ist übrigens der Markt, auf dem man Keramiken kaufen kann, Hääfeli ist ein Becher.
Am Münster steht traditionell das Riesenrad.

Der Münsterplatz z.B. ist dabei eingezäunt. Hier stehen die Fahrgeschäfte des Jahrmarkts, vor allen das traditionelle Riesenrad, eingezäunt, damit die Kontrolle der Coronabestimmungen leichter durchzuführen ist. Unter Vorlage der Impfbescheiningung holt man sich im Vorwege ein Armband, das zum Zutritt für alle Tage berechtigt. Wenn man nur ein Testzertifikat hat, bekommt man ein Tagesarmband. So funktioniert es auch am Standort Messe, wo die Fahrgeschäfte der Kleinbasler Seite zu finden sind.

An anderer Stelle gibt es eher Kunsthandwerk zu kaufen, in der Mischung so ähnlich wie bei uns auf den Weihnachtsmärkten, nur ohne den Weihnachtskram natürlich, denn auch hier wird es später noch einen Weihnachtsmarkt geben.

Die Buden mit den Naschereien stehen ebenfalls konzentriert an einer Stelle. Man kann interessante Dinge kaufen: Mässmogge, Biberfladen, Birnenweggen. Wir wählten die gebrannten Mandeln, sicher ist sicher.

Ein bisschen Recherche (wenn der Hotspot denn auf eine stabile Funkwelle trifft) ergibt später folgende Erkenntnis: Mässmogge sind Bonbons, daumennagelgroß und mit Haselnusscreme gefüllt; Biberfladen sind eine Appenzeller Lebkuchenspezialität und Birnenweggen eine Hefeteigroulade gefüllt mit gedörrten Birnen. Da waren die gebrannten Mandeln für uns wirklich bekömmlicher.

Mässmogge

Wem der Sinn eher nach herzhaften Dingen ist, zur Auswahl stehen diese interessanten Speisen:

Einiges lässt sich leichter entschlüsseln. Schùnggegipferli sind mit Schinken gefüllte Hörnchen (Kipferl).

Wir gehen zum Michel-Stand am Petersplatz, laut Moni und Peter gibt es hier die beste Wurst. Neben Kalbsbratwurst gibt es noch Burebratwurst, Rauchwurst, Goldwurst (Klöpfer), Jenzerli (Wienerli) und Merquez. Nachdem der sehr geduldiger Bratwurstbräter die Fleischarten aller Wurstsorten erklärt hat, entscheiden wir uns für die Merquez, Lamm und Rind, schön scharf gewürzt.

Dazu gibt es das Nationalgetränk der Schweiz, Rivella, kohlensäurehaltig, alkoholfrei und mit 35% Milchserum, das nur noch die wasserlöslichen Bestandteile (Lactose, Mineralstoffe, wasserlösliche Vitamine) der Milch enthält. Schmeckt erfrischend, nicht süß und nach keinem bestimmten Aroma.

Rivella Blau, nur 7 kcal, seit 1959 auf dem Markt

Auf dem Rückweg zum Badischen Bahnhof dämmert es schon, und an der Messe sieht es nun aus, als wäre ein Raumschiff gelandet, um die Besucher hochzusaugen.

Für uns heißt es „Uff Widerluege bis zem näggschte Mool, dangscheen!“

Eguisheim im Elsass, hier geht‘s immer im Kreis

Bisher hatten wir es noch nicht geschafft, mit Frankreich auch das dritte Land des Dreiländerecks zu erkunden. Es gab so gefühlt ein paar Hindernisse: unsere ÖPNV-Karte gilt dort nicht, das Auto war inzwischen unter einem Blätterhaufen verschwunden; der Rhein als Grenze hat hier wenig Brücken, die dann z.T. auch noch gesperrt sind; die Sprachkenntnisse reichen auch nicht wirklich.

Aber alles Quatsch! Im Elsass sprechen so viele Menschen auch Deutsch, und mal wieder bequem ins Auto zu steigen, ist auch schön. Eguisheim war ein Geheimtipp von der Rezeption, soll nicht so touristisch und überfüllt wie Colmar sein. Und – stimmt!!

Der Grundriss des Ortes sah schon auf GoogleMaps interessant aus, relativ kreisrund, stadttypologisch bekannt als „Zwiebelstadt“, sagt Wikipedia. Foto vom Prospekt.

In der Mitte befindet sich eine achteckige Burganlage (11. Jh.), geschützt von einer Stadtmauer aus dem 12. Jahrhundert. Im 14. Jahrhundert hat man dann eine weitere Stadtmauer drumherum gebaut. Dies geschah rein aus wirtschaftlichen Gründen. Im Innern lagen viele reiche Zehnthöfe.

Die gehörten den reichen Klöstern und Abteien in der weiteren Umgebung. Hier wurde der Handel mit Wein, Getreide und Holz getrieben. Aus Angst vor Plünderungen lagen sie gut geschützt im Innern der Stadtmauern. Zur Blütezeit im 17. Jahrhundert gab es 20 dieser Höfe, die machten die Stadt sehr wohlhabend.

Im 16. Jahrhundert wurden an die Innenseiten der zwei Stadtmauern Wohnhäuser angebaut, im Zwischenraum entstanden Ställe und Scheunen. So entstanden zwei Verkehrswege innerhalb des Mauerringes. So präsentiert es sich heute:

Wohnhäuser links, ehemalige Scheunen rechts
Der Taubenschlag, das meistfotografierte Motiv des Elsasses, diente als Hühnerstall und zur Aufzucht von Tauben für den Verzehr.
Der erste Stock ragt hervor, schafft mehr Platz, ohne die Fuhrwerke auf der Straße zu behindern.
Der ganze Ort ist farbenfroh, und es ist nicht laut hier!
Mitten hindurch führt die Grand Rue (elsässisch Hauptstross). Eguisheim gehört zu den schönsten Orten Frankreichs.

Bis zum 19.Jh. gab es zwei (eigentlich ja vier, wegen der Doppelmauer) Stadttore. Eines führte zu den Weinbergen, die den Reichtum der Stadt begründeten. Das andere führte in die Ebene, in Richtung der großen Handelswege, um den Wein gut zu verkaufen und den Reichtum zu mehren.

Hier stand bis 1845 das Obertor.
Am Markt: die Burg links, rechts davon die St.-Leo-Kapelle, ganz rechts auf dem Brunnen eine Statue von Papst Leo IX.

Auf dem Hügel stand schon seit der Römerzeit eine Burg. Die jetzige achteckige Burg entstand 1000, erbaut durch Graf Hugo IV von Eguisheim. Der hatte zwar schon drei oben in den Weinbergen, aber eine Burg mehr wird damals wohl auch nicht geschadet haben. Hugo und Helwige bekamen einen Sohn, Bruno von Eguisheim, der 1049 zum Papst Leo IX geweiht wurde. Die Kapelle zu seinen Ehren wurde im 19. Jh. auf den Fundamenten des Bergfrieds errichtet. Im Innern wird das Leben des Papstes in farbenfrohen Bildern dargestellt:

Eine kleine Auswahl: In der Mitte als Papst beim Vorsitz des Konzils von Reims 1049; links unten wird der kranke Bruno vom Hl. Benedikt geheilt; rechts unten wäscht er als Bischof von Toul den Armen die Füße.

Die Pfarrkirche St. Peter und Paul steht in der Nähe der Burg. Der Kirchturm ist der einzige erhaltene Teil der romanischen Kirche von 1220, der Rest stürzte 1807 ein. Danach wurde ein neues Kirchenschiff neben dem alten Standort erbaut.

Farbenspiel in der Kirche
Kirchenfenster von 1954 aus dem Atelier von Tristan Ruhlmann
„Die sich öffnende Jungfrau“ (Ende 13.Jh.)

Im Innern der Marienfigur ist die Dreieinigkeit abgebildet. Auf dem Konzil von Trient 1545 waren die Kirchenmänner überzeugt, dass die Jungfrau keine Dreieinigkeit geboren haben konnte und verboten solche Darstellungen. Die meisten wurden zerstört, es gibt jetzt nur noch knapp 60 auf der ganzen Welt.

Zum Abschluss des sehr informativen Rundgangs gab es noch Kaffee und Kuchen am Markt. Wir saßen draußen in der Sonne (Ende Oktober!).

Beim kleinsten der 32 Winzer am Ort kauften wir dann noch elsässischen Wein, ökologisch angebaut.

Bad Bellingen – Bad or bad

Unser Campingplatz liegt in einem Ortsteil von Bad Bellingen; der Bahnhof, zu dem wir immer gehen, liegt in einem anderen Ortsteil. Was liegt also näher, als auch mal nach Bad Bellingen selbst zu wandern. Der Weg durch die Weinberge ist sehr angenehm, nur sehr wenige Steigungen. Aber will man überhaupt nach Bad Bellingen?

Der Ort hat seinen ganz eigenen Charme, die Bauten aus den 1970ern und 1980ern überwiegen. Der lokale Heimatverein hat überall Dinge aufgestellt und mit Hinweisschildern versehen, deren Aufschrift durchgängig in Frakturschrift versehen ist. Ein Lift bringt die Menschen vom Kurpark nach oben, zur Straße mit einigen mehr oder weniger interessanten Geschäften. Es gibt auch eine Treppe, aber die ist lang. Die Züge donnern auf einem Viadukt durch das Oberdorf. Wobei der Bahnhof gut ist, denn dort halten auch die EC-Züge. Man kommt von Bad Bellingen einfach noch schneller irgendwohin. Und das Südbadische hier ist einfach eine schöne sonnenverwöhnte Gegend, das möchte man erkunden.

„Rhynase“ von 2005 auf dem Weg zwischen Weingärten und Ort
Eisenbahnviadukt (rechts), fertiggestellt 1848, 1907 erweitert
Unter den Bögen des Viadukts fand der Heimatverein die perfekten Abstellplätze für altes landwirtschaftliches Gerät.
Kirche
Ein Zimmer buchen, hier …
… oder doch hier?
Lift oder Treppe?

„Blumen sind das Lächeln der Erde“

Der Bäcker beim Rewe macht sehr gute Tortenstücke. Aber sonst bleiben wir lieber auf dem Campingplatz oder nehmen die Bahn irgendwohin. Das Bad bleibt besser für sich.

Basel 2 – Altstadt mit Basler Augen

Beim zweiten Treffen mit Moni und Peter zeigten sie uns Basels Altstadt, die zu den intaktesten Europas gehört, keine Schäden aus den beiden Weltkriegen. Basel ist über 2100 Jahre alt, schon die Kelten aus der Bronzezeit siedelten hier am Rhein. Die Römer machten Basel zu einem bedeutenden Handelsplatz, bevor dann mit dem Bau der Mittleren Brücke 1226 über den Rhein der Fernhandel eröffnet wurde.

Die Mittlere Brücke über den Rhein vom Münster aus gesehen, einer der ältesten Rheinübergänge überhaupt. Diese wurde 1905 neu erbaut.

Gleich unterhalb des Münsterhügels legt einer der insgesamt vier Personenfähren über den Rhein an. Sie bewegt sich an einem Seil befestigt (rechts oben im Foto) nur durch die Kraft der Strömung hin und her. Der Fährmann legt je nach Richtung einen Hebel um, und die Fähre setzt sich lautlos in Bewegung. Am Anleger bleibt das Boot mit Muskelkraft, der Fährmann hält sich an einem Pfosten fest. Die Fähren verbinden das Gross- mit dem Kleinbasel.

Das Münster ist das Wahrzeichen der Stadt. Wir waren zwar nicht drin, gingen aber durch den Kreuzgang mit den Grabplatten berühmter Personen der Stadtgeschichte hindurch, um auf den Rhein blicken zu können.

Das Basler Münster von der Seite.

Im 16. Jahrhundert gab es ein bedeutendes Druckereigewerbe, das viele humanistische Gelehrte anzog, die in Basel ihre Schriften in guter Qualität und großen Mengen drucken lassen konnten. Einer von ihnen war Erasmus von Rotterdam, 1536 im Basler Münster bestattet.

In diesem Haus wohnte er bei seinem letzten Aufenthalt in Basel als Gast des Buchdruckers Froben.
Das Rathaus am Marktplatz verliert trotz der Einrüstung nicht viel von seiner Farbigkeit.

Unter der Altstadt, auch unter dem Marktplatz, fließt der Fluß Birsig Richtung Rhein. Wenn man weiß, wie und wo, dann kann man dort hinabsteigen und bis zum Rhein laufen. Auf dem Foto sieht man den Beginn der Verrohung, die es erst seit gut 100 Jahren gibt. Davor wurde das Flusswasser von den dort ansässigen Handwerkern genutzt.

Die Baselstäbe, links der Stab für die Stadt Basel (oder auch für die beiden Basel), rechts der Stab für Basel-Land.
Der Fasnachtsbrunnen von Jean Tinguely auf dem Theaterplatz, alle sagen kurz Tinguely-Brunnen dazu.

Es gibt noch drei erhaltene Stadttore aus dem Mittelalter. Dies ist das Spalentor, eines der schönsten Stadttore der Schweiz. Erbaut wurde es anlässlich der dritten Stadterweiterung im 14. Jahrhundert, bald darauf mit einem Vortor versehen, da man Auseinandersetzungen mit dem Burgund befürchtete.

Spalentor von der Stadtseite aus gesehen
Spalentor von der damaligen Umlandseite aus gesehen

In der Nähe befindet sich mit dem Spalenhof ein Sitz reicher Kaufleute, 1247 urkundlich erwähnt mit Gebäudeteilen noch aus romanischer Zeit. Die Wandmalerei der Justitia stammt aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Im Keller befindet sich heute eine von vielen kleinen und großen Bühnen. Basel gilt als Kulturhauptstadt der Schweiz.

Rund um den Altstadtkern erheben sich im Gegensatz zu den vielen mittelalterlichen Bauten Glanzstücke der modernen Architektur. Nirgends finden sich so viele Bauten von Pritzker-Preisträgern wie in Basel. Dazu werden wir noch mal einen gesonderten Spaziergang machen. Hier nur noch ein Schnappschuss im Vorbeifahren vom Neubau des Universitäts-Kinderspitals beider Basel (UKBB) mit seiner tollen Aluminiumfassade, die je nach Standpunkt die Farbe wechselt:

Stump & Schibli Architekten, 2010