Wir sind in der Hauptstadt der Insel Lanzarote angekommen: Arrecife. Wikivoyage schreibt: „…allzu viele Sehenswürdigkeiten hat die Stadt auch nicht zu bieten“. Wir sind gespannt. Aber zuerst müssen wir den vorletzten Stopp vor der Atlantiküberquerung nutzen, um Schuhe zu kaufen. Kays Abendschuhe geben demnächst den Geist auf und wir wissen nicht, ob sie noch die nächsten zehn Tage durchhalten werden. Es gibt eine Filiale von Deichmann in Arrecife.
Die Anthem of the Seas hat am Puerto de Naos angelegt, der Fußweg in die Innenstadt ist ab der Mole mit einer blauen Linie auf dem Boden gekennzeichnet. Mit uns zusammen laufen sehr viele Touristen am Seglerhafen vorbei in die Stadt.

Insgesamt docken hier gerade drei Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig an (unser Schiff ist das linke.) Am ersten Kreisel geht die Masse nach links Richtung Innenstadt, wir halten uns rechts.

Wir kommen am Krankenhaus, an einer Schule und an Autoreparaturbetrieben vorbei, bis wir schließlich an der Shopping Mall ankommen, einem nach allen Seiten offenen Gebäude.

Dort erkunden wir das gesamte Erdgeschoss, aber Deichmann ist nicht zu sehen. Es dauert eine Weile, bis wir realisieren, dass es im Untergeschoss nicht nur das Parkhaus gibt, sondern auch noch Geschäfte. Mit neuen Schuhen im Rucksack geht es Richtung Innenstadt.

Dort gehen wir an der El Charco de San Gines entlang, einer Salzwasserlagune mitten in der Innenstadt. In den Häusern rundherum wohnen (oder wohnten) die Fischer mit ihren Familien. Kann auch sein, dass die Häuser nun an Touristen vermietet werden. Schon seit dem 15. Jahrhundert siedeln hier Fischer.

In der Lagune steht ein Skelett eines jungen weiblichen Finnwals (11 Meter lang, 8 Tonnen schwer), der 1995 auf Teneriffa gestrandet ist. Das Esqueleto de Ballena ist ein beliebtes Fotomotiv.

An der Lagune steht auch die Skulptur Los Buches, die zwei Figuren während des Karnevals zeigt. Sie stellen Fischer dar, die nach langer Zeit auf See wieder an Land spazieren gehen. Sie tragen das traditionelle Kostüm, verziert mit Bändern und eine netzartige Maske. In den Händen halten sie Fischblasen, die mit Luft gefüllt sind. Damit schlagen sie sich gegenseitig und spielen einen Kampf.

Kurz darauf sind wir an der Plaza de Las Palmas. Hier steht die Parroquia de San Ginés, die Hauptkirche von Arrecife, dem Heiligen Genesius geweiht. Schon seit 1574 gab es hier eine Kapelle, die allerdings nach einer Überflutung im Jahr 1665 wieder aufgebaut wurde.

Im 18. und 19. Jahrhundert wurde die Kirche immer einmal wieder erweitert, bis sie so aussieht wie auf dem Foto oben. Als letztes hat sie ihren Barockturm erhalten. Wir schauen uns kurz im Innern um, bevor es weitergeht.

Dann sind wir auch schon an der Calle Real, der Haupteinkaufsstraße, die eigentlich Calle Leon y Castillo heißt. Die entlang zu bummeln haben wir aber keine Lust. Wir gehen in die Casa Amarilla, dem ehemaligen ersten Regierungssitz der Insel.

Hier stellt der auf Lanzarote geborene Fotograf Juan Méndez Fotografien unter dem Titel Caminante Nocturno aus, Bilder vom Himmel über den Kanarischen Inseln und Patagonien. Wunderschöne Aufnahmen! Der Fotograf, eigentlich ein Hobbyfotograf, hat es mit Aufnahmen von Lanzarote in die Zeitschrift National Geographic geschafft.

In der Unterhaltung mit der freundlichen Frau am Empfang ergibt sich ein Kontakt mit dem Fotografen, der zufällig draußen am Fenster steht. Juan Méndez spricht nur Spanisch, sie übersetzt hin und her auf Englisch, wir erzählen ihm von Pellworm, das mit seinen dunklen Nächten ohne künstliche Lichter wirbt. Diese Begegnungen sind es, die wir an unseren Reisen lieben!
Wir gehen dann Richtung Wasser, das genauso glitzert und gleißt wie auf Madeira. Im Wasser liegt das Castillo de San Gabriel, ein ehemaliges Fort, das 1573 zum Schutz vor den Piraten auf einem Riff erbaut wurde. Hat nicht lange gehalten, schon 13 Jahre später wurde es von den Piraten zerstört. Die heute noch zu sehende Ausfertigung gelang dann anscheinend etwas stabiler und beherbergt nun ein historisches Museum. Wir haben keine Lust, uns in die Schlange der Wartenden einzureihen, sondern beschränken uns auf Fotos von außen. Hier am kleinen Strand hätten wir auch baden können, doch wir haben keine Badesachen eingepackt. Wir haben schlicht nicht mit so warmem Wetter gerechnet.



Über die alte Zugbrückemit den großen Steinkugeln Puente de las bolas geht es wieder an Land. An der Promenade stehen weitere Skulpturen: Pancho Lasso (2011) und La Mirada de César zu Ehren von César Manrique. Was die beiden sich wohl zu erzählen haben?



Wir wollen auf dem Rückweg noch in das Museum für zeitgenössische Kunst, das in der Nähe der Mole liegen soll.

Wir passieren wieder den Kreisel vom Vormittag mit der Skulptur Pescador con Marlin (2022), einer Hommage an den hier gebürtigen Gregorio Fuentes Betancort, der als Kind nach Kuba kam, dort Fischer wurde und schließlich Ernest Hemingway im Sturm vor dem Schiffbruch rettete.
Daraus erwuchs eine lebenslange Freundschaft, und Hemingway wurde von Gregorio zu seinem Erfolg „Der alte Mann und das Meer“ inspiriert.

Das Kunstmuseum besuchen wir diesmal nicht, der Fußweg ist einfach zu lang. Wir laufen noch bis zu einem kleinen Leuchtturm, der keiner ist, sondern ein Ehrenmal von 2013 für alle auf See gebliebenen Seeleute/ Fischer. Es heißt „Das Licht, das uns führt“. Es ersetzt ein einfaches Kreuz, das an ein Massaker vor der Küste Westsaharas stattfand.
Im November 1978 wurde das lanzarotische Fischerboot Cruz del Mar abends von 24 Terroristen in einem Zodiac-Schlauchboot überfallen. Diese ermordeten sieben der Besatzungsmitglieder (drei weitere konnten sich unbemerkt durch einen Sprung von Bord retten), darunter einen 14-jährigen Jungen. Die drei Überlebenden gingen wieder an Bord, nachdem das Schlauchboot der Terroristen weg war. Sie entdeckten, dass diese das Boot mit Sprengstoffen versehen hatten. Sie konnten sich in letzter Minute mit dem Rettungsboot des Schiffes in Sicherheit bringen, bevor das Schiff in die Luft flog. Die drei wurden später von einem anderen Fischerboot gerettet.

Dann kehren wir um. Die Straßenkreisel hier werden gern mit Arbeiten lokaler Künstler geschmückt. Dieses hier heißt Levando redes – Homenaje al Pescador, eine Hommage an die Fischer, die ihre Netze einholen.
Auf dem Rückweg entdecken wir auf einer Infotafel, warum wir nicht auf unserem Weg in die Innenstadt am kleinen Strand der Einheimischen und am Kunstmuseum vorbeigekommen sind, wie eigentlich geplant. Diese Infos von der Webseite what’s in port sind leider nicht mehr aktuell. Unser Schiff liegt an der neuen Kreuzfahrtmole. An der „alten“, auf die sich die Angaben bezogen, liegen die beiden anderen: Mein Schiff 4 und ein Schiff von MSC.
Wieder zurück auf unserem Schiff sehen wir dann auch, wo Strand und Museum sind: quasi genau gegenüber vom Schiffsheck, Luftlinie wenige zehn Meter, aber eben ohne direkte Verbindung. Gut, dass wir nicht mehr ganz hingegangen sind. Aber auch ohne den Museumsbesuch kann doch keiner davon sprechen, dass Arrecife nicht viel zu bieten hat!


































































































