Arrecife/ Lanzarote, cruise day 6 (Anthem, Oktober 2023)

Wir sind in der Hauptstadt der Insel Lanzarote angekommen: Arrecife. Wikivoyage schreibt: „…allzu viele Sehenswürdigkeiten hat die Stadt auch nicht zu bieten“. Wir sind gespannt. Aber zuerst müssen wir den vorletzten Stopp vor der Atlantiküberquerung nutzen, um Schuhe zu kaufen. Kays Abendschuhe geben demnächst den Geist auf und wir wissen nicht, ob sie noch die nächsten zehn Tage durchhalten werden. Es gibt eine Filiale von Deichmann in Arrecife.

Die Anthem of the Seas hat am Puerto de Naos angelegt, der Fußweg in die Innenstadt ist ab der Mole mit einer blauen Linie auf dem Boden gekennzeichnet. Mit uns zusammen laufen sehr viele Touristen am Seglerhafen vorbei in die Stadt.

Insgesamt docken hier gerade drei Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig an (unser Schiff ist das linke.) Am ersten Kreisel geht die Masse nach links Richtung Innenstadt, wir halten uns rechts.

Wir kommen am Krankenhaus, an einer Schule und an Autoreparaturbetrieben vorbei, bis wir schließlich an der Shopping Mall ankommen, einem nach allen Seiten offenen Gebäude.

Dort erkunden wir das gesamte Erdgeschoss, aber Deichmann ist nicht zu sehen. Es dauert eine Weile, bis wir realisieren, dass es im Untergeschoss nicht nur das Parkhaus gibt, sondern auch noch Geschäfte. Mit neuen Schuhen im Rucksack geht es Richtung Innenstadt.

Dort gehen wir an der El Charco de San Gines entlang, einer Salzwasserlagune mitten in der Innenstadt. In den Häusern rundherum wohnen (oder wohnten) die Fischer mit ihren Familien. Kann auch sein, dass die Häuser nun an Touristen vermietet werden. Schon seit dem 15. Jahrhundert siedeln hier Fischer.

In der Lagune steht ein Skelett eines jungen weiblichen Finnwals (11 Meter lang, 8 Tonnen schwer), der 1995 auf Teneriffa gestrandet ist. Das Esqueleto de Ballena ist ein beliebtes Fotomotiv.

An der Lagune steht auch die Skulptur Los Buches, die zwei Figuren während des Karnevals zeigt. Sie stellen Fischer dar, die nach langer Zeit auf See wieder an Land spazieren gehen. Sie tragen das traditionelle Kostüm, verziert mit Bändern und eine netzartige Maske. In den Händen halten sie Fischblasen, die mit Luft gefüllt sind. Damit schlagen sie sich gegenseitig und spielen einen Kampf.

Kurz darauf sind wir an der Plaza de Las Palmas. Hier steht die Parroquia de San Ginés, die Hauptkirche von Arrecife, dem Heiligen Genesius geweiht. Schon seit 1574 gab es hier eine Kapelle, die allerdings nach einer Überflutung im Jahr 1665 wieder aufgebaut wurde.

Im 18. und 19. Jahrhundert wurde die Kirche immer einmal wieder erweitert, bis sie so aussieht wie auf dem Foto oben. Als letztes hat sie ihren Barockturm erhalten. Wir schauen uns kurz im Innern um, bevor es weitergeht.

Dann sind wir auch schon an der Calle Real, der Haupteinkaufsstraße, die eigentlich Calle Leon y Castillo heißt. Die entlang zu bummeln haben wir aber keine Lust. Wir gehen in die Casa Amarilla, dem ehemaligen ersten Regierungssitz der Insel.

Hier stellt der auf Lanzarote geborene Fotograf Juan Méndez Fotografien unter dem Titel Caminante Nocturno aus, Bilder vom Himmel über den Kanarischen Inseln und Patagonien. Wunderschöne Aufnahmen! Der Fotograf, eigentlich ein Hobbyfotograf, hat es mit Aufnahmen von Lanzarote in die Zeitschrift National Geographic geschafft.

In der Unterhaltung mit der freundlichen Frau am Empfang ergibt sich ein Kontakt mit dem Fotografen, der zufällig draußen am Fenster steht. Juan Méndez spricht nur Spanisch, sie übersetzt hin und her auf Englisch, wir erzählen ihm von Pellworm, das mit seinen dunklen Nächten ohne künstliche Lichter wirbt. Diese Begegnungen sind es, die wir an unseren Reisen lieben!

Wir gehen dann Richtung Wasser, das genauso glitzert und gleißt wie auf Madeira. Im Wasser liegt das Castillo de San Gabriel, ein ehemaliges Fort, das 1573 zum Schutz vor den Piraten auf einem Riff erbaut wurde. Hat nicht lange gehalten, schon 13 Jahre später wurde es von den Piraten zerstört. Die heute noch zu sehende Ausfertigung gelang dann anscheinend etwas stabiler und beherbergt nun ein historisches Museum. Wir haben keine Lust, uns in die Schlange der Wartenden einzureihen, sondern beschränken uns auf Fotos von außen. Hier am kleinen Strand hätten wir auch baden können, doch wir haben keine Badesachen eingepackt. Wir haben schlicht nicht mit so warmem Wetter gerechnet.

Über die alte Zugbrückemit den großen Steinkugeln Puente de las bolas geht es wieder an Land. An der Promenade stehen weitere Skulpturen: Pancho Lasso (2011) und La Mirada de César zu Ehren von César Manrique. Was die beiden sich wohl zu erzählen haben?

Wir wollen auf dem Rückweg noch in das Museum für zeitgenössische Kunst, das in der Nähe der Mole liegen soll.

Wir passieren wieder den Kreisel vom Vormittag mit der Skulptur Pescador con Marlin (2022), einer Hommage an den hier gebürtigen Gregorio Fuentes Betancort, der als Kind nach Kuba kam, dort Fischer wurde und schließlich Ernest Hemingway im Sturm vor dem Schiffbruch rettete.

Daraus erwuchs eine lebenslange Freundschaft, und Hemingway wurde von Gregorio zu seinem Erfolg „Der alte Mann und das Meer“ inspiriert.

Das Kunstmuseum besuchen wir diesmal nicht, der Fußweg ist einfach zu lang. Wir laufen noch bis zu einem kleinen Leuchtturm, der keiner ist, sondern ein Ehrenmal von 2013 für alle auf See gebliebenen Seeleute/ Fischer. Es heißt „Das Licht, das uns führt“. Es ersetzt ein einfaches Kreuz, das an ein Massaker vor der Küste Westsaharas stattfand.

Im November 1978 wurde das lanzarotische Fischerboot Cruz del Mar abends von 24 Terroristen in einem Zodiac-Schlauchboot überfallen. Diese ermordeten sieben der Besatzungsmitglieder (drei weitere konnten sich unbemerkt durch einen Sprung von Bord retten), darunter einen 14-jährigen Jungen. Die drei Überlebenden gingen wieder an Bord, nachdem das Schlauchboot der Terroristen weg war. Sie entdeckten, dass diese das Boot mit Sprengstoffen versehen hatten. Sie konnten sich in letzter Minute mit dem Rettungsboot des Schiffes in Sicherheit bringen, bevor das Schiff in die Luft flog. Die drei wurden später von einem anderen Fischerboot gerettet.

Dann kehren wir um. Die Straßenkreisel hier werden gern mit Arbeiten lokaler Künstler geschmückt. Dieses hier heißt Levando redes – Homenaje al Pescador, eine Hommage an die Fischer, die ihre Netze einholen.

Auf dem Rückweg entdecken wir auf einer Infotafel, warum wir nicht auf unserem Weg in die Innenstadt am kleinen Strand der Einheimischen und am Kunstmuseum vorbeigekommen sind, wie eigentlich geplant. Diese Infos von der Webseite what’s in port sind leider nicht mehr aktuell. Unser Schiff liegt an der neuen Kreuzfahrtmole. An der „alten“, auf die sich die Angaben bezogen, liegen die beiden anderen: Mein Schiff 4 und ein Schiff von MSC.

Wieder zurück auf unserem Schiff sehen wir dann auch, wo Strand und Museum sind: quasi genau gegenüber vom Schiffsheck, Luftlinie wenige zehn Meter, aber eben ohne direkte Verbindung. Gut, dass wir nicht mehr ganz hingegangen sind. Aber auch ohne den Museumsbesuch kann doch keiner davon sprechen, dass Arrecife nicht viel zu bieten hat!

Auf Wiedersehen, Lanzarote!

At sea, cruise day 5 (Anthem, Oktober 2023)

Die letzten beiden Tage mit Landgängen fordern ihren Tribut: Wir schlafen morgens länger, wir schlafen über Mittag, wir ruhen am Nachmittag. Draußen ist es sonnig und warm, aber sehr, sehr windig. Wir gehen später noch auf Deck 15 einmal ums Schiff herum, aber vorne ist wegen des starken Windes schon gesperrt.

Das Softeis, das es auf dem Pooldeck gibt (orangener Sonnenschirm), müssen wir sehr schnell essen, bevor es uns wegweht! Auch der Zugang zum Außenbereich auf Deck 5 ist für Gäste komplett gesperrt.

Nach dem wieder sehr guten Abendessen (Lachs und Weißwein für mich, Kay bleibt beim Curry und dem Heineken Bier) schauen wir uns zwei sehr unterschiedliche Shows an.

Zunächst sehen wir Spectra‘s Cabaret im Two70 (im Bug), sehr spektakulär, jede Menge Videoprojektionen auf dem gesamten Hintergrund und den beweglichen Schirmen davor in der Mitte. Dazu kommen der Conférencier und Sänger Spectra, zwei Sängerinnen, zehn Tänzer und Tänzerinnen sowie ein Saxofonist und eine Percussionistin zusätzlich zur Musik aus der Konserve.

Alle Personen wechseln häufig ihre Kostüme und die Plätze auf den vielen beweglichen Bühnenelementen. An drei Stellen befinden sich Lifts in den Bauch des Schiffes, wo alle Menschen mal auf- oder auch wieder abtauchen. Wir verleben eine sehr beeindruckende Dreiviertelstunde.

Zwei Stunden später sitzen wir im Royal Theatre, um die Show The Gift zu sehen. Das Setting spielt im viktorianischen England, Kulissen und Kostüme sind sehr steampunkig gestaltet. Sowohl Bühnenbild, als auch Effekte und Gesang sind herausragend gut. Wir fühlen uns wunderbar unterhalten.

Morgen geht es wieder an Land, wir segeln weiter nach Süden und werden dann die Kanarischen Inseln erreicht haben.

Vigo/ Spanien, cruise day 3 (Anthem, Oktober 2023)

Beim Frühstück begrüßen wir unsere Tischnachbarn mit einem fröhlichen „Good Morning!“. Sie werfen uns nur ein grimmiges „It‘s a terrible morning this morning!“ zu. Ja, die See war zugegebenermaßen etwas rau am Abend und in der Nacht, aber meine Armbänder wirken wirklich gut.

In Vigo nieselt es vor sich hin, allerdings bei freundlichen 23 Grad Celsius. Nachdem wir das Schiff und unsere Kabine von der Mole aus fotografiert haben, immerhin mit einem Regenbogen, ziehen wir uns doch Regenjacke bzw. -poncho über.

Zuerst suchen wir das Haus, auf dem ein riesiges Ei steht. Das habe ich vom Schiff aus gesehen und möchte es nun fotografieren. Leider ist das Licht uns nicht gesonnen, so schön wird das Foto nicht. Bei Sonnenschein wird es glitzern und funkeln. Was es mit dem Ei auf sich hat, haben wir leider nicht herausfinden können.

Dann laufen wir bergauf, um zum Kunstmuseum MARCO zu kommen. Wir waren schon zweimal dort und sind immer auf anderen Wegen dorthin gelangt. Auch diesmal finden wir einen neuen Weg mit Umwegen, die uns meist bergauf führten, bis wir einmal wieder auf der Rückseite des Gebäudes ankommen.

Die nassen Regenklamotten kommen mit dem Rucksack in ein Schließfach, und wir beginnen diesmal oben mit der Besichtigung. Zuerst schauen wir uns Bilder von Juan Giralt (Name der Ausstellung: 1940-2007) an, die uns beiden allerdings so gar nichts sagen. Wir gehen recht flott durch die Räume.

Dann geht es weiter zu Concha Martínez Barreto (Cando remata o dia ), die uns eher anspricht. Die Bilder sind toll gemalt und wirken auf den ersten Blick sehr lieblich. Wenn man dann etwas länger hinschaut, wirken sie sehr verstörend, entweder durch surreale Größenverhältnisse oder Kombinationen von Motiven, die nicht zusammen passen.

Für diese Fotoinstallation suchte sie 100 Buchcover, die Tage und Zahlen im Titel haben. Die Lücken in der Hängung sind Leerstellen der Zahlen, die sie (bisher) nicht gefunden hat.

Sehr spannend ist dann die Ausstellung in den Räumen im Erdgeschoss. Diese sind mit Werken von Lluís Lleó (Barcelona, 1961) gefüllt, die er seit seiner Rückkehr aus den USA 2017 angefertigt hat. Beeindruckend sind die Zeichnungen/Malereien auf nepalesischem Papier in großen Abmessungen oder die Kombination von Stein und Malerei (z.B. die zusammengenähten Steine). In einigen Werken arbeitet er absichtlich angebliche Fehler ein, die sich bei längerem Schauen als sehr intelligente Erweiterungen der Ebenen entpuppen.

Nach dem Besuch gehen wir, entgegen unserer Gewohnheit nicht mehr ins Café, sondern zügig zum Schiff zurück.

Der Dauernieselregen ist nicht gut zum Fotografieren und die 23 Grad wirken bei Regen auch nicht so warm. Zurück auf dem Schiff spielt der Poncho „Ghost in the Machine“ in der Duschkabine.

Wir essen einen späten Lunch (später merken wir, dass das nicht gut war) und ruhen uns dann auf der Kabine aus. Ab heute haben wir auch wieder einen festen Platz beim Abendessen. Da das Schiff nach der Abfahrt aus Vigo schon wieder mächtig schaukelt, binde ich meine Armbänder wieder um. Das ist auch ganz gut so. Das Abendessen ist wieder lecker, aber leider hatten wir mittags zu viel gegessen (s.o.) und der Zeitabstand zwischen den Mahlzeiten war einfach zu kurz.

Nach dem Essen machen wir noch einen kleinen Abstecher in die Library und sitzen dort noch etwas herum und lesen. Danach wollen wir eigentlich die Show ansehen, die eigentlich für heute geplante Aufführung von The Gift ist wegen des stürmischen Wetters schon durch einen Comedian ersetzt worden. Doch auch daraus wird nichts für uns. Auf dem Weg zum Theater schaukelt das Schiff schon so stark, dass wir lieber auf die Kabine gehen.

Dort schaffen wir es nur noch kurz, weiter zu lesen. Die Schaukelei ist so stark, dass sogar Kay sich wegen Unwohlseins hinlegen muss. Wir versuchen nur noch, dass wir vor dem Übergeben einschlafen.

Lissabon/ Portugal, cruise day 4 (Anthem, Oktober 2023)

Das mit dem Schlafen ist uns geglückt. Wir wachen auf, weil das Schiff ganz ruhig läuft. In Lissabon gehen beim Anlegemanöver gerade die letzten Lichter der Straßenbeleuchtung aus.

Nach dem Frühstück, viel Hunger haben wir nach der Nacht nicht, packen wir unsere Sachen und gehen an Land. Wir konzentrieren uns heute auf den barocken Teil der Altstadt, die Unterstadt (Baixa), die nach dem großen Erdbeben 1755 neu aufgebaut wurde.

Zuerst suchen wir dort nach einer Apotheke. Ich habe heute Morgen die letzte Schilddrüsentablette genommen und danach festgestellt, dass ich den Nachschub zuhause nicht eingepackt hatte.

Wir finden recht schnell eine Apotheke, in der wir erfreulicherweise erfahren, dass sie nicht nur genau mein Präparat haben, sondern dass es in Portugal auch noch rezeptfrei erhältlich ist. Alles, was hormonell hilft und lebensnotwendig ist, wie auch die Anti-Baby-Pille, muss hier nicht verschrieben werden.

Wie außerordentlich praktisch, und mit nur 3,60 € auch noch günstiger als bei uns. Portugiesen zahlen sogar nur 1,50 € als Zuzahlung. Und wir haben um kurz vor 11 Uhr vormittags schon angenehme 23 Grad!

Anschließend laufen wir kreuz und quer durch die Gassen und Treppen …,

… sehen den Platz Dom Pedro IV wieder, …

… kommen am Museum für die Guardia Nationale vorbei, und treffen daneben auf die Reste der Kirche Convento do Carmo.

Damals haben sie nach dem Erdbeben und dem folgenden Tsunami alles wieder aufgebaut und nur diese Kirche als Mahnmal stehen gelassen.

Als wir aus einem Durchgang herauskommen und kurz laut überlegen, wohin wir gehen sollen, spricht uns einer der Touristen-Tuk-Tuk-Fahrer auf Deutsch an, ob wir uns verlaufen hätten. In dem sehr netten Gespräch gibt er uns gute Hinweise, was wir uns noch ansehen sollten, nachdem wir ihm erzählt hatten, dass wir gern einfach ohne genauen Plan zu Fuß durch Städte streifen würden. Er ist waschechter Portugiese aus Lissabon und spricht akzentfrei Deutsch, seine Mutter kam aus Schwaben und sprach nur Deutsch mit ihm.

Kay trifft so am BaixaChiado Fernando Pessoa für einen kurzen Schnack …

… und wir kommen an der Fornicularbahn vorbei, die allerdings nicht fährt.

Am Aussichtspunkt in Misericórdia machen wir ein paar Fotos von der Brücke. So überwältigend finden wir diesen Aussichtspunkt dann nicht. Madonna hat hier mal gewohnt, natürlich in einem Palast.

Als wir wieder am Platz Luís de Camões ankommen, machen wir eine kleine Pause mit Espresso und Pasteis de Nata. Vorher haben wir bereist in einer Schaubäckerei gesehen, wie die berühmten Pasteis de Nata hergestellt werden.

Anschließend geht es wieder Richtung Schiff. Wir gehen noch auf den Aussichtspunkt oben am Lift Elevador de Santa Justa, aber leider kommen wir nicht nach ganz oben, die Plattform ist gesperrt. So bleibt nur der Fast-Rundumblick durch den Maschendraht von der Ebene darunter:

Wir nehmen nicht den Lift hinab, sondern gehen zu Fuß. Das geht schneller und ist billiger! Über den Praça do Comércio geht es zum Fluss hinunter.

Am „Wasserbahnhof“ (Terreiro do Paço) gleich nebenan des Kais für die Kreuzfahrtschiffe legen die verschiedenen Schiffe an, die den Fluß Tejo queren. Im neu erbauten Gebäude sieht es wirklich wie in einem Bahnhof aus.

Dann hat uns das Leben auf dem Schiff wieder: gutes Essen, gute Unterhaltung, gute Drinks in der Bar, gute Nacht danach.

At sea, cruise day 2 (Anthem, Oktober 2023)

Der erste Seetag wird überwiegend mit Essen, lesen und schlafen gefüllt. Wir durchqueren die Bucht von Biscaya und es ist ziemlich windig, man könnte auch schon stürmisch sprechen, dementsprechend schaukelig.

Ich lege die sea bands um, die ich vor Reiseantritt in der Apotheke bekommen habe. Der kleine Nupsi drückt, korrekt angelegt, auf den Nei-Kuan Punkt. Und es wirkt. Mir wird nicht schlecht, ich kann alles essen und auch lesen, während für die anderen Menschen die Tabletten vom Guest Service oder die Spuktüten, die sich an den Treppenaufgängen befinden, ausreichen müssen. Akupressur wirkt!

Nach dem Abendessen, diesmal als formal night, wir sind entsprechend hübsch angezogen, gibt es auf der Royal Esplanade schon wieder free champagne für uns, der Kapitän lädt zur reception ein. Wir stellen uns nicht für ein Foto mit ihm an, sondern trinken lieber noch ein zweites Glas auf die Crew.

Danach ziehen wir uns wieder legerer an und gehen ins Solarium, um zu lesen. Hier ist es sehr leer und dementsprechend recht leise.

Wir dürfen als Diamond Member jeden Tag vier Getränke umsonst bestellen. Zum Essen hatten wir schon Wein bzw. Bier, hier trinken wir dann noch den Cocktail of the day, einen Raspberry Rickey. Der schmeckt ganz gut, aber wie fast alle Cocktails etwas zu süß.

Auf geht‘s, cruise day 1 (Anthem, Oktober 2023)

Diesmal müssen wir den Wecker stellen, da wir das Appartement um 10 Uhr räumen müssen. Wir holen uns bei Wenzel, the Bakeries Kaffee und ein süßes Teilchen. Beides wird im Appartement verzehrt, bevor wir alles packen und die Koffer pünktlich im Flur abstellen können.

Wir wollen noch ein bisschen Shopping erledigen, die Geschäfte haben hier in Southampton auch sonntags geöffnet. Inzwischen ist es auch wärmer geworden (vorhin war es nur 3 Grad, aber sonnig) und die Fußgängerzone füllt sich merklich. Wir stromern noch ein bisschen durch die Straßen und das Westquay Shopping Center, bevor es zurück zum Appartement geht.

Dort steht die Tür offen: die Reinmachefrauen sind grad angekommen. Kein trouble mit dem Yale-Schloss, hurra! Wir schnappen uns unsere Koffer und machen uns auf den Weg zum Hafen.

Wir sind nicht die einzigen, die zu Fuß dorthin gehen. Und dazu kommen noch eine ganze Menge mehr, es ist 12 Uhr, wir müssen Schlange stehen. Nach der Kofferabgabe geht es durch die Sicherheitskontrolle, dann zur Pass- und Visaüberprüfung.

Das dauert bei uns etwas, da wir immer noch mit zwei Pässen hantieren müssen. Aber dann wird noch ein Foto für die Kontrollen beim Schiff betreten und verlassen gemacht und schon geht es nach drinnen.

Das Schiff ist groß!! Wir suchen uns zunächst unsere Musterstation, werden abgehakt und bekommen noch eine live-Vorführung, wie die Schwimmweste anzulegen ist (wir hatten uns das Video nicht vorher in der App angesehen; was die alles merken!). Dann ist auch die Kabine schon fertig, 8506 im Bug, schön groß mit viel Platz. Da wir schon oft mit Royal Caribbean gefahren sind, finden wir eine Einladung zu einem Mix & Mingle für nachmittags im Solarium für Diamond Members and above. Da wollen wir dann hin. Vorher holen wir uns Kaffee, etwas zu essen und aus der Bücherei insgesamt fünf Bücher (was man hat, das hat man) und beginnen schon mal zu lesen.

Auf dem Mix&Mingle treffen wir bei sehr lauter Musik auf sehr viele Menschen. Es gibt kleine Häppchen und reichlich Champagner. Wir trinken ziemlich viele Gläser, gucken uns die Abfahrt aus Southampton an und finden dafür später einen Platz auf einer großen Schaukel.

Vor dem Abendessen legen wir uns noch einmal hin. Die großen Koffer sind inzwischen auch vor unserer Kabine angekommen und waren auf das Auspacken. Wir haben diesmal my time dining gebucht, da die festen Zeiten für das Abendessen 17:15 Uhr oder 20:00 Uhr sind. Das eine ist zu früh, das andere zu spät für uns. Für heute haben wir einen Platz im Silk vorgebucht. Das Essen ist sehr lecker, die waiter nett, aber der Platz gefällt uns nicht, zu sehr am Durchgang gelegen. Morgen hätten wir es gern anders. Nach dem Essen geht es für uns direkt auf die Kabine. Der Tag war voll und anstrengend. Aber: schön, wieder auf dem Schiff zu sein.

Pre cruise day: Southampton im Herbst (Oktober 2023)

Nach einer guten Nacht machen wir uns auf den Weg, um irgendwo zu frühstücken. Die erste Bäckerei verkauft leider keinen Kaffee, in der zweiten dürfen wir uns nicht hinsetzen, dann geht es eben auf die High Street. Dort haben trotz des Sonnabends einige Banken offen und wir versuchen unser Glück, die alten Pfundscheine doch noch zu wechseln. In der ersten Bank sind sie sehr freundlich, haben aber an dem Tag gar kein Bargeld da und verweisen uns an die Post schräg gegenüber. Dort sind sie sehr freundlich, doch wechseln dürfen sie auch nur, wie schon zuvor bei der Bank, wenn wir ein Konto in Großbritannien hätten. Auf dem Weg zum auserkorenen Frühstücksrestaurant probieren wir noch eine Bank aus, man weiß ja nie.

Und, wer sagt‘s denn? Unsere Ausdauer wird belohnt, da der Filialleiter anwesend ist und offensichtlich Mitleid mit unserer aussichtslosen Touristensituation hat. Ohne Konto im Land hätten wir die Geldscheine nämlich nur bei der Bank of England direkt in London umtauschen können.

Der gute Mann schaut in einer little box mit Bargeld in einem der hinteren Räume nach, wie er sagt. Ich glaube ja, er zieht das Geld von seinem Konto ab und zahlt anschließend die alten Banknoten darauf ein. Nachdem er mehrere Türen mehrmals durchquert hat, kommt er mit zehn neuen £10-Scheinen für uns wieder, juhu!! Die Scheine wechseln ihre Besitzer und wir ziehen glücklich von dannen.

Im Poppins gibt es für beide ein full English breakfast inklusive zweier Scheiben black pudding. Leider ist der große Kaffee dazu ziemlich dünn und ungenießbar. Daher holen wir uns anschließend gegenüber bei Costa noch einen Cafe Mocha und genießen ihn draußen in der Sonne.

Dann machen wir das, worauf wir uns schon gefreut hatten, wir bummeln durch die Straßen, gucken in die charity shops und genießen das gute Wetter: kühl, aber sonnig. In der East Street schaue ich durch ein kleines Feld in ein Künstleratelier hinein. Ihnen werden hier für sehr wenig Geld unbenutzte ehemalige Geschäftsräume auf Zeit überlassen. Der Künstler ist bei der Arbeit, sieht mich und öffnet die Tür, so dass wir eintreten können. Es entwickelt sich ein sehr lebhaftes Gespräch über Kunst, kreatives Schaffen und Ergebnisse, wir lieben so etwas!

Er heißt David McDearmid und ist Teil von The Keepers Artist Collective und arbeitet gerade jetzt an einer Skulptur eines zu schlanken Mannes, den er in eine Figur verwandeln möchte, die dem Bacchus ähnelt. Die Holzspäne, die er dafür verarbeitet, schnitzt er alle von dem Stock Redwood-Holz, der am Tisch lehnt.

Nach diesem ungeplanten, wunderbaren Erlebnis nutzen wir das sonnige Wetter für ein paar Fotos der Gebäude in diesem Viertel, in welchem an allen Stellen eine langsame Gentrifizierung zu erkennen ist. Vor ein paar Jahren war es hier noch ziemlich heruntergekommen.

Unser Bummel führt uns dann die High Street hinunter zum Hafen. Auf dem Weg sehen wir die Reste der mittelalterlichen Stadt.

Hier befand sich das Watergate, indem im 15. Jahrhundert der Bürgermeister und Kontrolleur der Marine von King Henry V. lebte und arbeitete.

Hier (jetzt weit weg vom Wasser) landeten 1476 italienische Handelsschiffe an, um Wein, Früchte, Gewürze und Seidenstoffe aus dem Mittelmeerraum zu entladen.

Wir machen noch einen kleinen Abstecher Richtung City Cruise Terminal, um den günstigsten Weg für morgen zu finden, um zu Fuß mit den großen Koffern vom Appartement dorthin zu kommen. Dies ist noch nicht unser Schiff.

Nach einer Tee- und Verschnaufpause gehen wir noch einmal los zum Spazierengehen. Es geht die High Street nordwärts, die meisten Geschäfte haben noch geöffnet. Wir gehen bis zur City Gallery, in die wir morgen gehen wollen bzw. wollten, wie wir dann feststellen müssen. Sie hat sonntags geschlossen, wie außerordentlich schade, denn The Keepers Artist Collective stellt dort gerade aus! Nützt aber nichts.

Durch die schönen Parkanlagen geht es wieder zurück. Es ist noch zu früh zum Abendessen, deshalb machen wir noch eine Tour durch das Westquay Shopping Center.

Bei John Lewis ist schon Weihnachten ein großes Thema und wir nehmen einen Elefanten für unseren Adventsbaum mit, als Erinnerung an diese Tour/Cruise.

Dann geht es zum Abendessen in einen Fish ‚n‘ Chips Shop um die Ecke, wo wir lecker Dorsch und Pommes essen. Im Appartement gibt es noch ein leckeres Bier von BrewDog gibt, ein Punk IPA, sehr gut.

Auf zur nächsten Kreuzfahrt (Oktober 2023)

Wir machen uns auf den Weg zur nächsten cruise, wieder einmal über den Atlantik, diesmal von Southampton, England aus. Der Reisetag wird lang, und wir wechseln die Verkehrsmittel häufig. Wir starten morgens um 8:30 Uhr mit dem PKW zum Flughafenbus und mit dem weiter nach Hamburg. Alles funktioniert gut, auch die elektronischen Tickets können eingelesen werden. In Hamburg sind die Bordkarten schnell ausgedruckt und die Koffer abgegeben. Für die Sicherheitskontrolle am Flughafen haben wir uns diesmal einen Slot&Fly gebucht, aber dann doch nicht genutzt. Die Wartezeit in der regulären Schlange ist kürzer als die bis zum Slot-Beginn.

Da Großbritannien nicht mehr in der EU ist, müssen wir durch die Passkontrolle, doch Dank unserer Pässe geht es durch das eGate. Danach füllen wir die Wasserflaschen auf und laufen schon mal zum Abfluggate. Diesmal fliegen wir mit Eurowings, leider hebt der Flieger mit einer Dreiviertelstunde Verspätung Richtung London ab. Das bringt nicht nur unseren Zeitplan durcheinander. In Heathrow gelandet, kommen die Koffer recht schnell, wieder geht es durch das elektronische Tor bei der Passkontrolle. Und ab da ist Geduld angesagt. Den gewünschten Bus für die Weiterfahrt nach Southampton verpassen wir so gerade eben. Der nächste Bus (sie fahren alle zwei Stunden ab) ist schon ausgebucht. Es wird also der um 20:00 Uhr Ortszeit (21 Uhr bei uns) werden.

Wir lassen uns häuslich bei Cafè Nero nieder, die haben guten Kaffee und gutes WLAN. Immerhin müssen wir hier vier Stunden verbringen. Als ich den Kaffee bezahlen will, wir haben noch £100 Bargeld in Scheinen dabei vom letzten GB-Aufenthalt, erfahre ich, dass die Scheine seit drei Jahren nicht mehr gültig sind! Wie gut, dass wir auch über Kreditkarten verfügen.

Am Geldwechselschalter erkundige ich mich später, ob die die alten Scheine vielleicht gegen neue einwechseln können – leider nein! Wir müssen zu einer Bank gehen, die natürlich am Wochenende (heute ist Freitag) geschlossen haben. So ein Pech, ich werde Britisch höflich angemessen bedauert. Das gute Internet wird dann genutzt, um schon mal die Bustickets zu buchen, wir können ja nun nicht mehr Cash bezahlen. Wir vertreiben uns die Zeit mit lesen (am Hamburger Flughafen lagen noch Papierzeitungen herum) und spielen. Vier Stunden können sehr langsam vergehen, aber der Cafe Mocha ist echt gut!

Nach gut drei Stunden beschließen wir, uns schon mal auf den Weg zum Busbahnhof zu machen. Im Café war zuletzt immer weniger los, von daher überrascht uns der Andrang auf die Fahrstühle doch etwas. Es ist voll, aber dann kommen wir doch in einem Fahrstuhl abwärts hinein. Dann geht es mit allen anderen immer den Hinweisschildern Richtung Busse, U-Bahn und Parkplätzen hinterher. Wir müssen dann mit einem Fahrstuhl wieder hinauffahren und dort erwartet uns Dunkelheit, Regen und wiederum viele Menschen, die mit den Bussen weiter fahren wollen.

Es ist Freitagabend um zwanzig Uhr. Unser Bus kommt, der Fahrer kontrolliert das online-Ticket und lädt dann die Koffer ein. Dann kommen doch noch zwei Personen mit sehr viel Gepäck und ohne zusätzliches Ticket. Der Fahrer (und wir im Bus) wartet, bis der Mann im Busbahnhof das extra Ticket für das Mehrgepäck besorgt hat und lädt es anschließend ganz in Ruhe ein. Wir fahren mit einer Viertelstunde Verspätung ab.

Vor uns liegen etwas mehr als zwei Stunden Fahrt. Die erste Stunde verbringen wir damit, vom Flughafenterminal 2+3, wo wir eingestiegen sind, erst zum Terminal 4 und dann zum Terminal 5 zu kommen. Jedesmal steigt der Fahrer aus, kontrolliert die Tickets. Der Flughafen London-Heathrow ist riesig! Danach geht es aber sofort auf die vierspurige Autobahn, wir hatten kurz in the middle of nowhere an einem Park&Ride Parkplatz in der Nähe von Winchester, wo tatsächlich Menschen aussteigen. Dann erreichen wir auch schon Southampton und sind pünktlich um 22:15 Uhr am Busbahnhof, ohne dass der Fahrer gehetzt wirkte. Nur einmal wurde er ungehalten, als sich Fahrgäste trotz seiner wiederholten Aufforderung, sich zu setzen, dem nicht nachkamen, denn er darf nur fahren, wenn alle Passagiere sitzen. Daran hält er sich strikt. Und alle Passagiere schnallten sich nach seiner Aufforderung auch an, denn it‘s the law. Auch das ist faszinierend zu beobachten.

Nach einer kleinen Orientierung und einem kurzen Fußweg durch die Innenstadt, die gut gefüllt mit Partygängern ist, erreichen wir unser AirBnB-Appartement, dessen Tür mit einem Yale-Schloss gesichert ist, das einen Zahlencode erfordert. Den haben wir, und wir wissen ihn trotz Müdigkeit auch auswendig. Doch das Zahlenfeld, um ihn einzutippen, erscheint nur, wenn die Fläche zunächst von der ganzen Hand vollständig verdeckt wird (und auch dann nicht sofort). Wir sind müde, hungrig, ungeduldig, benötigen sehr viele Versuche, aber schließlich klappt es doch. Wir sind drin, das Appartement ist gut ausgestattet. Wir verzehren unsere Sandwiches mit Bier (der Tesco Express in der Nähe hatte noch bis 23 Uhr geöffnet) und fallen kurz nach Mitternacht local time völlig fertig ins Bett.

Abendspaziergang durch das Botschaftsviertel (Berlin, Oktober 2023)

Wir sind im Pestana Hotel Berlin Tiergarten abgestiegen. Von unserem langen Aufenthalt auf Madeira im letzten Jahr hatten wir genügend Treuepunkte gesammelt, um den Preis des Hotelzimmers etwas zu senken.

Nun wohnen wir im Botschaftsviertel am südlichen Rand des Tiergartens und nutzen die Zeit nach dem Einchecken noch für einen kleinen Spaziergang, bevor es zum Abendessen geht.

In kurzer Zeit kommen wir hier fast um die ganze Welt. Kleinere Länder mieten sich eher in Bürohäusern ein, wie hier in dem linken Gebäude, in dem sich die Botschaften des Königreichs Bahrain, von Malta und Luxemburg befinden.

Als Berlin wieder Hauptstadt geworden war, kehrten andere Länder an die Standorte zurück, an denen sich ihre Botschaft schon seit dem Kaiserreich befunden hatte. Den Zweiten Weltkrieg haben dabei nur wenige Villen unbeschadet überstanden. Viele Gebäude wurden auf den alten Grundstücken neu gebaut.

Andere wie zum Beispiel Italien hier mit ihrem Palazzo rekonstruierten die alten Bauten oder knüpften daran an. Hier folgt eine kleine Auswahl weiterer Botschaften:

Hier im Viertel befinden sich jedoch nicht nur Botschaften und Hotelgebäude. Die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Baden-Württembergisch haben dazwischen sehr repräsentative Landesvertretungen errichtet.

Im Gebäudekomplex, das heute dem Bundesverteidigungsministerium gehört, findet sich auch die Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Im Innenhof des früher auch „Bendlerblock“ genannten Gebäudes erinnert ein Mahnmal an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus.

Das Bronzedenkmal eines jungen Mannes mit gefesselten Händen stand vor der Umgestaltung 1980 noch auf einem Sockel. Geschaffen wurde es 1952 vom Bildhauer Richard Scheibe, wie auch immer dieser damals zu diesem Auftrag gekommen ist.

Denn er war während der Nazi-Zeit ein sehr beliebter Künstler, wurde in die „Gottbegnadeten-Liste“ des Reichspropagandaministeriums aufgenommen und befürwortete noch im April 1945 die Fortsetzung des Krieges. Unfassbar!!

Die Gedenktafel erinnert an die Offiziere rund um Graf von Stauffenberg, die nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler noch in der Nacht vom 20. Juli 1944 hier im Innenhof hingerichtet wurden.

Neue Nationalgalerie (Berlin, Oktober 2023)

Da fehlt doch der letzte Eintrag zu unserem Kunst- und Kulturausflug nach Berlin. Am Abreisetag können wir das Auto noch etwas länger in der Hotelgarage parken lassen, um der Neuen Nationalgalerie einen Besuch im Innern des Gebäudes abzustatten. Wir gehen wieder am Tiergarten entlang zum Museumsquartier. Diesmal gibt es auch Eintrittskarten für uns. Die kauft man im Untergeschoss. Die ebenfalls dort untergebrachte ständige Sammlung ist wegen Umbaus geschlossen (nicht, dass sie deshalb den Eintrittspreis vielleicht etwas gesenkt hätten, nein).

Aber im Untergeschoss sind zwei weitere Ausstellungen zu sehen. Wir sehen uns zunächst Gerhard Richters 100 Werke für Berlin an, die er der Neuen Nationalgalerie dauerhaft zur Verfügung stellt. Es finden sich Bilder aus allen Schaffensperioden:

„Das zentrale Werk der Ausstellung ist der aus vier großformatigen, abstrakten Bildern bestehende Zyklus „Birkenau“ (2014). Er ist das Ergebnis einer langen und tiefen Auseinandersetzung von Gerhard Richter mit dem Holocaust und dessen Darstellbarkeit. Grundlage der Werke sind vier Fotografien aus dem KZ Auschwitz-Birkenau, die der Künstler mit Kohle und Ölfarbe auf vier Leinwände übertragen hat, um sie dann nach und nach abstrakt zu übermalen. Mit jeder Farbschicht verschwand die gemalte Vorlage etwas mehr, bis sie schließlich nicht mehr sichtbar war. Zu dem Werk gehört auch ein großer, vierteiliger Spiegel, der gegenüber den vier Birkenau-Bildern platziert ist und so eine weitere Ebene der Reflexion erzeugt.“ (aus der Beschreibung auf der Webseite).

Hier sind die Bilder und deren Betrachter im erwähnten Spiegel zu sehen. Der graue Spiegel von 2019 (und auch die anderen Spiegel in der Ausstellung) ist so auf Hochglanz poliert, dass viele Besucherinnen und Besucher ihn gar nicht als Kunstwerk wahrnehmen.

Der ungarisch-französischen Künstlerin Judit Reigl (1923-2020) ist anlässlich ihres 100. Geburtstags (und der Schenkung von dreien ihrer Hauptwerke) auch eine kleine Ausstellung gewidmet. Nie bisher von ihr gehört, ist es auch tatsächlich die allererste Einzelausstellung ihrer Werke in einem deutschen Museum. Laut Beschreibung gehört sie zu den wichtigsten Malerinnen ihrer Generation – wieder was dazu gelernt!

Danach benötigen wir erst einmal eine Kaffeepause im „Erfrischungsraum“, das steht tatsächlich an der Tür! Ist aber ganz hübsch hier. Und zum Kaffee gibt es ein Glas Wasser dazu.

Dann geht es wieder nach oben in den Teil des Gebäudes, in den wir eigentlich wollten. Diese Ikone der Klassischen Moderne von Ludwig Mies van der Rohe schloss 2015 wegen Renovierungsarbeiten. Nach sechs Jahren öffneten sich die Türe wieder. Nun kann man wunderbar durch die Fenster hinein und herausschauen, so wie zur Eröffnung 1968. Es ist toll, lichtdurchflutet, immer noch sehr modern wirkend, ein schönes Gebäude. Wir finden, die 140 Millionen Euro sind gut angelegt worden.

Allein die Fensterscheiben der 1500 Quadratmeter Fassadenfläche auszutauschen! Die oberen mussten in China angefertigt werden, weil zu dem Zeitpunkt kein Glaswerk irgendwo sonst diese Maße produzieren konnte.

Im Ausstellungsraum sind insgesamt 75 Werke der deutschen Künstlerin Isa Genzken aufgestellt. Die in Schleswig-Holstein geborene und in Berlin lebende, international erfolgreiche Künstlerin hatte sich schon immer gewünscht, in dem Mies van der Rohe-Bau ausstellen zu dürfen. Anlässlich ihres 75. Geburtstags ehrt die Neue Nationalgalerie sie nun und macht ihr die Ausstellung von 75 ihrer unterschiedlichen Skulpturen zum Geburtstagsgeschenk. Das Werk ist sehr vielfältig, regt viele zu Diskussionen an und zaubert ein Lächeln auf alle Gesichter.

Wir haben ein paar wunderbare Tage in Berlin verbracht. Leider bereichern wir etwas später auf dem Berliner Ring die Galerie der teuren deutschen Porträtfotos um mein eigenes. Schade!