Auf See, cruise day 1-2 (Jewel of the Seas, 2022)

Und dann sind wir endlich auf dem Schiff! Darauf haben wir lange gewartet. Wir lassen dieses herausfordernde und anstrengende Land hinter uns und können relaxen. Unsere Kabine ist schön groß, die Koffer kommen im Laufe der Zeit hoch. Die Sicherheitseinweisungen sind schnell erledigt, nachdem wir unsere musterstation gefunden haben. Wir essen erst einmal Lunch und ruhen uns aus, bevor wir das Schiff erkunden.

Während des Auslaufens kommen wir an Miami Beach vorbei. Aus der Ferne sieht alles wirklich sehr schön und „glitzy“ aus, mit a lot of fun. Aber eben immer nur für die, die über genügend Geld verfügen. Wir haben auch die anderen Bereiche gesehen, in die Touristen nicht unbedingt kommen. In den Trolleybussen waren wir immer die einzigen Fremden. Für uns ist Miami eine Urlaubsdestination, die wir nicht noch einmal wählen würden.

Aber nun sind wir ja in unserem bekannten Mikrokosmos (Es ist bereits unsere vierte Kreuzfahrt mit Royal Carribbean.), wir können uns jetzt entspannen. Es ist Zeit, sich zum Abendessen umzuziehen. Im Restaurant ist die Menüauswahl gut, wir essen zum Abschied noch einmal US-amerikanische Spezialitäten: Maryland Crab Cake, Southern Fried Chicken und Key Lime Cheesecake. Das Personal ist sehr zugewandt und aufmerksam. Im kleinen Kino wird Ghostbusters Afterlife gezeigt, ein lustiger Abschluss des anstrengenden Tages.

Den nächsten Tag verbringen wir auf See. Das Schiff fährt so ruhig im Golf von Mexiko, dass wir gut und lange schlafen. Wir verbringen den Tag mit lesen, essen und gucken. Das Schiff ist nicht wirklich voll. Wir finden immer freie Plätze, sei es in den Restaurants oder auf den Liegen an Deck. Den Poolbereich vermeiden wir, dort ist es voll und laut. Die Lufttemperatur beträgt 27 Grad, da kann man es im Schatten gut aushalten. Das Meer ist intensiv blau und rauscht so schön laut, dass alle anderen Geräusche zuverlässig ausgeblendet werden. Nach dem Abendessen gehen wir wieder ins Kino, diesmal gucken wir Marry me. Anschließend holen wir uns noch einen Tee zum Abschluss. Es ist wenig los auf den Decks. Das Schiff rollt ein bisschen, vielleicht ist das ein zu ungewohntes Erlebnis für die meisten Passagiere. Wir lassen uns von den Wellen in den Schlaf schaukeln.

Downtown & Coral Gables, Miami, FL, day 57-58 (USA 2022)

Unser Hotel Eurostars Langford liegt in Downtown Miami, so mittendrin in der Business District Area. Früher war das Gebäude eine Bank, erbaut 1920 und so ein schönes Beispiel der Beaux-Arts-Architektur. Einiges aus der ehemaligen Inneneinrichtung ist beibehalten worden.

Zum Frühstücken gehen wir einfach die Straße ein Stückchen herunter. Dort finden sich jede Menge unterschiedlicher Frühstückslokale, die vormittags alle sehr gut besucht sind. Rund ein Viertel der BewohnerInnen hier sprechen kein oder nur gebrochenes Englisch. Da wir das nicht wussten, trifft uns das häufige „No hablo inglés!“ etwas unvorbereitet. Ein merkwürdiges Gefühl, sich plötzlich nicht mehr einfach verständigen zu können, aber glücklicherweise ist eigentlich alles hier zweisprachig beschriftet. Und sonst kann man ja auch noch mit dem Finger zeigen.

Das historische Downtown und das benachbarte Bicknell sind eine der Gegenden in den USA, die am schnellsten wachsen und sehr dicht besiedelt sind. Zwischen den renovierten Altbauten und glitzernden Neubauten finden sich überall homeless people, die in Zelten oder nur in Pappkartons am Straßenrand, unter den Überführungen oder in kleinen Nischen ihr Leben fristen. Sie betteln nicht und sprechen einen auch nicht an. Aber es bleibt sehr irritierend für uns, diese Gegensätze zwischen Arm und Reich an jeder Ecke so deutlich zu sehen.

Die Stadt ist nahverkehrstechnisch sehr gut für Fußgänger erschlossen, außer, man wartet an einer Fußgängerampel auf „grün“. Das dauert so lange, dass die meisten Menschen die Ampeln ignorieren und gehen, sobald kein Auto in unmittelbarer Nähe ist. Es gibt Trolleybusse, die umsonst zu benutzen sind. Auch eine Art Hochbahn, der Metromover, ist kostenlos.

Wir fahren mit dem Trolleybus nach Coral Gables, einer Stadt südlich von Downtown, die vor einhundert Jahren auf dem Reißbrett geplant wurde. Der „Erfinder“, George E. Merrick, wurde mit einer Statue vor dem Rathaus geehrt. Die Stadt ist im Mediterranean-Revival-Style erbaut worden, das Kernstück ist natürlich auch hier der Business District. Hier ist noch mehr Geld unterwegs, wir haben schon lange nicht eine so hohe Dichte an Ferraris, Porsches, BMWs und Audis gesehen wie hier. Die Geschäfte sind ebenfalls hochpreisig. Wir gucken uns alles an, trinken bei Starbucks einen normalpreisigen Kaffee und fahren nach einer Weile mit dem Trolleybus wieder zurück. Wir sind erschöpft von den starken Kontrasten, die wir in dieser Stadt erleben, aber auch vom ständigen Lärm um einen herum. Unser Hotelzimmer ist Bein angenehmer Rückzugsort.

Auf Wiedersehen USA, day 59, Miami, FL (USA 2022)

Nun sind zwei Monate roadtrip in den USA vorbei. Wir haben viel erlebt, darunter auch einiges, was wir lieber nicht erleben wollten. Nun beginnt sozusagen der Erholungsurlaub davon. Es geht zuerst in die Karibik, nach Mexiko und auf die Bahamas, und dann, quer über den Atlantik, zurück nach Europa. Wir besteigen heute die Jewel of the Seas im Hafen von Miami. Der Trolleybus wird uns dorthin bringen.

Bis mittags (Sonnabend) haben wir noch im Hotel (Internetzugang) auf das Testergebnis (Covid-19) gewartet, den wir am Donnerstag (!) gemacht haben. Es kam nichts (natürlich). Deshalb sind wir im Hafen als erstes zum Testzentrum gegangen (mit vier Koffern). Der Schnelltest war mit Hilfe des Personals (alles digital auf dem Mobiltelefon, aber nicht für europäische Staatsbürger angelegt) schnell gemacht und das Ergebnis schnell da. Sie haben noch nicht einmal unsere Ausweise kontrolliert, das wird ja auf dem Schiff erledigt.

Dann geht es in der Mittagshitze weiter Richtung Schiff. Die Rollen der Koffer sind gut, der Fußweg ohne größere Schlaglöcher. Nachdem wir am dritten Schiff vorbeigekommen sind, fragen wir lieber mal nach. Es liegen fünf Kreuzfahrtschiffe an der Mole. Und siehe da, unser Schiff liegt gar nicht am auf der Webseite angegebenen Pier, sondern am entgegengesetzten Ende. Wir sind die ganze Zeit in der falschen Richtung unterwegs! Also wieder zurück, es ist immer noch heiß, die Koffer wiegen immer noch 25 Kilogramm das Stück, mindestens. Aber es bleibt uns nichts anderes über, am Ende werden wir drei Kilometer Fußweg hinter uns und einen Sonnenbrand auf uns haben. Ich schreibe hier besser keine der Wörter auf, die ich auf dem Weg zum Schiff verwendet habe. Als wir am richtigen Schiff ankommen, werden uns die Koffer gleich abgenommen. Nun ist das Leben schon leichter!

Das Einchecken dauerte dann auch noch mal, aber im Gebäude ist es jedenfalls klimatisiert. Wir zeigen die Bordkarten (auf unserem Mobiltelefon), die Reisepässe, die Visa (in den alten Reisepässen), die Impfnachweise (zuerst den EU-Ausdruck, dann wollen sie noch die originalen Impfausweise sehen) und die negativen Testergebnisse (auf dem Androidtelefon) vor. Dann schieben wir unsere restlichen Dinge durch den Scanner (Taschenmesser ist im anderen Koffer) und können an Bord gehen.

PS: Die SMS mit dem Testergebnis vom Donnerstag kommt übrigens gegen halb fünf auf das Telefon , eine Stunde nach dem Ablegen des Schiffes.

Das Ende der Reise im Wohnmobil, PA – NY – FL, day 55-56 (USA 2022)

Wie gut, dass wir in Jonestown übernachtet haben. Die Mengen an Regen dort sind weiter nördlich als Schnee herunter gekommen. Zuerst sehen wir den Schnee nur oben auf den Berghängen und finden den Anblick ganz possierlich. Dann fahren wir in die Pocono Mountains hinein und landen im winterwonderland. Die interstate ist frei geräumt, aber überall stehen die Schneepflüge noch bereit.

Glücklicherweise ist der Schneefall nicht bis nach New York gekommen. Hier ist es nur eisig kalt. Wir schrauben uns noch einmal, sozusagen zum Abschied, die Serpentinenstraße zum Hudson River hinunter, um sie nach der Überquerung des Flusses zum Bear Mountain wieder hochzuschrauben. Kurz darauf sind wir in (mal wieder) in Peekskill angelangt.

Wir stellen das Motorhome auf den Hof und verbringen den restlichen Tag mit Kofferpacken. Wir hatten schon zu Beginn viel zu viele Dinge mit, nun kommen auch noch die Mitbringsel dazu! Allein die Wintersachen aus dem Februar füllen schon einen Koffer. Das geht nicht, wir brauchen den Platz. Also werden wir in den Wintersachen nach Florida in den Sommer fliegen. Der Papierkram am Ende des Mietverhältnisses benötigt auch seine Zeit, da das Büro nicht besetzt ist. Die Aushilfe findet zwar alles mögliche und irgendwann auch unsere Akte. Aber es dauert. Der Transfer zum Flughafen wird auch nicht wie geplant klappen, der Fahrer ist nicht verfügbar. Auch Uber fährt nicht von Peekskill aus zum Flughafen. Wir werden mit einem normalen Taxi fahren, kostet genauso viel.

Beim Packen finden wir unsere Ausweise nicht mehr, die Panik ist riesig! Sie finden sich hinter dem Klappsofa wieder. Dort sind sie wohl gelandet, als sich einmal die Oberschränke während der Fahrt geöffnet hatten. Die Schlaglöcher hier in den Straßen sind unbeschreiblich tief. Um den Schreck zu kompensieren, besuchen wir noch einmal den Diner und essen dort zu Abend.

Am nächsten Tag haben wir bald alles fertig gepackt, abgewaschen und den Rest sauber gemacht. Es ist sogar noch Zeit, etwas zu lesen (die Heizung im Wohnmobil funktioniert immer noch sehr gut, es ist sehr kalt draußen). Mario, unser Taxifahrer meldet sich zwischendurch, um die Abfahrtszeit zu bestätigen. Alles läuft gut, bis wir von den Wohnmobilvermietern die Waage ausleihen, um unsere Koffer zu wiegen. Zwei von dreien haben ein ordentliches Übergewicht, in den leichteren passt nichts mehr rein!

Ein kurzer online-Check ergibt, dass es viel teurer wäre, für das Übergewicht zu zahlen, als einen weiteren Koffer aufzugeben. Es ist noch eine Stunde bis zur Abfahrt des Taxis. Wir bekommen noch einmal das kleine Auto ausgeliehen und düsen zu Walmart. Natürlich stehen alle Ampeln auf rot, der Parkplatz ist voll, am gewünschten Koffer ist kein Preis, kein shop assistant zu sehen, noch 40 Minuten. Dann ist nur eine Kasse geöffnet, eine zweite macht auf, ist aber sehr langsam. Unser schnelles Tempo auf dem Weg hinaus wird gebremst von der security, die gern einen Blick in den Koffer werfen möchte, noch 30 Minuten. Zurück auf der Straße darf man nur rechts abbiegen, wir müssen aber nach links. Also ein Stückchen weiter, ein u-turn an der nächsten Ampel, so schnell es geht zurück, an den roten Ampeln mit quietschenden Reifen beschleunigt, noch 20 Minuten. Kofferschlösser wieder lösen, schwere Sachen raus und in den vierten Koffer, kurzer Check mit der Waage, alles in Ordnung, das Taxi ist da. Insgesamt sechs Gepäckstücke passen so gerade ins Auto, und nach einer guten Stunde steigen wir bei strahlendem Sonnenschein in unseren Winterklamotten (die passten nicht in die Koffer) in Newark am Flughafen aus.

Nach erfolgreicher Aufgabe der vier großen Koffer (kostet uns nicht nur Geld, sondern auch wieder ein paar Nerven), dem Passieren der Sicherheitskontrolle (stressig, laut und drängelig) und Kaffee holen bei Starbucks (so langsam arbeitende Menschen, dass unser Leben auf einmal rückwärts zu laufen scheint) warten wir statt zweieinhalb Stunden fast vier Stunden auf den Flieger (verspätet, sehr langsames boarding) und sind weitere dreieinhalb Stunden später zurück im Sommer, diesmal in Miami.

Es ist um halb elf Uhr abends immer noch sehr warm. Die vorgebuchte Taxifahrt klappte problemlos (10 Dollar extra auf die Hand, da wir doppelt so viele Koffer wie gebucht dabei haben). Die Zimmer im Hotel sind riesig groß, mit einem bequemen Bett, Parkettboden und Mamorbad, sehr luxuriös nach dem Wohnmobilaufenthalt.

Ostertage in Luray, VA, day 52-54 (USA 2022)

Wir sind auf einem Campingplatz, der uns schon vor sechs Jahren auf der Durchreise begeistert hat. Nun bleiben wir drei Nächte hier. Inzwischen hat der Platz sich einer anderen Kette angeschlossen und heißt Spacious Skies Shanandoah Valley, ist aber immer noch toll.

Am Ostersamstag werden wir von den Betreibern zu Ostersnacks im Pavillon eingeladen (ab 12 Uhr, solange der Vorrat reicht). Da die meisten Familien einen Ausflug machen (wir waschen etliche Maschinenladungen Wäsche), reicht der Vorrat wohl länger. Wir wählen nach Farben aus und müssen den Zucker-Overkill mit Tee verdünnen.

Am ersten Tag ist es noch über zwanzig Grad warm, doch dann kühlt es rapide ab und der Wind frischt auf. Willkommen im Norden! Wir wollen uns die Luray Caverns, Tropfsteinhöhlen, angucken. Da ist das Wetter egal.Das Wohnmobil wird reisefertig gemacht, wir fahren drei Meilen zu den Höhlen und bald darauf wieder zurück. Der Eintritt kostet 32 Dollar, pro Person! Das ist uns zu teuer, wir haben in Europa schon jede Menge spektakuläre Höhlen besucht.

Wir werden das Geld lieber am nächsten Tag in den Tank stecken. Stattdessen genießen wir die Ruhe auf dem Platz und lesen. Gegen die Kälte hilft unsere Heizung prima.

Am Ostermontag geht es weiter nach Norden, wir fahren immer auf der interstate, von Virginia bis nach Pennsylvania. Dabei führen 25 Meilen durch West Virginia und 12 Meilen durch Maryland. Noch in Virginia beginnt es zu schneien! Den ganzen Weg bis nach Jonestown in Pennsylvania, abwechselnd Schnee, Regen, Hagel oder eine Mischung aus allem.

Unser Stellplatz auf dem KOA-Campingplatz in Jonestown liegt direkt am Swatara Creek, mit einer kleinen Treppe hinunter. Man könnte Kayaks ausleihen oder direkt im Wasser schwimmen. Aber es regnet und regnet und regnet. Und es ist kalt. Und das wlan ist zu schwach, ebenso wie das Telefonsignal. Wir haben keine Lust mehr auf Camping!

Von der Plateau Region in die Ridge Region, Blue Ridge Parkway, VA, day 51 (USA 2022)

Morgens sehen wir das Schild an der Serpentinenstraße, das uns eindrücklich davor warnt, sie zu benutzen. RVs, Trucks mit Anhänger und LKW sollen sie nicht benutzen, da die Kurven zu eng und zu steil sind. Ich überlege nicht lange, wir sind da hinuntergefahren, dann werden wir auch wieder hinauffahren, wenn auch sehr langsam und nur in den ersten Gängen. Acht Zylinder und 5300 ccm Hubraum müssen doch zu etwas gut sein. Aber zum Fotografieren ist keine Gelegenheit. Dann beginnt die letzte Etappe des Blue Ridge Parkways, noch 91 Meilen nach Norden.

Doch wir halten quasi gleich wieder an, bei milepost 83 befinden sich die Fallingwater Cascades. Wir wandern zum Bach, überqueren ihn auf einer Brücke und folgen den Verlauf in die Schlucht hinunter. An den Resten einer Brücke geht es über Felsbrocken wieder auf die andere Seite und durch den Wald hoch. Insgesamt sind es nur gute zwei Kilometer, aber dafür mit einem anständigen Höhenunterschied.

Kurz bevor wir unser Auto wieder erreichen, treffen wir auf ein Ehepaar aus Alabama, die den Rundweg in der entgegengesetzten Richtung wandern. Wir halten noch einen kleinen Schnack, bevor wir die Autofahrt fortsetzen.

Wir passieren den höchsten Punkt des Weges in Virginia (1204 Meter, bestückt mit Antennen und einer Radarkuppel) und nur 21 Kilometer später den niedrigsten Punkt (198 Meter). Mathematisch begabte können ja mal das durchschnittliche Gefälle ausrechnen.

Auch auf den letzten fünfzig Meilen bleiben die Ausblicke spektakulär und abwechslungsreich:

Kurz vor dem Ziel bei Rockfish Gap (milepost 0) ist der Shanandoah River zu sehen. Wir fahren im Tal noch bis Luray, wo wir ein paar Tage auf dem Campingplatz bleiben werden.

In der Plateau Region, Blue Ridge Parkway, VA, day 50 (USA 2022)

Innerhalb weniger Minuten sind wir heute wieder auf dem Blue Ridge Parkway (milepost 200) und es geht weiter nach Norden. Als die Straße Mitte der 1930er geplant wurde, stießen die Planer noch auf etliche einsame, aber noch bewirtschaftete Gehöfte in den abgelegenen Höhen der Appalachen. Einige wurden als Beispiele für die Besiedelung erhalten.

Wir schauen uns Mabry Mill an, eine Wassermühle und Schmiede, die um 1910 von Ed und Lizzy Mabry errichtet und 26 Jahre betrieben wurde (milepost 176).

Im linken (vorne) Teil befand sich die Sägemühle, in der Ed Holz für seine Nachbarn sägte. Im hinteren Teil befand sich eine Holzwerkstatt für Wagenräder. In der Mitte wurde Mais (kein anderes Getreide) gemahlen. Kunden bezahlten entweder mit Geld oder mit einem Achtel ihres Mehles. Wenn in regnerischen Zeiten mehr Wasser zur Verfügung stand, wurde die Sägemühle betrieben.

Um an dieser Stelle auf 1000 Meter Höhe eine Wassermühle zu betreiben, stand eigentlich zu wenig Wasser zur Verfügung. Ed leitete das Wasser zweier kleiner Flüsse um. Dafür baute er ein ausgeklügeltes System aus Holz.

Solche kleinen Sägemühlen gab es überall in den Appalachen. Daher wurden auch die typischen Häuser aus Holz gebaut. Zu Beginn hatten sie immer nur einen Raum, oder, wie bei dem abgebildeten, noch einen weiteren im Obergeschoss. Wenn später etwas mehr Geld und Material zur Verfügung stand, entstanden Anbauten.

Überall in den Appalachen wurde auch Whiskey gebrannt, oft nachts, da es schon immer illegal war. So entstand der Begriff moonshine für das Getränk. Whiskey war einfacher als Mais zu lagern und zu transportieren und brachte zusätzliches Einkommen.

Maismehl wurde mit Malz, Zucker und Wasser gemischt und im Fass fermentiert, anschließend im Kupferkessel erhitzt. Das Destillat wurde abgefüllt oder für einen höheren Alkoholgehalt ein zweites Mal gebrannt.

Während der Saison, die irgendwann im Frühling startet (genaue Daten sind nicht zu erfahren, noch ist alles geschlossen), werden die alten Handwerkstechniken gezeigt und erklärt. Wir genießen stattdessen die Ruhe beim Rundgang.

Der heutige Abschnitt des Blue Ridge Parkways liegt im Schnitt 900 Meter hoch. Die Ausblicke sind ganz andere. Manchmal fahren wir direkt auf dem Berggrad entlang und können gleichzeitig links und rechts in die weiten Täler schauen. Bei Roanoke ist die Straße wieder für einige Meilen gesperrt. Wir staunen uns hinunter in die Stadt und durch den Stadtrand hindurch, bis wir wieder auf der Bergstraße sind. Bildergalerie

Der Blick am Great Valley Overlook (760 Meter Höhe) hinunter ins Tal ist grandios. Das „Große Tal“ erstreckt sich von New York bis hin nach Alabama, durch die Appalachen hindurch. Die Berge im Hintergrund sind die Alleghenies. Hier verlief der „Große Kriegspfad“ der Irokesen und der Cherokee. Der wurde von den schottisch-irischen und den deutschen Pionieren benutzt, als sie von Pennsylvania kommend in dieser Gegend siedelten (1730-50).

Nach weiteren zehn Meilen fahren wir bei milepost 91 ab. Der heutige Campingplatz liegt im Jefferson National Forest, direkt an einem Bach, dem Middle Creek. Wir fahren über Serpentinen hinunter ins Tal des James River, überqueren ihn bei Buchanan, um dann an einem anderen Flusslauf wieder in die Berge hineinzufahren.

Hier ist es noch viel ruhiger, nicht einmal die Eisenbahn, die nachts gern tutet, ist mehr zu hören. Das einzige, was murmelt, ist der Bachlauf. Auch das Telefon kann nicht klingeln, kein Empfang. Wir lesen und gehen früh zu Bett.

Von der Highland Region in die Plateau Region, Blue Ridge Parkway, NC/ VA, day 49 (USA 2022)

Oben auf einem Berg in ca. 1000 Meter Höhe mit nichts als Natur um sich herum schläft man außerordentlich gut. Auf dieser Bergkuppe hat man schon Tabak angebaut und Heu gemacht. Als hier vor etwas mehr als zehn Jahren ein trailer park entstehen sollte, kaufte der Nachbar, der seine Ruhe erhalten wollte, kurzerhand die Bergkuppe mit allem Gelände drumherum, knapp 67 Hektar.

Er richtete den kleinen Campingplatz extra anders ein als alle anderen rundherum, mit viel Platz, einfachem Angebot und sehr vielen hiking trails, die in die Wälder rundherum führen. Wir fahren die Schotterpiste wieder herunter und realisieren dann erst, wie hoch wir auf den Berg „gekrabbelt“ sind.

Bald darauf geht es wieder auf den Blue Ridge Parkway (milepost 276). Wir können etwas zügiger fahren als auf den anderen Abschnitten. Es ist nicht mehr so kurvig. Stattdessen sehen wir landwirtschaftlich genutzte Flächen und auch Bebauung (in tausend Meter Höhe).

Der Parkway ist gesäumt von hohen Rhododendrenbüschen, man könnte sogar von Bäumen sprechen. Im Mai/ Juni muss es hier wundervoll aussehen, wenn alles blüht.

Beim milepost 238 halten wir an Brinegar Cabin an. Es ist das einzige Häuschen, das 1916 nach sturzflutartigen Regenfällen und anschließenden Schlammlawinen vom Dorf Basin Cove (zwanzig Familien, Laden, Kirche, Schule) übrig blieb. Auf der Karte kann man das Unglück ermessen.

Martin Brinegar kaufte das Land 1876 mit 19 Jahren und baute eine Ein-Raum-Hütte darauf. Zwei Jahre später zog er frisch verheiratet mit seiner 16jährigen Ehefrau Caroline ein.

Als die Familie mit zwei Erwachsenen und drei Kindern zu groß wurde, begann Martin 1886 dieses Haus zu bauen, ein Raum und ein Schlafboden. Da er alles selbst aus Materialien seines Landes machte (Steine, Holz, Lehm), dauerte der Bau drei Jahre. Später kam noch der kleine Anbau dazu (Schlafzimmer und Küche, daher der zweite Schornstein).

Das Gebäude hinten links war für die Vorräte. Es gab keinen Kühlschrank. Auf dem Boden unter dem Dach lagerte das Getreide, Kräuter wurden getrocknet. Darunter wurde das gepökelte Fleisch nach dem Schlachten der Schweine aufbewahrt. Ganz unten im gemauerten Teil lagerten Früchte, Gemüse und Eingemachtes.

Die Familie lebte als Selbstversorger. Ein wenig zusätzliches Einkommen kam noch dazu. Martin machte Schuhe, nicht nur für die Familie, sondern auch für die Nachbarn. Caroline sammelte und trocknete Heilkräuter, die sie verkaufte.

Neben der Farmarbeit nähte Caroline auch die Kleidung für die Familie. Diese wurde aus einem Leinen-Wollgemisch hergestellt. Für den Leinenfaden bauten sie Flachs an, für den Wollfaden hielten sie Schafe. Beides wurde auf dem Webstuhl zu Tuch gewebt. Der Webstuhl nimmt einen großen Teil der Hausfläche ein.

Während das restliche Amerika in die Neuzeit des 20. Jahrhunderts rutschte, blieben etliche Bewohner in den Appalachen noch bis in die erste Hälfte des Jahrhunderts hinein ohne moderne Annehmlichkeiten wie fließendes Wasser (in der Nähe gibt es eine Quelle) oder Elektrizität. 1925 starb Martin an Lungenentzündung. Zehn Jahre später kaufte der Staat die Farm, damit sie Teil des Blue Ridge Parkways wurde. Caroline erhielt ein lebenslanges Wohnrecht. Durch den Autoverkehr wurde es ihr jedoch zu laut, sie zog zu ihrer Tochter und starb dort 1945. Bewundernswert, dass sie trotz dieses harten Lebens in den Bergen 82 Jahre alt wurde.

Wir überqueren die stateline zwischen North Carolina und Virginias (milepost 216) und wollen kurz darauf das Blue Ridge Music Center besuchen. Die Enttäuschung ist groß, auch hier ist alles geschlossen. Das ist schon frustrierend.

Wir beschließen, den heutigen Campingplatz schon wesentlich früher anzufahren und uns auszuruhen. Praktischerweise befindet sich der KOA-Platz Fancy Gap direkt am Parkway. Die Zufahrt befindet sich noch auf der Abfahrt vom Parkway. Wir verbringen den Rest des Tages auf unserem „Balkon“, genießen die Ruhe und das zügige Internet (das langsamer wird, je mehr Gäste anreisen).

Von der Pisgah Region in die Highland Region, Blue Ridge Parkway, NC, day 48 (USA 2022)

Bei Regen ist eine Aussichtsfahrt nicht ganz so schön wie bei blauem Himmel. Unsere kleine Wanderung zwischendurch machen wir in einer Regenpause. Zu Beginn unserer zweiten Etappe müssen wir wieder ein Stück gesperrten Parkway umfahren. Wir schrauben uns auf der gerade neu geteerten country road 80 hoch, bis wir bei 1.021 Metern den Punkt der östlichen kontinentalen Wasserscheide erreichen.

Wir fahren am Lake Tahoma und durch sehr ansprechend aussehende Siedlungen vorbei, wir befinden uns wieder auf einem scenic byway.

Am Buck Creek Gap (1028 Meter) fahren wir auf den Parkway (milepost 344). Es gibt in regelmäßigen und kurzen Abständen overlooks, Aussichtspunkte mit kleinen Parkplätzen oder sogar mit Picknickbänken.

Little Switzerland besteht aus verschiedenen Restaurants etc., und siehtvsi aus, wie sich Amerikaner Schweizer Berghütten vorstellen, also recht weit entfernt von der Realität.

Der Blick weitet sich, die Obstbäume des historic orchard of Altapass säumen unseren Weg.

Das Linville Falls Visitor Center ist geschlossen, wenn man eine Karte der Wanderwege haben möchte, muss man ein Foto vom Aushang machen. Das ist typisch amerikanischer Pragmatismus.

Wir entscheiden uns für den grünen Weg, viereinhalb Kilometer hin und zurück. Es geht über Stock und Stein durch den Wald am Linville River entlang bis zum ersten Aussichtspunkt, den Wasserfällen und weiter durch den Wald bis zur Schlucht, in die der Fluss hinabstürzt. Der Fluss fließt weiter nach Osten, bis er im Lake James mündet.

Nach einer Mittagspause im Motorhome (das ist wirklich praktisch) geht es auf dem Parkway Richtung Norden weiter. Wir passieren Grandfather Mountain (1.812 Meter), fahren über ein paar Brücken, halten kurz am Price Lake und wollen dann noch in den Craft Store im Visitor Center des Moses H. Cone Memorial Park. Doch, wie sollte es anders sein, das hat alles geschlossen. So sind wir zügig am Deep Gap (milepost 278), verlassen den Parkway für heute und fahren zum Campingplatz.

Das Blue Bear Mountain Camp liegt in der Berg-Pampa. Ein unmarkierter Schotterweg führt in die Berge hinein und endet auf einem weiteren Schotterweg, der uns auf ein kleines Hochplateau führt. Wir campen mit Stromanschluss, müssen uns das Wasser selbst holen und haben kein wifi und auch fast keinen Telefonempfang. Dafür ist das Badehaus super und die Ruhe himmlisch.

Zu Besuch in der Cherokee Indian Reservation, day 47 (USA 2022)

Wir wollen keine Mokassins kaufen und uns auch nicht im Glücksspiel versuchen, ist alles möglich hier. Aber wenn wir schon einmal hier sind, können wir auch das Museum of the Cherokee Indian ansehen. Die Cherokee siedeln bereits seit ungefähr 15.000 Jahren im Südosten der heutigen USA.

Zuerst jagten sie Mammuts, im Laufe der Jahrtausende wurden die gejagten Tiere kleiner (Rotwild und Truthähne). Um mit dem Speer Fische zu fangen, wandten sie einen Trick an. Sie streuten geriebene Walnussbaumrinde ins Wasser. Die enthaltene Gerbsäure lähmte kurzfristig das Nervensystem der Fische. Die Jäger konnten die Fische ihrer Wahl herauspicken, der Rest schwamm nach einer Weile weiter.

Später entwickelte sich der Gebrauch von Pfeil und Bogen für die Jagd. Die Nahrungsmittelversorgung wurde einfacher. So blieb Zeit, Getreide anzubauen, Tonwaren herzustellen und Körbe zu flechten.

Ein junger Cherokee zeigt uns, wie die unterschiedlichen Henkel/ Griffe für große Nutz- und kleine Schmuckkörbe angebracht werden.

Die „Three Sister“ bildeten die Hauptnahrungsmittel der Mississippi Indianer: Getreide, Bohnen und Kürbis (Squash). Um Schädlinge zu vertreiben, setzten sie auf biologische Schädlingsbekämpfung. Sie hängten Kürbisgewächse in ihren Gärten auf, um Purpurschwalben anzulocken.

Diese bauten Nester in den Kürbissen und fraßen Unmengen an Insekten. Dazu verteidigten sie ihr Territorium aggressiv gegen Krähen und Drosseln, die neu ausgesätes Korn fraßen.

Mit der Ankunft immer mehr Europäer wurde das Ende der Cherokee im Südosten eingeleitet. Die Weißen benötigten immer mehr Land und verdrängten die Ureinwohner. King George III von England erklärte zwar in einer Proklamation 1763, dass in den Appalachen und westlich davon keine Weißen mehr siedeln durften. Doch die Durchsetzung des verbrieften Rechts war aussichtslos. Dazu kam der amerikanische Unabhängigkeitskrieg, die königliche Erklärung wurde wertlos.

Zu Beginn des 19. Jahrhundert begann die Abschiebung der Cherokee nach Westen in das heutige Oklahoma. Ein Drittel starb auf diesem monatelangen Trail of Tears (Weg der Tränen).

Viele kulturelle Inhalte werden in dem Museum in Dioramen dargestellt und mündlich erzählt (Man kann es auch auf Tafeln lesen.). Alltagsgegenstände von früher existieren nicht mehr viele, eine Schriftsprache gab es bis vor 200 Jahren nicht.

Dieses Diorama stellt eine bemerkenswerte Reise dar. Häuptling Ostenaco sah in Charlestown ein Porträt König George III und sagte dazu: „Schon lange wünschte ich, den König zu sehen …“. Kurze Zeit später reiste er mit Stalking Turkey (Cunne Shote) und The Pigeon (Woyi) tatsächlich nach England.

Vor dem Museum erinnert eine Statue an Sequoyah, der den Cherokee eine Schriftsprache gab. Fasziniert davon, dass die Weißen sich schriftlich austauschen konnten, verbrachte er zwölf Jahre damit, eine Sprache zu entwickeln, die auf Silben basiert.

Das sogenannte Syllabary besteht aus 87 Symbolen bzw. Zeichen und wurde 1821 von der Cherokee Nation als das offizielle Schreibsystem anerkannt. Heute werden Unterrichtsmaterialien, offizielle Texte, Straßenschilder usw. auch in Cherokee herausgegeben.

Gut, dass wir ins Museum hineingegangen sind, es hat sich sehr gelohnt.