Nach einer guten Nacht machen wir uns auf den Weg, um irgendwo zu frühstücken. Die erste Bäckerei verkauft leider keinen Kaffee, in der zweiten dürfen wir uns nicht hinsetzen, dann geht es eben auf die High Street. Dort haben trotz des Sonnabends einige Banken offen und wir versuchen unser Glück, die alten Pfundscheine doch noch zu wechseln. In der ersten Bank sind sie sehr freundlich, haben aber an dem Tag gar kein Bargeld da und verweisen uns an die Post schräg gegenüber. Dort sind sie sehr freundlich, doch wechseln dürfen sie auch nur, wie schon zuvor bei der Bank, wenn wir ein Konto in Großbritannien hätten. Auf dem Weg zum auserkorenen Frühstücksrestaurant probieren wir noch eine Bank aus, man weiß ja nie.

Und, wer sagt‘s denn? Unsere Ausdauer wird belohnt, da der Filialleiter anwesend ist und offensichtlich Mitleid mit unserer aussichtslosen Touristensituation hat. Ohne Konto im Land hätten wir die Geldscheine nämlich nur bei der Bank of England direkt in London umtauschen können.
Der gute Mann schaut in einer little box mit Bargeld in einem der hinteren Räume nach, wie er sagt. Ich glaube ja, er zieht das Geld von seinem Konto ab und zahlt anschließend die alten Banknoten darauf ein. Nachdem er mehrere Türen mehrmals durchquert hat, kommt er mit zehn neuen £10-Scheinen für uns wieder, juhu!! Die Scheine wechseln ihre Besitzer und wir ziehen glücklich von dannen.

Im Poppins gibt es für beide ein full English breakfast inklusive zweier Scheiben black pudding. Leider ist der große Kaffee dazu ziemlich dünn und ungenießbar. Daher holen wir uns anschließend gegenüber bei Costa noch einen Cafe Mocha und genießen ihn draußen in der Sonne.
Dann machen wir das, worauf wir uns schon gefreut hatten, wir bummeln durch die Straßen, gucken in die charity shops und genießen das gute Wetter: kühl, aber sonnig. In der East Street schaue ich durch ein kleines Feld in ein Künstleratelier hinein. Ihnen werden hier für sehr wenig Geld unbenutzte ehemalige Geschäftsräume auf Zeit überlassen. Der Künstler ist bei der Arbeit, sieht mich und öffnet die Tür, so dass wir eintreten können. Es entwickelt sich ein sehr lebhaftes Gespräch über Kunst, kreatives Schaffen und Ergebnisse, wir lieben so etwas!

Er heißt David McDearmid und ist Teil von The Keepers Artist Collective und arbeitet gerade jetzt an einer Skulptur eines zu schlanken Mannes, den er in eine Figur verwandeln möchte, die dem Bacchus ähnelt. Die Holzspäne, die er dafür verarbeitet, schnitzt er alle von dem Stock Redwood-Holz, der am Tisch lehnt.
Nach diesem ungeplanten, wunderbaren Erlebnis nutzen wir das sonnige Wetter für ein paar Fotos der Gebäude in diesem Viertel, in welchem an allen Stellen eine langsame Gentrifizierung zu erkennen ist. Vor ein paar Jahren war es hier noch ziemlich heruntergekommen.

Unser Bummel führt uns dann die High Street hinunter zum Hafen. Auf dem Weg sehen wir die Reste der mittelalterlichen Stadt.

Hier befand sich das Watergate, indem im 15. Jahrhundert der Bürgermeister und Kontrolleur der Marine von King Henry V. lebte und arbeitete.

Hier (jetzt weit weg vom Wasser) landeten 1476 italienische Handelsschiffe an, um Wein, Früchte, Gewürze und Seidenstoffe aus dem Mittelmeerraum zu entladen.

Wir machen noch einen kleinen Abstecher Richtung City Cruise Terminal, um den günstigsten Weg für morgen zu finden, um zu Fuß mit den großen Koffern vom Appartement dorthin zu kommen. Dies ist noch nicht unser Schiff.
Nach einer Tee- und Verschnaufpause gehen wir noch einmal los zum Spazierengehen. Es geht die High Street nordwärts, die meisten Geschäfte haben noch geöffnet. Wir gehen bis zur City Gallery, in die wir morgen gehen wollen bzw. wollten, wie wir dann feststellen müssen. Sie hat sonntags geschlossen, wie außerordentlich schade, denn The Keepers Artist Collective stellt dort gerade aus! Nützt aber nichts.

Durch die schönen Parkanlagen geht es wieder zurück. Es ist noch zu früh zum Abendessen, deshalb machen wir noch eine Tour durch das Westquay Shopping Center.

Bei John Lewis ist schon Weihnachten ein großes Thema und wir nehmen einen Elefanten für unseren Adventsbaum mit, als Erinnerung an diese Tour/Cruise.
Dann geht es zum Abendessen in einen Fish ‚n‘ Chips Shop um die Ecke, wo wir lecker Dorsch und Pommes essen. Im Appartement gibt es noch ein leckeres Bier von BrewDog gibt, ein Punk IPA, sehr gut.

