
Nicht, dass wir plötzlich wandern würden, aber nun wissen wir, welchen Schildern man folgen könnte. Wir sind schon öfter auf das Symbol des Caminos gestoßen (er läuft direkt an unserem Campingplatz entlang), wussten aber nicht, was es bedeutet.

Nun wissen wir es, denn wir haben einen Pilgerstempel in einer Kirche gefunden! Auf unserer nächsten Radtour besichtigen wir die Kirche in Vilstrup. An der sind wir nun schon häufiger mit Rad oder Auto auf dem Weg nach Haderslev vorbeigefahren. Im Eingangsbereich liegt der erwähnte Pilgerstempel.

Die Kirche selbst besteht wie die in Hoptrup aus einem romanischen Schiff mit gotischen Anbauten. Sie hatte bis zum Ende des 17. Jahrhunderts einen wesentlich höheren Turm, so um die 65 Meter hoch, womit die Kirche von weithin sichtbar gewesen ist. Doch nach einem Brand wurde der Turm nur so weit aufgebaut, wie man ihn heute kennt und mit einer Spitze aus Blei versehen.

Wie in jeder dänischen Kirche hängt auch hier ein Schiff im Schiff. Die „Margrethe“ stammt aus den 1930er Jahren und wurde der Kirche vom Erbauer anlässlich der Hochzeit mit seiner Frau, die aus Vilstrup stammte, geschenkt.

Anlässlich der Hochzeit trug die Braut wohl auch die silberne Brautkrone der Kirche (wird nicht ausgestellt) und nahm Platz auf der speziellen Brautbank von 1678. Jene steht rechts neben dem Altar im Chorraum.

Interessanterweise waren der Altar und die Orgel, beides von 1803, ursprünglich eine Einheit, die im Chor stand. Im Zuge der Renovierungsarbeiten 1939-40 wurde diese Einheit aufgelöst. Die Orgel mit den dazugehörigen Emporen wanderte auf die Westseite. Die hellen Felder enthielten früher Altargemälde.

Arbeitslose Bildschnitzer aus Kopenhagen erhielten den Auftrag, eine neue Altartafel zu schnitzen, in die dann fünf Gemälde des alten Altares eingesetzt wurden. Solche Einzelheiten machen neugierig, mit was die anderen Kirchen entlang des Pilgerweges wohl aufwarten.

Der Pilgerweg entstand aus einem Ideenworkshop im August 2013 heraus. Man suchte für die Bewohner und Touristinnen gleichermaßen nach unterschiedlichen Freizeitangeboten. Einige Menschen waren schon mal pilgern in Spanien, andere waren eher lokalhistorisch interessiert und wussten, wo die alten Kirchwege verliefen.
Vor allem sollte es eine Graswurzelbewegung sein, die die Menschen in den Dörfern zusammenbringt. So wurde aus der Idee einer Wanderroute über Haderslev Næs, der Landmasse zwischen dem Fjord und der Ostsee, recht schnell ein Verein, der den Pilgerweg schuf und unterhält. Der Weg verbindet die beiden Kirchen der Domgemeinde Hadersley und die sieben Dorfkirchen. Die Website schlägt für die insgesamt 106 km lange Route, die man wandern, aber auch mit dem Rad zurücklegen kann, neun Abschnitte vor, einige davon sehr kurz. Wenn man einige Abschnitte zusammenlegt, ist es genau das richtige für ein verlängertes Wochenende. Die Webseite caminohaderslev.dk hält alle Informationen bereit, die man benötigt, auf Dänisch und auf Deutsch. God tur, liebe Freunde!