Überraschend im Weihnachtsbaum-Land (DK, August 2023)

In vier Monaten ist Weihnachten schon wieder vorbei! Und in spätestens zweieinhalb Monaten müssen wir unseren Weihnachtsbaum aussuchen. Man kann nicht früh genug damit beginnen, aber der Reihe nach!

Das Wetter verlockt uns noch einmal, eine Radtour zu machen. Diesmal soll es über Hoptrup durch die Felder Richtung Genner und zurück gehen. Die Wolken bieten ein schönes Bild am strahlend blauen Himmel.

Inzwischen ist die Getreideernte schon fast abgeschlossen. Die Maschinen hinterlassen schöne Muster auf den Feldern.

Nachdem wir den Slivsø passiert haben, schlagen wir einen neuen Weg nach Hoptrup ein. Durch einen kleinen Eichenwald (Lille Egedal) fahren wir immer entlang einer kleinen Au, die in den Slivsø mündet.

Unsere Straße mündet direkt gegenüber der Kirche. Nun können wir sie doch noch von innen besichtigen.

Als erstes finden wir auch hier den Pilgerstempel für den Camino, diesmal in einer sehr schönen Ausführung.

Das Kirchenschiff ist hier ein Modell des dänischen Segelschulschiffs ‚Danmark‘, 1952 gefertigt. Das Original feiert in diesem Jahr seinen einhundertsten Geburtstag und liegt, wenn es sich nicht grad auf Fahrt befindet, in Frederikshavn.

Die Orgel sieht nicht nur recht modern aus, sie ist es auch, erbaut im Jahr 1972. Während des ersten Weltkriegs wurden die metallenen Orgelpfeifen konfisziert und durch aus bronzierten Holzleisten gefertigte Pfeifen ersetzt. Damit war die Gemeinde sicherlich nicht glücklich. Schon seit 1820 wünschte man sich eine Orgel für die Kirche, aber erst 52 Jahre später war genügend Geld zusammen, um sich diesen Wunsch erfüllen zu können. Und dann werden die Orgelpfeifen einem 45 Jahre später wieder weggenommen, ausgerechnet vom deutschen Staat, zu dem das Gebiet seit 1864 ja gehörte. Immerhin hielten die hölzernen Ersatzpfeifen dann noch 55 Jahre lang, bis die „neue“ Orgel in den Dienst gestellt wurde.

Außer der großen Glocke im Kirchturm hängt innen in der südlichen Kapelle noch eine kleine Glocke, von der man nicht weiß, wie alt sie wirklich ist. Auf einer Inventarliste von 1711 wird sie zum ersten Mal erwähnt.

In einer Ecke steht der pengeblok für die Opfergaben. Dieser „Geldblock“ ist von 1789 und hat damals einen noch älteren ersetzt. Diese Blöcke wurden seit dem frühen 13. Jahrhundert in den Kirchen aufgestellt und waren meist aus Eiche gefertigt. Der Block wurde ausgehöhlt und rundherum mit Eisen beschlagen. Zwei große Vorhängeschlösser sichern die Kollekte noch heute, der pengeblok ist immer noch in Gebrauch.

Nach dem kurzen Besuch geht es weiter mit unserer Radtour, einmal quer durch die Feldmark. Dabei kreuzen wir wieder die Amtsbezirksgrenzen, von Haderslev Kommune rein in Aabenraa Kommune.

Das Wetter bleibt fein, der Weg ist etwas hügelig und die Ausblicke bleiben abwechslungsreich.

Wir fahren schließlich ein kleines Stückchen auf der 170 entlang, auf einem sehr breiten Fahrradstreifen, bis wir wieder in Richtung Ostsee abbiegen.

Kurz darauf finden wir uns im zu Beginn erwähnten Weihnachtsbaum-Land wieder, links und rechts des Weges Felder mit Tannen, einige schon mit den farbigen Kennzeichnungen für den Verkauf versehen.

Und dann sind wir ganz oben auf den Hügeln, am Horizont sind Gennerbucht (noch Aabenraa Kommune) und Diernæsbucht (schon Haderslev Kommune) zu sehen.

Noch ein kleines Stückchen über den letzten Hügel (Venbjerg) und dann in Schussfahrt hinunter zum Campingplatz, wo uns eine wohlverdiente Pause mit Tee und Keksen erwartet.

Skanderborg: Shopping, See und Schlingel (DK, August 2023)

In Graz habe ich von meiner Kollegin aus Dänemark erfahren, dass es in Skanderborg genbrugs butikker mit einer sehr guten Auswahl an hochwertigen Klamotten gibt.

In der Kleinstadt südlich von Aarhus leben viele wohlhabende Menschen, die in Aarhus arbeiten und ihre Freizeit in Skanderborg genießen. Also, auf nach Skanderborg, bereits seit der Steinzeit besiedelt.

Auf dem Weg in die Innenstadt kommen wir an der Schlosskirche vorbei, aber weit und breit ist kein Schloss zu sehen. Ein Blick in die Geschichte zeigt auf, dass die dänischen Könige schon im Mittelalter damit begonnen haben, am See eine Burg zu bauen. Nach und nach wurde diese ab dem 16. Jahrhundert umgebaut und erweitert. Bereits der spätere König Christian IV (1577-1648) hat als kleiner Kronprinz auf dem See das Segeln erlernt.

Die Renaissance-Ausbaustufe des Schlosses sieht auf dem alten Stich sehr imposant aus, doch im 18. Jahrhundert verlor die königliche Familie ihr Interesse am Schloss zu Skanderborg. Im Jahre 1767 wurde das Schloss mit den angrenzenden Gärten an eine bürgerliche Privatperson verkauft und in seinem Auftrag abgerissen. Die Schlosskirche ging jedoch mit allem Inventar an die Stadt und blieb so bis heute erhalten.

Im Vorwege haben wir uns die entsprechenden Adressen in der Innenstadt herausgesucht. Daher fahren wir einen Parkplatz in unmittelbarer Nähe an. Die alte Handelstadt Skanderborg kommt sehr unaufgeregt daher. Das Angebot richtet sich eher an die Bewohner als an Touristen, obwohl die Stadt mit ihrer Lage im Seenhügelland (der dänische Lake District) wirbt. Es sind außer uns auch keine weiteren Touristen zu sehen.

Nach dem Shopping (durchaus sehr erfolgreich) wollen wir noch einen Blick auf den großen Skanderborg Sø werfen. Er ist riesig (8,6 Quadratkilometer) mit einem sehr gewundenen Uferverlauf. Den westlichsten Zipfel haben wir schon oft auf der Autobahn Richtung Norden/Süden überquert. Wir hatten ja keine Ahnung, wie schön der große Rest ist!

Es gibt sogar vier kleine Inselchen im See, der durch das Abschmelzen eines eiszeitlichen Gletschers entstanden ist.

Wir nähern uns dem See aber nicht direkt. Nach dem Einkauf dürstet es uns nach einer Tasse Kaffee, gern auch mit einem Stück Kuchen dabei. Beides finden wir im Kulturhus, direkt am See gelegen.

Außer dem sehr guten Café gibt es hier Ausstellungen, eine Bühne, die Bibliothek, einen Lesebereich für Tageszeitungen und Zeitschriften, der unabhängig von der Bibliothek zu nutzen ist und ein Kino.

An den Außenbereich des Kulturzentrums schließt sich das Stadtbad an. In dem sehr modernen Zweckbau befinden sich Umkleidekabinen etc., und rundherum gibt es mehrere Möglichkeiten, bequem über Treppen oder Rampen zum Baden in den See zu kommen.

Picknickareale und ein Beachvolleyball-Feld sind am Seeufer zu finden und werden fleißig genutzt.

Auf unserem Gang zurück zum Auto kommen wir noch am Sløngel Pladsen vorbei. Das ist ein Kinderspielplatz, der mit Namen und Design an einen der berühmten Söhne der Stadt erinnert, den Kinderbuchautor Ole Lund Kirkegaard (1940-1979). Alle dänischen Kinder kennen und lieben seine Bücher.

Jedes Jahr findet in Skanderborg ihm zu Ehren eine Kinderbuchmesse statt und alle zwei Jahre gibt es noch ein großes Fest zum Sløngeldag, dem Schlingeltag.

Der benachbarte Supermarkt, bei dem wir vor der Rückfahrt noch einkaufen, bietet Kindern in Begleitung eines Erwachsenen kostenlos ein Stück Obst an.

Ob das wohl auch mit der Popularität Ole Lund Kirkegaards zusammenhängt?

Uns hat Skanderborg sehr gut gefallen. Das nächste Mal kommen wir besser Anfang August wieder. Dann wird in der Stadt, aber vor allem im angrenzenden Tierparkgelände ein großes Musikfestival veranstaltet, das Skanderborg Festival.

Radtour Richtung Årø (DK, August 2023)

Nachdem wir die Kirche in Vilstrup besichtigt hatten, geht es weiter mit dem Rad. Das Wetter ist gut, blauer Himmel, wenige Wolken und fast windstill. Warum nicht bis Årøsund fahren? Auch an diesen Hinweisschildern sind wir schon öfter vorbeigekommen. So weit ist es sicherlich nicht. Wir fahren durch die Feldmark und finden immer mal wieder das Camino-Symbol oder auch den Hinweis auf den Ostseeradweg.

In Kelstrup Strand bzw. Hejsager Strand treffen wir wieder auf die Ostsee. Die Wolken sehen nicht sehr vielversprechend aus.

Bevor wir uns Schutz vor den herannahenden Regen suchen, lädt ein kryds og bolle-Spiel auf der Bank am Strand zu einer Partie ein. Die meisten Leser*innen des Blogs werden es als Drei gewinnt oder als Tic Tac Toe kennen.

Die Regenwolke regnet sich dann doch über dem Wasser ab und wir setzen unsere Fahrt fort.

Es geht wieder Richtung Landesinnere. In Øsby sehen wir diese schön bunten Blühstreifen am Feldrand. Das sieht schon attraktiv aus.

Schließlich erreichen wir nach einer langen Fahrt immer nur geradeaus Årøsund.

Wir fahren gleich hinunter zum Hafen, da dort am Fähranleger höchstwahrscheinlich mindestens eine Hotdog-Bude zu finden ist. Außerdem geht es so wunderbar immer nur bergab!

Impressionen:

Die Freude ist groß, als wir das Angebot des Aarøsund Havnegrill entdecken!

Das Eisangebot ist sehr verlockend, die Temperatur und der Sonnenschein passen auch sehr gut. Doch inzwischen ist es schon kurz nach 14 Uhr, und wir haben wirklich großen Hunger.

Wir entscheiden uns für Burger und Pommes, dazu ein leicht alkoholisches Erfrischungsgetränk.

Zwischendurch kommen in schöner Regelmäßigkeit die Fähre und der Bus vorbei und laden immer neue Personen ein bzw. aus.

Nach knapp anderthalb Stunden Pause geht es auf den Rückweg. Der Popo möchte sich gar nicht so gerne wieder auf den Sattel setzen. Es hilft nichts, die Busse können keine Fahrräder mitnehmen. Inzwischen hat der Wind ordentlich zugelegt. Es geht bei Gegen- bzw. Seitenwind immer bergan.

Überall wird auf den Feldern geerntet. Hier auf diesem Feld sind sie noch nicht angekommen. Die Mähdrescher wirbeln sehr viel Staub auf und sind riesig, wenn man mit dem Fahrrad direkt an ihnen vorbeifährt.

Eine gute halbe Stunde später wird es uns zu langweilig, immer nur geradeaus auf der Landstraße zu fahren. Der Popo hat zwar keine Lust mehr, trotzdem entscheiden wir uns für eine etwas längere Strecke auf den kleinen Nebenstraßen.

Hier ist sind sie gerade fertig geworden mit dem Dreschen. Im Hintergrund sind die Ostsee und Årø zu erkennen.

Mit viel Quälerei kommen wir schließlich doch wieder am Campingplatz an. Sehr erschöpft, denn zwischendurch blockierte auch noch die Gangschaltung. Sie schaltete unter Belastung nicht mehr herunter. So mussten wir neben den kurzen Popo-Entlastungspausen auch noch die Räder die eine oder andere Steigung hochschieben.

Eine kleine Überschlagsrechnung ergibt, dass wir ungefähr fünfzig Kilometer gefahren sind (rot hin, blau zurück), ganz ohne Training. Kein Wunder, wenn sich der Körper dann beschwert! Eine schöne Tour war es trotzdem!

Am Camino Haderslev Næs (DK, August 2023)

Nicht, dass wir plötzlich wandern würden, aber nun wissen wir, welchen Schildern man folgen könnte. Wir sind schon öfter auf das Symbol des Caminos gestoßen (er läuft direkt an unserem Campingplatz entlang), wussten aber nicht, was es bedeutet.

Nun wissen wir es, denn wir haben einen Pilgerstempel in einer Kirche gefunden! Auf unserer nächsten Radtour besichtigen wir die Kirche in Vilstrup. An der sind wir nun schon häufiger mit Rad oder Auto auf dem Weg nach Haderslev vorbeigefahren. Im Eingangsbereich liegt der erwähnte Pilgerstempel.

Die Kirche selbst besteht wie die in Hoptrup aus einem romanischen Schiff mit gotischen Anbauten. Sie hatte bis zum Ende des 17. Jahrhunderts einen wesentlich höheren Turm, so um die 65 Meter hoch, womit die Kirche von weithin sichtbar gewesen ist. Doch nach einem Brand wurde der Turm nur so weit aufgebaut, wie man ihn heute kennt und mit einer Spitze aus Blei versehen.

Wie in jeder dänischen Kirche hängt auch hier ein Schiff im Schiff. Die „Margrethe“ stammt aus den 1930er Jahren und wurde der Kirche vom Erbauer anlässlich der Hochzeit mit seiner Frau, die aus Vilstrup stammte, geschenkt.

Anlässlich der Hochzeit trug die Braut wohl auch die silberne Brautkrone der Kirche (wird nicht ausgestellt) und nahm Platz auf der speziellen Brautbank von 1678. Jene steht rechts neben dem Altar im Chorraum.

Interessanterweise waren der Altar und die Orgel, beides von 1803, ursprünglich eine Einheit, die im Chor stand. Im Zuge der Renovierungsarbeiten 1939-40 wurde diese Einheit aufgelöst. Die Orgel mit den dazugehörigen Emporen wanderte auf die Westseite. Die hellen Felder enthielten früher Altargemälde.

Arbeitslose Bildschnitzer aus Kopenhagen erhielten den Auftrag, eine neue Altartafel zu schnitzen, in die dann fünf Gemälde des alten Altares eingesetzt wurden. Solche Einzelheiten machen neugierig, mit was die anderen Kirchen entlang des Pilgerweges wohl aufwarten.

Der Pilgerweg entstand aus einem Ideenworkshop im August 2013 heraus. Man suchte für die Bewohner und Touristinnen gleichermaßen nach unterschiedlichen Freizeitangeboten. Einige Menschen waren schon mal pilgern in Spanien, andere waren eher lokalhistorisch interessiert und wussten, wo die alten Kirchwege verliefen.

Vor allem sollte es eine Graswurzelbewegung sein, die die Menschen in den Dörfern zusammenbringt. So wurde aus der Idee einer Wanderroute über Haderslev Næs, der Landmasse zwischen dem Fjord und der Ostsee, recht schnell ein Verein, der den Pilgerweg schuf und unterhält. Der Weg verbindet die beiden Kirchen der Domgemeinde Hadersley und die sieben Dorfkirchen. Die Website schlägt für die insgesamt 106 km lange Route, die man wandern, aber auch mit dem Rad zurücklegen kann, neun Abschnitte vor, einige davon sehr kurz. Wenn man einige Abschnitte zusammenlegt, ist es genau das richtige für ein verlängertes Wochenende. Die Webseite caminohaderslev.dk hält alle Informationen bereit, die man benötigt, auf Dänisch und auf Deutsch. God tur, liebe Freunde!

Slivsø rundt, aber anders (DK, August 2023)

Den Slivsø in der Nähe des Campingplatzes haben wir schon vor zwei Jahren einmal mit dem Rad umrundet und dabei sehr nasse und matschige Füße bekommen. Hier kann man noch einmal nachlesen, was es mit der Geschichte auf sich hat.

Diesmal machen wir eine kleine Abendtour mit dem Rad. Es ist windstill und warm, schon eine kleine Sensation an sich in diesem Sommer.

Auf dem See rasten jetzt jede Menge Wildvögel.
Einige fliegen bereits weiter.
Auf der Westseite des Sees versammeln sich weiße Schwäne.

Der Weg am See herum ist angenehm zu fahren, es geht dem Sonnenuntergang entgegen.

Wir machen noch einen Abstecher zur Kirche in Hoptrup. Es ist schon zu spät, um sie von innen zu besichtigen. Das Licht der Abendsonne lässt alles wunderschön leuchten.

Und dort hinten, hinter dem Friedhof in dem roten Haus, da wohnt bestimmt eine Cousine von Pippi Langstrumpf.

Mit dem Bau der Kirche wurde bereits im Mittelalter begonnen, man vermutet das Ende des 13. Jahrhunderts als Baubeginn. So nach und nach erhielt die ursprünglich romanische Kirche insgesamt sechs gotische Anbauten:

… zwei Verlängerungen des Kirchenschiffs (1765), zwei Kreuzarme (1839), die Sakristei (1766) und ein Kirchenvorhaus (1766), netterweise alles schön mit den entsprechenden Jahreszahlen versehen.

Nachdem wir die Kirche umrundet haben, fahren wir durch das Dorf weiter und dann wieder über die Hügel zurück zum Campingplatz, den Slivsø unter und hinter uns lassend.

Eine schöne Abendrunde, inklusive Stopps waren wir eine Stunde unterwegs.

Strandvergnügen einmal anders (Vikær, DK, August 2023)

Nachdem der Westwind das Wasser weit aus der Diernæs-Bucht herausgetrieben hatte, kommt es jetzt so langsam wieder.

An den Spülsäumen rechts kann man erkennen, dass noch nicht wieder die alten Marken erreicht sind. Wir machen einen Spaziergang am Strand, unterhalb der Steilküste merkt man den Wind nicht sehr.

Der Ostwind treibt auch Feuerquallen in die Bucht. Da ist es doch gar schlimm, dass wir nicht die Temperaturen haben, die wir zum Schwimmen gut finden würden. Das Exemplar auf dem Foto ist wirklich sehr groß und abschreckend.

Hinter dem Gåsevig-Campingplatz kommt Abwechslung in den Strandabschnitt.

Den niedrigen Wasserstand der letzten Tage haben viele Spaziergänger:innen zum Steinmännchen bauen genutzt. Dieses Exemplar im Vordergrund sieht fast aus wie ein großer Vogel.

Kay beteiligt sich an der Aktion mit dem Bau weiterer Steinmännchen. Eine Herausforderung in Sachen Balance ist das Männchen auf dem Baumstamm.

Dann beginnt es leicht zu nieseln und wir machen uns auf den Rückweg. Über der Bucht sieht es noch ganz gut aus, während von Westen her der Wind kräftig auffrischt.

Sicherheitshalber suchen wir Schutz im Shelter, falls der Regen andauern sollte. Solche einfachen Übernachtungshütten finden sich sehr häufig in Dänemark und werden gern von (Rad-) Wanderern genutzt. Doch der Wind treibt nur die ans Ufer schwappenden Wellen mit Kraft wieder hinaus auf das Meer. Das ergibt ganz tolle Effekte auf der Wasseroberfläche, die an schillernde Stoffe erinnert.

Kurz darauf sieht der Himmel wieder bilderbuchmäßig aus.

Ein Besuch an der Nordsee: Holmsland Klit, Bjerregaard (DK, August 2023)

Das Sturmtief Zacharias zerrt an Bäumen und Büschen, an Vorzelten und an den Nerven. Die Wohnwagen und Camper werden von den starken Windböen durchgeschüttelt. Bei den Nachbarn reißen Seile bzw. brechen Zeltstangen. In der Diernæs Bucht herrscht „Ebbe“, da der Weststurm das Wasser hinausdrückt.

Eine der beiden Zufahrten zum Campingplatz ist gesperrt, da ein Baum über den Weg gestürzt ist.

Wir machen einen Ausflug nach Bjerregaard an die Nordsee, mal sehen, wie das Wetter dort aussieht. Wir besuchen Freunde, die dort im Sommerhaus ihren Sommer-Strand-Urlaub verbringen. Wahrscheinlich benutzen sie die Sauna und den Whirlpool öfter als eigentlich für den Sommer geplant. Wir fahren knapp zwei Stunden einmal quer durch Jütland, von der stark hügeligen Ostseite an die eher flache Nordsee-Seite. Im Auto läuft Musik statt des flatternden Dauertons des Vorzelts. Die Sonne scheint. Erinnerungen an unsere Autofahrten in Pennsylvania kommen hoch, die Landschaften ähneln sich.

Im Ferienhausgebiet angekommen peitscht ein Regenschauer über uns weg, von dem wir am Aussteigen gehindert werden.

Dann gibt es Kaffee und Kuchen, bevor die hohe Dünenkette, die uns vom Meer trennt, überquert wird.

Das Foto gibt es nicht wieder, aber der stürmische Westwind treibt den feinen Dünensand mit einer irren Geschwindigkeit gegen und über uns hinweg.

Ohne Sonnenbrille (die Kinder nutzen einfach ihre Tauchbrillen), Kapuzen und Tücher über Mund und Nase ist ein Spaziergang nicht möglich. Der Sand landet trotzdem im Mund, angenehm ist etwas anderes.

Wir waren schon oft hier, bei jedem Wetter, aber dass wir mit fast geschlossenen Augen und rückwärts (!) die Düne zum Meer hin hinabsteigen müssen, das haben wir in all den Jahren noch nie erlebt.

Der Blick Richtung Norden zeigt, dass die Sonne auch hier scheint, nur gehen wir nach Süden.

Der Spaziergang wird, je länger er dauert, auch nicht angenehmer. Zunächst ist es nur die Gischt, die unsere Kleidung nässt, den Rest übernimmt schließlich ein weiterer Regenschauer. Wir votieren für den nächsten Aufstieg, der Wind im Rücken übernimmt einen Teil der Anstrengung.

Den Nachmittag lassen wir gemütlich im Schutz des Sommerhauses ausklingen, bevor wir uns wieder auf die Fahrt quer durch Jütland machen. Überall sieht es wie frisch gewaschen aus, bis uns kurz vor Haderslev dann doch wieder der Regen erwischt.

Turmbesteigung in Haderslev (DK, August 2023)

Im Sommer kann man an bestimmten Sonntagen den roten, das ist der ältere der beiden Wassertürme (der neuere ist der weiße), besteigen. Das wollen wir am letzten der möglichen Termine machen.

Der 1924 gebaute und ein Jahr später in Betrieb genommene Turm wird wegen seiner roten Ziegelsteine „der rote Wasserturm“ genannt. Er hat, immerhin bis 1991, die Stadt Haderslev mit Trinkwasser versorgt.

Im Innern führt eine Holztreppe in die Höhe. Die einzelnen Etagen des Turmes haben einen Betonboden, das macht den Aufstieg auch für Menschen mit moderater Höhenangst möglich, wenn man nicht auf die Idee kommt, zwischendurch mal durch das „Treppenhaus“ zu gucken.

Die letzten 50 der insgesamt 141 Stufen gehen als Wendeltreppe im Innern des alten Wassertanks weiter. Hier gibt es nur ein Seil und die Wand zum Festhalten.

Von oben hat man einen schönen Rundumblick über Haderslev und Umgebung:

Seit 1980 ist der Wasserturm auch das Wahrzeichen des Kløften Festivals. Die Lichtdekoration hängt das Jahr über am Turm, leuchtet aber wohl nur im Juni, wenn das Musikfestival stattfindet.

Superfrucht am Wegesrand (DK, August 2023)

Die Wetterlage ändert sich hier an der Ostsee Süddänemarks wirklich schnell. Die ersten Brombeeren sind reif und warten auf uns. Die ersten konnten wir schon vor einer guten Woche probieren.

Nun warten wir auf trockenes Wetter, das auch prompt wieder da ist, inklusive Sonnenschein. Los geht’s, ab an die Hecken.

Es sieht so aus, als wären vor uns schon Pflücker:innen aktiv gewesen. Aber es kommt doch nach kurzer Zeit eine erkleckliche Menge in unserer Sammeldose zusammen.

Es ist genug, um unseren Tagesbedarf an Mangan (wichtig für Knochen und Bindegewebe) und Magnesium (wichtig für Muskel- und Nervenfunktion) zumindest an diesem Tag zu decken. Wir können uns wieder auf den Rückweg zum Wohnwagen machen.

Kurz darauf sind die Brombeeren, befreit von sichtbarem Grün, schon im Topf. Das eine oder andere winzig kleine Tierchen wird wohl noch mitgekocht. Das ist der blutbildenden Funktion der Brombeeren sicherlich nicht abträglich.

Nach ungefähr zehn Minuten Kochzeit sind wohl auch alle eventuellen Spuren eines Fuchsbandwurms abgetötet. Die Beeren selbst sind recht fruchtig (sie enthalten auch noch reichlich Vitamin C und Kalzium), etwas Rohrzucker und Ahornsirup zum Abrunden des Geschmacks sind notwendig.

Das Ergebnis, als Soße auf Pfannkuchen, ist ein Gedicht! Das Enkelkind möchte am liebsten „alle hundert Pfannkuchen“ alleine verspeisen. So viele werden es dann leider doch nicht.

Sintflut im Vorzelt (DK, August 2023)

Was wir bisher an Regen während der Sommerferien erlebt haben, zerrte schon etwas an den Nerven. Das waren aber nur Fingerübungen des Wettergottes, wie wir seit gestern wissen. Den Tag über fiel weniger Niederschlag als die Vorhersage angegeben hatte. Wir überlegten kurz, doch noch zu grillen, blieben aber bei der Entscheidung für Hotdogs zum Abendessen. Dafür mussten nur die Brötchen und das Wasser für die Würstchen in der Küche warm gemacht werden.

Das letzte Stückchen des kurzen Weges mussten wir schon schneller laufen, da die ersten Tropfen fielen. Kaum waren wir in der Küche, da schüttete es wie aus Eimern herunter. Das Hüpfkissen vor dem Gebäude umgab eine zwanzig Zentimeter dicke hellgraue ‚Aura‘, nicht vom Dunst, sondern von den Wassertropfen, die aufschlugen, wieder abprallen und erneut aufschlugen. Wir hatten keine Chance, zurück zum Wohnwagen zu kommen, ohne bis auf die Haut nass zu werden. Kurzerhand lieh ich mir einen Schirm von den anderen in der Küche aus, um unseren Schirm aus dem Wohnwagen zu holen. Kurz darauf waren Brötchen und Würstchen aufgewärmt und wir brachten alles zurück ins Vorzelt.

Wir wollen gerade mit unserem Festmahl beginnen, als die Sturzbäche mitten durch unser Vorzelt flossen. Der Boden war gesättigt, und nun stieg das Wasser hoch.

Gerade mal zwei Stunden später sah der Himmel wieder friedlich aus als wäre nichts gewesen.

Und noch zwei Stunden weiter konnten wir den schönsten Sonnenuntergang fotografieren.