Mensch gegen Maschine, eine Reprise (Graz, Juli 2023)

Auch die schönste Konferenz ist irgendwann zu Ende und es geht wieder nach Hause.

Der Koffer rumpelt wieder durch die Baustelle auf der Neutorgasse. Hier werden die Straßenbahngleise zweispurig ausgebaut, ein sehr aufwendiges Verfahren. Aber jeden Tag, den ich hier durchging, waren sie schon ein gutes Stück weiter gekommen.

Ein letztes Mal überquere ich auch die Mur, denn das Taxi wird uns direkt vom Konferenzort abholen. Wir teilen uns das Taxi mit einem der beiden Simultandolmetscher der Konferenz. Die Unterhaltung zwischen uns Vieren (Fahrer und drei Passagiere) wird auf Deutsch, Englisch und Spanisch geführt.

Im Flughafengebäude ist es trotz Ferienbeginn in der Steiermark recht leer. Der Koffer ist schnell aufgegeben, hier wird man noch von echten, freundlichen Menschen bedient. Dann geht es nur um eine Trennwand herum zur Sicherheitskontrolle mit weiteren freundlichen Menschen. Diesmal hatte ich alle Flüssigkeiten in das Aufgabegepäck gesteckt und muss nur die elektronischen Geräte aus dem Rucksack holen. Wir brachen vorher so überstürzt von der Konferenz auf, dass ich meine Wasserflasche außen am Rucksack völlig vergessen hatte. Nun versuche ich, den Dreiviertelliter möglichst zügig in mich hineinzukippen. Doch das ist gar nicht nötig! Eine weitere Dame kommt, nimmt die Flasche und entleert sie irgendwo für mich. Und die Dame vor der Sicherheitsschleuse gibt mir noch den Hinweis, wo ich die Flasche gleich wieder mit kaltem Wasser auffüllen kann (in der Toilette, in der sich auch der Wickeltisch befindet). Anschließend werden meine Hände und der Oberkörper mit dem Sprengstoff-Aufspür-Dingens abgestrichen. Nun fehlt nur noch mein Rucksack, doch es ist noch eine Flasche in ihm, angeblich und auch tatsächlich, der Scanner irrt ja nicht. Ganz unten am Boden liegt noch eine kleine Wasserflasche vom Hinflug, die ich völlig vergessen hatte!

Als das alles geklärt ist, erfahre ich, dass sich der Flug um 30 Minuten verspätet. Und schon ploppt eine Nachricht auf dem Mobiltelefon auf, dass ich meinen Anschlussflug in Frankfurt nicht erreichen würde. Ich müsse den Flug umbuchen. Etwas genervt beginne ich, den angebotenen Chatbot zu nutzen. Ich musste noch niemals vorher einen Flug umbuchen. Noch bevor ich meinen ersten Satz zur Hälfte in das Feld getippt habe, antwortet mir ‚Eliza‘ auch schon, dass sie mir einen neuen Flug gebucht hat. Woher Eliza wohl wusste, was ich wollte? Interessanterweise handelt es sich dabei um genau den gleichen Flug wie vorher. Ich fliege nämlich später mit derselben Maschine weiter, die mich nach Frankfurt bringen soll. Witzig, wozu die Aufregung vorher? Es sind eben auch nur automatisierte Abläufe, die allerdings gut funktionieren.

Nach und nach trudeln noch mehr Konferenzteilnehmer am Flughafen ein, die auch nach Frankfurt fliegen wollen. Von dort aus gehen dann unsere Anschlussflüge in alle Himmelsrichtungen quer durch Europa. Wir vertreiben uns die Zeit und essen noch etwas. Die niedrigen Trennwände der Tische unterstützen unsere mehrsprachig geführte Unterhaltung.

Dann ist unser Airbus endlich da und einsteigebereit. Diesmal ist es ein ganz neuer mit „sharklets“ an den Flügelspitzen. Die Tragflächen verjüngen sich am Ende und sind hochgebogen. Alle Passagiere und deren Gepäck sind sehr schnell an Bord und es geht los.

In Frankfurt bin ich trotz Verspätung tiefenentspannt, denn ich muss nur aussteigen und gleich wieder einsteigen. Viele andere müssen einmal wieder rennen, um ihren Anschluss zu schaffen. Das Boarding geht zügig und nun könnte es eigentlich losgehen. Wir rollen wieder die ganze Strecke vom Terminal A zum Rollfeld. Doch leider schlagen auch hier Personalmangel und Krankheiten zu. Diesmal ist es der Tower, der unterbesetzt ist. Wir müssen auf einen neuen Slot warten, doch der Kapitän verhandelt erfolgreich mit den Fluglotsen. Nach weiteren zehn Minuten heben wir ab. Sogar mein Koffer kommt gleichzeitig mit mir in Hamburg an, obwohl wir alle sehr, sehr lange auf unser Gepäck warten müssen. Die Wartezeit für einen Toilettenbesuch zu nutzen kann ich nicht in die Tat umsetzen. Die einzigen Räume hier sind wegen Reinigungsarbeiten gesperrt. Dann eben mit Koffer auf‘s Klo, aber auch die nächsten Toilettenräume sind gesperrt, diesmal wegen Umbauarbeiten. Beim dritten Versuch bin ich erfolgreich und schaffe sogar noch, den geplanten Kielius-Bus zurück zu nehmen. Spätabends bin ich dann sehr erschöpft wieder zuhause.

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