Regen, Regen mit Sonne, Sonne mit Regen oder einfach auch mal nur Sonnenschein, so sieht laut Auskunft Einheimischer ein ganz normaler Sommer in Dänemark wohl aus. Wir erleben hier jede Variation.
Die Getreidefelder könnten inzwischen durchaus geerntet werden, das Korn ist reif. Doch der Regen immer wieder zwischendurch macht die Böden zu weich für die schweren Erntemaschinen. Anschließend müsste das Korn aufwendig und teuer getrocknet werden. Bei den heutigen Energiepreisen ist es zu verstehen, dass die Landwirte sich davor scheuen.
Wir nutzen das gute Wetter zu einem Spaziergang durch Diernæs Strand. Am Wegesrand liegen bunte Steine mit aufmunternden Worten, wahrscheinlich das Werk von Ferienkindern während der Regenzeiten.
Auf dem Platz gegenüber hat der Wagen schlapp gemacht, natürlich passend am Abreisetag. Die Pannenhilfe kommt nach Stunden des Wartens. Wie gut, dass das Häuschen nebenan nur zum Lagern von Dingen genutzt wird.
So gibt es an dem ersten Tag seit längerem, an dem einfach nur die Sonne scheint, Schatten und eine kleine Terrasse zum Sitzen. Alles andere ist ja schon verpackt. Die Pannenhilfe bekommt das Auto wieder zum Laufen, ohne dass es abgeschleppt werden muss.
… Wi sitt hier warm in Hus‘! Ach nee, Klaus Groth, der norddeutsche, plattdeutsch schreibende Dichter, kannte noch keine Wohnwagen. Dort sitzen wir trocken, aber so richtig warm wird uns nur unter der heißen Dusche. Um uns herum, wie überall in Nordeuropa, entlädt sich das Tiefdruckgebiet „Unai“, während es im Süden des Kontinents auf den Inseln brennt.
Dann doch lieber Regen, es gibt ja Regenbekleidung. Pfützen sind sowieso ein wunderbares Spielzeug. Die Sandwege auf dem Campingplatz verwandeln sich im Laufe des Tages in ‚Wasserstraßen‘.
Auf dem Spielplatz sammelt sich Wasser in Töpfen, Förmchen und Pfannen. Das muss gesammelt werden, um daraus eine ‚warme‘ Suppe zu kochen, mit harten Äpfeln, die durch den Wind vor ihrer Zeit vom Baum gefallen sind.
Der Wind drückt den Regen so langsam durch die Kleidung und wir stolpern durch die Pfützenlandschaft zurück zum Wohnwagen. Das Vorzelt wird mit nassen Klamotten vollgehängt. Von unten drückt sich das Wasser langsam aber sicher durch den Teppich. Wir beschäftigen uns drinnen im Wohnwagen mit Brettspielen, Malsachen und Vorlesebüchern, während um uns herum die Welt langsam untergeht.
Nach vierundzwanzig Stunden Dauerregen geben sich die Wolken immer noch imposant, lassen aber nicht mehr unter sich. Auf dem Spielplatz scheint wieder die Sonne und verursacht bei den geduldig ausharrenden Großeltern einen unerwarteten Sonnenbrand.
Inzwischen sind wir wieder in Vikær auf dem Campingplatz und machen Ferien mit dem Enkelkind. So richtig warm ist es nicht, aber der Strand lockt zum Buddeln. Schiffe brauchen schließlich einen sicheren Hafen, falls es noch Sturm geben sollte.
Und mit einem Neoprenanzug kann man auch schwimmen gehen ohne auszukühlen. Das Wasser ist mindestens so warm wie die Luft, wenn nicht sogar etwas wärmer.
Am nächsten Tag drohen dicke Wolken über uns, doch ein Blick auf den Regenradar (wir nehmen extra den von Danmarks Meteorologiske Institut) sagt uns, wann das Regengebiet durchgezogen ist.
Eingepackt in Neopren und bepackt mit Schwimmweste und Buddelzeugs geht es wieder an den Strand. Der Hafen benötigt eine Erweiterung und so nach und nach verändern wir die Küstenlinie.
Die Wolkenberge, die sich zwischenzeitlich über uns auftürmen, haben die Wettervorhersage leider nicht korrekt verstanden. Kurz bevor sie sich entladen, flitzen wir wieder zurück zum Wohnwagen.
Auch die schönste Konferenz ist irgendwann zu Ende und es geht wieder nach Hause.
Der Koffer rumpelt wieder durch die Baustelle auf der Neutorgasse. Hier werden die Straßenbahngleise zweispurig ausgebaut, ein sehr aufwendiges Verfahren. Aber jeden Tag, den ich hier durchging, waren sie schon ein gutes Stück weiter gekommen.
Ein letztes Mal überquere ich auch die Mur, denn das Taxi wird uns direkt vom Konferenzort abholen. Wir teilen uns das Taxi mit einem der beiden Simultandolmetscher der Konferenz. Die Unterhaltung zwischen uns Vieren (Fahrer und drei Passagiere) wird auf Deutsch, Englisch und Spanisch geführt.
Im Flughafengebäude ist es trotz Ferienbeginn in der Steiermark recht leer. Der Koffer ist schnell aufgegeben, hier wird man noch von echten, freundlichen Menschen bedient. Dann geht es nur um eine Trennwand herum zur Sicherheitskontrolle mit weiteren freundlichen Menschen. Diesmal hatte ich alle Flüssigkeiten in das Aufgabegepäck gesteckt und muss nur die elektronischen Geräte aus dem Rucksack holen. Wir brachen vorher so überstürzt von der Konferenz auf, dass ich meine Wasserflasche außen am Rucksack völlig vergessen hatte. Nun versuche ich, den Dreiviertelliter möglichst zügig in mich hineinzukippen. Doch das ist gar nicht nötig! Eine weitere Dame kommt, nimmt die Flasche und entleert sie irgendwo für mich. Und die Dame vor der Sicherheitsschleuse gibt mir noch den Hinweis, wo ich die Flasche gleich wieder mit kaltem Wasser auffüllen kann (in der Toilette, in der sich auch der Wickeltisch befindet). Anschließend werden meine Hände und der Oberkörper mit dem Sprengstoff-Aufspür-Dingens abgestrichen. Nun fehlt nur noch mein Rucksack, doch es ist noch eine Flasche in ihm, angeblich und auch tatsächlich, der Scanner irrt ja nicht. Ganz unten am Boden liegt noch eine kleine Wasserflasche vom Hinflug, die ich völlig vergessen hatte!
Als das alles geklärt ist, erfahre ich, dass sich der Flug um 30 Minuten verspätet. Und schon ploppt eine Nachricht auf dem Mobiltelefon auf, dass ich meinen Anschlussflug in Frankfurt nicht erreichen würde. Ich müsse den Flug umbuchen. Etwas genervt beginne ich, den angebotenen Chatbot zu nutzen. Ich musste noch niemals vorher einen Flug umbuchen. Noch bevor ich meinen ersten Satz zur Hälfte in das Feld getippt habe, antwortet mir ‚Eliza‘ auch schon, dass sie mir einen neuen Flug gebucht hat. Woher Eliza wohl wusste, was ich wollte? Interessanterweise handelt es sich dabei um genau den gleichen Flug wie vorher. Ich fliege nämlich später mit derselben Maschine weiter, die mich nach Frankfurt bringen soll. Witzig, wozu die Aufregung vorher? Es sind eben auch nur automatisierte Abläufe, die allerdings gut funktionieren.
Nach und nach trudeln noch mehr Konferenzteilnehmer am Flughafen ein, die auch nach Frankfurt fliegen wollen. Von dort aus gehen dann unsere Anschlussflüge in alle Himmelsrichtungen quer durch Europa. Wir vertreiben uns die Zeit und essen noch etwas. Die niedrigen Trennwände der Tische unterstützen unsere mehrsprachig geführte Unterhaltung.
Dann ist unser Airbus endlich da und einsteigebereit. Diesmal ist es ein ganz neuer mit „sharklets“ an den Flügelspitzen. Die Tragflächen verjüngen sich am Ende und sind hochgebogen. Alle Passagiere und deren Gepäck sind sehr schnell an Bord und es geht los.
In Frankfurt bin ich trotz Verspätung tiefenentspannt, denn ich muss nur aussteigen und gleich wieder einsteigen. Viele andere müssen einmal wieder rennen, um ihren Anschluss zu schaffen. Das Boarding geht zügig und nun könnte es eigentlich losgehen. Wir rollen wieder die ganze Strecke vom Terminal A zum Rollfeld. Doch leider schlagen auch hier Personalmangel und Krankheiten zu. Diesmal ist es der Tower, der unterbesetzt ist. Wir müssen auf einen neuen Slot warten, doch der Kapitän verhandelt erfolgreich mit den Fluglotsen. Nach weiteren zehn Minuten heben wir ab. Sogar mein Koffer kommt gleichzeitig mit mir in Hamburg an, obwohl wir alle sehr, sehr lange auf unser Gepäck warten müssen. Die Wartezeit für einen Toilettenbesuch zu nutzen kann ich nicht in die Tat umsetzen. Die einzigen Räume hier sind wegen Reinigungsarbeiten gesperrt. Dann eben mit Koffer auf‘s Klo, aber auch die nächsten Toilettenräume sind gesperrt, diesmal wegen Umbauarbeiten. Beim dritten Versuch bin ich erfolgreich und schaffe sogar noch, den geplanten Kielius-Bus zurück zu nehmen. Spätabends bin ich dann sehr erschöpft wieder zuhause.
Am Vorabend des letzten Konferenztages steht eine Exkursion auf dem Plan. Wir starten am Griesplatz. Auf unserem kleinen Fußmarsch dahin kommen wir an dieser Steinsäule mit einer Sandsteinfigur Ecce-Homo vorbei. Sie wurde 1680 als Pestvotivdenkmal errichtet.
Der Reisebus bringt uns in die das Grazer Becken im Süden umgebenden Hügelketten. Hier im Sausal steht Weinanbau, Obstbau, Maronen- und Kürbisanbau im Vordergrund. Bis wir die ersten Ölmühlen sehen, in denen das leckere grüne Kürbiskernöl hergestellt wird, sehen wir aber auch hier überwiegend Maisfelder.
Immer schmaler werdende Straßen führen uns schließlich durch Sankt Nikolai im Sausal und noch ein kleines Stückchen höher, bis wir unser Ziel erreichen.
Wir kehren in eine Buschenschank ein. Buschenschank ist kein Schreibfehler, sondern die österreichische Version der Straußi, die wir schon im Süden Baden-Württembergs kennengelernt haben.
Das Anwesen der Familie Pichler ist sehr groß. Die Weinstöcke umschließen den Garten, in dem man gemütlich unter Obstbäumen sitzt und den Wein gleich vor Ort genießen kann, bevor man ihn im riesigen Hofladen flaschenweise kaufen und mit nach Hause nehmen kann.
Im Garten sind für uns die Tische zu einer langen Tafel zusammengeschoben worden.
Und dann wird aufgetischt!
Fisch und eingelegtes Gemüse, Wurst, Schmalz und Sülzen, Käse und Käsezubereitungen, dazu leckeres Brot und natürlich Weißwein oder Traubensaft. Alles selbst hergestellt! Zum Nachtisch gibt es noch drei verschiedene Kuchen, bevor wir genudelt wieder in den Bus steigen und nach Graz zurückkehren.
Beim Stromern durch die Altstadt bieten die aufgestellten Info-Tafeln mit Stadtplan-Ausschnitten einen guten Orientierungsrahmen. Unter O finde ich Oeverseepark, etwas entfernt von der Innenstadt und diesmal aufgrund der Zeit nicht besuchbar (darum gibt es auch keine Fotos). Aber ich frage mich schon, warum ein Park im Süden Österreichs nach einem Ort benannt ist, durch den wir immer auf dem Weg nach Flensburg bzw. Dänemark kommen. Oder ist es nur ein Zufall?
Aber nein, ein bisschen online-Recherche am Abend, bevor ich schlafen gehe, bringt Aufklärung. Sowohl die Oeverseegasse (wo sich auch das Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium Oeversee befindet) als auch der Oeverseepark hier in Graz würdigen mit der Namensgebung die historische Schlacht von Oeversee im Norden Schleswig-Holsteins. An diesem Ort etwas südlich von Flensburg fand eine entscheidende Schlacht im Deutsch-Dänischen Krieg 1864 statt. Diesen gerade mal achtmonatigen Krieg führten der dänische Gesamtstaat und die Preußen gegeneinander, es ging um unseren kleinen Landstreifen zwischen den Meeren, den wir heute als unsere Heimat bezeichnen.
Zwischen Oeversee in Schleswig-Holstein und Graz in Österreich liegen knappe 1300 Kilometer. Wie passt das? Die Preußen hatten sich zu Kriegszwecken mit den Österreichern verbündet und gemeinsam widerrechtlich die Grenze zum dänischen Staat überschritten. Das in der Schlacht eingesetzte Bataillon sowie ein Infanterie-Regiment der Österreicher hatten ihre Heimatgarnison in Graz.
Heutzutage beträgt die reine Flugzeit nur anderthalb Stunden, mit öffentlichen Verkehrsmitteln braucht man schon 16 Stunden. Google sagt, dass Radfahrer die Strecke in drei Tagen (ohne Pausen) schaffen können. Doof nur, dass all diese Möglichkeiten damals nicht zur Verfügung standen. Die armen Österreicher mussten sich also mit Ausrüstung und Gepäck zu Fuß auf den Weg machen, um von Südösterreich nach Norddeutschland zu marschieren (ohne Pausen mindestens 10 Tage, sagt Google).
Zeitgenössische Darstellung der Schlacht, Holzschnitt von 1864.
Sowohl die Österreicher als auch die Dänen verloren in Oeversee in kurzer Zeit sehr viele Soldaten. Die Verwundeten beider Seiten wurden in den Historischen Krug, den es damals schon gab und auch heute noch, gebracht und versorgt. Das Rote Kreuz war ein Jahr zuvor gerade in der Schweiz gegründet worden und unterhielt in Oeversee im Krug das weltweit erste Feldlazarett. Letztendlich verlor der dänische Gesamtstaat allerdings seine Herzogtümer an Preußen und Österreich. Nur zwei Jahre später bekamen sich die beiden Siegermächte über die Zukunft der Herzogtümer in die Haare, bekriegten sich nun gegenseitig, Preußen siegte und gewann die Provinz Schleswig-Holstein dazu.
Heute trägt der Historische Krug die Adresse Grazer Platz und zwei Denkmäler in Oeversee (am Sankelmarker See) erinnern an die Schlacht:
Viele Häuser haben hier eine Hausmadonna oder ein anderes christliches Motiv an ihrer Fassade, oft auf einem kleinen Absatz in der Hausecke stehend.
Bei dem Haus rechts im Bild steht an der entsprechenden Stelle ein kleiner Elefant. Wie kommt das? Gibt es etwa unter den vielen Heiligen im Katholizismus auch einen, der durch einen Elefanten symbolisiert wird? Aber nein, dies ist ein ganz profaner kleiner Elefant an einem ganz profanen Wirtshaus. Und das kam so:
Im Frühjahr 1629 stellte in Amsterdam der allererste Elefant eine vier Beine auf europäischen Boden. Wie er dorthin gekommen ist, ist nicht überliefert, aber wahrscheinlich wohl mit einem Schiff. Er sollte auf den Jahrmärkten ausgestellt werden und die Massen (und deren Geld) anziehen. Im April war er schon bis Frankfurt am Main gelaufen. Dann ging es für die ganze begleitende Karawane über Nürnberg und durch das Allgäu (Juli) über die Alpen. Im Oktober konnten schließlich die Grazer das „Wunderthier“ bestaunen. Die Karawane bezog für die Zeit Quartier in einem Gasthof in der Murvorstadt. Der Wirt benannte daraufhin seinen Gasthof um in „Zum schwarzen Elefanten“.
Der Elefant wanderte dann weiter Richtung Süden und erreichte im Mai 1630 schließlich Rom. Dort, wie überall, erregte er großes Aufsehen. Der Bildhauer und Architekt Bernini, zu seiner Zeit sehr berühmt, fertigte Studien des Elefanten an. Diese wiederum landeten zunächst in der Schublade, wurden aber 35 Jahre später wieder hervorgezogen. Bernini erhielt nämlich einen besonderen Auftrag.
1665 fand man in einem Klostergarten einen altägyptischen Obelisken, den der Papst auf einem Platz aufstellen lassen wollte, am liebsten zusammen mit einem Elefanten, was auch immer ihn auf diese Idee brachte. Bernini sollte sich etwas passendes ausdenken. Der erinnerte sich an seine Elefanten-Studien in der Schublade und entwarf einen Elefanten, der den Obelisken auf dem Rücken trägt. Ein echter Künstler kümmert die Umsetzung seiner Ideen in die Wirklichkeit nicht unbedingt, und das bisschen Statik kann ja wohl nicht so schlimm sein.
War es aber doch, so musste sich ein Herr Ferrata an die Berechnungen setzten. Zwölf Jahre später konnte das realisierte Projekt endlich auf der Piazza della Minerva in Rom aufgestellt werden. Dort hatten wir den inzwischen berühmten Bernini-Elefanten 2018 schon besucht, wussten aber noch nichts von der Verbindung zu Graz.
Hier behielt der Gasthof seinen Namen und wurde irgendwann sogar zum berühmten Grandhotel Zum Elefanten. 1852 baute der Besitzer auf der anderen Seite ein Wein- und Bierhaus und nannte es zur Unterscheidung „Der kleine Elefant“. So erinnert das steinerne Tier immer noch an den aufregenden Besuch des echten Tieres vor bald 400 Jahren.
Und der echte Elefant? Der fuhr 1631 mit dem Schiff hinüber nach Frankreich, besuchte bestimmt nicht freiwillig viele weitere Orte auf seiner Wanderung Richtung Norden, bis sich seine Spur verläuft. Wahrscheinlich ging es irgendwann wieder auf‘s Schiff Richtung England.
Jede/r kann darauf wahrscheinlich eine Antwort geben, aber wohl keine dieser Antworten wird sich auf das Tier beziehen, über das hier geschrieben werden soll. Ich meine das Panthertier oder auch Pantier, ein feuerspeiendes Fabelwesen aus der Heraldik. Dieser heraldische Panther ist schlank und aufrecht stehend, hat den Unterkörper eines Löwen und die Klauen eines Adlers an den Füßen. Der Kopf ist wahlweise der eines Drachens oder eines Pferdes. Dazu speit er Feuer aus allen (!) Körperöffnungen.
Er ist seit dem Jahre 1160 das Wappentier der Steiermark und erscheint dort als Steirischer Panther silbern auf grünem Hintergrund, gekrönt vom Herzogshut. Der Panther symbolisiert ein starkes Christentum, der Feueratem steht in Verbindung mit dem Heiligen Geist. 1315 wurde das Wappentier das erste Mal genauer beschrieben.
Der Panther der heutigen Form speit sein Feuer nur noch durch das Maul. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde es als obszön empfunden, dass der Atem des Heiligen Geistes auch aus Ohren, Phallus und After austrat. So setzte 1926 eine Landtagsabgeordnete schließlich durch, dass die Darstellung des Wappens entschärft wurde.
Auch die Landeshauptstadt Graz trägt seit ungefähr 1245 den Panther im Wappen. Hier trägt er selbst eine goldene Krone, dafür aber keine Hörner und, ganz wichtig: darf seinen Feueratem immer noch aus allen Körperöffnungen heraustreten lassen.
Hinter diesem Panthertier (fotografiert im kleinen Innenhof des Landhauses) befindet sich das Landeszeughaus. Bereits Mitte des 17. Jahrhunderts wurde dieses zentrale Waffendepot der Steiermark erbaut.
Die Grenze zur Militärgrenze des damaligen osmanischen Reichs (ungefähr im heutigen Kroatien und Ungarn) war nicht weit entfernt und damit auch eventuelle kriegerische Scharmützel. Mit den im Zeughaus eingelagerten Waffen konnten 16.000 Mann schnell ausgerüstet und auf den Weg geschickt werden. Doch schon fünfzig Jahre nach dem Bau wurde ein Friedensvertrag geschlossen und die Grenze zum Osmanischen Reich war weitgehend sicher. Nach weiteren fünfzig Jahren wurde die Waffenkammer geschlossen, sollte aufgelöst und alle Gegenstände nach Wien verbracht werden.
Gegen diese kaiserlichen Pläne wehrten sich die Grazer erfolgreich und sorgten dafür, dass Gebäude und Inventar als Museum in Graz erhalten bleibt. Damit ist es das älteste Museum der Steiermark und heute mit seinen 32.000 Exponaten die größte Rüstkammer der Welt.
Schwarze Panther gibt es übrigens gar nicht. Es handelt dann sich um (durch Melanismus) schwarzgefärbte Jaguare oder Leoparden.
Ich besuche für eine Woche die Summer Academy des Europäischen Zentrums für Moderne Sprachen (ECML) des Europarates, die mit echten Menschen in Präsenz stattfindet. Zwischendurch muss ich am ersten Tag die Konferenz kurz verlassen, denn mein Koffer ist auf dem Weg zu mir!
Telefonisch und per SMS kommen zwischendurch mehrere Statusmeldungen, und dann steht der Koffer endlich wieder vor mir. In der Mittagspause rolle ich ihn flugs zu meinem Appartement, denn am frühen Abend steht ein geführter Spaziergang durch die Altstadt auf dem Konferenz-Programm.
Unser Tourguide ist, wie schon vor fünf Jahren, wieder Sigi. Sie macht es einfach super, spricht ein wunderbares Englisch und schafft es, auch neue Infos einfließen zu lassen. Einiges war schon im Blogbeitrag vom 18.09.2018 zu lesen.
Wir beginnen direkt am Tagungsort am Nikolaiplatz. Den dazugehörigen Nikolaus finden wir nach wenigen Schritten. Die Statue wurde 1995 von Bernt Preisegger gefertigt. Sie erinnert an die armen Schiffer, die auf der stark fließenden Mur fuhren.
Man nahm dazu gern Menschen, die nicht schwimmen konnten, denn diese krallten sich während der wilden Fahrt an der Ladung fest und hielten diese gleichzeitig an Bord. Ich denke mal, nicht wenige gingen trotzdem über Bord. Damals soll es am Standort des Denkmals einen kleinen Hafen gegeben haben.
Weiter geht es in die ‚Innere Stadt‘ auf der anderen Seite der Mur. Dabei werfen wir einen Blick zurück auf das „friendly alien“ genannte Kunsthaus Graz.
Auch diesmal bleibt keine Zeit für einen Besuch einer Ausstellung im Inneren dieses futuristischen Museumsbaus. Der wurde 2003 gebaut, als Graz europäische Kulturhauptstadt war. Inzwischen ist es das neue Wahrzeichen der Stadt. Wir müssen noch einmal wiederkommen!
Vor fünf Jahren gab es auch schon Bilder des Landhauses, dem Sitz des Landtages, zu sehen. Hier kommen noch ein paar neue Blickwinkel aus dem großen Innenhof dazu:
Dieser ist von Arkadengängen über drei Etagen geprägt, einem der Stilmittel der Renaissance, was das Landhaus zum bedeutendsten Bau der Frührenaissance in der Steiermark macht.
Der Brunnen trägt eine figurale Brunnenlaube, die mit 1590 datiert und signiert ist. Das markiert den Übergang der Renaissance zum Barock.
Der „Faun mit Weitblick“ auf der anderen Seite der Tordurchfahrt ist eindeutig nicht mehr Renaissance oder Barock, sondern neueste Neuzeit. Er wurde 2012 von Martin Karlik erschaffen. Der knapp einen Meter hohe Gesell erinnert, so die Stadtführerin, an die Theateraufführungen, die in der Sommersaison hier im Innenhof mit seiner guten Akustik stattfinden.
Auf dem Weg zur Burg mit ihrer Doppelwendeltreppe (näheres dazu hier) kommen wir an einer weiteren amüsanten Episode der Grazer-Wienerischen Eifersüchteleien vorbei, dem Mausoleum von Kaiser Ferdinand II. Er hatte sich in den Kopf gesetzt, neben dem Grazer Dom auf dem Gelände des ehemaligen Friedhofs ein würdiges Denkmal für sich zu errichten. Das Mausoleum, zu dem eine imposante Freitreppe hinauf führt, wurde 1614 in Auftrag gegeben und nach 22 Jahren vollendet, zumindest von außen.
Links im Bild ist der Dom zu sehen, daneben der „Neubau“: der Eingang in der Mitte führt zunächst in eine Kirche für die hl. Katharina von Alexandrien. Von dort aus geht es rechts hinein in die eigentliche Grabkapelle (die Kuppel rechts im Bild) mit der darunter liegenden kaiserlichen Gruft.
Der Durchgang zwischen Dom und Mausoleum ist sehr schmal, ein Auto mit heutigen Ausmaßen würde wohl steckenbleiben. Damals passte bestimmt eine Pferdekutsche hindurch.
Von hinten ist die Kuppel der Grabkapelle gerade noch zu sehen, nicht zu erkennen ist, dass sie oval ist, als erster Kirchenbau außerhalb Italiens. Unter dem schlanken Turm, der Campanile, liegt die Mesnerwohnung. Die vordere Kuppel ist die der Katharinenkirche, ganz rechts ein Stück des Grazer Doms.
Nach dem Tode von Ferdinand im Jahr 1637 war der Bau von außen fertig, aber eben noch ein Rohbau. Ferdinand II residierte als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches zwar in Wien, hatte testamentarisch allerdings verfügt, dass er nicht dort in der Kaisergruft, sondern in Graz bestattet werden wollte. Die Dinge verzögerten sich, immerhin wurde der Gruftaltar oberhalb seiner Ruhestätte drei Jahre nach seinem Tod geweiht. Ferdinands Enkel, Kaiser Leopold I, forderte dann die Vollendung der Arbeiten. Opa und Oma sollten schließlich in Ruhe und Würde ruhen. Genau einhundert Jahre nach Baubeginn war dann das gesamte Ensemble vollendet! Die Wiener erzählen nun gern bei ihren Stadtführungen, dass alle Habsburger und ihre Angehörigen in „ihrer“ Kaisergruft in Wien bestattet sind, insgesamt stehen dort 138 Sarkophage. Und die Grazer freuen sich, dass es eben nicht alle sind, sondern einer der Gründer der Habsburger Linie bei ihnen in der Stadt liegt.
Im Flieger nach Graz duftet es verführerisch, es ist Mittagszeit. Doch die onboard delights stehen einem nur nach Kartenzahlung zur Verfügung. Aber es gibt wieder Wasser und Schokolade (diesmal zwei Stück, der Korb ist noch sehr gut gefüllt). Der Flug vergeht schnell, der Flughafen Graz ist klein, wir gehen zu Fuß vom Flieger zum Empfangsgebäude. Auch die Koffer sind schnell entladen. Als die automatischen Rolltore an den Fließbändern sich wieder schließen, wissen eine ganze Menge Menschen, dass sie vergeblich auf ihre Koffer gewartet haben.
Ich reihe mich in die Schlange am Lost and found-Schalter ein und gebe meine Quittung über den aufgebenden Koffer ab. Auf dem steht, dass ich einen Koffer aufgegeben habe. Im Computer der Dame hinter dem Tresen steht, dass ich zwei Koffer aufgegeben habe, einmal einen normalen schweren Koffer, einmal einen leichteren Handgepäck-Koffer. Ich versuche ihr zu erklären, dass diese Diskrepanz wahrscheinlich entstanden ist, weil ich einen Koffer mit zwei Kofferanhängern beim Einchecken versehen habe. Das hat sie, glaube ich, nicht ganz verstanden, da sie nachfragt, ob dort meine Adresse daraufstellen würde. Zwischen der deutschen Sprache in Deutschland und der deutschen Sprache in Österreich gibt es schon etliche Unterschiede, die nicht sofort auffallen.
Ich bestehe jedenfalls in der kurzen Diskussion allerdings darauf, dass ich nur einen Koffer vermisse und wiederhaben möchte. Dabei freue ich mich, dass ich in weiser Voraussicht meinen Handgepäck-Koffer bei mir habe und dass sich in ihm alles notwendige für einen Tag ohne Koffer befindet.
Ich nehme trotzdem das kleine Päckchen mit, das sich als Kulturtäschchen entpuppt. Neben den üblichen Kosmetikartikeln findet sich dort auch noch ein T-Shirt und etwas Waschmittel für die Notwäsche im Handwaschbecken.
Den nächsten Flughafenbus erreiche ich trotzdem locker. Hier gehe ich auf Nummer Sicherheit und kaufe das Ticket beim Busfahrer, der mir auch sagen kann, dass ich an der Endhaltestelle in die Tram (Straßenbahn) umsteigen muss, um bis zum Jakominiplatz zu kommen. Ich erhalte ein 1h-Ticket. An der Endhaltestelle frage ich noch einmal nach, wohin ich gehen muss. Die Auskunft lautet: „Gleich davorn, wir haben nur eine Straßenbahn!“
Okay, denke ich, aber warum ist es dann die Linie 5?? Der Schaffner in der Tram sitzt in seiner Kabine, damit er nicht von lästigen Passagieren abgelenkt wird. Ich frage ihn trotzdem und er bestätigt mir, dass er am Jakominiplatz hält. Macht er dann auch und die letzten Meter zur Unterkunft gehe ich zu Fuß. Das ist nicht weit und wäre noch schneller gegangen, wenn ich an einer anderen Haltestelle ausgestiegen wäre.
Gewonnen! Ich bin ziemlich müde und erschöpft. Etwas später erhalte ich einen Anruf, dass der Koffer in Frankfurt gefunden wurde und mit der letzten Maschine auch nach Graz kommt. Er würde dann aber erst nach Mitternacht ausgeliefert werden. Da möchte ich allerdings gern schlafen. Wir vertagen die Übergabe auf den nächsten Vormittag am Konferenzort. Mal sehen, ob das klappt.
Ich mache noch einen Abendspaziergang durch die Altstadt. Ich wohne direkt im Inneren Bezirk. Das Speiseangebot der umliegenden Restaurants ist mir zu fleischlastig, und ich bin müde.
Zum Abendessen hole ich mir ein veganes Zitrone-Holundereis des ‚berühmten, originalen Temmel-Eis‘ (s. mein Blogeintrag vom 11. September 2018). Inzwischen kostet die Portion stolze 2,20€! Aber es ist auch einfach lecker!!