Heringstage in Kappeln, D (Mai 2023)

Auf dem Rückweg von Dänemark machen wir am Sonntag Halt in Kappeln.

Dort werden gerade die Heringstage veranstaltet, ein viertägiges Volksfest mit viel Livemusik, Jahrmarktsbuden und jeder Menge guter Laune. Wegen Corona fiel das Fest die letzten Jahre aus, nun ist der Nachholbedarf groß.

Der Anlass für das Fest ist der Kappelner Heringszaun in der Schlei. Die Heringe nehmen die Holzkonstruktion als natürliches Hindernis im Wasser wahr und schwimmen einfach weiter. Am Ende verjüngt sich der Zaun, die Fische kommen nicht mehr zurück und können leicht abgefischt werden.

Der Heringszaun ist der letzte seiner Art, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Auf dem Foto ist er schlecht zu erkennen (der Zaun im Wasser hinter dem Segelboot). Besser sieht man ihn hier. Dort steht auch etwas mehr zur Geschichte.

Kappeln erstreckt sich auf beiden Seiten der Schlei. Eine andere Attraktion ist da natürlich die Klappbrücke, die die beiden Landschaften Angeln und Schwansen miteinander verbindet.

Einmal pro Stunde warten Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger mehr oder weniger geduldig vor den Schranken, wenn die Klappbrücke das tut, weswegen sie ihren Namen trägt.

Dann haben Segelschiffe und Ausflugsdampfer Vorfahrt auf der Schlei und fahren entweder weiter bis nach Schleswig oder aber in die andere Richtung in die Ostsee hinein.

Wir sind jedoch nicht nur wegen Fischbrötchen, Burger und den Karussells nach Kappeln gekommen, sondern hauptsächlich wegen der Musik.

Das ganze Drumherum ist wirklich sehr gut organisiert. Die Künstler haben einen Backstage- Bereich, der den Namen verdient und sogar einen eigenen Toilettenwagen.

Und dann wird es noch einmal sehr voll vor der wirklich großen Bühne. Kay beschließt die Heringstage mit einem gelungenen Auftritt und alle gehen bzw. fahren beschwingt und sehr zufrieden nach Hause.

Himmelfahrtswochenende in der Diernæsbucht, DK (Mai 2023)

Extralanges Wochenende durch einen Brückentag, wir sind zurück auf dem Campingplatz. Der ist voll belegt, das Wetter tagsüber sonnig, nachts brauchen wir immer noch zwei Decken. Die Heizung funktioniert auch wieder, das Auswechseln der Batterie war leicht.

Wir machen einen Spaziergang an der Bucht entlang bis Sønderballe und von dort durch die Felder zurück zum Campingplatz.

Am Strand können wir sehen, wieviel Land das Meer während des starken Ostwinds vor zwei Wochen von der Steilküste abgeknabbert hat.

Der Landwirt, der das Rapsfeld ausgesät hat, muss auf einen Teil seiner Ernte verzichten.

Ansonsten zeigt sich Dänemark heute von seiner hyggeligsten Seite.

Am Freitag machen wir einen kleinen Ausflug nach Aabenraa zum Einkaufen. Außer den wichtigen Grundnahrungsmitteln finden wir zum Tee ein leckeres Gebäck: Brunsvigerkage, extrem lecker.

Auf dem Weg zurück zum Campingplatz halten wir an der Kalvø Røgeri an, um fürs Abendessen geräucherte Makrele zu kaufen. Auch diese ist später sehr lecker auf Brot, zusammen mit einem Salat.

Unser Spaziergang heute führt uns in die andere Richtung am Strand entlang. Wenige mutige Kinder sind im Wasser, es muss eiskalt sein. Die anderen versuchen durch Buddeln am Strand doch irgendwie das Grundwasser zu erreichen und machen dann mutige Sprünge über die tiefe Grube.

Sonnabend dreht der Wind wieder nach Osten, durch den Wind erscheint es kühler zu sein als es wirklich ist. Zum in der Sonne sitzen ist es draußen zu windig. Aber zum Spazierengehen und Rasenmähen ist das Wetter perfekt.

Den Spindelmäher kann man sich an der Rezeption ausleihen. Als vorübergehende Dauercamper muss man regelmäßig um Wohnwagen und Vorzelt herum mähen.

ein holpriger Camping-Kaltstart, DK (April/ Mai 2023)

In diesem Jahr probieren wir aus, wie es sich als Dauercamper anfühlen wird. Der Wohnwagen soll die Saison über in Dänemark stehen. Als wir den Wohnwagen im frühen Frühjahr auf dem Campingplatz in Vikær aufstellten, war es eisig kalt und der Boden noch total durchgeweicht vom dauernden Regen im Winter. Zuerst setzte sich das Auto im Matsch fest, es ging weder vor noch zurück. Dann versuchten wir es mit dem Wohnwagen, der verfügt über einen Mover. Doch auch das schlug fehl, die Räder des Wohnwagens versanken ebenfalls in der Grasnarbe. Nichts ging mehr, weder vor noch zurück. Alles war matschbespritzt und unsere Laune auf dem Tiefpunkt.

Der Campingplatzbesitzer kam schließlich mit Trecker und Gummimatten zu unserer Rettung (wir waren nicht die einzigen, er hatte an dem Tag gut zu tun). Zuerst schob und zog er den Wohnwagen an Ort und Stelle. Es war faszinierend, wie filigran er mit dem Trecker umgehen konnte. Danach wurde unser Auto auf den Schotterweg gezogen, es musste nach diesem Ausflug ganz dringend in die Waschstraße.

Damit wir das Vorzelt überhaupt aufbauen konnten, wurde eine Baggerschaufel an den Trecker montiert und kurzerhand Sand vom Strand geholt. Diese Schaufel voll Sand kippte er einfach vor dem Wohnwagen aus, und wir konnten mit dem Zeltaufbau beginnen.

Pünktlich mit dem ersten Regen war das Vorzelt komplett aufgebaut. Eigentlich wollten wir zwei Nächte auf dem Platz bleiben und die Campingsaison richtig einläuten. Aber es war noch mehr Regen und Kälte angekündigt. Daher tranken wir noch einen Tee, um uns aufzuwärmen und fuhren dann wieder nach Hause.

Fünf Wochen später (zwischenzeitlich waren wir ja in der Karibik) versuchten wir es wieder mit dem Campen. Diesmal blieben wir, mit reichlich Kuscheldecken ausgestattet, immerhin für zwei Nächte. Das Enkelkind freute sich so sehr darauf, im Wohnwagen zu sein, wir konnten es ihm nicht abschlagen, trotz des anhaltenden Sturms. Das Vorzelt flatterte laut im Wind, der Regen pladderte auf das Dach, die Heizung lief zuverlässig. Die Gasflaschen waren voll. Es war sehr kuschelig im Wohnwagen, doch ab und zu mussten wir einfach mal hinaus in den Sturm zum Auslüften.

Dem Enkel machte die Kälte nichts aus, wir harrten im strammen Ostwind auf dem Spielplatz aus, bis wir unsere Hände und Füße nicht mehr fühlten. Gut, dass wir uns im Wohnwagen aufwärmen konnten.

Doch am letzten Morgen blieb die Heizung kalt. Ein Blick ins Handbuch zeigte, dass die Batterie, die in der Heizung für den Zündfunken sorgt, wohl leer war. Ein Ersatz war nicht an Bord, und so strichen wir nach dem Frühstück die Segel und fuhren nach Hause.

Let‘s cruise – Abreise, Teil 2: Reykjavik – nach Hause (April 2023)

Der Rest der Reise ist schneller erzählt als erlebt.

Der Zwischenstopp auf Island ist wieder viel zu kurz. Wir können grad noch einen Kaffee kaufen (hier ist es 5:30 Uhr morgens). Während des Toilettengangs ertönt schon der last call fürs Boarding. Wir flitzen mit dem noch gefüllten Kaffeebecher an Bord und entspannen uns die nächsten vier Stunden.

In Berlin erwarten uns die Auswirkungen des Bahnstreiks. Keiner der Züge, für die wir Platze gebucht hatten, fährt. An den Autovermiet-Stationen am Flughafen bilden sich lange Schlangen. Wir diskutieren bei einem weiteren Kaffee, ob wir uns dort einreihen sollen, beschließen aber, unser Glück zu versuchen. Die Regionalbahn Richtung Hauptbahnhof fällt wegen einer Baustelle aus, aber die S-Bahn fährt.

Am Hauptbahnhof angekommen, fahren demnächst nur Nahverkehrszüge Richtung Norden, wir müssten mit den Koffern bis zu sieben mal umsteigen. Das wollen wir nicht. So suchen und finden wir schließlich große Schließfächer und einen funktionierenden Geldwechsler, werden die Koffer los und nutzen den Sonnenschein aus.

Am Hamburger Bahnhof (ein Kunstmuseum) setzten wir uns in die Sonne zum Lesen. Der Eintritt zur Ausstellung ist uns für die Kürze der Zeit zu hoch. Dann geht es zurück zum Hauptbahnhof, denn am späten Nachmittag soll ein ICE eingesetzt werden, der alle gestrandeten Passagiere nach Hamburg bringen soll.

Wir kaufen noch etwas Proviant, bevor es zum Zug geht. Dort breitet sich Unsicherheit aus, denn im Zug wird angezeigt, dass das Ziel Nürnberg sein soll. Die Ansage des Zugpersonals versichert uns aber, dass wir nach insgesamt sieben Stunden tatsächlich weiter nach Norden fahren werden.

In Hamburg fahren alle Anschlusszüge planmäßig, so dass wir am Ende nur mit dreistündiger Verspätung nach mehr als 30 Stunden am späten Abend wieder zu Hause sind. Eine sehr abwechslungsreiche Kreuzfahrt mit anstrengenden An- und Abreisetagen liegen hinter uns.

Let‘s cruise – Abreise, Teil 1: Baltimore – Reykjavik (April 2023)

Wir hatten im Vorwege ground transportation gebucht und waren gespannt, wie das klappen wird. Sehr gut! Nach einem letzten ausgiebigen Frühstück geht es zügig von Bord, zügig durch die Kontrollen, die Koffer stehen in der Halle bereit, die bestellten Minibusse vor der Halle auch. Alles geht so schnell, dass ein letztes Foto vom Schiff nur noch aus dem Auto heraus möglich ist.

Um 10 Uhr vormittags sind wir bereits im Flughafengebäude und nutzen das wlan aus, lesen, spazieren herum und warten, dass die Zeit vergeht. Die Koffer werden wir leider erst ab 16 Uhr los. Das macht einem möglichen kurzen Ausflug in die Stadt hinein unmöglich.

Es ist unglaublich ruhig und sauber in diesem Teil des Flughafens, international departures sind an den heutigen Tag nicht so nachgefragt. Beim Aufgeben der Koffer, es sind vier Schalter offen, wir sind die ersten in der Warteschlange, geraten wir nicht nur an den neu Anzulernenden und den leeren Drucker für die Bordkarten. Wir lernen auch, dass die Kennzeichnung unserer Ausweise DEU lautet, der Mann hat solche noch nie in der Hand gehabt. Es dauert alles etwas länger, aber wir haben ja nichts weiter zu tun.

Die Ausweiskontrolle und die Sicherheitskontrolle gegen dann so schnell wie noch nie, trotz Verzögerung beim Fotografieren des Gesichts und Ausziehen der Schuhe. Nach weniger als einer halben Stunde sind wir durch mit allem. Bevor wir zum concourse E gehen, holen wir uns etwas warmes zu essen und zu trinken. Die Wasserflaschen können wir am Wasserspender auffüllen.

Wir laden im Wartebereich noch etwas Strom in unsere Geräte und schon geht das Boarding los. Wir können den Flughafen BWI nur wärmstens empfehlen, es kommt uns vor, als würden wir uns schon wieder in Europa befinden.

Während des Fluges kommt es wieder zu Turbulenzen, sodass wir nicht zwischendurch aufstehen dürfen. Das superbequeme Nackenhörnchen, das ich mir gerade auf dem Flughafen gekauft habe, harmoniert nicht so gut mit den steilen Lehnen, wie schade. So ziehen sich die ersten sechs Stunden Flug sehr in die Länge.

Caribbean Cruise, day 12, last day at sea (April 2023)

Unser letzter Tag auf See, und das Frühstück im Restaurant schmeckt auch wieder sehr gut. Komischer Krankheitserreger, der sich ein Weilchen bei uns wohl fühlte. Wir hatten im Restaurant um etwas frischen Ingwer für unseren Aufguss gebeten und ein volles Schälchen bekommen. So können wir heute noch das letzte Ingwerwasser trinken und unserem Immunsystem etwas gutes tun.

Es ist immer noch schön warm für unsere norddeutschen Verhältnisse. Daher können wir es uns auch draußen auf den Liegen gemütlich machen und lesen. Zwischendurch suchen wir uns neue Schattenplätze und entdecken das erste Mal das Guckloch im Fußboden des Pooldecks. Zehn Stockwerke über dem Meeresspiegel, wie gut, dass es Sicherheitsglas gibt!

Vor dem Abendessen gibt es noch eine Flaggenparade im Centrum. Sie möchten zeigen, wieviele Nationen hier auf dem Schiff arbeiten (Menschen aus 62 Nationen) und diese wertschätzen. Deren Flaggen werden von Repräsentanten hereingetragen und die Nationen werden von Cruise Director Carly vorgelesen. Einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steuern kleine Showeinlagen bei, unterhaltsamer als zuvor gedacht.

So kommen wir reichlich verspätet zum letzten Abendessen. Das junge Paar taucht gar nicht auf, beide sind inzwischen krank. Mike redet dafür ziemlich ununterbrochen. Er erzählt uns mehrmals die Geschichte, wie er an seinen goldenen (okay, vergoldeten) Cartier-Stift gekommen ist. Als er in den 1970er Jahren in Südkorea stationiert war, vertrieb er sich abends die Zeit damit, Poker zu spielen. Ein ihm völlig unbekannter Mensch drängte ihm diesen Kugelschreiber von Cartier auf. Er hätte ihn den ganzen Abend nur Unglück gebracht, nun sei er völlig pleite und wolle das Unglück unbedingt loswerden.

Mike dagegen gewann danach und hatte, so sagt er, fürderhin immer nur Glück im Leben. Wenn das Leben man wirklich so simpel wäre. Nun ist der Stift schon fast fünfzig Jahre bei ihm, und so langsam gibt die Mine auf. Leider gelang es ihm bisher nicht, dafür eine passende Ersatzmine in den USA (und auch nicht in Frankreich) zu finden.

Wir bauen den Stift auseinander, und siehe da: deutsche Qualitätsarbeit! Die Mine ist von Faber-Castell, made in Germany, darum hält sie schon fünfzig Jahre. Wir geben Mike die Webadresse. Vielleicht gelingt es ihm ja, auf diesem Wege eine Ersatzmine zu erhalten. Wir werden es wohl nie erfahren, denn wir wollen auf keinen Fall auf einer späteren Kreuzfahrt mit ihm wieder an einem Tisch sitzen.

Nach dem Abendessen steht nur noch das Kofferpacken auf dem Plan. Diese müssen rechtzeitig vor die Kabinentür gestellt sein, damit morgen beim Ausschiffen auch alles klappt.

Caribbean Cruise, days 10+11, at sea and sick (April 2023)

Wir fahren nun straight nach Nordwesten und verbringen die nächsten drei Tage wieder auf See. Uns hat nacheinander ein merkwürdiges Virus (?) ergriffen, hohes Fieber und wenig Stimme.

Da hilft nur im Bett bleiben, schlafen oder lesen. und vom jeweilig gesünderen Partner versorgt zu werden, zum Beispiel mit heißem Ingwerwasser. Das wirkt Wunder, bald ist die Stimme wieder da, etwas tiefer als gewöhnlich. Helfen tun auch die süßen Leckereien, mit denen wir plötzlich auf der Kabine überrascht werden.

Wir sind nicht die einzigen an Bord, denen es so ergeht. Die Tische abends im Restaurant sind merklich leerer. Abends erfreut uns die Handtuchfalterei unseres Kabinenstewards Mario, wenn wir vom Abendessen wiederkommen.

Caribbean Cruise, day 8, St. Kitts & Nevis 🇰🇳 (April 2023)

Heute legen wir in Basseterre, der Hauptstadt von St. Kitts and Nevis an. Basseterre ist eine der ältesten Städte in der östlichen Karibik und wurde bereits 1627 von Franzosen gegründet. Wir waren vor sieben Jahren schon einmal hier.

In der Zwischenzeit hat sich am Hafen eine Menge getan, es wurde viel Geld in die Touristenversorgung investiert, denn der Tourismus ist inzwischen die wichtigste Einnahmequelle der Insel.

Vom Hafen aus kommt man zu Fuß nicht weit, das wissen wir noch vom letzten Besuch. Daher haben wir diesmal einen Ausflug in den Regenwald gebucht. Unsere Gruppe wird auf offene Busse verteilt, wobei die Fahrer jeweils auch als Tourguides agieren.

Auf der kleinen Sightseeingtour verstehen wir die vielen Informationen über das Land nur, wenn wir einen Stopp einlegen. Wir sitzen in der ersten Reihe, und der Dieselmotor des Toyotas übertönt den Lautsprecher am rückwärtigen Ende des Busses eindeutig. Das ist aber auch nicht so schlimm, denn die letzen Tage lieferten einen Überfluss an Informationen.

White cattle egris, die sonst die Parasiten von den Kühen picken, beschützen hier auf dem Baum ihre Brut vor den Mangusten, ihren Fressfeinden.

Auf dem Weg kommen wir an einem 400 Jahre alten Mahagoni-Baum vorbei. Die frischen Schnittstellen (eine ist auf dem Foto zu sehen) leuchten tiefrot.

Der hinter der Wolke noch sichtbare Berggipfel ist Mount Liamuiga ein Vulkan und der höchste Gipfel der Insel, ca. 1360 Meter hoch. Man kann ihn besteigen.

Auf diesem Hügel liegt das alte Brimstone Hill Fortress, an der einzigen Stelle, an der man von der Atlantikseite aus auf die karibische Seite zum Anlegen kommen konnte. Jedes Schiff war von weither sichtbar. Es ist das größte Fort, das in der westlichen Karibik erbaut wurde.

Die Früchte des Brotfruchtbaums sind sehr nahrhaft. Der Baum wurde von den Sklavenhaltern zur Ernährung der Sklaven in die Karibik importiert, da er sehr viele Früchte trägt, die satt machen. Dass die Früchte auch eine Menge Steroide enthalten, damit die Sklaven länger arbeiten ohne die Schmerzen zu spüren, ist eine gern wiederholte Legende.

Wir fahren (hier herrscht Linksverkehr) durch Old Road Town, dem Heimatort unseres Guides Sil (sein eigentlicher Vorname ist länger und besteht aus den jeweils ersten Silben seines Vaters und seiner zwei Großväter, witzige Idee). Gefühlt jede zweite Person an der Straße wird hier durch Hupen gegrüßt.

Wir nähern uns unserem Ziel, dem Central Forest Reserve National Park und können schon von weitem einen mehr als 400 Jahre alten Baum sehen (die schön geschwungene Baumkrone in der Mitte des Bildes), der Name geht leider im Getöse des Automotors unter.

Zum National Park gehört alles Land auf der Insel, das mehr als 300 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Der Regenwald versorgt die gesamte Insel mit 65% des benötigten Trinkwassers. Auf unserem Trail müssen wir nicht nur auf die Baumwurzeln, sondern auch auf die Wasserleitungen achten.

Nach einer kurzen restroom Pause geht es los. Bevor der eigentliche hike durch den Regenwald beginnt, sehen wir uns noch einige Überreste der Windfield Estate an. Sie war die erste Zuckerrohrplantage auf der Insel.

Einst führte eine Eisenbahn rund um die Insel und verband die Felder der Plantagen mit der Zuckermühle. Inzwischen wird kein Zuckerrohr (im Hintergrund links am Ende der Schiene) mehr angebaut, die Schienen sind überflüssig geworden und werden nur noch auf der Westseite als Touristenattraktion genutzt.

Lemongrass, kennen wir eigentlich nur als Tee, ist tatsächlich eine Grasart und riecht sehr intensiv zitronig.

Philodendron, bei uns eine Zimmerpflanze, hier mit so großen Blättern, dass die Pflanze auch Elefantenohr genannt wird. Die Blätter kann man gut als Regenschirm bei den kurzen Schauern hier nutzen.

Sandbox Tree, auch Intimidation Tree (Einschüchterungsbaum) genannt, bei Ungehorsam wurden die Slaven an diesen Baum mit seiner stacheligen Rinde gebunden und mit der neunschwänzigen Katze ausgepeitscht. Abgesehen davon ist der Baum giftig. Wenn das Gift durch die Stacheln in den Blutkreislauf gelangt, stirbt man auf lange Sicht. Es bleibt für uns unvorstellbar, wie Menschen mit anderen Menschen umgegangen sind, nur weil sie denen das Menschsein absprachen!

Unser Guide Sil macht seinen Job außerordentlich gut. Welche enormen Kenntnisse er über die Flora und Fauna der Insel hat. Wir hören und sehen wilde Affen im Regenwald. Liebe/r Leser/in dieses Blogeintrags: wer von euch wusste z.B, dass männliche Affen mastubieren und weibliche Affen menstruieren?

Angefüllt mit bemerkenswerten Informationen und tollen Sinneserlebnissen kommen wir zurück und probieren noch einen Saft (meiner ist dunkelrot und schmeckt säuerlich) und ein Stück Kuchen. Im Bus zurück verteilt Sil noch Zuckerrohrstücke zur Stärkung.

Dann geht es mit dem Bus ohne weitere Stopps zurück zum Hafen, wo unser Schiff auf uns wartet. Wir haben diesmal neben einem sehr hässlichen Hochhausschiff festgemacht.

Tschüss, St. Kitts, heute hast du uns gut gefallen!

Caribbean Cruise, day 7, Bridgetown, Barbados 🇧🇧 (April 2023)

Heute legen wir sehr früh auf Barbados an, wir werden von den Geräuschen des Anlegemanövers geweckt. Barbados ist die östlichste Insel der Kleinen Antillen. Geographisch befinden wir uns schon in Mittelamerika. Barbados ist nicht vulkanischen Ursprungs, sondern eine Koralleninsel, deren unterseeische Riffkalke in die Höhe wuchsen. Die Strände sind auf der Westseite am Karibischen Meer weiß-rosa gesprenkelt.

Deshalb haben wir keine Tour gebucht, sondern wollen heute zu Fuß zum nächsten erreichbaren Strand gehen. So ungefähr wissen wir, wo es längs gehen soll. Aber mit einem kleinen Stadtplan fühlt man sich doch wohler. Hinter dem Duty Free-Gebäude fragt uns ein Anbieter für Taxitouren, ob ich eine Karte der Insel haben möchte. Klar möchte ich, allerdings muss ich ihn dann erst einmal langwierig abwimmeln. Er würde uns gern eine Tour über die Insel zu den tollsten und verschwiegensten Stränden verkaufen. Er hat auch recht damit, dass die Einwohner von uns Touristen leben und sie, wenn wir ihnen kein Geld dalassen, es schwierig haben, Essen auf den Tisch zu bekommen, aber trotzdem… Wir möchten heute so gern ganz auf uns gestellt zu Fuß gehen. Er rückt die Karte dann heraus, zeichnet den Strand ein und schreibt die Entfernung dazu, zweieinhalb Kilometer!

Reine Abschreckung, denn wir kommen nach zwanzig Minuten an einem schönen, und vor allem leeren Strandabschnitt an. Der Weg dahin führt uns immer am Wasser entlang.

Hier im Zentrum trägt der Fluß den Namen Careenage, da die Holzschiffe hier früher kielgeholt wurden, um Muscheln u.a. von den Rümpfen zu entfernen. Das heißt auf Englisch careening (britische Stadtgründung!).

Am Ende des Yachthafens geht es über eine Fußgängerbrücke, dann noch ein kleines Stückchen die Straße entlang, und schon können wir den Strand sehen.

Brownes Beach ist ein Strand, zu dem die Einheimischen mit dem Auto hinfahren, ein genauso toller weiß-rosa gesprenkelter feiner Sandstrand und glasklares Wasser wie überall, nur eben ohne Sonnenliegen, Sonnenschirme, Spielsachen und Jet-Ski-Anleger! Wir benötigen keinen möblierten Strand, wir wollen den feinen Sand spüren und schwimmen. Vormittags ist es wunderbar leer.

Himmlisch, und sehr erfrischend bei der Hitze (27 Grad) und der hohen Luftfeuchtigkeit. Wir gehen abwechselnd hinein, schwimmen und lassen uns anschließend von der Sonne und dem leichten Wind trocknen. Dann wird es uns zu heiß, dabei ist es noch nicht einmal 12 Uhr mittags, und wir machen uns auf den Rückweg.

Das historische Bridgetown, mit seiner Garnison seit 2011 UNESCO Weltkulturerbe, wurde 1628 von britischen Siedlern gegründet. Wir erkunden Downtown ein bisschen auf unserem Rückweg vom Strand zum Schiff, entdecken Fußgängerzonen, überall ist es sehr voll und laut.

Ein bisschen Sightseeing fällt auch noch ab, obwohl es sehr warm ist, 27 Grad schon vor 12 Uhr mittags, mit einer hohe Luftfeuchtigkeit.

Gebäude des Parliament von Barbados, komplett mit einem kleinen Glockenturm wie Big Ben
Independence Square (Barbados wurde 1966 unabhängig, blieb aber Mitglied des Commonwealth, seit November 2021 ist Barbados eine Republik)
Anlieferung auf dem Marhill Street public market
Old Fire Brigade House, die erste fire company in Bridgetown wurde 1840 gegründet.
Town Hall (Rathaus) and Gaol (Gefängnis), 1730 erbaut, das unterirdische Gefängnis wurde 1876 aus humanitären Gründen aufgegeben.
Das Carnegie Gebäude dient heute als öffentliche Bücherei.
Die Nidhe Israel Synagoge und der jüdische Friedhof, erbaut 1654, beinhaltet die einzige Mikwe, das Ganzkörpertauchbad für die rituelle Reinigung von Personen und Gegenständen.
St. Mary‘s Church von 1825; schon 1660 wurde hier eine Kirche erbaut.
auf dem Weg zurück zum Schiff

Ziemlich verschwitzt kommen wir schließlich wieder beim Terminal an und genießen die Ruhe auf dem Schiff, bevor die Passagiere der gebuchten Touren wieder ankommen.

Abends kommen die angenehmen Temperaturen der Karibik voll zur Geltung: am Pooldeck werden jetzt abends Kinofilme auf der großen Leinwand gezeigt. Das macht in der Wärme sehr viel mehr Spaß. Der tropische Regenguss zwischendurch stört nicht, wenn man unter einem Dach sitzt.

Caribbean Cruise, day 9, Philipsburg, St. Maarten 🇸🇽 (April 2023)

Wir legen an unserer letzten Insel der Cruise an, in Philipsburg auf der niederländischen Seite der Insel St. Maarten/ St. Martin, die kleinste Landmasse auf der Welt, die zwei Staaten regiert wird.

Kolumbus sah sie als erster Europäer zuerst am 11. November 1493 und benannte sie nach dem Heiligen des Tages, St. Martin von Tours. Die Insel war schon viel früher entdeckt und bewohnt worden. Archäologen haben Siedlungsspuren entdeckt, die bis nach 2000 vor Christus zurückreichen!

Fast 200 Jahre nach Kolumbus’ Ankunft und nach einem 80 Jahre lang währenden Krieg mit den Niederländern gaben die Spanier die Insel auf, zu deren Territorium sie bis dahin gehörte. Niederländer und Franzosen ergriffen die Chance und kamen von den ihnen schon gehörenden jeweiligen Nachbarinseln.

Sie stritten sich erst einmal gehörig, sahen aber schnell ein, dass keine der beiden Parteien nachgeben würde und beschlossen die mehr oder weniger friedliche Koexistenz.

St. Maarten/ St. Martin ist bis heute als einzige Insel zweigeteilt, aber ohne sichtbare Grenze. Der südliche Teil gehört seit 2010 als autonomes Land dem Königreich der Niederlande an, ist aber nicht Teil der EU. Der nördliche Teil gehört seit 2007 zu Frankreichs Überseegebieten, die gemeinsam ein eigenes Département bilden und zur EU gehören. Bezahlt wird dort mit dem Euro. Davor war die Insel Teil der niederländischen Antillen.

Im 17. Jahrhundert begannen die holländischen Siedler mit der Salzgewinnung in dem Binnensee von Philipsburg und verschifften das weiße Gold nach Europa.

Den ‚salt pickers‘ wurde ein großes Deckmal am Binnensee gesetzt, der große Verkehrskreisel stellt den Binnensee dar, drauf die salt pickers.

Wir spazieren noch ein bisschen durch downtown, wo einige Straßen und Gassen immer noch holländische Namen tragen. Neben Englisch ist die zweite Amtssprache Niederländisch. Uns haben Einwohner erzählt, dass der obligatorische Niederländisch-Unterricht an den Schulen bereits vor acht oder zehn Jahren eingestellt wurde. Langsam wird es uns einfach zu heiß, wir brauchen eine Abkühlung.

Der Strand ist in weiten Teilen mit Sonnenschirmen und Strandliegen bestückt, beides wird gern im Paket mit einem Getränk und freiem wifi an die Amerikaner vermietet. Wir finden einen Teil des Great Bay Beach mit seinem feinen Sand für uns und genießen noch ein letztes Mal das tolle karibische Salzwasser. Es ist einfach zu schön, man möchte gar nicht mehr heraus aus dem Wasser.

Um das Vergnügen noch ein bisschen zu verlängern, gehen wir immer am Wassersaum zurück, solange es geht. Dann geht es zurück zum Schiff, etwas essen und auf den Sonnenliegen am Pool ausruhen.

Auf Wiedersehen, Karibik! Bis zum nächsten Mal.