Es ist ja nicht unsere erste Cruise mit Royal Caribbean. Wir haben schon eine Menge der Freizeitangebote mitgemacht, unter anderem auf der allerersten Fahrt die Champagne Art Auction, nicht einmal der Sekt schmeckte! Mit leichtem oder auch mittelschwerem Grusel gucken wir uns auch jetzt noch manchmal die ausgestellte und zu erwerbende „Kunst“ an. Jedes Mal sind wir am Ende einer Cruise wieder entsetzt, an welchen Objekten ein „sold“-Schild hängt. Wer Lust hat, der schaut mal bei Wikipedia unter ‚Thomas Kinkade‘ nach, Amerikaner lieben ihn. Der für mich schönste Satz dort im Wikipedia-Eintrag lautet: „Die Kunstkritik lehnt Kinkades Werk übereinstimmend als irrelevant ab.“
Was wir allerdings noch nie mitgemacht haben, ist eine Port & Shopping Show. Man soll dort alles wissenswerte über die Häfen erfahren, die wir anlaufen. Außer dass man Diamand-Ohrstecker gewinnen kann (haben wir natürlich nicht), erhält man auch free port maps, free VIP cards, free coupons and much more. Darüberhinaus bekommt everyone attending einen Kettenanhänger for free, dazu später mehr.
Aus reinem ethnographischen Interesse nehmen wir teil und sind erstaunt, wie viele Menschen zum angegebenen Zeitpunkt im Theater auftauchen. Die Hütte ist gut gefüllt. Die Informationen über die zollfreien Einkaufsmöglichkeiten auf den Inseln, die man während der Kreuzfahrt anlaufen wird, könnte man sich auch erlesen, man hält ja das entsprechende Papier in der Hand. Währender Show wird alles, wirklich alles mindestens dreimal wiederholt.
Ganz wichtig für amerikanische BürgerInnnen ist folgende Botschaft: Die Welt da draußen ist gefährlich, man bleibt nach dem Verlassen des Schiffs besser gleich am Hafen bei den lizensierten (duty free) Läden. Dann wird man auch nicht beschubst: Shop in the shops on the map, where you are covered by Royal Caribbean. Denn nur so bekommt man all die Ermäßigungen, die einem zustehen: We are giving you all the discounts you deserve! Und dann sollte man beim Einkauf besonders von Schmuck all die wichtigen Hinweise beachten: The mere you collect the more you save. Whenever possible, buy pairs or sets.
Und da die Schmuckgeschäfte in jedem Hafen die gleichen sind, natürlich immer mit leicht unterschiedlichem Angebot, gibt es folgende tolle Möglichkeit: Man entscheidet sich, sagen wir mal, für einen Diamantring und muss dafür 600 Dollars bezahlen (keine Angst, ist nicht so viel, denn man bekommt ja vorher noch den VIP voucher über 200 Dollars). Im nächsten Hafen findet man im Geschäft derselben Kette einen Ring, der einem noch viel besser gefällt. Der kostet nun vielleicht 800 Dollars. Kein Problem, dann gibt man den ersten Ring zurück, legt noch mal 200 Dollars auf den Tisch (die hat man ja vorher gespart, also quasi über) und schwupps, schon hat man den besseren Ring an der Hand.
Für die ganz wagemutigen wird dann noch eine Shopping Safari auf St. Maarten angeboten, für die es nur 60 Plätze gibt. Man glaubt es kaum, betreutes Einkaufen, man bleibt die ganze Zeit auf der Pier in den lizenzierten Läden. Man muss die Einkäufe nicht einmal selbst auf das Schiff zurücktragen. Das erledigt das Shopping Team Diego and Lesley-Ann für einen. Die nehmen dafür Rollkoffer mit an Land. Die Bambusmatrazen, Bambusbettbezüge, Bambuskissen und Bambushandtücher werden auch bequem in die USA verschifft. Die Gratis-Socken, die man bei einem solchen Großeinkauf erhält, trägt man dann stolz selbst zurück aufs Schiff.
Dann gibt es auf der Veranstaltung noch jede Menge Werbefilmchen der beteiligen Firmen zu sehen und natürlich eine Verlosung (raffle). Ohne das geht in Amerika nichts. Viele Preise sind es nicht, natürlich hat hier niemand etwas zu verschenken. Den glücklichen Gewinnern wird applaudiert, allerdings jedes Mal mit der etwas perfiden Ansage: Let‘s pretend to be happy for our friends! Denn eigentlich ist die Gesellschaft hier so strukturiert, dass alles nur einem selbst zusteht, und das bitte auch noch sofort. Applaudiert wird dann pro forma.
Es ist entsetzlich langweilig und langwierig, aber wir harren aus bis zum Schluss (alle Veranstaltungen an Bord dauern nur 45 Minuten). Auf dem Weg aus dem Theater geht man an Lesley-Ann vorbei, in der Hoffnung, den versprochenen Kettenanhänger zu erhalten. Doch nein, es gibt nur einen entsprechenden Gutschein, der in einem der Geschäfte an Land einzulösen ist. Kay wollte Lesley-Ann eigentlich gar keinen Gutschein geben, aber er bestand darauf.
Und ja, wir haben später versucht, die Gutscheine einzulösen. Für den ersten gab es einen grünen Anhänger aus geschliffenem Glas. Aus Jux fragte ich nach, was für ein Stein das wäre und bekam die wirklich erstaunliche Antwort: ein grüner Achat. Völliger Blödsinn! Im zweiten Laden gab es nicht einmal das geschliffene Glas, sondern wortlos nur einen versilberten (?) Anhänger, den es auch ohne die „VIP-Karte“ gegeben hätte. Solchen Verkäufern würde ich im Traum keinen Schmuck mit ‚Diamanten‘ besetzt abkaufen, aber sie machen stets ein sehr gutes Geschäft mit den Kreuzfahrtgästen.