Let’s cruise – Anreise mit Hindernissen, Teil 3: nach Baltimore, USA

Da zwischenzeitlich weitere Flieger am Flughafen angekommen sind, dauert es ein bisschen, bis die Busse kommen, die uns zum Flughafengebäude bringen sollen. Der Sturm ist trotz seiner Abschwächung noch ziemlich stark und erwischt uns auf der Treppe. Im Flughafengebäude geht es flotten Fußes Richtung Abflughalle für die Amerikaflüge, und wir stauen uns mit Hunderten anderen vor den drei Schaltern der Passkontrolle, wir verlassen ja die EU.

Weiter geht es, durch verwaiste shopping malls und an verpassten duty free Angeboten vorbei, bis zum richtigen Gate. Hier ist es noch voller, da alle Flüge versuchen, gleichzeitig zu boarden. Wir warten dann wieder auf den Bus, es ist ja immer noch windig, und wir müssen vom Rollfeld aus wieder einsteigen. Zehn Stunden nach Abflug in Berlin geht es endlich weiter, vor uns liegen gut fünf Stunden Flugzeit über den Atlantik.

Der zweite Flug verläuft unspektakulär, die Maschine holt sogar noch etwas Zeit auf. Customs and Border Control bei der Einreise in die USA geht zügig, obwohl für uns Ausländer nur ein Schalter besetzt ist, schließlich ist es fast Mitternacht hier in Baltimore. Der officer möchte nur wissen, warum wir denn überhaupt ein zehnjähriges Visum besitzen. Die Koffer sind auch da, und der Hotel-Shuttlebus kann noch angefordert werden (er macht von Mitternacht bis vier Uhr morgens eine Pause).

Im Hotel Country Inns & Suites by Radisson bekommen wir ein riesiges Zimmer (eigentlich für vier Erwachsene gedacht) mit großem Bad. Kaffee, Tee und gratis wifi gibt es dort auch, wir versuchen uns, ein wenig von den Strapazen zu entspannen. Gegen ein Uhr Ortszeit geht es nach 24 Stunden auf den Beinen zu Bett, todmüde, denn im Flieger konnten wir nicht schlafen, zu eng.

Morgens gibt es in dem Hotel Frühstück mit allem, was die Einheimischen so mögen, inklusive jeder Menge Plastikmüll am Ende. Wir essen bacon and eggs, oatmeal und waffles, yoghurt und bagels. Und alles, wirklich alles ist in Plastik verpackt, sogar die Bagels einzeln in Tütchen. Getoastet sind sie mit cream cheese sehr lecker. Becher, Teller und Besteck sind natürlich auch aus Plastik.

Alles wie gewohnt in den Staaten, aber so werden wir die Welt nicht mehr retten können vor der endgültigen Klimakatastrophe. Wir blenden das mal kurz aus, denn wir sind inzwischen wirklich sehr, sehr hungrig. Die letzte Mahlzeit war das Frühstück in Berlin vor mehr als 30 Stunden.

Der Concierge der Tagesschicht ist außerordentlich hilfsbereit bei Problemen mit der ATM (kommt für uns kein Geld raus – no credit? – No, Anwendungsfehler!) und der eventuellen Bereitstellung des Telefons, weil unser deutscher Anbieter ein bisschen zickt im nichteuropäischen Ausland. Er wird noch freundlicher, als er erfährt, dass wir aus Deutschland kommen. Er war vor 20 Jahren längere Zeit im Kölner Raum und liebte es dort. Wir benötigen ein Taxi zum Cruise Terminal (nur 15 Minuten entfernt, natürlich nur mit dem Auto erreichbar), und Taxen gibt es in unmittelbarer Hotel nicht mehr, seitdem der Markt von Uber quasi übernommen und plattgemacht wurde. So kommt er auf die Idee, dass der Hotelshuttle uns zum nächsten Bahnhof fahren könnte, da dort immer Taxen warten würden.

Gesagt, getan! Auch der Shuttlefahrer freut sich über deutsche Gäste, da die immer so fantastisch Englisch sprechen können. Er lässt es sich am Bahnhof nicht nehmen, den Taxifahrer über unser Ziel zu informieren, bevor wir aus seinem Bus aussteigen dürfen. Der Taxifahrer wiederum ist begeistert über deutsche Ingenieurskunst und träumt von einem Mercedes 600 SLE aus den Jahren vor der Jahrtausendwende. Ohne einen zu besitzen, könne er nicht in Rente und dann zurück nach Ghana gehen. Auch der Shuttlebus-Fahrer, der sein gesamtes Arbeitsleben in den USA verbracht hat, zieht mit Eintritt in die Rente zurück nach Jamaika. Beide erzählen unabhängig voneinander, dass Schwarze es in den USA nicht gut hätten (und dabei befinden wir uns gerade in Maryland und nicht in den Südstaaten). Traurig.

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