Nach unserer letzten Autotour durch die USA hatten wir komplett die Lust verloren, irgendwelche Reisen anzutreten und sind lieber zuhause geblieben. Doch nun, nach einem guten halben Jahr, packt uns wieder die Reiselust. Das Wetter in Norddeutschland tat das Übrige dazu, irgendwann kann man Kälte und Schmuddel-Regenwetter nur noch schlecht vertragen. Da wir nicht mehr im Sabbatjahr (und auch noch lange nicht im Ruhestand) sind, mussten wir mit dem Reiseantritt warten, bis die Osterferien beginnen.
Nun ist eine Kreuzfahrt in die Karibik unser Ziel. Die Karibik ist weit weg (und wir haben nicht viel Zeit), und so reisen wir per Bahn und Flugzeug an. Wir probieren diesmal die isländische Billigfluglinie Play aus (ja, wir bleiben abenteuerlustig). Leider fliegt sie erst vom Mai an auch von Hamburg aus. So starten wir ab Berlin, und dort soll es mit der Bahn hingehen. Davor steht das Kofferpacken an, also die Koffer vom Dachboden geholt und los. Wieviel sind eigentlich 11 kg? Das ist die Maximalmenge (Billigflug), steht auf der ausgedruckten Buchungsbestätigung. (Später stellt sich heraus, dass ein zweiter Blick in das Internetportal sich auf jeden Fall gelohnt hätte, doch dazu kommen wir noch.) Kein Problem, wir fahren ja in die Wärme. Dachten wir, und mit Sport- und Strandsachen und angemessener Abendgarderobe wurden die beiden Koffer auch nur halb voll. Die Waage belehrte uns dann eines besseren, vier Kilo zuviel, in beiden Koffern. Also alles wieder ausgepackt, ab mit den amerikanischen oversized Koffern wieder auf den Dachboden und die großen deutschen (eine Nummer kleiner) heruntergeholt. Dann durch alles mit kritischem Blick durchgehen, neu packen und wiegen, Bingo! Passt!
Das nächste Abenteuer ist die Reise mit der Deutschen Bahn (wie immer, immerhin wird über Ostern nicht gestreikt): der RegionalExpress nach Hamburg ist leicht verspätet und ein ticket- und auch sonst manierenloser Mensch muss zwischendurch zwangsaussteigen. In Hamburg erreichen wir den ICE problemlos, da wir bereits vor dem Hauptbahnhof in ihn umsteigen können. Im Ruhebereich der ersten Klasse ist es sehr entspannt; alle, Kinder wie Erwachsene, sind mit Kopfhörern an ihre digitalen Endgeräte angestöpselt oder lesen ein Buch. Die Verspätung beträgt nur noch drei Minuten, als wir in Berlin Hauptbahnhof einlaufen, und der Schaffner versichert uns, dass der Anschlusszug warten würde. Leider kommt diese Information nicht beim Anschlusszug an, und ein ICE ist sehr lang, wir waren im letzten Waggon. Als dann auch der Mann vor uns, kräftig gebaut, mittleres Alter, nur eine Laptoptasche in der Hand, anfing, den Bahnsteig entlang zu laufen, rennen wir mit unseren drei Rollkoffern doch hinterher und springen kurz vor Türschließung in den IC nach Chemnitz, den wir bald darauf am Berlin Brandenburger Flughafen wieder verlassen.

Der BER, der skandalumwitterte Hauptstadtflughafen, wo nichts funktioniert, präsentiert sich erst einmal groß, leer und mit zwei Terminals. Wir wollen unsere Koffer am Abend vorher einchecken. Als wir am Terminal 1 keine Spur unserer Fluglinie erblicken können, laufen wir die 400 Meter zum Terminal 2. Da starten die Billigflieger, aber eben nicht alle. Also zurück zu Terminal 1. Auf dem Weg dahin googeln wir mal, wo sich denn unser Hotel am Flughafen befindet. Tja, 10 Minuten entfernt, aber mit dem Auto. Die Koffer werden wir bei Play auch nicht vorher los.
Also zum Taxi, kostet 23€, obwohl der Flughafen aufgrund seiner enormen Platzausdehnung während der Fahrt in jeder Kurve in Sichtweite bleibt. Das Intercity Hotel bietet uns für den nächsten Morgen einen Shuttle für 10€ pro Person für die Fahrt zurück zum Flughafen an. Außerdem hat es freies WLAN für die Gäste, prima zum online Einchecken. Das funktioniert dann bei Play nicht gut. Zuerst ist der Server überlastet, dann dauert es, bis wir herausfinden, dass die optionale (!) Angabe des Visums für uns verpflichtend ist. Dann der nächste Schock: wir haben gar keine Koffer zum Aufgeben im Vorwege gebucht, kostet nun noch einmal 156€ mehr. Da hätten wir doch mal besser aufmerksam gelesen beim Buchen. Und wir hätten nun auch 20 Kilo pro Koffer haben dürfen. Wie ärgerlich, den Aufwand mit dem Kofferumpacken am Vorabend hätten wir uns sparen können. Leider klappt der Bezahlvorgang wiederholt nicht, weder mit der einen Kreditkarte noch mit der anderen. Auch das ist dann wieder sehr ärgerlich.
Extrem genervt gehen wir Essen, und dann ins Bett. Es hat schon seine Tücken, sich für das günstigste Angebot zu entscheiden. Eigentlich ist jetzt schon klar: nie wieder Billigflieger, keinen, wie nett sie auch daherkommen. Und dabei hat Play den niedlichen Papageientaucher als Maskottchen! Man muss aber auch ehrlich sagen: vieles hätten wir uns ersparen können, wenn wir die zugänglichen Informationen auch mal ordentlich gelesen hätten.