Weiter zurück nach Norden – Station in Hannover (Sommer 2022)

Nach weniger als drei Stunden Fahrt sind wir in Hannover angekommen. Unser Hotel trägt den Zusatz ‚City’ im Namen, es dauert aber doch eine halbe Stunde zu Fuß, bis wir wirklich in der Innenstadt angekommen sind. Dort ist es uns aber viel zu voll. Wir hängen noch eine halbe Stunde Fußmarsch dran, um zum Sprengel Museum zu kommen. Hier sollte es heute freien Eintritt geben, aber das war gestern. Bei so viel Entspannung bekommt man die Wochentage schon mal durcheinander. Wir trinken erst einmal einen Kaffee im Museumscafé mit Blick auf den Maschsee.

Dort findet gerade das Maschseefest statt, und es ist jetzt am späten Nachmittag schon voll dort. Wir haben keine Lust darauf. Im Museum sind heute große Teile geschlossen, den Besuch sparen wir uns auch. Wir beschließen zurückzugehen und auf dem Weg die Skulpturenmeile zu besichtigen. Auf dem Weg dorthin strömen uns weitere Menschenmassen entgegen, alle wollen zum Maschseefest. Wir kommen am Neuen Rathaus mit seinem eindrucksvollen Kuppelturm vorbei, 1901-13 erbaut.

Die Skulpturenmeile, 1200 Meter lang und nach Hannovers Selbstauskunft einzigartig in Deutschland, kommt unauffällig daher, denn die meisten der von der Stadt angekauften Großskulpturen stehen auf dem Grünstreifen in der Mitte der sechsspurigen Straße. Die drei berühmten Nanas von Niki de Saint Phalle machten 1974 den Auftakt und haben das besser betroffen. Sie stehen zumindest am Fuß- und Fahrradweg.

Hier am Leibnizufer findet regelmäßig ein Straßenflohmarkt statt, der Abbau ist in vollem Gange, als wir dort ankommen. Wie schade, auch verpasst. Dann widmen wir uns eben den Gebäuden, die sind immer da und können nicht weg. Wir kommen an einem Gebäude des amerikanischen Architekten Frank Gehry vorbei. Der Gehry-Tower (1999-2001) wirkt seltsam an dieser Stelle.

Was man aus Stahl alles machen kann! Alle Außenwände sind tragende Wände, kaum zu glauben. Der Baukörper wurde um die lotrechte Mittelachse verdreht, so ragt der obere Teil des Turmes bis zu zweieinhalb Meter weiter in die Straße hinein als das Erdgeschoss. Verkleidet ist der Turm mit geschliffenen Edelstahlplatten. Er beherbergt Büro- und Veranstaltungsräume.

Etwas weiter die Straße entlang, am Steintor, stehen wir vor dem Anzeiger-Hochhaus im expressionistischen Backsteinstil. Es wurde 1927-28 als Verlagsgebäude des Hannoverschen Anzeigers erbaut, damals eines der ersten Hochhäuser in Deutschland. Wie der Gehry-Tower besteht auch dieses Hochhaus aus einem Stahlskelett. Dadurch überstand es die Luftangriffe während des Zweiten Weltkrieges relativ unbeschadet, nur das Planetarium in der Kuppel brannte aus. Nach dem Krieg wurde dort ein Kino eingerichtet, welches immer noch existiert. Und das Gebäude ist Ort berühmter Zeitschriftengründungen: 1947 erschien Der Spiegel das erste Mal, im darauffolgenden Jahr der Stern.

Auf dem Rückweg zum Hotel kommen wir noch am Postscheckamt Hannover vorbei, das in diesem Jahr abgerissen werden soll. Die älteren von uns erinnern sich sicher noch an die Zeit, als wir bei größeren Einkäufen Papierschecks an der Kasse ausstellten, weil wir nicht so viel Bargeld dabei hatten. Das waren noch Zeiten! Jetzt haben alle kleine Plastikkarten im Portemonnaie. Ein Postscheckamt gab es in Hannover schon seit 1909, das wurde dann irgendwann zu klein, wahrscheinlich dann, als auch wir Otto-Normal-Verbraucher begannen, Schecks als Zahlungsmittel zu nutzen.

Dieser Neubau entstand Anfang der 1970er, zwei Hochhauselemente mit niedrigeren Zwischentrakten, wie gestaffelte und ineinander geschobene Bauklötze. Die umlaufenden Balkone setzen einen horizontalen Kontrast. Durch die Verkleidung der Fassade mit Waschbeton wird ein brutalistischer Eindruck erweckt. Die verspiegelten Glasscheiben geben dem Bau wiederum Leichtigkeit. Eigentlich schade, dass es abgerissen wird.

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