Miami, Florida, cruise day 7 (Jewel of the Seas, 2022)

Als consecutive cruiser, die, die eine Reise nahtlos an die andere hängen, haben wir eine Reihe von Vorteilen. Schon vor einigen Tagen bekamen wir für das Abendessen das Angebot vom Oberkellner, bei der Transatlantik-Überquerung einen Tisch am Fenster zu bekommen. Das haben wir natürlich gern angenommen. Unser Gepäck wird von heute von der alten in die neue Kabine transportiert. Dabei können alle Hemden, Anzüge und Kleider auf den Bügeln hängen bleiben, sehr praktisch. Da wir vor Reisebeginn zum Einchecken wieder einen negativen Covid-Test vorweisen müssen, organisiert das Schiff den Test, der für uns kostenlos ist. Wir haben uns über einen QR-Code registriert und werden einen Tag vorher morgens zum Test gebeten, das Ergebnis erhalten wir abends ausgedruckt (da wir hier kein Internet haben) beim Guest Service.

Am Aus- bzw. erneuten Eincheck-Tag verzögert sich der gesamte Prozess (natürlich, muss man leider sagen). Wir 75 Personen, die „back-to-back“ fahren, warten im oberen Bereich des Restaurants und erhalten Getränke und pastries. Allerdings müssen wir warten, bis alle anderen mehr als anderthalb Tausend Passagiere von Bord gegangen sind, und das dauert. Wir amüsieren uns trotzdem. Vor bereits mehr als zwei Wochen erhielten wir eine Email, in der wir aufgefordert wurden, uns über die unterschiedlichen Einreisebestimmungen der europäischen Häfen zu erkundigen und ggf. die entsprechenden Formulare online auszufüllen. Solche Emails scheinen keinerlei Eindruck auf Amerikaner zu machen, oder aber sie verstehen inhaltlich nicht, was von ihnen erwartet wird. Nun stellt sich heraus, dass Belgien ein ausgefülltes Formular mit einer anschließenden Bestätigung inklusive eines QR-Codes vor Antritt der Kreuzfahrt erwartet. Die Aufregung hier bei den zumeist alten Menschen steigt, auch die Panik, und die sonst so reserviert auftretenden Menschen in den teuren Kabinen beginnen zu schreien.

Nach anderthalb Stunden warten wir immer noch, weil die immigration officers so zügig arbeiten wie sie hier halt arbeiten. Zügiges Arbeiten hat in Amerika eine komplett andere Bedeutung als in Deutschland; die Übersetzungen, die das Wörterbuch anbietet, haben wir in Arbeitszusammenhängen noch nie gehört. „We‘re working hard.“ ist mit „schwer arbeiten“ übrigens komplett falsch übersetzt! Wir warten darauf, dass es keine Warteschlangen mehr gibt, bevor wir hinunter eskortiert werden. Einige Passagiere werden so nervös, dass sie allein losziehen. Wir finden es viel besser, hier in bequemen Sesseln bei Verpflegung auszuharren, als mit Hunderten stehend in einer Halle zu warten.

Dann geht es ganz plötzlich doch los, von Personal eskortiert, im Gänsemarsch, langsam, da die fußlahmen Personen, die nicht im Rollstuhl geschoben werden, das Tempo bestimmen. Und dann wird es komplett surreal!! Unsere lange Schlange läuft irgendwann links an einer geöffneten Tür vorbei, um in die nächste geöffnete Tür hineinzugehen. Dann kommt die Schlange aus der ersten Tür wieder heraus, um denselben Gang weiterzugehen. Da sich an der Kreuzung der zwei Schlangenenden alles komplett mischt, und kurz bevor orientierungslose Menschen den Ablauf komplett durcheinander bringen, wird die restliche Schlange gestoppt (wir), um den ersten Teil durchzulassen, der dann an unserer rechten Seite weiterläuft. Was passiert nun genau hinter den beiden Türen? Die Menschen kommen viel zu schnell wieder heraus. Immerhin haben wir Reisepass, Impfnachweis, negativen Testnachweis, neue Bordkarte und eine kleine Karte in der Hand, die besagt, dass wir in transit sind. Die Auflösung: Dort steht ein Officer, dem wir den geöffneten Reisepass vor das Gesicht halten, zwei Sekunden maximal! Und dann gehen wir wieder aufs Schiff. Das ist lächerlich! Sie lassen 75 Menschen anderthalb Stunden warten, um sie dann innerhalb einer halben Stunde von Bord, ins Gebäude und gleich wieder an Bord zu führen. Der eine Officer hätte auch auf das Schiff kommen können, und wir wären dort an ihm vorbei defiliert. Was für ein unorganisiertes und umständliches Land!

Wir erholen uns beim Lunch, extra für uns 75 Reisende, sitzen dann noch in der Sonne, bis unsere Kabine fertig ist. Wir sind jetzt auf Deck 8, die Kabine ist ein ordentliches Stück größer. Nun kann das relaxte Leben an Bord weitergehen.

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