Vor uns liegen jetzt sieben Tage nur auf dem Atlantik, und es wird einfach nie langweilig. Notfalls könnte man ja immer noch mal zwischendurch schlafen, denn insgesamt fünf Nächte sind jeweils eine Stunde kürzer, damit wir die europäischen Zeitzonen rechtzeitig erreichen. Außer Schlafen und Essen (egal, wann, was und wo man isst, es ist immer sehr, sehr gut) gibt es jede Menge Programm.

Vormittags kann man sich unter anderem künstlerisch betätigen. Ich besuche in der Schooner Bar eine jewelry making class. Der Anleiter (ja, ein Mann, hilft nicht wirklich) bringt jede Menge Material mit, wobei nicht alle Päckchen das vollständige Material beinhalten. Das Austeilen dauert sehr lange, da sehr viele Frauen teilnehmen möchten. Das anschließende Erklären, was und wie man etwas machen soll, gestaltet sich auch schwierig, da der Instrukteur mit einem starken spanisch gefärbten Akzent spricht und nicht über das notwendige Fachvokabular im Englischen verfügt – klassische Fehlbesetzung. Die Frauen helfen sich gegenseitig, ich fädele mir ein Armband auf, das geht auch ohne Anleitung und macht Spaß.

Den ganzen Tag über gibt es viele Quizshows, Ratespiele, Live Musik und vieles mehr. Und dann gibt es manchmal private functions, bei denen nur ausgewählte Teilnehmerinnen und Teilnehmer hinein dürfen. Wer möchte da nicht gerne hinein? Wir gehören dazu, da wir sozusagen eine Bonuskarte der Reederei haben. Inzwischen sind wir in eine Stufe aufgestiegen, die uns den Zutritt verschafft, aber auch andere kleine Vergünstigungen. Bei den fünf Freigetränken pro Tag sind wir allerdings noch nicht angekommen. Wir bekommen auf dieser Veranstaltung ein Glas Sekt und erhalten eine Privatvorstellung des argentinischen Tangotanzpaares, das in einer Show am Abend auftritt.

Noch ist das Wetter so schön, dass der Poolbereich gut besucht ist. Allerdings ist es nicht mehr so übervölkert wie auf der Karibik-Fahrt. Wir finden eigentlich immer einen Platz auf den Liegen und lesen, bis das musikverstärkte Animationsprogramm auf der Außenbühne einsetzt. Das ist ein guter Zeitpunkt, sich mit mehr Getränken oder gar Essen zu versorgen.

Abends gucken wir uns das Showprogramm an. Bisher haben wir schon einen polnisch-amerikanischen Multiinstrumentalisten, der vorzüglich elektronisches Vibraphon spielt und dazu eine Kalimba und ein Theramin, gesehen. Die „Barricade Boys“ erfreuen uns bei vierstimmigem Satzgesang und Orchesterbegleitung mit Musicalsongs. Auch die schiffseigne Produktion mit Orchester, Sängern und Tänzern in tollen Kostümen ist ganz gut. Oder wir gehen ins Kino.

Und dann werden wir eines Morgens sehr unsanft durch eine Durchsage vom Kapitän geweckt. Aufgrund eines medizinischen Notfalls müssen wir die Bermudas anlaufen. Auf der Karte ist ein sehr abrupter Kurswechsel zu sehen. Irgendwann in der Nacht drehte das Schiff um 90 Grad von Ost nach Nord.

Um acht Uhr ankern wir vor der Küste Hamiltons. Der Patient muss mit einem Boot übergesetzt werden. Das Ganze dauert länger als gedacht, erst nach drei Stunden fahren wir wieder los. Natürlich spekuliert man, was wohl passiert ist. Aber dazu gibt es keine weiteren Durchsagen, nur, dass alles gut geklappt hat und wir Madeira in der geplanten Zeit erreichen werden. Bei den vielen alten Menschen an Bord muss man wohl mit solchen Zwischenfällen rechnen.