Von der Highland Region in die Plateau Region, Blue Ridge Parkway, NC/ VA, day 49 (USA 2022)

Oben auf einem Berg in ca. 1000 Meter Höhe mit nichts als Natur um sich herum schläft man außerordentlich gut. Auf dieser Bergkuppe hat man schon Tabak angebaut und Heu gemacht. Als hier vor etwas mehr als zehn Jahren ein trailer park entstehen sollte, kaufte der Nachbar, der seine Ruhe erhalten wollte, kurzerhand die Bergkuppe mit allem Gelände drumherum, knapp 67 Hektar.

Er richtete den kleinen Campingplatz extra anders ein als alle anderen rundherum, mit viel Platz, einfachem Angebot und sehr vielen hiking trails, die in die Wälder rundherum führen. Wir fahren die Schotterpiste wieder herunter und realisieren dann erst, wie hoch wir auf den Berg „gekrabbelt“ sind.

Bald darauf geht es wieder auf den Blue Ridge Parkway (milepost 276). Wir können etwas zügiger fahren als auf den anderen Abschnitten. Es ist nicht mehr so kurvig. Stattdessen sehen wir landwirtschaftlich genutzte Flächen und auch Bebauung (in tausend Meter Höhe).

Der Parkway ist gesäumt von hohen Rhododendrenbüschen, man könnte sogar von Bäumen sprechen. Im Mai/ Juni muss es hier wundervoll aussehen, wenn alles blüht.

Beim milepost 238 halten wir an Brinegar Cabin an. Es ist das einzige Häuschen, das 1916 nach sturzflutartigen Regenfällen und anschließenden Schlammlawinen vom Dorf Basin Cove (zwanzig Familien, Laden, Kirche, Schule) übrig blieb. Auf der Karte kann man das Unglück ermessen.

Martin Brinegar kaufte das Land 1876 mit 19 Jahren und baute eine Ein-Raum-Hütte darauf. Zwei Jahre später zog er frisch verheiratet mit seiner 16jährigen Ehefrau Caroline ein.

Als die Familie mit zwei Erwachsenen und drei Kindern zu groß wurde, begann Martin 1886 dieses Haus zu bauen, ein Raum und ein Schlafboden. Da er alles selbst aus Materialien seines Landes machte (Steine, Holz, Lehm), dauerte der Bau drei Jahre. Später kam noch der kleine Anbau dazu (Schlafzimmer und Küche, daher der zweite Schornstein).

Das Gebäude hinten links war für die Vorräte. Es gab keinen Kühlschrank. Auf dem Boden unter dem Dach lagerte das Getreide, Kräuter wurden getrocknet. Darunter wurde das gepökelte Fleisch nach dem Schlachten der Schweine aufbewahrt. Ganz unten im gemauerten Teil lagerten Früchte, Gemüse und Eingemachtes.

Die Familie lebte als Selbstversorger. Ein wenig zusätzliches Einkommen kam noch dazu. Martin machte Schuhe, nicht nur für die Familie, sondern auch für die Nachbarn. Caroline sammelte und trocknete Heilkräuter, die sie verkaufte.

Neben der Farmarbeit nähte Caroline auch die Kleidung für die Familie. Diese wurde aus einem Leinen-Wollgemisch hergestellt. Für den Leinenfaden bauten sie Flachs an, für den Wollfaden hielten sie Schafe. Beides wurde auf dem Webstuhl zu Tuch gewebt. Der Webstuhl nimmt einen großen Teil der Hausfläche ein.

Während das restliche Amerika in die Neuzeit des 20. Jahrhunderts rutschte, blieben etliche Bewohner in den Appalachen noch bis in die erste Hälfte des Jahrhunderts hinein ohne moderne Annehmlichkeiten wie fließendes Wasser (in der Nähe gibt es eine Quelle) oder Elektrizität. 1925 starb Martin an Lungenentzündung. Zehn Jahre später kaufte der Staat die Farm, damit sie Teil des Blue Ridge Parkways wurde. Caroline erhielt ein lebenslanges Wohnrecht. Durch den Autoverkehr wurde es ihr jedoch zu laut, sie zog zu ihrer Tochter und starb dort 1945. Bewundernswert, dass sie trotz dieses harten Lebens in den Bergen 82 Jahre alt wurde.

Wir überqueren die stateline zwischen North Carolina und Virginias (milepost 216) und wollen kurz darauf das Blue Ridge Music Center besuchen. Die Enttäuschung ist groß, auch hier ist alles geschlossen. Das ist schon frustrierend.

Wir beschließen, den heutigen Campingplatz schon wesentlich früher anzufahren und uns auszuruhen. Praktischerweise befindet sich der KOA-Platz Fancy Gap direkt am Parkway. Die Zufahrt befindet sich noch auf der Abfahrt vom Parkway. Wir verbringen den Rest des Tages auf unserem „Balkon“, genießen die Ruhe und das zügige Internet (das langsamer wird, je mehr Gäste anreisen).

Von der Pisgah Region in die Highland Region, Blue Ridge Parkway, NC, day 48 (USA 2022)

Bei Regen ist eine Aussichtsfahrt nicht ganz so schön wie bei blauem Himmel. Unsere kleine Wanderung zwischendurch machen wir in einer Regenpause. Zu Beginn unserer zweiten Etappe müssen wir wieder ein Stück gesperrten Parkway umfahren. Wir schrauben uns auf der gerade neu geteerten country road 80 hoch, bis wir bei 1.021 Metern den Punkt der östlichen kontinentalen Wasserscheide erreichen.

Wir fahren am Lake Tahoma und durch sehr ansprechend aussehende Siedlungen vorbei, wir befinden uns wieder auf einem scenic byway.

Am Buck Creek Gap (1028 Meter) fahren wir auf den Parkway (milepost 344). Es gibt in regelmäßigen und kurzen Abständen overlooks, Aussichtspunkte mit kleinen Parkplätzen oder sogar mit Picknickbänken.

Little Switzerland besteht aus verschiedenen Restaurants etc., und siehtvsi aus, wie sich Amerikaner Schweizer Berghütten vorstellen, also recht weit entfernt von der Realität.

Der Blick weitet sich, die Obstbäume des historic orchard of Altapass säumen unseren Weg.

Das Linville Falls Visitor Center ist geschlossen, wenn man eine Karte der Wanderwege haben möchte, muss man ein Foto vom Aushang machen. Das ist typisch amerikanischer Pragmatismus.

Wir entscheiden uns für den grünen Weg, viereinhalb Kilometer hin und zurück. Es geht über Stock und Stein durch den Wald am Linville River entlang bis zum ersten Aussichtspunkt, den Wasserfällen und weiter durch den Wald bis zur Schlucht, in die der Fluss hinabstürzt. Der Fluss fließt weiter nach Osten, bis er im Lake James mündet.

Nach einer Mittagspause im Motorhome (das ist wirklich praktisch) geht es auf dem Parkway Richtung Norden weiter. Wir passieren Grandfather Mountain (1.812 Meter), fahren über ein paar Brücken, halten kurz am Price Lake und wollen dann noch in den Craft Store im Visitor Center des Moses H. Cone Memorial Park. Doch, wie sollte es anders sein, das hat alles geschlossen. So sind wir zügig am Deep Gap (milepost 278), verlassen den Parkway für heute und fahren zum Campingplatz.

Das Blue Bear Mountain Camp liegt in der Berg-Pampa. Ein unmarkierter Schotterweg führt in die Berge hinein und endet auf einem weiteren Schotterweg, der uns auf ein kleines Hochplateau führt. Wir campen mit Stromanschluss, müssen uns das Wasser selbst holen und haben kein wifi und auch fast keinen Telefonempfang. Dafür ist das Badehaus super und die Ruhe himmlisch.

Zu Besuch in der Cherokee Indian Reservation, day 47 (USA 2022)

Wir wollen keine Mokassins kaufen und uns auch nicht im Glücksspiel versuchen, ist alles möglich hier. Aber wenn wir schon einmal hier sind, können wir auch das Museum of the Cherokee Indian ansehen. Die Cherokee siedeln bereits seit ungefähr 15.000 Jahren im Südosten der heutigen USA.

Zuerst jagten sie Mammuts, im Laufe der Jahrtausende wurden die gejagten Tiere kleiner (Rotwild und Truthähne). Um mit dem Speer Fische zu fangen, wandten sie einen Trick an. Sie streuten geriebene Walnussbaumrinde ins Wasser. Die enthaltene Gerbsäure lähmte kurzfristig das Nervensystem der Fische. Die Jäger konnten die Fische ihrer Wahl herauspicken, der Rest schwamm nach einer Weile weiter.

Später entwickelte sich der Gebrauch von Pfeil und Bogen für die Jagd. Die Nahrungsmittelversorgung wurde einfacher. So blieb Zeit, Getreide anzubauen, Tonwaren herzustellen und Körbe zu flechten.

Ein junger Cherokee zeigt uns, wie die unterschiedlichen Henkel/ Griffe für große Nutz- und kleine Schmuckkörbe angebracht werden.

Die „Three Sister“ bildeten die Hauptnahrungsmittel der Mississippi Indianer: Getreide, Bohnen und Kürbis (Squash). Um Schädlinge zu vertreiben, setzten sie auf biologische Schädlingsbekämpfung. Sie hängten Kürbisgewächse in ihren Gärten auf, um Purpurschwalben anzulocken.

Diese bauten Nester in den Kürbissen und fraßen Unmengen an Insekten. Dazu verteidigten sie ihr Territorium aggressiv gegen Krähen und Drosseln, die neu ausgesätes Korn fraßen.

Mit der Ankunft immer mehr Europäer wurde das Ende der Cherokee im Südosten eingeleitet. Die Weißen benötigten immer mehr Land und verdrängten die Ureinwohner. King George III von England erklärte zwar in einer Proklamation 1763, dass in den Appalachen und westlich davon keine Weißen mehr siedeln durften. Doch die Durchsetzung des verbrieften Rechts war aussichtslos. Dazu kam der amerikanische Unabhängigkeitskrieg, die königliche Erklärung wurde wertlos.

Zu Beginn des 19. Jahrhundert begann die Abschiebung der Cherokee nach Westen in das heutige Oklahoma. Ein Drittel starb auf diesem monatelangen Trail of Tears (Weg der Tränen).

Viele kulturelle Inhalte werden in dem Museum in Dioramen dargestellt und mündlich erzählt (Man kann es auch auf Tafeln lesen.). Alltagsgegenstände von früher existieren nicht mehr viele, eine Schriftsprache gab es bis vor 200 Jahren nicht.

Dieses Diorama stellt eine bemerkenswerte Reise dar. Häuptling Ostenaco sah in Charlestown ein Porträt König George III und sagte dazu: „Schon lange wünschte ich, den König zu sehen …“. Kurze Zeit später reiste er mit Stalking Turkey (Cunne Shote) und The Pigeon (Woyi) tatsächlich nach England.

Vor dem Museum erinnert eine Statue an Sequoyah, der den Cherokee eine Schriftsprache gab. Fasziniert davon, dass die Weißen sich schriftlich austauschen konnten, verbrachte er zwölf Jahre damit, eine Sprache zu entwickeln, die auf Silben basiert.

Das sogenannte Syllabary besteht aus 87 Symbolen bzw. Zeichen und wurde 1821 von der Cherokee Nation als das offizielle Schreibsystem anerkannt. Heute werden Unterrichtsmaterialien, offizielle Texte, Straßenschilder usw. auch in Cherokee herausgegeben.

Gut, dass wir ins Museum hineingegangen sind, es hat sich sehr gelohnt.

Auf zum Blue Ridge Parkway, NC, day 47 (USA 2022)

Wir durchfahren den letzten Zipfel von Georgia‘s Nordosten, bevor es nach North Carolina geht. Es bleibt bezaubernd hier.

Wir fahren nach North Carolina hinein, es bleibt bergig. An einer Stelle keucht das Wohnmobil auf 960 Meter Höhe hinauf, um dann mit dem Fuß auf der Bremse auf der anderen Seite wieder hinabzusausen. Wir befinden uns in den Southern Appalachian Mountains.

Wir halten auf die Great Smoky Mountains zu, biegen aber vorher ab. Wir wollen zum südlichen Ende des Blue Ridge Parkways, Milepost 469 bei Cherokee. In den nächsten Tagen fahren wir die 469 Meilen nach Norden, immer hoch oben auf dem Bergrücken entlang.

Wir machen eine längere Pause in Cherokee (dazu im morgigen Beitrag mehr), bevor es zur Parkway-Auffahrt geht. Und dann, bäm! Die Zufahrt ist gesperrt. Wir sind etwas verzweifelt, müssen aber umdrehen.

Wir fahren am Soco Creek entlang und versuchen es an der nächsten Zufahrt, am Soco Gap. Aber nichts da, aufgrund der „Unbilden des Wetters“ ist auch die nächste Etappe gesperrt. Wir vermuten eine Menge umgestürzter Bäume auf der Straße durch die heftigen Stürme in den letzten Wochen.

Das Mobiltelefon hat hier keinen Empfang, so planen wir den Umweg ganz old school per Straßenkarte. Wir fahren durch Maggie Valley, gut zum Skifahren im Winter und Wandern im Sommer, bis wir nach Waynesville kommen.

Weitere sieben Meilen später biegen wir auf die Country Road 215 und erhalten einen Vorgeschmack auf die Serpentinen, die uns wahrscheinlich noch erwarten werden. Wir fahren 18 Meilen auf diesem scenic byway, und es lohnt sich.

Bei ungefähr milepost 423 biegen wir endlich in den Parkway ein. Die nächsten vierzig Meilen schlängeln wir uns auf dem Rücken des Mount Pisgah entlang.

Ab und zu geht es auch durch niedrige Tunnel, bei denen wir uns sicherheitshalber mehr in der Mitte der Fahrbahn halten. So viel Verkehr ist hier oben noch nicht unterwegs.

Bei Asheville (milepost 382) fahren wir für heute vom Parkway hinunter und übernachten auf einem Campingplatz direkt am Swannanoa River.

Georgia on our mind, Etappe 3: Tugaloo State Park, GA, day 46 (USA 2022)

Wir sind direkt aus den hochsommerliche Temperaturen Floridas hineinkatapultiert worden in den Frühling, inklusive sehr kalter Nächte mit Frostwarnung für die Wasserleitung. Letzteres entpuppt sich wieder als übertrieben, 4 Grad Celsius sind noch kein Frost. Wir holen unsere extra Decken wieder aus dem Schrank und freuen uns, dass die Heizung so gut funktioniert.

Im Tugaloo State Park bleiben wir zwei Nächte (weniger kann man nicht buchen), es lohnt sich. Der Park nimmt eine der vielen Halbinseln im Lake Hartwell ein, ist überwiegend bewaldet und bietet außer dem Campingplatz auch noch etliche Bootsanlegestellen.

Es ist sonnig, Temperaturen wie bei uns an einem schönen Himmelfahrtstag, wie geschaffen für eine kleine Hiking-Tour. Ein Einstieg in den Sassafras Circle Trail befindet sich fast direkt an unserem Campingplatz. Der Weg mäandert über die gesamte Halbinsel, knapp sechs Kilometer lang, sehr gut ausgeschildert. Meistens ist der See irgendwo zu sehen.

An einer der Bootsrampen können wir beobachten, wie die Boote hier zu Wasser gelassen werden. Der Anhänger wird ins Wasser gefahren, einer klettert ins Boot, löst die Verankerung und schwups, das Boot gleitet ins Wasser. Die andere fährt den Truck samt Anhänger auf den Parkplatz, kommt zurück und steigt am Steg zu.

Wie kommt das Boot nach dem Ausflug wohl wieder auf den Anhänger?Und wie macht man das, wenn man allein unterwegs ist? Netterweise können wir die Antworten beobachten. Das Boot, diesmal ein flaches Speedboat, liegt vertäut am Steg. Der Eigner kommt mit Truck und Anhänger, fährt beides flott ans bzw. ins Wasser und geht dann zum Steg. Er fährt das Boot zu dem im Wasser stehenden Anhänger und fährt mit sehr viel Motorleistung tatsächlich einfach hinauf. Easy!! Boot sichern und abfahren, das geht schneller als wir Fotos machen können.

Im Süden der Halbinsel verläuft unser Trail zum Teil parallel zum Muscadine Trail, der Informationen über Flora und Fauna des Waldes vorhält, ähnlich wie ein Waldlehrpfad bei uns. Bären gibt es hier nicht, nur die üblichen Eichhörnchen und Füchse, dazu Opossums, Schildkröten und Kornnattern. Aber nichts davon will auf ein Foto. Die Pflanzen jedoch können nicht weglaufen.

Christmas Fern (Dolchfarn), ein immergrüner Farm, der für Blumengestecke und Weihnachtsdekoration genutzt wird.

Sweetgum (Storaxbaum, Seesternbaum), der Saft wurde von den Indianern und ersten Siedlern als Kaugummi benutzt.

Georgia on our mind, Etappe 2: eine kleine Landpartie, GA, day 45 (USA 2022)

Um auch weiterhin fern von Atlanta zu bleiben, geht es am heutigen Tag quer durch das Land in den Nordosten, kurz vor die Grenze zu South Carolina, und das überwiegend auf kleinen country roads, berghoch und wieder hinunter, entlang des Georgia Scenic Bypass. Wir fahren durch den Oconee National Forest und das überaus bezaubernde Städtchen Madison, überqueren den Apalachee River und umrunden Athens, bevor wir für das letzte Stückchen doch wieder eine Interstate nehmen. Es ist eine sehr farbenfrohe Tour trotz der dicken Wolken, aus denen ab und zu auch genügend Tropfen fallen, um den Scheibenwischer kurz zu betätigen. Die Wälder bestehen hier überwiegend aus Laubbäumen, die in allen Varianten der hellgrünen Farbpalette schimmernden. In den Gärten blühen die Azaleen in Schattierungen von hellrosa bis dunkelrot. Auf den Weiden stehen Milchkühe oder Pferde. Zwischendurch ist die dunkelrote Erde Georgias zu sehen und scharlachrote Kardinalvögel kreuzen unseren Weg. Einige der vielen Kirchen hier sind mit violetten Bannern oder Schleifen geschmückt, Ostern nähert sich. Insgesamt erinnert uns die Aufteilung der Landschaft an Europa, kleine Felder, umsäumt von Knicks, kleine Orte mit richtigem Stadtzentrum.

Da wir die nächsten zwei Nächte auf einer Halbinsel in einem riesigen See sein werden, wollen wir vorher noch unsere Lebensmittelvorräte aufstocken. Da wir unbedingt zu Aldi wollen, müssen wir mal eben nach South Carolina fahren. Unser dämliches Androidtelefon besitzt inzwischen eindeutig ein Eigenleben. Das Navi führt uns die kleinstmöglichen Straßen Richtung Aldi, entscheidet sich zwischendurch selbstständig, die weiter entfernte Filiale anzusteuern.

So überqueren wir den Lake Hartwell mit seinen Seitenarmen und Zuflüssen so oft, dass wir das Gefühl haben, immer im Kreis zu fahren. Am Ende geht es mit 15 Meilen pro Stunde durch eine Anwohnerstraße, bevor wir seitlich auf dem Parkplatz der Mall ankommen.

Das Gute daran ist, nebenan finden wir unseren neuen Koffer und eine günstige Tankstelle. Eine Dreiviertelstunde später steht das Wohnmobil auf dem Campingplatz mit Blick auf den See.

Georgia on our mind, Etappe 1: Cracker Barrel und KOA, GA, day 44 (USA 2022)

Wir wollen in den Nordwesten von North Carolina. Dafür muss man durch Georgia hindurch. Und alle, wirklich alle Interstates führen durch Atlanta. Da wollen wir auf keinen Fall noch einmal hin (s. Beitrag vom 05.01.2016). Für unsere erste Etappe nehmen wir zuerst noch die Interstate 75 und übernachten auf dem KOA-Campingplatz in Forsyth, etwas nördlich von Macon.

Auf der Hälfte des Weges legen wir eine Pause in einer Cracker Barrel – Filiale ein. Die Kette wurde uns von etlichen RVern empfohlen, da sie hinter dem Gebäude große Parkplätze für die Gespanne vorhalten, auf denen man auch umsonst übernachten kann. Bevor wir das irgendwann einmal machen, wollen wir zunächst die location selbst erkunden.

Die eine Hälfte des Gebäudes enthält den Old Country Store, der hübsche Dekosachen, Kleidung und Spielsachen verkauft. Nichts, was man unbedingt braucht, aber vieles, was eigentlich ganz niedlich ist, z.B. Salz- und Pfefferstreuer in der Form kleiner Gartenzwerge. Auch die Schaukelstühle auf der Veranda kann man kaufen.

Die andere Hälfte besteht aus dem Restaurant, eingerichtet wie zu den „guten alten Zeiten“ auf dem Lande, als das Leben noch nicht so hektisch war. Man kann den ganzen Tag über Frühstücksgerichte bekommen. Aber das hatten wir ja schon zweimal.

Ich entscheide mich für das lunch special, Chicken ´nˋ Dumpling mit Hashbrown Casserole. Kay wählt aus der Dinner-Sektion Southern Fried Chicken mit Steak Fries und ebenfalls Hashbrown Casserole. Letztere schmeckt uns beiden sehr gut, Kays Essen mundet ihm, ich werde im weiteren Leben auf amerikanische Dumplings verzichten. Aber der Kaffee hier ist sehr gut!

Nachdem wir uns auf dem Bypass von Macon vorbeigestaut bzw. vorbeigeschlichen haben, werden wir in Forsyth auf dem KOA-Campground sehr freundlich empfangen. Gut, dass wir schon vor einer Woche reserviert haben, alles ist ausgebucht. An der Rezeption bekommen wir einen Müllbeutel ausgehändigt mit der Aufforderung, ihn am nächsten Morgen gefüllt einfach auf dem Platz liegen zu lassen. Der wird dann abgeholt, ein netter Service.

Etwas später klopft es an der Tür. Wir bekommen zwei große, wirklich sehr große Chocolate Chip Cookies, noch warm, zur Begrüßung. Sie sind sehr, sehr lecker. Wie in Point South gibt es hier auch einen Pizza-Lieferdienst. Aber nach dem kalorienhaltigen Mittagessen wollen wir nicht noch mehr fast food essen. Wir essen zum Abendbrot Vollkornbrot von Aldi, aus Deutschland importiert, zwischendurch eine nette Abwechslung. Morgen folgt die nächste Etappe.

Stephen Foster State Park zum dritten, White Springs, FL, day 43 (USA 2022)

Wir fahren ab jetzt so ganz langsam nach Norden zurück. Wir planen diesmal kürzere Fahrtetappen, damit wir nicht nur zum Übernachten auf den Campingplätzen sind, sondern auch noch etwas erleben können. Der erste Tag fängt schon gut an.

Kurz vor dem Tagesziel fahren wir von der Interstate 75 ab und besuchen das Boot Factory Outlet. Bereits auf der Hinfahrt nach Ocala sahen wir die großen Billboards mit dem Werbespruch „Buy one, get two pair free“ (Man zahlt bei drei Paar Stiefeln nur den Preis des teuersten Paars.).

Das wollen wir uns angucken, und vielleicht, ganz vielleicht auch Cowboystiefel kaufen. Allerdings müssten wir dann auch noch einen zusätzlichen Koffer kaufen, da wir ja dann mit drei Paar Stiefeln herauskommen würden.

Das Outlet ist recht klein, dafür gibt es Stiefel in allen Schuhgrößen und auch für Kinder. Viele Stiefel haben ein sehr amerikanisches Design, sehr ganz witzig aus, sind aber wenig tragbar für zuhause, finden wir.

Aber nach einer Weile finden sich doch drei Paare, die mit uns nach Deutschland wollen. Für 288 Dollar haben wir nun dreimal feine Lederstiefel. Nun fehlt uns nur noch der extra Koffer.

In White Springs machen wir einen Spaziergang, diesmal auf der anderen Seite der Hauptstraße. Dort stehen die schöneren historischen Häuser.

Im Beitrag vom 24.03.2022 (Ein Spaziergang durch historic White Springs) hatte ich ja schon über den deutlich zu sehenden Niedergang dieser ehemals prosperierenden Gegend geschrieben. Es ist wirklich alles geschlossen:

Auf einer Infotafel findet sich eine Beschreibung des Zustands: „Heute bietet White Springs ein Fenster in vergangene und zukünftige touristische Ziele in Florida.“ Mit der Zukunft sind Outdoor-Aktivitäten wie Wandern, Fahrrad- und Kayak-/ Kanufahren gemeint. Der Bau der Interstate trug stark zum Rückgang der Stadt bei. Davor führte die meist frequentierte Nord-Südverbindung Floridas mitten durch den Ort.

Auf dem Campingplatz treffen sich an diesem Wochenende etliche (Hobby-) Musikerinnen und Musiker. Sie spielen sich schon warm, als wir von unserem Spaziergang zurückkehren. Gleich darauf ist Kay für die nächsten Stunden verschwunden, endlich mal wieder mit anderen zusammen musizieren, Old Time Mountain Music, kann er einfach so mithalten, ist halt ein Profi!

Warmspielen für die diesjährige Florida State Fiddlers‘ Association Spring Jamboree

Tiki Hut Barbecue, FL, day 42 (USA 2022)

Am letzten Tag unseres Aufenthaltes im RV-Resort gibt es noch einmal alles, was den Aufenthalt hier für die Bewohner angenehm sein lässt.

Es beginnt zur Mittagszeit mit einem Tiki Hut Barbecue, Burger und Hot Dogs aus der Hütte am Pool.

Dan, der Grillmeister, beginnt schon am Vormittag mit den Vorbereitungen.

Für 6 Dollar gibt es einen Burger mit Belegen nach Wahl zum selbst zusammen stellen plus eine Tüte Chips und ein kaltes Getränk.

Sehr, sehr lecker!

Bevor es später am Nachmittag bei 30 Grad in den Pool geht, genießen wir das gekühlte Clubhaus. Kay jamt mit Kanadiern, Martina puzzelt mit den Freunden an einer Ansicht von Toronto, auch Kanada.

Abends machen wir eine letzte Spazierrunde, und alle versammeln sich zu einem letzten Abschiedsfoto.

Living in a park model, FL, day 41 (USA 2022)

Viele unserer neuen Bekannten aus dem RV-Resort wohnen in sogenannten park models. Das sind etwas groß geratene tiny houses und bestehen aus einem kombinierten Wohn-Küchen-Bereich, Schlafzimmer und Bad; ganz wichtig auch die front porch und ein shed, ein kleiner Schuppen, im Hintergrund. Alle sind in Rente, ehemalige RVer und haben beschlossen, den überwiegenden Teil des Jahres in Florida zu bleiben. RVs sind nicht wirklich zum dauerhaften Wohnen gemacht. Häuser in einer sicheren und respektablen Umgebung in Florida sind sehr, sehr teuer. Da ist ein park model in einem guten RV-Resort eine Alternative: genauso viel Platz wie in einem großen RV, aber keine Unterhaltungsprobleme mehr; eine gute Infrastruktur und, fast noch am wichtigsten, eine gute Adresse! Man kauft das park model und mietet das Grundstück, auf dem es steht, immer für ein Jahr. Bei ungefähr 85.000 Dollar Kosten für den Erwerb des Häuschens bleibt noch genügend Geld, um für ein paar Monate im Sommer in die alte Heimat zu fahren.

Während unserer Aufenthalte hier wurden mehrere Häuser angeliefert und befinden sich jetzt in den verschiedenen Stufen der Fertigstellung. Allerdings sehen wir eigentlich nie wirklich jemanden, der daran weiterbaut. Wer weiß, wann die jemals fertiggestellt sind.

Das Haus wird fertig gebaut und ausgestattet auf einem Aufleger liegend angeliefert.

Wenn der Boden vorbereitet ist (flach ausgekoffert und eine Kiesschicht eingefüllt), wird das Haus in die exakte Position rangiert.

Dann werden Stützen aus Betonsteinen aufgeschichtet und der Aufleger entfernt.

Das Haus wird an allen Seiten mit Metallbändern in der Erde verankert, damit es nicht von einem Hurrikan hochgehoben werden kann.

Mit den roten Betonsteinen wird später eine Auffahrt gepflastert, damit Truck und Golf Cart auch ordentlich stehen können.

Von innen sind alle park models ähnlich angelegt. Wenn ein Essplatz, wie im Beispielhaus vorhanden ist, verringert sich die Wohnzimmerfläche etwas.