Auf See, cruise day 5 (Jewel of the Seas, 2022)

Wir segeln von Yucatan an Miami vorbei Richtung Bahamas und verbringen diesen Tag auf See. Es ist heiß, die Pools und Liegen dort sind reichlich gefüllt. Wir suchen uns drinnen Unterhaltung. An cruising days gibt es immer jede Menge vergünstigte Angebote in den Shops. Ich werde angelockt mit einem silbernen Armband (eher versilbert) für umsonst. Und dann kann man dazu natürlich passende Charms für 10 Dollar kaufen. Die Schlangen sind sehr lang, und es kommt zu interessanten Diskussionen. Einige möchten nur das Armband haben. Dann müsste man aber einen US-Cent zahlen, denn die Ware muss ja verbucht werden. Das Computersystem kennt kein Gratis, die Reederei natürlich auch nicht. So kaufen viele die Charms dazu, nur sehr wenige lassen das Armband liegen. Auf dem Kassenbon steht dann 0,01 Dollars für das Armband und 9,99 für die Charms.

Es gibt auch zwei T-Shirts für zusammen 25 Dollar im Angebot. Sie sehen ganz gut aus, es sind aber nur noch sehr ausgewählte Größen auf dem Kleiderständer vorhanden. Kay findet trotzdem zwei passable, die nicht pink oder türkis sind. Unsere Ausgaben werden mit unserem Guthaben verrechnet. Das haben wir, da unser Landausflug in Nassau wegen mangelnder Beteiligung gecancelt worden. Wir hatten eine walking tour gebucht und bereits bezahlt. Aber wahrscheinlich ist zu Fuß gehen für die vielen Amerikaner an Bord einfach nicht vorstellbar. Die Boots- und Bustouren am nächsten Tag sind ausgebucht.

Den Tag auf See nutzen wir auch, alle Mahlzeiten im Restaurant einzunehmen. Es ist nicht voll dort, sehr angenehm. Drei Gänge, wenn auch kleine Portionen als am Abend, fordern ihren Tribut in Form einer Mittagsstunde. Vom Tribut in Form von zusätzlichen Kalorien sprechen wir an dieser Stelle gar nicht erst.

Am Nachmittag findet an Seetagen immer ein Bingo-Spiel statt, da gehe ich einmal hin. Ich kaufe ein beginner set (drei Spiele für 32 Dollar), damit bin ich ziemlich allein. Alle anderen investieren eher 42, 52 oder gleich 72 Dollar. Dafür bekommt man ein Tablett geliehen, auf dem das Spiel automatisch läuft. Wie langweilig, man möchte doch das Papier mit dem dauber bepunkten.

Die Amerikaner gehen bei den lustigen Animationen ordentlich mit, die Stimmung ist gut. Keiner der drei Geldpreise geht an mich, man kann nicht jedes Mal gewinnen. Alle Spielshows, Ratespiele und sonstigen Bespaßungen mit Publikumsbeteiligung laufen hier auf dem Schiff sehr gut. Für uns ist das meiste nichts, wir genießen lieber die Ruhe auf ausgewählten Decks. Das Kinoprogramm, ob im kleinen Kino oder draußen am Pool, ist abwechslungsreich, genauso wie das abendliche Showprogramm im Theater. Tage auf dem Wasser sind toll, wir freuen uns schon auf die vielen Tage auf dem Atlantik.

Costa Maya, Mexico, cruise day 4 (Jewel of the Seas, 2022)

In der Nacht setzt das Schiff über an die Festlandsseite. Wir haben einen Ausflug gebucht, um Mayaruinen anzusehen. Costa Maya ist kein wirklicher Ort; hier siedeln Menschen erst, seitdem eine Pier ins Meer gebaut wurde, damit Kreuzfahrtschiffe anlegen können. Und das ist erst zwanzig Jahre her.

Seitdem bringen die Schiffe während der Saison nicht nur jeden Tag tausende von Besuchern auf diesen Teil der Yucatan-Halbinsel, sondern auch tausende von Dollars und damit ein gutes Einkommen für viele Menschen. Es sei denn, ein Hurrikan zerstört die Pier oder eine Pandemie lässt alles ausfallen. All diese Informationen erhalten wir von unserem Guide Luis, der uns auf unserer Fahrt zu den Chacchoben Maya-Ruinen begleitet. Wir fahren im klimatisierten Bus eine knappe Stunde in den Dschungel kurz vor der Grenze zu Belize.

Das Areal von Chacchoben, auf deutsch „Der Platz des roten Mais“, ist heute die Touristenattraktion, die am zweitmeisten Geld für den mexikanischen Staat einbringt. Von dem vielen Geld fließt aber wenig zurück. So sind seit dem 1990ern nur einige Tempel freigelegt worden. Das, was wir auf unserer Tour als grüne Hügel erkennen, sind immer noch überwucherte Tempelruinen, die wahrscheinlich nie restauriert werden.

Luis führt uns zunächst zum Tempel 24. Das gesamte Land hier besteht aus Kalkstein, alle Tempel wurden nur mit manpower errichtet, es gab keine Lastentiere zum Schleppen der Steine. Auch der Zement zum Zusammenfügen wurde aus Kalkstein gebrannt. Der ursprüngliche Tempel wurde mehrmals überbaut und vergrößert, immer wenn ein neuer Herrscher kam oder ein Krieg gewonnen wurde. Die Treppenstufen außen und innen konnten von den Archäologen auf verschiedene Epochen datiert werden.

Die Tempel waren in großen Teilen mit Mörtel verkleidet, der rot bemalt wurde. Im Laufe der Jahrtausende, dieser Ort war bereits um 1.000 vor Christus besiedelt, wurden die aufgegebenen Orte sehr schnell vom Dschungel überwuchert. Luis zeigt uns auf einer Zeichnung, wie die Siedlung damals ausgesehen haben könnte.

Vor dem Tempel befand sich ein großer Platz, umgeben von weiteren Gebäuden (heute mit Bäumen bewachsene Hügel). In der Mitte, der Punkt wurde anhand der Tempelpositionen errechnet, wurde vor einigen Jahren ein neuer „Lebensbaum“ gepflanzt. Dieser war heilig für die Maya. Auf Englisch heißt er Silk Cotton Tree, ein passender Name. Die Früchte sehen aus wie große Baumwollbälle, sie fühlen sich aber weich wie Seide an.

Vom Dorf (Las Vasijas) nebenan ist nichts außer den Fundamenten erhalten. Die Häuser wurden wahrscheinlich aus Holz gebaut, mit einem Dach aus Palmwedeln. In Cozumel haben wir Dachdecker bei der Arbeit gesehen. Wenn es kein Baumaterial in erreichbarer Nähe mehr gab und der Ackerboden ausgelaugt war, wurden die Siedlungen verlassen und die Maya zogen weiter, um woanders erneut zu bauen. Das gesamte ehemalige Siedlungsgebiet der Maya, das sich über mehrere Staaten erstreckt, ist mit überwachsenen Kalksteinhügeln überzogen. Ansonsten ist das Land flach.

Wir gehen weiter und erklimmen Gran Basamento, 31 unebene Stufen hoch und auf der anderen Seite wieder herunter, für einige Mitreisende eine (zu große) Herausforderung.

Oben auf dem großen Fundament steht der Tempel 1, auf einer Linie ausgerichtet mit anderen Tempeln. Die Sonne steht jeweils im März und September genau zwischen den oberen Steinen. Ist sie links davon zu sehen, wird es wärmer; steht sie rechts, wird es kälter im Jahr.

Es ist ganz beeindruckend, die Überreste einer hoch entwickelten Kultur zu sehen, die schon sehr, sehr lange vor uns ein Zahlensystem entwickelte, das eine Null beinhaltet und in der Anlage war, etwas wie ein Buch zu haben, wo andere frühe Kulturen nur einzelne Blätter beschriftet haben. Die spanischen Eroberer verstanden die Errungenschaften nicht, sie waren auf das Gold, Silber und Kupfer der Maya aus. Es dauerte nicht lang, und sie hatten siebzig Prozent der Bevölkerung mit Waffen und Hunden getötet.

Angefüllt mit Informationen und erschöpft vom feucht-heißen Dschungelklima sind wir ganz froh, nach zwei Stunden wieder in den klimatisierten Reisebus steigen und in die Annehmlichkeiten des Schiffes zurückkehren zu dürfen.

Cozumel, Mexico, cruise day 3 (Jewel of the Seas, 2022)

Wir gehen in Mexiko an Land. Am Montag läuft unser Schiff früh in Cozumel ein, bzw. legt dort an, denn Cozumel ist eine kleine Insel für der Halbinsel von Yucatan. Wir haben keinen Ausflug gebucht (fast alle Ausflüge haben mit Tauchen und Schnorcheln zu tun), sondern wollen auf eigene Faust los und im Meer baden gehen. Wir holen uns noch Badetücher, cremen uns gut ein (es sind 30 Grad) und laufen los.

Zuerst muss man natürlich durch die Shopping Zone, auch die Einheimischen wollen schließlich Geld mit uns verdienen. Ich brauche dringend einen Sonnenschutz für meinen Kopf. Bei unserem Koffer-Marsch in Miami habe ich einen Sonnenbrand auf dem Scheitel bekommen. Im Hutgeschäft bekomme ich schöne Damenhüte angeboten, leider alle zu klein für meinen Dickkopf. Ein Panamahut für den Herrn soll es dann werden. Der Verkäufer muss hinten im Lager lange nach einem passenden Exemplar suchen, wird aber fündig. Bargeld wechselt den Besitzer, Steuern und Gebühren werden gespart.

Dann geht es gut geschützt auf Strandsuche, immer an der Straße entlang. Wir haben zwar eine Art Karte dabei, aber die ist nicht wirklich genau genug. Wir gehen immer am Wasser entlang, aber der „Strand“ besteht nur aus Steinen. Irgendwann erreichen wir Downtown, und die weitere Beschilderung lässt vermuten, dass der ersehnte Sandstrand noch einige Meilen entfernt ist.

Wir drehen um und gehen zurück zu einem winzigen sandigen Meerzugang, an dem auch Einheimische kurz die Abkühlung genießen. Wir sind durchgeschwitzt und fußlahm, das warme Wasser ist wunderbar! Wir schwimmen beide abwechselnd ein bisschen herum und lassen uns dann von der noch wärmeren Luft trocknen, bevor wir wieder zum Schiff zurückkehren.

Wir sind insgesamt sieben Meilen gelaufen, allerdings ohne die passenden Stiefel dazu, sondern in Sandalen bzw. Flipflops. Unsere Füße freuen sich, dass sie den weiteren Nachmittag im Schatten am Pool verbringen dürfen.

Auf See, cruise day 1-2 (Jewel of the Seas, 2022)

Und dann sind wir endlich auf dem Schiff! Darauf haben wir lange gewartet. Wir lassen dieses herausfordernde und anstrengende Land hinter uns und können relaxen. Unsere Kabine ist schön groß, die Koffer kommen im Laufe der Zeit hoch. Die Sicherheitseinweisungen sind schnell erledigt, nachdem wir unsere musterstation gefunden haben. Wir essen erst einmal Lunch und ruhen uns aus, bevor wir das Schiff erkunden.

Während des Auslaufens kommen wir an Miami Beach vorbei. Aus der Ferne sieht alles wirklich sehr schön und „glitzy“ aus, mit a lot of fun. Aber eben immer nur für die, die über genügend Geld verfügen. Wir haben auch die anderen Bereiche gesehen, in die Touristen nicht unbedingt kommen. In den Trolleybussen waren wir immer die einzigen Fremden. Für uns ist Miami eine Urlaubsdestination, die wir nicht noch einmal wählen würden.

Aber nun sind wir ja in unserem bekannten Mikrokosmos (Es ist bereits unsere vierte Kreuzfahrt mit Royal Carribbean.), wir können uns jetzt entspannen. Es ist Zeit, sich zum Abendessen umzuziehen. Im Restaurant ist die Menüauswahl gut, wir essen zum Abschied noch einmal US-amerikanische Spezialitäten: Maryland Crab Cake, Southern Fried Chicken und Key Lime Cheesecake. Das Personal ist sehr zugewandt und aufmerksam. Im kleinen Kino wird Ghostbusters Afterlife gezeigt, ein lustiger Abschluss des anstrengenden Tages.

Den nächsten Tag verbringen wir auf See. Das Schiff fährt so ruhig im Golf von Mexiko, dass wir gut und lange schlafen. Wir verbringen den Tag mit lesen, essen und gucken. Das Schiff ist nicht wirklich voll. Wir finden immer freie Plätze, sei es in den Restaurants oder auf den Liegen an Deck. Den Poolbereich vermeiden wir, dort ist es voll und laut. Die Lufttemperatur beträgt 27 Grad, da kann man es im Schatten gut aushalten. Das Meer ist intensiv blau und rauscht so schön laut, dass alle anderen Geräusche zuverlässig ausgeblendet werden. Nach dem Abendessen gehen wir wieder ins Kino, diesmal gucken wir Marry me. Anschließend holen wir uns noch einen Tee zum Abschluss. Es ist wenig los auf den Decks. Das Schiff rollt ein bisschen, vielleicht ist das ein zu ungewohntes Erlebnis für die meisten Passagiere. Wir lassen uns von den Wellen in den Schlaf schaukeln.

Downtown & Coral Gables, Miami, FL, day 57-58 (USA 2022)

Unser Hotel Eurostars Langford liegt in Downtown Miami, so mittendrin in der Business District Area. Früher war das Gebäude eine Bank, erbaut 1920 und so ein schönes Beispiel der Beaux-Arts-Architektur. Einiges aus der ehemaligen Inneneinrichtung ist beibehalten worden.

Zum Frühstücken gehen wir einfach die Straße ein Stückchen herunter. Dort finden sich jede Menge unterschiedlicher Frühstückslokale, die vormittags alle sehr gut besucht sind. Rund ein Viertel der BewohnerInnen hier sprechen kein oder nur gebrochenes Englisch. Da wir das nicht wussten, trifft uns das häufige „No hablo inglés!“ etwas unvorbereitet. Ein merkwürdiges Gefühl, sich plötzlich nicht mehr einfach verständigen zu können, aber glücklicherweise ist eigentlich alles hier zweisprachig beschriftet. Und sonst kann man ja auch noch mit dem Finger zeigen.

Das historische Downtown und das benachbarte Bicknell sind eine der Gegenden in den USA, die am schnellsten wachsen und sehr dicht besiedelt sind. Zwischen den renovierten Altbauten und glitzernden Neubauten finden sich überall homeless people, die in Zelten oder nur in Pappkartons am Straßenrand, unter den Überführungen oder in kleinen Nischen ihr Leben fristen. Sie betteln nicht und sprechen einen auch nicht an. Aber es bleibt sehr irritierend für uns, diese Gegensätze zwischen Arm und Reich an jeder Ecke so deutlich zu sehen.

Die Stadt ist nahverkehrstechnisch sehr gut für Fußgänger erschlossen, außer, man wartet an einer Fußgängerampel auf „grün“. Das dauert so lange, dass die meisten Menschen die Ampeln ignorieren und gehen, sobald kein Auto in unmittelbarer Nähe ist. Es gibt Trolleybusse, die umsonst zu benutzen sind. Auch eine Art Hochbahn, der Metromover, ist kostenlos.

Wir fahren mit dem Trolleybus nach Coral Gables, einer Stadt südlich von Downtown, die vor einhundert Jahren auf dem Reißbrett geplant wurde. Der „Erfinder“, George E. Merrick, wurde mit einer Statue vor dem Rathaus geehrt. Die Stadt ist im Mediterranean-Revival-Style erbaut worden, das Kernstück ist natürlich auch hier der Business District. Hier ist noch mehr Geld unterwegs, wir haben schon lange nicht eine so hohe Dichte an Ferraris, Porsches, BMWs und Audis gesehen wie hier. Die Geschäfte sind ebenfalls hochpreisig. Wir gucken uns alles an, trinken bei Starbucks einen normalpreisigen Kaffee und fahren nach einer Weile mit dem Trolleybus wieder zurück. Wir sind erschöpft von den starken Kontrasten, die wir in dieser Stadt erleben, aber auch vom ständigen Lärm um einen herum. Unser Hotelzimmer ist Bein angenehmer Rückzugsort.

Auf Wiedersehen USA, day 59, Miami, FL (USA 2022)

Nun sind zwei Monate roadtrip in den USA vorbei. Wir haben viel erlebt, darunter auch einiges, was wir lieber nicht erleben wollten. Nun beginnt sozusagen der Erholungsurlaub davon. Es geht zuerst in die Karibik, nach Mexiko und auf die Bahamas, und dann, quer über den Atlantik, zurück nach Europa. Wir besteigen heute die Jewel of the Seas im Hafen von Miami. Der Trolleybus wird uns dorthin bringen.

Bis mittags (Sonnabend) haben wir noch im Hotel (Internetzugang) auf das Testergebnis (Covid-19) gewartet, den wir am Donnerstag (!) gemacht haben. Es kam nichts (natürlich). Deshalb sind wir im Hafen als erstes zum Testzentrum gegangen (mit vier Koffern). Der Schnelltest war mit Hilfe des Personals (alles digital auf dem Mobiltelefon, aber nicht für europäische Staatsbürger angelegt) schnell gemacht und das Ergebnis schnell da. Sie haben noch nicht einmal unsere Ausweise kontrolliert, das wird ja auf dem Schiff erledigt.

Dann geht es in der Mittagshitze weiter Richtung Schiff. Die Rollen der Koffer sind gut, der Fußweg ohne größere Schlaglöcher. Nachdem wir am dritten Schiff vorbeigekommen sind, fragen wir lieber mal nach. Es liegen fünf Kreuzfahrtschiffe an der Mole. Und siehe da, unser Schiff liegt gar nicht am auf der Webseite angegebenen Pier, sondern am entgegengesetzten Ende. Wir sind die ganze Zeit in der falschen Richtung unterwegs! Also wieder zurück, es ist immer noch heiß, die Koffer wiegen immer noch 25 Kilogramm das Stück, mindestens. Aber es bleibt uns nichts anderes über, am Ende werden wir drei Kilometer Fußweg hinter uns und einen Sonnenbrand auf uns haben. Ich schreibe hier besser keine der Wörter auf, die ich auf dem Weg zum Schiff verwendet habe. Als wir am richtigen Schiff ankommen, werden uns die Koffer gleich abgenommen. Nun ist das Leben schon leichter!

Das Einchecken dauerte dann auch noch mal, aber im Gebäude ist es jedenfalls klimatisiert. Wir zeigen die Bordkarten (auf unserem Mobiltelefon), die Reisepässe, die Visa (in den alten Reisepässen), die Impfnachweise (zuerst den EU-Ausdruck, dann wollen sie noch die originalen Impfausweise sehen) und die negativen Testergebnisse (auf dem Androidtelefon) vor. Dann schieben wir unsere restlichen Dinge durch den Scanner (Taschenmesser ist im anderen Koffer) und können an Bord gehen.

PS: Die SMS mit dem Testergebnis vom Donnerstag kommt übrigens gegen halb fünf auf das Telefon , eine Stunde nach dem Ablegen des Schiffes.

Das Ende der Reise im Wohnmobil, PA – NY – FL, day 55-56 (USA 2022)

Wie gut, dass wir in Jonestown übernachtet haben. Die Mengen an Regen dort sind weiter nördlich als Schnee herunter gekommen. Zuerst sehen wir den Schnee nur oben auf den Berghängen und finden den Anblick ganz possierlich. Dann fahren wir in die Pocono Mountains hinein und landen im winterwonderland. Die interstate ist frei geräumt, aber überall stehen die Schneepflüge noch bereit.

Glücklicherweise ist der Schneefall nicht bis nach New York gekommen. Hier ist es nur eisig kalt. Wir schrauben uns noch einmal, sozusagen zum Abschied, die Serpentinenstraße zum Hudson River hinunter, um sie nach der Überquerung des Flusses zum Bear Mountain wieder hochzuschrauben. Kurz darauf sind wir in (mal wieder) in Peekskill angelangt.

Wir stellen das Motorhome auf den Hof und verbringen den restlichen Tag mit Kofferpacken. Wir hatten schon zu Beginn viel zu viele Dinge mit, nun kommen auch noch die Mitbringsel dazu! Allein die Wintersachen aus dem Februar füllen schon einen Koffer. Das geht nicht, wir brauchen den Platz. Also werden wir in den Wintersachen nach Florida in den Sommer fliegen. Der Papierkram am Ende des Mietverhältnisses benötigt auch seine Zeit, da das Büro nicht besetzt ist. Die Aushilfe findet zwar alles mögliche und irgendwann auch unsere Akte. Aber es dauert. Der Transfer zum Flughafen wird auch nicht wie geplant klappen, der Fahrer ist nicht verfügbar. Auch Uber fährt nicht von Peekskill aus zum Flughafen. Wir werden mit einem normalen Taxi fahren, kostet genauso viel.

Beim Packen finden wir unsere Ausweise nicht mehr, die Panik ist riesig! Sie finden sich hinter dem Klappsofa wieder. Dort sind sie wohl gelandet, als sich einmal die Oberschränke während der Fahrt geöffnet hatten. Die Schlaglöcher hier in den Straßen sind unbeschreiblich tief. Um den Schreck zu kompensieren, besuchen wir noch einmal den Diner und essen dort zu Abend.

Am nächsten Tag haben wir bald alles fertig gepackt, abgewaschen und den Rest sauber gemacht. Es ist sogar noch Zeit, etwas zu lesen (die Heizung im Wohnmobil funktioniert immer noch sehr gut, es ist sehr kalt draußen). Mario, unser Taxifahrer meldet sich zwischendurch, um die Abfahrtszeit zu bestätigen. Alles läuft gut, bis wir von den Wohnmobilvermietern die Waage ausleihen, um unsere Koffer zu wiegen. Zwei von dreien haben ein ordentliches Übergewicht, in den leichteren passt nichts mehr rein!

Ein kurzer online-Check ergibt, dass es viel teurer wäre, für das Übergewicht zu zahlen, als einen weiteren Koffer aufzugeben. Es ist noch eine Stunde bis zur Abfahrt des Taxis. Wir bekommen noch einmal das kleine Auto ausgeliehen und düsen zu Walmart. Natürlich stehen alle Ampeln auf rot, der Parkplatz ist voll, am gewünschten Koffer ist kein Preis, kein shop assistant zu sehen, noch 40 Minuten. Dann ist nur eine Kasse geöffnet, eine zweite macht auf, ist aber sehr langsam. Unser schnelles Tempo auf dem Weg hinaus wird gebremst von der security, die gern einen Blick in den Koffer werfen möchte, noch 30 Minuten. Zurück auf der Straße darf man nur rechts abbiegen, wir müssen aber nach links. Also ein Stückchen weiter, ein u-turn an der nächsten Ampel, so schnell es geht zurück, an den roten Ampeln mit quietschenden Reifen beschleunigt, noch 20 Minuten. Kofferschlösser wieder lösen, schwere Sachen raus und in den vierten Koffer, kurzer Check mit der Waage, alles in Ordnung, das Taxi ist da. Insgesamt sechs Gepäckstücke passen so gerade ins Auto, und nach einer guten Stunde steigen wir bei strahlendem Sonnenschein in unseren Winterklamotten (die passten nicht in die Koffer) in Newark am Flughafen aus.

Nach erfolgreicher Aufgabe der vier großen Koffer (kostet uns nicht nur Geld, sondern auch wieder ein paar Nerven), dem Passieren der Sicherheitskontrolle (stressig, laut und drängelig) und Kaffee holen bei Starbucks (so langsam arbeitende Menschen, dass unser Leben auf einmal rückwärts zu laufen scheint) warten wir statt zweieinhalb Stunden fast vier Stunden auf den Flieger (verspätet, sehr langsames boarding) und sind weitere dreieinhalb Stunden später zurück im Sommer, diesmal in Miami.

Es ist um halb elf Uhr abends immer noch sehr warm. Die vorgebuchte Taxifahrt klappte problemlos (10 Dollar extra auf die Hand, da wir doppelt so viele Koffer wie gebucht dabei haben). Die Zimmer im Hotel sind riesig groß, mit einem bequemen Bett, Parkettboden und Mamorbad, sehr luxuriös nach dem Wohnmobilaufenthalt.

Ostertage in Luray, VA, day 52-54 (USA 2022)

Wir sind auf einem Campingplatz, der uns schon vor sechs Jahren auf der Durchreise begeistert hat. Nun bleiben wir drei Nächte hier. Inzwischen hat der Platz sich einer anderen Kette angeschlossen und heißt Spacious Skies Shanandoah Valley, ist aber immer noch toll.

Am Ostersamstag werden wir von den Betreibern zu Ostersnacks im Pavillon eingeladen (ab 12 Uhr, solange der Vorrat reicht). Da die meisten Familien einen Ausflug machen (wir waschen etliche Maschinenladungen Wäsche), reicht der Vorrat wohl länger. Wir wählen nach Farben aus und müssen den Zucker-Overkill mit Tee verdünnen.

Am ersten Tag ist es noch über zwanzig Grad warm, doch dann kühlt es rapide ab und der Wind frischt auf. Willkommen im Norden! Wir wollen uns die Luray Caverns, Tropfsteinhöhlen, angucken. Da ist das Wetter egal.Das Wohnmobil wird reisefertig gemacht, wir fahren drei Meilen zu den Höhlen und bald darauf wieder zurück. Der Eintritt kostet 32 Dollar, pro Person! Das ist uns zu teuer, wir haben in Europa schon jede Menge spektakuläre Höhlen besucht.

Wir werden das Geld lieber am nächsten Tag in den Tank stecken. Stattdessen genießen wir die Ruhe auf dem Platz und lesen. Gegen die Kälte hilft unsere Heizung prima.

Am Ostermontag geht es weiter nach Norden, wir fahren immer auf der interstate, von Virginia bis nach Pennsylvania. Dabei führen 25 Meilen durch West Virginia und 12 Meilen durch Maryland. Noch in Virginia beginnt es zu schneien! Den ganzen Weg bis nach Jonestown in Pennsylvania, abwechselnd Schnee, Regen, Hagel oder eine Mischung aus allem.

Unser Stellplatz auf dem KOA-Campingplatz in Jonestown liegt direkt am Swatara Creek, mit einer kleinen Treppe hinunter. Man könnte Kayaks ausleihen oder direkt im Wasser schwimmen. Aber es regnet und regnet und regnet. Und es ist kalt. Und das wlan ist zu schwach, ebenso wie das Telefonsignal. Wir haben keine Lust mehr auf Camping!

Von der Plateau Region in die Ridge Region, Blue Ridge Parkway, VA, day 51 (USA 2022)

Morgens sehen wir das Schild an der Serpentinenstraße, das uns eindrücklich davor warnt, sie zu benutzen. RVs, Trucks mit Anhänger und LKW sollen sie nicht benutzen, da die Kurven zu eng und zu steil sind. Ich überlege nicht lange, wir sind da hinuntergefahren, dann werden wir auch wieder hinauffahren, wenn auch sehr langsam und nur in den ersten Gängen. Acht Zylinder und 5300 ccm Hubraum müssen doch zu etwas gut sein. Aber zum Fotografieren ist keine Gelegenheit. Dann beginnt die letzte Etappe des Blue Ridge Parkways, noch 91 Meilen nach Norden.

Doch wir halten quasi gleich wieder an, bei milepost 83 befinden sich die Fallingwater Cascades. Wir wandern zum Bach, überqueren ihn auf einer Brücke und folgen den Verlauf in die Schlucht hinunter. An den Resten einer Brücke geht es über Felsbrocken wieder auf die andere Seite und durch den Wald hoch. Insgesamt sind es nur gute zwei Kilometer, aber dafür mit einem anständigen Höhenunterschied.

Kurz bevor wir unser Auto wieder erreichen, treffen wir auf ein Ehepaar aus Alabama, die den Rundweg in der entgegengesetzten Richtung wandern. Wir halten noch einen kleinen Schnack, bevor wir die Autofahrt fortsetzen.

Wir passieren den höchsten Punkt des Weges in Virginia (1204 Meter, bestückt mit Antennen und einer Radarkuppel) und nur 21 Kilometer später den niedrigsten Punkt (198 Meter). Mathematisch begabte können ja mal das durchschnittliche Gefälle ausrechnen.

Auch auf den letzten fünfzig Meilen bleiben die Ausblicke spektakulär und abwechslungsreich:

Kurz vor dem Ziel bei Rockfish Gap (milepost 0) ist der Shanandoah River zu sehen. Wir fahren im Tal noch bis Luray, wo wir ein paar Tage auf dem Campingplatz bleiben werden.

In der Plateau Region, Blue Ridge Parkway, VA, day 50 (USA 2022)

Innerhalb weniger Minuten sind wir heute wieder auf dem Blue Ridge Parkway (milepost 200) und es geht weiter nach Norden. Als die Straße Mitte der 1930er geplant wurde, stießen die Planer noch auf etliche einsame, aber noch bewirtschaftete Gehöfte in den abgelegenen Höhen der Appalachen. Einige wurden als Beispiele für die Besiedelung erhalten.

Wir schauen uns Mabry Mill an, eine Wassermühle und Schmiede, die um 1910 von Ed und Lizzy Mabry errichtet und 26 Jahre betrieben wurde (milepost 176).

Im linken (vorne) Teil befand sich die Sägemühle, in der Ed Holz für seine Nachbarn sägte. Im hinteren Teil befand sich eine Holzwerkstatt für Wagenräder. In der Mitte wurde Mais (kein anderes Getreide) gemahlen. Kunden bezahlten entweder mit Geld oder mit einem Achtel ihres Mehles. Wenn in regnerischen Zeiten mehr Wasser zur Verfügung stand, wurde die Sägemühle betrieben.

Um an dieser Stelle auf 1000 Meter Höhe eine Wassermühle zu betreiben, stand eigentlich zu wenig Wasser zur Verfügung. Ed leitete das Wasser zweier kleiner Flüsse um. Dafür baute er ein ausgeklügeltes System aus Holz.

Solche kleinen Sägemühlen gab es überall in den Appalachen. Daher wurden auch die typischen Häuser aus Holz gebaut. Zu Beginn hatten sie immer nur einen Raum, oder, wie bei dem abgebildeten, noch einen weiteren im Obergeschoss. Wenn später etwas mehr Geld und Material zur Verfügung stand, entstanden Anbauten.

Überall in den Appalachen wurde auch Whiskey gebrannt, oft nachts, da es schon immer illegal war. So entstand der Begriff moonshine für das Getränk. Whiskey war einfacher als Mais zu lagern und zu transportieren und brachte zusätzliches Einkommen.

Maismehl wurde mit Malz, Zucker und Wasser gemischt und im Fass fermentiert, anschließend im Kupferkessel erhitzt. Das Destillat wurde abgefüllt oder für einen höheren Alkoholgehalt ein zweites Mal gebrannt.

Während der Saison, die irgendwann im Frühling startet (genaue Daten sind nicht zu erfahren, noch ist alles geschlossen), werden die alten Handwerkstechniken gezeigt und erklärt. Wir genießen stattdessen die Ruhe beim Rundgang.

Der heutige Abschnitt des Blue Ridge Parkways liegt im Schnitt 900 Meter hoch. Die Ausblicke sind ganz andere. Manchmal fahren wir direkt auf dem Berggrad entlang und können gleichzeitig links und rechts in die weiten Täler schauen. Bei Roanoke ist die Straße wieder für einige Meilen gesperrt. Wir staunen uns hinunter in die Stadt und durch den Stadtrand hindurch, bis wir wieder auf der Bergstraße sind. Bildergalerie

Der Blick am Great Valley Overlook (760 Meter Höhe) hinunter ins Tal ist grandios. Das „Große Tal“ erstreckt sich von New York bis hin nach Alabama, durch die Appalachen hindurch. Die Berge im Hintergrund sind die Alleghenies. Hier verlief der „Große Kriegspfad“ der Irokesen und der Cherokee. Der wurde von den schottisch-irischen und den deutschen Pionieren benutzt, als sie von Pennsylvania kommend in dieser Gegend siedelten (1730-50).

Nach weiteren zehn Meilen fahren wir bei milepost 91 ab. Der heutige Campingplatz liegt im Jefferson National Forest, direkt an einem Bach, dem Middle Creek. Wir fahren über Serpentinen hinunter ins Tal des James River, überqueren ihn bei Buchanan, um dann an einem anderen Flusslauf wieder in die Berge hineinzufahren.

Hier ist es noch viel ruhiger, nicht einmal die Eisenbahn, die nachts gern tutet, ist mehr zu hören. Das einzige, was murmelt, ist der Bachlauf. Auch das Telefon kann nicht klingeln, kein Empfang. Wir lesen und gehen früh zu Bett.