Eines der angekündigten Highlights in unserer Parkbroschüre lautet: „Visit the Spring House & take a historic walking tour of White Springs“. Das machen wir, hier im Park ist ja alles geschlossen. Der Ort erhielt seinen Namen von der hiesigen Schwefelquelle, deren Heilkraft schon die Ureinwohner nutzten.


Der Suwannee River war die Grenze der Siedlungsgebiete der Apalachee im Westen und der Timucuan im Osten. An der Heilquelle konnten sie sich auch während der Kriege erholen, ohne angegriffen zu werden.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Quelle und das Umland von geschäftstüchtigen weißen Männern erschlossen, die das Land „erwarben“. Man fragt sich, von wem genau. Nun sollte die Quelle alle möglichen Gebrechen wie Nervosität, Nierenleiden und Rheumatismus heilen. Der erste Tourismus setzte ein, wurde aber durch den Bürgerkrieg gestoppt. Auch im Civil War wurde das Gebiet nicht umkämpft und diente als Fluchtort für die Angehörigen der umkämpften Plantagen rundherum.

Ende des 19. Jahrhunderts setzte der zweite Gesundheitstourismus-Boom ein. Es stehen hier noch etliche Häuser, die vom Wohlstand der Gemeinde vor gut 100 Jahren zeugen.
Zu der Zeit prosperierte die Stadt, es gab viele Pensionen, Baumwolle wurde für den Weiterverkauf vorbereitet, aber auch vor Ort zu modischer Kleidung und Hüten verarbeitet und verkauft. Die Menschen spielten Rasentennis, liefen Schlittschuh (in Florida?) und gingen zu Tanzveranstaltungen.

Das ursprünglich hölzerne Spring House wurde durch eine Konstruktion aus Beton und Muschelkalk ersetzt, die verhindern sollte, dass Flusswasser das Quellwasser verunreinigt. Heute sieht es nicht mehr so spektakulär aus, wie noch vor gut 100 Jahren.

Innerhalb der Betonkonstruktion wurde ein vierstöckiges hölzernes Badehaus errichtet, komplett mit Umkleideräumen, ärztlichen Untersuchungs- und Behandlungsräumen, Verkaufsständen und einem Fahrstuhl.
Gut dreißig Jahre später verloren die Urlauber das Interesse an Badekuren, weitere fünfzig Jahre später begann die Schwefelquelle immer schwächer zu werden, bis sie 1990 schließlich ganz versiegte. Der weiße Mann in seiner Geldgier benötigte nur 150 Jahre, um das Quellwasser aufzubrauchen, das viele hundert Jahre für alle ausgereicht hatte. Dieser Zusammenhang wird natürlich nirgendwo auf sign posts oder im Internet thematisiert.

Im zweiten Weltkrieg wurde in White Springs ein Prisoner of War camp für Deutsche eingerichtet. Die Gefangenen arbeiteten in der Holzindustrie, die den Badetourismus abgelöst hatte. Das Auto stammt wohl noch aus der Zeit.

Einmal pro Woche marschierten sie zur Schwefelquelle, um zu baden und um danach zum Gottesdienst in der Methodist Church zu gehen. Etliche der Deutschen blieben nach ihrer Freilassung in der Gegend und heirateten ein.
Heute ist vom Wohlstand nicht mehr viel zu sehen. Die Wohnhäuser variieren von historic houses (s.o.) über modular homes (Fertighäuser) und verrammelten Bungalows hin zu Ruinen.



Auch geschäftlich ist nicht viel los. Das Motel ist geschlossen, etliche kleine Shops ebenfalls. Wir legen noch einen Stopp bei der Post ein, um Briefmarken zu kaufen. Trotzdem sind wir nach nur einer Stunde wieder zurück, obwohl wir zu Fuß unterwegs waren.
