
Wir fahren mal eben mit dem Wagen in die Werkstatt. Ein bisschen dumm ist nur, dass sie 880 Meilen (knappe 1500 km) entfernt ist und im kalten Norden liegt. Dafür verfügt sie über Mechaniker, die das Motorhome und dessen Elektrik kennen. Und vor allem gibt es dort ein Tauschfahrzeug, falls die Reparatur zu lange dauern würde.
Wir wollen allerdings so wenige von unseren Urlaubstagen wie möglich dafür verbrauchen. Der Plan ist folgender: wir fahren einen Tag früher von Tybee Island los, weil wir damit rechnen, dass der Verkehr am Sonntag in den zu durchquerenden Ballungsräumen geringer sein wird. Wir fahren durch, damit das Motorhome am Montag repariert bzw. getauscht wird. Und am selben Tag fahren wir wieder Richtung Süden, um drei Übernachtungen später in Florida zu sein.
Geplant und umgesetzt. Unsere letzte Übernachtung auf Tybee Island übernimmt unsere Platznachbarin, mit der wir uns ein bisschen angefreundet haben. Der folgenden Platz in Jacksonville, den wir für drei Tage reserviert hatten, wird storniert. Die anschließende Reservierung für den nächsten Platz halten wir. Wir haben jetzt vier Tage Zeit, um dann in der Nähe von Orlando anzukommen.

Sonntagmorgen um 8 Uhr starten wir, tanken voll und ab geht es über die Brücke von Georgia nach South Carolina, zuerst auf dem US Highway 17, dann immer die Interstate 95 Richtung Norden.

Ungefähr alle zweieinhalb Stunden wechseln wir uns beim Fahren ab, der Tank wird mehrmals am Tag aufgefüllt. Die Kreditkarte ächzt, sie wird bald nicht mehr vom Tankautomaten akzeptiert. Ich muss dann drinnen eine Tankmenge festlegen und den Beleg dafür unterschreiben.

Der Verkehr ist vormittags tatsächlich sehr gering. Uns fallen die Menschen auf den Autobahnbrücken auf. Sie winken, schwenken die Flagge der USA, große Fahnen von Trump, den sie für den wahren Präsidenten halten, und halten Banner in die Höhe. Eine kleine Google-Recherche ergibt, dass sie den People‘s Convoy von Truckern unterstützen, die sich seit Tagen unterwegs nach Washington D.C. sind, um gegen die Covid-19-Maßnahmen zu protestieren, welche aber in fast allen Staaten bereits zurückgenommen worden sind.

Die Republikaner unterstützen diese Aktion natürlich. Die Trucker wollen die Autobahnringe um Washington blockieren, um für ihre Freiheit einzutreten, die sie durch die Maßnahmen der Regierung massiv bedroht sehen. Geht’s noch? Aber erst einmal müssen sie ja dahin kommen. Am späten Nachmittag überholen uns einige Teilnehmer, noch sind wir in Virginia; North Carolina haben wir da schon hin uns gelassen.
Wir erreichen gegen 19 Uhr eine rest area südlich von Washington. Die elf Stunden Fahrt mit vielen gefüllten Brücken, drei Tankstopps (einem davon mit Tankwart, sehr angenehme Erfahrung) und einem BurgerKing-Aufenthalt zusammen mit jungen Paaren, die Waffe und Bowie-Messer am Gürtel tragen, sind dann doch stressig. Der Wochenend-Rückreiseverkehr Richtung Norden ist dicht. Wir trinken einen Tee und legen uns dann hin. Hier dürfen wir uns insgesamt acht Stunden ausruhen. Wir schlafen (mehr oder weniger) vier Stunden, essen dann noch etwas und machen uns um ein Uhr nachts wieder auf die Socken. Wir wollen keineswegs in einem eventuellen Stau, den die Trucker rund um Washington verursachen wollen, stecken bleiben.

Wir fahren ohne Probleme durch den Großraum Washington/ Baltimore/ Philadelphia und erreichen vor dem Einsetzen des morgendlichen Berufsverkehrs den Großraum Jersey/ New York City. Eigentlich wird unsere Fahrt nur durch die Mautstellen auf dem New Jersey Turnpike und dem Garden State Parkway und vom Tanken unterbrochen.
Die Benzinpreise sind in den letzten Tagen sprunghaft angestiegen (und steigen weiter, je weiter wir nach Norden kommen). Wir vertanken mehr als $400 auf dieser Fahrt, das Geld erhalten wir aber zurück (und auch das Geld für die Rückfahrt in den Süden).
Um acht Uhr morgens (24 Stunden nach dem Start) rollen wir in Peekskill auf den Hof, um 8:10 Uhr wird der Wagen in die Garage gefahren, um 8:15 Uhr gehen wir erst einmal frühstücken. Auf Empfehlung landen wir beim Burger Diner und essen ein üppiges Frühstück (alles auf dem Foto für eine Person) mit Kaffee ohne Ende, unsere erste Mahlzeit nach mehr als zwölf Stunden.


Zur Verdauung gehen wir noch ein bisschen spazieren. Es ist kühl hier, bestimmt 15 Grad kälter als auf Tybee Island gestern noch.

In der Werkstatt haben sie den kaputten Spannungsumwandler schon ausgetauscht. Glücklicherweise lag ein neuer und passender im Lager. Nun werden wir doch mit diesem Motorhome weiterfahren und brauchen keinen Ersatzwagen. Dabei hatten wir etliches schon in Tüten verpackt, damit das Umladen schneller vonstatten gehen würde.
Unsere Mängelliste, die wir vor knapp einer Woche empört gemailt hatten, wird so weit es geht abgearbeitet. Wir erhalten unsere Auslagen in bar auf die Hand und viereinhalb Stunden später (12:30 Uhr) rollen wir wieder vom Hof und starten erneut Richtung Süden. Die Interstate 95 wollen wir aber nicht ein drittes Mal befahren, das wird dann doch zu langweilig. Wir entscheiden uns für eine andere Strecke, dazu im nächsten Blogbeitrag mehr.