
Das Wohnmobil, ein Winnebago Chalet Baujahr 2009, das wir per Fotos für zwei Monate gemietet haben, entpuppt sich als reichlich abgewohnt und zerschlissen. So würde ein dreizehn Jahre altes Wohnmobil bei uns niemals aussehen und auf keinen Fall vermietbar sein. Nach dem ersten Schock sagen wir uns, egal, günstig, geräumig, viel Platz in den Schränken, robust, wie sich später auf den schlechten Straßen zeigen wird.
Wir bekommen vom Verleiher zunächst einen kleinen PKW, um einkaufen zu fahren, was wir äußerst nett finden. Denn die amerikanische Entfernungsangabe „es ist gleich um die Ecke“ entpuppt sich als Trip von 3-4 Meilen hin und wieder zurück (macht ca. 11 km, zu Fuß nicht zu machen). Beim Einkaufen der Lebensmittel wird uns wieder deutlich, wie viel Geld man ausgeben muss, um halbwegs gute Produkte zu bekommen. Wie gut, dass wir Kreditkarten haben, da sieht man die Menge Geld nicht so sehr wie bei Geldscheinen. Der Shop Rite, bei dem wir schon vor sechs Jahren unsere ersten Einkäufe getätigt haben, hat sein Angebot enorm ausgeweitet. Das freut uns.
Nun benötigen wir nur noch eine neue SIM-Karte. Das Datenvolumen unserer Mobiltelefone war schon nach wenigen Minuten Aufenthalt in New York aufgebraucht. Wir kommen bei AT&T vorbei und lassen in Kays Telefon eine Simkarte einsetzen mit unlimited data. Das geht alles nicht so schnell. So sind wir erst nach den Bürozeiten wieder am Wohnmobil. Die erste Nacht verbringen wir auf dem Hof der Verleihstation. Am nächsten Tag soll es nach der Einweisung und dem Papierkram zügig Richtung Süden gehen.
Daraus wird dann nichts. Am nächsten Morgen ist der Papierkram zwar schnell erledigt. Doch die Telefon-Internet-Situation läuft nicht wie gewünscht. Kays Telefon kann mit der SIM-Karte zwar telefonieren, aber keine mobilen Daten erhalten. Letztere sind extra unbegrenzt gebucht, da unbedingt notwendig. Das Telefon soll u.a. auch als Navigationsgerät dienen. Wir bekommen noch einmal das kleine Auto ausgeliehen, um wieder zu AT&T zu fahren.

Nach drei Stunden im Shop, Daniel an dieser Seite des Servicetelefons, Daryll an der anderen, mehrere Mobiltelefone in Arbeit, SIM-Karte in Kays, meins, das einer Angestellten gesteckt, musste am Ende festgestellt werden, dass die AT&T-Karte nicht mit unseren iPhones harmoniert. Und niemand weiß warum nicht. Wir müssen ein Android-Gerät für 105$ kaufen, damit die SIM-Karte laufen kann. So nervig! Als wir wieder zurück beim Verleiher sind, sagten sie uns, dass sie auf ihren iPhones nur Verizon-SIM-Karten haben. Diese Info hätten wir sehr gern schon einen Tag vorher gehabt!!

Nachdem auch die letzten Dinge erledigt sind, kommen wir erst gehen halb drei Uhr nachmittags los, fahren rechts des Hudson Rivers, der wirklich sehr breit ist, den Highway 9 hinunter und überqueren den Fluss bei Tarrytown. Dann geht es weiter auf der New-Jersey-Seite auf den Garden State Parkway hinunter. Inzwischen setzt der Feierabendverkehr ein, wir fahren langsam mit vielen anderen bis zur Interstate 95 south, dem New Jersey Turnpike.
Hier fahren jeden Tag sehr viele Menschen, die möglichst zügig von A nach B kommen wollen. Wahrscheinlich sind deshalb viele Strecken mautpflichtig. Ein teures Vergnügen, aber wir wollen möglichst zügig weiter südlich sein. Außer bei einer Mautstelle können wir überall sonst mit Bargeld bezahlen. Langsam an das Häuschen heranfahren, die Summe wird vor uns auf einem Display angezeigt und dann das Geld, es muss nicht die exakte Summe sein, dem freundlichen Menschen im Häuschen geben. Einmal werden wir gefilmt (langsam fahren, Scheibenwischer ausschalten), die Rechnung kommt per Mail und wir werden sie am Ende bei der Verleihstation bezahlen). Das letzte Mal müssen wir eine Karte ziehen, auf der eine Markierung eingeschnitten wurde. Die geben wir an der Ausfahrt von der Interstate ab und müssen für die dann gefahrene Strecke zahlen.

Wir übernachten in Clarksboro. Das liegt zwar südlich von Philadelphia, gehört aber noch zu New Jersey. Weniger als 200 Meilen südlich vom Ausgangspunkt, dafür mit mehreren Hundert Dollars weniger auf dem Konto, dafür mit etlichen Erfahrungen mehr übernachten wir die erste Nacht auf einem campground.