Nun sind wir also in dieser kleinen Handelsstadt gelandet, die an der Mündung des namensgebenden Flusses liegt. Was machen wir nun? Erst einmal gehen wir zur Strandpromenade, setzen uns ins erstbeste Café und lassen bei einem Espresso den Schock sacken. Der Name Ribeira Brava bedeutet ‚wilder Fluss‘. Er sieht überhaupt nicht so aus in seinem Betonbett, hat aber in der Vergangenheit so manches Haus in seinen Fluten mitgerissen, wenn es starke Regenfälle in den Bergen gibt.

Vor der Promenade liegt der typische schwarze Strand, vom Meer geschützt durch eine gewaltige Anlage von Wellenbrechern. Auf die kann man ja mal hinauf steigen. Gesagt, getan. Die Betonklötze sind viel, viel größer und steiler als gedacht, und wir sind ja keine jungen Hüpfer mehr. Die Betonklötze sollen ja auch das Meer abhalten. Der Blick von oben ist prima.

Zurück auf der Promenade finden wir die Touristinformation in einem alten Wachturm, den man auch besteigen kann. Der datiert noch aus der Zeit der Piratenüberfälle auf die Insel. Später diente er als Gefängnis. Doch die Zellen im Keller sind inzwischen zugeschüttet worden.

Ich erhalte jede Menge Informationsmaterial und die kompletten Busfahrpläne der Insel. Die nette Frau versucht noch, eine Busverbindung nach São Vicente zu finden, kann aber auch nur konstatieren, dass es nahezu unmöglich ist, den Ort an ein und demselben Tag mit dem Bus zu erreichen und auch wieder zu verlassen. Dann steigen wir über eine Wendeltreppe an der Felswand hoch zum farol. Die mit Kieseln gepflasterte Treppe führt bis zum Leuchtturm. Von dort hat man einen schönen Blick auf die Innenstadt.



Dann wandern wir entlang der neu angelegten Promenade (gut angelegtes EU-Geld) immer am Wasser entlang Richtung Westen bis zum nächsten kleinen Ort, Tabúa. An drei Stellen ist der Weg überdacht, damit man vor eventuellem Steinschlag geschützt ist.



Das Rathaus mit seinem auffälligen rosa Putz ist in einem ehemaligen Landhaus untergebracht, das von einem kleinen Park umgeben ist. Hier kann man sich gut ein Weilchen ausruhen und den Schatten unter den alten Gummibäumen genießen.


Die Kirche Igreja de São Bento gehört zu den ältesten Kirchen auf Madeira und zeugt mit ihrer Innenausstattung vom damaligen Reichtum der Stadt. Während der Mittagspause ist sie geschlossen, und die Pause dauert an, solange wir in der Stadt sind. So können wir sie nur von außen bewundern, mit ihrer Turmspitze aus blauen und weißen Kacheln, gekrönt von der symbolischen Darstellung einer Armillarsphäre, früher Weltmaschine genannt. Man findet die Armillarsphäre auch in der portugiesischen Flagge als Hinweis auf die Seefahrertradition.

Gegenüber der Kirche befindet sich ein Relief, das an ein örtliches Wunder erinnert. Als wieder einmal der Fluss über die Ufer zu treten drohte, trugen die Bewohner die Statue des heiligen Benedikt in einer Prozession zum Fluss und der Priester warf den Bischofsstab der Statue in die tosenden Fluten. Der Ort entging der Überschwemmung und der Stab wurde später 500 Meter entfernt auf dem Kirchplatz liegend gefunden. Dies konnte nur das Werk des Heiligen Benedikt gewesen sein. Jedes Jahr zu seinen Fest am 11. Juli legt die Prozession einen Stopp an der Stelle ein.

Auch das Volkskundliche Museum Madeiras, das sich in Ribeira Brava befindet, können wir nicht besuchen. Das hat geöffnet, aber es gilt die 2G+-Regel. Wir sind zwar geboostert, haben aber keinen aktuellen Testnachweis. Die Schlange vor den Test-Hütten an der Promenade ist lang und wird die ganze Zeit nicht kürzer. So muss auch das Museum unbesucht bleiben. Wir gehen zurück zur Promenade, essen ein Käsesandwich und gehen zurück zum Bus.

Auf der Rückfahrt erhalten wir schöne Ausblicke auf Câmara de Lobos, Funchal und Umgebung. Für die Nerven ist es manchmal allerdings beruhigender, auf die Felswand zu schauen und nicht bergab.