Es ist schon etwas besonders, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in Madeira unterwegs zu sein. Inzwischen können wir verstehen, dass man entweder ein Auto mietet, um irgendwo hinzukommen. Allerdings sind die Straßen meistens so eng und serpentinenmäßig, dass einem schon als Buspassagier schwindelig wird. Oder man bucht eine geführte Tour, um dort anzukommen, wo man ursprünglich hin möchte. Wir mögen aber gern mit dem ÖPNV fahren. Man sieht so ein bisschen mehr von Land und Leuten. Dann muss man auch ungeplante Veränderungen in Kauf nehmen.

Die erste Veränderung beginnt schon an der Bushaltestelle. Wir sind sehr rechtzeitig da (Empfehlung der Hotelrezeption). Ein bordeauxfarben gewandeter Angestellter der Busgesellschaft geht von Wartendem zu Wartender und verkauft Tickets wenn gewünscht. Für unsere Route hat er kein Ticket. Er spricht kein Englisch, wir kein Portugiesisch; trotzdem wird deutlich, dass der Bus, den wir wollen, nicht kommt und wir noch eine gute halbe Stunde länger warten müssen. Der Rest ist für uns nicht zu entschlüsseln.
Als der richtige Bus kommt, bespricht er unseren Zielwunsch mit dem Busfahrer, der uns dann auch das Ticket verkauft. Auch der Busfahrer kann kein Englisch, wir immer noch nicht genug Portugiesisch. Der Bus ist älter und hat auf der linken Seite Dreierbänke, auf der rechten Zweierplätze. Wir machen uns auf einer Dreierbank breit.

Wir fahren in die richtige Richtung, in Serpentinen immer eher bergauf, um die Hügel, Felsen und Schluchten herum und halten alle paar Meter an, um Menschen ein- oder aussteigen zu lassen. Manche der Haltestellen, Paragem, sind für uns nicht als solche zu erkennen. Die Schilder sind klein, oft verwittert und hängen nicht immer an Masten. Man muss die Hand ausstrecken, um dem Busfahrer zu signalisieren, dass man mitfahren möchte. Nach den Bananen wechselt die landwirtschaftliche Bebauung zu Wein. Hier an der Südküste gibt es die Hauptanbaugebiete für Bananen und Wein.

Wir sind ziemlich lang unterwegs und schaffen nur wenige Kilometer, wenn man in Luftlinien denkt. Auf dem nächsten Foto sieht man die neue Schnellstraße unten im Tal. Die nimmt man als Mietwagen mietender Tourist natürlich, um die in den Reiseführern beschriebenen Touren auch in der angegebenen Zeit zu schaffen. Dann wäre man in zwanzig Minuten da, es sind nur ca. 15 Kilometer.

Wir kommen dagegen nach gut einer Stunde Fahrt in Ribeira Brava an. Während der Busfahrt ist noch ein Schaffner in bordeauxfarbener Uniform dazugestiegen und hat unsere Tickets abgeknipst. Der kann wenige Worte auf Englisch. Als alle aus dem Bus gestiegen sind, erklärt er uns, dass der nächste Bus nach São Vicente in etwas mehr als drei Stunden abfahren würde, es aber an diesem Tag keine Möglichkeit für uns geben würde, von dort aus wieder zurück nach Câmara de Lobos oder Funchal zu kommen. Nach einer Weile haben wir es auch tatsächlich verstanden, dass wir hier in Ribeira Brava gestrandet sind. Na dann, dann machen wir doch das Beste daraus. Dazu mehr im nächsten Eintrag.
