Lokale Spezialitäten auf Madeira, Teil 2 (Madeira 22)

Wir haben natürlich nicht nur Fisch gegessen. Inzwischen haben wir uns auch an die lapas, die Schnecken, herangetraut. Gegrillt, mit Zitronensaft überträufelt schmecken sie wie Muscheln, sehr fest im Fleisch. Diese lapas kommen von der Nordküste Madeiras.

Fleischgerichte stehen auch auf der Speisekarte. Huhn möchten wir hier nicht gern essen. Die Einheimischen lieben es, da es günstig ist. Leider kommen alle Hühner zwar von der Insel, aber aus Massentierhaltung. Schweine- und Rindfleisch muss vom Festland, oder wie sie hier sagen, aus Portugal, importiert werden. Berühmt sind die Rindfleischstücke am Spieß (espetada), am besten auf einem vom Lorbeerbaum. Wirklich Baum; die Stöcke sind immer mindestens dick wie mein kleiner Finger, aber viel länger, bestimmt 30 cm.

Unser Hotel stellt aus einem Stück Rindfleisch auch den Churchill Burger her. Ich bin mir sicher, der alte Churchill hat nie in seinem Leben einen gegessen. Dieser hätte ihm gemundet, kein aus Hackfleisch geformter Patty, sondern ein feines, ca. 2 cm dickes Steak, auf den Punkt gegart. Köstlich!

Allerdings schmeckt das Fleisch vom portugiesischen schwarzen Schwein (porco preto) auch sehr lecker. Sie wachsen in der Gegend von Alentejo auf (da machen sie auch guten Wein) und ernähren sich von den Eicheln der dort wachsenden Korkeichen.

Die Menschen auf Madeira lieben Süßigkeiten, sehr gern auch mit Maracuja oder Ananas. Wir beginnen den Tag mit den köstlichen kleinen Pasteten oder bolo de mel und dem genauso köstlichen Kuchen vom Frühstücksbüffet. Nachmittags gibt es manchmal eine Leckerei aus der Bäckerei. Und als Nachtisch beim Abendessen steht gern mal der wunderbare Maracuja-Cheesecake vor uns.

Auf Madeira werden auch Weintrauben für Tischwein produziert, welcher durch die vulkanische Erde und die salzhaltige Luft ein ganz eigenes Aroma hat. Zudem werden die Trauben bis in Höhenlagen von 700 Metern angebaut. Zur besseren Unterscheidung vom Likörwein wird der Tischwein Wein von Madeira genannt. Die Trauben dafür, in der Mehrzahl weiße, sind erst seit den 1990ern auf der Insel heimisch.

Eine der Sorten ist die Arnsburger-Traube, eine Neuzüchtung aus Müller-Thurgau und Gutedel aus dem Rheingau, benannt nach dem Kloster Arnsburg in der Wetterau/ Hessen. Sie wird nur wenig angebaut, in Deutschland und Madeira, aber auch in Italien und in Neuseeland. Beide Weine von der Insel, die wir probiert haben, sind sehr lecker, wenn auch viel teurer als die vom portugiesischen Festland.

In Câmara de Lobos gibt es außerdem auch viele Kneipen und Bars, eigentlich immer mit einem Fernseher ausgestattet, auf dem immer ein Sportereignis übertragen wird. Außer sehr gutem Espresso, dem Bica, für kleines Geld wird mit Einbruch der Dunkelheit auch gern Alkohol getrunken. Zwei Mischgetränke sind hier am Ort erfunden worden, Poncha und Nikita.

Poncha wird nach unterschiedlichen Rezepten zubereitet. Immer enthalten sind Zuckerrohrrum, Zuckerrohrhonig und frischer Zitronensaft. Je nach Geschmack kommen dann verschiedene Säfte, beispielsweise Orange oder Maracuja dazu. In Calheta probierten wir die Variante der Zuckermühle. Die schmeckte uns so schlecht, dass wir uns bisher noch nicht wieder zu einem Versuch durchringen konnten.

Nikita entstand hier 1985, inspiriert von Südamerika in seinen Zutaten und von Elton Johns gleichnamigen Lied für seinen Namen. Auch dieses Getränk kann man in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen bestellen. Das Original besteht aus Ananaseis, Ananas, Ananassaft und hellem Bier (alternativ auch Weißwein). Es klingt sehr speziell, alle Reiseführer schreiben, es schmeckt gut. Und was soll man sagen, der Selbsttest kommt zu dem gleichen Ergebnis: sehr lecker!

Unser Fazit: auf Madeira schmeckt alles, und überall sehr gut, sowohl in den Kneipen und Snackbars als auch in den teureren Restaurants.

Curral das Freiras – Wanderung zum Gehege der Nonnen, Teil 2 (Madeira 22)

Rechts vom Hotel unterhalb des Eira do Serrado beginnt der Abstieg ins Tal. Das englische Ehepaar startet vor uns, wir überholen irgendwann, am Picknickplatz überholen sie, am Ende treffen wir uns an der Bushaltestelle wieder. Doch da sind wir jetzt noch nicht.

Wir kommen durch einen Kastanienwald, der jetzt natürlich nicht belaubt ist. Es handelt sich um Esskastanien, aus denen hier alles mögliche hergestellt wird, von Bonbons über Likör und Suppe zu allen Arten von Gebäck. Die Bäume wurden im 17. Jahrhundert neben anderen Obstsorten von den Nonnen angepflanzt, um etwas Einkommen zu generieren. Für den Zuckerrohr- und Bananenanbau war das Tal nie geeignet, da die Ernte nicht abtransportiert werden konnte.

Unser Wanderweg (wenn man genau hinsieht, kann man einige Abschnitte sehen) war bis 1959 der einzige Zugang zum Ort, genutzt von Fußgängern und Ochsenschlitten. Dann wurde die (jetzt alte, wegen Steinschlaggefahr nicht mehr zu befahrende) Straße gebaut, die sich den Berghang rechts der Schlucht hinuntermäandert. Am Baum zwischen den beiden Graten sind wir gestartet und haben jetzt die Hälfte des Abstiegs geschafft.

Auf dem kleinen Felsvorsprung in der Bildmitte machen wir Pause. Das Frühstücksteam hat uns wieder eine leckere Lunchbox zusammengestellt, um die uns Engländer beneiden, wie sie uns später beim Warten auf den Bus erzählen.

Der Wanderweg ist gut ausgebaut, die unterschiedlich hohen Stufen und die Feuchtigkeit machen manche Stellen etwas anstrengend. Gut, dass wir die Stöcke dabei haben, denn 11% Gefälle ist nur ein Durchschnittswert. Der Weg ist an einer Stelle gerade erst notdürftig repariert worden. Ein Erdrutsch hat vor kurzem große Teile des Hanges und mit ihm auch den Weg weggerissen.

Curral, also Pferch, wurde der Talkessel schon immer genannt, da es hier ausgedehnte Weiden für das Vieh gab. Die Nonnen hatten hier nicht nur ihre Ländereien, sondern fanden auch zu Zeiten der Piratenüberfälle auf Funchal eine schützende Zuflucht. In den Fremdsprachen bürgerte sich der Name Tal der Nonnen, Nuns Valley ein.

Da das Tal viele Jahrhunderte kaum zugänglich war, siedelten hier auch nicht viele Menschen. Den Anfang machten im 15. Jahrhundert Hirten und entlaufene oder freigelassene Sklaven. Den jetzt namensgebenden Nonnen wurden die Ländereien Ende des 15. Jahrhunderts überlassen, da zwei Enkeltöchter des Inselentdeckers Zarcos im Konvent des Santa Clara Klosters in Funchal lebten (oder vom Vater dorthin „entsorgt“ wurden, in Ermangelung standesgemäßer Verheiratung).

Links im Bild ist die Stromleitung zu sehen. Elektrizität kam erst 1962 ins Tal, also erst seit 60 Jahren. Die Berge rundum sind so hoch, Fernsehgucken ging noch viel länger nicht. Erst seit 1985 sind Programme zu empfangen. Das ist heute fast nicht mehr vorstellbar, wir haben im Tal Telefonempfang und Wifi gibt es auch.

Curral das Freiras liegt ca. 20 Kilometer nördlich von Funchal, gehört verwaltungstechnisch aber zum 29 Kilometer entfernten Câmara de Lobos. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörten die Menschen der Kirchengemeinde von Santo António im Norden Funchals an. Da sie aber aufgrund der abgeschieden Lage nicht hinreichend genug kirchlich betreut werden konnten, wurde die Kirchengemeinde selbstständig.

Die Bushaltestelle liegt praktischerweise direkt gegenüber von einem Café. Der Regen wird stärker, der Kellner hat die Abfahrtzeiten im Kopf und gibt uns rechtzeitig Bescheid. Auf der Rückfahrt können wir noch einmal die Fahrtkünste der hiesigen Busfahrer bewundern. Zuerst geht es noch ein bisschen weiter durch das nördliche Tal, in dem die Regenfälle zu starken Hangabbrüchen geführt haben.

Hier wird die Straße gesichert und erneuert.

Dann geht es auf gleicher Strecke zurück und bald zügig durch den fast zweieinhalb Kilometer langen Tunnel aus dem Tal heraus, noch ein Schlenker zum Eira do Serrado und dann wieder auf die Serpentinenstraße Richtung Funchal. Natürlich kommt uns wieder ein Bus entgegen. Diesmal ist die Stelle sehr eng. Beide Busse stoppen vor und zurück, noch ein bisschen und noch ein Versuch. Als beide Außenspiegel ganz weggeklappt werden, passen wir aneinander vorbei.

In Funchal genießen wir den Sonnenschein und wärmen uns ein bisschen auf. Das Wetter war zwar nicht so ideal zum Wandern, es hat trotzdem Spaß gemacht. Am nächsten Morgen zeigt uns der Kellner Fotos vom höchsten Gipfel im Zentralmassiv. Dort ist der Niederschlag in der Nacht als Schnee heruntergekommen. Amazing!

Curral das Freiras – Wanderung zum Gehege der Nonnen, Teil 1 (Madeira 22)

Die Wanderstöcke warten bereits seit zweieinhalb Wochen im Koffer. Das aktuelle Wetter Ende Januar empfiehlt eine lange Bergwanderung nicht. Wir entscheiden uns für eine leichte Bergab-Wanderung aus unserem Reiseführer und machen die längere Variante. Die hört sich in der Beschreibung gut machbar an für unsere untrainierten Gelenke.

Zunächst müssen wir zum Startpunkt kommen. Wir fahren mit dem Bus zunächst nach Funchal und steigen dann in den Bus der Linie 81. Wir zeigen dem Fahrer die Karte, damit er weiß, wo wir aussteigen wollen. Es geht hoch in die Berge, nach der dichten städtischen Bebauung fahren wir auf Serpentinen durch Wälder.

Vor dem neuen Tunnel wollen wir aussteigen. Der Busfahrer ist leicht verwirrt, er möchte uns gern zum Start des Abstiegs fahren. Nicht jeder Bus der Linie fährt den Umweg zum Eira do Serrado, dieser tut es. Wir möchten aber zum Berg wandern. So steigen wir aus.

An der Südküste haben wir eigentlich immer Sonnenschein oder mal leichte Bewölkung. Die dunklen Regenwolken dräuen immer nur über den Bergen des Zentralmassivs. Nun sind wir hier, zwar am Rand, aber doch im (leichten) Regen.

Die folgenden knapp zweieinhalb Kilometer wandern wir auf der Straße entlang, dem Bus sozusagen hinterher. Zwischendurch kommt er uns wieder entgehen, und der Fahrer winkt uns freundlich zu.

Schon die Ausblicke auf die Ausläufer des Zentralmassivs sind beeindruckend:

Nach Überwindung von 70 Höhenmetern, einem Blick auf die alte Straße, die wegen Steinschlags schon sehr lange gesperrt ist, und einigen Kurven erreichen wir wieder die Zivilisation mit Parkplatz, Hotelanlage und großen Souvenirläden. Im Café ist der Espresso willkommen, aber sehr teuer.

Die letzten 75 Höhenmeter bis zum Gipfel des Eira do Serrado sind über den ausgebauten Weg schnell überwunden, der Ausblick ist trotz Regens phänomenal.

Und dann geht es auf zum eigentlichen Ziel, hinab nach Curral das Freiras. Im nächsten Eintrag gibt es noch überwältigende Fotos zu sehen!

Ein bisschen was zum Madeirawein (Madeira 22)

Madeira exportiert bereits seit fast 600 Jahren Wein nach Europa. Die Portugiesen begannen recht zügig nach der Entdeckung hier Weinstöcke anzupflanzen. Die Malvasia-Traube wurde z.B. von Kreta importiert. Heute ist die Insel bekannt für ihren Likörwein in fünf unterschiedlichen Süß-Stärken, der berühmte Madeirawein.

Der Likörwein wird bereits seit Jahrhunderten von Staatenlenkern geschätzt. Zum Beispiel wird der Tag, an dem ein amerikanischer Präsident neu gewählt wird, mit einem Glas Madeira gefeiert. Diese Tradition wird auf den ersten Präsidenten George Washington zurückgeführt, der auf die Erklärung der Unabhängigkeit der USA mit einem Glas dieses Weines anstieß. Die Queen lässt bei Staatsbanketten ebenfalls Madeira zum Dessert servieren.

Madeirawein ist überall in Europa bekannt. Und das seit langer Zeit, selbst in Shakespeares Stücken findet er Erwähnung: der Bruder des zukünftigen Königs Richard III soll hingerichtet werden und wählt den Tod durch Ertrinken in einem Fass Malvasia, der süßesten Sorte, die es gibt. Was für ein Gedanke!

Nach der Lese (alles in Handarbeit, da auch der Wein auf Madeira auf kleinsten Parzellen angebaut wird) und der Traubenpressung wird die Maische fermentiert. Die Fermentation wird durch die Zugabe von Weinalkohol gestoppt, hier entscheidet sich, ob der Wein süßer oder trockener wird. Nun gärt der Wein für ungefähr drei Monate in Edelstahlfässern, bevor er in andere Fässer umgefüllt wird. Am Anfang wird er auf 45 Grad erhitzt, danach kühlt die Flüssigkeit langsam auf Raumtemperatur ab.

Je nach gewünschtem Alter reift der Madeirawein für drei Jahre in Stahlfässern oder für fünf, zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahre (oder noch länger) in Eichenholzfässern. Diese lagern im obersten Stock der Produktionsanlage, da dort die Raumtemperatur höher ist.

Man kann die dreijährigen Sorten umsonst probieren, für die älteren muss man etwas Geld bezahlen, dafür ist die Portion auch größer. Wir beginnen mit zwei Sorten des dreijährigen Weins, eine davon heißt ‚Rainwater’. Dazu gibt es eine schöne Geschichte:

Vor langer Zeit, aber historisch verbürgt, verbrachten aus Versehen einige Fässer Madeirawein die Nacht auf dem Pier in Funchal, statt schon im Laderaum des Schiffes. Ausgerechnet in der Nacht regnete es sehr heftig, und etwas Regenwasser drang in die Fässer ein. Sie wurden am nächsten Tag trotzdem verladen und schipperten in die Staaten. Der amerikanische Importeur probierte die frische Ladung und war begeistert vom Geschmack. In den Augen der Madeirer war der Wein verdorben, doch der Importeur orderte genau diesen Wein nach. Was der Kunde will, soll er haben, eine neue Weinsorte entstand. Er schmeckt wirklich etwas dünn im Vergleich mit einem anderen dreijährigen Wein.

Danach gehen wir zu den besseren Sorten über, zur zehn- und zur fünfzehnjährigen Boal-Traube (halbsüß) und zur zehnjährigen Malvasia-Traube (süß). Sie schmecken uns alle recht gut, erstaunlicherweise macht dann aber der Malvasia das Rennen (wir können ja nicht sooo viele Flaschen in den Koffer packen, der war schon voll, als wir ankamen).

Sie haben auch sehr, sehr alte Weinflaschen im Verkauf. Einen Wein von 1894 für 1010,00€ könnte man vor dem Kauf auch probieren, für 75€ das Gläschen.

Levada-Wanderung in der Stadt (Madeira 22)

Laut Reiseführern ist eine Wanderung entlang der Bewässerungsrinnen (Levadas) ein Muss auf Madeira. Zu den meisten beschriebenen Touren muss man jedoch mit dem Bus oder Auto anreisen. Wir wollen nur gehen. Da in Câmara de Lobos die Bananen auch in der Stadt wachsen, gibt es auch hier Levadas. Auf geht’s!

Auch oberhalb des Hafens gibt es noch jede Menge zu investieren. Aber die öffentlichen Grünanlagen werden regelmäßig bearbeitet. Jetzt, Ende Januar, blühen schon merklich mehr Pflanzen.

Wir steigen erst einmal im Osten des Hafenbeckens aufwärts und kommen zu einem weiteren Aussichtspunkt, dem Miradouro do Salão Ideal, eine Etage über unserem Küstenfußweg zum Strand. Vom Bus aus ist uns der Aussichtspunkt noch nie aufgefallen.

Unsere Karte (maps.me) sagt uns, dass links die Travessa do Ferreira abgeht. Es sieht zuerst ein bisschen wie ein Privatweg aus, geht aber rechts weiter. Dann sieht es aus wie die Zufahrt zur Garage des Gebäudes. Links davon führt dann der schmale Pfad zwischen den Häusern in die Höhe.

Diese schmalen Gassen kürzen die Serpentinenstraßen für Fußgänger ab, ganz praktisch eigentlich. Meistens sind sie ganz sauber und gepflegt, immer dann, wenn Einzelhäuser angrenzen. Etwas anders sieht es aus, wenn die Bebauung aus Sozialwohnungsblöcken besteht oder ganz fehlt. Dann scheint sich niemand zuständig zu fühlen und die eine oder andere Ecke wird zur Müllentsorgung aller Art genutzt.

Über die sich anschließende Travessa das Encruzilhadas kommen wir auf die Rua Padre Pita Ferreira. Am Polizeigebäude, das einen neuen Anstrich gut vertragen könnte, geht es rechts hoch den Caminho Velho da Palmeira. Die Straße führt sehr steil nach oben, ein Blick zurück zeigt, wie hoch wir schon gestiegen sind.

Dann biegen wir wieder links in einen Pfad, Travessa da Pedreira, der uns erst einmal kurz treppab Richtung einer Sozialbausiedlung führt, dann aber fast 250 Meter lang treppauf in die Höhe geht. Ein Blick zurück verdeutlicht die überwundenen Höhenmeter. Die Treppe beginnt am Zebrastreifen, der in der ungefähren Bildmitte zu sehen ist (Tipp: Bild aufzoomen).

Nun geht es nur noch einen kleinen Anstieg eine Treppe hoch, an der Ruine links vorbei und schon sind wir auf der Levada do Pico da Torre, an der Südflanke des Hausberges entlang. Doch schon nach einer Kurve ist die Enttäuschung groß. Der weitere Weg ist gesperrt, die komplette Umrundung des Picos wird uns verwehrt. Dabei ist die Aussicht von dieser Seite auf den Ort und das Meer so schön!

Na gut, dann eben Plan B, wir gehen zum anderen Ende der Levada do Pico da Torre ein paar Straßenecken weiter auf der Nordseite und beginnen den Weg dort. Eine kurze Treppe hinunter, an der Grundstücksmauer geht es nach einem Blick auf die Karte links entlang.

Die Bewässerungsrinne wird hier nicht mehr benötigt und ist mit Betonplatten abgedeckt. Auf den ehemaligen Feldern stehen Wohnhäuser. Unerwartet tauchen doch noch Bananen auf.

Plötzlich scheint der lange Weg ins Leere zu führen. Geht es da vorne noch weiter? In den Reiseführern wird bei Levadawanderungen in den Bergen wegen der Tunnel immer auf die Mitnahme einer Taschenlampe hingewiesen. Doch es ist nur eine Überbauung des Weges. Bevor wir die Taschenlampenfunktion des Mobiltelefons finden, treten wir schon wieder ans Tageslicht.

Eine kleine Treppe hinab, die andere wieder hinauf und schon kommen wir zu den Parzellen mit Bananen und einer offenen Wasserrinne.

Nach einer Weile finden wir die Absperrung auf dem anderen Ende der Südflanke und biegen ab auf die Escadinhas de São Bernardino (Treppen), die uns zum Caminho de São Bernardino bringen. Hier waren wir schon mal. Das Sträßlein ist auch für Anwohner zu befahren. Es ist schmal und steil, wenn man in die Auffahrt der Grundstücke fahren möchte, muss man das auf einer Schrägen in einem 90-Grad-Winkel tun. Aber es scheint zu funktionieren, wie die Bilder zeigen. Das Auto parkt links unter der Pergola.

Der Caminho de São Bernardino ist eine Sackgasse und mündet in einer Treppe, die uns direkt hinunter zur Kirche führt. Okay, das war nun keine Levada-Wanderung im klassischen Sinn, aber ein sehr schöner Spaziergang von gut einer Stunde. In der Nähe liegt der Weinkeller von Henriques&Henriques. Auf zur Weinprobe, davon im nächsten Blogbeitrag mehr.

Lokale Spezialitäten auf Madeira, Teil 1 (Madeira 22)

Während unseres Aufenthaltes versuchen wir, viele lokale Gerichte und Getränke zu probieren. Manchmal gibt es auch Brot, Käse von den Azoren oder Brie, Oliven und portugiesischen Wein vom Festland oder seltener auch von hier auf dem Balkon. Man mag einfach nicht immer abends auch noch ausgehen.

Die Caldo verde, übersetzt heißt sie grüne Suppe, ist tatsächlich grün. Das liegt am Grünkohl, der das Hauptgemüse der Suppe darstellt. Der herzhafte Geschmack wird verstärkt durch die mitgekochte Knoblauchwurst. Sie schmeckt sehr gut und mit dem traditionellen Brot Bolo do Caco ist es durchaus sättigend. Der Teig (bolo) besteht aus Weizenmehl und Süßkartoffeln und wird auf einer Basaltplatte (caco) gebacken, sehr gut auch mit Knoblauchbutter.

Gefüllt wird aus dem Brot unter anderem ein Prego no Bolo do Caco, ein Steak-Sandwich. Wir essen die Spezial-Variante, dort ist auch noch Salat, Tomate, Bacon, Käse drauf, und alles wird gekrönt mit einem Spiegelei. Was für ein cooles Street Food! Eigentlich ist es für das schnelle Mittagessen gedacht. Wir essen es als Abendessen in der Bar an der örtlichen Markthalle, zusammen mit einem Coral Bier, ebenfalls auf Madeira hergestellt.

Madeiras Brauerei wurde bereits 1872 gegründete und gehört heute, wie auch unser Hotel, zur Pestana-Gruppe. Das Bier schmeckt sehr gut, ebenso wie Brisa. Diese Limonade wird ebenfalls auf Madeira in verschiedenen Geschmacksrichtungen hergestellt. Am besten schmeckt uns die Maracuja-Variante.

Câmara de Lobos ist bekannt für seine vielen Fischrestaurants. Espada preta, der schwarze Degenfisch, steht überall auf der Speisekarte und wird auf die unterschiedlichsten Arten zubereitet. Die Fischer ziehen den Tiefseefisch aus zwei Kilometern Tiefe mit hakenbesetzten Angelschnüren heraus. Er kommt im ganzen Nordatlantik vor und ist für Madeira der wichtigste Speisefisch. Es gibt sogar ein spezielles Degenfisch-Festival im August. Allerdings sollte man davon nicht zuviel essen, da er recht viele Schwermetalle enthält. Und wie alle beliebten Fischarten droht auch der schwarze Degenfisch überfischt zu werden.

Der andere Tiefseefisch hier ist der Thunfisch, der in verschiedenen Varianten von Anglern aus dem Meer gezogen werden kann. Man kann von den Hafenmolen aus angeln, aber auch eine der angebotenen Hochseeangeltouren buchen. Beides ist nicht unser Hobby, aber wir essen Fisch wirklich sehr gern.

Das Bild zeigt Bife de Atum com milho frito, Thunfischsteak mit gebratenen Stücken aus Maisgrieß.

Die Fischsuppe hier auf Madeira ist sehr sämig und wird mit Tomaten und Kartoffeln gekocht. Etwas stückiger im Erscheinungsbild gibt es auch noch einen Fischeintopf, den haben wir aber hier in Câmara de Lobos noch nicht entdeckt.

Ein Spaziergang entlang der Uferpromenade Funchals (Madeira 22)

Als wir die Rua Carvalho Araújo den Berg hinunterkommen, fallen uns die beiden Kreuzfahrtschiffe ins Auge. Das große konnten wir schon von weiter oben aus sehen.

An der Promenade des Schiffsanlegers liegt eine große Fischskulptur, gestaltet vom Künstler Bordalo II (Artur Bordalo, geb. 1987 in Lissabon), der auch das Relief mit dem Seehund in Câmara de Lobos gestaltet hat (s. Blogeintrag vom 11.12.2021).

Wir kommen am Museu CR7 vorbei, in dem die Lebens- und Erfolgsgeschichte von Fußballstar Cristiano Ronaldo, der auf Madeira geboren wurde, erzählt wird. Wir begnügen uns mit einem Foto der lebensgroßen Bronzestatue (einer der meist fotografierten Punkte der Stadt) davor und wundern uns, welche Stellen die Fans am meisten anfassen.

Weiter geht es entlang der Avenida do Mar. An der Marina bleiben wir eine ganze Weile stehen und beobachten die sehr jungen Menschen, die mit ihren Surfbrettern aus dem kabbeligen Hafenwasser ins offene Meer steuern, und das bei starkem Wind in atemberaubender Geschwindigkeit.

Die lange Mole, die die Marina nach Osten hin abschließt, sieht jetzt sehr leer und langweilig aus. In der Weihnachtszeit stand hier der wunderbare Lichtertunnel, der uns so begeistert hat (s. Blogeintrag vom 15.12.2021). Aber dafür ist der Blick auf die Hügel, an denen sich Funchal in die Höhe zieht, imposant. Gut, dass das Wetter da oben in den Bergen bleibt!

Das Fortaleza do Pico ist ebenfalls gut zu sehen, wie es auf dem Pico dos Frias über der Stadt thront. Den Aufstieg auf den 111 Meter hohen Berg sparen wir uns für einen anderen Besuch auf. Diese Festung von dreien insgesamt in Funchal wird noch militärisch genutzt zur Ausbildung von Marinesoldaten.

Der Weihnachtsbaum steht noch, wie so einiges andere der aufwendigen Weihnachtsbeleuchtung. Macht auch nach Weihnachten optisch etwas her.

Eine kleine Pause tut jetzt ganz gut. Das Café direkt an der Promenade eignet sich wunderbar, um die anderen Flaneure zu betrachten. Allerdings zahlen wir hier für die Getränke das 2,3-fache als an der Praia Formosa.

Gleich nebenan liegt die Parkanlage Praça do Povo, die 2016 fertiggestellt wurde. Sie ist auf Geröll gebaut, das 2010 bei schweren Unwettern ins Meer gespült wurde. Auf der Fläche von mehr als einen Quadratkilometer ist auch ein neuer Anleger für Kreuzfahrtschiffe entstanden.

Wir haben noch Zeit für einen Abstecher in die Kathedrale, bevor der Bus uns zurück nach Câmara de Lobos bringt.

Die Hauptkirche Funchals stammt aus dem späten 15. Jahrhundert und ist wie alle Kirchen aus der Zeit von außen sehr schlicht gehalten, hier eine Aufnahme aus dem Dezember vom Hauptportal.

Von der Seite sieht man den Kirchturm mit den Azulejos (Fliesen) und die Tuffsteinbalustrade mit den schraubenförmigen Türmchen, ein Beispiel des manuelinischen Baustils, durch den die Portugiesen bis heute an ihre glorreiche Zeiten als einstmals führende Wirtschaftsnation erinnert werden.

Von innen ist sie prächtig ausgeschmückt, schließlich ist sie Sitz des Bischofs (= ).

Zurück fährt mal wieder der gewünschte Bus laut Fahrplan nicht, nach einer Dreiviertelstunde des Wartens kommt dieses bislang älteste Exemplar, das uns transportiert, mit vier Gängen und gut, aber lautstark funktionierenden Bremsen.

Quinta Magnólia, Funchal (Madeira 22)

In Funchal und Umgebung gibt es viele tolle Gärten, die man besichtigen kann, die meisten nur gegen Eintritt. Die Quinta Magnólia kostet keinen Eintritt, da die Anlage eine öffentliche Freizeiteinrichtung mit Sportanlagen (Tennis und Squash, ein putting green), Kinderspielplatz, Cafeteria, unterschiedlichen Gärten und Wegen ist. Nach der Renovierung 2019 befindet sich im Haupthaus eine neue Galerie für Kunst mit wechselnden Ausstellungen.

Erbaut wurde die Quinta Anfang des 19. Jahrhunderts von Howard March, einem amerikanischen Kaufmann und Konsul, bevor sie in den 1930er Jahren vom British Country Club übernommen wurde. 1980 übernahm die Regionalregierung das Gebäude und machte Garten und Park der Öffentlichkeit zugänglich. Zeitweise befand sich hier die Hotelfachschule, in die man Punkt 13 Uhr zum Mittagessen erscheinen konnte. Die sogenannte Ausländerbibliothek, die hier laut Reiseführer sein soll, konnten wir nicht finden. Es gab oder gibt hier aber eine Bibliothek für Fremdsprachen. Der Rosengarten ist nach der ehemaligen Leiterin der Bibliothek benannt worden.

Im Januar blühen noch einige Rosen.

Im August 2019 wurde die gesamte, ca. 40.000 Quadratmetern große Anlage nach einer umfassenden Renovierung wieder eröffnet.

Der weitläufige Rasen bedeckt einen Großteil der Quinta.

Im Januar blüht nur etwa ein Drittel der Pflanzenarten auf Madeira, die im Mai zum berühmten Blumenfest in Blüte stehen, aber einige Blumen finden wir zum Fotografieren.

Am beeindruckendsten sind allerdings die zum Teil sehr alten, exotischen Bäume, von denen wir einige in wesentlich kleinerer Ausgabe aus den heimischen Wohnzimmern und Wintergärten kennen. Wie alt wohl einige Exemplare sind, bei der Höhe und der Stammdicke?

Im Haupthaus gibt es eine Ausstellung (O Espólio) mit Werken des madeirischen Künstlers António Aragão (1921-2008). Hinein geht es nach dem bereits bekannten Procedere (Impfnachweis, Testergebnis, Fieber messen).

Dann schaltet die Aufsicht erst einmal alle Lampen ein und geht mit uns nach oben. Wir besichtigen die Exponate von Raum zu Raum, die Aufsicht folgt uns ebenfalls von Raum zu Raum.

Am Ende gehen wir wieder nach unten, und die Aufsicht schaltet alle Lampen wieder aus. Der Mann, der sie unten am Tresen vertreten hat, bittet uns, etwas ins Gästebuch zu schreiben. Er kann ein paar Wörter auf deutsch, da er wohl an einem Austauschprogramm in der DDR teilgenommen hatte. So genau ist es aufgrund des starken Akzents im Englischen nicht zu verstehen.

Am Abend findet noch ein soziales Event statt, irgendetwas mit Bezug zum Motorsport. Es wird entsprechend aufgebaut.

Wetter-Update Mitte/Ende Januar (Madeira 22)

Der seit gut einer Woche die Insel umbrausende Sturm hat sich endlich verzogen. Irgendwann hat man alle atemberaubend hohen Brecher mehrmals fotografiert. Auf unseren Spaziergängen entlang der Küste zur Praia Formosa nahmen wir zwischenzeitlich die Regenjacken mit, gegen die über die Wege schlagenden Brecher und gegen den Wind an den Außenplätzen des Cafés.

Der Sturm hat an der Praia Formosa ordentlich Strandsubstanz mitgenommen und eine richtig hohe Abbruchkante hinterlassen.

An Baden im Atlantik war in der letzten Woche nicht zu denken. Andere Strandgänger haben die Chance genutzt, aus dem Treibgut etwas zu bauen und zu ergänzen.

Es blieb die ganzen Tage trotz heftigen Sturms warm bei 19 Grad. Die Einheimischen bleiben dabei, es ist Winter und wirklich kalt, sie tragen Pudelmützen. Doch jetzt können wir seit zwei Tagen wieder auf der Außenterrasse des Hotels frühstücken, den Sekt in der Sonne genießen und anschließend die Sonnenliegen am Pool nutzen. Das Thermometer steigt wieder und der Wind schläft ein. Das Wasser im Pool ist allerdings noch eiskalt.

Auch die Fischer lassen ihre Boote wieder ins Hafenbecken und fahren hinaus zum Fischen. Andere bleiben an Land und schneiden Napfschnecken (patella candei) von den nun wieder zugänglichen Felsen im Hafenbecken. Die lapas (auf portugiesisch) stehen in allen Restaurants als Vorspeise auf den Speisekarten. Man isst sie wie Austern. Wir haben uns noch nicht an sie heran angetraut.

Es gibt auch wieder Sonnenuntergänge zu sehen. Sie sind jedoch noch nicht wieder so schön wie im Dezember.

MUDAS – Museu de Arte Contemporânea da Madeira (Madeira 22)

Die Stadt Funchal veranstaltete in den Jahren 1966 und 1967 Wettbewerbe für plastische Kunst. Die dort eingereichten Kunstwerke bildeten den Kernbestand einer zunächst städtischen Sammlung, die mit weiteren Ankäufen der Regionalregierung seit 1986 in der Quinta Magnólia in Funchal ausgestellt wurden. 1992 zog die Sammlung in die von der Militärverwaltung übernommen Festung São Tiago um, das Museum für zeitgenössische Kunst wurde gegründet. 2015 zog das Museum in den bereits 2004 eingeweihten und preisgekrönten Neubau von Pablo David in Calheta ein.

Das Bauprojekt umschloss damals nicht nur den spektakulären Neubau, sondern auch die Renovierung des vorhandenen Gebäudes aus dem 16. Jahrhundert, das bereits als Haus der Kultur genutzt wurde.

Mit dem Neubau steht nun eine überdachte Fläche von 12.000 Quadratmetern für die Kunst zur Verfügung. Man nähert sich dem Eingang des Museums quasi vom Dach aus und hat das Gefühl, hoch über dem Atlantik zu schweben.

Die einzelnen, als Kuben gestalteten Ausstellungsräume sind mit Basalt verkleidet und bilden die oberste (Erdgeschoss) von insgesamt vier Etagen (werden mit einem – davor bezeichnet: -1 etc.). Sie erinnern an die tiefen Schluchten, von denen es hier auf der Insel viele gibt.

Wir zeigen unsere Impfnachweise und Schnelltests vor, bekommen Fieber gemessen, zahlen 4€ Eintritt pro Person und bekommen zwei Sonderausstellungen, einen Einblick in die ständige Sammlung, großartige Räume und spektakuläre Ausblicke zu sehen. Alle Eindrücke sind im folgenden thematisch zusammengefasst.

Der Besuch ist die lange Anreise per Bus definitiv wert gewesen, ein tolles Gebäude mit spannenden Exponaten. Das Herrenhaus ist leider geschlossen, als wir wieder an die Erdoberfläche zurückkehren. Dann machen wir jetzt eine Mittagspause. Unsere Hotelküche hat uns extra ein Lunchpaket für den Ausflug zusammengestellt, mit Kakao, Sandwiches, Eiern, Bananen und Apfel und zwei kleinen süßen Törtchen. So nett und so lecker, da stört auch der stürmische Wind nicht beim Verzehr.