Die Fahrräder hingen die ganze Zeit brav am Wohnwagen, im Schwarzwald war es uns einfach zu anstrengend, sie zu nutzen. Dort waren zwar viele Menschen mit Rädern unterwegs. Wenn man genauer hinsah, handelte es sich fast ohne Ausnahme um e-bikes. Unsere Räder müssen noch mit eigener Kraft getreten werden.
Aber nun, quasi am letzten Tag dieser Tour, kommen die Fahrräder doch noch zum Einsatz. Am Ende wissen Popo und Oberschenkel dann auch, was sie gemacht haben, 25 km mal eben so ist eben doch nicht so easy. Erst im Nachhinein merken wir, dass wir im Teilgebiet Hohe Heide durch die Ausläufer der Endmoränen gefahren sind. Es gibt auch viel flachere Gebiete in der Lüneburger Heide.
Es geht los mit einer Kursänderung. Der Weg entlang der Landes- und Bundesstraßen erscheint uns zu langweilig, obwohl die Fahrradwege in den letzten Jahren mit EU-Mitteln gut ausgebaut worden sind. Wir entscheiden uns für die eher landwirtschaftlich genutzten Wege. Natürlich kommt der Wind, wie in Norddeutschland üblich, genau von vorne, aber wir haben einen trockenen Tag erwischt. Etliche Traktoren und ein LKW, der Gülle transportiert, kommen uns entgegen. Während bei uns zuhause am Feldrand zur Zeit die Zuckerrüben unter Planen liegend auf ihren Abtransport warten, sind es hier die Heide-Kartoffeln.

Dann führt unser Weg durch den Wald. Die breiten Wirtschaftswege sind bestimmt gut zu befahren, wenn es nicht (wir haben Mitte November) vorher ausgiebig geregnet hätte. So sind die Pfützen zum Teil riesig und tief, die Ränder entsprechend schlammig. Der Rest des Bodens ist, bis auf die verdichtete Fahrspur, von Wildschweinen zerwühlt worden. Sicherheitshalber sind wir sehr laut, wir wollen nicht, dass die wilden Schweine noch unseren Weg kreuzen.
Der Weg zum Tütsberg (108,5m) ist geteert, in keinem guten Zustand und führt gefühlt ewig geradeaus. Später wissen wir, dass eigentlich alle Wege und Straßen in der Gegend am liebsten lange geradeaus führen (und einige Autofahrer zu waghalsigen Überholmanövern verleiten). Der Gutshof auf dem Tütsberg wird vom Verein Naturschutzpark in ökologischer Landwirtschaft betrieben. Das Hotel mit seinem Restaurant ist sehr empfehlenswert (wir waren vor sechs Jahren schon einmal dort).
Und dann geht es endlich in die Heide.

Auch ohne die lila Blüten ist es sehenswert hier. Und ruhig, und leer, und manchmal schafft es die Sonne auch, uns ein paar Strahlen zu schicken. Der Tütsberg ist eine Wasserscheide. Im Norden entspringt die Wümme und fließt in die Weser; im Osten entspringt die Brunau und fließt in Luhe und Elbe; im Westen entspringt die Böhme und fließt in die Aller.

Wir folgen der Beschilderung für die ‚Heideschleife‘, bis wir nach Overhaverbeck kommen.

Dort freuen wir uns schon auf Kaffee und Kuchen. Aber nein, nicht einmal am Wochenende hat hier etwas geöffnet, wir kommen wirklich in der off-off-season.

Dann eben weiter, diesmal frisch geteerter Fahrradweg, wir überqueren die Brunau. Ah, wir fahren also Richtung Osten. Es geht bergab bis nach Behringen. Dort gibt es eine Metzgerei, die für ihre Schnucken- und Wildprodukte berühmt ist. Wir haben Glück, die Mittagsruhe ist gerade vorbei. Wir haben Pech, der Laden ist wirklich beliebt. Wir stellen uns ganz hinten an die Warteschlange draußen an. Die anschließende Ausbeute ist gut.

Das Café Seeterrasse am Brunausee hätte nun geöffnet, doch die Wartezeit an der Schlachterei und die Winterzeit hat unseren Zeitplan etwas in Bedrängnis gebracht. Wir düsen die restlichen acht Kilometer an den Landes- und Bundesstraßen entlang zurück, ganz langweilig immer geradeaus. Das einzig aufregende sind die Kreisel, die zum Vorfahrtbeachten und Richtungswechsel zwingen.
Warum haben wir es auf einmal so eilig? Nach einer kurzen Erholungsphase mit Tee und Keksen im Wohnwagen fahren wir wieder zum Tütsberg zurück, diesmal allerdings mit dem Auto. Wir wollen Schnucken essen gehen. Das klappt, wir haben im Vorwege reserviert.
Es gibt Schnuckenbratwurst mit einem Detmolder Thusnelda-Bier:

Das Bier schmeckt trotz seines fragwürdigen Etiketts und Namens gut.

Und zum Abschluss ein Glas Gin, Wortspiel inklusive:

Kay entscheidet sich nach seinem Wildsauerfleisch mit Bratkartoffeln lieber für den Buchweizenpfannkuchen:
